September 26th, 2018

Utopien für Realisten – Die Zeit ist Reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen, Rutger Bregman

Posted in bücher by Dolf

Rowohlt Verlag, Hamburger Straße 17, 21465 Reinbek, www.rowohlt.de

Das sind eigentlich ganz schöne Utopien, die der Autor da hat, die eine ist vielleicht realistischer als die andere, aber wer weiss das heute schon. Das Buch erschien 2014 in den Niederlanden, wurde dann 2017 ins Englische übersetzt und liegt jetzt auf Deutsch vor.
Das viele weniger arbeiten (vor allem Mist- oder Sinnlos-Jobs) wollen ist nichts neues, das es durch die Digitalisierung soweit kommt das viele weniger arbeiten müssen, sind ja eigentlich zwei unterschiedliche Problematiken die man aber hoffentlich geschickt verknüpfen kann. Ob man in 100 Jahren auf geschlossene Grenzen ähnlich ungläubig zurückblickt wie heute auf die Sklaverei wird auch die Zeit zeigen.

Und das bedingungslose Grundeinkommen, wir stehen am Anfang eines Prozesses, und ich gab ja schonmal zu bedenken das die meisten Leute dazu noch nicht – geschweige denn auf Dauer – bereit sind und ausserdem jedes noch so hohe Grundeinkommen nur die Preise in die Höhe treiben wird – aber vielleicht ist das ja dann auch gut oder egal. Immerhin hat Bregman noch seine durchaus realistischen Utopien. Und wenn er sagt: “Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.” Frage ich mich wen er genau meint mit „uns“ – sicher nicht die vielen Leute die sich durchaus was besseres vorstellen können. Aber ist schon klar was gemeint ist. In diesem Buch gibt er viele interessante Einblicke und Anstöße für auf den ersten Blick ungewöhnliche Problemlösungen (dazu über 400 Anmerkungen zur Vertiefung bei Interesse). Es gibt zum Beispiel Studien, die belegen, das wenn man armen Menschen Geld gibt diesen das deutlich mehr hilft und auch noch günstiger ist als die “normalen” Sozialleistungen. So könnte man ein Ende der Armut erreichen. Auch interessant das die USA unter Präsident Nixon kurz davor standen ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen und dies dann nur nicht taten weil sie falsche Informationen von einem noch älteren Experiment aus Großbrittanien bekamen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird entlarvt als das was es ist – und gezeigt was es vor allem nicht ist, nämlich ein Gradmesser dafür wie gut es den Menschen geht. Hier gibt es Vorschläge für ein paar neue Kennzahlen – gute Gedanken. Ebenso dann zur Arbeitszeit und deren Verkürzung. Der Autor schreibt anschaulich und hat massig historische Fakten parat die viele seiner Ideen stützen, es gibt auch einige Infografiken. Toll auch das siebte Kapitel: “Warum es sich nicht lohnt, Banker zu sein” Wenn die Müllarbeiter streiken, bricht die Stadt zusammen, wenn die Banker das aber tun, interessiert es letztendlich niemanden – weil die Arbeit die sie machen eben oftmals sehr verzichtbar ist. Man könnte hier noch viele tolle Geschichten und Anekdoten aus der Vergangenheit zitieren, belassen wir es dabei. Sehr lesenswertes Buch mit zum größten Teil überzeugendem Inhalt, gut recherchiert und kurzweilig obwohl es um wichtige Themen geht. Dann arbeiten wir mal weiter darauf zu und warten, wann und ob diese Utopien zur Realität werden. 304 Seiten, gebunden (dolf)

Isbn 978-3498006822

[Trust # 191 August 2018]

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