Dezember 3rd, 2019

Schmand aus #145, 2010

Posted in interview by Jan

Eingängiger Math-Core und beyond…
Interview mit SCHMAND

Schmand aus Süddeutschland sind eine ganz neue Band. Es gibt zwei Demos, geplant ist die Debüt-Platte. Musikalisch wird hier der sogenannte Fast- mit gebrochenen Math-Core durch adornitische Gemälde-Strukturen implizit… na ja, ihr wisst Bescheid! Nicht? Das Helldriver Magazin beschreibt es sehr treffend, beide Demotapes der Band sofort besorgen!!!

„Das Trio frönt dem chaotischen Hardcore und auf ihrer ersten Eigenproduktion sind sechs Songs versammelt, die an frühe Converge und Coalesce erinnern. Die Songs sind gespickt mit verzwickten Rhythmuswechseln, kranken Vocals und wummernden Basslinien. Von extremen Grindcore Parts über schmissigen Hardcore bis hin zu ruhigen, latent jazzigen Parts ist alles in den recht kurzen Songs vertreten. Die technischen Fähigkeiten der Protagonisten lassen keinerlei Wünsche offen und die Songs sind stimmig arrangiert. Zwar immer sehr chaotisch, aber jederzeit nachvollziehbar und auf den Punkt kommend. Das Trio hat hörbar Spaß an der Sache. Mit Schmand haben wir es ohne Zweifel mit einer hoffnungsvollen Nachwuchsband zu tun, von der in Zukunft hoffentlich noch viel zu hören sein wird. Cool.“

Ich denke, alles weitere von Interesse wird in diesem Interview verhandelt. Schmand rules, checkt die mal aus! Sänger Pat nahm sich im April 2010 die Zeit…

Hey Pat, danke für dieses besondere prä-LP Interview, ha. Was steht an im Hause Schmand 2010, Wacken, das volle Programm?
Hallo Jan, ich glaub ja, das mit der LP ist noch etwas hin, aber trotzdem schon Mal jetzt zu Beginn vielen Dank für dein Interesse am Schmand und die Gelegenheit, im Trust zu sein!  Also aktuell machen wir, was das Proben betrifft, so ne Art Zwangspause. Unser Gitarrist Andreas ist für gute vier Wochen im Urlaub in Asien. Mein Stand ist, das er in Thailand verweilt. Bevor er sich verkümmelt hat, haben wir begonnen, für zwei geplante Split-ep’s Songs zu schreiben. Bevor wir da aber zum aufnehmen schreiten, haben wir noch ordentlich mit den Aufnahmen zur LP zu tun.

Ich muss da noch mal an den Gesang ran und Simon will noch mal am Schlagzeug-Sound basteln. Wenn der Andreas dann wieder aus Asien zurück ist, sind noch ein paar Gitarren overdubs notwendig, ja und dann kann es sich nur noch um Monate handeln, bis Simon den ganzen Kram abgemischt hat… Simon ist Tontechniker und da liegt es natürlich nahe, ein solches Vorhaben möglichst in komplett eigener Regie zu verwirklichen. Problem an der Sache ist aber natürlich, dass man sich dann schon ganz schön in Details verstrickt. Unser Dank geht da an Mike Müller, dessen Daya-Recordings-Studio wir nutzen dürfen. Er hat wirklich schon viel Geduld mit uns bewiesen.

Ziel ist ja, dass wir fertig sind, bis Mike umzieht und das rückt immer näher. Das hat aber auch sein Gutes, weil wir dann endlich mal ein bisschen Druck verspüren, da nen Zahn zu zulegen. Yeah, Nachricht des Tages ist, dass Chris Corrosive mir gemailt hat, dass die „A fucking tribute to slap a ham“ Kompilation LP fertig ist und sich auf dem Weg zu uns befindet. Wenn ich richtig informiert bin, hast du die sogar schon in den Händen gehabt. Freu mich schon riesig auf die Platte. Hey, das ist das erste Mal, dass Schmand auf Vinyl zu hören sind und das dann gleich in so netter Gesellschaft. Sollte man sich besorgen, das Ding, am besten gleich bei Chris via myspace.com/fuckingkillrecords eine Kopie sichern. Eh und Wacken, da war ich noch nicht einmal. Bin mir auch relativ sicher, dass der Schmand Wacken auch nicht sehen wird.

Yeah, der Slap-a-ham TributeSampler ist klasse, jetzt schon Platte des Jahres? Ihr habt da ja u.a. den Song, wo zufällig auch ein paar Slap-a-ham-Bandnamen fallen, ha. Ist das „dein“ Lieblingslabel, vielleicht gar Vorbild für deins? 
Ob es die Platte des Jahres wird, vermag ich leider noch nicht zu beurteilen, hab sie selbst ja noch gar nicht gesehen bzw. gehört. Was auf alle Fälle sicher ist, ist das die Kompilation nen sehr guten Eindruck vermittelt, was in Deutschland momentan aus dem fastcore/ speedcore/grindcore/
powerviolence – nenn es wie du willst – so sein Unwesen treibt.

Klar fehlen da ein paar für mich in diesem Kontext wichtige aktuelle Bands, wie zum Beispiel Hellborn Messiah, Slump, Keitzer oder die grandiosen Atka, aber insgesamt gesehen verspricht das reine Betrachten der Liste der beteiligten Bands schon sehr viel. Alte Hasen wie Cyness, Yacöpsae, Bizarre X, Wojczech und Corrosive treffen auf junge Bands (mit zum Teil alten Säcken) wie Civil Victim, Nervous Breakdown, Trigger und eben halt auch der Schmand.

Wie gesagt, ist dies das erste Mal, dass wir auf Vinyl zu hören sind, und da freut es mich besonders, dass hier auch noch so viele Freunde vertreten sind! Ja, der Song „Temporary Annihilation“ besteht in der Tat komplett aus zum Teil leicht abgewandelten, Bandnamen und Plattentiteln von Slap-a-ham Releases. Der zweite Song von uns, „a music war“, feiert die bleauuurgh compilation Serie ab. Klar waren wir bemüht, die Songs auch in Richtung Slap-a-ham kompatibler Musik zu schreiben. Beide Songs sind nicht wirklich sehr repräsentativ für das sonstige Schaffen vom Schmand. Die beiden Songs sind viel kürzer, schneller, simpler, als unser anderes Material.

Aber das hat ja eben auch Spaß gemacht, uns drauf einzulassen, hier eine wirkliche Slap-a-ham Huldigung zu kreieren. Das Ganze haben wir dann auch beim Artwork fürs Beiheft versucht, fortzusetzen. Slap-a-ham mein Lieblingslabel?

Ich hab mir noch nie so richtig Gedanken gemacht, ob ich ein Lieblingslabel habe. Falls ich eins nennen müsste, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Slap-a-ham im Bereich „Geballer“ in meiner Liste weit oben auftauchen könnte, sehr hoch. Chris Dodge hat da schon ein sehr gutes Händchen bewiesen gehabt, was die Auswahl der Bands anbetrifft, waren doch einige Releases sehr nachhaltig für das ganze Geschehen im schnellen Hardcore-Bereich. Für mich wichtige Releases, die ich auch noch immer gerne höre, sind die Sachen von Man is the bastard, Phobia und Discordance Axis.

Ganz große Platte, kurz vorm Ableben des Labels dann auch das erste und einzige Release von ner deutschen Band: Yacopsae „Einstweilige Vernichtung“. Klar waren auf den bleauurgh compilations auch deutsche Bands vertreten, hier b.g.t. und die Band von Matt Weigand, Boneheads, aber Yacopsae haben es zu einem Full Length Release auf Slap-a-ham geschafft, schon cool! Ein Vorbild für mein Kinderzimmerlabel, Useless Records, gibt‘s in dem Stil auch nicht wirklich. Musikalisch kommt das ganze schon aus der gleichen Ecke wie Slap-a-ham, mein Fokus liegt ganz klar auf Punk/Hardcore der schnellen Sorte, sprich Grindcore / Fastcore.

Ich mach halt, auf was ich grad Lust habe, sind dann auch mal Sachen darunter, die außer mir nicht so die Massen interessiert, aber das ist mir egal. Habe noch von allen Releases den Grossteil verkauft / vertauscht bekommen und mehr will ich auch nicht. In der Hauptsache veröffentliche ich Bands, mit denen ich mich auf irgendeine Art persönlich verbunden fühle. Gerne veröffentliche ich auch in Kooperation mit weiteren DIY Labels, so kommen die Platten auch gut rum!

Mit wem macht ihr die Split-eps?
Vermutlich werden wir für beide Split-EPs zusammen aufnehmen. Meines Wissens sind die beiden anderen Bands bereits dabei, ihre Songs aufzunehmen und in welcher Reihenfolge die EPs dann eine Veröffentlichung erfahren, hängt dann letztendlich davon ab, welches Label zuerst das go! gibt. Ok, also schon seit drei Jahren sprechen wir mit unseren Freunden von Atka darüber, gemeinsam eine EP zu veröffentlichen.

Atka ist so ziemlich die coolste Grindcore-Band, die ich seit langem aus Europa zu hören bekommen habe und ich tu mich sehr schwer, sie mit einer anderen Band zu vergleichen. Na, das spricht doch für sie, oder? Ist sehr präzis, manisch schnell, sehr technisch und trotzdem verdammt rockig, das Ganze.

Wer die noch nicht kennt, muss dringend ihre Split LP / CD mit Shimetsu anhören! Die EP hätte dann auch schon 2007 passieren können, wenn ihnen nicht ihre Split-LP dazwischen gekommen wäre. Ja, aber jetzt soll‘s dann wirklich klappen! Chris von Fucking Kill Records hat uns hierbei auch schon seine Unterstützung zugesagt, guter Mann! Die zweite Split EP wird mit Geezers sein, auch hier wieder ne Band, mit denen wir dicke sind. Musikalisch schwer einzuordnen. Irgendwo Entombed zur „Uprising“ Phase treffen auf Lemmy-Gesang treffen auf Sludge der Marke Eyehategod oder so. Auf alle Fälle besitzt das ganze nen sehr guten Drive! Diese EP wird dann mit der Unterstützung von Matt Weigand / Ecocentric Records veröffentlicht, guter Mann!

Das coole an den beiden EPs ist für mich: In beiden Bands spielen Personen, die ich teils schon viele Jahre kenne und wir versuchen auch, uns gegenseitig zu unterstützen. Würde wirklich von Freunden sprechen wollen! Ja und das das ganze dann auch noch mit Unterstützung von Personen / Labels geschieht, die ich schon seit guten 15-20 Jahren kenne und wirklich wertschätze, ist schon der Hammer! Fucking kill war in den 90er Jahren schon ein wichtiges Label hier im Süden.

Die Releases von Chris wie die Corrosive EP, die Bohrholm / Corrosive Split EP, oder die Melting Process Platten waren für unsere Region schon ziemliche Knaller. Was Chris seit dem Wiederbeleben von Fucking Kill gemacht hat, ist auch durch die Bank hinweg zu empfehlen. Was Matt angeht, die ersten Briefwechsel hatte ich Ende der 80er, Anfang der 90er, mit ihm. Ich war zu der Zeit am erforschen dieses Mikrokosmos Noisecore, Grindcore, Hardcore, und Matts Distro und Releases waren da ein fester Bestandteil meiner „Recherchen“.

1992 dann hab ich ihn zum ersten Mal in Koblenz besucht und beim zweiten Besuch dann auch ein Interview mit ihm für das „toys move“ Fanzine gemacht. Matt hat schon unglaublich viele, für mich wichtige, Releases zu verbuchen und ich glaube, zumindest was Ecocentric Records angeht besitze ich alle Releases, bei Total Noise Tapes und Ecocentric Records bin ich mir einiger Lücken bewusst. Um Matt ist es ja dann zwischendrin auch mal etwas ruhiger geworden, umso mehr hat es mich gefreut, als sich dann jetzt, Jahre später, sich unsere Wege wieder gekreuzt haben!

Über die Geschichte von Schmand gibt‘s ja alles ausführlich auf eurer myspace-Seite nachzulesen; Schmand selber kenne ich eigentlich als Begriff für irgendwie die Reste beim kiffen im Köpfchen und natürlich irgendwas mit Sahne?
Zu meiner Verteidigung: Als ich zur Band gestoßen bin, stand der Name bereits. Mittlerweile hab ich mich auch damit angefreundet. Ob nun wirklich die Reste in der Bong gemeint sind, kann ich gar nicht sagen. Hier im tiefen Süden sprechen die Menschen eine Sprache, die nur bedingt von hochdeutsch sprechenden Menschen interpretierbar ist. So gibt es diesen Urlaut „Schmand“, den die Eingeborenen hier in Oberschwaben für Schlam, Schmutz, Dreck etc. benutzen. Ja und da ist dann auch die Wortfamillien-Zugehörigkeit  zu „Punk“ herleitbar.

Schwups nennt sich das Duo Andreas G. und Simon R. mit ihrem Projekt „Schmand“. Björn S. am Bass und ich sind ja dann erst nach und nach zur Band dazu gekommen und haben beide zu Beginn den Namen kritisiert, bzw. in Frage gestellt. Uns wurde dann im Laufe der Zeit auch zugetragen, dass der Name andere musikalische Assoziationen weckt und wir uns doch anders nennen sollen. Ich glaube, je öfter jemand unseren Namen für unsinnig erklärte, umso besser fanden wir ihn.

Ihr erwähnt auf der Seite auch den zentralen Begriff „open mindness“, was genau bedeutet das für dich? Musikalisch, „ideologisch“, also die immer währende Infragestellung von Standpunkten, ohne jetzt wöchentlich alles umzuschmeißen? Ich hatte gerade gestern eine interessante, wenn auch sehr kritische, Diskussion nach dem Bizzare X Konzert in Frankfurt mit einem Besucher. Er meinte, er interessiert sich nur für Fastcore und liest ausschließlich das Short, fast and loud Zine. Ich hatte dann gesagt, dass das ja schön ist, aber eigentlich wäre es ja total irre, wenn man ausschließlich nur so verfahren würde, es wäre doch die totale Konformität am End´. Warum nicht mal über den Tellerrand schauen, wenn es ne geile Coutry-Punk-Band gibt, die ähnlich gedanklich radikal ist, auch ohne Booker und fettes Label am Start ist, oder ne Noise-Band, die auf DIY-Ebene agiert oder oder oder, dann würde man die ja nie wahrnehmen können… Spezialisten-Zines und Labels sind immer was feines, aber man kann sich ja auch in was verrennen.
Wow Jan, fuck, das hat lange gedauert! Ich bin ja ein großer Fan deiner Kunst, 7-28 Fragen aneinander zu reihen und war schon gespannt, wann du den ersten Brocken in die Runde schmeißt.
Also, Schmand ist mit absoluter Sicherheit „open minded“, was unsere musikalische Entwicklung angeht. Selbstanspruch und Fremdwahrnehmung driften hier mit Sicherheit auseinander. Wir selbst sehen uns stark im Hardcore-Punk verwurzelt. Gerne gehen wir die Sache etwas progressiver an, als man dies vom generellen Hardcore-Punk gewohnt ist. Der Blick von außen wird oftmals mit der Begrifflichkeit  „Mathcore“ zum Ausdruck gebracht. Das sehe ich nur bedingt so, liegt im Mathcore der Fokus doch oftmals zu sehr auf Sperrigkeit, Gefrickel und co., wohingegen ich denke, dass der Schmand durchaus auch sehr eingängige Momente vorzuweisen hat.

Vielleicht braucht man ein paar Anläufe mehr, um sich in einen Song reinzudenken, als es dies bei beispielsweise den Ramones der Fall ist, aber das macht doch auch dem „Konsumenten“ Spaß, sich mit einem Tonträger beschäftigen zu müssen. Jeder von uns vier Jungs hat seinen eigenen Weg hin zu Hardcore-Punk beschritten und lebt diesen musikalisch auch sehr unterschiedlich aus. Was ich damit sagen will, es gibt vielleicht ne handvoll Bands, auf die wir uns gemeinsam als Einfluss für Schmand festlegen könnten. Simon z.B. frönt alles mögliche vom Breakcore bis hin zum Jazz, Andreas hingegen hört durchaus gerne blue-grass. Im falle von Schmand wird das Gebräu eben erst dadurch interessant, dass speziell die Herren Musiker ihre persönlichen Vorlieben einbringen und dadurch für uns sehr interessante Songstrukturen „passieren“.

Das zeichnet sich oftmals in der Verwendung von im Hardcore-Punk eher ungewöhnlichen Taktarten ab. Wir empfinde es als sehr wichtig, über den viel zitieren Tellerrand zu schauen, andere Musikrichtungen zu beobachten und das Beste daraus selbst zu verarbeiten. Alles andere würde für uns Stillstand bedeuten! Ideologisch gibt’s nichts umzuschmeißen. Auch hier hat jeder seinen eigenen (Dick-) Kopf. und das ist gut so! Was den zweiten Part deiner Frage angeht: Klar kauf ich mir das Short, fast and loud auch, klar hab ich eine Menge an Tonträgern aus den betreffenden Genres im Laufe der Jahre angesammelt.

Aber seien wir mal ehrlich: es gibt nix langweiligeres, als sich nur mit einer Sache zu beschäftigen! Ich denke, gerade dieser Reichtum an Nischen, die sich innerhalb Hardcore-Punk auftun, ist das, was mich in dieser Szenerie, speziell im DIY- Bereich, so lange Fan hat bleiben lassen. Mein musikalisches Spektrum ist sehr breit gefächert und es wäre schlimm, ich müsste jeden Tag nur SXE Hardcore, D-beat, Sludge oder Grindcore hören. Die Mischung machts.

Ich glaube, das können die anderen drei Schmandianer so auch unterschreiben, haben doch sie auch alle ein sehr breites Spektrum an musikalischen Vorlieben. Ein sich absolutes auf eine Sache spezialisieren ist an Konservativität fast nicht zu übertreffen, so dieses sich auf die eine Wahrheit berufen. „Mein Punk ist besser als deiner“, eingeschränkter geht‘s eigentlich gar nimmer.

Was allerdings verboten gehört, ist der Einsatz von Blechblass -Instrumenten in harter Gitarrenmusik, da hört es mit dem „open mind“ Getue eindeutig auf! Das darf eindeutig nur John Zorn und auch das ertrag ich maximal 1-2 Mal im Jahr.

Von euren Stützpunkten Ravensburg und Friedrichshafen habt ihr ja schon einen schönen Überblick auch in die Schweiz. Gibt‘s Unterschiede zur süddeutschen Szene, geht irgendwo besonders viel ab?
Ich habe eine ganze Reihe von Freunden in der Schweiz und gehe auch viel auf Konzerte in der Schweiz. Mit Blindspot ad sind wir dann auch zahlreiche Male in den Genuss gekommen, in der Schweiz Konzerte spielen zu dürfen. Mit Schmand hat das leider bis jetzt noch nicht geklappt.  Große Unterschiede kann ich eigentlich nicht benennen, liegt aber mit Sicherheit daran, dass mir das einfach alles schon sehr vertraut ist. So aus meinem Blick heraus sind Bern und Basel Regionen, in denen es sehr viele aktive Leute gibt. Ansonsten sind halt so die größeren Städte wie Zürich ne Reise wert. Ich hoffe, wir haben bald mal die Gelegenheit, auch mit Schmand in der Schweiz zu spielen.

Die Herren Hellborn Messiah hatten uns dazu eingeladen, sie am Osterwochenende für ein paar Konzerte in die Schweiz zu begleiten, aber dies ist nun durch den Asienurlaub von Andreas nicht realisierbar gewesen, ich hoffe, wir holen das dann beizeiten mal nach! Oh, ein Unterschied fällt mir noch dann doch noch ein: der Umgang mit THC-haltigen Rauchwaren wird auf Veranstaltungen doch etwas offener ausgelebt, als das man das hier auf der Nordseite des Bodensees gewohnt ist.

Pat, du bist ja seit Anfang der 90er mit Label und deiner alten Band Blindspot ad und jetzt Mailorder zusammen mit Sille von Vulgar Records aktiv. Gerade dieser extreme Musikbereich hat doch immer etwas die „gefährliche“ Tendenz, in den Metal rüberzugehen, oder eine reine Metal-Attitude zu übernehmen, einfach schneller, härter, lauter und dann backt man sich noch ein zwei sozialkritische Texte dazu, „Hey, gegen Krieg und so“, fertig ist die Sache. Klar, so was gibt’s auch im traditionellen Punk und HC, aber gerade jetzt wieder zur Zeit habe ich das Gefühl, es geht in dem Bereich wieder vermehrt ums technische Können, ums Gitarrenwixxen etc. und das war‘s. Wie siehst du das, war es vielleicht früher so, dass klar war, dass die Leute alle aus dem Punk kamen und heute sind viele Powerviolence Bands von Metallern gemacht, die einfach nicht diese „social awareness“ haben?

Hm Jan , hast du das Trust # 1-10 -Buch schon durch? Ist schon sehr krass, jetzt Jahre später noch mal nen Blick darauf zu werfen, was für Scheuklappen zu der Zeit getragen wurden, ich meine dieses „diese oder jene Band hat Metaltendenzen“ zieht sich ja konstant durch die Ausgaben hindurch. Wenn ich mir dann so aktuelle Hardcore-Bands anhöre, hör ich da mehr Metal als bei Metalbands Mitte der 80ger, ha ha.

Ich bin so 1986 mit zwölf zum Skateboard fahren gekommen und habe in diesem Kontext dann, bis ich dann so 16 war, auch meine musikalische Sozialisation von Punk / Skatecore bis hin zu Grindcore / Death-Metal vollzogen. Die Kids, die hier am Bodensee Skateboard gefahren sind, waren wirklich zu großen Teilen Punks mit ner klaren Punk-Attitude. Komischerweise hatten wir aber nie so die Abneigungen gegenüber Metal. Vielleicht auch, weil bei uns am Bodensee auch nie so die ausgeprägte Metal-Szene zu finden war und man somit auch von den Bauern-Metalern verschont blieb…

Klar war, das wir antifaschistisch waren, klar war, das wir uns als sozialkritisch verstanden, klar war, das wir skaten als Lifestyle sahen und klar war, das es zu diesem Lifestyle nen Soundtrack gibt: Punk und Metal! Yep, Metal ist für uns da dann nicht unbedingt Blind Guardian, sondern eher Autopsy, weniger Metallica, mehr Napalm Death. Also schon so der Hang zum Extremen. Keine Ahnung, habe jetzt keine Referenzen, aber ich schätze mal, ich habe hier bei uns in Friedrichshafen die größte Sammlung an Deathmetal / Blackmetal Scheiben, habe aber nicht einen einzigen stumpfen Metaller in meinem Freundeskreis und verstehe mich selbst auch nicht als Metaller.

Musik ist im Laufe der Jahre zu einem sehr wichtigen Teil von mir geworden und ich habe eine gewisse Affinität zu extremen Sounds, wobei ich aber immer noch sehr selektiv, was Bands „mit ohne“ klaren Inhalten angeht. Was mein „Label“ Useless Records angeht, welches sich ja schon stark im DIY-Grindcore/Hardcore Spektrum ansiedeln lässt, würde ich beispielsweise nie ne Band veröffentlichen, die sich nicht klar positioniert. Dein Eindruck, das viele Powerviolence-Bands von Metallern gemacht werden, kann ich so nicht unterstreichen.

Was nicht abzustreiten ist, ist das viele Metaller Grindcore als ihre Spielwiese nutzen und da kommen dann halt so Gore- und Porngrind-Geschichten daher.
Diese Gore- und Porngrind-Bands haben außer der Worthülse Grind absolut nichts mit dem zu tun, was ich als Grindcore definieren würde und ich verwehre mich auch dagegen, dies als Bestandteil des internationalen DIY- Hardcore-Punk zu akzeptieren.

Auch in Bezug auf Doom- und Blackmetal gibt es Unmengen an Bands zu verzeichnen, wo oft nationalsozialistisches Gedankengut vermengt wird. Das hat absolut nix mit dem ursprünglich sozialkritischen, lebensmüden, misantrophen Inhalten dieser Musiksparten zu tun und sollte auch vehement angeprangert werden! Speziell via der myspace-Seite von Useless bekomm ich bald täglich „Freund-Anfragen“ von sehr dubiosen Gestalten und nicht nur da empfind ich es dann halt auch wichtig, mich klar zu positionieren! Ich habe versucht, meine politische Haltung beim „superfluous“ Fanzine, mit Blindspot ad, mit Useless Records oder nun auch bei Schmand bei jeder Gelegenheit deutlich zu machen und werd dies nicht müde!

Kompliment zurück, aber auch du nimmst dir Zeit und reihst mal den ein oder anderen Gedanken aneinander, wenn ich dieses zart bemerken darf, haha. Was anders, diese Frage treibt mich seit zwei Wochen um, da anscheinend sie alle anders sehen als ich und du, Pat, wirst mir sicherlich zustimmen, dass bei der Frage „Slayer oder die ersten vier Metallica“ die Antwort nur lauten kann…(Anm. Jan: Natürlich Metallica)?
Ich denke, eine Großzahl an Personen, die gerne metal oder Punk / Hardcore hören, werden jetzt lauthals  „Slaaaaayer“ rufen. Doch hier noch eine meiner auf Bedarf abrufbaren Lebensweisheiten: In Verbindung mit harter Gitarrenmusik gehört verboten: Der Gesang von Tom Araya. Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Sänger, die schlimmer klingen als Herr Araya. Vermutlich gehör ich auch dazu, aber das trägt hier nichts zur Sache bei! Musikalisch haben Slayer durchaus das ein oder andere wichtige Werk geschaffen.

Der für meinen Geschmack absolut drucklose Gesang macht aber so ziemlich alles zunichte. Ne, kann ich mir wirklich nicht anhören… Metallicas Alben „Kill ’em all“, „Ride the lightning“ und „Master of puppets“ haben für mich so einen art nostalgischen Wert, die haben wir echt rauf und runter gehört, eigentlich war der „ich kann den Scheiss nimmer hören“ – Punkt schon längst überschritten, ha ha. Jetzt, mit ein paar Jahren Abstand, macht‘s wieder Spaß.

Hm, um weiteren Fragen vorweg zu greifen: Ramones oder Pistols, ganz klar: Ramones. Destruction oder Kreator, eigentlich logisch: Destruction. Bad Religion oder Nofx, für mich bitte Bad Religion. DRI oder Suicidal Tendencies, ist doch keine frage: DRI. Trio oder Ideal, da kommt keiner dran vorbei: Trio.
Maiden oder Priest, über jeden Zweifel erhaben: Iron fucking Maiden.

Wann gibt’s die schicken Schmand Bermuda-Shorts zu kaufen, die du bei dem live Auftritt vor zwei Jahren anhattest bei den Heartcoretagen? Bitte 1x limitiert zurücklegen, danke, ha ha.
Hab jetzt eben noch mal nach Bildern schauen müssen, was ich da an hatte… Das ist eigentlich ne Badehose, die zieh ich im Sommer ganz gerne an, wenn wir unterwegs sind, weil die trocknet dann auch recht schnell und ich kann tags drauf wieder in das Ding rein stinken… Ich glaube, du hast mir an dem Tag sogar gesagt, dass wir Hosen tauschen sollen oder so, ich glaube, das hättest du bereut, ha ha. Was ihre Herkunft angeht, muss dich leider enttäuschen, ich kann dir gar nicht sagen, wo ich die her hab, auf alle Fälle nicht von Hawaii oder so. Da war ich noch nie, ich muss mir meinen hauch von Exotik im ortsansässigen Sportshop besorgen….

Verdammt! Dann doch noch eine ernste Frage zum Schluss… Du hast ganz früh auf deinem Label eine Split Single von WBI (Wismars Bart Inferno)/Cripple Bastards herausgebracht. Die einen gibt‘s nicht mehr, aber haben teilweise weitergemacht, Stichwort Flächenbrand Discographie CD in rechten Vertrieben. Die anderen gibt’s immer noch, machen aber auch nicht gerade durch besonders helle Kommentare auf sich aufmerksam, Stichwort Cripple Bastards und einen Hauch von serbischen Nationalismus. Klar, nun ist deine Single ewig her, aber wenn sich Bands so entwickeln, ärgert dich das? Ist das so, wenn man nen Tatto von ner geilen Band sich hat machen lassen, und die werden dann irgendwann schlecht?
Hm, Sippenhaft!?! Natürlich ärgert mich das ungemein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung standen solche Tendenzen aber absolut gar nicht zur Diskussion. Zu beiden Bands habe ich durch den Kontakt zu ihren Protagonisten – Olaf bei WBI und Giulio bei Cripple Bastards – gegen 1991 / 1992 Zugang gefunden. Ich hab zu der Zeit mit den beiden Tapes getradet. Der Kreis der Leute, die sich für Grindcore / Noisecore / Industrial interessierten, war damals sehr überschaubar. Irgendwie war kurz über lang jeder mit jedem Mal im Kontakt. Die „Freundschaft“ zu beiden lässt fast identisch schildern, Briefwechsel, Band interessant gefunden, auf Konzerten besucht, Interviews fürs Superfluous gemacht, über ein Release auf Useless gequatscht, getan.

Ich fand die Typen damals wirklich spitze! Waren sie auch! Nach dem Release habe ich dann noch so drei/ vier Jahre Kontakt zu beiden gehabt und dann so gegen 1996 / 1997 verloren. Giulio mit Cripple Bastards vermag es ja, mit seiner serbischen Herkunft zu provozieren. Kann ich absolut nicht nachvollziehen, was ihn da reitet. Er sagte in einem Interview mal was von „Als Serbe in Norditalien zu leben, sei geprägt von Unterdrückung“. Ebenso schildert er seine Wahrnehmung, dass die Serben von den vereinten Nationen eine falsche Rolle in dem Kriegsgeschehen zugeschrieben bekommen hat. Gleichzeitig ist er in der Sache aber nicht wirklich bereit, sich Diskussionen hinzugeben.

Erich Keller hat auch irgendwann mal geschrieben (ich glaube, auf dem mafia-forum), dass Giulio für seine Homepage ein Interview mit Erich bezüglich der Fear of god Reunion gemacht hat. In diesem Interview hat Erich den Giulio in eine kontroverse Diskussion bezüglich dieser Geschichte verstrickt. Der Teil des Interviews wurde von Giulio dann nicht veröffentlicht.

Was WBI angeht, am meisten stört mich in dem Zusammenhang natürlich, dass ich ein Release zu verbuchen habe, auf dem Ingo Knauff beteiligt ist. Dieser hat im Laufe der Jahre ja einen sehr krassen Wandel vollzogen. Er zeichnet heute verantwortlich für den V7-Versand, welcher meines Wissens zu den größten Rechtsrock / RAC / NSHC Mailordern Deutschlands zu zählen ist. Auf seinem Label V7-Recods hat er bereits Bands wie Kreuzfeuer oder Hauptkampflinie veröffentlicht. Flächenbrand habe ich auf dieser Provo-Schiene stets als Nachahmer von Bands wie Rupture und A.C. gesehen.

Der ein oder andere Songtitel war wirklich schon sehr daneben. Aber in einem anderen Licht wurde die Band natürlich begutachtet, als die Vermutung aufkam, dass ihre Discography auf einem Sublabel von Ingo Knauff, den einschlägig bekannten Nazi, veröffentlicht wurde. Beweise dafür entziehen sich meiner Kenntnis – jedenfalls wurde die Homepage von diesem ominösen Label von diesem V7-Versand gehostet. Es gab ja reichlich Diskussion um die Sache, leider haben die Herren nie klar Stellung bezogen und sich somit schon angreifbar gemacht. Außer, das ich dem Olaf mal in Mannheim auf einem Festival über den weg lief, habe ich seit über 10 Jahren keinen persönlichen Kontakt zu ihm.

Mit dieser Distanz kann und möchte ich jetzt nicht behaupten, er oder vielmehr die Herren Flächenbrand seien der Inbegriff einer Nazibrut. Das sie aber in Verbindung mit Knauff oder seinem Umfeld stehen / standen, ist klar als Zeichen der Toleranz beziehungsweise Ignoranz zu werten. Da ändert auch die Tatsache nichts daran, das in den 90er WBI – wohlgemerkt mit Ingo Knauff am Bass – auf der Anti-Nazi Kompilation „An insult to our freedom“ zu hören waren.

Ironischerweise hieß ihr Song „Not a political band“. Wie du bereits in deiner Frage angedeutet hast, kann man sich mal „Spaß“ machen und nach der Discography googelen, dieser Tonträger ist wirklich ausschließlich in Nazi-Mailordern zu finden, was aufgrund der Vertriebsstukturen von V7 ja klar ist. Unterm Strich ist die WBI / Cripple Bastards EP ganz klar ein Release, welches ich liebend gerne aus der „Label-Geschichte“ von Useless streichen würde!

Wo siehst du Schmand in 10 Jahren, du weißt, dass wir dann wieder reden müssen? Und hast du noch nen Gruß an die Leser? Bis zum Frankfurt-Konzert, hoffentlich ist das Interview dann schon erschienen… Danke dir Pat für deine Zeit und grüss die Possy!
Jan, nochmals vielen Dank, dass du mich hier zu Schmand und Useless Records zu Wort kommen lassen hast. Was Schmand angeht, ob es den in 10 Jahren noch geben wird? Wenn es nach mir geht, schon, macht mir rundum Spaß und ich kann mir gut vorstellen, das noch ne Weile zu machen. Außer dass sich Björn und Simon ab und an mal im Suff grün und blau hauen, sich dann gegenseitig die Freundschaft kündigen und nie wieder zusammen Musik machen wollen, stimmt die Stimmung innerhalb der Band zu einem Ausmaß, wie ich es in den Bands zuvor nie so erlebt habe.

Aus meiner Sicht steht also einem Schmand-Interview 2020 nichts im Weg. Was Schmand 2010 angeht, hoffe ich darauf, dass wir die Aufnahmen zur LP abgeschlossen haben, bis dieses hier zu lesen ist. Dann gilt es, ein Label zu finden, welches uns bei der Veröffentlichung unterstützt. Ja, was die beiden Split-Eps mit Atka und Geezers angeht, bin ich zuversichtlich, dass die im Spätsommer / Herbst fertig sein sollten. Useless wird bis dahin auch nicht unaktiv bleiben.

Momentan bereits im Presswerk oder kurz davor sind die Split-EPS von Tinner / Unholy Grave, Arroyo / Tersanjung13 und eine EP von Slaktrens. Danach kommt eine „neue alte“ EP von Yacopsae, eine Split EP von Bizarre x / mancruel und die „suicide anthology“ von Keitzer als Vinyl Version. Alles in allem viel zu tun… Mehr Infos zu den kommenden und aktuellen Releases gibt‘s dann früher oder später auf der Useless Seite. Falls jemand die Möglichkeit hat und den Schmand gerne mal auf ein Konzert einladen möchte, soll er dies gerne tun! Konzerte zu spielen und unterwegs zu sein ist eigentlich so ziemlich der Hauptgrund, warum wir das ganze machen… born against rorschach oi!

Interview: Jan Röhlk

Kontakt: myspace.com/schmandmusic
myspace.com/useless-hq

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