Dezember 28th, 2018

TRANS MEGETTI (#80, 2000)

Posted in interview by Jan

Nervenaufreibende, wirklich nervös machende Lieder. Nicht still sitzen, rennen, zu langsam, Fahrrad vielleicht, nee Platten, Auto fahren, schon besser, aber nicht gut, weil man die Ge­schwindigkeit nicht spürt. Trans Megetti. Weiß der Geier, mit welchen Vorstellungen die auf Tour gegangen sind, mutig auf alle Fälle, auch mutig seitens des Bookers.
Ort des Ge­schehens: Hardcorhausen persönlich: Mainz Finthen, von der Autobahn runter, rechts Ausfahrt Finthen. Durchs Kaff durch, rechts kommt ne Tanke, dann weiter, die erste Ausfahrt zum ersten Aussiedlerhof oder was auch immer ist es nicht, die zweite ist es dann – mit eigener Abbiege­spur. Busendhaltestelle. Also nicht den Wende­kreis vollparken, auch wenn das öfters dann doch passiert und ziemlich witzig ist.

Der Laden ist an sichgrandios, vor allem, weil die ganzen SxE Leute da die 5 ½ gekühlten Beck’s den ganzen Abend zwangs­läufig im vielzu kleinen Kühlschrank lassen, man demzufolge also immer was erfrischend Kaltes abkriegt. Kurz bevor auch noch FAVEZ (jau, unange­kündigt, große große Freude meiner­seits) und danach Metroschifter spie­len dann der Energie­ausbruch von Trans Megetti. (mit diesem Artikel haben wir ja dann schon allen drei Bands gehuldigt?!). Energie ist das Wort.

Interview in Rudi Rapid, meinem treuen 1.9 Diesel Renault Kasten­wagen. Beifahrersitz: Torsten Trust, Fahrersitz: Marc 2, Baß, Lade­fläche vorne rechts Marc, gtr und vox, Lade­läche hinten rechts Alex, gtr, Ladefläche hinten links Brian, drums, und Ladefläche vorne links ich, daniel.
Also das erste Mal stoplerte ich über euch, als ich vor einigen Jahren euere Single besprach –
TM: Den Review haben wir! Wir haben ihn nur nicht verstanden!
Er hörte damit auf, daß ichmir wünschte, die Band mal live zu sehen.
TM: Jahre später….
Hatte ich dann noch das Steal the Jet Keys Album. Ich finde beide toll, deshalb sitze ich jetzt hier. Woher stammt der Name Trans Megetti?
M: Welcher Tag ist heute? Na gut, ihr scheint ja ganz nett zu sein, also sagen wir die Wahrheit. Ansonsten ist es Dienstags ein Fahrradrennen in Italien. Donnerstags ist es ein Autorennen, in dem Alex fast gestorben wäre. Heute ist ja Donnerstag! Na gut, es ist aus einer alten US TV-Serie namens Land (oder Man?) of the lost, über diesen Vater mit seinen zwei Kindern, der einen Wasserfall herunterstürzt – in eine andere Dimension mit Dino­sauriern etc. . Dort gibt es Kreaturen namens Seastack. Der gute Seastack Inec hat dieses Gerät, das Megetti, in das man Kristalle reinsteckt und dann in andere Dimen­sionen reisen kann. Als wir uns gründeten und nach einem Namen suchten, meinte unser damali­ger Mitbewohner, der voll auf solche Sachen abgehfahren ist und die Serie auch auf Video hatte, „nennt euch die Megetti“ – na gut, Trans Megetti klingt besser.
(Torsten) Wie heißt der Anführer der Daleks aus der TV Serie DrWho?
Wie heißt der Pelikan in der Serie Flipper?
TM: Oh man, what a ringer question! Keinen Blassen … wie heißt er denn?
Was weiß denn ich…
A: Dr Who war ein Superflipper! Die TV Serie kenne ich leider nicht.
Also wir haben auf unserer Homepage die Besucher im Rahmen eines Polls immer mehr oder minder intelligente Fragen gefragt, über deren Beant­wortung sie dann abstimmen konnten. Die Fragen habe ich hier dabei und wollte sie mal euch stellen. Wenn ihr glaubt, daß die Fragen saugen oder ich auch ein Idiot bin, nun gut…
A: Deswegen sind wir ja in den Wagen mitge­kommen!! (Gejohle)
Die erste, inzwischen ältere Frage, hatte der in den letzten Jahren andauernde Boom im Punk und H/C Sektor einen positiven, anhaltenden Aspekt?
M: Welcher Boom denn diesmal? Es gab inzwischen schon so viele, große und kleine…
Die Frage ist wohl so 3 Jahre alt… schätze ich mal
M: Alles klar… Offspring und so Sachen. Alles Teil eines Zyklus. Der fing vielleicht….
A: 1976 mit den Ramones an?
M: Äh, ja, aber das hat sich ja nicht richtig verkauft, die großen Verkaufs­zahlen kamen ja erst in den Neunzi­gern. Ich denke, daß war schlecht. Den Leuten wurde dadurch nicht wichtig, mit ihren Freunden Musik zu machen, andere Leute, die ähnlich denken, kennen­zulernen, sondern auf einmal bestand die Möglichkeit, durch solche Musik eine Karriere einzugehen, viel Geld damit zu verdienen. Das bringt die falschen Leute mit sich.
Ihr seid ja schon eine Weile zu­sammen. Was hat sich verändert? Gibt es „andauernde Effekte“, um zur ursrünglichen Frage zurück­zu­kehren?
A: Es ist nicht wirklich ein Boom gewesen, nie. Auf einem größeren Level ist es das, für die Underground Bands hat sich da nichts geändert. In den USA Mögen 10.000 Kids auf einen Rave gehen-
B: Oder Marilyn Manson
A: -aber 50 Leute werden zur Punk­show gehen.
Also gab es keinen zurückwirkenden Effekt auf den Undergound.
M: Nein. Die Leute, die sich auf einmal sagen wir Green Day Platten gekauft haben, die haben sich ja nie dafür interessiert, wofür sich die Band mal interessiert hat und eine Op Ivy CD gekauft.
Ja, aber wenn 5 Millionen Leute eine Platte kaufen und nur ein Minuskel davon würde sich dafür mehr interes­sieren… bleiben doch indestens 20 Tausend übrig, die danach…
M: Die Situation ist einfach anders. Deshalb war der Underground in den Achtziger Jahren noch so gesund. Die Leute mußten sich darum kümmern, Dinge zu sehen und zu hören, die anders sind. Und sie taten es relativ kompro­mißlos, was u.a. dazu führte, daß ich mal 7 Seconds mit 1500 ande­ren Leuten an einem Sonntagabend in der Mitte des Winters gesehen habe. Die Band war nie im Radio oder TV! Aber die Leute interessierten sich dafür und sprachen über so etwas. Inzwischen ist es in den Staaten so, daß alles, was ein Kind sich wünschen kann, ihm sofort serviert wird.

Sagen wir, du bist ein wenig depressiv und düster drauf, bam!, gibt’s Marilyn Manson, bam!, gibt’s Nine Inch Nails, on your fucking dinner plate, every single nite. Oder du willst ein gutge­launter Punker werden, Bang! Blink 182, Bang! Green Day, mitten ins Gesicht. Du mußt nach nichts mehr suchen, so daß die Leute alles aus dem Fernseher kopieren können, der Mittelbau geht verloren. Ein Gefühl der Gemeinschaft geht verloren, daß Leute befruchtend aufeinander wirken können, oder das eine lokale Szene auch einen sehr lokalen Musikge­schmack hat. Musik ist eine traurige Sache geworden.
Wie alt seit ihr?
M: Ich bin 29.
A: Ich auch.
B: 26.
M2: und ich bin 22.
Wann wirst du 30?
M(Lacht) Im Juli!
Ich habe noch 14 Tage. (und johl)… normaler­weise rede ich nicht mit solch jungen Leuten J Mal zur nächste Frage aus’m Netz. Glaubt ihr, daß Protest und Ideen zur Verände­rung von Verhätnissen, in Musik­form ausgedrückt, irgendeinen Einfluß auf die Welt hatten?
A: Die Protestsongs der Sixties, der Arbeiterbe­wegung, fallen mir da ein. Woody Guthrie, Pete Seeger, die haben Hymnen geschrieben, die während der Demonstrationen gesungen wurden, sie haben da live gespielt, all dies. Es gibt da schon eine direkte Beziehung zwischen der Musik und dem Ent­stehen eines Gemein­schaftsgedankens, „rasing people’s spirits“, Lieder zu schreiben, an denen sich zB die Arbei­ter orientieren und festhalten konnten. In der letzten Zeit – ich glaube nicht.
(Torsten) Aber das waren ja schon Major Artists?!
TM (Gebrummel), nein,
Na gut, er hat in einem Zug geschla­fen aber vor Tausenden gespielt ?!
M: Sicher, der ist da schon groß ge­worden. Es ist mir ja eher peinlich, das jetzt zu sagen, aber schau dir eine Band wir Rage against the machine an, die ich musikalisch überhaupt nicht mag; ich muß ihnen allerdings zugute halten, mit ihren Liedern über Leonard Peltier, die Indianerbewegung, Mumia in Philadelphia, sehr viel Öffentlich­keit erzeugt zu haben. Es wird zwar wohl nicht viel daran ändern, daß Jamal wohl getötet wird, aber es hat so weit­reichende Konsequenzen gehabt, insofern, als daß wir vor 3 Wochen in Hannover Broschüren zu seinem Verfahren gesehen haben – Hannover Deutschland!
„Raising awareness“ scheint aber eben auch immer eine Sache zu sein, die den medialen Zyklen unterliegt. Ein paar Monate der Regenwald, ein paar Monate die Robben­babies, ein paar Monate Mumia….
(hier zerfetzte das Band das erste Mal. Pardon me, aber aufgrund meiner golde­nen Trust-karte kann ich mir keinen neuen Rekorder kaufen…d.)
Ok auf zur nächsten, nein übernäch­sten Frage, selbstredend, daß sich Augsburgs Popularität mit Dolfs Wegziehen nur hat steigern lassen können …
TM: Eh?
Seid ihr glücklich mit euerem Leben?
Alle: Ja.
Immer? Was fehlt, stört, schmerzt?
A: Glücklich über die Entscheidungen, die wir getroffen haben. Wir können auf Tour gehen… Marc und ich leben in einer stark saisonal touristisch belebten Gegend, daß heißt im Som­mer arbeiten wir 7 Tage die Woche sehr hart, aber im Herbst und Winter haben wir eigentlich garnichts zu tun, so daß wir dann auf Surfttrips gehen können, Platten aufnehmen, alles Mögli­che. Niemand ist mit seinem Leben immer völlig zufrieden, aber die Möglichkeiten, die wir haben, finde ich schon ganz toll.
Was war die schlimmste Entschei­dung deines Lebens?
M: Meine übelste Entscheidung war, als ein Freud von mir Tommy Quinn, auf einem Skateboard hinter mir & meinem Fahrrad einen Berg runterfuhr und in mich reinfuhr, ich war 3 Mo­nate krank und habe seitdem ein kaputtes Knie.
B: Für mich war es während des Colleges aufzuhören, wobei ich vorfi­nanziert wurde und nun schulde ich dem Staat 25 Tausend Dollar. Wahr­scheinlich eine der schlechtesten Ideen.
A: Laß es mich so beantworten: Ich habe den größeren Teil meines Lebens mit schlechten Entscheidungen be­stritten. Inzwischen bin ich ziemlich zufrieden… daher diese positive Ant­wort.
M2: Meine schlimmste Entscheidung war, mit meiner ersten Freundin eine Beziehung einzu­gehen.
Wie heißt sie?
M2: Oh das sage ich besser nicht. Aber es hat seitdem meine engeren Be­ziehungen zu ande­ren Frauen negativ beeinflußt. Vetrauen zu finden ist seitdem ziemlich schwer.
Torsten: Vor einige Zeit meinte eine Band zu mir, daß Hardcore nicht für glückliche Menschen sei. Ist das falsch?
TM: Ja!
M: Erst einmal, weiß der Geier, was gerade Hardcore ist oder nicht, ich denke in aller erster Linie im Hinblick auf unsere Band als Rock’n’roll Band. Musik ist ja eine Kunstform, und wenn Kunst eine Reflektion des Lebens ist, dann sind da alles Aspekte mit drin, auch Negative – und Positive! Daher kann es keine Grundstimmung für eine Sorte Musik geben, eh?
A: Ich denke, daß die Ecke der Ge­sellschaft, der wir entstammen, also die Punk und H/C Community, mit sehr verlockender, motivieren­der Musik aufwarten kann und ich sehe uns auch so, daß wir Dinge sehr leidenschaftlich und fordernd an­gehen, Marc und ich reisen sehr gerne, unsere Surftrips haben viel von so etwas, Alex ist ein toller Künstler, er arbeitet auch bei Breakbeat Platten etc. mit, und Marc(2), nun…
M: ist der überzeugendste und beste Bassist, den ich je kennegelernt habe, der in seiner Unterwäsche durch seine Wohnung läuft, seinen Baß dabei umhängen hat und Frühstück zuberei­tet!!
A: Unsere Musik mag aggressiv und pissed off klingen, aber es geht haupt­sächlich um Bewe­gung – nicht still ste­hen – Unzufriedenheit gründet sich zumindest zum Teil darauf, daß die Leute nicht weiterkommen, sich etwas vornehmen, aber doch nichts tun.
M: Viel von unsere Musik geht von meiner Seite her darum: „wie zum Teufel bin ich hierher gekommen und wie zum Teufel komme ich hier wie­der weg! Let’s go! Steal the jet keys“ – es geht darum, sich die Mittel zu besorgen, um wohin zu kommen.
A: Für viele der jüngeren Leute liegt die Sache auch anders. Die sind 15, 16, und haben eine Menge Zorn im Bauch und die Welt ist nun einmal ziemlich beschissen. Wenn man nun den Zorn in Beziehung zu Musik setzt, kommt natürlich agressive Musik raus, und das Hören davon läßt dich das Leben angenehmer leben.
was uns direkt zur nächsten Frage führt, „ist die heutige Jugend dazu verdammt, auf einer Couch gam­melnd MTV zu glotzen“ ?
B: Weil’s so einfach ist. Alles geht so schnell, die Verfügbarkeiten sind gegeben. Computer TV Telephon und alles ist verfügbar.
A: Ich glaube, daß das so nicht stimmt. Ich glaube, daß mehr junge Leite als früher ihr Heil im Unternehmertum suchen und einen kleinen Laden eröff­nen. Durch die verbesserten Techno­logie muß nicht jeder für 6$50 die Stunde für einen Arsch buckeln, son­dern kann sein eigenes Glück aktiver versuchen. Schau dir die beiden von Metroschifter an, die haben ihre kleine Druckerei, die sie aufgemacht haben. Und ich sehe viele solche Leute.
Ich glaube, daß du dich da täuschst—
M: Hat es doch eher mit den Hormo­nen zu tun, die die Regierung ins Essen packt J ? Der TV ist so eine Art Rezpetor für das, und es gibt dann… (geht im Gelächter unter)
Könnt ihr euch vorstellen, in irgend­einer Band jemanden eine Weile zu ersetzen? Standard­frage meinerseits?
M: Ich wäre gerne Milo.
A: Wenn ich besser Gitarre spielen könnte, würde ich Eddie van Halen aus seiner Band schmeißen.
Dann würde es mit den Frauen besser laufen?
A: Kein Kommentar. Der hatte tat­sächlich Roadies, die dann für ihn das Publikum in Sektoren eingeteilt haben „dort in B 3 die blondine“ und ihr dann einen Backstagepass gegeben haben.
Und bei euch? Willst du lieber den Crusty in A3 oder den bösen Skin­head in A1.
B: John McLaughlin in der Bitches Brew Tour des Miles Davis Septett.
M2: Led Zeppelin, es tut mir leid. Außerdem ist es die typische Rock­antwort, Led Zeppelin whooo! Aber ich komme aus New Jersey, ich darf das.
M: Und du?
Der Typ von den Cows vielleicht?
M: Mit einem Gummihandschuh überm Kopf?
(Torsten): Backupsänger von Ma­donna..
Glaubt ihr an Britney?
TM: Oh das mußt du Metroschifter fragen, die mögen Britney.
M: Natalie Imbruglia ist o.k., aber die ist nicht teenie genug.
Stimmt die ist o.k.

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