Mai 20th, 2019

SONIC BALLROOM/SHITFUCKER DICK AND THE BURNING ASSHOLES (#111, 2005)

Posted in interview by Jan

Interview mit Rainer von den SHITFUCKES DICK AND THE BURNING ASSHOLES und mit Roman über die Kneipe SONIC BALLROOM

Ja, das war ganz groß damals auf dem Dead Moon Konzert in Köln, wo mich ein groß gewachsener und schwarzgefärbter junger Mann ansprach, ob ich nicht der Jan von Hungerhaken Konzerte aus Leverkusen wäre. Das macht einen doch stolz, natürlich veranstalteten wir eines der frühen Konzerte der Kölner Band mit dem unsagbar punkigen Namen und nur 6 Jahre später sprach ich dann Rainer an, ob er mal was zu seiner Band erzählen kann. Roman spielt auch bei denen mit und ist Mitinhaber des Sonic Ballrooms, die Kneipe für alles, was wir brauchen: Kölsch, Kicker, Kippen und keine Karnvalsfeiern.

Hi Rainer, also, eine Frage liegt ja direkt auf der Hand – du spielst Gitarre bei der Kölner Punkband Shitfuckers Dick and the burning assholes; wie gefällt dir Köln so?
Naja, so ganz auf der Hand liegt die Frage ja doch glaube ich nicht, Köln ist halt seit einiger Zeit meine Wahlheimat und hat, wie wahrscheinlich jede Stadt seine guten und schlechten Seiten, ich für meinen Teil fühle mich ganz wohl hier und möchte im Moment auch nicht wieder von hier weg.
Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben, also Krach-Rock´n´Roll ist´s vielleicht am Anfang gewesen und wird jetzt melodischer? Wie sieht´s aus mit Coverversion bzw. was ist denn so die Konsensband von euch?
Gar nicht so einfach den Musikstil zu beschreiben, es sind einfach Einflüsse verschiedener Stile als da wären Oldschool-HC, Punk´n´Roll und natürlich der Dreckspunk der 80/90/00er Jahre, wir waren vor kurzem im Studio um unsere 2. Platte aufzunehmen welche wohl auch bald erscheinen wird. Es ist wohl ein deutlicher Unterschied zur ersten Aufnahme zu hören, es hat sich stilistisch aber nicht viel verändert sondern ist unser musikalisches Ding gereift und der Stil hat sich gefestigt. Coverversionen gibt es natürlich auch ein paar, genauso wie Konsensbands, nur um mal einige zu nennen z.B. Black Flag, GG Allin, Motörhead, Zeke, Reagan Youth…
Was machst du so den lieben langen Tag und die Nacht in Köln? Was machen die anderen Bandkollegen sonst so?
Ich selbst bin zur Zeit ohne feste Beschäftigung, ich mache also das wozu ich gerade Lust habe oder auch einfach gar nichts, Daniel (Guitar) ist Bestattungsunternehmer, Toby (Drums) studiert, Franky (Bass) schlägt sich als Produktionsfahrer für diverse TV-Produktionen durch und der Roman ist der Betreiber der Punk-Rock´nRoll-Bar „Sonic Ballroom„.
Wart ihr eigentlich alle schon vor der Band befreundet gewesen oder kam das durch die gemeinsame Musik?
Daniel und Roman haben vorher schon zusammen Musik gemacht, ebenso wie Franky und Toby und die vier kannten sich auch untereinander, ich hab mit ´n paar anderen Leuten im gleichen Proberaum wie Roman und Daniel was gemacht und bei denen ab und zu mal am Bass ausgeholfen, als sich ihre Band dann trennte fragte mich der Roman ob ich nicht Lust hätte was mit ihnen zu machen und das hab ich dann auch getan.
Wie läufts eigentlich mit Konzerten, tretet ihr oft auf, wie sieht’s aus mit anderen Städten und was habt ihr so für Pläne?
Es gab schon ne ganze Reihe an Konzerten und wird wohl auch bald wieder welche geben. Dass wir so oft in Köln oder der näheren Umgebung auftreten geht uns selbst etwas auf den Senkel, weiter weg zu fahren ist aber durch Jobs und Privatleben der einzelnen Musiker nicht immer so gut zu koordinieren. Für Anfang des näxten Jahres ist auf jeden Fall eine kleine Tour durch die gesamte Republik geplant und Konzerte im näheren Umkreis wird’s nach wie vor immer wieder mal geben.
Was war denn euer denkwürdigstes Konzert, im guten wie im schlechten?
Schwer zu sagen was unser denkwürdigstes Konzert war da ja jedes Konzert und jeder Konzertort immer wieder anders ist, sowohl mit positivem als auch mit negativen Beigeschmack, von daher neige ich dazu jedes Konzert als „denkwürdig„ zu bezeichnen da von jedem auch immer etwas hängen bleibt.
Wer kam eigentlich auf den Bandnamen, ist bestimmt nicht ganz so einfach, damit Konzerte klar zu machen (wenn man denn höher hinauswill, meine ich)?
Der Name ist eigentlich aus keinem bestimmten Zusammenhang entstanden, es war so das Roman und Daniel immer abwechselnd „shit„ und „fuck„ geflucht haben und als dann jemand im Proberaum erwähnte er wäre dick geworden war der erste Teil des Namens geboren, der zweite entstand dann am Tag nach einer Chilipizza…Mit dem Namen an Konzerte zu kommen ist nicht immer ganz einfach, es gibt schon ein paar Läden, die uns deshalb nicht spielen lassen, im Großen und ganzen wird es aber oft neutral und meistens mit sehr viel Humor genommen so daß wir schon einige Veranstalter belustigen konnten.
Wie würdest du so allgemein die Punkszene in Köln beschreiben, konzentriert sich ja von den Bars ja doch auf eher wenige, oder? Seid ihr mit anderen Bands (in Köln) eigentlich befreundet?
Eine richtige homogen Szene gibt es in Köln eigentlich nicht, es sind mehrere verschiedene Szenen die sich irgendwo auf ihrem gemeinsamen Punkt treffen und mit einander feiern.Von den Bars, hast du schon richtig gemerkt, konzentriert sich wirklich alles auf einige wenige und auch konzertmässig gibt’s nicht so viele Orte wo man hingehen kann aber da tut sich im Moment auch etwas, so hat vor kurzem das Tsunami (ex Beetween) geöffnet, der Sonic Ballroom hat jetzt eine Livekonzession welche auch gut genutzt wird und man hört von einigen Sachen die noch in Planung sind. Kölner Bands kennen sich im allgemeinen fast alle untereinander und haben in den meisten Fällen auch schon mal das eine oder andere miteinander gemacht, es gibt da eigentlich einen recht guten Draht untereinander.

Am Ende noch drei Fragen an Roman, auch Mitglied von den Shitfuckers Dick und eben auch Besitzer der Kölner Punk-Kneipe „Sonic Ballroom“…Hi Roman, erzähl doch mal was über neueste Entwicklungen der „beliebtesten“ und „besten“ Punk-Kneipe in Köln – ihr habt nen neuen Biergarten und ihr macht sogar wieder Konzerte. Das scheint ja super zu laufen, wenn man sieht, dass euer Laden noch vor einem Jahr geschlossen hatte…

Ja, seit neuestem haben wir sogar ne offizielle live-Konzession, so daß wir leider nur noch legale Konzerte machen dürfen. Ist zwar schade, aber dafür kommen jetzt mehr Studentinnen zu den Konzerten, weil wir auch mehr Werbung dafür machen können. Vorher hatten wir natürlich schallschutztechnisch umgebaut, so dass man auf der Straße keinen mucks mehr hört. Unsere Nachbarn denken deshalb immer, wir hätten geschlossen und kommen nicht mehr vorbei, um sich zu beschweren und dabei ein Bierchen zu kippen. Biergarten gibt´s auch. Sehr schön, sehr groß, knasthofartig gestaltet, mit Natosicherheitszaun auf den drei Meter hohen mauern, damit die Dreckspunks nicht mehr mit ihrem Fremdbier drüber klettern können, hehe. Dafür gibt´s dann manchmal Freibier, aber meistens nicht. Wir machen jetzt ca. 10-12 Konzerte im Monat. Punk und ähnliches meistens.
Da gab es ja auch nen fettes Benefiz-Festival für euch, wie ist das eigentlich gelaufen?
Im Juli 2003 gab´s ein 2tägiges Benefiz-festival, um die Miete für den damals für 3,5 Monate geschlossenen Laden bezahlen zu können, sowie die Anwaltskosten etc. das war eine sehr schöne Sache, ich danke allen Bands, die dort gespielt haben und allen die sonst geholfen haben auf ewig. Jetzt läuft der Laden wieder, haben gestern die Wände gestrichen, so dass der Umbau jetzt fast abgeschlossen ist.
Das mit der besten Punkkneipe von Köln hört man ja lustigerweise aus verschiedensten Ecken, klar, meistens von den Punk´n´Rollern, aber ich kenne auch diverse Metalleute, die sehr gerne zu euch kommen – wie kamt ihr eigentlich auf Köln und Kneipe und so? Habt ihr nen Tipp für Leute, die sowas wie ihr auch machen wollen und denken, ihr habt den absolut coolsten Job von Welt?
Erstmal danke für „beste Punkkneipe“. Metalleute kommen eigentlich eher weniger, oder aber die tarnen sich als Punks. Wer weiß schon, wie die Leute mit runtergelassenem Iro und Pantoffeln aussehen. Aber willkommen sinnse alle, alle, alle, alle. Aber nur wennse konvertieren und nach drei Monaten Sonic Reducer mitsingen können. Auf Köln kamen Daniel (auch Shitfuckers dick & the burning assholes, war 2,5 jahre in der Kneipe) und ich damals, 1999 deshalb, weil wir vorher schon 32 Jahre hier gelebt haben (ähem) und auf Kneipe, weil wir nix besseres zu tun hatten, wie so viele. Wer das auch machen will, soll es am besten einfach tun und nicht zuckeln, aber wissen, daß man sich in die Klauen der kapitalistischen Gesellschaft begibt, mit Steuern, Marktwirtschaft und Meuten von geldgierigen, offiziell zugelassenen Gangstern, die alle nur dein Geld haben wollen. Es scheint als sei dies System so ausgeklügelt, daß einem, egal ob als Arbeiter oder Klein-selbständiger, immer nur ein karger Rest zum überleben bleibt.

Aber ich will nicht jammern, das (punk-) Kneipen-ding macht schon immer noch spaß. Jetzt machen wir den Laden zu dritt (Chris und Antje), was auch besser ist, als zuletzt alleine, weil man einfach mehr schafft und dadurch auch mehr Energien für neue sachen hat. Trotzdem bleibt immer viel Arbeit für alle übrig, sozusagen ein Fass ohne boden. Also kurz gesagt, wer in 5 Jahren 15 Jahre älter werden will, sollte eine Punkkneipe aufmachen. Wer in einer Punkband spielt und Schwierigkeiten hat, Auftritte für die Band zu organisieren sollte eine Punkkneipe aufmachen, denn dann kann er da immer spielen, so wie wir jetzt auch wieder am 30.10. zusammen mit Severin binczek quartett aus Köln. Wer sich viel mit Behörden, Gema, Nachbarn rumschlagen will, sollte eine Punkkneipe aufmachen, wer auch abends gerne anderen Menschen rücksichtslos seine Lieblingsplatten vorspielen will sollte auch das tun. Ist auf jeden fall ein cooler Job, aber nur, wenn man nicht jeden abend hinterm Tresen stehen muß.
Abschließend natürlich die Frage, die den Bogen sensationell schließt: wenn du von der Band als auch von der Kneipe gut leben kannst, würdest du dich für eine Sache entscheiden und wenn ja, für welche?
Wenn ich von dem gut leben könnte, für das ich mich entscheide, würde ich mich für den unverdienten Ruhestand entscheiden.
Hey, dass ist ne Ansage; danke schön an Euch zwei für das Interview.


Interview: Jan Röhlk
Kontakt Band: www.shitfuckers.de.vu, shif_d@yahoo.de
Kontakt Sonic Ballroom: www.sonic-ballroom.de, sonicballroom@yahoo.com

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