April 3rd, 2019

THE FLYING LUTTENBACHERS (#70, 1998)

Posted in interview by Thorsten

EINE (KURZE) EINLEITUNG…

was zum teufel sind die flying luttenbachers? ein haufen verquirlter satanisten, kunststudenten- kram, hippies auf ganz fiesen drogen? nun, wie sich herausstellte ist der flying luttenbacher etwas ganz anderes!

 

EIN BANDBIOABRIß…

chicago usa, dezember 1991, die musikstudenten weasel walter (schlagzeug, klarinette, kompositionen) und chad organ (tenor sax) gründen zusammen mit ihrem professor hal russel die flying luttenbachers als free jazz trio. der erste auftritt für ein lokales radio erscheint als tape unter dem titel ‚live at wnur 2-6-92‘. hal russel stieg bereits ein jahr später wieder aus, da sich immer stärkere musikalische differenzen zu weasel ergaben, der strukturiertere musik machen wollte. für hall russel stieg ken vandermark (sax und klarinette) ein. in dieser besetzung wurden die beiden 7″’s ‚546 seconds to noise‘ und ‚1329 seconds to noise‘ aufgenommen. zu den aufnahmen des ‚constructive destruktion‘ albums im dezember 1993 stießen zusätzlich noch jeb bishop (baß und posaune) und dylan posa (e-gitarre) zu den luttenbachers. bereits hier zeichnete sich vage der später ungemein stärker werdende noise-einfluß ab. nach der 1994’er lp ‚destroy all music‘ brach die band auseinander. bis weasel walter 1995 mit chuck falzone (gitarre) und bill pisarri (bass) neue mitstreiter für eine richtige band gefunden hatte, spielte er den alleinunterhalter am schlagzeug begleitet von tapeeinspielungen. durch den abgang des klassischen free jazz instrumentariums und die reduzierung auf drums, gitarre und bass änderte sich auch der luttenbachers-sound radikal. ‚the revenge of the flying luttenbachers‘, die erste veröffentlichung 1996 in dieser besetzung, war eine ausgeburt an brutalen hektischen noise (rock) attacken ohne jedoch den alten free jazz background ganz über bord zu werfen. dieser tage ist nun ein neues album namens ‚gods of chaos‘ erschienen.

 

1. AKT: EIN INTERVIEWFRAGMENT MIT WEASEL WALTER (WW), BILL PISARRI (BP) UND CHUCK FALZONE (CF)…

ok, was zum teufel sind die flying luttenbachers? ein satanistischer menschenfressender haufen durchgeknallter schlachter, oder handelt es sich eher um eine art musikstudenten-projekt?

ww: hast du sonst noch irgendwelche optionen zur auswahl?

na ja, eure shirts mit den 666-aufdrucken und dem pentagram machen schon einen mächtig satanischen eindruck, ziemlich evil.

ww: ja, du siehst auch reichlich verängstigt aus.

das kannst du wohl laut sagen

ww: und wir werden uns deine ängste zu nutze machen.
bp: hallo ’sehr verängstigter‘, ich bin ’sehr kranker‘.
ww: also, wenn du es genau wissen willst, wir machen rituelle musik, die dem untergang der menschlichen rasse geweiht ist. wenn du unser neues album ‚gods of chaos‘ hörst, das man über agog mailorder bekommt, wirst du herausfinden, daß es so eine art schlüssel zu einer halluzination ist, die ich über den untergang der menschlichen rasse hatte. die einzigen überlebenden waren wir 3 und der flying luttenbacher, ein 100 meter großer grün leuchtender roboter, der sich in einem unterirdischen winterschlaf befindet.

wie ist das so, wenn ihr drei die einzigen menschen auf der erde seid?

bp: es ist nicht so sehr viel anders. wir wurden auch vorher nie flachgelegt, also, es ist ok.
ww: nun, wir werden anfangen uns aneinander zu vergreifen, so viel ist sicher. soweit ich das sagen kann, wird der roboter letztenendes durch ein glasähnliches material durch die erdoberfläche brechen, um in einem endlosen flugzeug aus blauem gras in die unendlichkeit zu verschwinden. dort ist es dann sehr ruhig, so eine art vakuum, alle geräusche hören auf zu existieren. das ist das was ich über die ganze sache sagen kann. wir haben auch nicht alle antworten. wir sind nur ein instrument, durch welches diese dinge kanalisiert werden.
bp: die musik trägt dich zu anderen orten und galaxien (gelächter allenthalben)
ww: ok, schneide das raus. (nochmal gelächter)

noch vor ein paar jahren seit ihr eher ein free jazz projekt gewesen. nun habt ihr euch aber immer mehr in die ecke des free jazz based noise rock orientiert. wird sich diese tendenz in der zukunft fortsetzen, also ein wachsender noise rock faktor?

ww: wenn du in so simplen schemen denken mußt würde ich dir sicher zustimmen. aber ich denke nicht, daß in einer reihe auf nummer 1, 2, 3, 4, 5 die nächste sequenz zwangsläufig 6 sein muß. genau so gut kann es nummer 12 sein. nun ja, ich weiß auch nicht genau was ich dir dazu sagen soll. free jazz war sehr wichtig für mich als ich aufgewachsen bin. und die früheren bands hatten sicher, was du free jazz-einfluß nennen würdest. es basierte alles sehr auf improvisation. ich meine, wir improvisieren auch in dieser band noch ein wenig. die musik ist nunmal das resultat der chemie aller beteiligten in einer band. und ich denke auch, daß alle elemente aus unseren anfangstagen auch heute noch in unserer musik vorhanden sind. nimm nur unser erstes album ‚live at wnur‘. da findest du dieselben sounds, dieselbe energie, dieselbe gewalt, die du auch heutzutage bei uns hörst. für mich ist es nicht nötig die band auf diese art und weise zu analysieren. unsere entwicklung ist wie alles, sie hängt davon ab, wie wir uns gerade fühlen und wer in der band ist und was sie spielen wollen.

es ist also nicht so, daß ihr bewußt die noise-rock schiene fahrt?

ww: natürlich nicht! es wird sich auch schon bald wieder davon fort entwickeln.
bp: das sind alles keine bewußten entscheidungen. wir hören sehr unterschiedliche musik. und ich denke, wir werden durch musik und kunst und filme und literatur und etc. und etc. und etc. beeinflußt. aber es ist nicht so wie, hey laß uns dies und dies und dies tun. es dreht sich mehr um das miteinander arbeiten. und um das finden der richtigen energie durch improvisationen und verschiedene strukturen und ideen. es gibt mehr arten songs zu schreiben als nur ‚hier ist was ich geschrieben habe. spielt diese noten!‘. wir versuchen diese möglichkeiten zu untersuchen.

liege ich also richtig damit, daß die musik ein produkt eurer zusammenarbeit ist und es keinen mastermind in der band gibt?

bp: nun ich denke, daß weasel in der vergangenheit das meiste unseres materials geschrieben hat. aber auf den letzten beiden alben, seit chuck und ich bei der band sind, basiert alles auf einem kollektiv. so kommt es mir zumindest vor. nun es gibt auch kompositionen die weasel, ich oder chuck ganz alleine geschrieben haben, die spielen wir auch. aber mir bringt die musik mehr, wenn ich sehe, daß wir alle unsere sachen einbringen. wenn wir damit improvisieren um die struktur herauszufinden, wie sie am besten zusammen passen. ich mag es wenn wir konkrete vorstellungen bearbeiten. wie zum beispiel, hey ich würde gerne sehen, daß das und das im song passiert. was passiert wenn der song blutet. laß uns versuchen, das zu illustrieren.

ist es bei euch so, daß ihr songs im herkömmlichen sinne schreibt? oder basiert so ziemlich alles auf improvisation?

ww: zum jetzigen zeitpunkt ist unsere musik sehr strukturiert. der unterschied zwischen komponieren und improvisieren ist sehr klein. es hängt davon ab wo du den trennstrich ziehen willst. eine komposition ist doch nichts anderes als eine improvisation an die du dich erinnern kannst. wir scheren uns eigentlich nicht so darum diesen trennstrich zu ziehen. in dieser band, rein technisch gesehen, gibt es momente der improvisation, aber wir prahlen da nicht mit rum. unsere musik ist sehr offen und wir versuchen dies auch untereinander zu sein in einem sinne, daß wir die komposition in jede richtung tragen können, die wir wollen. auch wenn es gegen die wünsche der anderen ist. akzeptieren wir die variablen des lebens? die tatsache, daß man fehler macht z.b. du hast die wahl diese fehler zu großen fehlern zu machen oder etwas neues daraus zu schaffen, musikalisch gesehen. wir versuchen immer diese offenen ideen willkommen zu heißen. improvisieren ist ein aspekt dieser variablen.
bp: es gibt gute und schlechte fehler
ww: genau. ich denke daß spontane eingebung sehr viel mit diesen dingen zu tun hat. wenn du dich von einem fehler runterziehen läßt, ist das schlecht. wenn du aber stolz darauf bist und ihn immer wiederholst und deine musik änderst um sie an deine stimmungslage anzupassen… in dieser richtung sind wir sehr offen. viele bands sehen daß sicher ähnlich. ich denke, weißt du.. ach, I don’t give a fuck about other bands.

 

INTERMEZZO…

genau so wie weasel sich wenig um andere bands schert, kümmerte es den akku der aufzeichnungsmaschine, daß wir uns hier gerade in einem interview befanden. ganz seinen eigenen, oder war es ein vorherbestimmter, weg gehend, verabschiedete er sich in die ewigen jagdgründe der batterieentsorgungsstellen. so trug es sich also zu, daß, bis das maleur bemerkt wurde, weasel und co so gute 20 minuten vor sich hin plauderten ohne, daß dies adäquat rekonstruiert werden könnte. unter anderem ging es um die frage, weshalb die luttenbachers nie auf gesang gesetzt haben. nun offenbar hat es sich einfach nicht ergeben. zu dem, ist man der meinung, daß eine stimme, wenn man sie denn benutzt, auch eher als weiteres instrument zu sehen sein sollte. auf dem aktuellen album, daß ich leider nicht kenne, sollen wohl auch vocals enthalten sein. wobei man sicher nicht von gesang ausgehen kann. wenn weasel von der stimme als instrument spricht, ist eindeutig, daß es sich eher um geräusche jeglicher art handeln wird. generell werden vocals also nicht abgelehnt. man ist ja wie gesagt offen für alles, aber ein sänger im herkömmlichen sinne wäre auch denkbar fehl am platz. auf die frage ob live gigs oder ihre platten die band besser repräsentieren würden gab es ellenlange monologe. live gigs und studio-arbeiten seien zwei sehr verschiedene, kaum vergleichbare sachen, hieß es. persönlich ziehe man aber die live auftritte vor. irgendwie kam hier auch wieder der flying luttenbacher ins spiel, dieser grüne roboter. aber himmel, ähh nee hölle, ähh nee satan, daß bekomme ich beim besten willen nicht mehr auf den schirm.

 

2. AKT: EIN INTERVIEWFRAGMENT…

wie läuft die tour denn so? ist euch irgendetwas außergewöhnliches passiert, etwas sehr seltsames? als zum beispiel 1996 melt banana hier in der glocksee gespielt haben, waren da diese zwei death metal typen. die haben die band das ganze set durch angeschriehen mit sachen wie ‚we’ll kill everything for you!‘ oder ‚you’re japanese death‘. ist euch etwas ähnliches passiert?

bevor jemand etwas sagen kann betritt muck, hamburger noise-szenegröße und tour-fahrer der band, die szenerie.
muck: wie war’s in slowenien?
ww: nett
muck: wie war das publikum in slowenien?
ww: sie haben zugeguckt. nun, es ist nichts außergewöhnliches passiert. das wirkliche chaos passiert auf der bühne. aber einmal von der bühne runter ist eigentlich alles ziemlich ereignislos verlaufen. ich meine, die tour läuft gut. wir hatten 30 auftritte und die band hat bislang sehr gut funktioniert, auf einem qualitativ hohem level. vor allem wenn ich das mit den shows der letzten 2 jahre in amerika vergleiche haben wir hier generell bessere shows gespielt. ich persönlich habe nicht so viel spaß an der tourroutine. aber es macht halt spaß zu spielen. ganz ehrlich, etwas verücktes oder so ist uns nicht passiert. tut mir leid, daß ich dich entäuschen muß. ich habe ungewollt einen spiegel kaputt gemacht, aber es ist bestimmt nichts aufregendes. sicher kannst du da ein wildes gerücht drum konstruieren, warum und wie ich das gemacht habe, um jemanden abzuschlachten?! es wird also kein tour tagebuch geben, weil es einfach nicht wirklich etwas darüber zu sagen gibt. wir haben gespielt und einige gute auftritte gehabt, das ist alles

und wie reagiert das publikum auf eure musik. immerhin spielt ihr nicht gerade so die typische art von tanzmusik. tanzen überhaupt leute zu eurer musik, oder liegt das gar nicht in eurem interesse?

ww: sicher, es wird nicht tanzmusik genannt. aber ich habe bislang jede nacht zu us-maple (mit denen sie touren) getanzt. aber es ist nicht so ein dämliches, bescheuertes tanzen, wo du in die hände klatscht zu diesem blöden groove. unsere musik muß man auf eine andere art fühlen. und ich glaube schon, daß leute dazu tanzen können. das publikum in europa ist meist sehr aufmerksam, sie hören zu und sehen sich etwas an. selbst wenn sie es nicht mögen, oder nicht unbedingt der meinung sind, es sei die beste musik die sie jemals gehört haben, hören sie dir trotzdem zu und versuchen zu verstehen, was wir da tun. für mich ist das ok. ich meine, wenn leute zu unserer musik total ausflippen würden und uns auf der bühne die köpfe abschlagen würden, wäre das auch ok. ähhm, zumindest solange dabei keinem etwas passiert. viele leute hier in europa haben uns eine menge intelligenter fragen zu unserer musik gestellt und zu chuck. ob er beispielsweise mit diesem 50 jährigem nachhause gehen wolle, einen joint rauchen…
bp: …und das handschellen spiel spielen.
ww: alles was du zu tun hast… also ich lege dir diese handschellen an und du trinkst das hier und dann wirst du meinen penis im anus haben.
cf: und dann wirst du morgens genau so aufwachen.
ww: aber er hat dieses angebot nicht angenommen.

niemand hat das gefragt!

ww: oh du irrst dich. nicht so direkt…
cf: aber es kommt dem schon sehr nahe.
ww: wir haben ein motto auf dieser tour. es lautet nw = np. das steht für ’no wave = no pussy‘. wir sind die pathetischste band mit der rich burnett jemals getourt ist…
bp: leg uns flach.
ww: …zumindest in bezug auf jegliche art von zuneigung. dabei wollen wir doch nichts anderes. ein paar küsse, einfach nur von einer lovely lady in den arm genommen werden wäre toll. nicht mal so weit ist es gekommen.
muck: ihr habt das vorher nicht erwartet also bekommt ihr es auch nicht.
ww: vielleicht. aber in wieweit ist in dieser welt etwas von wunschträumen abhängig?
bp: ok, nächste frage.

eure musik ist ziemlich hektisch. ist das euer innerstes selbst, daß durch die musik zum ausdruck gebracht wird?

ww: absolut. jeder in dieser band versucht etwas zu tun, daß über das hinausgeht was von einem musiker oder performer erwartet wird. we are trying to fuck shit up. es gibt so viele mittelmäßige uninspirierte bands. selbst wenn wir scheitern, haben wir so gut wir konnten versucht etwas anderes zu bieten. oder über das erwartete hinauszugehen, schneller, wilder und intensiver zu sein. wir stellen uns nicht hin und sagen, hey wir sind die intensivste band überhaupt. es gibt immer jemanden, der die dinge besser macht. wir versuchen nur musik zu machen, die wir gerne hören und hoffentlich auch anderen leuten etwas gibt. und ein langweiliger 4 akkord punk song über die freundin muß schon ziemlich gut sein, um aufregend zu sein. heutzutage ist es für uns einfach eine größere herausforderung rockmusik zu machen die extrem abgefucked ist. wo sachen passieren die du nicht erwarten würdest, und wo du sounds und strukturen hörst, die ungewöhnlich sind. versteh mich nicht falsch. dies ist keine bewußte entscheidung, anders zu sein. aber es ist sehr wohl eine bewußte entscheidung, nicht faul zu sein bei der vorantreibung dieses prozesses, und alles zu versuchen, zu versuchen durch’s leben zu kommen, zu versuchen, zu überleben, einfach nur arsch zu treten.

eine menge eurer auftrittsorte bei dieser tour, wie das ajz in bielefeld oder die rote flora in hamburg, sind linkspolitische zentren. identifiziert ihr euch mit der politischen haltung dieser läden? oder spielt ihr da nur, weil ihr dort eben spielen könnt?

cf: da haben wir kein fleisch zu essen bekommen
muck: müßte man vorher aber nochmal klären, ob es unterschiede zwischen der amerikanischen und deutschen linken szene gibt.
ww: stimmt. wir interessieren uns nicht für politik im sinne von, die demokraten sind links und die republikaner sind rechts. etwas vage gesagt ist politik einfach nur das ergebnis menschlichen handelns, abstrakt gesehen. und das interessiert mich. wenn es aber zu diesem spiel wird wo du baseballkarten sammelst, xy ist ein demokrat yz ist ein linksradikaler etc. etc. verlieren wir das interesse. oftmals werden durch dieses verhalten nur die wahren probleme verschleiert. keiner von uns ordnet sich einer bestimmten politischen ausrichtung oder philosophie zu. ich beurteile dinge aus meiner ganz persönlichen situation heraus. der unterschied zwischen deutschen und amerikanischen linken, denke ich, besteht im wesentlichen in den themen, mit denen sie sich beschäftigen. amerika hat andere probleme als europa. obwohl es manchmal schwer ist, da zu trennen. die dinge sind nicht immer so schwarz und weiß. die politischen sachen, ich weiß nicht ob ich darauf so gute antworten geben kann. was unsere auftritte in besetzten häusern oder autonomen zentren angeht kann ich nur sagen, daß die leute dort uns gegenüber sehr offen sind, und die unsere art von musik präsentieren. es ist ja nicht gerade mainstream-musik die an die massen verkauft wird. die massen könnten unter umständen vielleicht sogar etwas mit unserer musik anfangen. aber darüber mache ich mir keine gedanken, denn wir sind nicht teil dieses politischen spiels der musikindustrie. ich habe kein verlangen danach ein business typ zu sein, der nebenbei noch etwas musik macht. ich spiele lieber musik und versuche etwas intensives zu machen. alles was ich über diese zentren wo wir spielen sagen kann ist, daß wir dort kein fleisch zu essen bekommen.
bp: alles ist eine frage der ökonomie. jeder muß mit diesen strukturen fertig werden. es ist für jeden schwierig, egal wo du bist, künstlerisch tätig zu sein mit dem bißchen geld, das du hast. außerdem muß man noch seinen lebensunterhalt bestreiten. und das wird immer schwieriger. diese 3-4 klassengesellschaft entwickelt sich immer mehr zu einem sehr reichen und einem sehr armen teil. also, für uns ist es auch sehr schwer. wir haben alle andere jobs. wir könnten uns nicht leisten, dies vollzeit zu tun. wir versuchen dinge in unserem leben zu tun, die wir nicht hassen, und für die wir uns nicht hassen müssen. viele leute sind glücklich, für greenpeace zu arbeiten. ich persönlich würde nicht glücklich damit sein. das wäre zu hart für mich. wenn das schäbig ist, nun, dann sei dem so. es ist ok, wenn das andere leute machen können und wollen, aber diese dinge sind nicht für jederman gemacht.
ww: da kam ein typ zu uns und meinte es sei das letzte, fleisch zu essen. und er fragte uns, ob wir fleisch essen. bill sagte, ja und ich genieße es. und er sagte, das sei bullshit. meine persönliche haltung dazu ist, wenn jemand kein fleisch essen möchte, fein, das ist sein gutes recht. ich esse aber fleisch und zwar gerne. ich mag einfach kein gemüse. wenn es anders wäre, würde ich es vielleicht auch essen, weil es ja auch eine gesundheitliche frage ist. aber ich bin ein produkt meiner umgebung. wenn es da etwas in deinem leben gibt, dessen veränderung dich nicht kümmert, nützt dir auch noch so viel disziplin nichts. ich denke es ist furchtbar, daß jegliche art von leben in diesem universum anderes leben auslöscht. trittst du auf das gras auf dem boden ist das völkermord, wenn du das universum und den tod abstrakt betrachtest. ok, wir driften gerade etwas ab. wenn aber menschen so viel zeit damit verbringen darüber zu lamentieren was andere tun, und nicht darüber was sie selbst tun, denke ich, habe ich ein gewisses problem damit. ich meine, ich zeige nicht mit dem finger auf andere und halte ihnen dinge vor. und das ist doch genau der punkt. da war dieser typ der meinte, wir seien satanisch, weil wir dieses pentagram als backdrop haben. er kam und meinte, ihr habt dieses satanische zeichen auf der bühne, ihr seid satanisten, ihr seit dumm, ich will nichts mit euch zu tun haben.
bp: wir kamen gerade völlig durchgeschwitzt von der bühne und er kam an, hey ich will mit euch reden. na ja, immerhin hatte ihn unsere show bewegt mit uns drüber zu reden, großartig.
ww: aber er wollte nicht mit uns reden, sondern uns anmachen. und es gab nichts, was wir hätten diesem typen sagen können. für ihn waren wir satan und schluß, es war witzlos. alles was er wollte war sich selbst zu beweisen, daß er stark genug ist mit dem finger auf uns zu zeigen und uns zu sagen was wir sind. das sind so die punkte wo ich mich ausklinke. wenn seine rechnung von 1+1 gleich 3 ist, gibt es wahrscheinlich nichts, das ihn davon überzeugen könnte, daß das ergebnis 2 ist. vielleicht tötet er uns jetzt in seinen träumen, aber so ist die welt, so ist das leben.

passiert auch so etwas öfters, weil ihr fleisch eßt oder 666 auf euren shirts stehen habt?

ww: nein, nicht wirklich. wir machen das ja auch nicht um leute zu schocken.
bp: wenn leute wut und feindseligkeit in etwas sehen wollen, werden sie das tun. nur weil jemand ein 666 shirt trägt ist er nicht gleich ein satanist. ich meine, ist es ein grund mit leuten nicht zu sprechen, weil sie gepierct sind? die leute lassen sich sehr durch das äußere erscheinungsbild von anderen beeinflussen, anstatt einen tieferen blick ins innere zu werfen.

euer vorletztes album hieß ‚revenge‘. wofür habt ihr rache genommen?

bp: gute frage. für uns symbolisiert es ein comeback der flying luttenbachers. es heißt ja auch nicht nur revenge sondern revenge of the flying luttenbachers. auf gewisse art und weise ist es sehr dramatisch, so wie ein film. neben dem comeback war es auch eine größere veröffentlichung mit besserem vertrieb.
muck: habt ihr wirklich einen besseren vertrieb bekommen?
bp: sicher. vorher gab es keinen vertrieb und als wir mit skingraft angefangen haben zu arbeiten, gab es einen. nun, der albumtitel ist vielseitig auslegbar. für uns bedeutet er vorwiegend einen trennstrich zwischen der alten und der neuen band. so wie, scheiß auf den alten kram. Jeder, der die alten free jazz sounds mochte, war sicher ein bißchen überrascht und das ist ok so. that’s the revenge!

interview: torsten meyer

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