Mai 10th, 2019

Zine-Special mit den Furious Clarity, Trash it away & Notes of the dirty old men Fanzines (#115, 2005)

Posted in interview by Jan

„Ja nee, is klar.“ Teil I – Split-Interview mit Christoph von dem Furious Clarity Zine, Koblenz, Andreas vom Trash it away Zine, Berlin, und Florian, Notes of the dirty old men Zine, Potsdam

Bei meinem erstem eigenem Fanzine habe ich mit Hand und Stift 50 Seiten vollgeschrieben, bei der zweiten Ausgabe schon Briefinterviews gemacht und nun kommt ein Dreier-Split-Interview mit drei sympathischen Fanzines aus Deutschland (sogar in zwei Spalten aufgeteilt am PC!). In der linken Ecke haben wir den quirrlig-zynistischen, aber zärtlich-humanistischen Florian vom Notes of the dirty old men zine aus Potsdam, mein erster Kontakt in Potsdam, der mal einen Leserbrief im Plot geschrieben hat und ich vor meinem Umzug alles versucht habe „abzuscannen“, wo man Punk in Potsdam treffen kann. Ihr werdet lesen, brüsk, nahezu harsch und nassforsch kritisiert mich der abgeschlosse Volkswirt!

Sollte ich meine beendete Therapie wieder weitermachen? Na ja, muss mir alles egal sein, schließlich geht es mir bei der Mitarbeit fürs Trust zwar auch ums schreiben, aber in allererster Linie um „durchs Schreiben nette und fitte Leute kennenlernen und mit denen Aktionen machen“, ich bin kein fucking (Musik-) Journalist, sondern entspannter Aktivist. Aber mit der Rechtschreibung muss ich verändern, das ist rihtigct. J. Florians Heft könnt ihr über die Webseite seiner tollen HC-Band Chainbreaker () orderieren.

In der gleichen Ecke haben wir den smarten Politikstudenten und umtriebigen Kulturaktivisten Andreas, der seit zwei Ausgaben das wunderschöne Trash it away Zine herausgibt und in der gleichen Ecke steht neben ihm der aparte Koblenzer Christoph-they-call-him-Parkinsion. Ich revidiere hiermit klar die Aussage des Wasted Paper Zine von 1998, wo stand, dass Carsten vom Blurr das bestaussehenste Fanziner ist! Zwar stimmt das, aber direkt dahinter kommt Christoph, der seit 8 Jahren das FC, Furious Clarity, Zine, aus Koblenz herausgibt mit der coolsten Postfach Adresse von Welt: FC Zine, Postfach 003, Urmitz am Rhein. Yeah, that sounds like Metro-pole, dude! Aber ist ja egal, ob Urmitz oder Los Angeles, Idioten gibt’s genug und überall, ich würde mal behaupten, in Los Angeles mehr als am Rhein, zumindest interviewe ich keine Idioten und auch diesesmal erwartet sie, verehrte Sportsfreunde, wieder Titten, Orgasmen, Megamösen…oh fuck, hab mich im text vertan, HA! Das FC Zine hat auch ne Homepage (.de) und Andreas emailt ihr einfach (thrashxbastard@yahoo.de), der ist nett. Christoph auch. Flo dito. Hey Moment, ich aber auch, näch? Ach ja, ist ja alles so schön nett hier…

***

Hi Christoph vom Furious Clarity- und Andreas vom Trash it away- Fanzine, yo Florian vom Notes of the Dirty Old Men Zine, schön, dass ihr euch Zeit nehmt für  dieses Trust-Interview. Als allererstes würde ich gerne wissen, was der schlechteste Witz war, den ihr in letzter Zeit gehört habt?

C (Christoph): Hi Jan! Schlechte Witze kann ich mir nicht merken, dafür aber besonders platte umso besser. In diesem Sinne folgende Scherzfrage: Was ist 5 Meter lang und stinkt nach Urin? – Eine Polonäse im Altenheim, höhö!
A (Andreas): Wenn jemand anfängt Witze zu erzählen, halte ich mir immer die Ohren zu, von daher kann ich zu dieser Frage nicht allzu viel beisteuern…
F (Florian): Keine Ahnung, ich höre nicht so viele Witze, und wenn, kann ich mich nicht daran erinnern.

Wie beurteilt ihr die Fanzine-Szene heute? Gibt’s zu viel Schrott, gibts viel Gutes, nur keiner weiss es oder haben die Großen wie Plastic Bomb und Trust und das Ox Magazin alles aufgesogen?

C: Ich zitiere mich selbst: „Es gibt nicht viele lesenswerte Fanzines im Punk-/Hardcorebereich. Die meisten Hefte sind nicht mehr als veraltete Reviewblättchen, die durch ein paar langweilige Interviews mit üblen Standardfragen und uninteressanten Antworten den Leser fast zur Verzweiflung bringen.“ Infolgedessen gibt es viele Hefte, die ich mir im Traum nicht durchlesen würde. Entweder weil nichts drin steht, was mich interessiert oder eben weil nichts drin steht, was ich noch nicht weiß und gerne wissen würde! Gute Fanzines leben durch ihre spritzigen Kolumnen, witzige oder skurrile Erlebnisberichte und durch ihre interessanten Artikel. Die meisten Fanzines sind auch daher nur so kurzlebig, weil die Macher nicht mit Herzblut an der Sache sind.

Und das merkt man eben auch an dem Inhalt. Viele geben nur Fanzines heraus, weil es in der Punkszene einfach dazugehört irgendetwas zu machen. Dazu kommt der Gedanke, dass sie dafür vielleicht ein paar Ego aufbauende Worte, einen Blumenstrauß und Promos en masse kriegen. Letztgenanntes wird sich vermutlich als erstes oder gar als einziges erfüllen. Denn mittlerweile wird ja jeder, der bereits nur von sich behauptet ein Print- oder gar ein Online-Zine zu machen, mit so vielen CDs zugeworfen, dass es schon kaum auszuhalten ist. In Zeiten von Soulseek, etc. hat natürlich das Bedürfnis nach Gratis-CDs etwas abgenommen, aber trotzdem bedeutet die Herausgabe eines Fanzines immer noch freien Eintritt auf Konzerten und Festivals, VIP-Bändchen, Promos und den damit einhergehenden Hauch von Prestige. Das reizt viele.

Jedenfalls bis sie dann merken, dass sie am Ende vergleichbar wenige Lorbeeren für den Zeitaufwand und die Arbeit, die sie in das Heft gesteckt haben, erhalten. Dann ist spätestens nach der zweiten Nummer Schluss mit dem Zine – und das ist auch besser so. Schade nur, dass diesen Vögeln das vorher keiner gesagt hat, weil dann hätte man wenigstens etwas Papier (von den Online-Dingern will ich gar nichts erst reden) sparen können. DIY finde ich von der Idee her klasse, nur bedeutet es für mich nicht, dass man sich bei dem was man macht keine Mühe und Gedanken machen muss.Dass es nicht nur miserable Hefte gibt, beweisen erfreulicherweise trotz ihrer z. T. jahrzehntelangen Existenz immer noch erfrischende Zines wie etwa der Enpunkt, das Blurr, das Drachenmädchen oder das SUBH (jetziger The Punchliner) – das fast acht Jahren bestehende FCZ lasse ich mal außen vor.

Größere und regelmäßig erscheinende Heft wie die von dir genannten (Plastic Bomb, Trust, Ox!) haben m. E. gewiss einen bestimmten Stellenwert und decken einfach die Standards (Szene-Klatsch und Tratsch, Konzertdaten, Bandinterviews, Reviews) ab. Das sollten kleinere Fanzines allerdings als Herausforderung sehen, kreativ an die Sache herangehen und einfach alles Erdenkliche ausprobieren und umsetzen, worauf sie Bock haben. Sie sollten eben keinesfalls versuchen, größere Gazetten zu kopieren, weil so was wirklich niemand braucht! Denn trotz dem Fanzinestatus, den alle drei erwähnten Hefte noch haben, sind diese Kolosse recht unflexibel, bedienen einfach eine bestimmte Zielgruppe und können keine wirklichen Experimente oder Sprünge mehr machen.

Konzertdaten oder Rezensionen von Tonträgern größerer Bands in Printzines zu veröffentlichen, verliert in Zeiten des Internets sowieso immer mehr an Bedeutung. Beides braucht man nicht im Klo, in der Bahn oder im Schwimmbad zu lesen. Und wer einen Computer mit einer Internetverbindung hat, findet im Web aktuellere Daten. Größere Mailorder wie etwa Green Hell oder Flight-13, die die Masse der relevanten Tonträger nicht nur vertreibt, sondern (ebenso wenig objektiv wie viele Fanzineschreiber) kurz bespricht, geben dem Leser einen Überblick über die neue Platte von XY. Und wenn der beschreibende Text einigermaßen aufschlussreich ist, kann man sich die Songs herunterladen, reinhören, überprüfen ob die Songs auch den Erwartungen entsprechen und sich die Scheibe bei Bedarf kaufen. Vielleicht ist das auch gut so. Denn obwohl das Nachteile impliziert, widmen sich dann eventuell irgendwann mehr Fanziner auch interessanteren Dingen als den Reviews.

A: Also ich finde eher die großen Hefte wie das Plastic Bomb oder vor allem Ox Schrott, weil zu unpersönlich. (Über das Trust äußere ich mich hier mal lieber nicht, hehe.) Stehe doch eher auf die kleinen in mühevoller Kleinarbeit selbst zusammengeschraubten und allein finanzierten A5-Hefte irgendwelcher Enthusiasten. Und ich finde da tut sich – gerade in den letzten Jahren – wieder einiges. Ich hab jedenfalls einige großartige Hefte kennen gelernt, auf deren Erscheinen ich jeweils sehnsüchtig warte und nach Erscheinen einer neuen Ausgabe es gar nicht erwarten kann, das Machwerk schnellstmöglich in die Hände zu bekommen.

Von Plastic Bomb und Ox kann ich das dagegen nicht behaupten. Genannt seien nur das Sabbel aus Freiburg (für mich eines der besten deutschsprachigen Hefte überhaupt und einer der Anstöße, selbst ein Zine zu machen), das Human Parasit, das Massenmörder züchten Blumen, das SwingKid, das ThreeChords, das Final Expression, das HerJazz, das Entkettet, das Barnabas, und eine ganze Reihe mehr. Die Hefte der mit mir Interviewten kenne ich noch nicht mal, aber das wird sich ändern, hehe. Also ich finde, dass es um die Fanzinelandschaft gar nicht so schlecht bestellt.

F: In der heutigen Fanzine-Szene wird doch gar nicht mehr mit Schrot geschossen… aber Du hast sicher „Schrott“ gemeint, Jan. (Nebenbei, es gibt tolle Rechtschreibprogramme, und selbst, wenn Du sie Dir nicht leisten kannst – ein einfacher Blick über das Geschriebene, bevor man es per Mail verschickt, reicht eigentlich aus…). Keine Ahnung, ob es so ist. Abseits von meinem eigenen Mist kümmer ich mich gar nicht so um das, was in der „Fanzine-Szene“ so läuft. Ich kaufe mir immer wieder gerne kleine Hefte, wenn ich sie irgendwo sehe, manchmal gefallen sie mir, manchmal nicht. Bei ersterem Fall versuche ich, am Ball zu bleiben, bei letzterem war´s das halt. Ich habe nicht den Anspruch, den Überblick über eine wie auch immer geartete „Szene“ zu bekommen.

OX und PLASTIC BOMB haben viele Autoren aufgenommen, die früher mal woanders geschrieben haben, aber wenn Du Dir die Review-Sektion von allen möglichen Heften durchliest, siehst Du, dass es Dutzende von oft nett gemachten, kleinen persönlichen Heften immer noch gibt. Der Eindruck der Konzentration entsteht vielleicht, weil man OX und PLASTIC BOMB an guten Kiosken kriegt und es alte Recken wie ZAP oder PLOT nicht mehr gibt.

Wieso gibt es im Moment eigentlich überall Themen- und Schwerpunktausgaben? Warum bekommt man eigentlich immer nur Kritik für sein Heft zu hören oder kommt mir das nur so vor?

C: Dass es im Moment eigentlich überall Themen- und Schwerpunktausgaben gibt, ist mir noch nicht aufgefallen und daher kann ich dazu auch nichts sagen. Der Begriff „Kritik“ ist an und für sich ja nicht negativ behaftet, weshalb ich Kritik als eine Form von Rückmeldung auf das, was man gemacht hat, wichtig finde, um sich selbst besser noch mal reflektieren zu können – vorausgesetzt natürlich, dass diese Rückmeldung wenigstens etwas Substanz hat. Letztgenanntes ist leider selten der Fall und damit genau so überflüssig wie undurchdachte Lobeshymnen auf jeden Atemzug, den man macht. Viele belästigen einen, zumindest mich, mit unsachlichem Mist, der inhaltlich in keiner Relation zu dem steht, was man in einem Artikel oder sonst wo ausgedrückt hat.

Oft sind das Leute, die selber nichts auf die Reihe kriegen und keinen einzigen Gedankengang vernünftig auf einem Blatt Papier formulieren können oder aus irgendeinem Kellerloch kommen, total weltfremd sind, irgendwelche veralteten Phrasen nachplappern und sich mit irgendetwas identifizieren wollen, von dem sie keine Ahnung haben. Andererseits besteht der Inhalt des FCZs doch zu großen Teilen aus gesellschafts- und szenekritischen Beiträgen, welche die Leute einfach nur mal zum Nachdenken animieren sollen. Und wenn dann jemand in dem Heft liest, dass sein Lebensstil bzw. seine Ideale infrage gestellt werden, ist es das natürlichste von der Welt, wenn derjenige dann krampfhaft versucht, sich selbst zu rechtfertigen bzw. sein Selbstbild aufrecht zu erhalten, um nicht als totale Flachniete dazustehen.

Meistens enden diese Legitimationsversuche eben nur in einer peinlichen, nichts aussagenden Kritik des Anderen. Über so was kann ich mich schon lange nicht mehr aufregen. Deswegen nehme ich derartige Reaktionen lächelnd zu Kenntnis, vergesse sie sofort, habe dazwischen vielleicht noch eine Sekunde mit der armen Kreatur Mitleid und hoffe, dass er oder sie es irgendwann doch noch schafft, auf den richtigen Trichter zu kommen.

A: Ist doch besser, sich mit einem Thema mal ausführlich zu beschäftigen, es von verschiedenen Perspektiven zu betrachten, als viele Themen nur immer anzukratzen. Aber generell habe ich nicht wirklich das Gefühl, dass es überall oder besonders viele Themen- und Schwerpunktausgaben geben würde. Aber vielleicht lese ich auch nur die falschen Zines oder einfach zu wenige, hehe. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, plant Ihr vom Trust doch auch eine Themenausgabe. Das könnt Ihr Euch doch die Frage fast selber beantworten, was Euch dazu getrieben hat. Den anderen Zinestern wird’s halt ähnlich gehen… Mmmhhh, also Kritik finde ich im Grunde besser als diese kurzen, liebgemeinten, aber letztlich nutzlosen Kommentare wie: „Ja, ja schönes Heft, hat mir gefallen“ oder „Tolles Heft. Wann kommt das nächste?“.

Natürlich freut einen Zuspruch und begeisterte Besprechungen, die das eigene Machwerk in den höchsten Tönen loben, aber im Grunde ist Kritik viel interessanter. Zum einen zeigt es, dass sich die Leute intensiv mit dem Geschriebenen auseinandergesetzt haben – und das ist es doch was man will – und sich ihre eigenen Gedanken machen; und zum anderen hilft dieses Feedback, Sachen besser zu machen, sich selbst und seine Ansichten, Verhaltensweisen etc. zu reflektieren und im Idealfall ergibt sich eine fruchtbare Auseinandersetzung über bestimmte Sachverhalte. Leider passiert das viel zu selten. Es ist schon sehr, sehr selten, dass Leute einem mal was schreiben – wenn dann aber freue ich mich auch meist riesig. Immerhin steckt man soviel Zeit, Arbeit und Herzblut in die Seiten, da ist es manchmal schon fast frustrierend wie wenig da zurück kommt. Von mir aus könnte es sogar mehr Kritik sein; ich kritisiere ja auch ständig an anderen herum…

F: Ist es „überall“ so? Wenn ja, weiss ich es nicht und es ist mir, ehrlich gesagt, auch ziemlich egal. Bei mir hat`s das gegeben, weil ich Lust darauf hatte. Kritik für sein Heft zu bekommen, ist doch nichts Schlechtes. Sie muss ja nicht negativ sein. Und ich find´s besser, überhaupt eine Reaktion zu bekommen, statt dass es dem Umfeld egal ist, was man so schreibt. Kriegst Du denn viele schlechte Kritiken für Deine Mitarbeit beim TRUST? Vielleicht sind die Leute nicht mit Deinen Artikeln einverstanden – gibt Dir das zu denken, oder warum stellst Du die Frage?

2006 ist ja in Berlin überlegt, ein vierer Treffen mit dem Blurr, Trust, Trash it away, Furious Clarity und Notes Zine zu machen, wo an einem Samstag erstmal Minigolf gegeneinander gespielt werden könnte und abends ein Konzert ist, wo jedes Heft eine Band vorschlägt. Wo seht ihr eure Chancen im Golf und welche Band sollte für euer Heft spielen, wenn sie denn noch leben würde, also wenn ihr frei auswählen könntet, so auf Knopfdruck?

C: Ein vierer Treffen mit fünf Fanzine-Mannschaften klingt gut! Mh, über unsere Chancen bin ich mir noch gar nicht so im Klaren. Als einer derjenigen, der früher in der Schule beim Fußball nach dem Dicken – natürlich ganz zu Unrecht, haha – immer als letzter gewählt worden ist, möchte ich noch keine allzu großen Töne spucken. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die anderen Mannschaften (mal angenommen, dass jedes Team aus drei Leuten besteht) mit einem Gesamtaltersdurchschnitt von über 500 Jahren bestimmt schon einige Male in ihrer Freizeit den benachbarten Mini-Golf-Platz aufgesucht und stundenlang trainiert haben. Und ich habe dass letzte Mal auf dem neunten Geburtstag von Stefan Wüstemann Mini-Golf gespielt und das nicht wirklich gut… Ach, wie auch immer: Der Pokal geht nach Köln-Koblenz! Um wenigstens bei dem Bandvorschlag realistisch zu bleiben, schlagen wir als Band, die für uns spielen soll, Trend vor! Bubonix wären übrigens auch super.

A: Minigolf – der Golfsport des kleinen Mannes respektive der kleinen Frau (um mir nicht gleich wieder den Vorwurf latenten Sexismus’ einzuhandeln) scheint ja unter Punks sehr im Kommen. An mir ist das bisher leider eher vorüber gegangen, weshalb sich meine Chancen wohl eher mickrig ausnehmen. Aber ein bisschen Zeit zum Üben bleibt ja noch. Vielleicht entschließe ich mich ja doch noch, ein bisschen an meinem Schwung zu arbeiten, wie man unter uns Kennern insidermäßig zu sagen pflegt. Aber ich weiß noch nicht mal, wo sich ne Minigolfbahn in meiner Nähe befindet, geschweige denn, wo ich eine suchen sollte. Von daher… Bands, die für das Thrash It Away spielen sollten, könnte ich ja einige nennen. Und heute, da alle naselang irgendne Ami-Kapelle auf Reunion-Tour kommt, erscheinen manche vielleicht auch gar nicht mehr so abwegig. Aber die könnt Ihr gar nicht zahlen!!! Noch nicht mal Ihr vom Trust!!!

F: (Mal im Ernst: heisst das Heft „Trash it away“ oder „Thrash it away“?) Wenn Du, Jan, es schaffen solltest, die mächtigen OIRO als Band heranzuziehen – und nur dann! – dann habe ich Lust, mitzuhelfen. Sonst nicht. Minigolf habe ich 1999 zum letzten Mal gespielt und kläglich verloren. Welche Band spielen sollte, habe ich eben erwähnt.

Wann kommt die neue Ausgabe und was wird so drin sein?

C: So kann genau kann ich mich da derzeit noch nicht festlegen. Wenn alles so wie geplant abläuft, wird die Nummer Acht wohl im Herbst 2006 erscheinen. Irrsinnige Ideen sind unwahrscheinlich viele vorhanden, aber es fehlt zumindest mir an Zeit, Motivation und Liquidität. Außerdem würde ich mich gerne bald mal auf mein Buch-Debüt konzentrieren („…und auf Vernichtung läuft es hinaus – das Manifest der Misanthropie“). Natürlich ist das derzeit noch bloße Spinnerei, aber wenn ich das nicht irgendwann mal in die Hand nehme, wird daraus nie etwas. Nichtsdestotrotz wird das nächste FCZ erscheinen. Derzeit spiele ich mit dem Gedanken, die Auflage runterzuschrauben und auf jegliche musikalischen Bezüge total zu verzichten.

Inhaltlich soll es auf jeden Fall noch abwechslungsreicher, bizarrer und wilder werden. Sicherlich kann man auch Interviews mit Bandmitgliedern interessant gestalten, aber dafür gibt es andere Hefte. Ansonsten werden wir verstärkt auf pseudokünstlerische und vor allem literarische Gastbeiträge setzen. Einer meiner absoluten persönlichen Favoriten, Jan Off, hat sich auch schon wieder angekündigt. Ich bin selber mal gespannt, was da am Ende bei rauskommt.

A: Das nächste Heft wird ein Splitzine mit dem Massenmörder züchten Blumen sein, Schwerpunktheft zu Homocore, Queerpunk und Genderkram. Seid also gespannt. Wenn alles klargeht erscheint es Mitte/Ende November. Das nächste reguläre Heft ist dann für Ende des Jahres geplant. Aber wer mich kennt, weiß, dass das wohl nix wird. Noch mal sechs Monate raufpacken und man hat den ungefähren Erscheinungstermin, zumal ich im Winter dann auch Diplomarbeit schreibe. Aber eigentlich soll der ganze Kram vorher noch raus, damit ich mich dann ganz auf Uni konzentrieren kann – zum ersten Mal in acht Jahren. Aber irgendwann muss man diesen ganzen Punkerunsinn auch mal hinter sich lassen. Mit dem Diplom in der Tasche geht’s dann ohnehin ans große Geld verdienen und dann können sich Ox und Konsorten mal ganz warm anziehen…

F: Irgendwann diesen Herbst. Drin wird sein das Übliche: Hasstexte, Kurzgeschichten, Reviews meiner liebsten Konsumgüter.

Kurze Fragen, kurze Antworten bitte. Was kann am Trust bessser gemacht werden? Was is eigentlich gut am Trust?

C: Das ist natürlich immer Ansichts- und Geschmacksache. Die routinierte regelmäßige Erscheinungsweise ist zum Beispiel äußerst beachtenswert. Allerdings ist es schade, dass die einzelnen Ausgaben nicht allzu viel Inhalt bieten und die Rezensionen und die Werbung fast jedes Mal den Löwenanteil des Heftes ausmachen. Demzufolge finde ich mehr Artikel pro Ausgabe und eine etwas seltenere Erscheinungsweise begrüßenswert. Zudem halte ich fünf nur mit Konzertdaten versehene Seiten für verschwenderisch. Die Interviews sind oftmals besser als in anderen Heften und ebenso die Bandauswahl. Die veröffentlichten Bilder sind in der Regel sehr gut getroffen, weshalb es schade ist, wenn deren Qualität wiederholend unter einer schlechten Auflösung leiden muss. Das Layout gefällt mir besser als früher.

Aber die immer noch häufig verwendete weiße Schrift auf dem schwarzen Hintergrund macht einen beim Lesen sehr schnell müde. Und nun sehr subjektiv: Umso größer mein persönlicher Bezug zu den beim Heft mitwirkenden Leuten wird, desto interessanter wird das Zine für mich und ich kann auch Beiträge annehmen, die mir unter anderen Umständen nicht gefallen, weil ich einfach weiß, woher sie kommen und wie sie zu verstehen sind – aber das ist ja, selbst wenn es unbewusst ist, zumindest bei mir häufig so und eigentlich auch ganz „normal“. Und abschließend: Etwas mehr Pep in Layout und Inhalt schadet auch keinem alten Hasen wie dem Trust. Übrigens bekommt ihr noch einen schillernden Applaus dafür, dass ihr keine CD-Beilage habt und ohne diese über Jahre hinweg bestehen könnt!

A: Wenn ich ehrlich bin, bin ich kein sehr regelmäßiger Trustleser, da Ihr dann doch nicht ganz so meine Schiene an Musik abhandelt. Womit wir auch schon bei der Kritik sind: zu musiklastig. Mehr persönlicher Kram würden das Heft interessanter machen. Andererseits ist das Heft ja sozusagen eine Institution und an Institutionen krittelt man nicht rum. Also, alles super. Macht weiter so! (Und vergesst, was ich ein paar Fragen weiter oben zu Kritik und so geschrieben hab.)

F: Am TRUST besser zu machen? Die Fotos (oft viel zu schlechte Pixel), die Reviews (vor allem Deine, lieber Jan!), manche der Interviews… keine Ahnung. Ist oft nicht so meins, das Heft, aber meine Meinung sollte keine Rolle spielen – Ihr solltet Spass daran haben. Gut am TRUST? Dass es einzelnen Mitarbeitern noch gelingt, ihre interessanten Freunde in Bands oder sonstigen Projekten mit Interviews unterzubringen und diese dann gleichberechtigt neben Ian MacKaye stehen, und nicht, wie im OX, mit einer Viertelseite abgespeist werden – finde ich echt gut!

Kommt schon, drei Platten für die Insel…

C: Das wollte ich schon immer mal gefragt werden – obwohl die Antwort wahrscheinlich ansonsten niemanden interessiert. „Vom Bordstein bis zur Skyline“ von BUSHIDO, „Ignorance is bliss“ von FACE TO FACE (wenn es die auf LP geben würde) und die „Dear you“ von JAWBREAKER!

A: Nur drei?! Na das wird schwer. Ich geh ja mal davon aus, dass es sich um eine karibische Insel mit viel Sonne handelt, deshalb: CARTER THE UNSTOPPABLE SEXMACHINE „30 Something“, JOHNNY CASH „American Recordings“ und ein Mixtape mit LOS CRUDOS, BLACK FLAG, MINOR THREAT, LIFE’S HALT, D.S. 13, VIEJA ESCUELA, DIRECT CONTROL, FUCKED UP und einigen mehr… Sollte es sich um eine verregnete Insel im Ärmelkanal handeln, gehören natürlich THE SMITHS dazu.

F: Ist da denn ein Plattenspieler? Und Boxen und ein Receiver? Wenn ja, dann würde ich folgende Platten mitnehmen: NEUROSIS – „Enemy of the sun“, JOHN COLTRANE QUARTET „My favourite things“ und STEP INTO NOWHERE – erste 7“. Aber drei wären mir echt zu wenig. Die hätte ich ja nach einem halben Tag durch und dann erst mal keinen Bock mehr drauf. Also noch 7 weitere: eine Einspielung von Johann Strauss` „Vier letzten Liedern“, „Shades of God“ von PARADISE LOST, „Forest of equilibrium“ von CATHEDRAL, „Damaged“ von BLACK FLAG, „Laser“ von MONOCHROME, den Soundtrack zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Ennio Morricone und die 10“ von PERTH EXPRESS.

Wie sieht ein schöner Tag für euch aus?

C: Viel unternehmen und viel von dem erledigen, was einem Spaß bringt bzw. was einem wichtig ist. Am späten Nachmittag proben und abends auf den „Kiez“ gehen. Dazwischen etwas zu hause herumlungern, Döner essen und einen guten Film gucken. Wenn ich nur herumgammle, kriege ich Depressionen.

A: Sonne. Sonne. Sonne. Perfekte Tage brauchen dann noch die eine oder andere Zutat mehr…

F: Wie bei vielen anderen Leuten auch: Sonne, tolles Frühstück, irgendwas unternehmen.

Habt ihr eine Traumstadt, wo ihr gerne mal längere Zeit verbringen würdet?

C: Eine Traumstadt gibt’s nur in Träumen. Mich zieht es momentan wieder in meine Heimatstadt Hamburg. Berlin wäre auch okay. Hauptsache hier aus dieser beschissenen Stadt raus – Koblenz stinkt mittlerweile bis zum Himmel!

A: La Habana. Aber da habe ich auch schon viel Zeit verbracht. Aber immer wieder gerne… Neben Berlin die geilste Stadt der Welt. Hab’s also gar nicht so schlecht erwischt…

F: Ich hatte eine: New Orleans… Potsdam, wo ich jetzt lebe, war mal eine.

Gruss an die Trust-Leser?

C: Nein, aber vielen Dank für das Interview!

A: Jau, dann grüß ich die mal. Kauft Euch auch mal andere Hefte, z.B. das Thrash It Away (zwinker, zwinker!), Furious Clarity, Notes Of The Dirty Old Men oder eines der oben genannten. Besten Dank für das Interview. Ihr könnt mir gerne schreiben: thrashxbastard@yahoo.de

F: Gruss an den einen TRUST-Leser namens Michael Lotterstedt, der sich immer aufgrund oder trotz Deiner „Notes…“-Reviews mein Heft bestellt. Find` ich cool, dass es noch Leute gibt, die so ins Blaue ´rein etwas ausprobieren! Das habe ich auch früher gemacht, oft ins Klo gegriffen, aber auch manche Perle erwischt.

Interview. Jan Röhlk

You can leave a comment, or trackback from your own site. RSS 2.0

Leave a comment

You must be logged in to post a comment.