September 2nd, 2019

Vladimir Harkonnen aus #195, 2019

Posted in interview by Jan

„The root of all evil is the heart of a black soul. A force that has lived all eternity. A never ending search for a truth never told. The loss of all hope and your dignity.”
(Slayer – South of Heaven, 1988)

Interview mit Philipp Wolter von Vladimir Harkonnen

Es hört sich echt blöd an, aber wenn es doch stimmt: Philipp Wolter aus Kiel, Sänger bei der tollen Thrash-Metal-HC-Punk-Band Vladimir Harkonnen (VH), ist einfach ein norddeutsches Szene-Urgestein: seit vielen Jahren in verschiedenen Bands, Betreiber eines coolen Online-Zines, fanatischer Konzertgänger und Plattensammler der obersten Kajüte, eben einfach aktiver Teil der Szene. Ich finde es immer bewundernswert (und somit dokumentationswürdig), wenn jemand kontinuierlich in verschiedenen Feldern unserer Subkultur aktiv ist und yeah, Philipp gehörte schon viel früher mit einem Interview ins Trust (das es übrigens schon seit langer Zeit liest)… Und das holen wir hiermit gerne nach.

Mint Spirit
Live trafen wir uns allerdings bislang nur mal in der Schaubude in Kiel, als ich dort vor Jahren auf Tour mit Scheisse Minelli als Reporter dabei war. Glücklicherweise wiederholten wir ein Wiedersehen neulich bei einem Bierchen im Hafen von Labö, als ich an der Ostsee auf Urlaub war. Übrigens tauchte er in der letzten Zeit direkt zwei Mal mit schönen Gesprächen auf, zum einen wurde er Mitte 2017 im coolen Hamburger No Spirit Fanzine in der Ausgabe # 3 interviewt und dann gab es Ende 2017 im Mint Magazin # 17 auch ein sehr geiles Portrait von ihm mit seiner riesigen Plattensammlung, das war in der Rubrik „Zuhause ist, wo die Sammlung steht: Mit Philipp Wolter, Punk- und Metal-Sammler aus Kiel“. Bevor es jetzt aber mit dem Gespräch losgeht, möchte ich euch noch einige Infos mitteilen.

Der Wüstenplanet an der Ostsee-Küste
2006 gründete sich VH im schönen Schleswig-Holstein (in Kiel bzw. Rendsburg). Tja, der Name bezieht sich auf den Baron aus der Romanserie „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. Dazu wurde Philipp in einem Interview gefragt, ob er von dem Autor viel gelesen hat und wie das genau nochmal mit der Idee zu VH kam: „Ich habe neben dem „Dune“-Zyklus auch die gesamten Bücher von Herberts Sohn Brian und Kevin J. Anderson gelesen – ebenfalls empfehlenswert, allerdings mit weniger philosophischem Tiefgang. Witzigerweise kam gerade der Vorschlag für den Bandnamen von Nils, der die Bücher gar nicht kennt. Irgendwer warf „Harkonnen“ in den Raum und Nils sagte eher höhnisch: „Ja, genau, warum nicht gleich VLADIMIR HARKONNEN?“.

Und wir anderen haben zu Nils Entsetzen sofort begeistert „Das isses!“ gebrüllt“. Die statistische Angabe: die Band-Besetzung besteht neben Philip aus Eric Harkonnen (Trommler), Zarc Harkonnen (Gitarre, Gesang) und Andi Harkonnen (Bass, Gesang). Einige der ex-Bands der Leute könntet ihr kennen, denn man zockte bereits schon bei u.a. Bonehouse (da sang Philipp auch grossartigst, die Band sah ich dann auch mal live im Rheinland/NRW) oder auch Rasta Knast.

Das Beste aus Thrash/Speedmetal und Hardcore-Punk
Eine kleine Pressespiegel-Recherche zeigt: VH sind geil und das sage nicht nur ich. So reportierten die „Kieler Nachrichten“, dass hier „mit unbändiger Leidenschaft Hardcore vom Feinsten“ geboten werde. Unser Bela schrieb in Trust # 166: „VLADIMIR HARKONNEN vereinen das Beste aus Thrash/Speedmetal, Hardcore und Hardcorepunk der letzten 20 bis 30 Jahre und das mit einer technischen Perfektion, wie es derzeit wohl kaum einer anderen deutschen Band dieses Genres gelingen mag.“ Der für mich ebenfalls sehr einleuchtende Amazon-Kommentar zu der „Into Dreadnought Fever“-Scheibe der Jungs befand: „Vladimir Harkonnen drehen Punkrock, Hardcore und Death Metal munter durch den Fleischwolf, das Ergebnis klingt wie ein Mix aus Turbonegro, Entombed, Bad Religion und Sick Of It All“. Yeah!

HC ohne Punk kann nix
Zur Person von Philipp möchte ich noch ergänzen: einerseits ist er der punkige Oldschool-Thrasher, dazu erläuterte er in einem Online-Interview: „Wie du weißt, trage ich zum Beispiel eine Kutte, auf der sich Patches tummeln von ABFUKK, JUDAS PRIEST, SAINT VITUS, HAMMERHEAD, WOLFPACK, PENTAGRAM … Da machen wir also aus unserem Herzen keine Mördergrube – das ist vielmehr ganz offiziell so, dass wir alle Metal und Hardcore/Punk lieben. Metal ist geil, wenn er laut und schäbig ist. Gib uns jederzeit die rohe Power von VENOM, WARFARE, MOTÖRHEAD, TANK oder SLAYER – Frühphase jeweils. Und lass uns in Ruhe mit Primaten-„Hardcore“ der mackerhaften Sorte! Ohne den Einfluss von Punk kann Hardcore ganz fix eine fade Suppe werden“. Das fand ich eine sehr gute Bemerkung, vielleicht ist das generell die Dialektik im HC-Punk: Punk ohne HC ist auch irgendwann sehr öde. Aber HC ohne Punk ist ganz ganz großer Mist, Lösung: HC-Punk! Leute, kauft die VH-Platten und macht Gigs mit der Band, es wird euer Schaden nicht sein.

School’s out for summer (only)!
Unglaubliche kreative Meister-Transfer-Leistung hier von mir jetzt, ein Alice Cooper-Zitat auf einen Lehrer zu münzen, denn genauso ist es: Philipp ist Lehrer von Beruf. „Fuck my school“ (Replacements)? „High school society, everyone is an ass, everyone lives in the past“ (Circle One)? “Old school, new school, egal, Hauptsache, ich habe eine Schule besucht“ (Volksmund“)? Diesbezüglich wurde Philipp in einem Interview online mit der Frage konfrontiert (die ich zuerst ähnlich stellen wollte): „Wie verbindet sich denn dein linkes Weltbild und unangepasstes Aussehen mit dem doch eher konservativen Beruf?“, dazu antwortete er:

„Ja, ich habe im Grunde bereits vor der Gründung von Bonehouse auf Lehramt studiert und dieses Ziel nach ungefähr 15 Jahren schließlich erreicht. Ich bin in der Tat jetzt verbeamteter Pauker in den Fächern Geschichte und Deutsch am Gymnasium. Ich war sehr gespannt, ob ich irgendwann aufgrund meiner Aktivitäten mit meinen Bands Probleme bekomme, vor allem, weil ich mich nie in irgendwelchen Aussagen zurückgehalten habe hinsichtlich systemkritischer Inhalte. Und was soll ich sagen? Der Job macht viel Spaß! Erstaunlicherweise habe ich bisher nie Probleme bekommen. Das stimmt einen natürlich auch nachdenklich: letztlich scheint es in diversen Kollegien liberaler zuzugehen, als es alte Feindbilder gerne wahrhaben wollen. Zumindest in meinem Kollegium herrscht eine angenehme offene Atmosphäre. Es gibt sicherlich Berufe, die langweiliger sind und die auch in Sachen Klamotten deutlich mehr Konformität erwarten, auch wenn es natürlich nervige Seiten gibt und uns eine zunehmende Bürokratisierung und praxisferne „Reformen“ aufgedrückt werden. Ich will, das muss ich ganz klar sagen, aber niemanden indoktrinieren, provoziere natürlich in Oberstufenkursen gerne mal, aber mit starren ideologischen Dogmen habe ich nichts am Hut“.

Und ich meine, wer außer einem echten Fan würde in einem Konzertbericht seiner Band sowas schreiben wie Philipp: „Das gefällt mir alles derart gut, dass ich vor Begeisterung einen kleinen Handstand auf der Bühne wage. Noch denkwürdiger: Zarc verguckt sich einmal in der Setlist und stimmt einen anderen Song als der Rest von uns an. Immerhin merken wir es – MOTÖRHEAD sollen ja mal eine ganze Tour lang aufgrund eines Kommunikationsfehlers an einer Stelle im Set zwei Songs auf einmal gespielt haben… Herrlicher Auftritt, einer derjenigen, bei denen so ziemlich alles stimmt“. Und nun viel Spaß mit dem Interview!

Great on stage: Bon Scott, Campino, Tobias Scheisse, Philipp Wolter
Wobei: Moooooment, ich kenne euch doch ganz genau: wenn ich hier im Verlauf des Gespräches mein wirklich ernst gemeintes Kompliment an den echt tollen VH-Frontmann anbringe (auch schon bei Bonehouse war er einfach klasse live!) und ihn in eine Reihe stelle mit „born to be on stage and entertain people“-Sängern, die ich geil finde, dann denkt ihr sicherlich „Haha, der ganz alte Trick! Das Trust ist also jetzt schon so tief gesunken, hat keinerlei Ideen mehr und interviewt nun auch noch seine alten Stammleser und schmiert denen Honig um den Bart, nicht schlechter Versuch, leider völlig durchschaubar!“… Nö, ich finde wirklich, dass Bon Scott, Campino, Tobias Scheisse und eben Philipp geile Frontleute auf der Bühne sind. Ihr wisst, dass ich AC/DC und die Hosen (bis Learning English I 1992) sehr liebe, von daher waren diese Vergleiche klar.

Man sieht es bei alten Videos, egal ob kleine oder riesige Gigs und man muss deren Musik auch nicht mögen, aber man kann nicht abstreiten, dass die dafür gemacht sind, auf einer Bühne Menschen zu begeistern. Die leb(t)en das, ich finde, das sieht man sofort, die agieren irgendwie so lässig mit dem Publikum. Das kann man eventuell lernen, bei der Mannheimer Pop-Akademie gibt’s da sicher längst schon Kurse dafür, aber ich vermute, dass das denen einfach im Blut liegt. Zu Hammerhead habe ich ein durchaus ambivalentes Verhältnis (was euch auch vielleicht bekannt sein könnte, weil ich u.a. darüber in der # 133 mit der Band beim Interview in Linz am Rhein zusammen mit Trustler Matze gesprochen habe). Aber hey: Tobias ist ein toller Sänger und absolut geiler Entertrainer auf der Bühne, das steht eben ohne jeden Zweifel auch fest für mich. Und Philipp ist in derselben Liga (ihmo), mir doch latte, ob Trust-Stammleser oder nicht. So, das noch dazu und ich weiß, ihr glaubt mir trotzdem nicht, aber mehr kann ich jetzt auch nicht sagen. Kick it!

Born to loose – live to win
Wir machten das Interview im Chat-Stil, d.h. ich hatte alle Fragen vorher recherchiert und an ihn gemailt, er beantwortete dann immer einzelne Blöcke und ich hatte hier und da mal Rückfragen. Das führte an einer Stelle dazu, dass ich etwas ausuferndend freestyle-assozierte, ich kommunizierte das mit Phlipp, dass ich da keineswegs beabsichtigte, mich da in den Vordergrund zu produzieren, sondern bei so spontan Rückfragen immer das Kürzen vergesse, es ist sein Interview und wenn er will, kann er auch diese lange Frage von mir direkt löschen. Nö, alles gut, meinte er. Nicht, das ihr nachher wieder denkt, ich laber den hier zu! Smiley.

Hi Philipp, in den frühen 80er wurdest du durch Slime und Iron Maiden infiziert, wie kam der Schritt vom „passiven“ Fan zum aktiven Mitmischer?
Moin Jan, erst mal möchte ich sagen, dass ich mich sehr über dieses Interview freue! Als jemand, der das TRUST seit Jahrzehnten liest, ist es natürlich einfach schön, mal selbst im Heft mit einem Interview vertreten zu sein. Voll aufregend, ey! Und ich sehe schon bei der ersten Frage, dass du über mich verdammt gut Bescheid weißt. Copy & Paste aus alten Interviews fällt schon mal weg, haha! Es stimmt aber, eine meiner ersten Kassetten war mit IRON MAIDEN und SLIME bespielt. Neulich hat sich meine Freundin eine olle Gebrauchtkarre gekauft, in der zu meiner Freude noch ein Tapedeck ist. Da hab ich die erwähnte Kassette aus meiner Sammlung rausgekramt – das Biest läuft noch.

Ähnlich kurios bespielt stand gleich ein Exemplar daneben mit auf der einen Seite EMILS und auf der anderen ein SLAYER-Livebootleg mit dem seltsamen Namen „Titantic Tits“. Aber ich schweife ab: Schon früh fragte mich ein Schulkumpel, ob ich Bock hätte, für die Schülerzeitung (DIY Print natürlich, wir reden ja über die Achtziger) Konzertreviews zu verfassen. Das hab ich getan und zack! war ich am Haken. Ich habe dann später für diverse Punk- und Metalfanzines geschrieben, u.a. füs WANKER-Zine, BOOT MURDER NEWS, UNBROKEN METAL, Gastbeiträge fürs PLASTIC BOMB und seit 15 Jahren fürs E-Zine DreMuFueStias, habe seit dieser Zeit auch unzählige Fanzines gekauft und gehortet. Sammler oder Horder…?
Denkst du oft romantisch an deine Zeit bei Bonehouse zurück?
Die Zeit ist für mich bis auf ganz wenige Ausnahmen wirklich sehr positiv besetzt. „Romantisch“ allerdings nicht in einem verklärenden Sinne, es ist schon okay, dass nach 13 Jahren dann auch Schluss war. Sagte ja schon Jensen: „13 Jahre sind zu langeeee“… Danach ging es auch direkt los mit VLADIMIR HARKONNEN. Im nächsten Jahr übrigens auch schon 13 Jahre Bandexistenz. Ich widerspreche also Jensen auch gleich wieder und hoffe, dass wir noch ganz lange so weitermachen können. Das Bandgefüge und die Stimmung bei VLADIMIR HARKONNEN sind super, besser als ganz am Schluss bei BONEHOUSE. Von daher blicke ich eher nach vorne, als ständig von alten Zeiten zu schwärmen.
VH spielt „Thrash flavoured HC“, habt ihr bestimmte Lieblings- und Hassbands?
Hass ist ein Antrieb beim Musikmachen, da sagste was. Generell mögen wir keinen produktionstechnisch aufgeblähten Plastikkram. Wir treffen uns bei diversen Old School Punk- und Metalbands in einer Schnittmenge, also z.B. NOMEANSNO, EXODUS, DEAD KENNEDYS, VENOM, POISON IDEA, SNFU oder NAPALM DEATH. Das schlägt sich nur bedingt in unserem eigenen Songwriting nieder, aber irgendwie gibt es natürlich schon gewisse Trademarks wie eingängige, melodische Refrains/Chöre und generell eher ein flottes Tempo. Wir haben ja zwei Brüder in der Band, Zarc (g) und Eric (d). Die sitzen im Bandbus meist vorne und haben somit die Macht über die Musik. Die beiden spielen leider häufig so einen Musiker-Frickel-Kram, den kein normaler Mensch ertragen kann. Da sind wir froh, wenn sie einfach mal stumpfes Geballer anmachen…
Ihr covert „Schweineherbst“ von Slime und wart ja auch mal Vorband bei denen, wie waren die drauf backstage, nett?
Das war natürlich sehr interessant. Wir haben „Schweineherbst“ für eine EP aufgenommen, ich hatte vorher mit Alex Schwers Kontakt aufgenommen und höflicherweise vorher mal nachgefragt. Beim SLIME-Auftritt auf dem Hamburger Hafengeburtstag 2016 konnte ich der Band dann die fertigen Platten überreichen. Da hatten wir schon ‘nen entspannten Schnack. Später (Ende 2017) ergab sich dann die Möglichkeit, mit SLIME in Husum und Lübeck zu spielen. Zwei unserer Lieblingsläden, der Speicher und das Treibsand. Am ersten Tag mussten wir uns erst mal alle kennen lernen, das war noch eher so höflich-distanziert. SLIME hatten am ersten Tag auch nicht ihren Mischer dabei und waren etwas angespannt. Das war am zweiten Tag dann besser und besonders Dirk Jora, der ja irgendwie immer am meisten Internat-Hate abbekommt, war total sympathisch.

Ich hab echt lange mit ihm geredet und gefeiert, es stimmt mal einfach nicht, dass der oberflächlich sei oder was immer über ihn behauptet wird. Ich hab ihn als sehr offen und interessiert wahrgenommen. Im Gegensatz zu anderen Leuten, manchmal gerade in vergleichsweise „kleineren“ Bands, hat Dicken auch nicht ständig von sich oder von SLIME erzählt. Er sagt übrigens wirklich ständig „Digger“ oder „Ey, Diggi!“. Eins ist bei solchen Auftritten klar: Man ist da wirklich „Vorgruppe“. Wir haben zum Beispiel unser Schlagzeug vor das von Schwers gestellt, und da kaum noch Platz auf der Bühne war, haben wir uns so wie NOMEANSNO aufgestellt, also das Schlagzeug seitlich vorne, wir alle in einer Reihe. Das ist aber auch in Ordnung so und war uns vorher bewusst.

Am zweiten Tag gab es ein kleines Absprachemissverständnis und wir hatten keinen Teppich für Erics Schlagzeug mit. Da ist der Veranstalter, Stöllchen vom Speicher Husum, kurz nach Hause gefahren, hat seinen Wohnzimmerteppich geholt und meinte nur: „Könnt ihr ruhig einsauen, der ist eh voller Flecken!“
Haha, klasse, so soll es doch sein. Und yeah, schön zu hören, dass die bzw. der live nett sind. Die 80er Sachen sind ausnahmslos toll, klar, aber ich weiß nicht, Slime in 80er verpasst weil zu jung, 90er verpasst weil zu weit weg bzw. weiss ich nicht mehr, jetzt kürzlich erst in Frankfurt zum ersten Mal gesehen. War komisch. Ich meine, „Alptraum“ haben sie gespielt, da war alles gut. Aber irgendwie… sehr rockig halt. Und so komisches Riot-Demo-Lärm-Intro. Fand ich unnötig. Weiss doch jeder, dass die Streetfighter sind, egal. Aber hier, wat: es gibt ein SLAYER-Livebootleg namens „Titantic Tits“? Tja, dann hat sich das Interview schon gelohnt, wird besorgt! Du Arsch hast die bestimmt in den 80er gesehen oder?
Ich hab SLIME in den 80ern auch knapp verpasst, weil ich noch zu jung war. Die haben Anfang der 80er in Kiel gespielt, ich hab es sogar mitbekommen. Ein Kumpel wollte hin, hat aber so hart vorgeglüht, dass er besoffen im Bus eingepennt ist und viel zu spät an irgendeiner Endhaltestelle im Nirgendwo aufgewacht ist. Die Leute, die da waren, erzählen meist, dass sie sich an unzählige Schlägereien erinnern. Soviel zur Verklärung von Punk in den 80ern… Bei den Neunziger Konzerten war ich aber zwei Mal dabei, das war schon super und „Schweineherbst“ eins ihrer stärksten Alben. Irgendwie haben SLIME ja schon immer polarisiert. In meiner Pressung von der „Alle gegen Alle“ ist so’n Beizettel, in dem sie ankündigen, sich aufzulösen, weil sie keinen Bock mehr auf das ganze Gemecker hätten.

Ich finde die aktuelle Besetzung tatsächlich gut. Live bringen die das meiner Meinung nach immer noch gut rüber und spielen sehr lange und mit viel Bock. Über den Akustikblock könnte man natürlich streiten, haha. Dieser SLAYER-Bootleg klingt sogar ganz geil, ist von ‘87. Araya macht noch richtig lange Ansagen vor den Songs. Ja, SLAYER hab ich auf der „Reign In Blood“-Tour in Hamburg gesehen. Das war unfassbar beeindruckend. Da waren übrigens auch sehr viele Hardcore/Punk-Menschen anwesend. Der Pit war schön wild und ging vom ersten bis zum letzten Song.
Ihr pendelt zwischen Sozialkritik und Hedonismus, dass gefällt mir sehr, eben undogmatisch linke Politik und Party. Könnt ihr bei den Punk-Gigs in AJZs dann mehr saufen, weil dort eh nur „preaching to the converted“ stattfindet und bei den Metal-Club-Gigs haut ihr dann mehr politische Botschaften raus? Du hast ja mal gesagt, dass ihr bei Metal-Gigs gerne antifaschistische Statements abliefert, aber auch keine „spaßfeindliche Predigerband“ seid, dann wiederum aber auch nicht nur plumpe „Let´s kick some ass“-Plattitüden absondert. Gefällt mir!
Ach, also so’n kleiner Umtrunk geht eigentlich überall. Wenn es schon umsonst ist… Wobei wir damit erst so richtig nach/während/kurz vorm Auftritt anfangen. Generell überlege ich mir eigentlich nicht vorher, was ich so sagen möchte. Es kommt sehr auf die Situation an, was uns zum Beispiel so aus dem Publikum zugerufen wird oder ob es irgendwas Aktuelles gibt, was mich gerade beschäftigt. Aber stimmt schon: Gerade wenn ich das Gefühl habe, dass es ein eher unpolitischer Laden ist, dann reizt das natürlich. Muss aber natürlich auch nicht zwingend sein, mit dem „preaching to the converted“ bringst du das schon treffend auf den Punkt. Meist spielt man ja doch in AZs unter „Gleichgesinnten“, da musste schon anders provozieren und zum Beispiel die Discokugel von der Decke hauen.
Yeah, ich finds eh bemerkenswert, was für ein geiler Frontmann du bist, das wollte ich unbedingt loswerden! Ich spiele selber als Bassist und Sänger bei ´ner HC-Band, aber ich fühle mich immer unwohl als Sänger auf der Bühne. Ich verpacks irgendwie nich „mit dem Ego“, weil: sind zu wenig Leute da, ist blöd. Egal, halt mehr saufen. Sind zu viele da, bin ich zu nervös. Egal, mehr saufen. Sind aber „genau richtig“ viele und die guten Freunde und die netten Leute da, freut man sich so dolle, dass man sich schon im Vorfeld total abschiesst, ich brings einfach nicht. Du dagegen scheinst dich pudelwohl auf der Bühne zu fühlen, also jetzt auch nicht „zu selbstverliebt“ oder so, einfach gut! Es gibt einfach so Leute, die gehören auf eine Bühne, um Menschen mit ihrer Kunst zu „entertainen“, ich denke da speziell an Bon Scott, Campino, Tobias Scheisse – und dich. Oi! Smiley.
Hahaha! Bon Scott, Campino, Tobias Scheisse – ja, nee, ist klar! Ist aber tatsächlich so, dass ich mich auf der Bühne wohl fühle. Ich bin da echt irgendwie ganz bei mir, ganz egal was für ‘ne Scheiße sonst gerade im Leben passiert. Da kann ich meinen Film fahren. Häufig weiß ich danach gar nicht mehr, was exakt alles so passiert ist. Im Ansatz weiß ich aber, was du meinst. Gerade wenn eine gewisse Erwartungshaltung der Besucher*innen spürbar wird, kommt Druck ins Spiel, der sich in Nervosität äußern kann. Bei mir ist das zum Glück spätestens aber weg, wenn es wirklich losgeht, manchmal auch schon bei einer gelungenen Panik-Entschlackung direkt vorm Auftritt.
Unser Trust-Bela erwähnte mal in einer (eigentlich guten) Besprechung von euch, dass er die etwas dick aufgetragenen Gitarren und Chöre etwas anbiedernd fand. Stören euch „kritische“ Reviews, manche nehmen das ja direkt als Aburteilung als Mensch. Klar, jeder will gerne gelobt werden…
Ja, hab ich gelesen. Ich lese die meisten Reviews und finde es total interessant, eine Rückmeldung in dieser Art zu bekommen. In diesem konkreten Fall fand ich diese kritische Anmerkung sogar förderlich. Wir haben es meiner Meinung nach mit den „O-ho-ho-ho“-Chören in der Vergangenheit auch schon übertrieben. Das muss nicht in jedem Song stattfinden, insofern war das für die bandinterne Diskussion auch ein Impuls. Wir haben für die nächste Vladi-Veröffentlichung eh mal etwas ganz Anderes versucht, und zwar die totale Reduktion. Es wird neun Songs in 13 Minuten geben, die sehr komprimiert sind. Aber um nochmal zur Frage zurückzukehren: Eine „Aburteilung als Mensch“ habe ich noch nie wahrgenommen, gerade der Gitarrensound ist ja eine extreme Geschmacksfrage. Ich bin da in meinen Hörgewohnheiten mittlerweile auch eher weg von zu dicken Sounds und mag es eher basisch und mit weniger Zerre.
Im Plastic Bomb wurde hervorgehoben, dass „die Twin Gitarren-Harmonien eine gewisse Liebe zu Iron Maiden durchschimmern“ lassen, laut eurer Facebook-Seite habt ihr aber (momentan?) nur einen Gitarristen? Seid ihr Maiden-Fans?
Yeah, unbedingt! Das ist eine der Bands, auf die wir uns alle einigen können! Krass, was die immer noch abliefern, gerade live. Wir waren mal zu fünft, genau genommen gab es schon zwei Fünfer-Besetzungen in unserer Biografie. Tobi ist leider ausgestiegen, weil er nicht mehr ausreichend Zeit fand. Wir haben dann entschieden, dass ihm die Tür offensteht, wenn sich seine Lebenssituation ändern sollte. Und ansonsten machen wir halt zu viert weiter. Es gibt einige Stücke, die damit aus der Setlist geflogen sind, weil sie doch sehr für zwei Gitarren komponiert sind, aber das sind nur wenige. Es funktioniert auch so sehr gut, Zarc ist halt ein krasser Gitarrist, bei dem ich schwören könnte, dass ich manchmal aus dem Augenwinkel zwei Extratentakel aus seinem Leib herauswachsen sehe, die auf dem Griffbrett mitrumschreddern.
Ihr habt eine EP und zwei LPs veröffentlicht, wo steigt man als Interessierter Laie am besten ein? Wie seid ihr zu Break the Silence Records gekommen?
Ich glaube, unser bisheriges Referenzwerk ist „die blaue Platte“, also unser zweites Album „Into Dreadnought Fever“. Der Ulf Nagel hat da ‘ne herrlich natürliche Produktion hinbekommen, Davon spielen wir auch noch live viele Stücke, zum Beispiel „Perfect Storm“, „Reign In Vlad“, „Black Metal Duckface“, „Into Dreadnought Fever“ oder „Frontex Fuckers“. Die nächste VÖ wird wieder ganz anders, wie vorhin schon erwähnt. Sehr kurze und meist schnelle Stücke, die wir auch schon alle aufgenommen haben, fehlt nur noch der Gesang. Ballo von BREAK THE SILENCE ist ein alter Freund, den ich noch aus BONEHOUSE-Zeiten kenne.

Da hatten wir häufiger auf von ihm veranstalteten Konzerten im Raum Verden gezockt. Legendär zum Beispiel ein Konzert mit abschließender Proberaumsession bis zum nächsten Morgen im JUZ „Dampfmühle“. Jedenfalls hatten wir unser erstes Album als CD fertig und da sagte Ballo, dass es die Platte unbedingt auf Vinyl geben müsse – und zwar auf seinem Label! Die beiden anderen Platten waren dann Kooperationen mit mehreren Labels, u.a. TOANOL, MASS PROD, JANML RECORDS / MAJA VON LOBECK, FRONTCORE und, NETWORK OF FRIENDS. Alles Freunde von uns, was es ermöglicht, alles entspannt ohne nervige Verträge zu organisieren.
VH-Ziel ist Wacken, Nuclear Blast Deal und Support-Tour für Megadeth oder?
Haha, nicht wirklich! Es ist zwar mal ganz interessant, einen Blick in diese fremde Welt der Rockstars zu werfen, aber am wohlsten fühlen wir uns in besetzten Häusern, autonomen Zentren wie der Alten Meierei Kiel, Hafermarkt Flensburg oder Substanz Osnabrück. Im Substanz waren wir gerade vor zwei Tagen, das war so herrlich mit Party im Innenhof, stilistisch unterschiedlichen Bands, veganem Essen und Pennplätzen direkt im Haus. Meist kann man in solchen Zentren auch davon ausgehen, dass es Freiräume sind, in denen die Besucher*innen selten belästigt oder dumm angemacht werden, im Substanz gab es z.B. Awareness Teams, zu denen man gehen kann, wenn man sich diesbezüglich unwohl fühlt.

„Große Shows“ spielen wir dagegen sehr selten, es ist dann ganz spannend, das mal kennenzulernen, aber wenn zum Beispiel die Soundleute die Auflage haben, erst bei der „Hauptband“ die Anlage ganz hochzufahren, dann sind das Spielchen, die wir echt nicht brauchen.
Wechseln wir das Thema mal von VH weg. Es gibt sozialkritische Bands im Metal, aber oft geht es um persönliche Freiheit und Kameradschaft, so richtig linkspolitisch wie Punk sind bzw. waren selbst linke Metal-Bands wie Kreator, Sacred Reich oder Bolt Thrower nie oder? Ich find’s immer spannend, dass die Texte oft eher so dünne „Horror/Fantasy“-topics sind (für mich!), gleichwohl für viele ihr Leben bedeuten.
Das ist wirklich eine sehr interessante Frage! Bei HC/Punk geht es häufig um die essentiellen Themen. Den Kampf gegen repressive Strukturen, den Erhalt von Freiräumen oder wenigstens den morgendlichen Kaffee (DESCENDENTS, „Coffee Mug“). Und dann stellen sich da irgendwelche Metalbands hin, singen über Kerker und Drachen – und vor der Bühne stehen Tausende von mitsingenden Leuten, die derart emotional berührt werden, dass häufig sogar Tränen kullern. Was ist da los? Du fragst ja im Grunde den Richtigen, da ich Punk und Metal gleichermaßen mag (ist übrigens gar nicht so selten). Dennoch muss ich bei dieser Frage hart nachdenken. Die Attraktivität von Heavy Metal scheint ja ungebrochen, ich habe zum Beispiel in den letzten Jahren beobachtet, dass sehr viele junge Menschen nachkommen, was im Punkrock leider nicht ganz so stark zu beobachten ist.

Vielleicht ist es bei der textlichen Seite so, dass dieses Unpolitische sogar als positiv empfunden wird. Dass umgekehrt eine dezidiert linkspolitische Haltung vielen zu krass ist? Leider finden Hufeisentheorien wie die Behauptung, Antifaschisten seien genau so „schlimm“ wie Faschisten viele Anhänger*innen. Ich habe da schon häufig Diskussionen geführt und bin immer wieder entsetzt. Das muss man sich mal vorstellen: Demnach sei also eine indifferente Wegguck-Haltung die optimale Position und wer sich Faschos in den Weg stelle, handele falsch. Das ist ganz übel. Zum Glück sind nicht alle so, immerhin gibt es Bands wie die, die du genannt hast. Und recht neu ist die Entwicklung, dass in autonomen Zentren linke Black Metal Bands spielen. Hoffentlich wird diese Gegenbewegung zum NSBM noch viel stärker. Jetzt ist das mit den dünnen Topics immer noch nicht ganz geklärt. Erst mal könnte man darauf hinweisen, dass es auch ein Punk-Subgenre gibt, welches unpolitisch ist, nämlich Horror Punk, der ja wie die MISFITS eigentlich nur über Quatsch singt.

Dieser Quatsch kann aber auch faszinieren. Gerade im Metal wird häufig eine sehr bildreiche Sprache verwendet, die durchaus seinen Reiz hat. Wenn man sich ein Beispiel wie SLAYERs „South Of Heaven“ anguckt, könnte das möglicherweise der Schlüssel sein: „The root of all evil is the heart of a black soul. / A force that has lived all eternity. / A never ending search for a truth never told. / The loss of all hope and your dignity.” Das wirkt gerade dadurch, dass es vielfältig interpretierbar ist. Was ist diese “root of all evil”? Es könnte dein fieser Boss sein oder der/die Ex-Partner*in oder einfach der verfaulte Backenzahn, der dich peinigt. In jedem Fall stehst du in der ersten Reihe, drohst mit geballten und erhobenen Fäusten einem wahrscheinlich nicht existierendem Gott und brüllst mit Schaum vorm Mund mit.
Warum ist das eigentlich so, dass Norddeutschland immer mehr Punk und der Süden immer eher HC war? Weil der Süden näher an den USA liegt, haha? Oder weil der skandinavische und britische Einfluss im Norden stärker ist?
Verstehe ich auch nicht ganz. Wahrscheinlich liegt es jeweils an ein paar aktiven Menschen, die den Kern einer Bewegung ausmachen. Manchmal braucht es ja nur eine aktive Konzertgruppe, die einen ganzen Raum musikalisch (und möglicherweise auch inhaltlich) prägen kann. Wenn die sich dann stilistisch stärker im Punk verortet sieht, veranstaltet sie natürlich entsprechende Bands. Dann waren SLIME sehr prägend für den Norden, vielleicht auch der von dir erwähnte skandinavische und britische Einfluss (ich glaube, dieser Faktor ist weniger wichtig, denn tatsächlich fahren echt wenige Nasen für Konzerte zum Beispiel nach Dänemark, obwohl es von Kiel oder Flensburg aus ein Katzensprung wäre). Im Süden waren dann möglicherweise andere Bands einflussreicher. Ist für mich schwer zu beantworten, weil mir Punk und Hardcore viel bedeuten, beide auch untrennbar verbunden sind – Hardcore ohne Punkeinfluss geht jedenfalls gar nicht, finde ich.
Wie ist die Kieler Szene, gibt’s Unity oder jeder für sich? Wo gehst du am liebsten saufen in der City?
Seit einiger Zeit ist das wieder ganz gut. Es gibt einige neue Konzertgruppen, die sich mit frischen Ideen und Konzepten einbringen. Und natürlich seit Jahren aktive wie die INFERNAL CRUST BRIGADE, die seit Jahren in der Alten Meierei für die ganz finstere Schiene zuständig sind. Die machen fast wöchentlich Black Metal, Doom, Sludge und anderen Krach. Nennen muss man auch die JUST A LITTLE BIT DANGEROUS-Gruppe, die in Läden wie der Hansastr. 48 (uraltes alternatives Kommunikationszentrum), dem Medusa (winziger Schuppen, saugemütlich, im Konzertbereich recht neu dabei), dem FKK (Fahrradkombinat Kiel in den Räumen einer ehemaligen Kunsthochschule – super) oder auch in der Alten Meierei Punkrock und Hardcore machen. Recht frisch gegründet ist die Konzertgruppe BIKINI KIEL, die Impulse in der Gender-Diskussion setzen:

„Frauen, Lesben, Queers, Trans*- und Inter*Personen haben es in der ohnehin harten Musikszene nicht leicht. Wir wissen: wer unterdrückt wird, entfaltet sich nicht, zeigt daher keine Teilhabe und wird entsprechend auch nicht in Betracht gezogen. Wir wissen, dass der Weg auf die Bühne ein holprigerer und die Unterstützung eine rarere ist, genau wie Können und Wille oft abgesprochen und schnell das gesamte künstlerische Dasein infrage gestellt wird. Auch in der Punk- und Hardcore-Szene. Deshalb haben wir uns entschieden, innerhalb „unserer“ Szene einen Ort von Frauen und Queers für FLTQI*s zu schaffen und uns gegenseitig das zu geben, was wir so oft missen: Respekt, Kraft, Mut und Begeisterung. Auch im alternativen/linken/nicht-kommerziellen Spektrum finden sich sexistische Strukturen; der Veranstaltungsbereich ist männerdominiert und nicht selten sind Konzerte von Frauen- oder queer*-Feindlichkeit geprägt. Wir wollen als Veranstalter_innen eine Atmosphäre schaffen, in der jede_r sich wohlfühlen kann. Unsere Devise ist: Freiräume nicht nur zu nutzbaren, sondern auch rücksichtsvollen und stärkenden Räumen zu machen.“

Ich finde das super, die haben neulich HYSTERESE und NO SUGAR veranstaltet, war klasse. Gerade die zitierte Position stößt natürlich auch bei einigen auf Unverständnis, von daher kann nicht so ohne Weiteres von „Unity“ gesprochen werden, aber ohne Diskurs wäre es ja auch langweilig. Komisch finde ich allerdings Leute, die wirklich nur zu Konzerten in dem einen Laden gehen, meinetwegen der noch gar nicht erwähnten Schaubude (super!). Wenn dieselbe Band dann später woanders spielt, bleiben diese Leute weg. Hart strange. Ich persönlich gehe am liebsten in die Alte Meierei. Das alte Gemäuer hat eine reiche Geschichte und auch eine der besten Anlagen, die ein AZ haben kann.
Cool, ja, die Alte Meierei ist echt der Hammer! Hey, ich will nochmal „kurz“ etwas zu deiner sehr guten Antwort in Bezug auf Metal vs. Punk nachtragen. Ich wollte mich da gar nicht sooo drüber „erheben“, so Richtung „Hier wir intellektuellen Punk-Fans mit unseren tollen sozialkritischen Texten“ und „Dort die tumben Metaller mit ihren Fantasy-Lyrics“ (na gut, ein bisschen, haha). Ich hab mich neulich mit einem ü55 Jahre-Metal-Kumpel länger unterhalten und was er so sagte, was ihn am Heavy Metal fasziniert, das wären diese Hymnen auf die persönliche Freiheit, auf den Lebensstil (was auch immer der dann konkret ist), sein Ding durchzuziehen, nicht aufzugeben und auch dieses Kameradschafts- Zusammenstehen-Ding. Also Freundschaft, Unity und “Fuck you all I am the law”! Das fand ich verwirrend, weil sehr überraschend nahe am Punk-Spirit, weil genau das finde ich ja auch an Punk so geil.

Gut, dann ist immer diese Kritik, dass es im Metal immer dieses Eskapistische gibt, dieses Fliehen in Parallelwelten. Aber das gibt’s im Punk und HC ja nun auch, wenn man sieht, wie gerne deutsche Bands den harten NY HC nachmachen, obwohl sie aus der gut begüterten Mittelschicht kommen und nicht aus dem Ghetto. Insofern… das einzige, was ich als unique an Punk verstehe, ist dieses Underdog-/Loser-Image, die Metaller sind viel stärker an Sieger-Positionen orientiert oder? Klar, da gibt’s natürlich auch mal traurige Songs, Balladen usw., natürlich. Aber ich fand früher zum Beispiel im Gymi, dass in der Raucherecke immer die coolen Metaller standen und die Indie-Fans waren immer etwas abseits. Haha, vielleicht sind die Metaler aber auch einfach nur ehrlich und dadurch authentischer? AC/DC, die ich über alles liebe, die haben immer gesagt, dass sie ins Stadion und dass sie Millionär werden wollen.

Kann man scheisse finden, klar, ich gehe auch am liebsten in die DIY-Läden, aber zumindest sind sie ehrlich. Weil vielleicht kokettieren die Punks nur mit dem Verlierer-Image, obwohl sie eigentlich auch sehr gerne den Sunset Boulevard entlang fahren würden und mit drei Blondinen im Arm im schwarzen Porsche-Cabrio zum Stadion-Gig cruisen möchten? Aber vielleicht doch jetzt total platt runter gebrochen: Punk gleich Johnny Thunders – Born to loose. Metal gleich Motörhead – Live to win. Oder auch auf einem Festival: Manowar kommen als Headliner mit Harleys auf die Bühne. NOFX ein Tag später auf Dreirädern.

Haha, ja ok, schiefe Vergleiche, du weißt, was ich meine. Auch wenn die Ästhetik manchmal ganz anders ist und auch mehr so diese Härte betont wird, im Grunde scheinen beide Fraktionen sich viel näher zu sein, als man immer so denken würde. Und von Metal-Punk, Crossover, Grindcore, Thrash-Metal mal ganz abgesehen. Ich dachte früher auch immer, der Metaler an sich ist auch so ein Technik-Depp, „meine Gitarre und hier, mein Noise-Pedal, blablabla“, aber das stimmt nicht, dass ist bei Punks genauso!
Dieses Siegertyp-Ding gibt es sicherlich bei diversen Metalbands, aber es gab auch schon immer die Underdog/Loser-Seite. Denk mal an IRON MAIDEN mit „Running Free“: „Out of money, out of luck“. Oder JUDAS PRIEST in “Breaking The Law”: “There I was completely wasted, out of work and down / All inside it’s so frustrating as I drift from town to town”. Oder die britischen MORE in “Way Of The World”: “Oh, I know the way of the world / there can’t be no future for me”. Da sieht man durchaus ähnliche Wurzeln – Arbeiterklasse, soziale Deklassierung durch Armut, Arbeitslosigkeit etc. Und wenn man mal den Sprung in die Neunziger macht, dann kommen da ja zum Teil schon diese Postrock- und Post Metal-Sachen, in denen die Texte eher sensibel, zerbrechlich, unsicher usw. sind. Da hat sich das also gewandelt und es hat sich gezeigt, dass so ein Genre doch facettenreicher und wandlungsfähiger ist als früher gedacht. Mich hat das mal sehr beeindruckt, als der Sänger von DEPRESSIVE AGE bei einem Festival gesagt hat: „Wir spielen für all die schwachen Seelen.“ Aber klar gibt es dieses Rockstarding im Metal sicherlich häufiger, auch hat das Genre immer noch mit Machobullshit und Sexismus retardierte Beispiele aufzuweisen. Zu dem Aspekt der Freiheit: Das ist wirklich sehr stark ausgeprägt in Heavy Metal Lyrics, Fenriz von DARKTHRONE hat es mal sinngemäß so ausgedrückt, dass Punk für ihn der Sound zur Revolution sei, Metal eher der zur Freiheit.
Was mir da noch einfällt: bis du als u.a. Metal-Fan zufällig auch Fußball-Fan? Weil ich nur mal bei ´ner WM oder so einige Spiele schaue, ich hab mich da kürzlich gefragt, warum es zum Beispiel bei diesen riesigen Metal-Festivals wie eben Wacken oder auch bei Gigs von Iron Maiden, Guns n´Roses oder Metallica es da nie so diese total sinnlose „Spieler-Interviews“-Tradition gibt. Du weißt schon, direkt nach 90 Minuten Hochleistungssport diese sinnfreien Dialoge im TV nach dem Motto „Bastian, wie hast du das eins null gemacht in der 89. Minute?“ oder „Mats, warum hast du den Ball nicht reingemacht kurz vor der Halbzeit?“. Da könnte man ja echt auch Steve Harris direkt nach zwei Stunden Konzert befragen, „Wieso hast du in der vierten Minute bei „Run to the Hills“ das Solo anders gespielt?“. Oder „Herr Axl Rose, was war da los beim ersten Refrain von „Paradise City“? Naja, ein Kumpel meinte, beim Fussball gibt’s halt diese Konkurrenz-Situation, wo nicht klar ist, wer gewinnt, bei Gigs gewinnt immer die Band, ok. Ähem ja, das auch als Letztes nachgereicht zum Thema Metal. Ich schätze, beim nächsten Vladi-Konzert in Kiel stehe ICH da mit dem Mikro und befrage DICH direkt nach dem Auftritt!!! Smiley.
Geniale Idee! „Warum war Ihre Band heute so scheiße? Woran hat’s gelegen?“. Und dann kommt so’n Rumgestotter wie bei diesem Internetklassiker: „Ja, gut, woran hat‘s gelegen? Das ist natürlich immer so die Frage. Ich sag natürlich immer, woran hat’s gelegen. Hä, da fragt man sich nachher natürlich immer, woran‘s gelegen hat. Ich sag immer, woran‘s gelegen hat fragst dich immer. Woran hat‘s gelegen, äh, äh jagut, ich sag mal so, woran hat‘s gelegen. Da sagt man natürlich immer, fragt man sich woran hat es gelegen und fragt man sich immer woran‘s gelegen hat. Ist so.“ DAS wäre dann auch meine Antwort in Kiel an dich. Ist so. Ich hab übrigens null Plan von Fußball. Zum Glück! Bleibt mehr Zeit zum Musikhören.
Wir sprachen ja eben über die Szene in Kiel. Hast du nie überlegt, mal woanders hinzuziehen, nach Hamburg wollen sicher viele?
Natürlich überlegt man das immer mal, Kiel ist im Vergleich zu Hamburg oder Berlin dann doch sehr dörflich. Ich fühle mich in Metropolen tatsächlich ganz wohl. Den Absprung aus Kiel hab ich dann aber doch nie geschafft. Beziehung, Haustier, Band, Beruf… Und die Größe der Plattensammlung erzeugt da eine wachsende Hemmnis. Wobei ein Kumpel gerade nach Australien ausgewandert ist. Da wurde seine ähnlich große Sammlung halt in Containern verschifft. Geht alles, man muss dann nur während der Zeit der Überfahrt diese Alpträume von auf den Meeresgrund sinkenden Containern ertragen…
Meine Eltern haben ja ihren Alterssitz in fucking Labö, stimmt eigentlich die Anekdote, dass Kieler Punks da mal mit der Fähre rüber fuhren, um dort Rabatz zu machen? Gibt’s sonst noch was zu Labö zu sagen? Letztens im Hafen sieben Euro für ein Krabbenbrötchen bezahlt, Asis.
Laboe, Aller! Das haben wir jahrelang gemacht, die sogenannte Saufdampferfahrt. Es wurde immer populärer, irgendwann wurde die Zahl der Zecken dreistellig, die Ghettoblaster lauter und es häuften sich Zwischenfälle und Proteste. Es wurde dann so organisiert, dass die Punks an verschiedenen Anlegestellen zugestiegen sind, sodass unsere Intention nicht sofort offenbar wurde. In Laboe wurde dann ein wenig Nacktbaden veranstaltet und dann ging es zurück. Ist in den letzten Jahren leider eingeschlafen, das könnte man mal wieder reaktivieren! Die Saufdampferszenen hat übrigens ein Zeichner für den Sampler „Buschmesser, Äxte, Alles – Punkrock ut Kiel“ verewigt. Da sind auch VLADIMIR HARKONNEN und BONEHOUSE druff, lohnt sich!

Ich hab übrigens in Laboe Zivildienst gemacht, in einem Pflegeheim neben dieser Mühle. Damals noch 20 Monate und nur jedes zweite Wochenende frei. Damit die mir weniger zahlen müssen, haben sie mir immer so ein karges Abendbrot in Form von Butter in so einer Kugel aus Alufolie, Schwarzbrot und ein wenig Aufschnitt mitgegeben. Die Butter ist mir mal auf einem direkt nach der Schicht besuchten Punkkonzert entwendet worden – jemand hat sie vor die Bühne geworfen und danach geriet die ganze Tanzgesellschaft auf dem eingeschmierten Boden ins Rutschen und es kam zu etlichen Blessuren.
Du bist ja Deutsch-Lehrer auf ´nem Gymi, ich habe kürzlich mal wieder von Kafka „Der Prozess“ aus meinen damaligen Deutsch-Kurs von vor 25 Jahren gelesen, er ist der Meister oder? Läufst du da auch schön mit der Matte rum?
Das ist korrekt, Deutsch und Geschichte sind meine Fächer. Kafka ist wirklich der Meister. Lese ich sowohl privat als auch in der Schule sehr gern. Vor circa zwei Jahren habe ich zuletzt „Die Verwandlung“ mit einer Oberstufenklasse gelesen und behandelt. Da kann man so unfassbar viel herausholen. Eigentlich ist das Punkrock! „Der Prozess“ war vor einigen Jahren übrigens mal Korridorthema. In den Zentralaufgaben zum Abitur gab es dann ein Kapitel vom „Schloss“ und die Schüler*innen sollten ein Zusatzkapitel schreiben – in textnah kafkaeskem Stil natürlich.

In einer zweiten Aufgabe sollten sie dann begründen, warum sie es so geschrieben haben. „Der Prozess“ ist immer noch aktuell, finde ich – diese Kritik an der Bürokratisierung, Entmenschlichung, die Hilflosigkeit des Individuums in einer entfremdeten Welt. Ganz harter Tobak. Inner Schule trage ich meist ‘nen Zopf, sonst schränkt die Matte meinen Blickwinkel ein und ich kann nicht alle Schandtaten der Rabauken sehen. Aber tatsächlich ist sowas heutzutage kein Thema mehr, ein Kollege hat zum Beispiel arschlange Dreads.
Du hast es in einem ausführlichen Statement gut formuliert, warum du noch in der Szene dabei bist nach all den Jahren, eben, dass dir in der Szene nie langweilig wird und du dich immer noch ärgerst, einen Gig oder eine Party verpasst zu haben. Punk/Metal ist für viele in jungen Jahren eine Phase, für dich zählen aber immer noch die Musik und die dort transportierten Inhalte, „Das ist mein Ding und das wird mich auch bis ins Grab beschäftigen“. Stimmt das noch so?
Ja, total. Gerade jetzt leben wir in einer aufregenden Phase, finde ich. Wer hätte früher gedacht, dass Punkbands über Jahrzehnte existieren werden, dass die Musiker*innen noch mit über 60 auf die Bühne gehen? Von vielen Bands muss man sich verabschieden und schon in zehn Jahren wird das Bild extrem verändert sein. Ich habe gerade MDC gesehen und fand es faszinierend zu sehen, wie diese alten Recken, denen du die Jahrzehnte D.I.Y.-Punk echt ansiehst, auf der Bühne immer noch schlagen. Dave Dictor war danach so hart auf Sendung und hat mit allen, die es wollten, gesabbelt wie ein Wasserfall. Das finde ich inspirierend! Und natürlich reißen erstaunlich viele neue, junge Bands ordentlich was weg. Ich versuche, so viel wie möglich mitzubekommen und aufzusaugen. Auch das Herumfahren mit der eigenen Band lässt einen ja ständig neue Orte und Menschen kennenlernen, eigentlich ist das mit das Beste an der Sache.
Du bist ja auch fanatischer Plattensammler. Junge, Butter bei de Fische, wie viele Expedit-Regale und was ist die geilste und oder teuerste LP, die du hast?
Ich hab halt Anfang/Mitte der Achtziger angefangen und nie damit aufgehört. Wobei ich auch wirklich nur Platten kaufe, um sie auch zu hören, bei mir stehen keine eingeschweißten Alben herum. Die Quantität ist mir dabei wumpe, ich habe nie gezählt. Ich hab mal versucht, die Scheiben bis Discogs einzugeben, aber das ist ja mal echt eine langweilige Tätigkeit, ich hatte schon bei „A“ keinen Bock mehr. Die Frage nach der Geilheit ist gar nicht so einfach zu beantworten, eben dachte ich noch „Feel The Darkness“, doch gerade läuft „Denim And Leather“, verdammt. Übertrieben teure Alben kaufe ich mir eigentlich nicht, hab mal 70 Euro für WARNINGs „Watching From A Distance“ ausgegeben. Aber viele Sachen sind natürlich extrem im Wert gestiegen, die ich einfach bei Erscheinen zu einem regulären Preis abgeerntet habe. Ist aber auch egal, denn ich wird wohl eh nie was davon verkaufen.
Was bedeutet eigentlich der Name deines e-Zines „dremufuestias“? Vielleicht magst du hierzu noch ein paar Takte erzählen, du schreibst ja viele Konzertberichte dort, die immer sehr anschaulich zu lesen sind, es gibt Konzertankündigungen und einiges mehr. Ich finde solche online-Termin-Seiten immer toll, aber es ist ja keine reine Termine-Seite, mehr ein online Zine?
Dieses e-Zine hat ein Kumpel vor fünfzehn Jahren ins Leben gerufen. Der Name ist ein Akronym für „Dreckige Musik fuer stinkende Asis“. Im Grunde kann jede’r dort mitschreiben, wobei selbstverständlich diskriminierende Inhalt jeglicher Art abgelehnt werden. Es gibt einen redaktionellen Kern, der sich über die Jahre schleichend verändert. Danke für das Kompliment! Ich versuche, über die meisten von mir besuchten Konzerte und Festivals etwas zu schreiben. Ansonsten gibt’s Interviews, Rezis, das Übliche eben. Eine reine Termine-Seite ist es also definitiv nicht, auch kann niemand inhaltlich Einfluss nehmen. Macht Laune!
Ebenso verfasst du viele Gig-Berichte von VH für eure Homepage, warst du immer schon eine Leseratte, die dann auch gerne schreibt?
Ganz genau! Ich lese natürlich ständig, hab aber auch Bock, selbst was zu schreiben. Diese „Tagebuch“-Einträge für die Homepage entsprangen der Überlegung, dass wir irgendetwas bieten wollen, was es auf den sozialen Netzwerken nicht gibt. Für die blaue Platte haben wir die bis dahin vorhandenen Einträge zusammengefasst und in einem gedruckten Heft veröffentlicht, also als Bonus zum Vinyl. Fortsetzung folgt vielleicht, genug Material für Teil zwei wäre vorhanden…
Meine letzten drei Fragen: du bist schon ganz lange Abonnent von uns, danke für deinen Support. Hier kannst du dem Trust mal das sagen, was du uns schon immer sagen wolltest… Wenn es kritisch ist, muss ich es leider löschen, haha.
Abonnent nicht, aber ich hole mir das TRUST gerne am Bahnhofskiosk. Ich finde, dass das TRUST eine ganz eigene Marke hat. Wenn man sich mal vergleichbare deutsche Fanzines anguckt, dann zieht ihr total euer Ding durch. Es kommt rein, worauf ihr Bock habt, nicht, was gerade angesagt ist. Sogar das PLASTIC BOMB hat sich diesbezüglich ja sehr verändert. Das ist auch nicht zwangsläufig schlecht, ergibt sich ja auch aus einem redaktionellen Wandel heraus. Trotz der Vielzahl der Autoren gibt es aber schon einen gewissen typischen TRUST-Stil. Einige Autoren schreiben ansprechend kritisch, andere schon fast schlecht gelaunt, was durchaus seinen Reiz hat. Ich mag übrigens auch das Layout und dieses auf Kilometer sichtbare Logo.
Was für Bands würdest du mal gerne im Trust sehen? Oder Features? Diese von dir angesprochene Entwicklung – Black Metal in den AJZs – ist echt bemerkenswert… Ich schätze aber, die 30 seitige Maiden-Special-Ausgabe wird schwierig, haha.
Das wäre schon mal ein interessanter Ansatz: linker Black Metal bzw. Post Metal. Da könnte man einige der Fragen, die du mir gestellt hast, weiter vertiefen und mal nachfragen: Gibt es da eine regelrechte vernetzte Szene? Was mögen diese Bands inhaltlich und musikalisch am Black Metal, was lehnen sie ab? Diverse Vertreter waren auch schon im Heft. Oder mal ein Festivalspecial: Welche Schwierigkeiten gibt es für die Veranstalter*innen, welche Intention steckt dahinter, noch ein Festival zu veranstalten? An Bands: GLOOMSTER, ORÄNGÄTTÄNG, MÖRDER, SARKAST, KRATZER, HELMUT COOL, STALLION, WIEGEDOOD, AFFENMESSERKAMPF, ROBINSON KRAUSE, AUTHOR & PUNISHER…
Und jetzt wirklich am Ende noch meine Standard-Frage: AC/DC oder KISS und wenn ja, warum? Danke für deine Zeit und hoffentlich bis bald mal wieder live!
Ich mag ja beide Bands. AC/DC natürlich vor allem in der Bon-Scott-Phase, logisch. Leider pisst die Band sich gerade selbst nachhaltig ans eigene Denkmal. Hoffentlich nehmen die nicht wirklich auch noch ein Album mit Axl Rose auf. Und bei KISS mag ich die ersten sechs Alben, die kann man gar nicht häufig genug hören. Ich stehe aber auch auf die Disco-Alben „Dynasty“ und „Unmasked“. Die frühen Achtziger mit „Creatures In The Night“, „Lick It Up“ und „Animalize“ sind auch noch ganz geil, danach bin ich albentechnisch raus, live sind die aber immer noch ein großer Spaß, wenn man sich auf Defizite bei Paul Stanleys Gesang einstellen kann. Auf diese komplexe Frage kann man also nur differenziert antworten: 70er Jahre: beide! 80er Jahre: AC/DC. 90er Jahre: AC/DC, jetzt: KISS. Yeah, wir sehen uns, wenn wir uns sehen! Vielleicht in Laboe bei einem überteuerten Fischbötchen!

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: vladimirharkonnen.de, facebook.com/Vladimir-Harkonnen-172278279462280/, dremufuestias.de

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