August 5th, 2019

THE SWAT (#122, 2007)

Posted in interview by Jan

Black Flag statt Jesus

The Swat sind eine Oldschool-Punkrock-Band, ursprünglich aus Neuwied, jetzt in Köln bzw. Düsseldorf ansässig. Was heißt hier Oldschool? 88er Youth Crew Core? Anfang 90er Rorschach-Trulala? Nein, old school bezieht sich auf den Beginn der Veränderung des ursprünglichen 77er englischen Pubrock-Sounds zu amerikanischem Hardcore, zum Beispiel wie auf der „Group Sex“ von Circle Jerks aus Los Angeles nachzuhören ist. Hinzu kommen weitere Einflüsse aus amerikanischen Metropolen bzw. der dort fabrizierten Musik, erste Reagan Youth oder die frühen Beastie Boys, deren „Egg raid on mojo“ auch gerne live gecovert wird.

The Swat sah ich Ende 2005 im süßen Haus Mainusch in Mainz, und war begeistert. Ebenfalls begeistert war dann auch meine Freundin, als ich sie nach später Heimreise von Mainz nach Frankfurt noch um 1.00 nachts wach klingelte, aber das ist eine andere Geschichte. Nach einem Demo wird zur Zeit an einer Split-Platte mit der Neuwieder Band The Barseros, ebenfalls sehr ans Herz zu legen (waren die das nicht mit der tollen Coverversion „Nice boys don´t play rock´n´roll?“, ich glaube schon), gearbeitet. The Swat treten selten auf, aber sie treten Arsch. Nach diesem äußerst schlechtem Wortspiel, dass mit Furious Clarity Herausgeber Christoph Parkinsion, Gitarrist, und Christian Destroy, eben dort auch tätig, und der andere Swat Gitarisst, der noch bei den Profession Reportern spielt, sicherlich verzeihen werden, ist noch zu sagen, dass das Interview innerhalb der TRUST-Crew nicht unumstitten war. Warum? Lest selbst!

Stimmt das wirklich, was auf eurer Seite steht: Ein Ex-Bandmitglied von euch ist jetzt bei Caliban? Ist THE SWAT so ein Karrieresprungbrett? Dann kann er jetzt ja viel Violent Dancing machen, oder?

Christoph: Es ist wohl wahr, dass Marco nunmehr bei CALIBAN spielt. Als Karrieresprungbrett kann man SWAT dennoch nicht bezeichnen. Die Band hat jedem seiner jetzigen und früheren Mitglieder einiges an Prestige, Frauen und Alkohohl beschert. Obwohl im Gegensatz zu CALIBAN keiner mit der Band jemals einen lumpigen Cent verdient hat, war und wird THE SWAT auch weiterhin die einzige Band bleiben, in der man als Mitglied in punkto DYS, Kongruenz, Straßenerfahrung, Style und Hardcoremusik die höchste Stufe der Karriereleiter erreichen kann. Somit ist ein Teil der Ex-SWAT-Mitglieder bedauerlicherweise nicht aufgestiegen, sondern speziell in diesen Punkten sehr tief gefallen. Ich finde es nicht schlimm, wenn sich jemand mit Musik das Leben finanzieren will und das wie Marco als einer von wenigen auch umsetzen kann. Nur beißt sich das meiner Meinung nach mit dem Leitbild von THE SWAT. Ganz nach den Mottos „Gute Gelegenheiten sind meistens der Anfang des Ruins“ und „Finanzgenie ist man immer nur bis zum Bankrott“…

Christian: Man muss da aber auch die Entstehung von SWAT im Kopf haben. SWAT waren ja anfangs keine Band und hieß auch nicht so. Ich hab einfach während meiner Zivizeit 97/98 angefangen mit Markus Musik zu machen, der hatte alles daheim. Wir haben dann an einem Tag nach Formel X so ein paar HC-Songs gemacht und die sofort bei ihm 8-Spur aufgenommen. Die Texte haben wir uns quasi beim Singen ausgedacht. Als wir dann den Namen hatten, haben wir einfach aus Langeweile 1.000 Flyer gemacht. Natürlich ging die ganze Welt dann davon aus, dass es eine Band gäbe und es hagelte Auftrittsangebote, die wir alle großmäulig annahmen.

Marco, der jetzt bei Caliban ist, war auch damals schon ein guter Kumpel von uns und hat mit Daniel (Blood Attack) in einer Grindcoreband namens Gomorrha gespielt, mit denen wir immer herumhingen. Die beiden hatten wir uns dann ausgeliehen, um unsere ersten Konzerte zu spielen, quasi das erste Line-Up. Der Parkinson war damals noch mehr der Veranstalter solcher Konzerte, SWAT sollte erst später zu seiner Familie werden.

Ich habe den Eindruck, das (Violent Dancing) ist endlich weniger geworden…

Christoph: Dämlicherweise gibt’s diesen Quatsch doch noch auf einigen Konzerten, wobei ich diese affigen Veranstaltungen aufgrund der meist affigen Musik, die dort gespielt wird, prinzipiell meide und demzufolge damit selten in Kontakt gerate.

Was heißt THE SWAT eigentlich? Ich kenne den Begriff „Swat“ nur von dem Vorläufer von Nackte Kanone namens Police Squad? Oh, wird ja ganz anders geschrieben, äh, ist so eine speziale Einsatzgruppe oder was?

Christian: Ja, eigentlich schon. Da müssen wir noch mal an den Anfang zurück. Wie eben gesagt hatten wir beim Musizieren und Aufnehmen keinen Namen im Kopf. Markus und ich waren aber ’97 in Köln auf der Popkomm mit einem Skatekollegen unterwegs, der ein SWAT-Shirt anhatte. Das hatte der in Barcelona auf der Kirmes oder so erworben. Jedenfalls war da so ein Rambotyp drauf, mit MG in der Linken und am Seil hängend mit der Rechten. Drüber stand groß SWAT. In Köln vor dem Refused/Samiam-Konzert kommt dann ne Alte auf uns zu, labert ein wenig mit uns und fragt unseren Kumpel, was das für ein SWAT-Shirt wäre.

Denn es gebe da eine gleichnamige Gang in Köln. Der meinte dann: „Nee, nee, das ist ne Band aus Koblenz…“ That’s it. Beim Flyermachen haben wir uns noch 1.000 Bedeutungen ausgedacht, so was wie Sexy White Antisocial Teenagers und so’n Mist. Das waren alles Momentaufnahmen. Bitte jetzt nicht fragen, ob wir Faschos sind, wegen dem White… Heute heißt es einfach THE SWAT, die Bedeutung steht in jedem Dictionary.

Eure Einflüsse sind laut bereits erwähnter Seite Reagan Youth, Black Flag, LA’s Wasted Youth, Beastie Boys, DFL, Meatmen, Fear, Dwarves, Suicidal Tendencies, Verbal Abuse, Filth, Poison Idea…könnte man sagen, dass das alles super geile Bands sind und das demzufolge THE SWAT im Prinzip auch super geil sind:)?

Christian: Natürlich kann man das sagen. Andererseits kann man auch fragen: Wer würde schon Schrottbands zu seinen Einflüssen erklären? Da ich die Bands ausgesucht habe, kann ich aber auch gerne ein paar Worte dazu sagen: Ich finde, dass jede dieser Bands in irgendeinem Aspekt von SWAT wiedergefunden werden kann. Das sind nicht nur irgendwelche Lieblingsgruppen, die sinnlos aufgezählt wurden, sondern entweder Bands, die wir gecovert haben, die soundmäßig unsere Vorbilder sind oder die Attitüde mäßig, zum Beispiel auch in Sachen Provokation und Texte genau in die selbe Kerbe hauen. Ich würde SWAT als uneheliches Kind eines Gruppensexgelages all dieser Bands bezeichnen. Also vom Humor her geht bei uns beispielsweise genau in die Richtung wie Meatmen, Dwarves und Fear, obwohl die jetzt nicht alle drei exakt denselben Sound haben…

Auf einer Skala von eins bis zehn, wobei zehn „supergeil“ und eins „nix gut“ bedeutet, wo seht ihr euren Eindruck von der momentanen HC Szene? Hey, warum so negativ :-)?

Christoph: In der letzten Zeit habe ich mir über so was gar keine Gedanken mehr gemacht. Hardcore bzw. Punk hat mich vor Jahren dazu angeregt, einiges aus kritischen Augen zu betrachten und reflektieren „gelehrt“. Gleichermaßen hätte ich ohne die „Hardcore-/Punkszenen“ ein paar sehr gehaltvolle Menschen nicht kennen gelernt, einige großartige Abende anders verbracht und hätte vielleicht eher eine reine Konsumhaltung angenommen. Aus diesen Gründen kann ich selbst die momentane „Szene“ nicht verdammen, weil sie bestimmt immer noch einige Menschen erreicht, positive Denkanstöße sowie Aktivitäten auslösen kann und mir immer noch hin und wieder angenehme Abende einschließlich netter Konzerte beschert.

Demgegenüber bewegt sich in der Szene wie eh und je ein Großteil an verfahrenen Idioten, die durch ihre Betätigungsdränge, Plattensammlungen und vielleicht angelesenen „Szenekenntnisse“ das Prestige erhaschen wollen, das ihnen außerhalb jeder Jugendkultur verwehrt bleibt. Und über all das hinaus kann man das Gros der täglich erscheinenden, neuen Tonträger und Bands im Hinblick auf deren Musik und auf deren Texte eben nun mal in die Tonne kloppen. Denn leider irren einige, wenn sie denken, dass Fettflecke wie neu werden, nur weil man sie regelmäßig mit Butter beschmiert. Eine von dir gewünschte Bewertung habe ich bewusst auslassen, aber ich hoffe, dass dir das trotzdem als Antwort reicht.

Christian: Ich kann da eigentlich nur so Standardkram drauf antworten, weil ich mit „der Szene“ eigentlich nix mehr am Hut habe. Es gibt kaum aktuelle Bands, die ich gut finde, und ich gebe auch zu, dass ich da gar nicht auf dem Laufenden bin. Mailoderkataloge und so n’ Kram interessiert mich auch einfach gar nicht mehr so. Und Bands, für die ich mich ins Auto setzen würde, kannste an einer Hand abzählen. Also und was die ganze Emo und Metalschiene angeht, damit konnte ich noch nie etwas anfangen. Das ist für mich einfach nicht Punk (also auch nicht Hardcore). Ich muss natürlich aufpassen, dass ich da jetzt nicht so „Früher war alles besser“-mäßig daherkomme.

Für mich waren halt die 90er die coole Zeit, da haben bestimmt alle 80er Leute auch schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und heute gibt’s halt Kids die denken, dass das was heute abläuft das coole Ding ist und Hardcore und Szene und überhaupt. Für die fühlt sich das vielleicht genauso an, wie für mich damals. Trotzdem war’s früher vielleicht einfacher. So Anfang der 90er war’s beispielsweise immer noch so, dass man, wenn man in einer anderen Stadt war und nicht wusste, wo es zum Konzert geht und man sah dann jemanden mit blondierten Haaren, konnte man dem todsicher hinterhergehen, weil das klar war, dass der dazugehörte.

Alles war noch etwas kleiner und authentischer. Heute weißte nicht mehr unbedingt, ob du jemand „Echten“ vor dir hast, wenn einer Nietengürtel und gefärbte Haare hat. Man kann einfach nix mehr einschätzen. Aber egal, so ist das halt… Natürlich höre ich immer noch viel alten Hardcore und Punk Rock und hab ja auch noch ne Band und geh auch mal auf’n Konzert. Also ich glaube, das bleibt schon noch ne Weile so.

Könnte man sagen, ihr seid im Prinzip die konsequentesten Vertreter oder Nachfolger von HAMMERHEAD?

Christoph: Also Jan, ich bitte dich! Wir sind überhaupt keine „konsequenten Vertreter“ und erstrecht keine Nachfolger von HAMMERHEAD. Eine derartige Behauptung wäre ja mehr als lächerlich und entwertend. Denn erstens ist das totaler Quatsch und zweitens haben wir in keiner Weise jemals so etwas ansatzweise versucht. Ich will nicht bestreiten, dass ich etwas dagegen hätte, ähnliche, der heutigen Zeit angeglichene Wege zu gehen. Im Prinzip verbindet beide Bands jedoch nur die Tatsache, dass alle Beteiligten in ihrem Leben irgendwann mal in der Neuwieder Schlossstraße eine kleine Pizza zum Mitnehmen bestellt haben und im Anschluss Hellmut in seinem New Born Fire Streetshop schmatzend und mit vollem Mund auf den Sack gegangen sind.

Christian: Also ich muss das relativieren. Ich fühle mich über einen solchen Vergleich natürlich riesig geschmeichelt und gebe das auch gerne zu. Hammerhead waren einfach die wichtigste deutsche Hardcoreband der 90er Jahre. Was die alles gemacht und erreicht haben, da sind wir meilenweit von entfernt. Und ich glaube, das kann man in der Form und auf dem Weg, den die gegangen sind, nicht auf heute übertragen und das ist heute auch nicht mehr machbar. Wir können einfach nicht mehr mit Bands wie Gorilla Biscuits oder Yuppicide spielen.

Ich weiß, dass das bei mir immer so schleimig rüberkommt, aber ich finde das nicht schlimm, weil die Band für mich wie gesagt einfach wichtig war und die werden von mir immer den Credit bekommen, den sie verdient haben. Was SWAT in diesem Zusammenhang betrifft finde ich, dass es da vielleicht schon insofern Gemeinsamkeiten gibt, als das wir da wahrscheinlich aufgrund dieser Biografie die gleiche Auffassung von Hardcore und Punk Rock haben und auch gerne ein wenig rumprovozieren. Also insofern haben Hammerhead schon eine Lücke hinterlassen, die wir gerne füllen. Meinst du das?

Euer Motto heißt ja “ANTI-PC, ANTI-SCENE AND MOST OF ALL ANTI-YOU!” – wenn ich ehrlich bin, erinnert mich dieses Provokationsteil immer sehr an das Wasted Paper, wo die auch immer gegen alles waren und immer sich darüber beschwert haben, dass einer der Vorteile, die die meisten Leute im Fanzinemachen sehen, nämlich Leute kennen lernen, aus ihrer Sicht ein Nachteil ist, weil sie die meisten Leute scheiße finden… Ja eh, dachte ich mir zu der Zeit, warum machst du dann nen Zine, ne Band? Und anti-pc, ihr meint damit die ganze ANTIFA-Szene oder was? Die kann man immer sehr einfach provozieren, das macht Spaß, aber irgendwie… diese ganzen Provokationsbands… denkt ihr, heute sind eher so Bands wie SEEIN’ RED notwendig oder mehr so Provobands?

Christian: Das Motto gab’s bei uns schon im FCZ und dort sind wir ja gerade früher extrem vom Answer Me! beeinflusst gewesen. Mit „Anti-Scene“ ist tatsächlich gemeint, dass wir keinen Bock auf Schubladendenken haben. Ich werde das nächste Jahr 30, da braucht man sich doch echt für nix mehr zu rechtfertigen. Wenn ich Bock habe, einen Song von 50 Cent zu hören, mach ich das halt. „Anti-Pc“ ist ja auch klar, oder? Ich meine, zieh dir einfach noch mal die Bands rein, die wir zu unseren Einflüssen zählen und du weißt Bescheid. Das hat doch nix mit der ANTIFA zu tun oder damit, dass die natürlich viele wichtige Sachen machen. Ich kann aber meine Zeit nicht damit verschwenden, politisch korrekt zu reden oder so was. Das lass ich mir einfach nicht vorschreiben. Mit „Anti-You“ bist nur du persönlich gemeint.

Christoph: Im Übrigens hat mich das WASTED PAPER so wenig beeinflusst, wie der schwule Zani den Papst Benedikt. Meiner Ansicht nach sind genau so wenig Bands wie die „über(un)korrekten“ SEEIN’ RED oder wie irgendwelche Provobands, die nichts anderes als „Provokation“ im Sinn haben, eher oder weniger notwendig. Fakt ist, dass ich mir vielleicht lieber mal einen Songtext von SEEIN’ RED als einen von den der SONS OF TARANTULA durchlese. Dagegen sehe ich mir die SONS lieber live an.

Grüße an die TRUST Leser?
Christian: Ja, ja, schönen Gruß. Wir suchen übrigens ein Label. Tschö.

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: http://www.myspace.com/theswat

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