April 26th, 2019

YOUTH BRIGADE (#139, 2009)

Posted in interview by Jan

“We came out of the shadows of the hippies, who, despite how much we say we despise them, were an amazing counter culture that really changed the world. Perhaps we are the bastard sons and daughters of the hippies, reluctantly learning something from them, rejecting their flower power peace and inheriting the cynicism that left our generation with nothing but sex and drugs and rock’n’roll (not that there is anything wrong with sex, drugs or rock’n’roll, but there is much more to life!)…”

Interview mit Shawn, Youth Brigade / Better Youth Organisation Records

Leider hat es im Oktober 2008 mit einem Live-Interview vor Ort in Los Angeles nicht geklappt, deshalb holten Shawn von Youth Brigade / BYO Records und ich das Interview im September 2009 per Email nach.

Was wollt ihr wissen? Warum die alten Säcke interviewen? Weil ich denke, dass ihre Message immer noch aktuell ist (welche das ist: siehe Interview), weil sie noch nie im Trust waren, weil ihre Musik größtenteils sehr geil ist (die “Happy Hour” LP hab ich noch nicht gehört, ich traue mich nicht). Anlass war NICHT das Boxset zum 25 jährigen Jubiläum, ich hätte – ich erwähnte es bereits – natürlich das Interview lieber live in Los Angeles gemacht zu einem Zeitpunkt, wo man gar nicht wusste, ob es das Label noch aktiv gibt. Jetzt wissen wir Bescheid, warum 2 Jahre Funkstille war…

Ich hab es des übrigen geschafft, bei allen drei Youth Brigade Touren, die ich in den 90er und 2000er mitbekommen habe, im Urlaub zu sein. Ich will damit sagen: ey, ficken, noch nie in meinem Leben mit 2 Promillie zu „Sink with California“ gepogt (also schon, aber eben nicht zum original live, ha ha). Muss ich nachholen, die Band kommt 2010 nach Europa, wie es aussieht und vielleicht spielen Youth Brigade ja auch in Las Vegas im Mai nächsten Jahres, wenn unser Trust Bolwing Team dort an der ersten Runde scheitert…

Noch zwei formale Infos:

Laut Promo-Zettel für das Boxset (Doppel-LP, Buch, DVD zu 25 Jahre Band und Label) spielen Youth Birgade heute in folgender Besetzung: die zwei Sternbrüder Mark und Shawn, Joey Balls und John Carey, beides auch Mitglieder der Los Angeles Lokalhelden Blue Collar Special und der neuen Band Old Man Markley.

Youth Brigade haben folgendes herausgebracht: Sound and Fury (1982), The Dividing Line (1986), Happy Hour (1994), Sink with California (1994) – a C.D. version of Sound and Fury plus live tracks, To Sell The Truth (1996), Out of Print (1998, mit den originalen unveröffentlichten ersten Aufnahmen von Sound and Fury und live Tracks und Tracks der ersten Single), BYO Split Series Volume 2 mit den Swingin’ Utters (1999) plus diverse Singles (auch auf anderen Labels).

Hi Shawn, BYO Records und Trust sind seit einer langer Zeit so was wie “Partners in Crime”, ich kann mich an einen Leserbrief von BYO Records ans Trust in der Ausgabe # 2 von 1986 erinnern. Willkommen zu diesem Interview, es freut mich sehr, mit dir als Vertreter für eine meiner Lieblingspunkbands – Youth Brigade – und einer meiner Lieblingslabel – BYO Records – zu sprechen. Es ist viel passiert all die Jahre über, lass uns mal einfach anfangen. Wie waren die letzten Wochen im BYO-Büro?
Erstmal sorry, dass es etwas dauert mit den Antworten, es waren wirklich verrückte Tage zurzeit hier. Also, wir sind in der Endphase der Produktion der großen BYO Geburtstags Box-Veröffentlichung. Es ist anlässlich unseres 25 jährigen Geburtstages als Label. Wir wollten sie eigentlich pünktlich zu unserem 25igsten fertig haben, aber es wurde so ein großes Projekt, das es länger dauerte als geplant. Da heute die Kids ihre Musik für umsonst per Download bekommen und dafür halt nicht zahlen, mussten wir uns über die Zukunft eines Plattenlabels Gedanken machen.

Wir hatten dann die Idee, dass wir eine Dokumentation machen, unsere Freunde fragen, ob sie nicht einer der vielen auf BYO erschienenen Songs covern wollen… und das dies alles zusammen mit einem über 100 Seiten Hardcover Buch erscheint. Die Kids können die Musik downloaden und vielleicht auch den Film, aber du kannst echt schlecht das Buch herunterladen. Es wird eine limitierte Doppel-LP in farbigem Vinyl geben, nur 5000 Stück. Das ganze Projekt sieht super aus. Jeff Alulis und Ryan Harlin (sie machten die Bouncing Souls DVD vor einigen Jahren und auch die NOFX Welttour-Dokumentation) machten unsere Dokumentation und es wurde großartig. Dazu haben wir 31 Bands, die Songs für die Platte aufgenommen haben, inkl. NOFX, Bouncing Souls, Dropkick Murphys, Pennywise, Anti-Flag, Lagwagon, Leatherface, 7 Seconds, The Briefs, Off With Their Heads, American Steel und viele mehr. Und das Buch ist voller Stories verschiedener Leute, natürlich auch von mir selber und all meiner Brüder.
Wie sieht eigentlich die Situation bei BYO heutzutage aus? Ihr seid immer noch in Los Angeles? Wie viele Leute arbeiten bei euch?
Ja, wir sind immer noch in Los Angeles. Wir sind vor eineinhalb Jahren aus unserem Lagerhaus ausgezogen. Es wurde einfach nicht mehr gebraucht, der ganze Platz usw., da wir mehr und mehr digital verkaufen und somit immer weniger CDs. Mehrere Monate im Jahr verbringen wir mit der Planung des großen Punk Rock Bowling Turnier in Las Vegas. 2009 war es das 11te Jahr und es war toll, wie immer. Es kamen jede Menge neuer Leute und 2010 ziehen wir an einen anderen Platz um, es wird auch nicht mehr im Januar, sondern im Mai, stattfinden und es wird mehr Konzerte geben…

vielleicht wird es auch ein Rollerderby geben, mal sehen, ob es klappt. In dem BYO-Büro arbeiten nur ich und mein Bruder Mark. Julie zog vor einiger Zeit nach Oakland, sie arbeitete 5 Jahre mit uns, und arbeitet jetzt von ihrem Haus aus für uns. Wir waren so mit dem Boxset beschäftigt, dass wir keine Platte seit Oktober 2007 herausgebracht haben. Aber ich denke, das Warten hat sich wirklich gelohnt! Und im Oktober wird es eine neue Platte von Nothington geben, eine tolle junge Band.
Glückwunsch zu eurem 25 jährigen Geburtstag! Auf das Boxset freue ich mich sehr, „Let them know. The story of Youth brigade and BYO Records”. Ihr habt ja viele Leute zusammenbekommen, die über die Vergangenheit erzählen, Fat Mike, Ian McKaye, Aktivisten der südkalifornischen Punkszene, Konzertveranstalter und all das ganze… jetzt muss man ja sagen, dass BYO immer ihrer Zeit voraus waren! Heutzutage sieht es so aus, dass Punkbands statt einem Demotape direkt eine DVD von sich veröffentlichen, ihr habt dagegen schon 1982 zusammen mit High School Freunden, die euch filmten, einen Tourfilm von Youth Brigade, Social Distortion und später Minor Threat veröffentlicht, das wurde dann zum legendären „Another state of Mind“ Film. Also, ihr wart echt Vorläufer von Punkfilmen, auf der anderen Seite kommt hier eine Frage von Matze vom Trust, die auch was für sich hat, wie ich finde.
Matze: Warum macht jeder heute nostalgische Filme, immer die alten Säcke, die Filme über sich selber machen…
Ha ha, vielleicht weil kein anderer es tut? Nee, mal im Ernst, Ian redet im Film darüber, dass Punkrock eigentlich echte Folkmusik ist und er hat auf gewisse Art und Weise recht damit. Es geht nicht nur darum, „nostalgisch” zu sein, es geht darum, wie unglaublich es ist, dass ein Haufen Kids weltweit einfach Rock´n´Roll in die Hand nehmen und es zu ihrem eigenem machten, ohne große Plattenfirmen, die zu dieser Zeit bestimmten, welche Musik gemacht wurde, wie Musik vertrieben wurde und (zumindest größtenteils auch darüber entschieden) was Musik auszusagen hatte.

Und ein großer Teil dieser „Bewegung“ oder „Szene“ oder wie immer du das nennen willst, weil es war und soll immer etwas sein, was eben kein „set of rules“ bedeutet, keine Ziele hat oder irgendwelche anderen Ziele hat ausser: letting the kids have their say, do it yourself cause fuck everything else… Also, ein großer Teil kam halt aus Südkalifornien Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre. Wir sagen damit nicht, dass wir als BYO / Youth Brigade oder Los Angeles/Südkalifornien diese Bewegung erfunden haben oder für sie verantwortlich sind, sondern, dass wir eine Rolle gespielt haben und dass diese Geschichte bisher übersehen wurde.

Alle die Bücher und Dokufilme der letzten 10 Jahren über „Punkrock“ konzentrierten sich sehr stark auf die Ursprünge der Musik in New York City und London. Damit ignorieren sie einfach, dass Los Angeles wahrscheinlich das größte Punkrock Publikum der Welt hatte und wirklich eine sehr erfrischende Bewegung im Punk seit den frühen 80er Jahren darstellt. I think there is something to be said about this and we feel that telling our story, our part of it, is, just like Another State Of Mind, something that punk rockers need to hear about, especially those that weren’t there. Und wir denken, dass andere, die vielleicht nicht viel über Punkrock wissen, diesen Film interessant finden werden und am meisten hoffen wir, dass es jedem die Augen und ihre Köpfe öffnet im Hinblick auf die Tatsache, wie positiv und einflussreich Punkrock auf so viele Facetten der Musik, Film, Kunst, Kultur und Menschlichkeit war.

We came out of the shadows of the hippies, who, despite how much we say we despise them, were an amazing counter culture that really changed the world. Perhaps we are the bastard sons and daughters of the hippies, reluctantly learning something from them, rejecting their flower power peace and inheriting the cynicism that left our generation with nothing but sex and drugs and rock’n’roll (not that there is anything wrong with sex, drugs or rock’n’roll, but there is much more to life!). Aus dieser Asche heraus haben wir angefangen, wir waren von der Welt angepisst, the failure after so much hope was perhaps expressed in our violence and lashing out against the world they left us. Whoa, don’t know where all that little rant came from, haha! So, Matze, does that sound like nostalgia to you?

Der Unterschied von dem, was wir tun, und dem, was die anderen tun, liegt darin, dass wir damals aktiv waren und immer noch weiter Teil der Geschichte sind. Wir waren nicht nur Fans oder Beobachter. Nicht, dass andere Standpunkte, Filme oder Bücher nicht zählen, aber unsere Hoffnung ist, dass wenn du den Film siehst und das Buch liest, dass du verstehst, das dass, was wir alle die Jahre gemacht haben, etwas war, was aus Notwendigkeit und Innovation heraus gemacht wurde.

Musik ist heutzutage ein großes Geschäft, aber das ist halt die Realität im Kapitalismus, die Kreativität und die Rebellion in jeder Sache wird zerstört, damit daraus Profit gemacht werden kann. We’ve dealt with that and I hope still maintained our credo of “youth is an attitude, not an age.” And I think the proof that we have done well is never about selling things and making money, but inspiring generations to think for themselves, create and not follow.
Ja, die Botschaft hinter eurer Band und Label finde ich sehr geil (“The basic philosophy of the band is that „youth“ is an attitude, not an age and that every generation has the responsibility to change what they feel is wrong in the world. Unfortunately, it seems that many people either forget or grow weary of this responsibility as they get older in years, so the band feels it is really important that every new generation realize this responsibility and act upon it.“)! Wirst du nicht irgendwann müde, immer die gleichen Sachen jahrzehntelang zu wiederholen? Wie gehst du mit Frustration um, besonders, wenn du feststellst, dass die Leute heuten die gleichen Fehler wie 1981 machen? Oder du genau die gleichen Debatten in Punk hast, Gewalt bei Konzerten, Du bist Sexist, Du bist nen Sellout, Du bist kein Punk, weil du keine Lederjacke trägst blablabla… irgendwie verändert sich doch nix? Was mich an den alten Witz von Todd vom Razorcake Fanzine erinnert, als ich ihn interviewte: “How many punks does it take to screw in a lightbulb?” “It doesn’t matter. Punks can’t change anything.”
Yeah, das meiste dieser Frage habe ich ja davor schon beantwortet, aber ich bin im Allgemeinen mehr der “Das Glas ist halbvoll” Typ. Ich denke wirklich, dass Menschen von ihrem Wesen her gut sind und egal, wie viele Sachen wir abfucken, wir immer noch das Potential besitzen, alles zu reparieren, es besser zu machen, to fix the mess we’ve made. Natürlich bin ich auch angepisst, wenn ich sehe, wie viele Leute es in der Welt gibt und wie viele davon Schafe sind. Deshalb ändern sich meine Hoffnungen und wechseln mit Frust über die Menschheit ab, ha ha! Die schnellen Verurteilungen der Punkpolitik versuche ich zu vermeiden cause we’re all as punk or not as punk as we need to be.

Wenn du all deine Zeit und Energie mit dem Ärger über solch trivialen Sachen abgibst, wirst du einfach als säuerliche und bittere Person enden. I think enjoy life and live and let live. Wenn du helfen kannst, wenn du dazu beitragen kannst, Leute positiv zu beeinflussen, dann super. Punk is not a responsibility, your life is. I believe punk rockers tend to be somewhat thoughtful, insightful and intelligent, but not always and often too much thinking just creates more problems. Look at the mess we’ve made of the world!
Du spielst bei Youth Brigade und betreibst das BYO Records Label, d.h. du kennst beide Seiten – Band, Label – gut. Mir scheint es so, dass im Punk die Labels immer die „Bösen“ sind und die jungen und naiven Bands immer die „Guten“, die immer abgerippt werden und keine Royalities bekommen… wenn man sich alte Konflikte anschaut, dann scheint es ja wirklich so, als ob die Labels immer die Arschlöcher sind ( SST vs. ihre Bands, Screeching Weasel vs. Lookout Records, Touch and Go vs. Butthole Surfers, Dead Kennedys und Alternative Tentacles). Es ist doch nicht immer so von wegen „Band = gut“ und „Label = böse“? Wie siehst du das, du kennst beide Seiten… war BYO auch schon mal als Ripp offer beschuldigt worden?
Well, wir haben immer unser Bestes getan, um mit den Bands, die wir mögen, schätzen und respektieren, zu arbeiten…und daran geglaubt, ihnen zu helfen. Wir hatten über die Jahre hier und da einige kleine Probleme, aber wir sind eine Familie, kein Business. Wir haben das alles nicht gestartet, um damit Geld zu verdienen, wir haben niemals daran gedacht, dass wir das jemals könnten und wir sind definitiv nicht reich, es geht uns okay. Das Geld, das wir bei BYO machen, geht meistens direkt zurück ins Label, um mehr Musik herauszubringen. Das Hauptproblem ist, dass viele Musiker nicht sehr smart sind, wenn es das Geschäft betrifft. Vielleicht sind sie faul oder wollen es nicht wissen, aber wenn du versuchen willst, mit Musik dein Geld zu verdienen, mit Touren etc., dann musst du verstehen, wie alles funktioniert.

Wenn du entweder zu doof bist oder es nicht wissen willst, wird es zwangsläufig dazu kommen: you will either get taken advantage of or think that you are getting taken advantage of because you just don’t understand how it works. Bands werden sehr oft um ihr Geld betrogen, aber es hat auch oft damit zu tun, dass sie Bandentscheidungen treffen, das Geld im Voraus nehmen, dass Geld dann ausgeben und nicht realisieren, dass sie im voraus für Alben-Verkäufe bezahlt worden sind und das Geld nicht eine Art Geschenk war. Es gibt ekelhafte Typen auf der Band- und Labelseite, aber natürlich auch jede Menge gute Leute. Wir haben mit vielen von ihnen in den letzten 25 Jahren zusammengearbeitet und langjährige Freundschaften, die sehr sehr stark sind geschlossen and we never worry about working with our friends, it’s a matter of TRUST! HA HA!
Der Begriff “Jugend” ist super präsent im HC-Punk: Youth Brigade (Los Angeles, Washington DC), Youth of Today, Wasted Youth, Crucial Youth, Crippled Youth, Youth Crew… es gibt die Hymne der 7 Seconds, “Young till I die”. Lustig ist ja, dass es im Mainstream dazu auch die entsprechenden Pendants gibt, in der Marketing Industrie zu “Bleib Jung und schön”, “vermeide Falten” etc. Vielleicht ist dann hier der passende Song „Forever young“, der alte Menschheitstraum…. Es scheint so, dass keiner alt werden will! Bei eurem „Youth“ Konzept find ich es immer erfrischend, dass ihr an dem Begriff „Jugend“ nicht das biologische Alter fest macht und auch nicht sagt, dass es schlecht ist, wenn man älter wird, reifer wird… Ich meine, ich kenne 18 Jährige, die im Kopf alt sind, und ü 40 Trust Leute, die jung im Kopf sind…
Ja genau, Alter ist nicht immer, wie viele Jahre du auf dem Buckel hast, sondern wie du die Erfahrung dieser Jahre nutzt. Oder im Falle von vielen, wie man sie eben nicht nutzt! Ich bin nicht religiös, ich denke, organized religion is one of the worst things humans have ever created and it has been used to do so many horrible things. Ich glaube jedoch daran, dass irgendwas das Leben erschaffen hat, keine Ahnung, was / wer und ist mir auch ziemlich egal. I do think our lives are journies that don’t end when this life does. I feel we’ve been here before and may be back if we don’t learn from this life. That is if we don’t destroy the planet.
Youth Brigade hatten und haben einen positiven Einfluss, es geht darum, sich smart zu verhalten, fortschrittlich zu denken, gewaltfrei zu leben. Dann wiederum hast du die Leute, die sagen, im Punk geht’s um was ganz anderes, nämlich nihilistisch zu sein, unfreundlich und arrogant zu sein, negativ zu sein, voller Hass über deine Eltern / Gesellschaft / Freunde / Partnerin / Partner / dich selber zu sein… Ich habe mir „meinen Punk“ immer als Mischung aus einem eher „Hippie Mindset“ und einer (manchmal) besseren Musik – halt eben Punkrock – vorgestellt…
Klar, ich denke, dass Punkrock viele verschiedene Dinge für verschiedene Menschen bedeutet. Und Menschen verändern sich auch ständig. Die nihilistische Seite des Punks hat schon was, genau wie die positive, auf Wechsel setzende Seite, und ich glaube, dass beide zusammen existieren können, denn sie lebten ja schon zusammen und werden das auch in Zukunft tun… Sonst wäre die Welt im Allgemeinen und Punk speziell langweilig.
Gibt es Pläne für eine Europatour 2009? Ihr macht ja jetzt eine US- und Kanada-Tour im September?
Mitte September bis wahrscheinlich spät November geht’s los mit viel in den USA und Kanada touren. Eine Europatour wäre super, es ist halt eine Sache, so eine Tour vorzubereiten. Es sieht mehr so aus, dass wir im Frühling 2010 rüberkommen, so hoffen wir.
„Duke of earl” und “Jump back” stechen auf eurer ersten Platte stark hervor, wer hatte die Idee für die zwei Songs (die ich auch sehr super finde)? Spielt ihr die oft, ich vermute ja, kaum? Oder habt ihr die überhaupt mal live gespielt?
Also, ich schreibe die meisten Songs oder komme doch am meisten mit einer Idee an und präsentiere diese meinen Brüdern. Bei den Texten sieht es ähnlich aus. Ich denke, es ist ein wichtiger Teil im Punk, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, Spaß zu haben, es zu genießen. Heute diskutierte ich mit einem Kumpel darüber, dass ich echt kein Fan von vielen HC Sachen bin, weil die sich viel zu ernst nehmen. Ich meine, ich liebe Agnostic Front, weil sie eine Punkband sind und natürlich in gewisser Hinsicht sind das Minor Threat und auch 7 Seconds, und beide hatten auf HC einen sehr großen Einfluss, aber für mich sind das immer noch Punkbands.

Ich mag keinen Metal, Metal ist so fad größtenteils und hat nix zu sagen und ich denke, in vielerlei Hinsicht war HC der Gateway von Punk zu Metal. Und ich mag es, für alle zu spielen, nicht nur für einen Haufen ärgerlicher Boys und das ist halt oft das, was ich bei den wenigen HC Konzerten, wo ich bin, sehe. Hey I love women, what can I say! Oh. Diese 2 Songs, wir haben sie damals live gespielt und mit den neuen Leuten ist es gut möglich, dass wir sie in Zukunft auch spielen werden.
So sehr ich eure erste LP liebe, ich bin auch großer Fan der “Come again” EP, alle fünf Songs sind sowas von super, ich liebe die sehr…”One in Five, Shoulda stayed home, No tears for you, Keep it simple, Lost in nostalgia “…besonders “No tears for you”, was für eine tolle EP! Spielt ihr davon auch was live?
We plan on it!
Was war eigentlich Mitte der 80er Jahre in Los Angeles los? Bad Religion und ihre „Into the unknown“ Platte, dann hattest du die alten Youth Brigade Leute, jetzt unter dem Namen The Brigade, die einen ganz neuen Sound probieren. Irgendwie scheint es so, dass es eine Art schwarzes Loch war für Punk, diese Zeit und dann plötzlich kommt Punk umso stärker Ende der 80er Jahre zurück? Oder ist das eine komische Perspektive, die nur Europäer haben?
Ha ha, yep, TSOL hatten ihren Bluesrock, Adolescents, Channel 3. Ich denke, wir alle entschlossen uns für „unseren musikalischen Horizont zu erweitern“. Oder wir versuchten, mit unseren Hippiewurzeln Kontakt aufzunehmen. Du siehst ja, was daraus geworden ist. Nope, stimmt schon Punk starb irgendwie hier zwischen 1986 und 1987, Gründe waren die Gewalt und ein gewisser burn out und Zeit, weiter zu gehen. Bad Religion und dann Fugazi starteten ein oder zwei Jahre später die Sache wieder und dann zeigte der Erfolg der Pixies und Nirvana, dass Punkrock (oder Bands, die offensichtlich von Punkrock beeinflusst waren) groß wurde… and everything started to take off in the ‘90s.
Eure Splitplatte mit den Swining Utters ist auch toll, gefällt mir genauso wie der Song auf dem “Short songs for short People” Sampler, wo ihr klarstellt, dass die L.A. Version nichts mit den Youth Brigade aus Washinton D.C. zu tun hat… habt ihr von ihnen mal eine Antwort gehört? Der Song war doch eher als joke gemeint als todernst?
Wir haben Bert und die Leute von YB-DC getroffen, nette Leute, wir hatten niemals irgendein Problem mit ihnen. Wir haben beide zur gleichen Zeit angefangen und kannten uns erst nach einiger Zeit. Der Song war nicht wirklich über sie, sondern mehr an Kids gerichtet, die nicht verstanden haben, dass wir zwei Bands sind und das wir halt nicht straight edge sind. Ich meine, ich weiß nicht, wie offensichtlich es ist, wenn wir auf der Bühne trinken but what can you do with those “not so observant” kids out there!
Auf der 1991er „Live im AJZ Bielefeld” Platte gibt es einen Bühnendialog von euch; ihr unterhaltet euch über die Herkunft des Songs „Somebody got their head kicked in tonite“, und es fällt der Satz „A german band, actually a very good german band, informed us that this song is by Fleetowodd Mac… it´s hard to believe”. Konntet ihr das bis heute aufklären, ha ha?
Yep, schau bei Google nach, Fleetwood Mac haben den 1960 aufgenommen, aber er wurde von Jeremy Spencer von der Band, nicht von Mick Fleetwood, geschrieben.
Ist das nicht voll scheisse, eine Band mit seinen zwei Brüdern zu machen? Ok, bei No Means No sieht man es ja, dass es für eine lange Zeit klappt, aber in einer Band spielen und deine Brüder jeden Tag sehen… uh uh, ha ha?
Eigentlich überhaupt nicht, wir haben gelernt, uns unser ganzes Leben zu streiten, deshalb ist das nicht etwas, das wir persönlich nehmen. Bandleute streiten sich, werden angepisst und trennen sich, weil sie nicht Brüder sind. We dish it out and we can take it!
Lass uns mal über einige BYO-Veröffentlichungen sprechen. Die zwei Sampler „Somebody got their head to believe in something” haben meiner Meinung nach den besten Song der Welt, und zwar „Pillbox” von The Joneses. Wie habt ihr die damals kennengelernt, weil, ich meine, sie kamen ja mehr aus dieser Hollywood Glamszene (und machen das ja heute noch so)?
Als sie zum aufnehmen kamen, kannten wir sie echt kaum. Ich weiß nicht mehr, wie wir sie trafen, wahrscheinlich durch Freunde in Huntington Beach, weil Steve Houston, einer ihrer Gitarristen, und der Basser (und Profi-Skater) Steve Olson Leute kannten, die wir kannten. Jemand riet uns, sie auszuchecken. Ich glaube, wir haben sie gar nicht gehört, bevor sie ins Studio kamen. Gleiche Sache mit Batallion of Saints, wir waren mit Mark Rude aus San Diego befreundet und er wiederum mit ihnen. Wir dachten, hmh, anders, aber gut, ok, ihr seid drauf!
All die großen alten Bands wie SNFU und 7 Seconds haben BYO verlassen. Gab’s dafür bestimmte Gründe? SNFU sah ich vor kurzem in Deutschland, immer noch toll!
Well, das Label und diese Bands haben ja für einige Zeit aufgehört. Als wir das Label wieder ins Leben gerufen haben, existierten diese Bands nicht und wir arbeiteten mit jeder Menge neuer Bands. Wir waren befreundet mit beiden und sie wollten weiterkommen, das ist ok für uns. Wir denken, dass Bands das tun sollten, was sie glücklich macht und was am meisten Sinn für sie macht. Wir würden nicht mit jemand arbeiten, der nicht für uns arbeiten würde.
Die NOFX-Rancid Split und natürlich Bands wie Leatherface, The Briefs, Hepcat und Manic Hispanic nicht zu vergessen… wie sucht ihr euch Bands aus?
Wir arbeiten mit Bands, die wir mögen und wo wir glauben, dass wir helfen können. Es gab sehr viele Bands, mit denen wir arbeiten wollten, was aber aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Mit anderen haben wir gesprochen und realisiert, dass es ihnen aus verschiedenen Gründen mit jemand anderem besser gehen würde.
Am Ende kurze Frage und kurze Antworten… hast du vor kurzem den Auftritt von THE LAST in Los Angeles gesehen?
Yeah, klar, ich weiß nicht mehr genau, aber ich weiß, dass sie Konzerte spielten, wo ich auch da war. Not my thing, but good as I remember.
Deine Lieblingsorte in Los Angeles?
Für was? Zum auftreten: Troubadour, El Rey, Roxy, Whiskey, lot’s of place that no longer exist. Sushi zum essen. To surf my local break down the street from my house. To kick it, my house!
Los Angeles sucks, Los Angeles rules?
L.A. saugt nicht, ich liebe es wirklich, hier zu leben. Es ist eine der schlecht geplantesten Städte, einfach ein riesiges ausuferndes Stadtgebiet mit viel zu vielen Autos. Das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist auch schlecht, wird aber besser. Es gibt zu viele Idioten, aber das ist ein weltweites Problem. Es gibt zu viele Leute, die Kinder haben, und nicht genug darauf vorbereitet sind, Eltern zu sein, die die Welt überbevölkern, Kinder auf die Welt zu setzen, die völlig fertig enden. USE FUCKING BIRTH CONTROL PEOPLE! Also, Los Angeles ist ein schöner Platz zum leben, it doesn´t rule.

Du kannst super surfen, es gibt wunderschöne Frauen, freundliche Menschen, die dich auch in Ruhe lassen. Es passieren verrückte Sachen hier wegen Hollywood und dem Zentrum der Musikindustrie, aber es gibt jede Menge guter Leute, smart, innovativ, laid back, eine schöne Geographie, den Pazifik, die Berge sind eine Stunde entfernt, Mexiko ist nur zwei Stunden weg und Las Vegas nur eine Flugstunde. Die ganze Zeit gibt es viel zu erleben, aber du kannst den ganzen Wahnsinn aber auch sehr einfach hinter dir lassen.
Youth Brigade im „American Hardcore” Film, wie gefiel dir die Dokumentation?
Da ist einiges an interessantem Zeug drin, großartiges Material von den Bad Brains und Boston, außerdem ist „American Hardcore“ einer der wenigen Punkdokumentationen, in denen es auch um Los Angeles geht. Alles in allem bin ich jedoch nicht so der große Fan. Er ist okay, ja, hat einiges an gutem Zeug. Ich denke, wir realisierten nach einigen Minuten in unserem Interview: warum erzählen wir dem Typ unsere Geschichten, damit sie in seinem Film erscheinen, wir könnten doch genauso gut unseren eigenen machen. Er war nicht dabei, so fuck it. Du siehst, wir hatten einfach nicht viel zu sagen.
Was wäre deine Antwort, wenn jemand dir vorwirft, dass euer Punkrock Bowling zu kommerziell ist, weil es von Corona gesponsert wird?
Komm nicht vorbei! Es ist deshalb von Corona gesponsert, damit wir das Bier billiger bekommen und wenn du kein billiges Bier magst, dann gibt es keinen Grund, zum Punkrock Bowling zu kommen! Keiner hat sich bislang über Alkohol-Sponsoren beschwert. Aber egal, warum nicht das Geld nehmen, please, the great rock’n’roll swindle is a cornerstone of punk rock ethics, take them for all they’ve got! Why pay if you can get it for free or at least at a discount!?! Everything in life is commercial, it’s just lame if you have to pay for it like everyone else. Guess it’s all a matter of what’s important. If you drink the beer is that “too commercial?”
In einem älteren Interview hast du gesagt, dass ihr 1984 das erste Mal in Europe getourt seid und in Deutschland gespielt habt. Erinnerst du dich noch an Bands, mit denen ihr spieltet?
An deutsche Bands kann ich mich gar nicht mehr erinnern, außer den Upright Citizens und wir haben den Auftritt in Bielefeld verpasst, ich glaube, sie sollten da auch mit uns spielen. Der Grund war: we broke down in Poland and got stuck there for nearly 2 weeks. Das war während der Solidaritätsbewegung und als der katholische Priester Popyuzko verschwand und seine Leiche einige Tage später in einem Fluss wieder hoch kam. Zu dieser Zeit waren wir da.
Welche Zines magst du lieber, MRR oder Razorcake?
MRR hab ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, Razorcake ist immer gut.
AC/DC oder KISS?
KISS mochte ich nie, ich bin auch kein großer AC/DC Fan, aber sie rocken. Ich bin hautpsächlich Jimi Hendrix Fan.
“Q: When will the FAQ page be online? A: Soon.” Guter Witz auf eurer FAQ-Seite, ha ha. Kam der von dir?
Nein, das war wahrscheinlich Julie.
Wir stellen gerade ein Trustream für das Las Vegas Punkrockbowling 2010 zusammen, hast du ein paar Tipps für uns? Ja gut, okay, “white russian big lebowsky style…”?
Kommt nicht, um zu gewinnen, kommt einfach vorbei zum trinken und Spaß zu haben, Bowling ist wirklich nur ein Vorwand, um nach Las Vegas zu fahren und sich mit seinen Freunden abzuschießen.
Danke Shawn! Hast du nen Gruß an unsere Leser?
Gutan Abend meine punk rockers! Thanks to everyone for supporting us all these years, we know how lucky we are to be doing this and we can’t do it without you. Hopefully we’ll be on tour next year and have a party in your town!

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: www.byorecords.com
www.letthemknowthemovie.com
Layout Credits: Julie / BYO Records, David (Left of the Dial Mag)

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