Mai 13th, 2019

Horrorspecial – Teil III (#146, 2010)

Posted in interview by Jan

An dieser Stelle beginnt der letzte Teil des Parforceritts mit Marcus Menold, dem Chefredakteur des VIRUS Magazins (Teil II hier, Teil I hier), durch die Horrorthematik.

Zur Auffrischung: Das Mammutinterview fing an mit aktuellen Entwicklungen in der Horrorfilmkultur der letzten zehn Jahre, gespickt mit Abstechern in geschichtliche Gefilde. Über die Zwischenstation im Trust #144 der verschiedenen Subgenres und Geschlechterrollen im Horrorfilm endet es hier nun mit Fankultur und Musik.
Außerhalb des Interviewrahmens stellte Marcus den Zusammenhang zwischen DIY im Punk- und Horrorbereich her, denn gerade in Deutschland gäbe es sehr viele Undergroundfilmemacher (u. a. Marc Rohnstock, Andreas Schnaas, Marcel Walz), die sich, wie er meinte, einfach sagen würden, lasst uns eine Story schreiben, eine Kamera kaufen und einen Horrorfilm drehen. Weitere Bezüge zu unserem täglichen Hardcore Brot folgen in diesem letzten Teil des Interviews.

Für eingefleischte Horrorfans wurden viele Thematiken sicherlich nur oberflächlich angeschnitten, hier sei der lahme Witz erlaubt, Hauptsache es war Blut zu sehen. Doch ist zu hoffen, dass es einigen Lesern ebenso erging wie mir und meinem Sekundanten, nämlich dass die Ausführungen von Marcus zu bestimmten Punkten das Interesse an Vertiefung der Materie geweckt haben, schließlich war es schlichtweg unmöglich, stundenlang nachzufragen. Auf der anderen Seite hat seine bestechende Horrorkompetenz dann doch dazu geführt, dass sich einige Unklarheiten beseitigen ließen.

Wie sonst hätte der weiße Riese auch das Trivia-Quiz bestehen können. Okay, es gab einen Telefonjoker, aber die Fragen waren echt schwer. Wer sein Wissen testen möchte, hier die Fragen, Auflösung am Ende.

In THE DAY THE EARTH STOOD STILL, who plays the visitor from space?
1. Charlton Heston
2. Gary Cooper
3. Kirk Douglas
4. Michael Rennie
5. Rod Taylor

The dreamlike continuity of this surrealistic 1979 horror film presaged the use of similar themes in the successful NIGHTMARE ON ELM STREET series:
1. HALLOWEEN
2. PHANTASM
3. PROPHESY
4. WOLFEN
5. ZOMBIE

What caused THE INCREDIBLE SHRINKING MAN to shrink?
1. A meteor shower
2. A mysterious fog
3. An atomic explosion
4. An experimental drug
5. Food stolen from a spaceship
(aus: “The Sci-fi Channel Trivia Book”, John Gregory Betancourt(Hg.), Berkeley Trade 1996)

Interview & Fotos: Andrea Stork
Sekundant: Jan Röhlk

Virus Magazin: www.raptor.de
Literaturtipp: „Terror Tracks. Music, Sound and Horror Cinema“, Philip Hayward (Hg.), Equinox Publishing 2009
***

Wir haben die Beobachtung gemacht, dass es im Punk-Hardcore-Bereich viele Leute gibt, die zu einer bestimmten Zeit in ihrem Leben, nämlich als Jugendliche, von der Kindheit zum Erwachsenwerden, dabei sind und später irgendwie was anderes machen und dann nur die Berufsjugendlichen übrig bleiben sozusagen… Ist das bei den Horrorfilmfans ähnlich zu beobachten oder ist das ein Genre oder eine Sache, die die Leute vielleicht ein bisschen mehr an das Sujet schweißt?
Absolut. Bei Punk und Hardcore ist es ja so, dass du, um da zur Szene zu gehören oder um die Bands zu sehen, zu Konzerten gehen musst. Und irgendwann fällt dir dann halt auf, dass wenn du da hingehst, kommt’s dir so vor, als ob dich die Leute ankucken und sagen wollen, will der seinen Sohn abholen oder warum ist der Opa hier. Gerade Punk und Hardcore ist aggressive Musik und die wird hauptsächlich von jungen Leuten gemacht, die noch Wut im Bauch haben. Wenn man älter wird, sieht man das alles etwas gelassener, es gibt ein paar Ausnahmen sicherlich, aber die meisten sind dann etwas gediegener und haben nicht mehr das Bedürfnis ihre Wut so auszulassen. Beim Horrorgenre ist es so, dass die Fans nicht zu Konzerten, Conventions oder Veranstaltungen gehen müssen, sondern sich ganz individuell mit sich selbst beschäftigen können.

Und ich habe auch bei vielen kennengelernt, die sagen mir dann, hier ich hab’ das und das entdeckt und dann denke ich manchmal, wow, wie kommt man auf die Idee. Einer hat mir zum Beispiel erzählt, es gibt einen Song im Abspann von „My Bloody Valentine“, wohlgemerkt der alte, von 1981 ist der, glaube ich, ein Country Song, und er hat jetzt so lange nach dem Country Song gesucht, ihn endlich gefunden und nun als Klingelton auf seinem Handy. Was ich damit sagen will, es gibt in der Horrorszene halt sehr viele Leute, für die ist das ihr einziges Hobby, das sie sehr extrem betreiben, sehr begeistert und auch sehr interessiert. Und wenn die sich dann für ein bestimmtes Genre entschieden haben oder ein bestimmtes Thema, was weiß ich, „Evil Dead“ Filme, „Nightmare“ Filme, Geisterfilme im allgemeinen, Zombiefilme, dann entwickeln die so ein richtiges Interesse daran, was man, je älter man wird, natürlich sehr gut dann recherchieren kann und sehr gut sich wirklich rein versetzen kann.
Bei den Q & As (A. d. V. – auf dem Weekend of Horrors in Bottrop November 2009) fiel mir ein Typ auf, der ständig Synchronisationsfragen gestellt hatte, also z. B. an Michael Ironside, ob der wusste, dass die deutsche Synchronisation bei „Starship Troopers“ eine völlig andere Übersetzung hat im Vergleich mit dem Original oder auch die „Hellraiser“ Crew hat er so etwas gefragt – das finde ich ja stellenweise weitaus wissenschaftlicher als jetzt ’ne intellektuelle Abhandlung darüber zu schreiben. Ist natürlich auch irgendwie der Vorteil von Fantum…
Ich habe da auch schon in den Q & As gesessen, da haben die irgendeinen Jason-Darsteller mal gefragt, „im fünften Teil, da war doch diese Szene, wo du das Messer ins Auge gestochen hast, wie wurde das dann gemacht, dass man nicht gesehen hat“, weil es war wohl die echte Person, „dass das Messer dann ins Auge geht“. Wusste er natürlich überhaupt nicht mehr, konnte sich an die Szene nicht mehr erinnern. Aber da merkt man schon, dass die Leute sich wirklich damit auseinander setzen. Also die führen teilweise Listen über Bodycounts in den Filmen.
Mir ist aufgefallen, dass es so ’ne Verschiebung der Grenzen bei Gewalttoleranz gibt und das von Vivi in ihrer Diplomarbeit (A. d. V. – „Zensur – Zur Rolle und Funktion eines regulativen Mechanismus“, Vivian Guerrero-Meneses, 2008) in einem Absatz versucht wurde mit einem Normenwandel zu erklären. Was mir einfach nur auffällt, ist, dass es weitaus akzeptabler momentan zu sein scheint, auch in irgendwelchen „Normalo“filmen brutale Folterszenen darzustellen.
Tarantino zum Beispiel…
Ja, und das wird nicht indiziert. Weißt du, wann das entstanden ist?
Ich denke, es gab früher sehr gewalttätige Filme, gerade im Slasher-Bereich. Das war so ’ne Gewaltspirale, die hat sich dann so ein bisschen nach oben gedreht, und das alles hat mit „Silent Night, Deadly Night“ geendet, so ein Slasherfilm, in dem ein Weihnachtmann mit ’ner Axt herum läuft und Leute erschlägt. Und das war dann gerade für das amerikanische Publikum zu viel, und es gibt sehr viele konservative Bewegungen in den USA, die sind dann halt alle auf die Barrikaden gegangen und haben gesagt, so ein Film darf nie wieder veröffentlicht werden. Ich glaube, der kam so Mitte der 80er, und danach war erst mal gar nichts mehr mit gewalttätigen Filmen in den USA.

Dann kamen diese ganzen „Scream“ Dinger von Wes Craven, was ja mehr so Mainstream-Popcorn-Kino war und dann kam irgendwann, ich denke es war „Reservoir Dogs“ von Tarantino, der halt wirklich sehr explizite Gewaltdarstellungen gezeigt hat und nicht als Underground- oder Schmuddel-Kino, das war ein Hochglanz-Hollywoodfilm. Also das war nicht Abel Ferrara oder Sam Peckinpah, die da immer sehr dreckig und bisschen undergroundig waren, sondern es war edel gemacht mit Surfsounds und guten Schauspielern, und da war das plötzlich kein Problem. Tarantino hat das dann ja noch fortgeführt in „Pulp Fiction“, in „Kill Bill“.

Ich denke, dem hat man’s dann zu verdanken, also die Horrorfans, dass es ab diesem Zeitpunkt auch wieder möglich war, im Horrorbereich härtere Sachen zu drehen, also „Hostel“ und „Saw“ sind zwei sehr gute Beispiele. Ich denke nicht, dass es diese Filme gegeben hätte, wenn Tarantino da nicht die Vorarbeit geleistet hätte. Ich mag ihn nicht sonderlich, aber insofern muss man sagen, hat er da auch für das Horrorgenre irgendwie was Gutes getan. Und seitdem scheint wieder alles möglich zu sein, seither trauen sich die Leute auch wieder Dinge zu tun.
Kann man das nicht auch mit der Konfrontation in der Realität mit größeren Gewaltansammlungen in Verbindung bringen? Die 80er waren New Wave, New Romantic, da ist ja nicht so viel passiert, und es fing dann erst wieder in den 90ern an mit netten Kriegen und so, dass da halt einfach auch durch normale Sehgewohnheiten die Toleranzgrenze abgesackt ist?
Ich denke, allgemein kann man sagen, dass der Horrorfilm immer ein bisschen das widerspiegelt, was sich im aktuellen Weltgeschehen zuträgt. Das war bei diesen 50er und 60er Jahre Sachen so, Angst vorm Kalten Krieg, Atomversuche, da gab’s diese ganzen Filme „Formicula“, „Tarantula“ usw. mit Monstern, die durch Versuche irgendwie größer geworden sind. Das zieht sich so durch alle Jahrzehnte des Horrorfilms. Aber ob jetzt… kann man sagen, machen auch viele, dass zum Beispiel speziell „Saw“ und „Hostel“ Abu-Ghuraib, Guantánamo usw., dass diese Ereignisse das so ein bisschen beeinflusst haben… Die Regisseure selbst sagen, nee, hat nix damit zu tun, wir wollten einfach einen neuen, innovativen Film machen.

Aber klar, es ist ’ne These, kann man aufstellen, trifft sicherlich für viele Filme zu. Ich meine jetzt… aktuelles Tagesgeschehen, da hört man ja sehr oft von Kindern, die entführt, missbraucht werden, ein Mädchen, was 10, 15 Jahre in Gefangenschaft war, und ich denke schon, dass viele Regisseure, gerade im französischen Kino, da ihre Idee rausziehen. Und die Realität schreibt immer die grausamsten Geschichten, ist halt so. Also insofern würde ich sagen, ja und nein, geschehen ist ein bisschen, aber wird jetzt nicht diktiert vom Zeitgeschehen. Ich denke, es gibt immer noch Leute bei den Regisseuren, die beeinflusst sind von den klassischen Horrorfilmen und die einfach mit der Angst der Leute vor dem Unbekannten spielen wollen. Und ob sich das jetzt in dieser oder in anderer Form manifestiert, ist, glaube ich, dem jeweiligen Autor überlassen.
Das nächste Segment wäre Musik und Horror.
Jan: Ein sehr kleines Segment…
Andrea: Haben sich Metal und Horror parallel mit der Vorliebe für die gleichen Thematiken entwickelt oder sich als Straßenköter gegenseitig am Arsch gerochen, für gut befunden und sind seither in engem Austausch geblieben?

Hm. Metal und Horror?
Der Punkt ist ja, es gibt unheimlich viele Metal Bands, wasweißich Death und Slayer, mit Songtiteln, wo jeder für sich genommen ein Horrorfilmtitel sein könnte. Sind die Metal Leute aufgrund der gleichen Vorlieben…
Ich weiß, was Du meinst. Also, zunächst mal sehe ich diesen Bezug von Horror und Musik nicht so sehr im Metalgenre vereint. Klar gibt es auf den ersten Blick sehr viele martialische Plattencover, es hängt ja…
Jan: Wobei die ganzen Subgenres heißen ja auch nach Horrorfilmgenres, Gore-Metal…
Ja….?
Jan: Außer Gore-Metal fällt mir jetzt gar nichts ein, aber Gore Metal halt… (Gelächter)…
Das ist nämlich das Problem, ich mein’ klar, Heavy Metal spielt mit aggressiven Themen, mit Unheimlichem, mit Düsterem, aber wenn du so ein bisschen dahinter kuckst, dann ist das recht trivial, da tut sich nicht viel. Mir fällt jetzt außer, sagen wir mal, Alice Cooper, King Diamond oder Mercyful Fate, Rob Zombie… dann wird’s schon langsam schwierig, Ripper, ’ne alte US-Band, wenn ich Bands auflisten müsste, die ich jetzt konkret im Zusammenhang von Horror und Metal zusammenstellen müsste. Klar gibt es unzählige Death Metal und Black Metal Bands, die „Hail, hail, kill, kill“ schreien, aber das ist jetzt für mich nicht unbedingt so Horror.

Deshalb suche ich auch meistens Bands aus fürs Magazin, die sich ein bisschen intensiver mit dem Genre beschäftigen und vielleicht Geschichten von Poe oder Lovecraft aufgreifen, die sie musikalisch umsetzen, oder die in jeder Beziehung irgendwie diese Horror-Attitüde leben. Und die finde ich eigentlich eher im Surf und im Psychobilly als im Metal, muss ich sagen. Weil es da richtig viele Bands gibt, die optisch, musikalisch, textlich sich wirklich Gedanken gemacht haben, kleine Geschichten erzählen, die Atmosphäre dieser Horrorfilme widerspiegeln…
Im Grunde genommen war meine Frage darauf ausgerichtet, z. B. Metal Bands, sind das jetzt Horrorfilmfans bzw. sind die Horrorfilmregisseure Metalfans, weil hier ja Verknüpfung existieren, z. B. Alice Cooper schreibt ein Lied über Jason speziell für diesen…
…„He is back“, Teil 6, „The Man behind the Mask“…
…andererseits fragt vielleicht ein Horrorfilmregisseur bei Marilyn Manson an, ob er einen Score schreibt oder Cradle Of Filth drehen einen Horrorfilm, „Cradle Of Fear“, usw. Bedienen die sich der gleichen Quellen auch, also wie z. B. dass Slayer eben diese beiden Songs gemacht haben über Serienmörder, das ist ja amerikanische Folkore…
Ich denke, dass kann man nicht so pauschalisieren. Also es gibt im Metal Bereich sicherlich sehr viele Horrorfilmfans, aber sicherlich sind nicht alle von diesen solche Horrorfilmfans, dass sie jetzt so zu den Hardcorehorrorfans gehören, also wirklich sammeln. Sondern die kucken das einfach gerne, es macht Spaß, dazu ein Bierchen zu trinken, aber jetzt so die richtigen Fans, denke ich, gibt’s da nur wenige. Im Falle Cradle Of Filth… mit dem Sänger Dani Filth habe ich mal ein Interview gemacht, deshalb weiß ich das, der ist ganz großer Horrorfilmfan. Also der kauft wirklich alles, was auf den Markt kommt, schaut sich das an und schreibt dann auch Songs dazu. Ich denke, das ist so ’ne Ausnahme. Alice Cooper hatten wir gesagt, King Diamond…
Jan: Misfits fällt mir jetzt gerade…
Misfits ist ja jetzt eigentlich Punk. Klar, sehr wichtige Band, bei denen ja eigentlich jeder Song auf ’nem alten Horrorfilmklassiker basiert und die auch Einiges ins Rollen gebracht haben, diesen so genannten Horrorpunk…
Genau. Kannst du mir mal vermitteln, was jetzt an diesen neuen Horrorpunk Bands nach den Misfits gut sein soll? Weil mir die Stücke so wie ’ne endlose Halloween Party vorkommen, eigentlich beliebig austauschbar…
Das geht mir auch so. Aber ich denke, das Problem an diesen ganzen Horrorpunk Bands ist, dass sie sich halt näher an diesen Neo-Misfits orientieren, die ja praktisch gar nichts mehr mit der Ur-Band zu tun gehabt haben. Das heißt, die greifen diese „Wo-wo-wo“-Refrains auf und machen daraus ’nen einigermaßen stimmungsvollen Song. Das klingt alles gleich, das stimmt, und ich glaube, der Boom ist auch vorbei. Also das war mal so zwei, drei Jahre, nachdem Misfits diese „American Psycho“ veröffentlicht haben und dann die „Famous Monsters“.

Da kamen diese ganzen Bands auf und da waren Misfits auch noch aktiv am Touren. Sind sie jetzt auch noch, aber eigentlich sind sie nicht mehr Misfits, sondern, ich sag mal, die Jerry Only Band. Und letztendlich sind diese ganzen Bands… du kannst an einer Hand abzählen, welche Bands da richtig gut sind. The Other gehören zum Beispiel dazu, Psycho Charger, Ghoultown, Calabrese meinetwegen, aber dann wird’s ja auch schon schwer, weitere aufzuzählen. Insofern denke ich, das war einfach ’ne Reaktion auf diese Misfits Scheiben, die neueren, und das fanden viele Bands toll, ich glaub’ auch viele Bands aus dem Metal Bereich, die gesagt haben, „oh, das klingt ja gut“.

Weil ich mich mit vielen Bands unterhalten habe, die Horrorpunk machen, aber überhaupt nichts mit Punk am Hut haben. Die hören Iron Maiden und Judas Priest und fanden eben diese eine Misfits Scheibe geil, haben aber noch nie was von Germs, DI oder Poison Idea gehört. Und ich denke, genauso schnell wie das kam, ist es auch wieder vorbei. Deshalb habe ich auch gesagt, dass ich den meisten Zusammenhang zwischen Horror und Musik halt im Psychobilly und Surf-Genre sehe und jetzt auch nicht mehr so im Punk. Also, wie gesagt, es war mal eine Bewegung, es gibt einige gute Bands, die sich daraus gebildet haben, auch weiter bestehen, aber letztendlich…
Jan: Eigentlich ganz witzig, dass du Surf erwähnt hast. Surf ist ja eigentlich mehr dieses Genre… gehört zu Beach und tralala… Psychobilly leuchtet schon ein und Totenköpfe ist auch von der Ästhetik her klar, aber Surf ist ja eigentlich mehr so Beach Boys und Betonung auf Glücklichsein…
Aber es gibt hier auch viel so spooky Bands, Ghastly Ones sind zum Beispiel die bekanntesten oder The Gore-gons. Für jede Ausgabe suche ich im Internet nach neuen Bands, also die Bands kommen ja nicht auf uns zu und sagen, hier besprecht mal unsere CD.
Jan: Gibt’s da keine Promoter, die sich bei euch melden?
Doch, klar. Also im Metal Bereich gibt’s ziemlich viele, wo ich dann halt sage, sorry, das passt nicht. Es gibt wenige Bands wie z. B. jetzt Skeletonwitch haben wir mal reingenommen, Slayer, Kiss passt natürlich. Aber ansonsten, wenn ich die selbst aussuche, suche ich über Myspace ab, geb’ Horror Metal, Horror Punk, Horror Surf, Horror irgendwas ein, und dann kommen die Bands. Und bei dieser Suche stellt sich halt raus, ich mach‘ das ja nicht bewusst, manche sagen, „ey, ihr habt ja nur Psychobilly im Heft“, so ist es ja auch nicht. Und aus dem Grund schreiben wir jetzt auch immer dazu, welches Genre das ist, also wir haben da auch Folk drin, Country, Death Metal, Black Metal, Garage. Aber bei der Suche oder bei der Recherche kommt eben raus, dass es hauptsächlich eben Bands so aus dem Psychobilly/Surf-Bereich sind zurzeit. Vielleicht ist es auch nur ein Trend und kann sich wieder ändern.
Hast du eigentlich auch schon ein Interview mit Rob Zombie gemacht?
Nee, also wir hatten zwei Interviews mit ihm im Heft, aber ich wollte das nicht machen, weil ich kein großer Fan von ihm bin. Meiner Meinung nach macht er weder besonders originelle Musik noch besonders originelle Filme. Was er gut kann, finde ich, ist Zeichnen, aber das macht er leider zu wenig. Er ist ein sehr geiler Zeichner, so in dieser Low Brow-Art.
White Zombie habe ich mir damals angehört und jedes Lied hat da ja auch irgend so einen Horrorcontent. Und als er dann anfing, auch Filme zu machen, war ich total gespannt und dachte, kuck dir den mal an, ob er damit glorreich untergeht. Aber das waren wirklich so „no nonsense“-Filme, du sitzt einfach nur da und ugggh…
Er ist ein Fan, also wie ich ein Fan, und hat viele Filme gesehen, sieht man auch, wenn man seine Filme anschaut. und es sind aber letztendlich…
Ist bei Tarantino auch…
Gut, aber bei Tarantino ist es so, dass er Filme zitiert, die nicht so gängig sind. Also das wissen Leute, die mal Exploitationfilme gesehen haben, die mit Sleaze Cinema vertraut sind, aber bei Rob Zombie ist es halt so, der zitiert wirklich Horrorfilme, die noch nicht allzu alt sind, und bei jedem Film kann ich mich hinsetzten und ’ne Liste machen, aus welchem Film die ähnliche Szene vorkommt. Das war im „House of 1.000 Corpses“, seinem Debüt, schon sehr krass, noch krasser war’s dann in „The Devil’s Rejects“, wo er wirklich von Peckinpah über alle möglichen Filme Sequenzen geklaut hat. Für ein junges Publikum funktionieren die, die die Filme nicht kennen, die sagen, „boah geil, Rob Zombie“.
Aber dann hat das doch auch irgendwie so einen postmodernen Effekt, uns geht es vielleicht bei Plattenbesprechungen so, dass wir eine neue Band vorgesetzt bekommen und müssen die besprechen und dann ja, ok, das klingt nach dem, nach dem. Wie stark ist das jetzt in aktuellen Horrorfilmen vertreten, dass du öfters dieses Aha-Erlebnis hast oder einfach die Quellen zitieren kannst? Jan: Aber… passt auch zu der Frage…. Wenn du Rob Zombie nicht gut findest, dann findest du Tarantino auch nicht gut? Er macht ja genau das Gleiche…
Er macht genau das Gleiche, hatte ich ja gerade gesagt, aber erstens erfolgreicher und zweitens zitiert er Filme, die jetzt nicht so gängig sind, die die breite Masse nicht so kennt. Also ich glaube nicht, zum Beispiel „Inglorious Bastards“, dass da kaum jemand das Original gesehen hat, dass viele denken, oh das ist jetzt der neue Film von Tarantino. Und ich glaube auch nicht, dass viele wissen, dass „Kill Bill“ auf dem, dem und dem Film aus den 70ern basiert, dass sie denken, der Tarantino hat aber gute Ideen, dabei ist alles nur geklaut. Aber er macht’s sehr gut und letztendlich muss man sagen, das Horrorgenre hat ihm auch viel zu verdanken, wir hatten ja vorhin diese Gewaltleiste angesprochen. Was war jetzt deine Frage?
Diese Müdigkeit, die sich dann einstellt, wenn zu viele bekannte Quellen zu sehen sind…
Das Horrorgenre lässt sich ja sehr schön in verschiedene Subgenres unterteilen, und natürlich gibt’s in jedem Bereich gewissen Referenzen und die hat man im Kopf. Und wenn man dann einen neuen Film sieht, dann weiß man eigentlich schon im Voraus, dass dieser Film jetzt nicht das Rad neu erfinden wird. Es geht also letztlich nur darum, wie gut der Film inszeniert ist, wie die Schauspieler, die Effekte sind, ob vielleicht irgendein Neuaspekt in den Film integriert wurde, und das beurteilt man dann. Ich denke mal, das erklärt vielleicht auch so ein bisschen, dass wir, wenn wir Reviews im Magazin machen, dass die jetzt nicht sonderlich eine Abhandlung des Films in irgendwie intellektueller Form darstellen. Sondern wir wissen, wenn wir einen Zombiefilm besprechen, dann gibt es natürlich zehn Referenzfilme, an die dieser Film nicht herankommt, deshalb steht in unserem Text hauptsächlich, wie gut er sich im Vergleich zu diesem Film verhält, etwas übertrieben gesagt. Weil das ist genau das, was die Leute wissen wollen.

***

Und ob ein Horrorfilm wirklich gruselig ist, dafür haben Anna Sigler vom King’s College und ihre Kollegen schon längst eine Formel erstellt. In einer Meldung vom 17.08.2004 aus dem Portal www.wissenschaft.de heißt es:

„Ob ein Horrorfilm wirklich gruselig ist, kann jetzt berechnet werden: Britische Mathematiker haben eine Formel entwickelt, die den Gruselfaktor von Filmen auf den Punkt bringt. Darin werden die aufgebaute Spannung und die Art der Umgebung genauso erfasst wie die Menge an Blut, die während der Handlung fließt, oder wie realistisch oder stereotyp die Darstellung ist. (…) (es + u + cs + t)2 + s + (tl + f)/2 + (a + dr + fs)/n + sin x -1 = Gruselfaktor. Dabei sind: es – spannungserzeugende Musik, u – Unbekanntes, cs – Jagdszene, t – Szene, in der die Darsteller in eine Falle geraten, s – Schockeffekt, tl – wahres Leben, f – Fantasie, a – Darsteller sind alleine, dr – dunkler Raum, fs – Filmausstattung, n – Anzahl sichtbarer Darsteller, x – sichtbares Blut und Eingeweide, s – Stereotyp“. So einfach geht es manchmal…

Auflösung Trivia-Quiz

Correct Answer: 4
Michael Rennie gained wide popularity as the hero of the television series THE THIRD MAN.

Correct Answer: 2
PHANTASM was written, directed, photographed, and produced by Don Coscarelli.

Correct Answer: 2
While boating, he passed through a mysterious glowing fog. Shortly thereafter, he began to shrink.

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Teil I aus #143, 2010:
https://trust-zine.de/horrorspecial-teil-i-143-2010/

Teil II aus #144, 2010:
https://trust-zine.de/horrorspecial-teil-ii-144-2010/

Teil III aus #146, 2010:
https://trust-zine.de/horrorspecial-teil-iii-146-2010/

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