Mai 2nd, 2019

THE SLACKERS (#75, 1999)

Posted in interview by Thorsten

Wie locke ich eine Band aus der Reserve, von der man alles Andere erwartet als harte Worte des Protestes. Bei den sonst musikalisch so relaxt wirkenden traditionellen SKA Formation The Slackers genügte eine zitierte Kritik zu ihrem neuen Longplayer „The Question“, die mit den Worten endete „Retardo-Laid-Back-Stoner-Vibe-Christ-Hippies“. Super, das Eis war gebrochen, alle redeten durcheinander und waren damit beschäftigt entweder zu beweisen mit Hippies nun wirklich nichts zu tun zu haben oder keine gläubigen Christen zu sein, wie die Aufmachung des Albums vielleicht suggerieren könnte. Inmitten dieses Trubels gelang es mir Sänger und Orgelsspieler Victor Ruggiero für ein kleines Interview zur Seite zu nehmen. Einleitend entschuldigte sich Vic für seine Band, oder wie er es Ausdrückte „Put it down in the interview, that I said my band is a bunch of assholes.“ Die Stimmung war also gut und es folgte ein lockeres Gespräch.

Zur Zeit läuft dieses traditionelle SKA Ding äußerst erfolgreich. Bands wie Hepcat werden auf den einschlägigen Musikkanälen gesendet, trifft das auf euch ebenfalls zu, merkt ihr was von dieser Entwicklung?

Wir wollen durchaus Videos aufnehmen, ob das aber wirklich soviel hilft ist nicht sicher. Aber es tut sicher nicht weh, daß hinter unserem Label nunmal Leute von Rancid stecken oder Hepcat einen solchen Erfolg haben. Es gibt genügend Leute die in erster Linie Fans von dem Label sind und die genau wissen was sie bei einem Album das auf Hellcat Rec. erschien erwartet, eben „rootsy Punk and rootsy SKA“. Auch in Europa gibt es diese Reaktionen speziell auf das Label.

Ist der große SKA Hype in den USA ansonsten nicht langsam zu Ende?

Swing ist das nächste Ding, das behaupten auf jeden Fall alle. Das sind aber nur Tricks, die von den Plattenfirmen benutzt werden. Wenn die Plattenfirmen Bands haben, die endlich was verkaufen sollen, wird ihnen einfach ein Stempel aufgedrückt. Also wurde über eine Rock and Roll Band gesagt sie wären eine SKA Band und du fragst dich „What the hell is SKA about that“. Und jetzt nehmen sie einen Rockabilly wie Brain Setzer von den Stray Cats und behaupten es wäre Swing, für dich bleibt es aber Rockabilly mit Bläsern. Mittlerweile werden auch wir als Swing Band hingestellt, nur weil wir eine große Besetzung mit Bläsern haben und die Veranstalter schreiben Swing-SKA auf die Tickets, um sie zu verkaufen. Für uns ist das nicht so schlimm, denn der Unterschied liegt ja nur im Beat der Musik.

Ihr seid auch in Europa keine unbekannten mehr und das ist ist nicht eure erste Tour hier, haben sich grundlegende Dinge geändert?

Definitiv kommen mehr Besucher zu den Konzerten, dadurch entsteht eine bessere Atmosphäre. Für uns ist es einfach nach wie vor wichtig, genau diese Art von Musik zu spielen. Es bedeutet uns sehr viel wenn in den selben Hallen wie auf der letzten Tor, plötzlich doppelt so viele Leute sind. „We keep that train going“. Letztens hörte ich hier aber jemanden sagen, daß das schlimmste für die SKA Szene in Europa ein großer Hit wäre. Alle die seit langer Zeit mit der Musik verbunden sind, würden sich abwenden und alle die dann zu der Musik gefunden haben, würden nach dem kommerziellen Erfolg wieder vom Zug abspringen. Das glaube ich auch und halte es für sehr wichtig, daß SKA mehr oder weniger im Untergrund bleibt.

Da ist natürlich auch ein Unterschied zwischen Europa und denn USA, wo die Musik ein Hype war und nicht wie hier in den letzten Jahren einer bestimmten Szene vorbehalten.

„In Europa kommt dazu, daß die Leute trotzdem sehr offen sind, wenn sie den Beat mögen lassen sie sich nach kurzer Zeit überzeugen. In Amerika kommt es darauf an wo du bist, so hast du in Florida junge Kids, aber in Kalifornien sind durchaus viele Skinheads, Mods und so bei den Shows.(es folgte ein Auflistung vieler Städte in den USA die sich von den Konzertbesuchern her absolut voneinander unterscheiden). Aber es ist auch die Art von Ska die verschieden ist, die New Yorker Bands lassen sich schwer mit welchen aus Los Angeles vergleichen.

Natürlich seit ihr vom Sound her eine sehr traditionelle Band, aber auf dem neuen Album kommt auch ein gewisser Flair englischer Gruppen zum tragen, wie bei dem Stück „Face in the crowd“, wo liegt bei euch die Schnittmenge der Einflüsse?

Ich weis manchmal gar nicht wieso uns die Leute immer als traditionelle SKA Band bezeichnen. Natürlich war der Two Tone Stil irgendwie ein ganz eigener, aber letztendlich ist es einfach SKA und so sehen wir uns auch. Wir mögen eigentlich alles in diese Richtung, aber auch viel Rock and Roll, Soul. We dig in every place.

Dies ist ja nun das erste reine SKA Interview für das Trust, wie würdest du unsere Leser von eurer Liebe zu dieser Musik überzeugen, für viele steckt dahinter schließlich nur der Gedanke, es sei belangloser Sommer, Sonne gute Laune Sound?

Zum einen steckt schon irgendwie ein Lebensgefühl dahinter. Besonders in den USA drückt SKA auch ein Gefühl von Freiheit aus, viele verschiedene Kulturen werden durch diesen Beat verbunden, somit ist die Bewegung dahinter sehr antirassistisch und offen. Zudem ist es einfach schöne Musik, nah am Jazz und Blues, den 50ern und 60ern, so vieles gehört dazu, das macht SKA einfach zu dem was ich spielen möchte, it´s not just one thing, it´s everything.

Die nächsten Minuten drehten sich um den Tod von Roland Alfonso, seines Zeichens Saxophonspieler der legendären Skatalites. Plötzlich kam die Frage auf, ob nach dem Tod in den Reihen der Band eine Ära zu Ende geht oder eine neue beginnt?

Die Skatalites werden weiter bestehen, zumal Lloyd Brevett der Frontmann ist. Für uns wird es durch diese Vorfälle noch wichtiger mit dieser Musik weiterzumachen. Wir haben viel von ihnen gelernt und gerade Roland zeigte uns viel, unser Drummer bekam von Lloyd Knibb sogar spontan Unterricht. Wir konnten immer viele Fragen an sie richten und ihr Orgelspieler war an den Aufnahmen zu unserer Platte beteiligt. We don´t wanna copy, we wanna learn from the right guys.

Das Konzert ließ dann ebenfalls keine Wünsche offen. Als gelungener Ersatz für das ausgefallene Vorprogramm, spielten P.A.I.N. Endlich bekam ich die Chance die Engländer leibhaftig zu bewundern, nachdem man in den vergangenen Jahren immer wieder vergebens vor den verschiedensten Konzertläden auf die genialen Dub-Punks wartete. Obwohl in Bremen sicher nicht wenige Zuschauer wegen der ersten Band in den Magazinkeller kamen, hatten die Slackers kein Problem alle auf ihre Seite zu ziehen. Zwischendurch macht es einfach Spaß so „richtigen Musikern bei ihrer Arbeit zuzusehen“, vor allem wenn das Konzert trotz aller Professionalität, nicht steril und lustlos wirkt. Die acht Amis fanden einfach den richtigen groove, egal wie abgedroschen ein solches Wortspiel klingt.

Interview: Malte Prieser

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