September 2nd, 2019

T34 aus #147, 2011

Posted in interview by Jan

Premium Hardcore aus Hannover:
T34

Es geht immer weiter, so natürlich auch im Hardcore-Punk, ein aktuelles schönes Beispiel für eine neue geniale Band sind T34 aus Hannover, die gerade ihre erste Platte raus haben (mit den astreinen Titel „Premium Hardcore“). Die Band ist, denke ich, außer im Raum Hannover/Hamburg noch eher unbekannt, das sollte man ändern, das solltet ihr ändern durch fröhliches Konzerte buchen mit den sympathischen Aktivisten und Downloaden (legal natürlich). Echt belebend, wie viel hier gemacht wird, Mailorder, Label, Fanzine (Pain of Mind), Konzerte veranstaltet man im Stumpf in Hannover mit, so soll es sein. „t 34“ kannte ich als Song der Boxhamsters, bzw. dachte ich immer, das wäre ein Auto. Viel Spaß mit diesem kurzweiligen Interview mit Niko und Mupe von der Band!

 

Hallo Mupe und Niko, wie läuft es in Hannover?
M: Zgjxfzgjbhtjoenöipbuzse5iol&T%RU&IKEDzior832rufdeikxhö…

N: Wir hören gerade Slayer…

M: Und löten… rtezwuirg4231zujio6

N: Ich hab gerade noch das aktuelle Trust auf dem Klo gelesen. Wo ist eigentlich der Collecters-Scum Dingsbums?
Leider eingestellt! Hannover, das bekannte Hardcore-Hausen, aber auch Karl-Nagel Spirit Family Hometurf, fühlt ihr euch bei all der Geschichte da nicht manchmal unterdrückt? Gerade so als neue Band und da kommen die alten Säcke an „Nä, alles schon gehabt, Boskops 1982″?

M: Unterdrücken tun uns andere…

N: Und wir sind ja schon fast selber alte Säcke. Die Leute, die du meinst, kriegen ja meistens nicht mehr den Arsch hoch, sind tot oder weiß der Geier. Diejenigen, die noch Mumm haben, sind steil drauf.

M: Wäre ja schön, wenn uns mal wer mit Boskops vergleichen würde. Bis jetzt kam immer so Rawside, Recharge bla… Schmerzensgeldklage wegen Rawside-Vergleich ist übrigens raus.

N: Außerdem, was soll die alte Kacke? Wir sind eh viel besser.
Ha, ihr seid ja nicht unselbstbewusst, dann direkt hier die total kritische Frage: Warum nennt ihr euch eigentlich nach einem Panzer, ihr seid doch alles bestimmt pazifistische Sozialpädagogen und Erzieher? Findet ihr das nicht komisch, immer schön Armeehosen, Bundeswehrrucksack, aber immer „Fuck the army“ etc.?
N: Das ist nicht irgendein Panzer, das ist der T-34! Der hat die Krauts kaputt geschossen. Das war wichtig!

M: Größerer Nazivernichter als die tougheste Antifa-Crew. Ohne Scheiss.

N: Ja, stimmt schon. Wir sind zum großen Teil, also Mupe, Chrischi und ich, so Sozialheinis, aber das mit den Armeehosen und Rucksäcken hört sich eher nach Schlappiroparkapunker an, also nach dem gemeinen Rawside-Fan. Fuck the army stimmt schon.

M: Abgesehen davon gehen Siggi, unser einer Gitarrist, und Mario, unser Schlagzeuger, vernünftigeren, weil Nich-Pädagogen-Jobs nach… Siggi wird grad Mediengestaltungshoschie und Mario macht seinen Meister in Sachen Zimmerei. Die können also mehr als labern, Kaffee saufen und ab und zu mal nen Arsch abwischen.
Oder ist das indirekt ein Bekenntnis zum Kommunismus, so erfahre ich gerade aus dem Internet, dass der T 34 ein sowjetischer Panzer war, „Der T-34 versetzte der Wehrmacht einen Schock“… verstehe!?
M: Also, in meinem Fall kannste das gerne so interpretieren.

N: Ja. Bei mir auch.
Ihr beschreibt euch als „allstar-combo mit (ex-) Leuten von November 13th, Kids of the black hole, Piazza Dropout, Cave Canem, Teenage….“. Gibt’s die Bands alle nicht mehr?
N: Es ist halt eigentlich immer die gleiche Schnittmenge von Leuten, die Bands starten. Das ist ja in anderen Städten auch oft der Fall. Von den genannten gibt‘s noch die Kids, November 13th und Captain Caveman.

M: Jau, ziemliche Bandinzucht hier. Gibt noch nen Haufen anderer steiler Combos in Hannovers Punk/Hc-Kosmos: I build myself a rocket (da macht Chrischi mit), Franz Wittich, Images, Magna Mortalis (ok, ist eher Detah Metal), Bruce Bleed, Reset Mankind, Kollateral, Schäubles Erben oder Die Bilanz. Allstar-Combo ist natürlich maßlos übertrieben, aber scheißt der Hund drauf.

N: Ich find Whitebuzz total geil. Die proben neben uns. So Stonerbrett. Wir hören übrigens jetzt gerade Black Sabbath. Bist du schon besoffen, Jan?
Ich wünschte! Wie ist eure Platte bislang gelaufen, seid ihr zufrieden über die Aufnahmen und wer kam auf den genialen Titel „Premium HC“?
M: Weia, das sind ja gleich drei Fragen auf einmal, das geht nun wirklich nicht. Aber Überraschungsei beiseite: Platte verkauft sich ganz ordentlich, nachdem sie endlich mal fertig geworden is. Ursprünglich sollten die Aufnahmen nur für nen Demo sein… ein lokaler Schallplattenguru hat uns dann angeboten, ne Platte davon zu machen, ist aber nach einigem hin und her und laberrhabarber wieder abgesprungen, so dass wir die Scheibe dann letztendlich mit Unterstützung von DK aus Hamburg mehr oder weniger selber raus gebracht haben – Walking Coffin ist das Label von unserm Bassisten Chrischie und Pain of Mind ist Nikos Großkonzern.

N: Puh. Die Entstehung war ein harter Prozess. In der Zeit, die die Platte gebraucht hat, haben wir schon wieder genug Songs für eine weitere gemacht. Letztendlich bin ich aber froh, dass es eine „echte“ DIY-Veröffentlichung geworden ist. Die Aufnahmen hat unser Freund Matschy gemacht. Im Proberaum. Das Cover hat unser Kumpel Döner gezeichnet. Und „Premium Hardcore“ ist Mafiasprech. lol.

M: janhammer:

N: :drnic:
Niko, machst du eigentlich noch dein Pain of Mind Fanzine? Ihr seid doch auch aktiv mit dem Ruhrpott Flüchtling Micha in dem Punk distro oder?
N: Jein. Ich will auf jeden Fall ein weiteres Zine machen. Ich hab schon angefangen zu planen, aber es wird sich komplett von dem anderen unterscheiden. Wird sich eher um die Hannoveraner Szene drehen, weniger Egoscheisse, aber auch andere Sachen werden behandelt, so dass es auch für Leute interessant ist, die nicht aus HC-Hausen kommen. Mal schauen. Ich mach mir da keinen Druck. Ich bin auch beim Punkdistro aktiv und helfe da ein paar Stunden die Woche aus und stell mich dann und wann mit na Kiste Platten aufs Konzert. Das ist ne feine Sache, da ich so bessere Vertriebsmöglichkeiten für meine Labelveröffentlichungen habe. Micha ist auch nen knorker Typ. Der Micha von Nasty Vinyl hilft da auch viel. Da gibt‘s immer schöne Storys „von früher“ zu hören beim Frühstück, haha. Ich mag das, weil ich dort mit Schallplatten zu tun habe.
Wie war eigentlich euer Auftritt mit Concrete Sox, hat der stattgefunden ?
M: Die Concrete Sox-Tour wurde zum Glück einen Tag vorher abgebrochen. Ich hätte mir die gern angeguckt, bin aber, nachdem was ich über die Betonsocken gehört habe, als Mitveranstalter nicht wirklich traurig über die Absage gewesen… im übrigen haben ja noch Geriatric Unit gespielt, die cool waren, sowohl musikalisch als auch menschlich.

N: Ja. Das war unsere Release-Show. Das war saugeil. Auch ohne die alten Penner von Concrete Sox. Aber ich fand es auch irgendwie schade, weil ich das gern mal gesehen hätte. Die Konzerte, bevor die Tour abgebrochen wurde, sollen so sau scheisse gewesen sein. Sie wären der perfekte Opener gewesen.
Ha ha, verstehe! Oha, ist mit dem Hannover Guru nicht etwa Epistrophy gemeint…?
M: Bei dem Guru handelt es sich um den Typen von Pisschord, einem Unterlabel von Epistrophy.

N: Verstehe das, wer will. Ihm ist dadurch ne gute Platte im Katalog flöten gegangen, ha ha.
Ok. Ich fand über eure Platte die Beschreibung „HC-Punk …zwischen Old-School-Geballer und Burning Spirits Japan-Hardcore. Dazu zynische Wortakrobatik und die nötige Portion Selbstironie„… Burning spirits? Was?
N: Burning Spirits ist so Szenesprech für Punk aus Japan mit Iron Maiden Fidelgitarren. Hör dir mal ETAE oder JUDGEMENT an. Ich steh auf japanischen Punk/HC. Besonders, wenn die Bands Fantasieenglisch singen. Das ist so extrem übertrieben.

M: Japan-Gedöhns hör ich mir gerne mal an, aber alles andere als ausschließlich.
Und zynische Wort-Akrobatik… ist nicht genau das etwas, was im HC-Punk überhaupt keiner mehr braucht? Wo sind die Bands, die über Veränderung singen, statt Sachen kaputtmachen eben Sachen neu / besser zu machen, ich finde diese Weltuntergangsszenarien in „zynischer drastischer Sprache blabla“ gerade heute, wo die Black Metal / Doom Szene boomt, so erfrischend langweilig, weil jede xyz Grind-Band das thematisiert. Letztendlich ist ja schon mal die ganze Deutschpunk-Generation der 80er daran gescheitert, nur über „anti“ Themen zu singen?
M: Äh. Hast du unsere Texte überhaupt gelesen? Mit Doom und Black Metal hat das nix zu tun. Angepisst bin ich aber und das ist mein gutes Recht.

N: Ich denke schon, dass die Texte das Thema „Veränderung“ behandeln. Nur destruktiv. Also positiv. Wir werden das Rad mit unserer Band ja auch nicht neu erfinden – weder musikalisch noch textlich –, sondern machen die Art Musik, die wir gut finden und die Spaß macht.
Eure Texte haben ja auch gute Aussagen, ich meinte nur, dass eventuell allgemein dieses Angepisstsein auch zur reinen Posse erstarren kann, nur Hate/kein Ausweg/alles Scheisse/abgefukt ey, das ist zu wenig….
M: Klar, haste schon recht. Wir sind ja auch nicht immer gegen alles, wir sind auch mal für irgendwas, z.B. für (Kultur-) Pessimismus.

N: Leider ist Hass/Alles Scheisse ein großer Bestandteil des Lebens.
Übrigens Gratulation, der Song „Realität“ ist nen echter Grantantenhit! Der Rawside Vergleich ist aber wirklich ne Unverschämtheit, wie mir gerade noch mal auffällt!
M: Sag das mal dem Herder! Und dem Helge vom Plastic Bomb!

N: Danke. Gut, das du das bemerkt hast, haha!
Was versteht ihr unter Punk und oder HC, momentan bei dem ganzen Doom-Noise-Rock Hype „Ey geil, voll die Marshall-Wand und Geröchelgesang“ bleiben irgendwelche Botschaften völlig auf der Strecke, von guten ganz zu schweigen…
M: Hab vergessen, was ich darunter verstehe.

N: Punk ist sein Ding zu machen, wie man es für richtig hält.

M: Wo haste DAS denn her?

N: Aus so nem Trustheft von vor zehn Jahren.

M: Da hab ich nur Wasted Paper gelesen.

N: Da konnte ich in Wirklichkeit noch gar nicht lesen.

M: Scheisse, das ist hart,

N: Aber deine Frage betreffend. Welche Message ist denn noch nicht gesagt worden? Ich erwarte auch von keiner Band mehr eine Message, die mir die Augen öffnet – dafür sind Songtexte meist zu oberflächlich, gerade bei so „Polittexten“ ist das doch eh meist nur noch nen Klischee, was ausgetreten wird. Das soll nicht heißen, dass ich keine Polittexte mag. Ich bin ja auch durch Bands und Texte sozialisiert worden. Das sind aber eher so Denkanstöße und Ideen.

Die Auseinandersetzung findet dann aber doch auf einer anderen Ebene statt. Da finde ich dann persönliche Texte schon besser. Wenn ich nicken kann und denke „Jo. So was ist mir auch schon passiert…“ oder „So will ich mich nie fühlen…“. Doom-Noiserock-Hype? Das ist doch alles auch so Retro-Gewixe. 90 % von dem, was die Bands heutzutage in der Richtung machen, gab‘s auch schon alles. Und vieles davon besser, womit ich nicht sagen will, dass mir aktuelle Bands aus der Richtung nicht gefallen. Marshall-Wand ist so oder so wichtig.
Positiv finde ich, dass ihr auf Deutsch singt, das ist mir sofort aufgefallen, ha ha. Ach so, wer ist eigentlich die PANZERDIVISION BOLZKOW?
M: Nicht so wie Lena mit ihren Anglizismen. Bei der Panzerdivison handelt es sich um das Label von unserm Kumpel DK aus Hamburg. Der macht nicht nur in Schallfolien, sondern auch in Fressalien.
Welche acht Songs müssen auf jedes echte Deutschpunktape?
M: ChaosZ – Harte Zeiten.

N: Razzia – Neonazi.

M: Buttocks – Deutsche raus aus Deutschland.

N: KFC – Stumpf ist Trumpf.

M: Irgendwas von Inferno.

N: MAF – Nur noch Saufen.

M: Boskops – THC.

N: Hans-A-Plast – Lederhosentyp. Acht Songs sind aber zu wenig für nen gutes Deutschpunktape…

M: Voll ey. Gibt so viel gute Songs, die mir in meinem bekifften Hirn grad nicht einfallen.
Ja gut, noch mal zu den Texten und so, ey. Erklär das doch noch mal mit dem „nur destruktiv, also positiv“, der alte Bad Religion Trick, „The positive aspect of negative thinking“?
N: Na ja. Ich sehe das so, dass bevor was neues entstehen kann, muss was altes weg. Fortlaufende Veränderung ist halt wichtig und damit meine ich jetzt nicht eine gesellschaftliche/politische Revolution – es ist schon manchmal schwierig genug, das für sich auf persönlicher Ebene durchzuziehen.

M: Besser hätt ich’s nicht sagen können, ey. Um mich mal selber zu zitieren (das mach ich immer wieder gern, weil ich so n schlaues Kerlchen bin, wa): „Tag für Tag im Dauerlauf dem eigenen Anspruch hinterher.“
Ihr erwähntet es ja schon, Konzerte mit veranstalten tut ihr auch. Im Stumpf, in der Korn? In Hannover gab‘s bei einem Scheisse Minnelli Konzert ja mal irgendwie ein Hausverbot gegen diese, weil der Gitarrist einen Song mit „Prost auf den Tittenfick“ ansagte und es gibt ja nun auch diese Stoppt Oi Polloi Blog Sache da. Ist so was repräsentativ für die Hannover Konzertszene dort?
N: Ich mach Konzerte im Stumpf, das ist der beste Punkkeller der Welt. Ein echtes Drecksloch, haha. Das Scheisse Minnelli-Konzert war auch im Stumpf. Das ist schon ne Weile her und ich weiß nicht, ob ich mich noch genau daran erinnern kann, ob es jetzt ein Hausverbot gab, aber die Ansage war halt einfach voll fürn Arsch und als Band muss man dann auch damit rechnen, das Leute angepisst sind und eine Reaktion darauf kommt. Das kam schon sehr schräg rüber. Das mit Oi Polloi war total lustig. Ich kann schon verstehen, wenn Leute die Band für ihre Aussagen kritisieren, aber dieser Blog und der Aufruf zum Boykott waren einfach nur lachhaft.

Letztendlich waren an dem Abend fünf „Gegner“ vor Ort, die verschüchtert abseits vom Stumpf gestanden haben. Zuerst hieß es auch, dass sie nie wieder ins Sumpf kommen würden, weil das nicht vertretbar sei, aber zwei Wochen später wollten sie dann wohl doch wieder auf Punkkonzert gehen. Haha. Ich glaub nicht, dass das so exemplarisch für Hannover ist, eher dafür, dass Hannover sehr provinziell ist und unter den Umständen langweilen sich Leute.

Dann kommt so was bei raus. Wie gesagt find ich es auch wichtig, so eine alte Kackband wie Oi Polloi zu hinterfragen, aber dabei sollte man sich nicht wie ein sturrköpfiges Kleinkind benehmen, denn das macht eine Auseinandersetzung/Diskussion nicht unbedingt einfacher. Den meisten Leuten ist doch auch eh egal, was da für ne Band spielt. Die wollen Entertainment und saufen – also Oi Polloi (haha) – die haben ja auch seid 10 Jahren nix an ihrer „Show“ verändert. Stinklangweilig.

M: Yo, Scheisse Minnelli-Konzert war echt schräg. Wer so ne Ansage bringt und nen Sänger am Start hat, der sich während des Auftritts permanent an den Sack packt, darf sich in linken Zusammenhängen nicht über Kritik wundern. Wie die Kritik ausfällt, steht wiederum auf nem andern Blatt. Ich als Mitverantwortlicher für besagtes Konzert war anschließend wohl der Buhmann für viele – für S.M. und Retching Red, weil ich nicht eindeutig für die Stellung beziehen konnte und wollte, für nen Teil vom Publikum, weil ich in deren Augen die Ansage relativiert habe… Hab in Sachen Punk/HC schon viel ärmere Sachen gesehen und gehört, als dass ich mich über die Ansage in dem Maße echauffieren konnte, in dem es die Leute an dem Abend getan haben.
Gibt‘s eigentlich Blut und Eisen noch, die haben doch in der Korn vor einiger Zeit noch mal eine Reunion gespielt oder so?
M: Blut und Eisen haben vor nen paar Jahren beim Glocksee-Jubiläum gezockt, die Leute gibt’s noch, aber die Band hat ihre Aktivitäten kurz nach den Konzerten letztes Jahr wieder auf Eis gelegt. Krösus ist zum Beispiel in der Glocksee (selbstverwaltetes Jugendzentrum in Hannover) als Hausmeister tätig und gibt u.a. Boxunterricht.

N: Ja. Der repariert die Steckdosen im Proberaum.
Wie seht ihr das eigentlich als sowohl „junge Band mit alten Hasen“ und auch als Konzertveranstalter, findet ihr das gut, dass es so viele Bands auf Tour gibt oder seht ihr das eher problematisch, so von wegen „fehlende Qualitätskontrolle, Bands können touren nur mit Songs auf der Myspace Seite, Überangebot“ blabla?
N: Die Qualitätskontrolle findet bei mir statt. Ich mach nur noch Konzerte mit Bands, die ich total geil finde oder wo ich die Leute gerne mag unter dem arroganten Leitspruch „Re-educating good taste in music“. Auf Konzertanfragen auf Myspace reagiere ich nicht mehr. Da steht dick, dass man sich bitte per E-Mail melden soll und wenn eine Band zu faul ist, sich das mal durchzulesen, dann haben sie halt einfach Pech gehabt. Das ist mir alles zu schnelllebig und unpersönlich. Du klickst kurz hier und da und hast deine Kontakte – eigentlich ne super Sache, aber halt auch nicht, weil man sich mit diesem riesigen (über-) Angebot einfach nicht mehr genau auseinandersetzten kann.

M: Unsere Konzertgruppe macht nur fünf sechs mal im Jahr ne Veranstaltung und auch nur Geschichten, auf die wir Bock haben. Wir kriegen natürlich auch ständig Anfragen von einer Millionen Bands via Myspace, nervt wie Schleppe und würde einfach zu viel Zeit kosten, sich mit den ganzen Kombos, die uns anschreiben, auseinanderzusetzen.
Niko und Mupe, jetzt fällt mir doch ein Ei aus der Hose, in der heutigen Ausgabe einer größeren deutschen Sonntagszeitung steht über Hannover folgendes drin, wie steht ihr dazu? „Hippe Hannoveraner treffen sich im Beachclub „Schöne Aussicht – 360 Grad“. Strand? Kein Problem, denn Hannoveraner sind erfindungsreich (erste Schallplatte, Butterkeks, erster Serien-Kleinwagen: Hanomag). … Aufs Wort eigentlich verzichtet allerdings niemand“. Wie jetzt, in Hannover wurde die Schallplatte erfunden? Butterkeks? Eigentlich?
N: Ah. Du liest die Bild!

M: Ich dachte, du wärst nen Studierter! Oder fällt das unter „Millieu-Studie“?
Jaaa, äh…
N: Wenn sich hier irgendwo hippe Hannoveraner treffen, sind wir nicht dabei. Außer, wir kommen mit dem Panzer vorbei.

M: Ach ja, und der Leibniz-Butterkeks geht voll ab, die Leibniz-Uni eher weniger.

Niko: Beides nicht vegan.

M: Kannst ja nen Margarine-Keks essen.

N: Ja, mit Hasch drin.

M: Und wegen „eigentlich“: du hast den Artikel nich gecheckt, ey!

N: Das sagt doch eigentlich jeder über die Stadt, wo er wohnt.
Eigentlich richtig, hier mal ne Frage zu Pain of Mind, Niko, du hast ja schon einiges herausgebracht, TEENAGE ANGST, NOVEMBER 13TH, KIDS OF THE BLACK HOLE, SLANG etc. Vorher war es End of Silence Records, warum der Namenswechsel? Welche Veröffentlichung bedauerst du im nachhinein und auf welche bist du am meisten „stolz“?
N: Das mit dem Namenswechsel kommt durch das, was ich oben schon einmal erläutert habe. Veränderung. Irgendwann war halt ein Punkt, wo mir das alles, so wie es war, nicht mehr gefallen hat. Also hab ichs geknickt und was neues gemacht. Die Bands sind ja zum Teil die gleichen geblieben. Das ist wie mit den Konzerten. Ich mach halt nur noch Bands, die ich saugeil finde und/oder mit denen ich befreundet bin. Logisch, dass die meisten Bands auf dem Label aus Hannover kommen. Deshalb bereue ich auch keine Veröffentlichung auf Pain of Mind und bin auf alle quasi gleich stolz.

November 13th und die Kids sind aber schon meine absoluten Favoriten, auch wie die sich entwickelt haben. Das ist spannend, das mitzuerleben, und der Kontakt ist sehr eng. Das macht einiges einfacher in der Kommunikation. Im Vergleich Slang: Da lief der Kontakt erst über den Phil von Extreme Noise Terror, weil der für Europa nen Label für die klar machen sollte. Der direkte Kontakt war sehr schwer, weil ich kein Japanisch und von denen keiner „richtiges“ Englisch kann. Da bleibt der Dialog etwas oberflächlicher. Aber ich wollte die Platte auch unbedingt machen, von daher ist das ok.

Und wenn alles klappt, kommen sie nächstes Jahr auf Tour und dann wird’s auch persönlicher, vorausgesetzt, wir haben so nen Übersetzerheini dabei. Ansonsten plane ich gerade die nächsten Veröffentlichungen. Ist aber noch nichts spruchreif. Eventuell ein Demo von einer neuen Band, in der ich auch mitspiele. Könnte dir gefallen. So melodischer Punk a la Avail, 7 Seconds mit „positiven“ Texten. Und das Kids of the Black Hole Demo soll noch mal aufgelegt werden. Das war ratzfatz ausverkauft.
Verstehe! Kennt ihr eigentlich den Boxhamsters Song „t 34“?
N: Ja. Total langweilig. Außerdem hat der Song nix mit Kanonenknall und zerplatzenden Wehrmachtssoldatenleibern zu tun. Schade.

M: Nee, zum Glück nicht.
Total zufällige kurze Fragen am Ende mit der Bitte um kurze Antworten… Abstürzende Brieftauben?
M: Ich find die gelben Postautos besser, auch wenn die schlechter fürs Klima sind.

N: Fun-Punk-Hausen? Nicht lustig!
Fugazi?
N: Wertvoll!

M: Der Grillkäse von denen quietscht immer so schön beim kauen.

N: Ja. Genau.
Seid ihr nicht über den Punkdistro in den Rerelease der „SOL 12“ von Boskops verwickelt, Linernotes von Sänger Wixxa???
N: Die Platte (und auch die anderen) werden in direkter Zusammenarbeit mit Wixxa rausgebracht und es wird eine kleine Story von ihm geben und noch ein paar andere schöne Extras. Das ist aber eher das Baby von den beiden Michas.
Ihr covert „Meat packer“ von Yuppicide, geil?
N: Geht ab. Bei uns heißt der aber Weed Smacker.

M: Nee, noch geiler! Wir lassen den beschissenen Part nämlich raus. Dafür bin ich aber jedes Mal nachem Singen so geplättet, dass ich eigentlich n Sauerstoffzelt bräuchte. Oder nen dicken Joint.
Wo seht ihr eure Band in zehn Jahren?
N: Vorm Reichstag. Der wird dann zerschossen. Hoffe, das dauert aber keine 10 Jahre mehr, bis es soweit ist.

M: Wenn die Welt gerecht wäre, hätte jeder einzelne von uns zu dem Zeitpunkt nen guten Job im ZK.
Straight Edge?

N: Das haben die Bullen mich bei na Schikane auch schon mal gefragt.
M: Scheißegal, ob jemand sxe ist oder nich – solang die Person nur ordentlich saufen kann.
Neurosis?
N: Ihr rumpeliges Debüt ist Namensgeber für mein Label. Die Band bedeutet mir viel.

M: Kann, muß abba nich.
Seid ihr Hannover96 Fans?
M: Nee, wenn ich in Hannover zum Fußball gehe, dann nur zu Arminia.

N: Nur in der dritten Halbzeit. Hier Robert Enke Witz eintragen: _____________!
AC/DC oder Kiss?
M: Motörhead!

N: Wenn ich wählen muss dann AC/DC, weil deren Sänger an seiner Kotze erstickt ist. Ansonsten nicht mein Ding..
Habt ihr nen Gruß an unsere Leser?
N: Ja. Aber nur an die Arbeitslosen. Oi.

M: Nur an Mario, Chrischi und Siggi.
Danke.

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: myspace.com/t34panzerpunk

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