Mai 8th, 2019

THE DILLINGER ESCAPE PLAN (#76, 1999)

Posted in interview by Thorsten

bevor wir zu erkunden versuchen, ob THE DILLINGER ESCAPE PLAN als band etwas zu sagen haben, schauen wir uns erst einmal an, wie ihr infernales musikalisches gemetzel auf einige ausgesuchte probanden wirkt.

die meinungsmacherINNEN

axel (freund & elender wasted paper sympatisant):

heftige musik, gut zum abreagieren, nix für schwache ohren. wer das häufiger hört bringt entweder danach seinen nachbarn um, oder stürzt sich gleich aus dem fenster.

michel (freund, poppersau und ex-kilgore):

**konnte leider kein statement abgeben, da er sich beim plattenauflegen im celler loch so wichtig nahm, daß er keine gasttitel zuließ**

heike (kollegin & hippie schlonze):

ohohohaahoho, ganz schön heftig. also nichts für jeden tag. kann live ja ganz nett sein. aber so würde ich´s mir nicht anhören.

nils (freund & polit-gott):

ist mir zu hart.

hänäälainen (der wahre bayer des monats):

guter soundtrack für die nächste trampel-around-the-world-tour. bläst alles weg, was nicht mindestens so schwer ist wie Al.

jutta (vorsitzende der anonymen zynikerINNEN):

gibts dazu auch texte? ich verstehe kein wort. gott, wenn ich so etwas höre bekomme ich immer halsschmerzen.

stephi (kinderschänderin und stachelschwein dompteurin):

Seit wann kann man eigentlich Krankheiten musikalisch festhalten? Ich schreib‘ zu so nem Scheiß gar nix! Wie heißt denn das hübsche Lied? Tobsuchtsanfall im Kotzeimer?? Die sollten mal den Volkshochschulkurs wechseln, statt Aggressionsauf- und abbau beim Liedlein singen, eventuell gemütliches Beisammensein – laßt uns bei einem Wick-Hustenbonbon drüber reden….. Musikalisch gesehen sind die natürlich einsame Spitze – es kommt 2x die C-Dur-Tonleiter drin vor! Son Kack.

torsten (arrogantes schreiber arschloch & stachelschwein):

waaaaahnsinn. john zorn im knüppelcoreland auf der flucht vorm bösen metal hammer.

 

die tolle band

The dillinger escape plan… was zum teufel war sein plan? hat er hingehauen? und wer bitteschön ist überhaupt dieser dillinger?

Dillinger war dieser bank räuber… er ist nicht wirklich wichtig… ich bin mal in einen banküberfall geraten… eine faszinierende sache eigentlich…

na super, hätts vielleicht noch etwas dürftiger sein dürfen? ja? danke! bei etwas redseligeren interviewpartnern wäre vielleicht noch das ein oder andere detail über die ´faszinierende´ geiselnahme bei einem bankraub zu hören gewesen. oder vielleicht die ein oder andere kleinigkeit zur person john dillinger, der zwischen 1933 und 34 im mittleren westen der usa dutzende von banken ausraubte, verhaftet wurde, um kurz darauf mit einer aus holz geschnitzten pistolen attrappe wieder aus dem knast zu entkommen. wir hätten vielleicht erfahren, daß er von j. edgar hoover (fbi) zum public enemy number 1 erklärt wurde, oder etwa, daß er 1934 vor dem chicagoer biograph theatre von bundesagenten des fbi erschossen wurde. das interessanteste aber wäre sicher gewesen, zu erfahren, aus welchem grund man sich nach so einem ´tollen´ typen benennt. wahrscheinlich wieder einmal ein fall stumpfsinniger scheißehaufen glorifizierung.

Wie siehts im augenblick um die band aus? Soweit ich weiß, habt ihr einen gitarristen verloren und euer basser hatte einen schweren autounfall. Solche sachen führen bei anderen bands schon mal zum split. Wie sieht´s nun für die zukunft aus, geht noch was?

Unglücklicherweise hatte unser bassist in der tat einen sehr schweren autounfall, welcher zu einer querschnittlähmung bei ihm führte. Seit dem unfall arbeiten wir mit einem aushilfsbassisten… unser alter gitarrist john hat die band verlassen, um sich mehr auf schulische und persönliche dinge konzentrieren zu können. Wir haben aber mit brian einen neuen gitarristen gefunden. Er war vorher bei den inzwischen aufgelösten JESUIT.

die information, daß ben neben brian ebenfalls gitarren mißhandelt, daß dimitri der mikrophonbelastungstester ist, und daß chris gerne mal drums verhaut hätte dem musikjournalisten, als der ich neulich bezeichnet wurde, ganz gut gefallen.. nee mal ehrlich, da fragte mich doch neulich so ein wichtig-wichtel einer egalen band, ob ich musikjournalist sei. eigentlich wollte ich ja mit der band sprechen, doch nach dieser frage ging gar nix mehr. bin schön nach hause geeiert und hab die herren künstler mal machen lassen. satan, wasn scheiß. aber das nur am rande. nun ja, und wenn man nicht ganz blöd ist, verkauft man als band bei dieser gelegenheit auch noch taktisch klug, daß man mitte des jahres ein neues full length album aufzunehmen gedenkt, welches dann bitte alle kaufen sollen, weil es ja bestimmt ganz toll wird. naja, und daß man aus new jersey kommt muß man dem fanzine spackel ja nicht erzählen, weil der das, schlau wie er ist, selbst auf der homepage nachlesen kann. und wen bitte interessiert wie lange es die band gibt, womit man seine taler verdient, was man sonst noch so treibt blablabla. ich bitte euch, das will doch nun wirklich niemand wissen, ach nein, nie. mit so langweilerscheiß will uns der herr musiker natürlich gar nicht erst in den schlaf lullen. super.

Eure musik ist zweifelsohne ein recht rüder, brutaler und aggressiver gefühlsausbruch, der seine einflüsse im metal genau so hat, wie im hardcore und jazz. Versucht ihr als band die grenzen aggressiver musik neu zu definieren, quasi neuland zu entdecken? Seht ihr euch selbst als KÜNSTLER, welche strukturierte stücke am reißbrett vorzeichnen? Oder ist es mehr ein AUS DEM BAUCH HERAUS arbeiten, ein ventil für persönliche gefühlsausbrüche?

Ehrlich gesagt ist es ein bißchen von beidem. Wir versuchen natürlich schon die grenzen aggressiver musik auszureizen ohne dabei lediglich andere bands zu kopieren. Klar versuchen wir unser eigenes, einzigartiges ding zu kreieren. Aber auf der anderen seite sind wir auch einfach blos punk rock kids, die sich mit ihrer musik ausleben. Kids, die die band als vehikel benutzen, um all das, was sie beschäftigt und belastet, herauszulassen.

Texte… sind sie ähnlich extrem wie eure musik? Behandeln sie extreme persönliche situationen oder politische überzeugungen? Oder sind eure texte etwa nichts anderes als dieser 0815 HEY BABY I LOVE YOU quatsch? Nun ja, ich kann mir nicht vorstellen, daß solcher musik besonders gut zu liebeslied texten paßt.

Unsere texte drehen sich definitiv um persönliche dinge des lebens. Aber sie sind alles andere als straight forward. Sie sind in vielerlei hinsicht interpretierbar. Wir versuchen uns bei den texten auf kleine bereiche unseres lebens zu konzentrieren, kleine abschnitte, die uns, aus welchem grund auch immer, sehr bewegen. Wir hoffen natürlich, daß die texte dann zuhörer auf irgendeine art und weise ansprechen. Ich denke, unsere texte sind so geschrieben, daß leute ihre ganz eigenen sachen hinein interpretieren können.

Ihr seid auf einem metal label (relapse records). Führt das zu akzeptanz problemen in der hardcore szene? Dieser szene sagt man ja nicht unbedingt nach der tolerantesten einer zu sein.

Ehrlich gesagt hatten wir mehr schwierigkeiten mit der metal szene. Wir sind halt ganz einfach nicht die stereotypen metalheads. Keiner von uns hat lange haare, und wir tragen auch nur selten schwarze klamotten. I occasionally carry a leather whip around with me but that´s another story.

Was haltet ihr von der möglichkeit euren lebensunterhalt durch eure band aktivitäten zu bestreiten? Um es kurz zu machen: können KUNST und KOMMERZ überhaupt eine erfolgreiche ehe führen?

Ich denke schon. Ich würde sehr gerne von meiner band leben, obwohl ich nicht glaube, daß dies mit the dillinger escape plan möglich ist.

ich würde sagen, wir brechen hier einfach mal ab. bevor wir uns alle weiter mit standard antworten des herrn ben dillinger langweilen, sollten wir´s uns lieber kräftig mit dem musikalischen output dieses herrn besorgen. denn eben jener steht im krassen gegensatz zu all dem dünnen geschwätz, durch welches wir uns eben mühsam gekämpft haben. und wer dem interviewer nun vorhält, er hätte ja auch nicht gerade der schlausten, intellektuellsten und originellsten fragen welcher gestellt, kann sich mal gleich ein paar in die fresse abholen. all der hochgeistige fragenschlonz wurde nämlich vorbeugend schon einmal von der band unbeantwortet ignoriert.

interview: torsten/ stachelschwein

You can leave a comment, or trackback from your own site. RSS 2.0

Leave a comment

You must be logged in to post a comment.