September 9th, 2019

TRUST LAYOUTER Mitch (1986-2009) und André (2009ff) aus # 191, 2018

Posted in interview by Jan

„Und wenn alle Schülerzeitschriften damals ausgesehen hätten wie das Trust, dann wäre das ja auch was gewesen.“

Trust-Layouter im Spiegel der Zeit: Mitch (1986 bis 2009) und André (ab 2009)

Es gäbe so viel aus dem Trust-Nähkästchen zu plaudern, die Anekdoten-Informations-Schatulle ist ja auch mit 32 Jahren kontinuierlicher Heft-Publikation alle zwei Monate seit 1986 gut gefüllt. Well, es passiert einiges hinter den Kulissen, das könnt ihr nicht mitkriegen, aber was ihr sicherlich mitbekommen habt, wenn ihr unser Heft bzw. unsere Entwicklung schon länger verfolgt: es gibt seit knapp zehn Jahren ein komplett neues Layout des Hefts. Schreiber kommen und gehen (natürlich bis auf Ausnahmen), aber im Layout gab es nur zwei Personal-Wechsel in 32 Jahren: Mitch und André.

Mitch machte von 1986 bis 2009 das Layout. Er kommt aus Augsburg und war Teil der Gründungscrew 1986 um Thomasso, Dolf, Anne, Moses und Armin. Bei der Druck-Firma von Mitch in Augsburg wurden auch die ersten Trust gedruckt und die frühen Redaktionstreffen fanden auch dort statt. Mitch führte mich mal vor einigen Jahren durch diese heiligen Hallen und er wusste noch genau, wo zum Beispiel Moses oder Armin damals saßen! Mitch (und „Inferno“-Howie) scannen übrigens noch treu unsere alten Ausgaben aus den 80er/90er ein, aus denen schon drei Bücher entstanden sind.

Ab 2009 für das Trust-Layout verantwortlich zeichnend ist André, er betreibt die Werbe-Agentur Viagrafik (nun in Berlin). Aber nicht nur das komplette Layout, André hat auch das Cover von Dolfs Kolumnen-Buch und diverse Trust-Party-Flyer und Plakate gemacht (wie Mitch übrigens auch). Ich fand’s einfach spannend, Mitch und André zu interviewen, da sie doch technisch sehr unterschiedlich (gewesen) sind: einerseits oldschool-Copy-and-Paste und später auf Word (mit vielen Fotos und Logos), der andere ganz modern „new school“ komplett von Anfang an auf dem PC (mit anderen Schrifttypen bzw. Größen und ganzseitigen Foto-Seiten); beide tun sehr viel für das Heft und haben schon längst ein eigenes Interview verdient.

Es ist ganz lustig, wie ich André kennenlernte. Gegenüber der gemeinsamen Wohnung von Trust-Mitarbeiterin Andrea und mir in Frankfurt, also, auf der gleichen Etage, zogen vor circa zehn Jahren neue Nachbarn ein. Vor unserer Tür lagen zwei Trust, unsere Belegexemplare der aktuellen Ausgabe. Der Umziehende meinte im Treppenhaus, als wir gerade die Wohnungstür aufschließen wollten: „Hallo, wir sind die neuen Nachbarn, lustig, das Trust habe ich schon da liegen sehen, euer Layouter hilft mir ja heute beim Umzug!“. Wie gesagt, wir kannten uns vorher nicht und ich so „Krass, dass du das Heft kennst – wie jetzt, Mitch hilft dir beim Umzug???“ (André war zu dem Zeitpunkt ganz frisch dabei beim Heft, deshalb war mein erster Gedanke an Mitch) – ja und es war dann André, der mit unserem neuem Nachbarn in der Agentur zusammenarbeitete und beim Umzug half. So lernte ich also André kennen.

Totaler Zufall. Man sah sich dann auch mal auf einem Konzert im Exzess in Frankfurt wieder. Mitch begegnete ich 2004 auf einem Trust-Redaktionstreffen in Nürnberg zum ersten Mal. Er trug eine Jacke, auf der vorne ein Button von BAP war und hinten stand dann So much hate drauf, alles klar! Ich war sehr beeindruckt, dass ein 12 bzw.13 Jahre älterer Punkrocker kleine Bands aus meiner Gegend, dem Rheinland, kannte wie zum Beispiel Forced To Decay. Bei Mitch in Augsburg war ich mit Andrea (die seit den 90er beim Trust mitmacht und somit Mitch viel länger kennt) bislang nur wenige Male, wir telefonierten aber oft seit meinem Einstieg beim Trust 2003 wegen Layout-Fotos etc.

Der bereits erwähnter Trust- Howie wohnt ja auch im Großraum Augsburg und er kam dann an einem Abend auch rum zu Mitch und wir killten zu viert ein schmackhaftes Partyfässchen Hasenbräu-Pils und natürlich bekam Howie wegen seiner Liebe zum Moskovskaya-Wodka (Vgl. Inferno-Wodka) eine riesen Pulle selbigem von uns geschenkt. Ich erwähne das deshalb weil: Mitch hat im HC-Punk viel erlebt, er hätte allen Grund, einen auf arrogant oder von oben herab zu mir als viel Jüngerem Punk-Fan machen können, aber nein, er ist super und down to earth und so sind meiner bescheidenen Meinung nach viele alte Trust´ler: die haben in den 80er schon was gerissen, sind aber nett geblieben und machen nicht so auf dicke Hose…

Was man vielleicht noch erwähnen könnte, egal jetzt ob Mitch oder André, fest steht: das Trust hatte, hat und wird immer ein Layout haben. Das hört sich banal an, aber es gibt Hefte, in dem das „Layout“ darin besteht, das komplette Internet abzubilden und möglichst viel Text auf eine Seite zu pressen und als Bild immer das jeweilige Band-Promo-Bild oben links zu setzen. Das ist KEIN Layout. Ein Layout bedeutet für uns auch, dass der Text und die Seite atmen können. Es soll aber auch nicht „verschwenderisch“ sein. Manchmal entsteht bei Lesern bei der „Rentner“-Schriftgröße der Eindruck, dass wir etwas aufpumpen, weil wir keinen Content mehr haben. Dem ist aber nicht so, weil oft genug auf der Halde liegt. Der Punkt ist, dass das Layout eben auch nicht zu klein bzw. die Schrift zu winzig sein soll, deshalb kann man eben auch abwechseln mit Schriftgrößen, ist besser für die Augen als mit der Lupe zu hantieren. Es ist wie es ist: das Layout entscheidet selber und das ist gut so, weil die Schreiber ja eben auch ihr Ding machen. Und sowieso: das Layout soll halt geil aussehen. Aber der Inhalt ist auch wichtig. „Es ist ein verdammter Drahtseilakt!“ (Vgl. Trainspotting I).

Anyway, here we go: erst kommt chronologisch das Gespräch mit Mitch und dann das mit André. Es liegt in der Natur der Sache, dass man an jemanden, der 23 Jahre das Layout machte und den man etwas besser kennt, mehr Fragen hat als an jemanden, der „erst“ zehn Jahre dabei ist, aber es soll keinerlei Wertung darstellen, ich mag´ doch den Stil von beiden sehr gerne, Fotos UND verschiedene Schriftgrößen, Country UND Western, ihr versteht!

1996 bekam Mitch übrigens auf einem Trust-Redaktionstreffen die goldene Schere für zehn Jahre Layout von der damaligen Redaktion überreicht (die Idee bzw. Ausführung stammte in erster Linie von den damaligen Frankfurter Mitarbeitern, glaube ich). Was wird wohl André zu seinem zehnjährigem 2019 bekommen? Das goldene PDF?

Mitch: Layouter von 1986 bis 2009

Mitch, wie wurdest du damals 1986 Layouter vom Trust, gab es schon damals eure Druckerei? Es wurde damals wahrscheinlich old school mit Copy and Paste gemacht, schätze ich…
Es gab ja mal eine Zeit vor PCs, Scannern und Grafikprogrammen. Da musste man wohl oder übel Schere und Prittstift in die Hand nehmen und pappen. Die Druckerei, die keine war (es gab da nur eine Kleinoffset-Maschine), gab es damals auch schon, sonst wäre das alles nicht so einfach möglich gewesen. Zum Layouten kam ich dann eigentlich zwangsläufig. Anfangs habe ich, wenn Layout-Wochenende war, die ganze Zeit Bilder gerastert, das musste damals noch über Kamera gemacht werden. Irgendwann „durfte“ ich dann Reviews und andere Standards nebenbei kleben. Als dann die Begeisterung fürs Layouten bei den anderen so langsam nachließ, nahm das Unglück seinen Lauf.
Was war damals die Auflage?
Nummer 1 waren, glaub ich, 800, ab der 2 dann 1000. Bis zur Nummer 4 habe ich die Hefte gedruckt, da blieb die Auflage bei 1000. Wir mussten da dann auch noch alles von Hand sortieren, falten, heften und schneiden. Dann ließen wir das Heft eine Zeitlang in Saarbrücken oder Homburg drucken, bis es wieder zurück nach Augsburg ging. Wann die Auflage wieder stieg, weiß nicht mehr.
Hattest du Vorbilder in Sachen Fanzine-Layout?
Vorbilder gab´s keine, ich wollte nur das meist übliche Zusammengepappe etwas „freundlicher“ gestalten. Später habe ich dann angefangen, Sachen aufwändiger zu gestalten, länger überlegt, wie ich was machen soll. Vor allem, wenn Bands dann auch viel Material geschickt haben, sollte dann ja auch was Vernünftiges dabei rauskommen. Bei denen, wo es dann das übliche Promo-Bild und vielleicht noch einen Schriftzug gab, da dachte ich mir dann auch, wenn es denen so wichtig ist, soll es mir auch so wichtig sein. Weil ja auch jeder Band noch nahegelegt wurde, was zum Layouten zu schicken.
Wann hast du angefangen, auf Word zu layouten?
Mit Word ging es irgendwo bei den #80er Nummern los. Zuerst waren es die Reviews, dann andere Standards, bis immer mehr Artikel dazukamen. Irgendeine # 90er Nummer war dann die erste komplett auf dem PC.
Hast du eigentlich immer die Titelbilder bestimmt?
Bei den ersten Heften war das Titelbild schon immer da, wenn es ans Layouten ging. Später hat das dann Dolf, ich und wer sonst noch da war, ausgesucht. Dann wurde ich eine Zeitlang damit allein gelassen. Nach einigen Thema-Verfehlungen wurde diese Bürde wieder von meinen Schultern genommen.
Wieso hast du dich später gegen neuere Layout-Programme gewehrt, als Mitarbeiter in einer Druckerei hättest du ja Zugang gehabt?
Zur Druckerei habe ich ja vorne schon was gesagt und da gab’s nie Layout-Programme. Einerseits war ich einfach zu faul, um das zu lernen, weil wenn schon, denn schon. Und ich wollte das immer auf einem einfachen Level halten. Das konnte jede/r, der Interesse hatte, selber machen. Einen PC bzw. Word wurde einem damals noch nachgeschmissen, a bisserl probieren und los geht’s. (Also Word wurde einem damals noch nachgeschmissen, den PC musst auch schon gekauft werden) Es war eher das Überlegen, was mit den gegebenen Möglichkeiten machbar ist.
Du hast mir ja mal eine Führung durch eure Räume in Augsburg gezeigt und konntest dich sogar noch erinnern, wer wo damals saß bei Redaktionstreffen… du warst damals ja auch schon aktiv in Sachen Musik, was hatte es mit der HC-Band Nuclear auf sich, kam danach Human Error mit Inferno-Howie?
Nuclear war die erste Band, in der ich spielte, HC-Pioniere oder so ähnlich, die gab es von 1983 bis 1986. Das Ende von Nuclear fiel in etwa auf den Anfang vom Trust. Ein Jahr später kam dann die Neuauflage mit neuem Bassisten und neuem Namen: Human Error. 1990 ersetzte dann Howie unseren alten Sänger Stanky. 1996 haben wir dann die Segel wieder gestrichen. Heute spiele ich in einer alt-Damen-bzw. Herren Combo namens Hog Raiser. Dazwischen habe ich eine zeitlang Bands aus Augsburg und der Umgebung aufgenommen. Da schaffte ich es dann auch zum ersten Mal zu einer positiven Erwähnung im Ox.
Wie waren eigentlich Inferno live?
Soo oft habe ich Inferno jetzt auch nicht gesehen. Wie Bands live so sind.
Hast du mehr Lob oder mehr Kritik für dein Trust-Layout bekommen? Manche sagen ja, dass das Trust immer wie ´ne Schülerzeitung aussah, störte dich sowas?
Wenn einem das Layout nicht gefallen hat, hat es halt nicht gefallen. Das kann ich auch nicht ändern bzw. wollte das nicht ändern. Ich war da teilweise ein ziemlicher Sturkopf. Ob es jetzt mehr Leuten gefallen oder nicht gefallen hat, weiß ich nicht mehr. Geärgert hat mich eigentlich nur sowas wie der, der meinte, ich mache das nur aus Langeweile. Und wenn alle Schülerzeitschriften damals ausgesehen hätten wie das Trust, dann wäre das ja auch was gewesen.
Wie findest du das Layout von André eigentlich?
Das, was mir daran gefällt, ist gleichzeitig das, was mich daran ein wenig stört. Eine klare Linie durchs Heft macht schon was her, aber mal etwas, was aus dem Rahmen fällt, das hätte schon auch was. Die ganzseitigen Bilder sind teilweise auch klasse. Da hätte ich noch eine Abmahnung dafür bekommen.
Gibt es bestimmte Interviews, wo du besonders stolz auf dein Layout bist und gibt es auch welche, wo es gut ist, dass es diese Hefte nicht mehr gibt…?
Fällt mir auf die Schnelle nur das von ISIS ein, schlicht, aber passend. Es gibt bestimmt noch etliche mehr, die ich richtig gut fand, aber das ist jetzt doch ein paar Jährchen her. Die Scheißlayouts waren halt meist die mit einem Promo-Bild und einem Schriftzug. Irgendwann hatte ich da auch keine Lust mehr, mir was aus den Fingern zu saugen. So sah es dann auch aus.
Stimmt das, dass du nie etwas fürs Trust geschrieben hast?
Zwei Reviews und ein Vorwort umgeschrieben, das sollte reichen. Vor dem Trust habe ich mal für ein Augsburger Zine zwei Artikel geschrieben und gelayoutet. Danach habe ich von dem einen die Finger gelassen.
Es war sicherlich nicht immer einfach, mit so „lebendigen meinungsfreudigen“ Leuten wie Moses, Armin, Thomasso oder Dolf zusammenzuarbeiten; warst du dann immer der Stille in der Runde?
Ich bin immer der Stille in der Runde. „So isser, der Alber“, wie Dolf zu sagen pflegte.
Stimmt es eigentlich, dass du 1996 zum zehnjährigen Trust-jubiläum die goldene Schere geschenkt bekommen hast?
Ja, beim Trust-Konzert in Karlsruhe bekam ich die von Daniel und Al.. Hängt hier immer noch über ‘m Bildschirm.
Wieso hast du 2009 aufgehört?
Das war wohl eine Erschöpfungsdepression. Jetzt nicht wegen dem Trust, das war halt auch ein kleiner Baustein davon. Die ersten Anzeichen gab’s schon über ein Jahr vorher, aber da wurde das immer wieder beiseitegeschoben, „wird schon wieder“. Beim letzten Trust, bei dem ich noch was gemacht habe, gab’s dann beim Layouten den großen Knall, Notarzt und was so dazu gehört. Dann Therapie und Psychopharmaka. Und der folgenden Umstrukturierung fiel dann auch das Trust zum Opfer.
Ist mit einem Comeback zu rechnen?
Ein Freund von mir, Mitko, ist ein sehr guter Mathematiker und seinen Berechnungen zufolge geht der Kelch an euch vorüber. Und selber würde ich das auch etwas unsinnig finden, dass jetzt wieder anzufangen. Das ist jetzt vorbei und bei André ja auch gut aufgehoben. Außerdem haben „Comebacks“ meist ja eh etwas zweifelhaftes an sich.
Aktiv bist du ja weiterhin mit dem scannen alter Ausgaben für unsere Buch-Reihe… hat es dich nie gestört, einer dieses „unsung heros“ im Hintergrund zu sein, den „niemand“ kennt?
Wenn ich jetzt schreibe, das mich das nie gestört hat, dann wäre das wohl auch ein kleinwenig gelogen. So ein kleines Eck Eitelkeit steckt wohl in allen. Die, wo es mir wichtig war /ist, wissen schon, dass ich auch versucht habe, mein Scherflein beizutragen. Aber mir ist es eigentlich nicht wichtig, wer was getan hat, sondern das was getan wurde. Habe mich auch nie als der Layouter vom Trust oder als der Gitarrist der und der Band gesehen, war halt der, der gerade das Layout gemacht hat oder da Gitarre gespielt hat. Können tut das jeder, es ist nur das wollen und machen. Also keine Hauptwörter, sondern Tunwörter.
Was denkst du über das Trust heute?
Da ich mit Dolf regelmäßig telefoniere bekomme ich da schon noch was mit, aber so richtiges Interesse ist es wohl nicht mehr. Die Kolumnen und teilweise Reviews lese ich, ab und zu mal ein Interview. Aber irgendwie bin ich da auch etwas raus jetzt.
Was ist deine schönste Anekdote bezüglich des Hefts? Als Ian MacKaye bei dir pennte? Als Dolf besoffen vom Rad gefallen ist, harhar.
Denke nicht, dass Fugazi oder andere Bands hier wegen dem Trust übernachteten, eher wegen der schönen Aussicht und dem guten Essen. Nee, die spielten halt hier in Augsburg und hier konnte übernachtet werden. Wenn ein Satz mit „Dolf besoffen“ beginnt, könnte ich so einiges schreiben, hat aber auch nichts mit dem Trust direkt zu tun. Hier wurde seriös gearbeitet. Was mir auf die Schnelle einfällt, ich hab mal nachgesehen, warum beim Sprühkleber anscheinend nix mehr rauskam. Ich lag falsch.
Vermisst du die 80er?
Die 80er sind vorbei und das ist auch gut so. War eine tolle/geile Zeit, jetzt nicht nur wegen Trust / HC. Aber wie langweilig wäre es, wenn sich das Ganze immer wieder und wieder wiederholt.
Was ist deine ewige Lieblingsband, BAP oder?
BAP, mein Türöffner zum Punk. Ich hatte bzw. habe immer noch einen großen BAP- Tourbadge an einer Jacke und der sorgte für manchen Lacher. Da viele Leute alles immer sehr ernst nehmen. Ewige Lieblingsbands, keine Ahnung. Zwei Bands gibt’s, die ich schon immer hörte, seit Mitte der 70er bis heute. Auch wenn es nix mit Punk/HC zu tun hat: Neil Young und Motörhead. Bei Punk/HC kann mit Leatherface und Snuff nicht viel falsch gemacht werden. Ebenso Hüsker Dü, Dackelblut, Neurosis und noch ein paar mehr. In letzter Zeit habe ich viel Articles of Faith bzw. alles, was Vic Bondi gemacht hat / macht gehört, mag ich immer noch. Sind jetzt alles „alte Kamellen“, aber es hieß ja ewige Lieblingsbands. Ach ja, BAP gehören doch nicht dazu.
Die letzte Nervfrage: KISS oder AC/DC?
Kiss war immer schon ´ne Kasperlband und AC/DC bis zur ersten Liveplatte gut. Also bleiben wieder nur Motörhead, auch wenn die auch ihre Durchhänger hatten.

André: Layouter ab 2009

André, dein Weg zum Trust-Layouter war ja eigentlich über ein Review von unserem Torsten, wie war das noch, er reviewte eine Single und…?
Zu dem Zeitpunkt kam die Split-12“ von Atrox, meiner alten Band, in der ich gesungen habe, und den Eaves raus, für die ich zusammen mit Lars, unserem Schlagzeuger, das Cover gestaltet habe. Torsten fand das Cover super und fragte dann, ob ich nicht Lust hätte, fürs Trust mal einen Titel zu gestalten, was ich natürlich gerne gemacht habe. Es folgten weitere Titelcover und teilweise einzelne Artikel, bis Mitch dann irgendwann raus war und ich eine halb-fertige Ausgabe finalisiert und dann mit der nächsten sozusagen das ganze Trust übertragen bekommen habe.
Das ging ja fast nahtlos ineinander über, Mitch hörte auf und du hast angefangen, genau wie wir alle für ohne Geld aktiv zu werden. Wieso machst du das Layout vom Trust, „um der Szene etwas zurückzugeben“?
Genau, erstens natürlich, um der Szene etwas zurückzugeben und weil ich diesen ganzen DIY-Aspekt gut finde und weil das Trust auch für mich aus gestalterischer Sicht eine Plattform bietet, bei der ich Ideen und Konzepte umsetzten kann; danke auch an Dolf, der da immer Vertrauen in mich hat und mir sehr viel Freiheit gönnt!
Neben der Trust-Layouterei hast du auch Dolfs Buch-Cover und so manche Flyer und Poster für Trust-Partys layoutet, aber du hast zum Beispiel Dolf oder Mitch nie live kennengelernt oder? Wir haben uns ja schon mal getroffen…
Ja, das stimmt, Dolf und ich telefonieren häufig, um Sachen zu planen oder Ausgaben zu besprechen, aber leider habe ich es noch nicht geschafft, Dolf mal in Bremen zu besuchen… Wir sind uns auf dem Planks-Konzert in Frankfurt das erste Mal über den Weg gelaufen, wenn ich mich richtig erinnere, aber woher wussten wir eigentlich voneinander ;). (Anmerkung Jan: Vgl. Einleitung)
Es gibt einige, die dein Layout total beschissen finden und Mitchs goldene Tage lieben… wie gehst du mit sowas um? Egal oder stört es dich?
Letztendlich ist es immer Geschmackssache, ähnlich wie bei der Musik, deswegen werde ich es nie allen Recht machen können, was aber auch nicht mein Anliegen ist; ich versuche, handwerklich das Heft gut zu gestalten und wenn der Stil nicht allen zusagt, dann ist das eben so, damit kann ich leben.
Du arbeitest viel mit verschiedenen Schrifttypen und eher weniger mit Fotos bei Interviews, Absicht?
Oft bekomme ich keine Fotos zu den Interviews oder es sind „klassische“ Bandfotos oder einfach nur schlechte Bilder, das finde ich oft langweilig, auch in anderen Magazinen, wenn einfach nur das Promofoto genommen wird. Deswegen arbeite ich gerne mit Schrift, das ist vielseitiger.
Hast du ein Vorbild in Sachen Fanzine-Layout?
Als ich angefangen habe zu gestalten, war das Raygun Magazin unter der Leitung von David Carson natürlich ein großer Einfluss, einfach dieser lockere Umgang mit Konventionen und Gestaltung fand ich super. Es blitzen immer mal wieder kleine Perlen auf, aber im Großen und Ganzen empfinde ich viele Publikationen als eher langweilig.
Hast du dich mit Mitchs Stil je groß befasst oder war dir klar, dass da deine eigene Handschrift erfolgen muss?
Klar kannte ich Mitchs Stil und fand den auch gut, da ich aber mit dem Computer groß geworden bin und für mich die Gestaltung auch immer eng an dieses Werkzeug geknüpft war, war es unumgänglich, dass mein Layout anders aussieht.
Du verfolgst ganz klar deinen eigenen Stil, jetzt gibt’s welche, die bei Mitch meinten, es sieht aus wie ´ne schlechte Schülerzeitung, aber jetzt mit dir, da sieht es „too slick“ und wie die intro aus. Ich mag das Layout von der „intro“! Und ich muss sagen, ich mag beide Stile, aber mit dir sind wir echt im 21. Jahrhundert angekommen, aber Mitch hatte auch seinen Charme… ich find’s einzig schade, dass du bei Band-Interviews oft keine Fotos nimmst und Fotos eher auf spezielle Foto-Seiten „auslagerst“, auch cool, nur ungewohnt, weil Mitch immer gerne Bilder für die Interviews nahm…
Wie schon gesagt finde ich oft die Fotos nicht so inspirierend oder es stehen leider keine guten zur Auswahl.
Wie entscheidest du die Motive für die Titelbilder?
Bei Themen-Heften spreche ich den Titel oft mit Dolf ab, bei regulären Ausgaben schaue ich eigentlich, dass eine Band aus dem Inhalt aufs Cover kommt, manchmal bekomme ich auch gute Fotos bei Interviews, die es dann auch aufs Cover schaffen 😉 Alles in allem soll das Cover plakativ sein und den Betrachter ansprechen, um auf dem ersten Blick Interesse zu wecken.
Du hast erst in Hessen gewohnt und bist jetzt in Berlin, woher kommst du eigentlich ursprünglich wech?
Nicht in Hessen, sondern in Rheinland Pfalz (ha ha), wir hatten unser Büro lange Zeit in Wiesbaden. Ursprünglich komme ich aus Mainz.
Du fotografierst ja auch gerne und manche deiner Schnappschüsse landen auch im Trust, ist Bands fotografieren auch nur ein Hobby oder verfolgst du da Ambitionen?
Als wir früher selbst Konzerte in Mainz im Club Counterforce organisiert haben, hat das mit dem fotografieren angefangen, schon damals war das kein klassisches fotografieren, also dass man durch den Sucher schaut und dann abdrückt. Vielmehr fand ich es immer gut, zu der Musik zu tanzen und das fotografieren zu integrieren, dem bin ich eigentlich bis heute treu geblieben. Hobby ist eigentlich das falsche Wort, da ich da schon versuche, hochwertige Bilder zu kreieren. Als Idee steht ein Buch mit den besten Bildern im Raum, da muss ich aber noch ein wenig dran feilen 😉
Musik machst du ja auch noch, erzähl doch mal von deiner Band.
Genau, wir heißen „… and then I feel nothing“ und die Idee dafür stand eigentlich schon im Raum, als ich nach Berlin gegangen bin, da hier auch unser alter Atrox- Gitarrist wohnt und wir viel darüber gesprochen haben, wieder zusammen Musik zu machen. Es war dann gar nicht so einfach, die Band zu komplementieren, aber im Herbst 2016 war es dann soweit und wir haben dann auch schon im April in der Tonmeisterei in Oldenburg aufgenommen und unter andthenifeelnothing@bandcamp.com könnt ihr da gerne reinhören!
Du magst gerne diesen Crust-Sound oder, weil viele Bands aus dem Spektrum mit Fotos von dir im Heft sind?
Ja, das kommt hin, wobei ich da auch sehr offen bin und es nicht nur Crust sein muss!
Was ist deine ewige Lieblingsband?
Puh, schwierige Frage, da gibt es einfach zu viele gute Bands, die in verschieden Situation in meinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben und ich auch ein großes Spektrum an Musik interessant finde.
Welche Band hättest du mal gerne im Trust?
Ich finde die Auswahl schon recht vielseitig, was gut ist! Vielleicht Wreck and Reference oder The Body oder …
Junge, Kiss oder AC/DC?
Geht beides leider gar nicht für mich, ging nie wirklich an mich ran!?
Du bist ja auch hauptberuflich Grafik-Designer und hast eine eigene Agentur (Viagrafik). Sind deine „echten“ für Geld-Designs ganz anders wie deine Trust-Arbeiten oder kommt das immer auf den jeweiligen Kunden an?
Das ist tatsächlich kundenabhängig und welches Konzept und welche Idee hinter der Gestaltung stecken. Design hat ja auch immer eine Aufgabe, Inhalte zugänglich zu machen und das ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich.

Interviews: Jan Röhlk

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