Oktober 4th, 2011

TOUR-BOOKER-SPECIAL (# 135, 04-2009)

Posted in interview by jörg

„Don’t take any notice of what the public think, they’re so hyped up with T.V., they just don’t want to think. They’ll use you as a target for demands and for advice, when you don’t want to hear it, they’ll say you’re full of vice.“

Tour-Booker-Special mit:
Target, Southern, Muttis, Mad, Trapdoor, KKT, IBD, Creative Talent, Beerandmusic

Wenn diese Ausgabe erschienen ist, kommt bestimmt irgendwann mal eine/r auf mich zu und sagt kumpelinnenhaft „Hey Jan, mal ehrlich, du hast dat Booking Ding doch nur gemacht, damit du die Leute kennenlernst, um in Zukunft garantiert umsonst auf die Konzerte gehen zu können knick knack?“

Die Antwort ist natürlich ganz klar: „Ja. Das ist halt dieses Leidenschafts-Labor-of-Love-Einstellungsding, das wir Fanziner halt haben, ja: haben müssen! Unabhängigkeit! Professionalität! Gerade beim Trust! Ich schreibe doch nicht, weil mich was interessiert?! Ich bin doch nicht zum Spass hier!?!“.

Ursprünglich wollte ich eine Kurzcharakterisierung der teilnehmenden Booker/innen machen, ihrer Bands usw., aber erstens kennt ihr die meisten, zweitens auch wenn nicht, wart bestimmt schon mal auf einem Konzert der jeweiligen Booker/innen und drittens wird alles in den Interviews erzählt.

Vielleicht erscheint euch die Auswahl als merkwürdige Mischung zwischen kleinen, lokalen, und grossen, weltweiten, zwischen Hobby- und Angestellte auf der Payroll-Bookern, zwischen völlig verschiedenen Musikstilen, zwischen HC-Punk, Doom und Ska, Metal-Core, zwischen Oi und Doppel-Oi. Ja, das ist richtig, das ist auch genauso gedacht. Ich finde es spannend, dieses Special auszuweiten, von ein Mann / Frau (? doch meistens 1 Mann) Läden bis hin zu grossen und „alles“ dazwischen.

Denn aus meiner Erfahrung bei meiner Mit-Koordination von ganzen Trust-Schwerpunktausgaben („Sex und Musik“, „Arbeit Macht Freizeit“) und Specials („Rich Kids on LSD: They had Music in their blood“, „HC-Punk-print Fanzines vs. HC-Punk online Messageboards: Ergänzung oder Verdrängung?“, „30 Jahre ssT Records in 2008: Herzlichen Glückwunsch, vielen Dank!“) kam die Erkenntnis: je unterschiedlicher die Gesprächspartner sind, umso vielfältiger und naturgemäss kontroverser die Antworten.

Es kommt erst ein allgemeiner Teil – dort kommen Fragen an alle Booker. Dann kommt ein individueller Teil mit speziellen Fragen an die einzelnen Booker. Die Reihenfolge der Antwortenblöcke im allgemeinem und individuellen Teil ist identisch. Wenn mal (persönliche) Fragen / Antworten fehlen, dann gab es dazu nix zu sagen und oder es hat vor Deadline nicht mehr geklappt.

Bevor jetzt einer ankommt mit „Gibt`s doch nicht! Wieso sind denn nicht XYZ dabei???“: Es waren noch einige („kleine“ und „grosse“) Booker mehr angefragt. Die haben auch fast alle zugesagt, sich dann aber grösstenteils leider nicht mehr zurückgemeldet. Fuck, und allerletzter Disclaimer: ich habe völlig vergessen, das leidige Thema „Gästeliste“ anzusprechen, Mist.

Koordination, Interviews, verantwortliche Kappe: Jan

Foto-credits: bei den jeweiligen Bookern

Kontakt: Southern (mainstreamrecords.de), Muttis (muttis-booking.de), Mad (mad-tourbooking.de), Trapdoor (trapdoor-tourz.de), KKT/ Kikis Kleiner Tourneeservice (kktlive.com), Ibd/International Booking Department (ibdbooking.de), Beerandmusic (beerandmusic.de), Target (target-concerts.de), creative talent (www.creative-talent.net)

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I Allgemeine Fragen

Liebe Leute von Southern, Muttis, Mad, Trapdoor, kkt, ibd booking, creative talent, beerandmusic, Target willkommen zu diesem Bookingspecial. Was macht ihr in eurem Laden und wie lange macht ihr das schon, wie viele Leute arbeiten insgesamt da? Was war die ursprüngliche Motivation, Konzerte für Bands zu machen?

Andreas (Southern): Southern Germany ist eigentlich keine wirkliche Booking-Agentur. Das Booking haben wir letztlich aus einer Notsituation angefangen. Doch der Reihe nach: Die ursprüngliche Idee hinter Southern, die auch heute noch gilt, war, eine Plattform zu schaffen, die Independent-Labels mit ihrer gesamten Attitüde und Arbeitsweise dort repräsentiert, wo es das Label selbst aus Kapazitätsgründen nicht kann. Also bündeln wir alles für viele Labels und machen es daher möglich. Rein technisch läuft das so ab: wir importieren Tonträger, oder stellen sie im Auftrag der Labels her, lagern sie in unserem Lager in London und vertreiben sie weiter an lokale Vertriebe in den jeweiligen Ländern.

Dazu leisten wir Promotionarbeit, Marketing und was es sonst noch so alles braucht um öffentlichkeit zu schaffen. Tja, und irgendwann kam halt das Booking hinzu, weil wir gemerkt haben, dass es Interesse von Veranstaltern gibt und es manchmal entweder sehr schwer war, eine passende Bookingagentur zu finden oder die Bookingagenturen nicht den Job gemacht haben, den wir erwartet hätten oder eben ein Grossteil der Arbeit wieder an uns hängenblieb, wie Tourpromo, Vorfinanzierung, etc.

Und dann haben wir halt angefangen, das selbst zu machen, bevor wir uns dazwischen irgendwo aufreiben. Angefangen hat Southern vor etwa 30 Jahren in London, Southern Germany gibt es jetzt seit 2003 und solange machen wir auch Booking. Die Motivation erklärt sich von selbst: Touren gehört für eine Band zum Geschäft und natürlich auch zur Freude an der Sache.

Es gibt Bands, die legen stärkeres Gewicht auf das Live-Spielen und sehen die Plattenveröffentlichungen als untergeordnet an, um dieses Spielen zu ermöglichen. Andere Bands legen die Priorität auf die Veröffentlichungen und möchten dann aber auftreten, um die Songs live zu erproben oder zu spielen. Wie man es auch sieht, Konzerte gehören dazu. Bei Southern Germany arbeiten zwei Leute – meine Frau und ich.

Flo (Trapdoor): Hallo Jan, also ich habe gegen Ende 1999 damit angefangen, eine Tour für Four Letter Word aus Cardiff und die Suburban Scumbags aus Kiel zu buchen. Ich hatte anderthalb oder zwei Jahre vorher angefangen mit `ner Konzertgruppe in der alten Meierei Konzerte zu veranstalten und wollte mich darüber hinaus engagieren. Hatte die Idee `ne Soli Compilation LP oder so zu machen und war deswegen in Kontakt mit Four Letter Word gekommen, die damals `ne sehr geile LP auf BYO Records draussen hatten. Und die haben mich um Hilfe für `ne kurze Tour durch Deutschland gefragt und da dachte ich mir, ich könnte das bestimmt auch.

Die grösste Hilfe dabei waren meine Freunde Kocky von Nutcase und den Suburban Scumbags und Ingo Ebeling, ohne die ich wohl nicht die geringste Ahnung gehabt hätte, wie und wo ich hätte starten können. Nun ja, bis heute habe ich dann einige Dutzend mehr Touren gebucht. Wobei die oben genannte Tour dann ohne Four Letter Word laufen musste, weil die ihren Drummer raus schmeissen mussten, der auf Drogen den Rest der Band erstechen wollte oder so ähnlich, ha ha. Dafür sprang `ne neue Band aus Husum namens Turbostaat ein.

Hier arbeitet niemand sonst und auch ich mache es „nur“ so nebenbei für Bands, die ich sehr sehr geil und unterstützenswert finde. Helfen tun mir unendlich viele Leute, die Touren fahren, Shows in ihrer Stadt oder ein paar mehr in ihrer Region / Land buchen oder Vans und Backline bereit stellen. 1000 Dank an all diese hier dann auch mal. Waren `ne Zeitlang dann fast zu viele Sachen, aber nun bin ich wieder zu einem Level zurückgekehrt, das mich ruhiger schlafen lässt. Motivation?

Hmh, seit Mitte / Ende der 90er hat mir, so pathetisch und naiv sich das anhören mag, Punk / HC usw. endlos viel Inspiration und Kraft gegeben und ich versuche mit meinem Tun anderen ebenfalls Grund zur Freunde, Kommunikation und Zusammenarbeit und -halt zu geben. Zudem möchte ich, dass mehr Leute die Bands entdecken und zu schätzen wissen, die ich geil finde.

Mutti (Muttis Booking): Ok, es bietet sich ja immer an, bei den Antworten cheeky zu sein, aber ich denke mal, das ist in der Masse auch langweilig und wir halten uns mal an die Fakten: Also, Muttis Booking organisiert Tourneen von Bands und auch Solokünstlern. Wir konzentrieren uns vor allem auf Musik aus den Bereichen Punk, Hardcore, Rockandroll, Ska und etwas Reggae.

Die Touren buchen wir in alle Länder Europas, so fern da natürlich Interesse besteht. Wir sind in Berlin ansässig und hier veranstalten wir auch die meisten unserer Bands selber, sprich, wir machen die lokale Durchführung und/oder kooperieren mit einem lokalem Veranstalter oder Club. In Einzelfällen vertreten wir Bands auch nur für Deutschland, öfter buchen wir nur für den Kontinent und lassen die Britischen Inseln aussen vor.

Mutti macht diesen Job schon seit 15 Jahren professionell, wobei er das in den 90er bei Destiny Tourbooking (Hallo Dave!) gelernt hat. Seit 2000 gibt es Muttis Booking Büro als selbständiges Unternehmen, dabei waren es erstmal Mutti und Chrisi (Chrisi ist jetzt bei Weird World), die den Laden in Schwung gebracht haben und über die Jahre sind Simone und Kai dazu gekommen. Ausserdem gibt’s noch Kies in der Buchhaltung und Julia als nun langjährige Praktikantin.

Und auch wenn`s wohl völlig blöde klingt, aber es muss die Liebe zum Punkrock gewesen sein, warum wir alle damit angefangen haben, keiner der hier im Büro ist, musste das erst lernen. Wir haben alle schon bevor wir uns getroffen haben, mit Bands, Musik und Konzerten zu tun gehabt, der typische Bürohengst aka Stute ist hier sowieso falsch. Die Detailarbeit ist allerdings nen anderer Schnack.

Sabine (ibd): IBD gibt es seit 1987, wir hatten vor zwei Jahren unser 20. Jubiläum. Aufgespielt haben die INCA BABIES aus Manchester, die erste Band, die ich gebucht hatte, war klasse, die Jungs haben sich extra für unsere Party reformiert, und nun machen sie ein neues Album. Motivation; nun ja die Geschichte ist ein wenig lang, die kann jeder bei uns auf der Website nachlesen. http://ibdbooking.de/v1/?page/page id=106

Kiki (kkt): Ich bin Geschäftsführer der Firma kkt GmbH, seit Gründung der Firma Anfang 1991. Ich selber bin zuständig für das Booking der Bands Die ärzte, Die Toten Hosen, Beatsteaks, Bela B. und Farin Urlaub Racing Team. Wir arbeiten bei uns im Büro zu siebt. Es gab bei mir keinen Plan, in dieses Geschäft zu kommen. Ich bin als Punkrocker über reines Interesse an der Musik (und den Inhalten) da irgendwie reingerutscht.

Marc (mad): Angefangen hat das alles ein wenig überraschend und durch Verwicklung von Zufällen, da war keine Planung dahinter. Nachdem der Punk-Virus mich 1978 erwischt hatte, habe ich früh auch schon bei Konzerten gearbeitet, ich glaube, so ca. 1980/81, immer wieder mal hier, mal da. Aber wir waren viel zu verrückt und beschäftigt mit uns selbst und dem tobenden Strassenkampf dieser Zeit. Ute fing an da ein wenig mehr als ich an, sich zu organisieren. So ging das dann los mit DIY-Shows in den frühen 80er im Rauchhaus und Konzerten, wo uns Bands immer wieder fragten, ob wir nicht ganze Touren machen würden, da wir doch europaweite Kontakte hatten.

So entschlossen Ute und ich, sich der Sache anzunehmen. Das es was besseres geben müsste als ne Festanstellung war uns klar. Namen und oder Labels war uns egal, wir waren Ute und Marc, so ist es auch gut! Das ging so einige Jahre bis Ende der 80er, da mussten wir uns ein offiziellen Namen geben, „MAD“, war nur noch die logische Konsequenz – eine Möglichkeit, auszuprobieren, ob man von dem, was man lebt, leben kann.

Wir wollten doch auch live erleben, was wir alle hörten und nicht, was uns ein Teil erlaubte. Also fingen wir an, das weltweite Netzwerk zu entwickeln. Wir brachten das, was wir hören wollten und nicht mehr sollten! Gegen den Strom, gegen den Mainstream und gegen die alternativen Kulturen, die sich bis dahin entwickelt hatten, das war eine Herausforderung. Das machen wir noch heute so.

Philipp (creative talent): Ich bin klassischer Booker / Tourpromoter bei creative talent. Ich bereite Tourneen (meist Deutschland, aber auch Europa) vor, deale mit den Bands, Agenten und örtlichen Veranstaltern, kümmere mich darum, das Promotion und Produktion und alles andere, was zu einer Tour gehört, in die richtigen Wege geleitet wird. Bei creative talent arbeiten 10 Leute, davon 2 für creative Sports, wir vertreten auch Fussball-Spieler (Amine Chermiti von Hertha bsc zum Beispiel).

Ich habe 1993 angefangen, für meine damalige Band Queerfish Auftritte und touren zu buchen… sprich total DIY… als wir dann 1995 von Blue Star Promotion gebucht und gemanaged wurden und das ganze ernster wurde, wurde daraus ein halber Job – meine Eltern wollten mir nämlich nicht mein nicht-studieren (sprich mit Queerfish touren) finanzieren und deswegen brauchte ich einen Job, den mir mein damaliger Manager und Freund, Chef und Kollege Carlos dann auch gab. Ich buchte dann erstmal Queerfish und befreundete Bands, die ich über die Jahre kennengelernt hatte… nach der Queerfish / Texas is the reason Tour kamen dann Sparkmarker und Samiam usw. usw. usw. …

Nico (Beerandmusic): Hi, Nico von Beer & Music, bin seit 2000 örtlicher Veranstalter in diversen Clubs / Hallen im Bereich Düsseldorf, Köln, Ruhrgebiet & Aachen – ausserdem buchen wir ab und an (eher selten) kleinere Touren und organisieren Indoor-Festivals wie Sound Of The Suburbs, Fear & Fury, Oi! The Weekend, United Voices u.a….. Je nach Anzahl / Aufwand der Konzerte arbeiten einer oder mehrere freie Mitarbeiter für mich.

Michael (Target): Das übliche – unbegrenzter Zugang zu Freibier, Frauen und promo-Singles/Lps und Freude an der Materie : ).

Warum tut ihr euch den Stress mit dem Booken überhaupt an? War es früher einfacher, in den 80er, Anfang der 90er etc., als die Musikszene noch überschaubarer war? Und heute mit der allgemeinen Beliebigkeit fallen komplett gebuchte Touren mal eben aus, weil die Band doch nun keine Lust hat etc. Warum tut man sich diesen Nervenkrieg an? Was ich bisher mitbekommen habe, ist, dass diese Tätigkeit doch sehr unterschätzt wird bzw. komisch gewürdigt wird: wenn ein Konzert super läuft, ist es die tolle Band, wenn das Konzert schlecht besucht ist, ist der lokale Veranstalter / der Tourbooker „schuld?“ Offensichtlich kommt dazu noch der eigentlich gute Punk-Gedanke, nachdem jeder alles kann, was dann dazu führt, dass auch jeder alles macht, um dann festzustellen, dass das Booken von Konzerten und Touren doch mehr Qualifikationen braucht, als ein Telefon richtig rum zu halten. Ist das nur mein Laieneindruck, dass die Leute generell keine Ahnung von dem Stress eines Arbeitsalltags als Booker haben, aber doch immer besser Bescheid wissen, wie alles besser geht? Ihr seid die Macher im Hintergrund, die Lorbeeren kriegen aber doch fast immer nur die Bands ab (wenn es gut läuft)

Andreas (Southern): Manchmal ist es Stress, aber wir sind weit davon entfernt, uns darüber zu beklagen. Auch hier kommt es auf den Blickwinkel an: wir sind trotz der vielen Arbeit, die das macht, in der glücklichen Lage, täglich das zu tun, was wir wollen und davon leben zu können.

Ich kann mir sehr schwer vorstellen, etwas anderes zu tun, wie z.B. tagtäglich in eine Fabrik oder ein Büro zu gehen, zu einem Job, den ich mache, damit ich mir ein Hobby wie Plattenkaufen oder Konzerte gucken finanzieren kann. Also verbinde ich beides – den Job und das Hobby. Ein Job, gleich welcher Art ist immer anstrengend und stressig, ausser man ist vielleicht Schleusenwärter oder Politiker. Hat man mit Menschen zu tun, wird er ausserdem nur bedingt kalkulierbar. Man muss sich Eigenheiten, persönlichen Entscheidungen und Risiken anpassen und sie kalkulieren. Klar, möchte man da dem ein oder anderen Künstler auch schon mal ordentlich die Meinung geigen, wenn Pläne zum 10.

Mal wieder umgeschmissen werden oder sich die Künstler Dinge anmassen, die sie nicht sollten. Sowas kommt aber bei uns wirklich selten vor – wir sind ja keine grosse Agentur, die es mit Diven zu tun hat, sondern meistens die einzige (manchmal auch die letzte) Chance für eine Band oder einen Künstler, Shows zu bekommen. Das wissen die meisten und so gibts eigentlich immer eine sehr enge Partnerschaft, die von sehr hohem gegenseitigen Respekt gekennzeichnet ist.

Und genauso bewerte ich auch Erfolg und Wertschätzung – niemals quantitativ, sondern qualitativ. Soll heissen: mir ist wichtig, WER meine Arbeit schätzt und nicht wie viele Leute. Ich versuche etwas für eine Band auf die Beine zu stellen und wenn die am Ende zufrieden ist, ist das alles, was ich brauch. In so einer Arbeitsatmosphäre wird auch allen Beteiligten sehr schnell klar, wer die Schuld trägt, wenn was nicht läuft – und das können eben die Agentur, der Künstler oder der lokale Veranstalter sein. Und je nachdem, wer es ist oder war, wird man seine zukünftige Arbeit ausrichten.

Das Publikum (sag ich jetzt mal so verallgemeinernd) scheint in der Tat manchmal ein nicht sehr fundiertes Wissen über die Strukturen und Hintergründe zu haben und es gibt immer mal wieder Leute, die gerne Schlaumeier spielen wollen, aber hey, das kann man den Leuten wohl kaum zum Vorwurf machen – ich kenne mich in vielen Bereichen auch nicht aus, klugscheisse aber trotzdem gerne mal. Manchmal regt es ja auch tatsächlich zum Nachdenken an, wenn man zum x-ten Mal eine E-Mail bekommt, die lautet: Warum spielt Band xy nicht in meiner Stadt? Dann erklärt man das und gut is.

Flo (Trapdoor): Gute Frage zunächst einmal. Nun ja, ich werde ja nicht gezwungen Touren zu buchen und ich denke, jede Sache, die Freude bereitet oder lohnenswert ist, bringt auch oft Stress mit sich. Politaktivitäten, Konzerte oder Voküs veranstalten oder aber auch `ne Fussballmannschaft zu trainieren etc. bringt alles auch mal Stress.

Undank ist oft der Welten Lohn, nicht wahr? Ansonsten rege ich mich aber wirklich ab und zu über Leute auf, die meinen zu wissen, wie mensch eine Tour viel besser hätte buchen können und was man alles falsch gemacht hätte, nur um nicht mal selber drei Tage für ihre eigene Band buchen zu können. Na ja, drauf geschissen, oder? Denke, dass das Booking selber durch Komponenten wie E-Mails etc. schneller geht, aber auch beliebiger und schnelllebiger geworden ist und die übersättigung der Veranstaltungsstrukturen sicher noch einmal massiv vorangetrieben hat. Lorbeeren brauche ich nicht. Solange ein paar Leute und Bands dankbar sind, reicht das vollkommen.

Seien wir mal ehrlich: es gehört sicherlich mehr dazu inspirierende geile Musik zu machen und sechs Wochen durch Europa zu gondeln und dafür den Job oder Jahresurlaub zu opfern und im schlimmsten Fall auch noch die Ersparnisse als `n paar Wochen oder Monate lang `n bisschen Zeit in die Vorbereitung zu stecken. Letzten Endes sind trotzdem alle Beteiligten wichtig. Sei es jemand, der oder die seine/ihre Zeit und Nerven investiert um eine Band zu fahren, die Leute, die die Konzerte veranstalten oder mithelfen, Bands Pennplätze geben, Essen kochen oder was weiss ich was noch.

Denke, wie überall im Leben sollte mensch sich dankbar und respektierend den Anstrengungen anderer Menschen gegenüber verhalten, besonders dann, wenn andere davon profitieren. Qualifikationen??? Glaube, Du musst hartnäckig sein, Rückschläge verkraften können und unendlich Energiereserven haben, ha ha… oder so ähnlich.

Mutti (Muttis Booking): Stimmt eigentlich, Fleischereifachverkäufer oder Löwendompteur sind doch schönere Berufe. aber halt, wollte ja nicht die Zunge in der Backe haben. Und klar, die Frage stellt sich sehr wohl. In den 80er kannte wirklich jeder jeden und alle waren auf der gleichen Show, in den 90er ist dann mit dem Erfolg von Greenspring und Offday (Hallo Dave!) der Punkrockmusiker zum Karrierejob geworden.

Interessanterweise sind die heute noch erfolgreichen Bands meistens noch aus den 90er Jahren, was dann natürlich auch ordentlich Additute mit sich bringt, während die Platten immer das gleiche Rezept wiederholen. Neuere Bands, die erstmal in den USA oder auch anderen Ländern gross werden/ sind, kommen dann hier mit Manager und grosser Produktion an und meinen, das geht so nahtlos weiter.

Dabei ist der nen toller Booker, der halt ne erfolgreiche Band zu bieten hat. Das ist schon so und ich denke, das wird auch gewürdigt. Oft sind es die weniger erfolgreichen Bands und halt die Möchtegerns und Gernegrosse, die die Schuld beim Booker suchen. Der sitzt oft in ner Catch 22 Situation (seht euch mal den Film gleichen Namens an!). Keiner kennt die Band, also will keiner ne Show buchen oder wenigstens nen ausreichenden Deal anbieten, die Tour lässt sich nicht a la 6 Shows in 7 Tagen voll buchen und dann ist natürlich der Booker schuld.

Die Band ist ja auch auf MySpace sehr beliebt oder hat auch ITunes Downloads zu bieten, da muss doch was gehen, denken die???……Oft kompletter Bullshi. Aber die Antwort ist ja so: wenn`s läuft kriegen wir auch unseren Teil vom Ruhm ab, bis die Band dann abgeworben wird, dann ist das Gras immer wo anders grüner.. ha, ha, ha!!! Man beachte aber, wir buchen keine New School, Metalcore, Screamo oder auch Indie Bands, das sind oft alles Durchlauferhitzer und da siehst oft anders aus. Davon können dann die Kollegen berichten.

Sabine (ibd): Es ist mein Job, und wie jeder hat dieser seine Höhen und Tiefen. Nach 22 Jahren sieht man die Dinge mit anderen Augen, ist weniger euphorisch, das ist klar, aber es macht immer noch Spass. Wir waren neben Paperclip aus Holland die einzige Agentur vom Festland, die ganz Europa buchten und wir waren Frauen!! In diesen Jahren war Europa-Booking fest in den Händen der Engländer und die fanden es nicht so lustig, das dort in Deutschland nun zwei Frauen anfingen, 6 wöchige Europatourneen zu buchen.

Wir machten in den 90er Jahren viel zusammen mit Paperclip und ja, es war leichter, es gab einfach viel weniger Bands, die Eintrittspreise waren unter 10 DM und das Publikum war ausgehungert. Viele Konzerte waren ausverkauft, nur weil die Band aus den USA kam. Heutzutage interessiert das keine Sau mehr. Heutzutage fallen viele Touren auch deswegen aus, weil man 5-7 Monate im voraus buchen muss, um überhaupt noch Daten zu bekommen, was ein Unding ist. Oft ist die Band zu dieser Zeit noch im Studio. Dann werden sie nicht fertig und schwupp, Tour muss verschoben werden.

Das hat, glaube ich, nichts mit keine Lust haben zu tun, meist sind es organisatorische Gründe, oft finanzielle Gründe, den Touren kosten immer mehr Geld, die Besucherzahlen schwinden, die örtlichen verlieren immer öfters Geld und z.B. in Deutschland bekommst du kaum noch Festgagen. Mit % Deals kann kein Mensch ein Budget erstellen, mit ein Grund, warum ich 85-90 % meiner Shows im Ausland buche. Gute, aber unbekannte Bands haben im Moment keine Chance, die örtlichen nehmen nur das, wo sie meinen, den Laden halbwegs voll zu bekommen, Aufbauarbeit ist im Moment nicht möglich. Ich versuche immer wieder zumindest eine Band pro Jahr zu featuren, aber dieses Jahr sehe ich da leider schwarz.

Es gibt zu viele Bands, und es gibt auch zu viele Agenturen und Promoter, viele davon machen einen lausigen Job, sorry to say so. Ich z.B. habe jahrelang als örtlicher gearbeitet bevor ich dann letztendlich zum Tourneeveranstalter wurde, dennoch hiess die Devise damals „Learning by Doing“, nur war das eine andere Zeit. Heutzutage geht das meiner Meinung nicht mehr. Wenn eine Tour gut läuft, bekomme ich auch meine Lorbeeren; wenn sie schlecht läuft, rede ich mit meinen Künstlern, woran es lag. Meist warne ich meine Act aber schon im Voraus, rate von einer Tour ab, oder schlage vor diese zu verschieben.

Wir sind nicht nur reine Booker, in unsere Firma bekommen die Künstler eine rundum Betreuung, wir buchen nicht nur die Tour, wir fahren auch 100% die Production und für einige Bands mache ich teilweise im Hintergrund auch das Management. Wenn ein Künstler nicht mehr zufrieden ist, dann soll er gehen, wenn es andere besser machen können, bitte. Nur leider können sie es meistens auch nicht, den in den meisten Fällen liegt es am Künstler selber, nicht an der Agentur.

Kiki (kkt): Da wir unsere Nische gefunden haben mit in erster Linie deutschen acts, betrifft uns die Frage zum Glück nicht so sehr. Die deutschen Bands lassen Tourneen nicht einfach mal so schnell grundlos ausfallen. Nicht nur, weil sie natürlich viel bessere Menschen sind, na klar ist ihnen der heimische Markt eben auch viel wichtiger als einer Band, für die Deutschland eine „Banana republic of rock’n’roll“ unter vielen anderen in der Welt ist.

Das es, wenn es gut läuft, der Verdienst der Band ist, und wenn es schlecht läuft, der Veranstalter schuld ist, ist natürlich ein gern und viel zu oft bemühter Satz in unserer Branche. Das es oft so zu unrecht gesehen wird, stimmt allerdings tatsächlich, aber ich finde, damit kann und muss man als Veranstalter einfach umgehen können. Sicherlich ist der Job auch oft stressig, wird aber jedes Mal belohnt, wenn man sieht, wie viel Spass das Publikum am Ende auf den Shows hat. Ausserdem kann man sich ja immer auch noch auf der Sparkasse bewerben, falls es einem zu viel wird. Die nehmen ja inzwischen auch gerne Tättowierte.

Marc (mad): Was soll ich da noch zufügen, das ist alles richtig. Tja, wenn alles gut läuft, sind die Bands so toll, so innovativ. Wenn es schief läuft, sind wir schuld, auch am schlechten Wetter! Es ist eben so heutzutage, dass du nicht Applaus bekommst dafür, dass du was wagst oder kreierst, nein, jede Kopie, die nur zum Abschöpfen sich zum Leben bringt, wird abgefeiert es ist alles so leer. Den meisten geht es nur ums Geld!

Den Bands und allen drumrum und so bewegen sie sich auch alle und drehen an der Spirale. Wir fahren gegen den Strom, aber Dank bekommt man nur sehr selten. Die breite Masse sind nur Konsumenten und wollen alles benutzen, aber nix beisteuern. Ein Telefon oder ein email account steigert nicht deine Risiko-Bereitschaft und Kreativität, da ging es vielen doch nur um den Versuch, schnell Geld zu verdienen, tja und dann kommt die Realität! Warum hat niemand überlebt vom Hardcore, wenn es so einfach ist, warum sind heutzutage nur noch kalkulierende Wirtschaftsunternehmen neben uns, die kaltblütig abziehen, was sie können. Kopieren was sie können bis zum Kollaps.

Wir haben kein Problem, vor zu gehen, aber das wird so nicht für immer gut gehen. Aber genau darum sprechen wir ja jetzt auch, obwohl wir Jahrzehnte lang nie Interviews usw. gegeben haben. Das machen wir erst jetzt in den letzten Jahren aus gegebenem Anlass. Die Geschichten wären endlos, die ich zu diesem Nervenkrieg erzählen könnte, aber das wollen wir den Leuten ersparen, hier und jetzt. Die Fingerabdrücke sind ja nachzuvollziehen, wenn jemand das wirklich will. Das Schlimmste sind die menschlichen Enttäuschungen und die Träume, die damit zerstört werden.

In den frühen 80er, als ein Wort noch galt, war alles nicht einfacher, es war eben anders. Man hatte kein Probleme miteinander, sondern andere Organisation und praktische Sachen, Poster wurden mit Schere, Kleber und Zeichenstift gemacht, Computer gab es ja gar nicht! Wir arbeiteten nicht gegeneinander, sondern miteinander, wir hatten Träume, Ideale und wollten verändern. Es ging um die Suche nach einer Welt von Freiheit jenseits von Ohnmacht und Kapitalismus. Es ist ja eigentlich keiner mehr richtig übrig! Und alles, was wir so gehasst haben am System und dabei waren zu verändern, ist wieder ein Teil geworden, ob die Ellenbogen-Gesellschaft, Abwerben, Preistreiberei, Sexismus oder Sozialabbau und was es sonst noch für Substantive gibt, um das Elend zu beschreiben!

Aber es gibt auch immer noch die Lichtblicke. Warum wir uns das immer noch antun? Mmh, eine gute Frage, habe ich nie drüber nachgedacht, denn das ist doch unser ganzes Leben und wir wollten immer frei sein und anders sein, das war ja einer der Schlüssel und irgendwie sind wir das doch auch, so weit es dieses System zulässt! Für mich gibt es auch gar nichts anderes, ich mache das jetzt ca. 26 Jahre und wir wollen das Feld den Hyänen auch immer noch nicht überlassen wir haben immer noch Träume, Ideale und wollen verändern. Was du Nervenkrieg nennst, ist das, was wir leben. Realisierbar ist für was wir kämpfen.

Philip (creative talent): Ob es in den 80er einfacher war kann ich nicht beurteilen… Aber ich habe nicht das Gefühl, dass das viel schwieriger wird für mich. Allerdings muss ich auch dazu sagen, dass ich fast gar nicht in der Szene buche… Ich glaube allerdings für Leute, die nur Hardcore und Punkbands buchen, ist es definitiv schwieriger geworden, weil es das Netzwerk, was es damals gab, in der Art nicht mehr so gibt und der Nachwuchs sich in vielen Fällen so gar nicht für die Inhalte interessiert, sondern schon einfach mehr konsumiert…

Zur Arbeit und der Schätzung dieser kann ich nur sagen, dass es mir Spass macht, mit Musik zu arbeiten und ich auch das Glück habe, erfolgreich mit vielen Freunden zu arbeiten… Wenn eine Tour mal schlecht läuft, dann ist es halt so und wenn eine Tour super läuft auch… Im Endeffekt geht es ja auch um den Erfolg der Band und nicht um meinem…

Nico (Beerandmusic): Keine Ahnung, wie es in den 80er war, ich bin 28, denke aber, dass es da doch deutlich old schooliger abging, ohne Internet etc. etc. Mittlerweile läuft vieles sicherlich professioneller als „früher“, was einiges einfacher erscheinen lässt. Hat sicherlich auch damit zu tun, dass aus der ganzen Punk / Hardcore-Nummer auch irgendwo ein „Business“ geworden ist. Oder war es das früher auch schon? Auf jeden Fall hat das auch Vorteile, professionellere Abläufe lassen möglicherweise weniger Fehler zu. Inwieweit das dann noch Punk ist? Oder was Punk überhaupt ist? Sollte jeder für sich entscheiden…

Michael (Target): Nichts gescheites gelernt : ). Das mit dem Stress und den unerfreulichen Begleiterscheinungen (von den Egos der Künstler / Funktionäre bis zur Willkür der Finanzbehören) können sich Aussenstehende gar nicht vorstellen. Und das man dabei nicht unbedingt reich wird, auch nicht. Das zum Teil schlechte Image des Gewerbes hat grösstenteils wohl seinen (z.T. berechtigten) Ursprung in der „Old School“, Abzocker gab/gibt es aber auch immer wieder /noch.

Ihr seid teilweise seit über 20 Jahren dabei, teilweise erst seit ein paar Jahren. Empfindet ihr die anderen Booker als Konkurrenz um die geldträchtigen Bandzugpferde und wenn ja, hat sich das geändert, also dass es heute einen richtigen Markt im Punk-Alternative-Bereich gibt und es keine Solidarität zwischen den Veranstaltern gibt, sondern eben nur Wettbewerb? Ja, platt gefragt: hat sich die Booking-Tätigkeit im „alternativen“ Musikbereich komplett gewandelt von einer Tätigkeit, die man in jungen Jahren aus purem Idealismus und als Hobby begann und nun davon lebt, also auch allerlei normale Kompromisse eingehen muss, die Lohnarbeit so mit sich bringt? Geld oder Ideale?

Andreas (Southern): Durch unsere wirklich strikte D.I.Y.- Herangehensweise haben wir weder irgendwelche Konkurrenz zu spüren bekommen, noch haben wir uns mit Entwicklungen auseinandersetzen müssen. Wir sind da einfach sehr pragmatisch – wir sagen den Bands: Wir versuchen das und wenn es nicht klappt, klappt es halt nicht. Es lässt sich aber trotzdem sagen, dass es eine sehr starke Solidarität zwischen den Bookern auf unserem Level gibt. Man hilft sich gegenseitig mit Kontakten und Ideen aus und auch wenn man manchmal vielleicht zu arg im eigenen Kämmerlein werkelt, aber Wettbewerb, Konkurrenz oder gar Kampf hab ich noch nicht erlebt.

Vielleicht liegt es auch daran, dass wir als Promoagentur und Labelmanagement auch mit vielen anderen Bookern zusammenarbeiten. Selbst wenn wir nicht die ausführende Agentur sind, versorgen wir andere mit Postern, Promomaterialien oder helfen beim promoten der Touren und Konzerte – das ist ja schliesslich auch unser Job. Klar müssen wir irgendwie davon leben und es schmerzt schon gewaltig, wenn eine Tour nicht das einfährt, was man sich erhofft hat, aber der Idealismus überwiegt bei uns immer noch ganz klar. Das muss auch so sein, denn betriebwirtschaftlich wäre das, was wir machen, absoluter Nonsens.

Flo (Trapdoor): Nehme keine % fürs Booking und verdiene damit in keinster Art und Weise meinen Lebensunterhalt. Darauf hätte ich keine Lust, weil dann eine Sache der Grund für mein Tun wäre, die ich als im DIY/ Punk-Bereich überflüssig und nebensächlich ansehe.

Einen Markt dafür gibt es sicherlich und immer wieder entscheiden sich Menschen einen Schritt weiterzugehen und Kompromisse einzugehen um ihren Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Möchte ich nicht verurteilen, aber festhalten, dass dies nichts für mich wäre und ich es oft als sehr kontraproduktiv und langweilig empfinde.

Mutti (Muttis Booking): Ich glaube, das muss man wirklich erstmal gucken, wer was macht und wie die Lebensumstände sind. Der HarzIV-Studi mit nem Bookingbüro am Computer im Haus seiner Eltern ist doch etwas anderen Härten ausgesetzt, als nen simpler Arbeitgeber, der einige Leute auf der Payroll hat und halt auch deren Miete, Ernährung, Alimente quasi mitverantwortet. Rechnungen wollen bezahlt werden und dafür muss man was mit den Zugpferden umsetzen. Ich glaube aber, das zu mindestens bei denen, die lange dabei sind, genug Respekt vor der Arbeit der anderen dabei ist, sodass Abwerbungen der grossen Nummern, seltener vorkommen.

Das sind dann schon eher die englischen Agenturen oder auch amerikanische mit globalem Ansatz, die da mit dem Scheckbuch wedeln und teilweise unrealistische Angebote machen können. Manchmal passt einfach auch nicht die Chemie zwischen Agentur und Band. Nicht jeder Wechsel ist auch gleich ne Abwerbung. Aber auch hier zurück zur eigentlichen Antwort, wir versuchen immer noch Geld und Ideale unter einen Hut zubringen, nur Bands zu nehmen die wir musikalisch geil und menschlich in Ordnung finden, deswegen ist das auch nur so ne kleine Kopfbedeckung hier ; -) Kompromisse geht man eher beim eigenen Lebensstil als den Bands ein.

Sabine (ibd): Konkurrenz, nein; dafür sind wir zu lange im Geschäft und ich persönlich habe zu vielen Kollegen ein gutes Verhältnis. Wir haben ein sehr interessantes Roster, einen sehr guten Kontakt zu den meisten unserer Bands; erst gerade habe ich über eine Stunde mit Bill Leeb von FLA telefoniert.

Es ist wichtig mit den Künstlern in Kontakt zu bleiben, auch wenn keine Tour ansteht. Wir mussten von Anfang an davon leben und ich bin froh, das ich nach 22 Jahren nicht mehr jeden Pfennig umdrehen muss, ganz ehrlich. Idealismus und die Liebe zur Musik sind aber nach wie vor vorhanden. Kompromisse muss man immer im Leben eingehen, überall, auch im Job. Allerdings wird das Geschäft von Jahr zu Jahr härter, kleinere Acts sind kaum noch zu verkaufen, die örtlichen sind nur noch am jammern, bieten teilweise unverschämte Deals an; Geiz ist Geil Mentalität, vor allem in Deutschland.

Kiki (kkt): Ich empfinde die Anderen nicht wirklich als Konkurrenz, eher als mehr oder weniger stark befreundete Mitbewerber. Hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir mit sehr loyalen Bands arbeiten. Soll aber nicht heissen, das man ab und zu dann schon mal aneinander geraten kann, wenn man eine Band unbedingt haben will.

Natürlich ändert sich mit der Firmengrösse auch die finanzielle Ausrichtung, mit sieben Leuten im Büro hat man nun ja auch eine andere Verantwortung, als früher, als eine one-man-show. Aber keiner würde bei uns im Büro sitzen, wenn nicht auch noch immer ein grosser Spass dabei wäre. Und ich habe das Booking dann 1991 eben auch bereits zum Geldverdienen begonnen, die Hobby-Jahre waren da für mich schon vorbei.

Marc (mad): Das muss man differenziert betrachten! Es gibt erstmal immer noch die Markt-Gesetze, die von der Musikindustrie der USA und GB festgelegt sind. Strukturen, die wir seit dem ersten Tag versuchen, zu brechen.

Da stehen wir aber alleine ganz schön schlecht da, denn eigentlich spielen heute alle nur mit, sind ein Teil des Ganzen und die Anderen zerbrochen an der Situation und den menschlichen Täuschungen. Der andere Gesichtspunkt ist, dass in den 80er alle irgendwie zusammen arbeiteten, befreundet waren oder uns eben arrangierten. Es gab nicht weniger als heute, die unterwegs waren, aber wir hatten ein Ziel und wollten anderes sein. Niemand hätte über Konkurrenz nachgedacht oder hätte sich von der Industrie oder kapitalistischen Grundprinzipen leiten lassen. Wir wollten das System ja auch ändern und haben es auch! Es ging um die Sache.

Das Traurige ist nur, dass es sich seit einigen Jahren zurückentwickelt, da einige mit aller Gewalt sich der Musikindustrie und ihren Spielregeln unterwerfen oder schreiben wir einfach, ein Teil davon sind! Aber sie suggerieren, zu einer Gegenkultur zu gehören!!! Dadurch bricht das alternative Netzwerk – der Grundstein- noch schneller auseinander. Es ist sehr komplex und nicht einfach mit zwei, drei Sätzen zu erklären, es geht hier auch nicht nur um die Booker, erschreckend, was sich heute alles so unter den Namen bewegt, aber wenn es auch nur noch Konsumenten gibt, die nicht fragen wollen, was soll man sagen?

Du sagst Konkurrenz und setzt es ins Negative mit deiner Fragestellung? Nicht ohne Grund. Eigentlich ist die Szene ist ja gross genug, einer alleine kann das nicht bewältigen und wie gesagt, an uns liegt es nicht. Wir haben früher alle zusammen gearbeitet und glauben auch heute noch an diese Ideale, kurz gesagt, eigentlich gibt es bei uns das Wort Konkurrenz nicht in diesen Zusammenhang, aber ich wäre naiv, nicht mitzubekommen, dass der Wolf da draussen nicht meine Meinung teilt und uns versucht, zu beissen, wo er kann oder Anwälte schickt, ja richtig.

Geld und Ideale sind ja eigentlich nix Gegenteiliges, denn auch wir müssen Miete zahlen und eine gerechte Verteilung von Lebensmitteln und Lebensmöglichkeiten oder die Abschaffung von Geld und Selbstausbeutung haben wir doch noch nicht erreicht? Das Problem sind diejenigen, die ohne Kreativität oder Veränderungswille in die Szene rutschen, sagen wir mal, den Grundwerten des Kapitalismus Musik als Ware, nicht als Kommunikation! Ergo, die Szene als Ware betrachten, bewusst oder unbewusst, sind sie so ein Teil des Systems, was wir bekämpfen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Leute früher das aus überzeugung machten, nicht studiert haben, meistens von der Strasse kamen.

Da hatte niemand Erfahrung mit Verkauf und Ankauf gehabt oder CDs, Läden und Mailorder gemacht, das gab es damals ja auch alles nicht so. Geld zu verdienen war doch damals überhaupt nicht dran zu denken, musste man doch erst mal Strukturen entwickeln. Im Gegenteil, wir haben alle draufgezahlt ohne Ende. Was sich daraus entwickelt, kann jeder sehen: dramatisches Steigen der Eintrittspreise, Gagen-Spiralen, Produktionskosten wurden immer schneller gedreht, keine Ideale, keine Prinzipien, blanker Konsum. Bands werden offen abgeworben, ihnen wird mehr Geld versprochen, wie?

Warum, was für ein Ziel, das hätte es niemals gegeben. So sind wir von kreativen und produktiven Gegenkultur zum Spielball der Industrie und der amerikanischen Musikkonsums mutiert. Wie ihr, die Fanzines und Labels, danach wir, alles ein Einheitsbrei? Wir versuchen, immer wieder auszubrechen und kreativem Einfluss zu nehmen, um gegenzusteuern, aber blitzschnell wird jeder Erfolg kopiert und in Massen vermarktet bis zum Kollaps.

Philip (creative talent): Du hast da in allen Punkten recht. Es gibt (fast) keine Solidarität zwischen uns Veranstaltern. Allerdings, muss ich sagen, war die meiner Meinung auch noch nie da. Manche Leute schätzt man, andere nicht, im Endeffekt ist aber trotzdem eine Konkurrenzsituation da. Da muss dann jeder selber wissen, wie er damit umgeht. Ob man es nun persönlich nimmt, wenn eine andere Agentur einen Künstler abwirbt etc…

Zu Kompromissen und Idealen kann ich nur sagen, dass ich durch die Arbeit mit erfolgreicheren Popacts (Kylie, Amy Winehouse, Scooter, und auch früher zum Beispiel Bushido) zum Beispiel eine sehr grosse Freiheit habe, was kleinere Acts angeht. Da muss dann nicht immer aufs Geld geguckt werden, dass bei einer Aufbautour etwas übrig bleibt, sondern man kann der Band schon eine gute und professionelle Promo und Abwicklung bieten… Natürlich ist es immer am Schönsten, wenn sich alles miteinander verbinden lässt… Gute Musik, Idealismus und Erfolg…

Nico (Beerandmusic): Natürlich muss man Kompromisse eingehen, die muss man in jedem „Job“ eingehen und überall dort, wo es um Geld geht. Nur denke ich, dass ich hier weniger Kompromisse eingehen muss, als wenn ich bei der Sparkasse, Polizei oder beim Metzger arbeiten würde! Ist ja auch immer eine Frage, ob man Kompromisse eingehen möchte oder nicht? Das sollte jeder für sich selber entscheiden.

Zum Wettbewerb: den gibt es sicher wie in jeder anderen Branche auch, nur meine ich, dass es im Punk/Hardcore- Bereich deutlich gesitteter und solidarischer zugeht als in der „normalen“ (Wirtschafts-)Welt. Wobei es auch dort Abweichungen gibt, jeder muss halt letztendlich sehen, wo er bleibt, nur die Mittel des Vorankommens sind meistens fairer als im „normalen“ Business.

Michael (Target): Es gibt Konkurrenz, Mitbewerber, befreundete Kollegen, mit denen man solidarisch ist / sein möchte und linke Bazillen – wie wohl in den meisten Branchen. Allerdings meine ich, ist die Spanne weiter, da es ja auch wirklich Leute gibt, die das ganze korrekt handhaben wollen in dem einen oder anderen Bereich (z.B. Hiphop, Disco/Dance-Pop ist es z.T. aber noch derber). Ja, das (Anmerkung Jan: Der Wandel der Booking-Tätigkeit wie in der Frage beschrieben ist gemeint) hat sich geändert. Spätestens, als das Finanzamt auf den Plan trat : ) Und auch ab dem Punkt, an dem man sich Mitarbeiter anlacht, die regelmässig und pünktlich bezahlt werden wollen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihr – obwohl es alternative Bands sind, die ihr bucht – sehr kritikfähig und selbstbewusst sein müsst. Man steht ständig unter Druck, die Band auf realistische Tourrider runterzukochen, aber muss sie ja auch zufrieden stellen, derweil nervt der lokale Veranstalter, weil er für eine Band aus USA auf keinen Fall wg. Kommerz mehr als 8 Euro Eintritt nehmen will, was aber nicht abgemacht war oder plötzlich von einem Prozentdeal nie was gehört hat, und dann entsteht noch bei dem Gitarristen ein längst verschollenes Drogenproblem wieder Obwohl wir natürlich gerne alle Geschichten hören wollen, von Bands, die auf der Bühne etwas verkünden, was sie hinter der Bühne direkt wieder an die mentale Gradrobe hängen was nervt an Bands? Hat sich die Erwartungshaltung von jungen Bands nicht total verändert? Ihr habt teilweise die Strukturen in den 80ern geschaffen, auf denen heute die Kids reisen und die nehmen alles als selbstverständlich an, ohne Respekt, ohne Geschichtsbewusstsein und denken, mit einem Demotape macht man erstmal eine ausverkaufte BRD-Tour

Andreas (Southern): Haha, der erste Teil der Frage amüsiert mich fast, weil es bei uns viel öfter vorkommt, dass wir den Bands die Rider erstellen und dann v.a. amerikanische Bands, die hier noch nie getourt haben, ganz erstaunt reagieren, was da alles drin steht, was man also als Band auf Tour in Europa erwarten kann.

Zum Rest der Frage: was Forderungen der Bands und das Entgegenkommen der Veranstalter in Verhandlungen angeht muss man ganz klar zwischen Bands aus übersee und England und Bands vom europäischen Festland (v.a. Deutschland, BeNeLux, Frankreich) unterscheiden. Ja, es gibt immer mal wieder Diskussionen darüber, ob es fair ist, bei einer Band aus USA, die als Vierer ca. 3000 EUR Flugkosten aufbringen, sich hier einen Bus und Equipment für noch mal 150 EUR pro Tag mieten und auch noch Sprit zahlen muss, 4 oder 5 EUR Eintritt zu nehmen, was bedeutet, dass sie selbst bei einer akzeptablen Besucher-Zahl mit weniger Gage rausgehen als sie brauchen um auch nur ihre täglichen Kosten zu decken, von den Flugkosten mal ganz zu schweigen.

Anti-Kommerzhaltung hin oder her, aber ich denke, hier müsste auch das Publikum ein wenig aufgeklärt werden. Niemand kann sich auf dem Level, auf dem wir und unsere Bands arbeiten, eine goldene Nase verdienen, und ich halte es einfach für unfair, als Gast oder lokaler Veranstalter zu erwarten, dass eine Band ein Konzert spielt, von dem sie vorher weiss, dass es z.B. 300 EUR Verlust bedeutet. Manchmal nervt das, ja. Trotzdem haben amerikanische Bands damit erstaunlich wenig Probleme – wahrscheinlich weil sie es nicht anders gewohnt sind. Deutsche Veranstalter ruhen sich da auch gerne mal drauf aus und kontern dann: das ist doch immer noch das Paradies hier für die. Ist es aber manchmal eben nicht mehr.

Ich versuche soweit es geht den Bands immer zu garantieren, dass sie auf Tour keinen Cent verlieren. Ich verzichte dafür manchmal auch auf einen Teil meiner Provisionen, weil es evtl. sinnvoller ist, die Band damit dazu zu bringen, wiederzukommen, als auf die paar Euro, die ich manchmal an einer Show verdiene, zu bestehen. Deshalb würde ich mir von lokalen Veranstaltern wünschen, dass sie vielleicht manchmal auch ein wenig ins Risiko gehen würden, aber es ist eben auch wirklich nur das: ein Wunsch. Es gibt da draussen auch genügend lokale Veranstalter die das tun.

Bei deutschen Bands beobachtet man dann gerne mal das Gegenteil: die stellen gern mal unrealistische Forderungen. Aber damit muss man sich nicht stressen. Ein einfaches Nein und die Situation ist geklärt. Wohlgemerkt sind das hier alles Pauschalisierungen – man sollte mir also keinen Strick draus drehen, natürlich gibts auch in Deutschland total entspannte Bands, die nur spielen wollen. Am Ende des Tages lässt es sich daran messen, ob eine Band das wirklich will, wie hungrig sie sind und wie sehr sie an das glauben, was sie da tun.

Flo (Trapdoor): Ha ha ha, hier gibt es keine Tourrider und auch keine Festgagen. Wer etwas anderes will, soll sich wen anderes zum buchen der Tour suchen. Für michberuht die Zusammenarbeit mit Bands und Veranstaltern auf gegenseitigem Respekt. Ich vertraue darauf, dass die Läden alles versuchen um ein angenehmes Konzert zu ermöglichen und den Bands ein Umfeld bieten, dass diese als angenehm erachten und den Bands das an Geld geben, was über ist. In 99% aller Fälle klappt dies auch gut.

Habe eigentlich so gut wie nie Differenzen mit Veranstaltern gehabt. Wenn `ne Band für die nächste Tour über wen anderes wiederkommen will, weil z.B. eine 14tägige Tour im Sommer nur alles an laufenden Kosten inklusive der Flüge nach Europa plus einiges an Euro mehr reingeholt hat, dann sollen sie sich verpissen. Habe nur Lust auf Bands, die auch Lust auf meine Ideen und Ansprüche haben. Da bin ich nicht kompromissbereit.

Mutti (Muttis Booking): Genau, bloss das Demotape ist abgeschafft und heisst jetzt MySpace. Der Druck besteht mehr finanziell wegen den hohen Kosten in Europa, vielleicht ist das das einzig gute dran vor allem kleine Bands zu vertreten: In den USA werden sie behandelt wie der letzte Dreck, da ist Bier, Essen und nen Clubflat, zumindest bei der ersten Tour, Luxus. Und wir vertreten nur ehrliche Bands, wie z.B. die Real McKenzies, die predigen Wein auf der Bühne und trinken auch Wein Backstage : -).

Oder Los Fastidios, die singen unter anderem von Fussball und Antifaschismus und verzichten auf ein gutes Routing um einmal den FC St Pauli live sehen zu können oder fahren manchmal Samstag Nacht nach der Show 800 km nach Hause um am Sonntag mit ihrer Ultra-Gruppe am Spielfeldrand von Virtus Verona zu stehen!

Sabine (ibd): Aber aber, Bands nerven doch nicht tz tz tz, Spass beiseite, wir arbeiten mit Künstlern und die haben nun mal eine andere Sichtweise der Dinge. Die Kunst ist es, den Künstler davon zu überzeugen, das dies oder das nicht gut ist, und auf der anderen Seite wiederum dies oder das sehr wichtig ist. Das gelingt mir meistens auch sehr gut. Auf der anderen Seite arbeite ich mit sehr vielen ältern Bands, Andrea auch, mit Kids haben wir ehrlich gesagt nicht mehr so viel zu tun.

Kiki (kkt): Kann ich alles für unsere kleineren Acts nicht behaupten, die sehen das alles sehr realistisch.

Marc (mad): Respekt, denke ich, ist das falsche Wort, wir haben versucht, damals alternative Strukturen zu schaffen, die funktionieren und nicht scheitern als Utopie oder als Parallel- Gesellschaft zur Belustigung als Tanzveranstaltung dahinsiechen. Wir sind ausgebrochen aus der damaligen festgefahren und sich selbst zerfleischenden DIY Szene der ersten Stunden, denn wir haben gemerkt, dass es anders laufen muss, es wäre falsch, jetzt zu sagen, die später kamen, haben alles so einfach, natürlich, ist ja gut so, und so sollte ja auch sein! Das ist auch wirklich nicht das Problem und früher haben wir auch Bands gemacht mit Demos oder nicht mal? Wir leben in einem sehr globalen und multimedialen Zeitalter, das kann man auch nicht und sollte nicht immer vergleichen.

Das Problem ist einfach, was wollen die heutigen Fiktionen kurz konsumierbare Produkte, da sind wir wieder bei der Wegwerf-Gesellschaft? Oder Inhalte und Ideale und wenn ja, wie lange müssen die halten? Das Problem ist eben vielschichtig und hat eigentlich nur mit Selbstbetrug und dem Konsum einer solchen Gesellschaft zu tun. Wir haben einerseits die Gruppen, die knallhart auf kapitalistischen Kurs sind und heutzutage das aufbegehren gegen genau diese Kultur auch einfach gleichzeitig vermarkten, das wird gegessen ohne wenn und aber.

Können Fliegen sich irren, sagte man damals dann immer. Anderseits konsumieren die Menschen das alles, egal wie oder ob es schmeckt. Wir haben Bands verloren, weil wir nicht an der Spirale mit drehen wollten, die Leute wissen das, trotzdem gehen alle hin, dann muss man sich nicht beschweren, kurz gesagt, man ist dann einfach ein Teil des gehassten Systems! Eintrittspreise auf ein Mass zu halten, was ein Miteinander in sich beinhaltet, war immer ein Ziel.

Wir standen auch damals schon teilweise alleine da. Und heute, tja Das Spiel ist eigentlich verloren oder? Wir haben mehrfach versucht, die Leute zusammen zu bringen, aber es ist nicht mehr möglich, wirklich, man sollte da die Rolle Marken-Konsum nicht ausser acht lassen, Labels versuchen, Interessen zu vermarkten ohne wenn und aber, egal, ob die eine oder andere Band dabei kollabiert. Und alle spielen mit, das ist nicht das, was wir wollen.

Darum, wenn man MAD verfolgt über die Jahrzehnte, sieht man schnell, wie wir uns umdrehen und zum Beispiel einem Label den Rücken zudrehen und plötzlich keine Psychobilly mehr fahren, das hat dann politische Gründe, da wollen wir immer noch nicht mitmachen. Aber heutzutage kein Problem, da sind sofort drei andere da das ist uns aber scheissegal, wir haben so viel Narben, eine mehr oder weniger interessiert nicht. Und auf Ruhm und Ehre machen wir das nicht! Wir sind eben eine Gegenkultur, auch gegen die eigentliche Gegenkultur, das ist uns egal.

Philip (creative talent): Mich nervt ehrlich gesagt nur das Anspruchsdenken von Bands, die gerade mal eine myspace-Seite haben, aber dann gleich Booker, Manager und Plattenfirma haben wollen, ohne auch nur irgendetwas selber gemacht zu haben. Ich bin mit DIY aufgewachsen und finde auch, dass es für Bands sehr wichtig ist und ihnen auch später ungemein hilft, wenn man sich erstmal um viele Sachen selber kümmert.

Es liegt doch an uns Bookern, den Clubs usw., ob wir mit diesen Bands dann arbeiten wollen… Die anderen Probleme treten eher selten auf, wenn man mit den Bands / Agenten / Managern auch kommuniziert, so dass es im Vorfeld einer Tour keine Fragen mehr gibt. Aber eigentlich bin ich selten von meinen Künstler genervt – habe da auch eine ziemlich hohe Toleranzschwelle…

Nico (Beerandmusic): Deal-mässig etc. ist ja meistens im Vorfeld bereits alles geklärt. Und dass es bei im Schnitt rund 15 – 40 Bandmitgliedern/Crew, die sich bei einer Show im Club tummeln, immer mal wieder anstrengende Menschen gibt, sollte klar sein – nur letztendlich muss ich mit denen ja nicht in die Sauna gehen oder mich zum Kaffee treffen. Gewisse Absprachen werden eingehalten und der Rest ist dann in diesem Fall eine neutrale Abwicklung der Show.

Je nach Band total unpersönlich bzw. nur durch Kontakt zu meinem Ansprechpartner, dem Tourmanager (was auch völlig OK ist und von beiden Seiten gewollt!), oder, wenn man schon desöfteren was zusammen gemacht hat und sich kennt, eher freundschaftlich. Man kann nicht zu jeder der Bands einen persönlichen Draht haben, wobei das auch eher weniger mit der Musik zu tun hat. Es gibt Bands, deren Platten ich mir zu Hause nicht anhöre würde, die persönlich als Menschen aber cool unterwegs sind….

Michael (Target): Grösstenteils nervt so was – aber es macht das Ganze halt in gewissen Rahmen auch spannend. Aber da die meisten von uns auch im Glashaus sitzen: ) Man sollte sich nicht immer für besser / schlauer / korrekter halten.

Wie kommt ihr an eure Bands ran? Läuft das so wie im profi-Fussball, also das man sich das so vorstellen kann, dass ihr weltweite wichtige Talentscouts habt:) ? Und wie wählt ihr Veranstalter aus, einerseits baut man sich sicherlich ein Netzwerk von „alten Kontakten“ auf, auf die man sich in den verschiedenen Städten und Ländern verlassen kann, andererseits hören alte Leute auch mal auf und man braucht neue Wie wählt ihr solche Leute aus?

Andreas (Southern): An die Bands kommen wir fast immer wie die Jungfrau zum Kinde. Zuerst sind da natürlich alle Bands auf unserem Label Exile On Mainstream, bei denen wir für fast alle das Booking machen – weil es sich einfach anbietet, alles in einer Hand zu haben. Und die anderen Bands fragen bei uns an und wenn wir Lust und freie Kapazität haben, machen wir es dann. Wir gehen nicht aktiv an Bands heran, weil wir anderen Agenturen nicht ins Handwerk pfuschen wollen und weil wir Bands nichts versprechen wollen, was wir nachher nicht halten können.

Veranstalter wählen wir prinzipiell so aus, wie du es beschrieben hast. Es gibt ein festes Netzwerk und Leute, mit denen wir arbeiten, weil es sich eben so ergeben hat. Dieses Netzwerk unterliegt natürlich einer gewissen Fluktuation, regelt sich aber quasi von selbst. D.h.: wir bieten Bands auf Tour verschiedenen Veranstaltern an und daraus ergibt sich dann Zusammenarbeit oder nicht. Mittlerweile sind in diesem Netzwerk auch viele Mitglieder anderer Bands und so ist das ein gegenseitiges geben und nehmen.

Flo (Trapdoor): So in etwa, he he. Ab und an empfehlen Dir Leute Bands, ab und an fragen Bands bei mir an, ab und an finde ich Bands so geil, dass ich sie mit E-Mails bombardiere oder Freunde von denen oder was weiss ich. über die Jahre tauchen da so oder so neue Bands auf. Betreibe mit meinem guten Freund Andre ja auch noch Narshardaa Records, wodurch auch immer wieder ein paar neue Bands auftauchen, die nicht nur raus gebracht, sondern auch mit `ner Tour unterstützt werden möchten. übrigens auch ein „unterschätzter Job“ 🙂

Grösstenteils vertraue ich auf Veranstalter, die ich kennen und schätzen gelernt habe. Natürlich wird auch neues ausprobiert und wenn wer aufhört, dann versuche ich von der Person Ideen für Nachfolger in der Stadt und Region zu bekommen. Muss mich schuldig bekennen, dass ich oft auch etliche Anfragen bekomme und gar nicht wirklich darauf eingehen kann. Behalte die Adressen dann zwar in der Hinterhand, aber ich schicke halt auch keine Newsletter rum und/oder lasse Veranstalter sich gegenseitig überbieten.

Plane eher meine Wunschroute und schreibe dann die Leute, die mir dafür einfallen an und gut ist. Mag in einigen Fällen ignorant und mies von mir gegenüber neuen Veranstaltern sein, aber Hartnäckigkeit zahlt sich da aus. Wenn man mich immer und immer wieder nervt, dann stehen die Chancen gut bei der nächsten Tour `ne Show machen zu können. SORRY noch mal an alle Opfer meiner Planungsmethoden von hier aus.

Mutti (Muttis Booking): Naja, nen Fussballteam besteht ja nun auch nicht nur aus Talenten, sondern auch aus nen paar abgebrühten Altstars und dem Wasserträgern ohne Starpotential und es gibt verschiedene Ligen. So gesehen sollte man eigentlich erstmal klären, wer in welcher Liga spielt. z.B. hat Destiny mal klar Championsleaguepotential (Hallo Dave!) so wegen internationaler Klasse und Geschäften, während Target (Hallo Michael!) quasi in der Bundesliga spielt.

Dort sollte man dann ja auch KKT finden (Hallo Kiki!), wenn man aber mal die Umsätze und Position der Bands betrachtet, ist das quasi die Nationalmannschaft und wir sollten Kiki mit Jogi anreden. MAD spielt da sicher mit Destiny in einer Liga, stellt aber quasi eher zwei Mannschaften und MAD vs. Avocado ist dann das Hardcore Derby. Muttis Booking würde ich dann quasi als 2. Liga Mannschaft betrachten, so St. Pauli mässig, mit ab und zu auch mal nem Aufstieg, dann aber auch Abstieg in die Regionalliga möglich.

Dafür gibt es halt viel internationalen Ruhm, aber keine Silverware. Vielleicht schaffen wir ja die Aufstiegsrelegation zur 1. Liga gegenSparta (Hallo Böde!) oder müssen uns um den Abstieg mit Southern (Hallo Kanzler!) duellieren. Scouten helfen jedenfalls die Label, Bandmitglieder, Freunde und wir machen viel selber und es gibt natürlich auch Anfragen. Als Neuzugänge in dieser Saison haben wir die The AKAs, Star Fucking Hipsters, Rasta Knast, The Offenders, Chris Murray und viele mehr zu bieten.

Wir werden versuchen das Starpotential von Talco und A Wilhelm Scream auszubauen, während The Real McKenzies, Unseen und Loikaemie in der Stammformation auflaufen und die Adicts dann vielleicht wieder mal den entscheidenden Treffer rein machen! Und wie immer ist es ungerecht, all die Wasserträger nicht zu nennen, denn die sind unser Rückgrad. Was die Clubs bzw. Austragungssorte betrifft, ist es eigentlich ganz einfach. Jeder will seinen Laden betreiben und kommt dann quasi automatisch mit uns in Berührung.

Nen bisschen hat ja jeder seinen eigenen Musikgeschmack, daher gibt’s sicher einzelne Clubs, die wir mehr anfragen, als andere, aber grundsätzlich ist immer alles möglich. Es wird halt immer schwerer, die Tage anfangs der Woche zu buchen und allgemein kann man sagen, wir müssen attraktiver werden und bleiben, sonst geht das Publikum halt zum Hallenhalma oder bleibt einfach stumpf vor Computer oder Glotze hängen.

Sabine (ibd): Die Bands kommen zu 99 % auf uns zu und nicht umgekehrt. Mit den meisten Veranstaltern arbeiten wir seit vielen Jahren zusammen, man kennt sich und es gibt keine Probleme. Mit neuen Kontakten muss man erstmal abwarten, viele kommen und gehen sehr schnell wieder.

Kiki (kkt): Was neue Acts betrifft, da bleibt einem gar nichts anderes, als Ohren und Augen auf zu halten und zu hoffen, das man sich dann als erstes bei einer interessanten Band, bzw. dem Management gemeldet hat. Natürlich bekommen wir viel zugeschickt, aber die interessantesten Sachen sind häufig die, bei denen man eben hört, das es da einen neuen guten Act gibt. Bei Bands, die schon länger dabei sind, hört man dann manchmal, das sie mit ihrer bestehenden booking-Situation unzufrieden sind, und dann tritt man natürlich an sie heran.

Marc (mad): Auf die Antworten bin ich ja mal gespannt? Wir haben keine Talentscouts und auch keine Zuarbeit, keine Labels, mit denen wir kooperieren, damit wir deren Interessen vermarkten können. Wir machen das, was wir wollen, schon immer und auch wann immer, wir buchen Bands, weil wir glauben, dass sie was bringen und bauen die auf. Es wird aber immer schwerer, gegen die Medienmanipulation mit guter Musik nur gegen zuhalten.

Philip (creative talent): Der Vergleich mit dem Profi-Fussball ist schon sehr treffend… Entweder geht man selber auf die Agenten / Bands zu oder man wird gefragt, Angebote / Pläne abzugeben. Es gibt viele über Jahre gewachsene Beziehungen zwischen Agenten, Promotern, örtlichen Veranstaltern und jede Agentur hat da auch ihr eigenes Netz…Da läuft auch schon viel über die persönliche Schiene, mit wem kann man gut, mit wem nicht….
Nico (Beerandmusic): Im Endeffekt sind es über die Jahre ja immer die selben Leute, die Tourneen buchen / Konzerte veranstalten, so dass die meisten Bands (mit Ausnahmen) dann über die immer selben Kanäle kommen, und man dementsprechend auch sehr oft die selben Künstler in diversen Venues auf einer Tour bzw. auf der nächsten Tour dann wieder veranstaltet.

Michael (Target): Teilweise – hauptsächlich aber über regelmässig gepflegte Kontakte zu den Agenten, Managern, Plattenformen, Pressemenschen etc. und natürlich auch Recherche in den Medien. Hier ist Loyalität ganz wichtig. Das (Anm. Jan: Die Auswahl der Veranstalter wie der Frage beschrieben ist gemeint) geht von ganz allein : ). Manchmal langt man aber halt auch mal daneben einige Kollegen legen alle ihre Eier in denselben Korb, einige verteilen sie lieber, auch hier ist Loyalität ganz wichtig, wie ich meine.

Fahrt ihr auf den Touren eurer Bands gerne mit, habt ihr das zu oft gemacht, macht das heute der dafür angestellte Tourmanager?

Andreas (Southern): Früher bin ich sehr gern Touren mitgefahren – daraus hat sich das Booking auch entwickelt, weil man viele Leute persönlich kennengelernt hat und das eine schöne Basis für eine Zusammenarbeit ist. Heute ist das immer sehr schwierig, weil die Zeit dazu fehlt, aber ich versuche trotzdem wenn sich die Möglichkeit bietet, Teile von Touren mitzufahren oder ich düse auch mal zu der ein oder anderen Show.

Flo (Trapdoor): Mittlerweile mal `n paar Tage hier oder `ne Woche dort, aber keine kompletten Touren mehr, weil ich leider ins wirkliche Arbeitsleben eingestiegen bin. Ansonsten würde ich es liebend gerne tun und finde kaum was schlimmer, als eine Band, in die ich viel Zeit und Arbeit investiert habe nur einen halben Abend oder so erleben zu dürfen.

Mutti (Muttis Booking): Jein, wir versuchen schon so viel selber zu machen, wie möglich, schon um vernünftige Kosten, bzw. Einnahmen zu produzieren. Allerdings haben ja auch wir ne Menge Bands. Mit den meisten arbeiten wir auf sehr vertrauensvoller Basis und die roadmanagen sich entweder selber oder haben ne Frau/ Mann unseres Vertrauens mit. Wir liefern ja immer die entsprechenden Detailinformationen im Voraus, so dass es da kaum Missverständnisse geben kann und sind immer gut erreichbar, falls Fragen sind.

Sabine (ibd): Oh ja, ich war mehr als 17 Jahre lang selber auf Tour, ich hatte einen Heidenspass und ich könnte mehr als ein Buch schreiben, aber ehrlich gesagt brauche ich das heute nicht mehr. Sex, Drugs and Rock`n`Roll hatte ich zu genüge. Wie Lydia Lunch eines Tages so treffend zu mir sagte: “ I`ve seen it all; I`ve done it all, I don`t need it anymore“.

Kiki (kkt): Wir haben für alle unsere Tourneen Tourleiter. Aber natürlich bin ich dann selber auch oft bei Shows vor Ort.

Marc (mad): Bei uns fährt immer noch jeder mit, ich bin grade auf Tour, als du mir geschrieben hast. Und auf der Tour bin ich immer gerne. Ute und ich haben so viel Jahre auf Tour verbracht, kennen jeden Winkel oder Ecke in Europa und brauchen keine Karten mehr, um zu fahren. Ich habe sehr viel über mich gelernt auf Tour.

Philip (creative talent): Ich fahre nicht so oft mit, da haben wir super Leute für… Bei manchen Bands, mit denen über die Jahre eine Beziehung entstanden ist, wie zum Beispiel Jimmy Eat World, The Streets, Muse, ist man dann natürlich so oft wie möglich dabei… Ich bin aber bei jeder Tour auf mind. 1 bis 2 Shows.

Michael (Target): Früher öfters mittlerweile wenn dann eher zum Spass. Unterwegs akkurat zu arbeiten liegt mir nicht so.

Was ist das wichtigste, was ihr aus eurer Erfahrung weitergeben möchtet?

Andreas (Southern): Eigentlich gibt es nicht so viel weiterzugeben ausser, dass ich jeden nur ermutigen kann, einfach anzufangen und sich soweit es geht nicht auf andere zu verlassen. So schwer ist der Job nicht, er ist halt nur ein Haufen Arbeit und man muss es wirklich wollen. Ich hab die Erfahrung gemacht, sowohl im Booking wie auch in der Promo oder im Platten veröffentlichen, dass sich harte Arbeit auszahlt – man muss einfach am Ball bleiben und darf nicht resignieren. Man muss verzichten können und auch mal Misserfolge wegstecken können. Man sollte freundlich sein und den jeweiligen Partnern das liefern, was sie möchten – das ganze zuverlässig und schnell.

Man sollte gut organisieren können und alle Eventualitäten bedenken. Ein ausführliches Roadbook mit allen Details für die Band, so dass sie sich auf alles einstellen können ist dabei genauso wichtig wie ordentliches Promomaterial, CDs, Poster etc. für die Veranstalter. Das alles sollte man fertig und geplant haben, bevor man eine Tour anfängt zu buchen. Nichts ist nervenaufreibender für einen Veranstalter als Poster die drei Tage vor dem Konzert eintrudeln oder eine Band, die zwar die Adresse vom Club hat, aber keine Telefonnummer vom Veranstalter – das nur als Beispiel.

Flo (Trapdoor): Hmm, denke, Menschen sollten selber ihre Erfahrungen machen, aber ich wäre froh, wenn ich wen dazu inspiriere zu tun und zu machen worauf sie oder er Bock hat und dafür auch mal unbequemere Wege zu gehen. Einfach mal den Arsch hochkriegen und machen. Lohnt sich garantiert vielleicht, ha ha.

Mutti (Muttis Booking): Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien !!!

Sabine (ibd): Weniger Bands zu buchen, mehr Qualität, sonst haben wir 2010 den totalen Overkill.

Marc (mad): Man soll seine Träume nie vergessen oder verraten, man soll seinen Weg gerade und aufrichtig gehen. Und ich hoffe, die Strukturen, die wir miterrichten durften, werden noch Jahrzehnte weiter zu einer alternativen Gegenkultur beisteuern – politisch wie sozial. Und Leute ermutigen, an sich selbst zu glauben und etwas zu schaffen. Es ist ja fast ein bisschen witzlos, aber wie schon gesagt, alles, was sich zum Ausschlachten eignet, wird ja so oder so kopiert, ich hoffe, unser politisches Engagement gegen Rechts, für Kinder, Behinderte oder Tierrechtsgruppen, wird auch so mal kopiert werden.

Philip (creative talent): Ich habe Glück, in einer tollen Agentur zu arbeiten, mit super Kollegen und auch mit vielen Bands zu arbeiten, mit denen einen mehr verbindet als nur eine normale Geschäftsbeziehung. Die Hauptsache sollte sein, dass es Spass macht und man sollte nicht nur auf den Erfolg (wie auch man diesen auch immer definiert) aus sein… Im Endeffekt ist dass ganze auch ein Lottospiel und verdient hat es (fast) jeder / jede Band…

Michael (Target): Lieber einmal mehr „Nein“ sagen.

***

II Persönliche Fragen

Southern:

Hi Andreas, mit Southern verbindet man ja eher den Standort London und nicht ein kleines Dorf am Rande von Berlin Southern und Crass war ja auch so ein Synonym warst du bei dem Steve Ignorant Konzert 2007 in London?

Andreas: Nein, bei dem Konzert war ich nicht. Ich hatte einfach keine Zeit und ich wäre evtl. auch sowieso nicht hingefahren. Irgendwie kann ich mir über die ganze Sache keine richtige Meinung bilden. Soll heissen ich kann es nicht verurteilen, aber auch irgendwie nicht gut finden. Crass ist Crass und das waren sie eben nicht.

Wir sind nicht am Rande von Berlin, sondern schon ein Stückchen weiter draussen : ) Wir haben ja einige Zeit in der Stadt gewohnt und auch ein Büro in Berlin gehabt. Die Idee aufs Land zu ziehen war eine Mischung aus geschäftlichen und familiären Gründen, beziehungsweise die Frage, wie man beides möglichst stressfrei unter einen Hut bringt. Uns wurde einfach klar, dass alles, was wir vorhatten, nur zu bewältigen ist, wenn man Familienleben und Job miteinander verknüpft. Gut, verknüpft war es immer schon, nur mussten wir uns das eingestehen, dass diese Firma nun mal unser Leben ist und wenn man versucht, die beiden Komponenten auseinander zu halten, man zwangsläufig scheitern wird.

Also musste auch eine räumliche Verknüpfung her – ein Ort, an dem man leben und arbeiten kann, der genug Platz bietet und vor allem Ruhe. Also raus aufs Land. Die Entscheidung war absolut richtig. Wir sind immer noch dicht genug an Berlin dran, um all das zu geniessen und zu nutzen, was eine Stadt bietet, auf Konzerte zu gehen bspw. Gleichzeitig bietet unser Dorf die Ruhe und Möglichkeit, sich auf bestimmte Dinge zu konzentrieren, ein funktionierendes Familienleben zu leben, ohne sich permanent zwischen Job und Privatem hin-und hergerissen zu fühlen.

Mit Wolves in the throne Room, einer black metal Band, die ihr bucht, gab“s ja einiges an Kontroverse, hast du Lust, dass noch mal kurz zu kommentieren?

Andreas: Nein. über diese Kontroverse ist meiner Meinung nach schon viel zu viel geschrieben und diskutiert worden. Das ist derartig ungerechtfertigt aufgebauscht worden, dass man da wirklich nichts mehr drüber sagen muss. Sorry.

Du organisierst ja auch das Roadburn Festival, worauf freust du dich 2009 am meisten da?

Andreas: Das stimmt so nicht. Ich organisiere das Roadburn Festival nicht. Das machen Walter Hoeijmakers und Jurgen Van den Brand. Das Roadburn ist allerdings inzwischen ein Team, bei dem einige Leute Aufgaben übernehmen um Walter und Jurgen zu entlasten – ehrenamtlich wohlgemerkt. Ich helfe dem Roadburn ein wenig beim Booking und kontaktiere Bands und verhandele mit ihnen, ich mache die Promotion des Festivals in Deutschland und stelle die Backline für einen Grossteil der dort spielenden Bands.

Wir bauen unsere eignen Gitarren- und Bassboxen und Verstärker und stellen die dort zur Verfügung, damit das Geld, was sonst an horrend teure Backline-Vermieter gehen würde, in Bands und zur Kostendeckung investiert werden kann. Auf dem Festival kümmere ich mich um die Bühne im Green Room und was so anfällt. Freuen tue ich mich auf das gesamte Festival – das beste Festival unserer Zeit.

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Trapdoor

Yo Flo, auf welche Touren freust du dich 2009 am meisten, also von dir gebuchte Sachen? Brutal Knights kommen ja wieder oder?

Flo: Freue mich auf alle Bands, die ich 2009 auf Tour hole. Brutal Knights kommen noch mal sechs-sieben Wochen und nachdem die mich letztes Mal so was von umgeblasen haben, bin ich wieder heiss, he he. Ansonsten bin ich so was dermassen froh, dass mit Government Warning und Wasted Time es zwei meiner Lieblinge auch endlich hier auf Tour schaffen. Dann kommen wohl Statues, Smalltown und Airfix Kits zusammen. Mehr dazu unten. Ansonsten werde ich mich wohl noch um Teenage Cool Kids kümmern, die in `ne ganz andere Ecke gehen.

Nämlich so supermelodischer poppiger Kram. Weder Punk, noch Indie. Irgendwo dazwischen. Neue LP übrigens auf Narshardaa. Und dann doch noch mal `ne Emoband names Fire Team Charlie, deren 10″ mich unvermittelt beeindruckt hat. Mal sehen, was sonst noch so kommt. Paar Sachen mehr angedacht, aber noch nichts spruchreif. Ende des Werbeblocks. Will aber auch erwähnen, dass ich mich auf Limp Wrist freue, auch wenn ich nichts damit zu tun habe.

Bist du eigentlich so was wie der deutsche Booker von Deranged Records aus Kanada : )?

Flo: Hmmm, würde nö sagen. Habe zwar einige Bands gebucht und mit Statues, Smalltown und Airfix Kits kommen dieses Jahr auch noch drei Bands als Package, die alle Platten für Deranged draussen haben, aber das ist eher Zufall. Trotzdem gutes Label und Gordon hat mich auch gerade noch wegen `ner anderen Band angefragt, aber nun ja, so spielt das Leben.

Wären dir bestimmte Bands, die relativ schnell relativ bekannt geworden sind, z.B. Fucked up, die nach einer Platte vom Indie direkt zu Matador gegangen sind, zu „kommerziell“?

Flo: Jan, die haben doch paar mehr als eine Platte raus gebracht vor Matador. Sind wir hier bei der Visions? (Anm. Jan: Wer Visions hat, soll zum Arzt gehen, HAR HAR) Trotzdem finde ich Fucked Up arschlangweilig. Auch wenn es Schlimmeres gibt, wäre so was keine überlegung wert, ha ha. Ansonsten würde ich so eine Band wohl buchen, solange sie mit meinen Bedingungen einverstanden sind und wir uns gut verstehen und ich nicht irgendwelche komischen Spielchen mitspielen muss. Aber eben nicht Fucked Up. Hast Du die mal live gesehen? Gääähn.

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Muttis

Liebe Mutti, ha ha, der Italien-Spruch ist gut! Eigentlich hast du sehr viel abgedeckt, so dass mir kaum individuelle Fragen einfallen. Vielleicht doch, eine. Ihr habt die Adicts im Roster, das ist ja schon ne „Bundesliga“- Band, um bei Vergleich zu bleiben Wie kamt ihr auf die?

Mutti: Es war für alle Booker aus verschiedenen Gründen schwer, mit denen in der Vergangenheit zu arbeiten. Nachdem die mich beim Wasted Festival in Amsterdam angesprochen hatten, ob wir mal was zusammen machen wollten, dachte ich auch erst….. Na ja, nicht meine Liga. Aber irgendwie hat sich dass dann doch ergeben und wir haben zueinander gefunden.

Es hat sicher geholfen, dass wir sehr genau mit deren Bedürfnissen umgehen können und da dann halt auch mehr als Booking machen. Z.B. hab ich auf deren letzter Tour das Konfetti aus dem Zoll geholt, so was macht oft viel aus. Und da wir fast eine Generation sind, klappt unsere Kommunikation auch gut, der Schlüssel zu vielen Sachen. Und dann gab der Erfolg uns halt auch Recht, Band und Booking, dann wie siehe oben.

Speaking of Real McKenzies, die ich – ich gebe es zu – jahrelang nicht gut fand und jetzt, seitdem der RKL Bassist da mitspielt, voll gut finde Ja ja, ich weiss, lahme Einstellung von mir, ich gebe es ja zu. Es wundert mich eigentlich, dass die im gerade aktuellen Irish-Folkpunk-Hype mit Dropkick Murphys nicht „weiterkommen“ hast du dafür ne Erklärung? Also ich meine, so Irish Punk ist doch gerade voll „in“, Flogging Molly, Dropkick Murphys, diese deutsche Band, fuck, wie heisst die noch mal, die eigentlich ne Oi Band sind und dieses Irish-Folk-Punk Seitenprojekt haben ich komme grad nicht drauf (Anm. Jan: Du Hohlroller, Porters, du hast ne CD von denen!!! Mann!). Natürlich auch immer wieder Ausgrabungen von Pogues Leuten. Sind Real Mc Kenzies zu „radikal“ bezüglich so Songtexte „Put that bitch off the money“ (also die Queen)?

Mutti: Ich weiss auch nicht, es läuft ja ok, besser als bei vielen anderen Bands und klar, seit Lil‘ Joe, Sean oder auch jetzt Boz (Mad Caddies) dabei sind, ist es einfach noch mal ne bessere Band, da die Rythmgroup auch der Partygeschwindigkeit standhalten kann, oder auch noch einen drauf setzt.

Lil’Joe hat auch viel Einfluss auf die letzte Platte gehabt, der ist einfach mal nen Topmusiker…. dazu auch mal King City entdecken, Joes and Boz kleines Projekt… Mariachipunk, mal was Neues… Dass das dann nicht für die Columbiahalle reicht, ist schwer zu beantworten… Sie sind vielleicht einfach nicht genug Klischee, FM sind ja wirklich nur die Schnittmenge der Dubliners und Pogues, so auf 45 halt und Dropkick bringen den ganzen Machomännerkram zusammen:

Iren, Hools (na, wo ist Familie Hooligan wohl ursprünglich her ?), Soldaten, (Lokal) Patrioten, Fussifans, Skinheads aller Colour…. das geht ja auch ohne Folk, siehe Cock Sparrer. Der Soundtrack von Departed hat Dropkicks z.B. auch noch grösser gemacht. So gesehen sind die McKenzies tatsächlich zu radikal, weil halt nicht so angepasst ans Stumpfsein (ich höre Widerspruch, ha, ha, ha ) und vielleicht auch als St. Pauli / Kreuzberg / EastVan Band zur 2. Liga verurteilt…… das ist mittlerweile jedenfalls völlig ungerecht und wir ackern dran! Aufstieg 2010!!!

Mighty Mighty Bosstones haben sich ja wieder reuniert und kommen bestimmt bald nach Europa. Ich habe mal gehört, dass im Ska-Business für eine Band Gagen am Start sind, mit denen man schon ein hochkarätiges mehrere Punkbands Festival machen könnte Was glaubst du, wer wird die in Europa buchen? Wären die was für euch?

Mutti: Bosstones? Wurden von Destiny gebucht, als ich noch da war. Wenn die gute Menschen wären, würden die wieder mit Dave arbeiten. Aber selbst der schwedische Ableger der Agency Group konnte sie wohl nicht mit 6stelligen Angeboten überzeugen…. bis jetzt….? Ich bezweifle, dass sich das überhaupt gerade einer hier leisten kann, denn das AG in z.B. DEAG heist ja auch ‚Agtuelle Grise’…. oder so 😉 !

Gilt übrigens auch für The Specials (ohne Jerry Dammers aber). Beide Bands würde ich natürlich als Fan absolut begrüssen… und ich hab die Specials auch schon gesehen: 1980 in der Rotation Hannover… Killer! TopTen all meiner Konzertbesuche und sicher der Grund, warum ich auch Ska und ähnliches liebe !!! (Anm. Jan: wie ich so was hasse! Alte Leute, die 1980 Specials live gesehen haben! Zum Kotzen! Ich kann in Worten unmöglich ausdrücken, wie ich gerne damals 1980 mit 2 Jahren seufz)

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IBD

Yo Sabine, Glückwunsch nachträglich zu eurem Jubiläum! Ich freue mich sehr auf die UK SUBS, die diesen Freitag in Frankfurt am Main spielen, die laufen ja auch über euch. Ich habe ja keine Ahnung, aber ich denke, die sind sehr umgänglich oder ist Charlie Harper einfach angepisst, dass er schon so lange on the road ist, aber alle reden immer nur von Lemmy?

Sabine: UK SUBS waren von Anfang an dabei, eine der ersten IBD Bands, wir haben ein super Verhältnis zu Charly und seiner Frau und immer viel Spass. Es liebt es nach wie vor, auf Tour zu gehen .

Du hast es ja selber schon angesprochen, ihr habt es nicht mehr mit Kid-Bands zu tun so sehr das ein Vorteil ist, aber kann das nicht auch abturnent sein, schliesslich bringen ja junge Leute nen Haufen Energie und eventuell Belebung rein?

Sabine: Nein, ich sehe das nicht als Nachteil, ausserdem haben die ältern Gruppen sehr oft mehr Energie als die Jüngeren.

Ihr habt ja echt ein vielseitiges Roster, einmal die Klassiker wie Christian Death, Kid Congo Powers & The Pink Monkeybirds, Lydia Lunch, Suicide, Tuxedomoon die sind aber doch alle eher im Hochkulturbereich anzusiedelnden oder?

Sabine: Hochkultur-Bereich klingt gut, aber Christian Death gehören nun eher in die Gothic Ecke, Kid Congo ist Rock/Pop, Lydia, Suicide, Laibach oder Tuxedomoon schon eher, aber das auszuführen, sprengt hier den Rahmen.

Und zum anderen bucht ihr die Hard Ons, meine absoluten Favoriten, cool, wusste ich (wie so vieles über euch) nicht und, scheisse, kommen Flipper wirklich? Oder waren die schon?

Sabine: Flipper kommen im September auf Tour, das neue Studio Album wird am 15.6.09 auf DOMINO Records herauskommen sowie der gesamte Backkatalog. Flipper feiern dieses Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum und ich freue mich sehr auf die Jungs. Flipper sind Kult, Bruce, Ted und Steve alte Freunde von mir.

Du erwähntest ja auf euer History-Seite, dass ihr gegen die etablierten Firmen kämpfen mussten“all run by men of course it was a man`s world at the time being, it`s kinda better these days, KINDA. Inwiefern jetzt „kinda better“? : )

Sabine: Nun, der Text ist auch schon wieder ein paar Jahre alt, es ist allgemein schwieriger geworden, die Gruppen, die wir vertreten, unter das Volk zu bringen. Es wäre schön, wenn sich ein paar mehr Frauen in diesem Geschäft durchgesetzt hätten, leider sind es immer noch wenige. Ist schon eine grosse Männergesellschaft, wobei ich mit den meisten Jungs keine Probleme habe.

Verstehe ich das von eurer Webseite richtig, ihr habt die erste Nirvana Tour gebucht in Deutschland? Wahrscheinlich war das kein Problem, die nach „Nevermind“ wieder zubuchen, die sind bestimmt bei euch geblieben oder? : ) Hast du noch ne Erinnerung an deren Tour?

Sabine:  Nein, wir haben nicht die erste Nirvana Tour gebucht, das war Paperclip, Ruud Berends aus Holland, aber ich war mit den Lemonheads, Silvia Juncosa und den Screaming Trees unterwegs, und wir haben so einige Shows zusammengespielt. Erinnerungen habe ich viele, war eine klasse Zeit, aber preisgeben werde ich hier nichts.

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KKT

So wie ich das verstanden habe, bist du seit immer Hosen-Booker… hörst du dir die neuen Sachen auch noch privat an oder hängst du mehr an den alten Sachen wie „Reisefieber“ und co? Das könnte ja ein wenig „schwierig“ sein, wenn man an den aktuellen Veröffentlichungen seiner zu bookenden Bands gar nicht mehr so den Zugang findet, aber trotzdem weiter für die bookt oder?

KKT: Ich buche die Toten Hosen erst seit 1990, davor hat das eine andere Firma gemacht. Ich bin nur halt bei der Band seit ihren Anfangstagen, erst als Fahrer, dann Backliner und dann Tourleiter. Und natürlich höre ich mir auch die neuen Sachen noch privat an, und gerade live machen auch viele der Songs mir immer noch viel Spass, anders könnte ich auch nicht wirklich einen guten Job für die Bands machen.

Wenn du selber keinen Zugang zu der Musik hast, dann wird es schwieriger, wirklich gut für eine Band zu arbeiten, jedenfalls für mich. Aber, ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass ich privat eigentlich nie in die grossen Arenen gehe, da die Bands, die ich sonst so höre, sich fast ausschliesslich in der Clubs von Kapazitäten von 200 bis vielleicht 3.000 bewegen.

Du bist ja in Berlin ansässig, das hat mich irgendwie überrascht, ich dachte immer, du wärst in Düsseldorf?

KKT:  Da ich selber in einem DORF in Ostwestfalen gross geworden bin, kann ich nicht nach DüsselDORF gehen. Ich bin mit 16 nach Berlin abgehauen, und bis auf eine 10-jährige Unterbrechung in Hamburg auch immer dort gewesen.

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Mad

Hi Marc, du warst ja zum Zeitpunkt meiner Interview-Anfrage auf der Persistance-Tour unterwegs, wie ist es gelaufen?

Marc: Sehr gut, die Persistence-Tour hat sich ja in den 10 Jahren auch stark entwickelt und ist mit Abstand die stärkste Tour im Hardcore-Punk Bereich. Das alles ohne Sponsoren oder Label Politik! Ausverkaufte Häuser fast überall und mit Shows wie Dresden 4000 Supporte, das sind ja auch Gänsehaut-Momente für unsere Musik in dieser Zeit. Trotz des Erfolgs werden wir gemieden, die Musik ist eben nicht zu vermarkten oder, was habt ihr drüber geschrieben in 10 Jahren?

Ich hatte mal ein Interview auf einer neuen Tribal Area DVD von dir und Ute gesehen, dort hast du gesagt, dass du denkst, dass du / ihr ein besonders Händchen hast, alte Bands wieder zusammenzuführen, z.B. 4 Skins für das von euch organisierte Punk & Disorderly Festival. Das kann man natürlich so sehen, man könnte natürlich auch sagen „Braucht es da viel Zusammenführungskünste oder einfach nur genug Geld, damit die alten Bands wieder spielen?“ Verstehe mich nicht falsch, ich will dir gar nicht an den Karren pissen, ich war selber 2002 auf dem Punk and Disorderly in Berlin, um meine alten Jugendhelden Exploited endlich mal live zu sehen und war begeistert

Marc: Nein, um Geld ging es da nie, dann hätten wir das nicht gemacht, versteh mich nicht falsch, auch wir benötigen Geld und freuen uns über Einnahmen, aber nicht auf Teufel komm raus und über Leichen! Wir haben deswegen auch einige Sachen nicht gemacht, muss man nur hinschauen und man weiss Bescheid, ob es die letzte Biohazard war oder speziell Negative Approach, denen ich fast 20 Jahren in den Ohren lag, plötzlich, als Unsummen aufkamen, sagte ich ihnen, dass es mit uns nicht zu machen ist. Na ja, ganz schnell war jemand gefunden und sie spielten Hardcore, ich meine nicht die Musik und ich wünschte ihn viel Spass, nein, bei uns hat das damit nix zu tun.

Beim Punk gab es bis dato nur eine Sache, die ums Geld ging, das war Oppressed, ja genau die, ein Witz, ich weiss, grade die, aber es ging auch bei weiten nicht um so ne Summen. Bands wie Last Resort, Cock Sparrer, Business, DISCHARGE, Excel, Beowulf, DYS spielen nicht nur, um Geld zu verdienen, die leben das noch heute, aber diese Bands sind manchmal abgegessen vom Konsumverhalten und frustriert und wenn du Sozialempfänger bist und die Leute beschimpfen dich immer als Abzocker, tja das bringt Frust.

Es sind ja doch hauptsächlich Männer als Booker hier vorhanden, blöd gefragt: ist booken eine eher männliche Domäne und sind Frauen eher im Promo-Bereich von Labels zu finden und wenn ja, warum ist das so?

Marc: Tja, das liegt doch wohl an dir, du hattest dir doch die Gesprächspartner ausgesucht, du hättest auch mit Ute bei uns sprechen können (Anm. Jan: Stimmt, mein Fehler). Ich finde die Betrachtungsweise ja überflüssig, aber wenn du die Frage so stellst. Eigentlich war es immer eine weibliche Domäne. Um das mal ganz provokant zu sagen, erst seit es so eine Kommerzialisierung gibt, sind die Jungs in dem Vordergrund ist was zum Nachdenken oder?

Wie stehst du zu dem Kultursponsoring, also das z.B. Eastpack HC-Festivals supportet? Notwendiges Instrument, um die Kosten zu decken oder „Verwässerung einer einst wilden Subkultur durch Rucksackfirmen und deshalb abzulehnen?“

Marc: So einfach kann man sich das heute nicht mehr machen, denn die Gegenkonsumkultur wurde vom Markt mit offenen Armen aufgenommen. Die Konsumenten haben sich für Marken entschieden. Nicht wir! Konsum und Genuss sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, die sich nicht nur durch „Menge“ unterscheiden. Alkohol ja, Rucksäcke nein? Also unterscheiden wir sie jetzt mal. Es geht darum, das man weiss, was man will. Das wussten wir immer. Wie hatten nie wirklich Sponsoren und bis dato auch keine bei der Persistence-Tour!

Wir hatten für drei Jahre keine Zusammenarbeit mit Eastpack, sondern mit einer Person, die diese Szene unterstützen wollte, weil er selbst daher kam! Als er ging, gingen wir auch, denn wir wollten kein Spielball werden von diesen System. Wir passen uns nicht an, also hat sich unsere Resistence-Tour kurzerhand zur Persistence-Tour geändert und fertig. Der Konsument darf nun entscheiden und bekam die Antidote-Tour? Hat das uns die Tür geöffnet, bekommen wir kostenlose Anzeigen von euch zur Unterstützung, nein, nix, wo ist Hardcore, wo hört er auf! Wir haben immer und werden immer Sachen machen, an die wir glauben, und sind nie aufgesprungen oder haben mit Sponsorengeld überlegt, wie man es verdoppeln kann, egal um welchen Preis!

Also: Ja, ich bin der Meinung, hier wird verwässert und eine einst wilde Subkultur vorgeführt, das einst bezieht sich aber auf eine Zeit vor 1990, denn ab dem Punkt war die Subkultur schon massiv gegen die Wand gefahren und Marken übernahmen die Subkulturen, das Konsumverhalten hatte sich komplett geändert, Labels und Fanzines übernahmen die Aufteilung in Konsumwillig und -unwillig, der Rest ist / war nur Marketing und keine Lebenseinstellung. Ich kann mich noch daran erinnern, wie einer im Trust die Eastpack-Hardcore-Tour kritisierte? Ein Witz, denn im selben Heft waren Anzeigen mit genau diesem Geld bezahlt, was man nicht sehen will, interessiert eine nicht?

(Anm. Dolf: Wir hatten von Eastpack nie eine Anzeige im Heft, es ist richtig, dass es Anzeigen (von Festivals u.ä.) im Heft gab, auf denen das Eastpak Logo zu sehen war, weil die das eben präsentiert haben. Damit haben wir auch kein Problem, genau wie wir erstmal kein Problem mit Eastpak haben. In der angesprochenen Kolumne wurde einfach mal die Firma bzw. der Mutterkonzern beleuchtet und die berechtigte Frage gestellt, was das alles mit Hardcore zu tun hat. Und es gab auch Firmen die danach erstmal keine Anzeigen mehr geschaltet haben…. )

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Creative Talent

Hi Philip, wat wat wat, du hast mal bei Queerfish mitgespielt? Krass, ich glaube, ich hab euch mal 1994 mit Shelter in Köln gesehen, could that be?
Philip: Hi Jan, ich hab bei Queerfish und Carol (1ste 7″) Schlagzeug gespielt und bei Youth Tribe Trompete. Die Tour mit Shelter war 1996… (bei myspace.com/queerfish28203 sind Videos von der Tour). Damals haben wir ganz schön ärger bekommen, weil wir mit den Krishnas auf Tour sind…

Die Gorilla Biscuits-Tour hat mich ja schon überrascht, dass die über euch gelaufen ist hab die in Wiesbaden gesehen, voll guter Auftritt
Philip: Walter Schreifels ist ein guter Freund von mir seit Jahren. Da ist es klar, dass die Tour nicht zu einer anderen Agentur geht…

Krass, ihr habt ja auch FISHBONE in eurem Roster, vor kurzem die noch mal in Los Angeles live gesehen, voll super, liebe die sehr. Sollten die nicht letztes Jahr nach Deutschland gekommen sein, aber Tour wurde verschoben? Weisst du, warum?
Philip: Die haben leider keine Plattenfirma mehr und leider hat man die Jungs hier leider ein bisschen vergessen…

Jingo de Lunch-Tour, wie ist die gelaufen, da hatten bestimmt einige im Publikum Tränen in den Augen?
Philip:  Die Tour ist wirklich super gelaufen. Jingo ist wie Gorilla Biscuits eine meiner absoluten Lieblingsbands – normal stehe ich ja nicht sooo auf Reunions – aber in diesen beiden Fällen muss man sagen, dass es echt super war. Jingo sind musikalisch für mich absolut zeitlos… Ich war auch wirklich sehr glücklich, als sich die Band nach den zwei Shows 2006 entschlossen hatten, noch eine Tour zu machen…

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Beerandmusic

Bist du bei jedem deiner Konzerte persönlich anwesend oder gibt es Personal, dass die Konzerte / Festivals betreut?

Nico: Kommt immer drauf, aber bei 60-70% der Konzerte bin ich selber dabei. Bei mehreren Sachen am selben Tag natürlich nicht. Je nachdem, was gerade noch zu tun ist und wie „wichtig“ das Konzert ist, bzw. ob mich die Band dann auch persönlich reizt.

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Target

Hi Michael, ich muss bei eurem Namen immer an das Hüsker Dü Lied „Target“ denken, war das damals zufällig Namensgeber?

Michael: Leider nein, wäre aber ne gute Story. Ich geh nachher mal an meinen Plattenschrank : ). Ist schon über 13 Jahre her, weiss nicht mehr, wie es dazu kam. Ich hatte mir mal ne Liste gemacht mit potentiellen Firmennamen …

Das Bad Brains Konzert 2007 in Köln als einziger BRD-Auftritt lief ja über euch, einige Kumpels die da waren, berichteten von einer geiler Musik, aber einem total entfernten HR, war und sind die Bad Brains einfach in der Zusammenarbeit? Wie fandest du den Auftritt, falls du vor Ort warst?

Michael: Ich war da, fand es leider auch eher fad. Ich arbeite seit 1984 / 85 mit der Band, da hab ich schon zig bessere BB-Shows gesehen. HR lebt einfach auf einem anderen Planeten : ).

Target kommt aus München, ihr seid immer noch da ansässig. War das damals, als das Trust in Augsburg 1986 entstand, etwas, was du live mitbekommen hattest?

Michael: Ich bin erst seit 1992 in München, meine Kollegen (von Rosi abgesehen) kamen noch später hierher. Allerdings kenne ich Dolf seit 1984, deswegen hab ich damals in Freiburg dann auch davon gehört und es auch ab und zu gelesen. Dolf war bei meiner allerersten Tournee (Frühjahr 1984, The Adicts) Manager der Vorgruppe Inferno (mit Archie, später Terrorgruppe): erstes Konzert Freiburg, zweites Konzert Neubulach/Wildberg, örtlicher Veranstalter war Armin von X-mist : ).

Green Day habt ihr auch im Rooster, das muss doch damals, als die dieses anti-G-8-Konzert in Berlin gespielt haben, ein Wahnsinns-Mega-Event gewesen sein, wie geht man so was an, da kann ja alles mögliche schief gehen (denke ich mir als Laie)?

Michael: Das heisst Roster… Rooster ist so was wie Broiler : -) Green Day bei G8? Oder war das nicht Al Gore’s Ding? Weiss nimmer genau. Lief über USA/Plattenfirma etc… wir hatten damit nix zu tun. Klar kann bei so was einiges schiefgehen… aber dann muss man halt improvisieren.

Völlig blöd am Ende gefragt: Sonic Youth würden in euer Repertoire ja prima reinpassen, sind`se aber nicht Wäre das ein Traumband für Target?

Michael: Wegen Musik und Image: Ja, wegen geschäftlichem Hintergrund: nein.

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