September 8th, 2014

SQUAT NEW YORK CITY (#63, 04-1997)

Posted in interview by Jan

HANG THE LANDLORD – SQUAT N.Y.C. !!!

Wahrscheinlich haben einige von Euch schon vom ABC NO RIO gehört (GO! haben ja auch ein Lied darüber) oder von den Räumungen der squats in der 13. Str., die ja in der New Yorker „Polit-Kunst“-Szene ausgiebig bebildert wurde (Eric Drooker, Peter Kuper, WORLD WAR III,…).

Auf jeden Fall gibt es in New York City eine recht große und aktive BesetzerInnen-Szene. Scooter, eine Freundin von uns aus New York, war kürzlich bei uns zu Besuch und da sie sowohl im ABC als auch in der squat-Szene in den letzten Jahren involviert war, haben wir uns überlegt sie zu interviewen. Hoffentlich ist das für einige von euch interessant, auch wenn natürlich die legale Situation der squats eine völlig andere ist als hier.

Egal, aktuell ist das natürlich immer noch alles, das ABC steht kurz vor der Räumung und hatte auch, als wir da waren (März `96) nicht mehr die Unterstützung, die solche Plätze nun mal brauchen (bei einem Hausplenum, in dem über die Zukunft des ABC entschieden wurde, waren außer uns 6 (!!!) Leute). Der Widerstand geht trotzdem hoffentlich weiter. Auch jetzt (Mitte Februar `97) steht das ABC noch und es ist immer noch ungewiß wie´s weitergeht…wir werden sehen…

***

O.K., lass uns über die Situation der HausbesetzerInnen in New York City sprechen. Vielleicht kannst du damit anfangen, uns etwas über das ABC NO RIO zu erzählen, Geschichte, wie sich die Dinge entwickelt haben und so…

Scooter: O.K., ABC NO RIO hat 1980 als eine Kunstgalerie angefangen, als einige radikale KünstlerInnen in ein Haus, ca. ein Block von dem jetzigen ABC NO RIO entfernt, eingebrochen sind und es quasi besetzt haben. Sie haben dann eine Ausstellung gemacht, in der sie die hohen Mietpreise in New York verarscht haben.

Die City of New York war damals davon sehr eingeschüchtert und hat ihnen einen Platz zur Verfügung gestellt, nämlich der, wo das ABC NO RIO auch heute (Mitte Januar 1997, vielleicht jetzt schon geräumt!?) noch ist, 156 Rivington Street. Deshalb war das ABC NO RIO auch ein legaler Raum, für den die Leute Miete bezahlt haben, aber alternative bzw. Underground-Sachen gemacht haben: Kunstaustellungen oder Shows mit KünstlerInnen, die in „normalen“ Galerien keine Möglichkeit hätte. 1989/90 wurde dann angefangen, dort auch Underground-Music Shows zu machen, z.B. Hardcore oder Punk, D.I.Y.-blabla, sowas halt alles.

Es war der einzige all-ages, selbstgeleitete Konzertort in New York.Vermieterin ist die Stadt New York, seit 1980 wurden monatlich $250 Miete gezahlt und es war von Anfang an ein sehr schlechtes Verhältnis untereinander. Seit der Zeit, in der ich angefangen habe dort mitzumachen, ca. 1991, gab es immer wieder Räumungsdrohungen oder andere Probleme mit der Stadt.

Im Mai 1994 wurde zum Beispiel schon ein Räumungsbescheid ausgestellt, und die Stadt hat aufgehört die Miete anzunehmen. September 1994 hat die Stadt die Mietschecks einfach zurückgeschickt und es haben sich dann Leute entschlossen, die Stockwerke über dem ABC, die schon vor einigen Jahren von der Stadt geschlossen worden waren und immer noch leerstanden, zu besetzen.

Dadurch, daß die Stadt die Mietzahlungen nicht mehr akzeptierte, wurden die eigentlichen ABC-Räume, Galerie im Erdgeschoss und Konzertraum im Keller, quasi auch zu squats. Bis Mai 1995 ist eigentlich gar nichts passiert, dann gab es wieder einen Räumungsbescheid, die ABC-Leute holten sich eine Anwältin und die zog gegen die Stadt vor Gericht und versuchte den Räumungsbescheid wegen irgendwelchen Verfahrensfehlern zu kippen.

Und das hat auch vier Mal sehr gut geklappt, bis kürzlich, also Ende 1996, eine Anhörung verloren wurde und da sie ja jetzt illegale MieterInnen sind, und die Stadt die legale Vermieterin ist, haben sie nicht sonderlich viele Rechte. Es sieht so aus, als ob es bald geräumt wird, wenn die Stadt in das Gebäude kommt und es scheint einfach, als ob es zu Ende geht und es dieser Räumung einfach nicht mehr viel entgegenzusetzen gibt, legal auf jeden Fall nicht.

Was passierte in den letzten paar Wochen…?

Scooter: In den letzten paar Wochen… es gab also den Räumungsbescheid und eine Anhörung, allerdings noch nicht die eigentliche Räumungsanhörung…es gab vorher noch eine Klage von uns, in der es um ein Gesetz ging, daß die Stadt als Vermieterin in der Lampe draußen am Haus eine Glühbirne eingesetzt haben muß…und das hatten sie nicht, und das haben wir vor Gericht auch gewonnen…

die Stadt sagte dann: „O.K., laßt uns einfach in das Haus, wir werden das reparieren.“, aber es wollte sie natürlich niemand reinlassen, da es sonst sehr einfach für sie wäre das Haus zu räumen. Das war am 2. Januar 1997, es gab dann eine Demonstration zu der Wohnungsbaugesellschaft AAFE (Asian-Americans for Equality), denn die Stadt möchte, daß AAFE das Haus übernimmt…es gab dann noch eine zweite Demonstration, aber bis jetzt sind die Leute noch drin, aber es sieht so aus, als ob die Stadt bald eine legale Grundlage zum Räumen hat.

Es existiert also nicht wirklich eine Chance das Haus zu halten?

Scooter: Nein, eigentlich nicht, aber mensch kann das nicht auch schlecht sagen. Im Mai 1994 sah es auch so aus wie jetzt und wir sind schon zweieinhalb Jahre länger drin. In der Zeit bin ich nach Europa gefahren und dachte, daß das ABC geräumt sein wird, wenn ich wiederkomme. Vielleicht passiert das gleiche ja noch einmal… wer weiß.

Kannst du dir vorstellen, daß die Räumung genauso krass ablaufen könnte wie in der 13. Straße? Und kannst du vielleicht erstmal was dazu erzählen?

Scooter: Also, auf der 13. Strasse, war es eine ganz andere legale Situation. Die Gebäude waren halt „richtige“ besetzte Häuser. Vor ca. 10 Jahren sind Leute in die 5 Häuser gegangen und die waren wirklich in einem beschissenen Zustand, keine Dächer, keine Treppen.

Was waren das für Leute, die die Häuser damals besetzt hatten?

Scooter: : Alle möglichen verschiedenen Leute, ich meine ich war vor 10 Jahren nicht da… Es wohnten da KünstlerInnen, MusikerInnen, einige Obdachlose, Familien, Weiße, Schwarze… einfach sehr verschiedene Leute. Ich denke es waren ca. 70 bis 100 Menschen, die in den 5 Häusern gewohnt haben. Vergleichbar mit dem ABC NO RIO ist, daß die Stadt Eigentümerin ist und die Häuser räumen wollte, um sie an sogenannte „low-income-housing developer“ (wohl vergleichbar mit privatem sozialem Wohnungsbau hier) zu verkaufen.

Dies tun sie halt nur, um zu zeigen, daß sie Wohnungen für „arme“ Leute errichten wollen. Aber das stimmt halt nicht, weil die Wohnungen einfach wieder nur „teure“ Wohnungen sein werden, die sich die Menschen, die in den squats gewohnt haben, ganz einfach nicht leisten können. Als nun klar wurde, daß die Stadt die Häuser in der 13. Str. räumen will, wo die Leute schon seit Jahren gewohnt haben, und die durch sie erst wohnbar wurden, haben sie Klage gegen die Stadt erhoben und forderten „adverse possession“.

„Adverse Possession“ ist ein Gesetz in eingen Staaten, das besagt, wenn ein Haus für eine bestimmte Zeit „besetzt“ ist, in New York sind dies 10 Jahre, ohne, daß der/die EigentümerIn irgendedwie eingreift, dann gehört denen das Haus, die es besetzt haben. Im Fall von der 13. Str. waren das halt 10 Jahre und deshalb klagten sie auf „adverse possession“. Und die Sache wird halt immer noch verhandelt, obwohl alle 5 Häuser bereits geräumt worden sind.

Theoretisch ist es also möglich, daß die BewohnerInnen jetzt im nachhinein noch „adverse possession“ zugesprochen kommen und ihnen dann die Häuser legal gehören.

Scooter: Ja, genau. Und sogar renoviert, weil die Stadt ja schon voll viel abgerissen hat, Böden eingerissen, Dächer zerstört, eigentlich alles zerstört, was die Leute aufgebaut haben.

Das wär ja außerordentlich cool.

Scooter: Allerdings, am Tag nach der Räumung hat Stanley Cohen, der Anwalt der BewohnerInnen, gesagt: „Wenn meine KlientInnen diesen Fall gewinnen, werden sie in brandneu renovierte Appartments einziehen.“ Also, was passierte war…die ganze Sache hat 1994 angefangen, es wurde viel Zeit in den Gerichten verbracht. Der Richter Elliot Wilk (?) am New York City Surpreme Court ist eigentlich „pro-squat“ und alles in allem einfach ein cooler Richter und er hat für die squater entschieden.

Die Stadt hat dagegen natürlich wieder geklagt und es somit zu einem höheren Gericht gebracht, wo dann halt für die Stadt entschieden wurde. Das war im Mai 1995. Und dagegen konnten die AnwältInnen der squater wieder Einspruch erheben. Die Stadt hat dann allerdings am 30./31. Mai 1995, die Räumung durchgeführt, was somit illegal war (weil der Einspruch der squat-AnwältInnen nicht abgewartet wurde).

Und das war einfach ein sehr großes Ereignis. Es gab viel Unterstützung für die squats, viele Leute, aber es gab halt natürlich auch sehr viel Polizei, und die hatten Waffen und Panzer und und und. Am Ende der Nacht hatten sie dann alle Menschen von der Straße und aus den Häusern vertrieben, alle Häuser geräumt und dann die Menschen wieder in drei der Häuser reingelassen.

Wohin sind die Leute, die geräumt worden sind, gezogen?

Scooter: Einige zogen in andere squats, einige zogen aus New York weg, einer zog in sein Taxi.

Ist niemand durch die Räumung obdachlos geworden?

Scooter: Es wurde zu der Zeit, also 1995, viel mehr kommuniziert. Die meisten Leute waren sehr aktiv. Es gibt ca. 15-20 squats in unserer „squat-community“ und wenn immer eine Räumung anstand, gab es Treffen, die „eviction-watch“ hießen. Die Menschen waren halt viel aktiver, die ganze Kommunikation, schon vor der Räumung. So war es halt auch klar, daß die Leute sich untereinander helfen, sich Wohnraum geben.

Die Leute kannten sich halt auch einfach viel besser. Als im August 1996 die restlichen drei Häuser geräumt wurden gab es keine großen Schlachten zwischen squatern und Polizei und der Stadt. Ein Grund dafür war halt, daß es diese „community“ und diese Kommunikation und Unterstützung nicht mehr gegeben hat. Das eine Haus war sowieso schon mehr oder weniger „abgeschrieben“, die Leute die da wohnten haben sich untereinander nicht verstanden, da wohnte ein Typ, der der Polizei sehr viel Informationen zukommen ließ und die Leute aus den anderen squats regelmäßig verprügelte und alle hatten Angst vor ihm.

Das eine andere Haus war sowieso sehr klein und die Leute in dem dritten übriggebliebenem Haus standen eigentlich kaum in Kontakt mit der „squat-community“. Die Leute aus den anderen squats wußten deswegen auch nicht, welche Art von Unterstützung die, die da noch wohnten, von ihnen wollten. Als ich zum Beipiel an dem Abend, an dem geräumt wurde, sagten die Leute, die da wohnten mir, daß ich nach Hause gehen sollte, da sie nicht wollten, daß Leute auf der Straße rumhängen, da sie sonst schneller geräumt werden würden.

Sie hatten einfach keine richtige Ahnung, was passieren würde…ziemlich unrealistisch halt, denn natürlich wurden sie in der Nacht geräumt. Wie auch immer, es ging mir halt darum zu sagen, daß die Kommunikation zwischen den BewohnerInnen der restlichen squats auf der 13. Str. und der „squat-community“ einfach nicht mehr so groß war, und daß angesichts der Tatsache, daß die erste Räumung ein Jahr davor war, gab es halt nicht mehr soviel Platz, um die restlichen BewohnerInnen nach der zweiten Räumung aufzunehmen. Nach dieser Räumung habe ich halt viele im Tompkins Square Park, der nur einige Blocks entfernt ist, gesehen, die offensichtlich keinen Platz mehr zum Wohnen hatten.

Aber soweit ich weiß, ist es nicht erlaubt, im Tompkins Square Park zu bleiben.

Scooter: Also, seit ein paar Jahren wird der Park nachts, ich glaube von 12 bis 6, geschlossen und auch von der Polizei bewacht. Wenn du versuchst durchzugehen, halten dich die Cops am anderen Ende an und sagen dir, daß du zurückgehen und um den Park herumgehen sollst. Außer der Straße gibt es also wirklich keine Möglichkeit, irgendwo zu bleiben. Im Sommer bleiben einige Leute manchmal am East River, aber auch da kommen die Cops manchmal und vertreiben sie wieder.

Du hast jetzt desöfteren von der „squat-community“ geredet. Was genau meinst du damit?

Scooter: Ich meine damit alle Menschen, die in squats in Manhattan und der Lower East Side leben.Das sind ungefähr 15-20 Häuser mit vielleicht 300-500 Menschen.

Sind das denn die einzigen squats in New York?

Scooter: Nein, es gibt halt auch welche in der Bronx, in Harlem…wenn du nach Harlem fährst siehst du, daß ungefähr jedes zweite Haus leersteht…ich weiß allerdings nicht viel von ihrer „squat-community“.

Also, so eine richte Vernetzung gibt es nicht?

Scooter: Hmm, nein, also wir kennen halt ein paar Leute, die früher in der Lower East Side gewohnt haben, aber das wars dann auch.

Kannst du denn ungefähr abschätzen wieviele squats es in New York gibt?

Scooter: Nein, weil ich echt wenig über die Situation in der Bronx und in Harlem weiß.

Wie ist denn überhaupt die Wohnsituation in der Lower East Side? Sind die Mieten besonders hoch?

Scooter: Ja, klar. Die Mieten in Manhattan sind extrem hoch. Die Lower East Side (von Manhattan) war eigentlich immer eine recht bezahlbare Gegend, weil es einfach keine echte „Weißen“-Gegend war. Es wohnten dort immer eher „Arme“, Familien, „Minderheiten“, wahrscheinlich wird in der Gegend auch viel mit Drogen gedealt und das sind halt alles Gründe warum viele dort nicht hinziehen wollten.

In den letzten paar Jahren ist es irgendwie chic geworden, in der Lower East Side zu wohnen. Und die Mieten steigen immer weiter, viele der alten BewohnerInnen können es sich nicht mehr leisten, dort zu wohnen. Ganz einfach, weil halt Leute in die Gegend wollen, die bereit sind, höhere Mieten zu zahlen.

Die VermieterInnen merken natürlich ziemlich schnell, daß sie dann mehr daran verdienen, wenn sie die Wohnungen an weiße Yuppies vermieten, als wenn dort arme Latino-Familien wohnen. Das entwickelt sich dann einfach immer weiter so, es eröffnen Cafés, die dann wieder eher Yuppies anziehen und so weiter. Ich denke squatting ist die einzige Möglichkeit dort wohnenzubleiben, wenn du keine Kohle hast.

Hat diese Entwicklung auch direkten Einfluß auf Räumungen von squats? Wird jetzt mehr versucht, squater aus der Lower East Side zu vertreiben? Wenn ja, wohin gehen sie dann?

Scooter: Ich denke, daß es einen Einfluß auf Räumungen hatte, klar. Aber es ist mit Sicherheit nicht der einzige Grund. Die Stadt ist Bestitzerin der meisten squats in Manhattan und das Department, das für alle Häuser zuständig ist, Housing Preservation & Development Department (HPD), war nie dazu in der Lage, die Häuser anständig zu managen oder sogar zu erhalten. Die Stadt will halt auch nicht mehr Besitzerin sein und versucht viele Häuser zu privatisieren, was halt auch ein Grund ist.

Hat die ganze Entwicklung denn auch Einfluß auf das Verhalten der BewohnerInnen, erkennen sie die Lage und zeigen sie sich solidarisch mit den squattern? Oder ist die „squat-community“ relativ für sich selbst und hat auch nicht viel mit An- oder BewohnerInnen zu tun?

Scooter: Es gibt Solidarität, aber natürlich nicht so viel, wie es geben sollte oder könnte. Die Kommunikation zwischen beiden Seiten hält sich leider in Grenzen. Aber es gibt in der Nachbarschaft mit Sicherheit viele Leute, die denken, daß squatting eine gute Sache ist. Als im Sommer 95 die Räumungen waren, gab es Treffen und vor Gericht wollten wir zeigen, daß wir Unterstützung von den anderen BewohnerInnen haben und wir sammelten Unterschriften und eigentlich haben auch alle Leute, die wir gefragt haben, für uns unterschrieben, das waren immerhin ein paar Tausend.

Aber soviele Leute kannst du halt nicht erreichen, wir versuchen es, stellen Tische auf die Straße und verteilen Flugblätter, sprechen mit den Leuten. Die Gegend ist eigentlich ziemlich gut, aber es könnte einfach mehr laufen.

Du hast auch schon von Obdachlosen gesprochen. In New York gibt es ja sehr viele Menschen, die auf der Straße wohnen. Kannst du ein wenig über deren Situation erzählen?

Scooter: Ja, es gibt so verdammt viele Obdachlose und es ist schwer im allgemeinen über ihre Situation zu sprechen, es gibt halt auch immer sehr viele individuelle Gründe. Eine der Sachen die wir squatter vor ca. eineinhalb Jahren gestartet haben, ist etwas, daß wir „the underground railroad“ nennen. In Städten, in denen es viele Obdachlose gibt, gibt es auch viele Obdachlosenheime, die in einem beschissenen Zustand sind, viele sind wie Gefängnisse, nur daß du rausgehen kannst.

Also, einige squatter sind halt in diese Heime gegangen und haben den Obdachlosen vom Häuserbesetzen erzählt und sagen ihnen, daß sie nicht in so einem beschissenen Heim wohnen müssen, sondern einfach in die Häuser gehen, die nicht genutzt werden, und daraus schöne bewohnbare Häuser machen können, daß sie nicht obdachlos sein müssen. Es sollte halt versucht werden, die Leute dafür zu interessieren und zu schaffen, daß sie sich selbst organisieren.

Hat das denn funktioniert?

Scooter: Also, eigentlich habe ich von keinem squat gehört, der daraus hervorgegangen ist. Aber es wird weitergehen, hauptsächlich in anderen Gegenden, da es in der Lower East Side sowieso nicht mehr möglich ist neue squats zu öffnen und vor allem diese auch zu halten.

Ein Freund von mir hat in einem Obdachlosenheim gewohnt, aber er hat irgendwie immer mehr von der „squat-community“ mitgekriegt, hat in dem anarchistischem Buchladen mitgemacht, und irgendwann hat er dann auch zu squatten angefangen. Und er erzählt immer allen, wie squatting sein Leben gerettet hat, ihn wieder glücklich gemacht hat.

O.K., ich denke, das reicht. Willst du noch irgendwas zum Schluß sagen?

Scooter: Ja, ich würde gern noch einen Witz erzählen. Ein braunes und ein weißes Pferd machen jeden Tag ein Rennen und immer gewinnt das weiße. Das braune sagt dann: „Hey, weißes Pferd, jeden Tag gewinnst du, aber morgen gewinne ich! Ich werde heut nachmittag soviel trainieren, daß du morgen keine Chance hast.“ Und da sagt das weiße Pferd: “No way, man, ich werde wieder gewinnen.“

Am nächsten Tag gibt es also wieder ein Rennen. Zuerst liegt das weiße Pferd vorn, dann überholt es das braune, dann wieder das weiße, dann liegt wieder das braune Pferd vorn, aber auf der Ziellinie überholt wieder das weiße Pferd und gewinnt. Dann gehen sie also in eine Bar, bestellen sich etwas zu trinken, das eine trinkt ein Bier, das andere Cider und plötzlich kommt ein Hund rein und sagt „Hey, weißes Pferd, was geht ab, buddy?“ Und das braune Pferd sagt: „Guck, ein sprechender Hund.“

Danke.

***

Interview: Jobst & Urte

Nachtrag 2014

Das ABC No Rio besteht heute immer noch und betreibt eine Vielzahl von Projekten. Wer wissen möchte, wie die Geschichte weiterging und -geht:
abcnorio.org
ABC No Rio auf Wikipedia

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