Mai 14th, 2010

TWO TON BOA (#130, 06-2008)

Posted in interview by jörg

Sherry Fraser ist ein Genie. Punkt. über sechs Jahre liegen zwischen der EP Ihres Babys, Two Ton Boa, bis zum ersten Album Parasticide, und das Warten hat sich gelohnt.

Was sie in einem endlosen Schaffensprozess behindert von Selbstzweifeln und Perfektionismus geleistet hat übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Musikmarketingabteilungen, so dass man nicht so recht weiss in welcher Abteilung des Plattenladens man sie heute einsortiert finden wird. Ambient und Hard Rock, Genrebezeichnungen, die in Rezensionen fallen, haben sehr wenig mit dem finsteren und doch erhabenen Kompositionen von Two Ton Boa zu tun.

Die sehr textlastigen schaurigen und neckenden Stücke sind oft mit Fantasieszenarien verwoben wie sie die Freudsche Traumdeutung gerne analysieren würde. Two Ton Boa ist keine Band, der Kampf mit ihrer bipolaren Krankheit ist ebenso zentrales Thema für Sherry wie Inspirationsquelle und ihre bildliche Sprache überträgt sie in ihren Alltag. Es würde mich nicht wundern Partiturschriften als Grundlage für ihr Album vorzufinden und auch beim Artwork behielt sie die Zügel in der Hand. Das Resultat ist eine bestechende, ja fast erschreckende Authentizität.

Und trotz oder gerade wegen der Dämonen, mit denen sie ringt, ist sie einer der selbstreflektiertesten Menschen, die ich je interviewen durfte. Man wird unmittelbar Zeuge wie sie in den Sog der Hoffnungslosigkeit hineingezogen wird und diesem aber, wie sie sagt, vorerst, doch eine Schnippe schlägt. Atem anhalten und der Welt für Sherry Fraser danken. Punkt.

***

Herarchy ist eines der stärksten aber auch düstersten Stücke auf Parasticide, gerade weil es auf einem Label wie Kill Rock Stars veröffentlicht wurde, welches eine bezeichnende Rolle in der Riot-Grrrl Bewegung spielte. Ist der Text mit einem Augenzwinkern zu betrachten, oder spiegelt er wirklich deine Erfahrungen über Zusammenarbeit mit Frauen wieder?

Sherry: Ich werde mich jetzt enormen Verallgemeinerungen hingeben müssen und die stammen alle von meinen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen, da ich keine Sozialwissenschaftlerin bin. Fangen wir mit einer vagen Metapher an:

Wir wachsen alle mit mindestens einer elementaren Sprache auf die wir benutzen müssen um zu überleben. Sobald man sich einmal an diese Sprache gewöhnt hat, ist es schwer eine andere zu erlernen, zu sprechen und zu leben. Die Sprache, die man spricht, brennt sich in dein Gehirn ein und ist nicht bloss ein externes Objekt oder Werkzeug, dass du nur zum überleben anwendest, du benutzt sie um zu denken.

Sprache vermittelt einige der tief verankertsten inneren Annahmen über unsere Existenz und den Sinn unseres Lebens. Sprache kann ein Glaubenssystem enthalten, dass alle Zwecke steuert und rigide, grausam und nachtragend ist und auf einem Machtgefüge aufbaut, das sich selbst über alles andere hinwegsetzt.

Lass uns Sprache als Metapher benutzen für das Leben und die Interaktion mit der Aussenwelt. Wie können wir eine völlig neue Sprache erfinden, eine Art des Seins und des sozialen Handelns mit deinen Mitmenschen, das nicht auf Macht und sozialem Einfluss basiert, eine Art soziale Sprache, die ahierarchisch funktioniert?

Worauf sollte dieses Modell beruhen, wenn es aus Gehirnen erwächst, die nur Hierarchien kennen, ihr ganzes Leben in ihnen gekocht, mariniert und mit ihnen ausgestopft wurden? Wir sind Pflanzen des Bodens aus dem wir gewachsen sind.

Wenn wir unbewusst handeln verkleiden wir uns im schlimmsten Fall als der selbe Körper, die selbe Machtstruktur und handeln in der selben Weise wie dieser, nur das wir andere Klamotten tragen die aussagen sollen, dass unsere Gemeinschaft anders ist.

Das versuche ich in Herarchy im Vergleich zu Hierarchie zu veranschaulichen, die gewalttätigen hierarchischen Gesellschaftskriege, die in weiblichen und selbst ernannt feministischen Subkulturen entfachen können und dieses auch tun.

Es ist auch eine Anspielung auf das feministische Wort Herstory im Vergleich zur Geschichte, die grösstenteils aus einer männlichen Perspektive geschildert wird. Mir ist schon immer aufgefallen das einige Subkulturen sich oftmals unbewusst grosse fundamentale Teile des hierarchischen Modells aneignen, denen sie aber gleichzeitig den Krieg erklären.

Egal welches Manifest einer Subkultur oder politischen Agenda zu Grunde liegt, haben die Leute Angst und gehen dadurch in die Offensive wenn deren sozialer Einfluss von einem Neuankömmling bedroht wird. Wenn sie dann angreifen tun sie es meist mit Waffen, die sie bereits gesehen, benutzt oder am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben, da sie dann wissen, dass diese effektiv sind und Ergebnisse erzielen.

Dann passieren komische Dinge und persönliche Tragödien werden in die soziale Arena befördert. Wenn man dann noch den Druck hinzufügt den Lebensstilnormen zu gehorchen, die zu den akzeptierten Trends einer bestimmten Subkultur gehören, können diese ungeschriebenen Regeln sehr kompliziert und teilweise gnadenlos werden wenn die Leute um Sprossen auf der sozialen Leiter kämpfen.

In der Kultur in der ich aufgewachsen bin scheint es, dass Frauen beigebracht wird, dass es nicht in Ordnung ist seine Streitigkeiten offen und direkt auszutragen, weil das nicht feminin, hässlich oder grausam ist. Ich denke, dass daher viele Frauen und Mädchen diese Kämpfe unterm Tisch austragen, durch soziale Beziehungen und psychologischer Kriegsführung. Obwohl es zunimmt, dass Mädchen sich auch mit den Fäusten und Waffen bekämpfen, findet darum herum noch so viel anderes statt.

Es gibt codierte Arten zu sprechen, sich zu unterhalten, sich zu kleiden und zu interagieren, die sehr komplex sind. Man kann jemanden anlächeln und ihm gleichzeitig ein Messer rein rammen, oder andere dafür benutzen die Drecksarbeit zu machen während man seine eigenen Hände sauber hält.

Wenn man Teil einer hochgradig politisch engagierten Gemeinschaft ist und man jemanden runter machen will braucht man gut entwickelte soziale Fähigkeiten um trotzdem weiter bewundert zu werden, obwohl man anderen Frauen psychologisch in den Rücken fällt, gerade wenn man die Strukturen dieser Gemeinschaft nutzt um dieses zu tun.

Es gibt zum Beispiel eine schneeballartige Mob Mentalität die sich unter dem Einfluss eines sehr bewunderten Mitgliedes der Gemeinschaft bilden kann, wenn diese ihren persönliche Konflikt mit einer weniger gut gestellten Person und ihre Frustration darüber auf ihrer Bewunderer abwälzt.

Da kann man der Person ohne Groupies nur viel Glück wünschen. Manchmal entstehen diese Dynamiken auch aus einer unschuldigen Antipathie oder Neid darauf wie eine andere Frau aussieht, was ihre Gaben und Stärken sind und die Art und Weise wie sie diese nutzt um sich auszudrücken.

Wenn man teilweise an einem zerstörerischen Diskurs über eine andere Frau teilnimmt, und sei es als blosser Zuschauer, und du dich trotzdem als politisch engagiert und an Frauenrechten interessiert ansiehst, wie kannst du dir das vorlügen wenn du Teil davon bist? Herarchy war ein wichtiger Song für mich. Das alte Klischee, dass das persönliche politisch ist trifft darauf stark zu. Ich war nie gut in Klicken. Natürlich ist es schrecklich, das Gefühl zu haben von seinem eigenen Geschlecht verraten zu werden.

Ich weiss, dass jede Frau und fast jedes Mädchen das in irgendeiner Form erfahren hat und obwohl ich auch gute Entwicklungen wahrnehme, sehe ich auch, dass Frauen und Mädchen sich gegenseitig unter buttern. Wir sagen wir wollen uns gegenseitig unterstützen, und oft tun wir das auch, aber oft reissen wir uns auch gegenseitig in Stücke.

Wie siehst du die Entwicklung von Kill Rock Stars mit zuletzt Gossip die zu einem Major gegangen sind. Ist der Hype der sich um die grösseren Bands eingestellt hat etwas von dem du profitieren konntest und wie sieht die Zukunft aus?

Sherry: So wie ich das verstehe helfen die Bands die den grossen Durchbruch schaffen dem Label sich zu finanzieren und über Wasser zu halten und die Schulden zu tilgen, die andere weniger lukrative Bands verursacht haben. Insofern hilft es auch mir. Die grossen Bands geben dem Label einen Drall und bringen die Leute dazu sich auch die anderen Künstler anzuhören.

Dennoch heisst es nicht, dass die selben Leute meine Musik mögen werden, gerade wenn sie etwas in der Art erwarten wie es die grossen KRS Bands machen. Ich hoffe das Label wird stark bleiben, aber das liegt nicht in meiner Hand. Ich hoffe sehr, dass ich dank des Labels mal von meiner Kunst leben kann, aber das bleibt abzuwarten.

Ich habe das Gefühl, dass Parasticide noch düsterer und weniger kabarettistisch ist als die EP, ist das lediglich eine musikalische Entwicklung, oder spiegelt es auch dein Innenleben wieder?

Sherry: Interessant, dass du das so empfindest. Ich sehe Parasticide als energetischer und farbenfroher als die EP, ein bisschen glücklicher wenn auch auf eine wütende Art. Ich stimme zu, dass es weniger kabarettistisch ist. Ich denke bestimmte Stücke auf der EP waren sehr finster im Vergleich zu Parasticide, sowohl energetisch als auch thematisch, wie zum Beispiel Two Ton Boa, Bleeding Heart und Pupet Charm.

Coming up From Behind stellt eher die Ausnahme zu der Regel dar. Ich schreibe oft Sachen, die mich selber erheitern und bei anderen Hörern schwermütiger ankommen. Mein Gemütszustand war während ich Parasticide schrieb sehr verändert.

Ich war klar im Kopf und zum ersten Mal seit vielen Jahren war ich stabil. Ich hatte die Energie alte nicht vollendete Stücke zu Ende zu bringen und auch, relativ schnell, neue zu kreieren. Ich habe versucht nichts von dem zu zensieren was da so aus mir raus kam. Ich bin mit meinem lähmenden Perfektionismus so gnadenlos wie es mir möglich war umgegangen.

Ich war sehr motiviert etwas ganz anderes als mit der EP auszuprobieren damit ich nicht in eine Stilschublade geworfen werden konnte. Dieses Mal ging es mir um trockene, rohe und farbenfrohe Klänge. Ich hatte absolut keine Lust neue Stücke über alte Schrecken zu schreiben obwohl ich zugegeben muss, dass es dann doch ein paar geworden sind.

Das Album ist fast zur Hälfte brandneues und zur Hälfte altes Material. Es herauszubringen war für mich eine Bestätigung, dass ich weiterleben will, zumindest vorerst, und mich der Herausforderung stelle dieses Projekt weiterzuführen anstatt es völlig zu vernachlässigen.

Hast du das Gefühl, dass du vieles von deiner musikalischen Ausbildung erstmal verlernen musstest um die Art von Musik zu machen für die Two Ton Boa steht, oder hat es dir eher dabei geholfen andere Instrumente schneller zu erlernen oder adäquater deine Ideen zu kommunizieren?

Sherry: Im grossen und Ganzen hat mir die klassische Ausbildung indirekt in vielen Dingen sehr geholfen, die ich aber nicht genau benennen kann: Das Schreiben, meine Wahrnehmung von Tönen und Klängen, Geschwindigkeit und Rhythmus, Songstrukturen und Abstraktion. Es hat mir aber auch Minderwertigkeitskomplexe eingeheimst über die Musik die ich spiele und schreibe.

Um zu entscheiden ob es der Kommunikation mit anderen Musikern eher förderlich war oder im Wege stand, muss man den speziellen Fall und Musiker hinzuziehen. Wenn der andere Musiker mit den klassischen Begriffen zum Thema Dynamik oder Phrasierung oder anderen Feinheiten etwas anfangen kann ist das vorteilhaft, aber es bringt mir nichts wenn die Person Autodidakt ist.

In diesem Sinne kann es Effizienz fördern mit anderen ausgebildeten Musikern zusammenzuarbeiten und es geht dann auch schneller. Andererseits spreche ich oft in Metaphern oder benutze Bilder um zu beschreiben was ich hören will, egal mit wem ich zusammenarbeite. Manchmal ist das verwirrend aber meistens kann ich das Gefühl so herüber bringen auch meinem Gegenüber verstehen. Das geht mir auch bei klassischer Musik so, hat aber nichts mit dem Vokabular oder den Fachbegriffen zu tun, obwohl man auch auf diese Sprache gut zurückgreifen kann.

Es geht dabei ja um das Kommunizieren von Leidenschaft und die Beschreibung der Vision einer Aura oder einem Bauchgefühl, das du in deinem Stück wiederfinden willst. Das macht am Musizieren ja gerade so grossen Spass.

Du sprichst über psychische Gesundheit und wie du diese mit Medikamenten herbeiführen konntest. Wie siehst du die Debatte um Körper und Geist, denn das scheint ja ein eher biologischer Ansatz zu sein? Wie stehst du zu alternativen Einrichtungen wie dem Icarus Projekt, dass sich bewusst ausserhalb des medizinischen Kontextes platziert?

Sherry: Ich hatte das Glück über die Icarus Seite zu stolpern als sie gerade gestartet wurde. Das war ungefähr 2003 oder auch 2002. Ich hatte ein Jahr zuvor bereits ein Zine über psychische Gesundheit von einem der Gründer gelesen, der ein Freund eines guten Freundes war. Als ich mich mit der Seite beschäftigte war ich verzweifelt weil ich gerade in dem Prozess steckte von verschiedenen ärzten beurteilt zu werden und mich entscheiden musste wohin die Reise gehen sollte. Die Seite war damals sehr wertvoll für mich.

Icarus setzt sich zwar vom herkömmlichen Umgang mit derartigen Krankheiten ab, haben mir aber nie davon abgeraten Medikamente zu nehmen, sondern erkannten diese als wertvolle Möglichkeit an. Jeder teilte seine Erfahrungen auf dem Gebiet und war so offen und ehrlich. Es war damals ein Gottesgeschenk für mich, einfach nur zu wissen, dass ich nicht alleine war.

Das hat mir sehr geholfen ruhig zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren während ich all diese wichtigen Entscheidungen treffen musste. Ich versuch’s immer mal wieder mit Meditation, ernähre mich gesund, nehme jeden Tag qualitativ hochwertige Omega-3-Kapseln, versuche regelmässig Sport zu treiben, schreibe Tagebuch und schaffe Kunst, misbrauche keine Drogen oder Alkohol und bin nicht in einer unterdrückenden Beziehung.

All diese Dinge haben einen Effekt auf meine Gehirnchemie. Da geht viel ab, das nichts damit zu tun hat ob ich Pillen einschmeisse, was ja auch nicht mehr bewirkt als einen Beitrag zu meiner Gesamtstabilität zu leisten, ob der nun ausschlaggebend ist oder nicht. In meinen Fall hat es auf eine kleine Weise einen wichtigen Unterschied gemacht, aber es ist ein kleiner Teil auf der Liste der Dinge die ich tue um eine stabile Gehrinchemieharmonie und den Willen zu Leben zu erhalten.

Ich weiss, dass manche Leute ewig darüber diskutieren, ob es nicht Alternativen zu pharmazeutischen Mitteln gibt, aus vielen Gründen. Die Politik der Pharmakonzerne und deren finanzielle Interessen machen die Debatte noch hitziger. Das kann es erschweren die Behandlung neutral zu betrachten und zu akzeptieren, dass eine pharmazeutische Droge dir vielleicht sehr viel helfen kann und Teil deines Werkzeugkastens wird, der dir das Leben rettet.

Meine Meinung dazu ist folgende: Wenn es um die tatsächliche Behandlung geht spielen derartige Gegenargumente keine Rolle. Mach was für dich funktioniert. Man kann ja auch verschiedene Ansätze kombinieren. Sei bereit offen für diese Ansätze zu sein, aber sei auch vorsichtig und stelle Dinge in Frage, hol verschiedene Meinungen ein. Es ist dein Gehirn und dein Körper. Schliesse nichts reflexartig aus. Was schlecht und giftig für eine Person ist kann jemand anderem ein Lebensretter sein.

Du hast in der Vergangenheit mit Radio Sloan zusammengearbeitet die jetzt ihren Weg in die grosse Musikindustrie gemacht hat. Kannst du dir so was für dich selber vorstellen, zum Beispiel Bass unter der musikalischen Leitung von jemand anderem zu Spielen?

Sherry: Es überrascht mich nicht, dass Radio gut ankommt und in der Rolle Erfolg hat. Sie ist unglaublich talentiert, kreativ und fähig mit anderen zu kollaborieren um deren Vision zu verwirklichen genauso so wie auch ihre eigene und sie ist eine super Gitarristin. Ich kann mir Bassistin sein selbst nicht als Job vorstellen.

Meine Fähigkeiten sind meist darauf beschränkt was ich selber schreibe und spiele, aber ich könnte mir schon vorstellen in das Projekt von jemanden einzusteigen, dessen grosser Fan ich bin, wenn ich das Gefühl hätte ich könnte etwas zu deren Vision beitragen.

Ich habe gelesen du würdest gerne ein Seitenprojekt starten, dass nicht dem Druck der Industrie ausgesetzt ist. Geht es dir mit Two Ton Boa so, dass der Druck von ausserhalb zu kommen scheint oder sind es nicht auch die hohen Standards und Ziele die du dir gesetzt hast, da du ja alles versuchst in der Hand zu halten?

Sherry: Ich scheine einen gnadenlosen Druck in mir zu haben bezüglich meiner Schreibe und meiner Performance, der mich oft ins Elend stürzt. Scott Seckington und ich sind gerade von unserer ersten kleinen Tour als Two Ton Boa Duett zurückgekehrt und diese hat bestätigt, dass es sehr sehr schwer für mich ist mich zu entspannen und Spass bei einem Auftritt zu haben auch wenn ich mir vornehme ruhig, gelassen und experimentell mit dem umzugehen was ich tue.

Scott ist da sehr viel ausgeglichener und entspannter als ich in der Art wie er Konzerte gibt, das ist mir aufgefallen. Er hatte bei jedem Auftritt Spass. Ich bin besessen und fokussiert auf alles negative das ich über eine Show sagen kann und nehme positives Feedback oft nicht ernst.

Ich habe die Tendenz hypersensibel zu sein was die Publikumsreaktion angeht, oder meine Wahrnehmung davon, zu einem Level der Besessenheit, und das ist ein echtes Problem. Wenn es nicht um’s Publikum geht, dann um die Unzulänglichkeiten meiner eigenen Darstellung, dem Sound oder der Auswahl des Sets.

Es ist eine grosse Herausforderung verletzlich zu bleiben und trotzdem soviel Mut aufzubringen wie ich benötige um neue Klänge zu entdecken und zu entwickeln. Ich muss neuen Dingen sehr viel Zeit zum Wachsen geben. Ich beziehe mich auf jede negative Stimme, ob nun extern oder intern die sagt:

Mach das nicht. Für mich ist es schizophren da raus zu gehen. Das Seitenprojekt soll sich entspannter anfühlen und das auch sein und dennoch hab ich mich noch intensiver und schwindeliger gefühlt wenn es darum ging auf die Bühne zu gehen als ich es bei vielen Two Ton Boa Shows getan habe. Ich will soviel damit erreichen und ich habe nie das Gefühl das irgendwas richtig gar ist wenn ich es präsentiere, gerade bei den ganz neuen Sachen.

Das Live Set, das einige Hardcore Fans so lieben beansprucht sehr viel Zeit um sich zu entwickeln, Umschreiben, Aufnahmen, viele Konzerte, immer und immer wieder bis es da ist wo es jetzt ist und mit fortschreitender Zeit wird dieses Set sich weiter verbessern und entwickeln. Die gleiche Arbeit muss ich auch in jedes andere Projekt stecken dass ich starte, Zeit und Arbeit sind notwendig um es zu verbessern.

Um nochmal auf die gerade beendete Tour zurückzukommen, einer der grundlegenden Fakten an den ich mein zu kritisches Selbst erinnern muss ist, dass viele Leute die Tour klasse fanden, viele mochten sie mehr als unser normales Line-Up, viele mochten es genauso nur auf andere Weise und manche hätten es besser gefunden uns mit der ganzen Band und dem für uns typischen Sound zu sehen, mit meiner Stimme als dominantem Faktor und Wiedererkennungswert.

Ich schätze dieses Projekt sehr und bin entschlossen es weiter zu führen. Ich kann mir auch vorstellen Teile davon in unsere normale Show einzuflechten, irgendwann. Ich bin froh, dass wir uns zum ersten Mal damit raus gewagt haben. Ich lerne soviel über Material wenn ich es live spiele und neue Sachen ausprobieren kann.

Es ist gut mich selbst zu dehnen und herauszufordern. Es macht besonders Spass mit Scott zusammenzuarbeiten, das will ich noch öfter machen. Es ist erfrischend die Verantwortung für das Schreiben und Entwickeln zu teilen.

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Interview: Alva Dittrich

Links (2015):
Homepage
Discogs

 

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2 comments

  1. Tweets die TRUST FANZINE » TWO TON BOA #130 erwähnt -- Topsy.com says:

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Dolf Hermannstädter erwähnt. Dolf Hermannstädter sagte: New post: TWO TON BOA #130 https://trust-zine.de/two-ton-boa-130/ […]

    Mai 15th, 2010 at 11:16 am

  2. MagicOfWord – Die Zitate und Sprüche Community :: Uncategorized :: Elvis und “Sometimes I feel like a motherless child”? says:

    […] TRUST FANZINE » TWO TON BOA #130 […]

    Mai 15th, 2010 at 2:41 pm

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