März 17th, 2020

SECOND COMBAT (#164, 2014)

Posted in interview by Thorsten

“We’re just a normal Hardcore band that have a strong belief in Politics”
Second Combat (SxE Hardcore aus Kuala Lumpur)

Normalerweise stoße ich auf gute Bands, indem ich sie live sehe oder sie mir von einer/m guten Freund/innen empfohlen werden. Bei Second Combat war es reiner Zufall. Deren Platte „Count on to Survive“ hatte ich im Herbst 2012 gekauft, weil noch ein wenig Geld auf dem Konto war und ich bei dem Mailorder eh schon eine Bestellung aufgeben wollte. Dieser merkwürdige Gedanke „damit sich das mit dem Porto lohnt“ durchfuhr mich und so testete ich auf Verdacht eben Second Combat an. Und zack, kam ein Päckchen mit der phantastischen LP der Malaysier.

Wenige Monate später, Winter 2012, an einem Tag unter der Woche in Kuala Lumpur, Malaysia: Es ist heiß, schwül und es regnet. Wir haben uns mit Ein von Second Combat verabredet, dessen Kontakt wir über einen Freund in Singapur bekommen haben. In einem Straßencafé sitzen wir, Ein (der Sänger der Band), drei Freunde von ihm aus KL sowie Ann und ich. Wir trinken Teh Tarik, einen heißen Milchtee, und unterhalten uns. Ein ist nicht nur ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, sondern auch ein sehr reflektierter und spannender Gesprächspartner. Relativ schnell keimt die Idee, ein Interview mit Second Combat zu führen. Das erhärtet sich, als wir wenige Tage später unabhängig von dieser Begegnung zufällig Arwith treffen, den Bassisten der Band. Wir stehen im Rumah Api, einem selbstverwalteten Zentrum in KL, und warten, dass die Bands anfangen, als ich an seinem Distro stehe. Schnell kommen wir ins Gespräch. Er ist, wie sein Bandkollege, ebenfalls ein sehr netter, reflektierter Typ, humorvoll und aufgeschlossen.
Was lag also näher, über Punk und Hardcore, Veganismus, Satanismus und Religion sowie der Szene in Malaysia mit Second Combat zu sprechen? Genau, nichts!

Hallo, fangen wir doch einfach mal mit dem Klassiker an – stellt Euch und Eure Band doch mal kurz vor.

Hey, mein Name ist Ein und ich bin der Sänger der Band, Arwith spielt Bass, Palie Schlagzeug und Mimin ist unser Gitarrist. Wir sind aus Klang Valley, Malaysia. Uns gibt es schon seit 1996, allerdings hatten wir ein paar Änderungen im Line Up in den letzten sieben Jahren.

Veröffentlichungen:
„Hardcore Attack!“ CD-Compilation mit Feud, Fastgame, Kental und Bettercore, 2000 auf Youth Crime Records;
„One More Fight“ CDEP, 2002 auf Sober Records;
„Take No Heroes” CD-Compilation mit Feud, Razlog Za, Pointing Finger, Only Way Out, Mutiny und Crickbat, 2003 auf Boisleve Records;
„What has inspired us“ CDEP + 7”, 2006 auf Commitment Records;
„Motivation / Second Combat“ Split-CD, 2009 auf United X Front Records;
„Count On To Survive” auf CD + LP, 2012 auf United X Front, Records;
Zudem Compilation-Beiträge und Tributes für Youth of Today und Warzone

Was war Eure Motivation mit Second Combat anzufangen?

Im Jahr 1996 gab es keine Hardcore-Szene in unserer Stadt. Wir waren inspiriert von den Bands aus den frühen 1990ern. Wir wollten so klingen wie die Bands aus New York, Washington DC oder Boston. Die Szene war etwas planlos und ohne irgendeine Richtung. Daher begannen wir mit Second Combat und auch einige andere Hardcore und Punk Bands wurden zu der Zeit gegründet. Im Jahr 1996 fingen wir als Punkband unter anderem Namen an. Wir klangen wie Pennywise, Descendents, Face to Face, Ten Foot Pole etc. Doch über die Zeit veränderten wir uns stark. Zu Beginn hatten wir allerdings keine Ahnung, wohin es uns bringen würde. In der Zeit um 1998 hörten wir viel Oldschool Hardcore Bands wie Minor Threat, SSD, Youth Brigade und den ganzen Dischord Kram. Das war der Zeitpunkt, als wir uns entschieden, mehr wie die DC-Bands zu klingen, beeinflusst von Minor Threat. Das war, was wir wollten. Erst später hörten wir New York und Boston Hardcore, aber unsere Message ist immer noch die selbe. Ehrlich gesagt, wir vermischen unseren Stil immer noch von Jahr zu Jahr, je nachdem, was wir hören. Manchmal ist es ein wenig mehr Trash, mal etwas mehr Metal. Wir bleiben am Ball mit neuen Sachen, sodass die Kids nicht gelangweilt werden.

Ihr seid ja schon, wie Du sagtest, recht lange dabei. Wie wichtig ist es, dass Bands wie Second Combat noch aktiv sind, vor allem für jüngere Kids? Seid ihr über die Band hinaus noch aktiv in der Szene?

Ich glaube, das ist sehr wichtig. Am Anfang war es für uns sehr schwer, alles über Hardcore zu wissen. Wir dachten Saufen und Drogen wären cool. Jetzt wissen wir, dass es nur ein Teil der Szene ist. Jetzt zeigen wir den Kids ein anderes Beispiel. Sie danken es, wie wir es ihnen danken, auch wenn wir wissen, dass einige der Kids nicht lange in der Szene sein werden. Drei von uns sind sehr aktiv in der Szene. Bassist Arwith betreibt einen Distro (Utarid Distro), spielt in diversen Bands und organisiert Shows, unser Drummer Palie spielt in vielen weiteren Hardcore Band und ich betreibe eine Organisation und ein Label. Im Moment suchen wir nach Kids mit Talenten und versuchen ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen.

Eure Texte gehen ja über den „normalen Hardcorekram“ hinaus. Viele haben einen politischen Anspruch. Würde ihr euch als politische Band sehen?

Wir sind eine ganz normale Hardcore-Band, die stark an Politik glaubt. Als wir in den 90ern aufgewachsen sind, waren die meisten Hardcore-Bands, v.a. in Europa sehr politisch. Sie waren beides zur selben Zeit, positiv und politisch. Da die Situation, in der wir leben, uns dazu nötigt, dass wir politisch sind und über die Regierungsstellen und über globale Klimaerwärmung zu singen, denn beides bedroht uns jeden einzelnen Tag. „Being positive“ hat uns davor bewahrt, dass wir blind irgendwelche Produkte konsumieren, die wir nicht brauchen, oder die Zigaretten- und Alkoholindustrie unterstützen, die unsere Gesundheit und Umwelt negativ beeinflussen. Und natürlich auch freundliche Personen zu sein, soweit das geht, in dem wir unser Selbstwertgefühl nicht überhöhen und die Integrität bewahren, jeden zu respektieren, auch wenn er anders ist als wir. Ich denke, Andere zu respektieren ist sehr wichtig!

Ich habe gelesen, dass ihr Veganer bzw. Vegetarier seid. In Südostasien ist das ja nicht so üblich. Wie schwer ist es für euch, diesen Lebensstil zu pflegen, v.a. im Vergleich zu Europa, wo es mittlerweile eine ganze Infrastruktur für Veganismus gibt?

Wir sind nun nur noch drei Vegetarier. Unser alter Gitarrist hat die Band verlassen und der neue Gitarrist ist kein Vegetarier. Wir konnten Veganismus auch nicht durchhalten, da es hier sehr schwer ist. Wann auch immer wir in einem Shop oder einem Restaurant aßen fügten sie versehentlich Eier, Milchprodukte oder andere tierische Zutaten hinzu. Und es gibt leider auch nicht viele vegane Restaurants hier, aber es gibt einige vegetarische. Für uns ist es so okay, vielleicht macht es unsere Kultur einfach schwerer hier vegan zu leben.

Ein, Du hast beim Treffen erwähnt, dass Second Combat im Jahr 2004 oder 2005 Probleme mit der malaysischen Regierung hatte. Du hast erzählt, dass sie Euch als „Satanisten“ betitelten und Euch daran gehindert haben zu spielen bzw. Shows abgebrochen wurden. Was war der Grund dafür?

An Sylvester 2004 gab es ein Hardcore Konzert in Paul’s Place in Jalan Klang Lama (Kuala Lumpur). Die Polizei hat zusammen mit den Medien den Gig gestürmt und circa 400 Personen beschuldigt Black Metal zu unterstützen, zu praktizieren, zu predigen, was auch immer, und dazu auch Drogen zu nehmen. Einer der Polizisten sagte, dass sicherlich die Hälfte der Anwesenden positiv auf Drogen getestet würde. Sogar die Personen, die in der Nachbarschaft an Ständen und kleinen Läden aßen, wurden festgesetzt. Alle wurden ins fünf Kilometer entfernte Brickfields Revier gebracht und mussten einen Urintest abgeben. Und was geschah? Nur sechs von 400 wurden positiv auf Drogen getestet. Für die Polizei stand fest, wer schwarze T-Shirts trägt muss ein Black Metal-Anhänger sein. Natürlich begehen wir nicht diese Rituale. Doch für sie war klar, Musik mit schweren Gitarren-Riffs und schreienden Vocals sind Black Metal Songs. Einige von den Leuten versuchten zu erklären, dass wir keine Black Metal Bands waren, sondern Hardcore Kids. Sie gaben ihnen sogar CDs, damit sie sich die Musik anhören konnten. Und was passierte? Sie sagten erneut, es sei Black Metal. Gewiss, sie sind dumme Menschen, die sich verhalten, als hätten sie einen Doktor in dem, was sie tun. Aber da sind mehr Muslime in Diskotheken, die Alkohol trinken, Ecstacy nehmen oder was auch immer, als auf diesem Gig. Malaysias Medien und die Polizei sind dumm.

Viele, die das Interview lesen, haben, sicherlich keine Ahnung von Malaysia oder Kuala Lumpur. Wie würdest ihr die Stadt beschreiben? Wie die Szene?

Es ist eine kleine Szene, in der jede/r jede/n kennt. Wir haben verschiedene Szenen: Hardcore, Punk, Metal und Indie, und wir müssen uns austauschen, damit die Szene(n) größer werden und mehr Kids zu den Shows kommen. Es geht nicht um musikalische Differenzen, sondern um die gegenseitige Unterstützung. Die Hardcore-Szene ist zum Beispiel sehr klein. Normalerweise kommen so zwischen 100 bis 200 Kids zu den Hardcore-Shows, nicht mehr. Wenn eine internationale Bands spielt, tauchen auch schon mal 400 bis 500 Kids auf. Das ist gerade ausreichend, um die Raummiete zu decken. Normalerweise buchen wir gute Orte für gute Konzerte. Das heißt, in den meisten Fällen verlieren wir unter dem Strich Geld.
Seit Kurzem haben wir einen eigenen Laden, „Alt Hq“ oder auch „Rumah Api“ genannt. Wir haben selbst Kontrolle über den Ort. Es ist ein Ort, wo Kids rumhängen können, eine gute Zeit haben und das in ihrem eigenen, privaten Ort. Bis zu 400 Kids passen rein, wie wir uns das vorstellen. Und wie gesagt, das Beste, er wird durch Kids aus der Szene betrieben. Straight Edge und Hardcore! Es ist untersagt in dem Laden zu trinken oder zu rauchen.
[Anm. Mika: Ironischerweise ist der Ort in direkter Nähe eines Polizeireviers, doch außer mit einem/r Anwohner/in haben die Punks dort – so zumindest die Aussage eines anderen Freundes – keine Probleme vor Ort mit der Polizei. Die Bedrohung für das Rumah Api kommt eher daher, dass die Häuser einer Straße weichen sollen …]

Wie wichtig ist Euch das drogenfreie Leben? Aus meiner Sicht, vor allem verglichen mit anderen Ländern in denen ich zuvor war, spielte Alkohol in Malaysia eine sehr geringe Rolle. Selbst in selbstverwalteten Orten wie dem Rumah Api gab es fast keinen Alkoholkonsum.

Ich habe einen Bruder, der drogenabhängig war. Das hat meine Familie total ruiniert. Ich habe meinen Bruder gehasst, weil er ein Junkie war und ich nannte ihn nicht mal mehr meinen „Bruder“. Als ich älter wurde verstand ich erst, wie viel Unterstützung diese Menschen brauchen. Sie von der Gesellschaft auszuschließen ist nicht der richtige Weg. Wir müssen das Vertrauen ins uns zurückgewinnen. Straight Edge zu sein ist nicht einfach hier, viele Menschen kritisieren was wir tun. Der Vergleich zwischen SxE und Religion ist so weit hergeholt. Wir haben SxE nie als Religion oder etwas Spirituelles gesehen. Es ist eine konstante Herausforderung gegen den Drogenhandel, gegen die Zigaretten- und Alkohol-Industrie, die unsere Sitten und Werte bedrohen. Wenn wir nicht in der Punkszene wären, würden wir wahrscheinlich nur „nüchtern“ genannt. SxE war da, uns zu sagen, es ist Okay nicht zu trinken. Ich erinnere mich an das erste Mal, als SxE mich umarmte. Für mich hatte das persönliche Gründe und ich wollte nie, dass mir irgendjemand folgte, weil ich es für mich entschied. Viele Leute machten sich einen Spaß daraus mir ihren Rauch ins Gesicht zu blasen, weil ich aufhörte Zigaretten zu rauchen. Ich erhielt Demütigungen jeden Tag, aber irgendwann gaben sie auf. Auch als Straight Edger Vegetarier zu sein, ist nur eine Option. Das ist eine Fehlinterpretation der Gesellschaft dir zu sagen, was Straight Edge sein sollte. SxE Kids werden immer mehr in Klang Valley, einige SxE Bands kommen aus der Stadt. Es gibt mittlerweile viele Kids, die keine Drogen mehr nehmen wollen, keinen Bock auf Rauchen und Alkohol haben. Sie wären gerne ein Teil der Szene, wissen aber nicht, wo sie hingehören und wie sie reinpassen. Aber natürlich ist da ein Platz für sie. Ich bin nun seit 13 Jahren Straight Edge. Ich erwarte nicht, damit die Welt zu ändern, aber ich möchte mich, meine Familie und meine Szene damit verändern. Ich denke, es ist nicht das Richtige für alle, also fang nicht damit an, wenn Du dich nicht verpflichtet fühlst. Ich denke, wenn jede/r aufhört unnötige Produkte zu konsumieren, dann wird die Produktion irgendwann gestoppt, die Luft weniger verschmutzt, Unternehmen gehen bankrott und unsere Gesundheit wird sich erholen und wir werden länger leben.

Ein, Du bist neben der Band auch in einer Non-Profit Organization aktiv. In ihr arbeitest Du mit den städtischen Armen, unter anderem unterrichtest Du Kids, wie man Musik macht und sich um ihre Umwelt zu kümmern.

Ja, es ist eine Drug Free Youth Association (DFYA) und ich bin darüber hinaus auch in einigen anderen Organisationen involviert, wie Like My Harapan, Initiatives for Change, Malaysia Act on Tobacco Control and Untoxicated from Australia.

Wie wichtig ist für dich diese Art von „aktiv sein“? Wie viel beeinflusst dich die Arbeit bei der Musik?

Aus meiner Sicht brennt es gerade an jeder Ecke auf der Welt, aufgrund unserer selbstgerechten Art und den Leuten, die uns politisch führen. Es gibt so viel Korruption und Machtmissbrauch, die unsere Gesellschaft beherrschen und den Menschen das Leben schwerer machen. Wir kümmern uns nicht um unsere Umwelt, da Geld und Macht unsere Welt ausbeuten. In Malaysia geben wir so viel Geld für Sport und eine bessere Reputation aus, aber wohin geht das Geld? Die Armut ist weiterhin sichtbar und Waisenhäuser müssen tagtäglich Geld sammeln. Wo sind all diese Organisationen, die eigentlich diesen armen Menschen helfen müssten? Und wir reden noch nicht mal über Kleinigkeiten wie Recycling oder so, was hier nicht praktiziert wird. So wie wir es sehen, geht die Welt gerade zu Grunde durch die Globalisierung, die ein Hauptverursacher für die globale Erwärmung ist, genauso wie die Freihandelsverträge oder der ganze Trans-Pacific-Strategic-Economic-Partnership-Agreement-Scheiß (Anm. Mika: Das TPSEP wird seit 2010 zwischen fast allen Pazifik-Anrainerstaaten Asiens und der beiden Amerikas verhandelt. Es verfolgt eine neoliberale, unternehmens- und investorenfreundliche Agenda, die in Zukunft den demokratischen Spielraum für besseren Umweltschutz, bessere Sozialstandards und Menschenrechte einschränken wird). Der Effekt, dass sie nach weiteren Ankern für die Entwicklung suchen, tötet einfach alles, die Entwaldung befällt die Modernisierung und zerstört schlussendlich den Planeten. Vor allem so lange Großunternehmen es genießen, Fabriken zu errichten und damit das Land im Namen ihrer gierigen Industrie zerstören. Darüber hinaus steuern Autos und Fabriken jeden Tag stark zu der Verschmutzung und somit der Zerstörung der Ozonschicht sowie dem Schmelzen des Eises bei. Brauchen wir noch mehr Autos? In 50 Jahren werden vielleicht 50 Prozent des Landes mit Wasser bedeckt sein. Was tun wir dagegen? Ich denke, es ist zu spät, wenn wir dies erst in 20 Jahres verstehen. Viele Menschen haben dafür überhaupt kein Bewusstsein, solange sie in ihrem Schloss leben, das okay ist. Dies ist ein großer Unterschied zu Europa, wo es schon jetzt erste Vorkehrungen und eine Bewusstseinsbildung zur globalen Erderwärmung gibt. Ich schreibe einige Songs, um die Menschen hier zum Nachdenken zu bringen und ihnen klar zu machen, was hier eigentlich passiert. Ich schrieb Songs für mich, um mit mir selbst und der Szene im Reinen zu bleiben. Darüber hinaus gibt es natürlich viele weitere Motive und Gründe. Die Songs sind politisch und haben eine tiefere Bedeutung in diesem Zusammenhang, es geht vor allem um Tierrechte, Menschenrechte, Erderwärmung und Globalisierung. Ich vertraue darauf einen richtigen Weg aufzuzeigen und zu helfen sein eigenes Leben zurückzugewinnen. Die Gesellschaft bildet Abgrenzung und macht viele von uns zu Kriminellen. Das ist falsch und inakzeptabel. Dies führt nur dazu, dass Menschen vermehrt auf Drogen zurückgreifen. Die Regierung kümmert sich zu wenig, um dies zu ändern. Alle Investitionen gehen zum Kapital, dass Geld für sie macht und nicht in soziale Bedürfnisse investiert. Ich arbeite full-time als Aktivist in einer NGO. Ich wollte nie in der Industrie arbeiten, die zur Globalisierung und zu Korruption beiträgt. Ich bin glücklich mit dem eingeschlagenen Weg und mache gerne andere Menschen glücklich und unterstütze sie.

Seit wann gibt es eine Punk/Hardcore-Szene in Kuala Lumpur?

Die erste Punkrockszene begann in Malaysia in den späten 1970ern, in Terengganu. Es fing in der kleinen Stadt Dungun an mit einer Gruppe von Freund/innen, die beeinflusst durch britische Magazine, wie dem NME, Melody Maker, Sounds oder Zig Zag waren, wie auch durch ihre Brüder und Freund/innen, die in den moderneren Städten der Westküste (Malaysias) studiert haben. Sie schickten ihnen die Magazine und Musik. Terengganu war als malaysische Hauptstadt des Punkrocks in 1979 und den 1980ern bekannt, aber es gab leider keine Bands, da die Punks zu arm waren, um sich Equipment leisten zu können. Die Szene bildeten damals die Punk-Pioniere, die überspielten Musik und kopierten Fanzines, tauschten sie, während sie sich in selbst-gemachter D.I.Y.-Punkmode versuchten. Das meiste des Tauschmaterials kam von (Brief-)Freund/innen, die in Übersee studierten, Freund/innen, die in den Städten der Westküste (Malaysias) lebten und Punks aus England, Europa oder den USA, die Tapes und Zines schickten. Unregelmäßig machten sie Trips nach Singapur oder Kuala Lumpur (und hin und wieder Georgetown, aber das war eigentlich zu weit entfernt), um Punk Rock Platten und raubkopierte Tapes in den Plattenläden zu erwerben.
Das erste Malaysische Punk-Fanzine kam aus genau dieser Szene. Es erschien im Jahr 1986 unter dem Titel „Huru Hara“, was Chaos bedeutet. Es war im Terengganu-Slang von Mamat Hitam geschrieben, wurde aber leider nie im größeren Stil vertrieben. Das erste Zine was eine größere Reichweite hatte, war das „Aedes“, das es bis 1996 gab. Die HC/Punk-Szene begann dann in der Mitte der 1990er im Herzen Malaysia, vor allem in Kuala Lumpur, zu boomen. Viele Bands aus verschiedenen Regionen kamen in die Stadt, um zu spielen. Die meisten Konzerte in der Zeit waren von HC/Punk-Kids, Metalheads, Indie-Rocker, Skinheads und anderen besucht. Unsere lokalen Einflüsse waren Bands wie Carburator Dung, Chronic Mass, Basic Rights, Disaster Funhouse und The Bollocks.

Second Combat sind eine der wenigen Harcore-Bands, die aus Südostasien kommend in Europa bekannt sein könnten, da ihr im Jahr 2008 hier getourt habt. Wie war die Tour? An was erinnert ihr euch? Und warum habt ihr in Europa gespielt und nicht in den USA?

Wir haben 2007 in Europa gespielt und das Feedback, dass wir bekamen war wirklich gut. Wir haben viele großartige Bands und gute Leute getroffen, die von überall herkamen. Vor allem Backsight aus Frankreich, die Band mit der wir getourt haben, haben uns wirklich sehr stark geholfen und sie sind auch als Band super. Schade, dass sie sich mittlerweile aufgelöst haben. Alles in allem war die Tour eine großartige Erfahrung. Wir wollten eigentlich erst die USA touren, aber es war sehr schwer für uns ein Visum zu bekommen, ganz anders für Europa. Wir mussten nicht einmal ein Visum beantragen, um Euren Kontinent zu betreten. Vielleicht werden wir es irgendwann noch mal versuchen, das US-Visum zu bekommen und werden dann schauen, ob jemand gewillt ist, uns durch die USA zu kutschieren. Schreibt einfach eine Mail, wenn ihr denkt, ihr könnt uns dabei helfen: (utaridbooking@gmail.com).

Arwith hat erzählt, dass ihr auch schon in Thailand, den Philippinen und Indonesien gespielt habt. Wie wichtig ist euch der Austausch mit anderen Hardcore-Kids in Asien? Wo siehst Du Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?

Ich glaube, dass Hardcore eine weltweite Gemeinschaft darstellt, eine Art Underground-Movement. Wenn du in Südostasien bist, bemerkst Du, wie die Szenen in Malaysia, Thailand, Indonesien, Singapur und in den Philippinen miteinander verbunden sind. Wir kennen uns mittlerweile alle sehr gut. Wenn es dazu kommt, dass eine Band tourt, dann helfen wir uns gegenseitig aus. Das macht es für die tourenden Bands einfacher zu touren. Indonesien hat zum Beispiel die größte Hardcore-Szene und sie schaffen es unabhängig von den USA oder Europa Dinge zu organisieren. Sie sind mehr wie die europäische Hardcore-Szene. Wenn eine Band touren will, würde ich ihnen sofort Indonesien empfehlen. Wir wünschen uns, dass US-amerikanische und europäische Bands hierher kommen. Sie sind definitiv willkommen hier und wir freuen uns auf sie. Das Problem ist, dass einige Bands viel Kohle verlangen, was wir nicht zahlen können. Das Geld kommt halt von den Shows und das hängt davon ab, wie bekannt du bist. Ich denke, dass es für die Oldschool-Hardcore-Bands noch am einfachsten ist, da das Netzwerk einfach unglaublich gut funktioniert. Wenn Du es mit Metalcore oder Indierock-Bands vergleichst, wirst Du sehen, dass sie nicht so viel touren, weil sie nach mehr Geld fragen und sich wie Rockstars benehmen. That really sucks! Wir bewundern schon europäische und US-Bands, immerhin haben sie alles begonnen. Wir wünschen uns, dass europäische und US-Bands kommen und sehen, was hier passiert. Es ist tatsächlich eine „pure Scene“, ähnlich wie sie es vor langer Zeit begonnen haben. Als wir beim letzten Mal in Europa waren, haben sie sehr gut auf uns aufgepasst. Wir haben sehr viel Respekt vor der europäischen Hardcore-Szene. Ich hoffe, die Kids behalten diese Einstellung und unterstützen weiterhin Bands aus Asien, vor allem „3rd World Hardcore“.

Vor einiger Zeit habe ich mich in meinem eigenen Zine (Alleiner Threat #3) mit Religion und Punk beschäftigt. Christliche Punkbands gibt es ja einige, aber auch die so genannte Taqwacore-Szene in den USA hat muslimische Punkbands hervorgebracht. Wie wird Punk und Hardcore in einem muslimischen Land wie Malaysia gesehen? Du hast ja schon erwähnt, dass ihr mal als Satanisten bezeichnet wurdet. Habt ihr Probleme mit der Kirchenhierarchie? Und was denkt ihr über Taqwacore?

Wir haben davon gehört, aber uns nicht drum gekümmert, weil wir es für eine Art Witz halten. Islam und Punk passt einfach nicht zusammen, genauso wie Punk und andere Religionen. Auch wenn wir Muslime sind, sprechen wir nicht über den Islam auf Shows. Das ist einfach nicht richtig. Wir gehen in die Moschee und wir beten auch, aber wir predigen nie über den Islam auf Hardcore-Shows. Wir tun Gutes indem wir auf Shows nicht trinken und rauchen. Wir respektieren den Islam, wie wir auch jede andere Art von Religion, wie Christen, Buddha, Hindus oder was auch immer, respektieren.

Denkst Du, es gibt irgendwelche Unterschiede zwischen Punk und Hardcore Bands die aus muslimischen Gesellschaften kommen?

Da gibt es keine großen Unterschiede. So wie ich das sehe ist es das gleiche. Nur dass wir hier keine muslimischen Hardcore Bands haben, wie es woanders christliche Hardcore Bands gibt. Wir assoziieren Musik nicht mit Religion, weil wir hier viele verschiedene Kulturen haben. Die westliche Kultur sieht uns anders, vielleicht auch als eine Art Bedrohung. Die Sache ist, niemand aus der Hardcore-Szene ist ein Faschist, wie die Taliban in Afghanistan. Selbst in Indonesien sind die Kids großartig und inspiriert von amerikanischen und europäischen Bands. Wie könnten sie gewalttätig sein? Manche sehen radikal aus, aber sie predigen nicht über Religion oder „race“ auf Konzerten. Auch in Malaysia und Singapur sind alle gut erzogen und Rassismus ist in unsere Szene fehl am Platze.

Malaysia ist ein Land mit mehreren Ethnien. Mein erster, flüchtiger Eindruck ist, dass in der Szene aber mehr Malayen als Mitglieder aus der chinesischen oder indischen Minderheit zu finden sind. Wie kommt das?

Ich denke, das ist typisch malaysisch, vor allem verglichen mit Singapur und Indonesien. Ich denke, dass die chinesischen und indischen Eltern stärker auf die Aktivitäten ihrer Kinder aufpassen. Vielleicht erlauben sie es ihnen nicht mit Leuten wie uns befreundet zu sein. Anders ist das bei malaysischen Familien, die kümmern sich weniger um Dinge. Daher verursachen Malayen auch die Mehrheit der Mittelschichtsprobleme. Die chinesische Minderheit ist hier mehr in der Pop- und Trance-Musik zu finden. Die Inder sind sehr stark in ihrer traditionellen Musik und Kultur verwurzelt. Diese Trennung findet aber mehr bei Hardcore Shows statt. Bei den großen Konzerten wie My Chemical Romance oder Linkin‘ Park ist das anders, dort sind nicht nur Malayen. Leider gehen viele Mitglieder der Minderheiten nicht zu kleineren Shows. Vielleicht haben sie auch keine Ahnung, dass wir existieren. Aber in Singapur ist es anders und cool, dass viele in der Szene sind. Du siehst dort chinesisch-stämmige Skindheads oder indische Punks. Hier ist das leider seltener.

Danke an Euch für das Interview!

Danke für das Interesse an Second Combat und sorry, für unser schlechtes Englisch!
Go Straight Edge! – Second Combat

Weitere Infos und Musik leider nur über:

https://www.facebook.com/secondcombathc/

Mika Reckinnen

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