Juli 26th, 2019

RUINS (#92, 2002)

Posted in interview by Thorsten

NEUE WEGE IM ROCK

Die Rezeption japanischer Undergroundmusik im Westen leidet unter zwei Faktoren: Entweder findet sie erst gar nicht statt oder erfolgt völlig verzerrt. Gerne wird das Fremdartige als Kuriosum ins Rampenlicht gezerrt, (siehe zuletzt BOREDOMS und MELT-BANANA), was zur Folge hat, dass der Wesensgehalt der Musik meist nur noch von marginaler Bedeutung ist.

Rockende Japaner werden in erster Linie eben immer noch erst als Japaner und dann als Musiker betrachtet und vielleicht ernstgenommen, woraus ein gewisses rassistisches Grundverständnis von Rockmusik spricht, die scheinbar nur von uns gelebt, geprägt und beherrscht, allem antagonistisch gegenübersteht, das sich als Ware auf den ersten Blick nicht in den kleinen, uns eigentlich sattsam bekannt sein müssenden, identitätsstiftenden Scheißhauszusammenhang einordnen lässt. Da sich das Gros des „japanischen Krachs von unten“ durch künstliche Sinnfabrikation nicht wohlschmeckend entschlüsseln lässt und obendrein den ungeübten Hörer durch Abwesenheit oder Verkehrung der von ihm konditionierten Klangreizmuster auf so manche harte Geduldsprobe stellt, ist es offenbar am bequemsten, auf das rein Oberflächliche, auf das Spektakel zu schauen.

Oft ist dann in diesem Zusammenhang die Rede davon, wie „extrem“ sie doch sind, diese „Aussenseiter“: Extrem-schnell, wie Ende der 80er, als die erste Grindcorewelle aus Nippon nach Europa schwappte; extrem-laut wie zu Beginn der 90er mit dem kurzen Bekanntwerden von Krachforschern und Noiseterroristen wie MERZBOW oder KEIJI HAINO, und extrem-schrill wie Mitte der 90er, als sowohl „female pop“ (SHONEN KNIFE, KITTEN, BOREDOMS) und Techno (KEN ISHI) unsere (Waren-)Welt des Spektakels bereichern durften.
Am wirklichen Kern des jeweiligen Künstlers und seiner Musik schießt diese verkürzte Betrachtungsweise jedoch um Welten vorbei. Und weil eine ausdrucksbezogene Auseinandersetzung aufgrund ihres höheren Schwierigkeitsgrades nur unangenehme Folgen haben könnte, besitzen japanische Acts hierzulande eine Halbwertzeit beim Musikkonsumenten, die der eines Sushiröllchens entspricht.
Vielleicht erinnern sich noch einige an JIM JARMUSCHs ersten Farbfilm „Mystery Train“. Zwei japanische Teenager reisen nach Memphis, um in das Herz des Rock´n´Roll zu blicken. Nur was sie zu sehen bekommen ist ein einziger Blues; Müll und kaputte Typen, ihre Musik ist an der alten Wirkungsstätte Elvis´ nicht mehr zu finden. Die haben sie perfekt kopiert in Yokohama zurückgelassen.
Versuche neue Wege im Rock zu beschreiten, laufen in Japan seit Ende der 70er kontinuierlich ab. Die Gruppen HIJOKAIDAN (seit 1979) und C.C.C.C. dekonstruierten Rockphrasen aufs schonungsloseste zu einer Zeit, als auch der Industrial in Europa mit den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, GENESIS P. ORRIDGE und THROBBING GRISTLE sich lautstark zu melden begann. Und zur ersten Hälfte der 80er, als New York Noise von GLENN BRANCA bis SONIC YOUTH zum Heilsbringer der siechenden Rockmusik erklärt wurde, waren in Japan bereits KEIJI HAINO, FUSHITSUSHA, MERZBOW und Konsorten an ihren Visionen einer sich fortentwickelnden Musik aktiv.
Zu allen Entwicklungsschüben westlicher Rockmusik der vergangenen 20 Jahre lassen sich in der japanischen Undergroundmusik Analogien aufzeigen, die nicht mit dem billigen Standardvorwurf, da ist kopiert worden, abgetan werden können. Längst ist „independent innovative rock“ aus Japan so voller eigener Codierungen und Bezüge, das von Anbindung an oder gar Abhängigkeit von den Geschehnissen im Westen nicht mehr die Rede sein kann.
Die RUINS bestehen seit 1985 als Lebensprojekt des Schlagzeugers und Komponisten YOSHIDA TATSUYA in ihrem Kern als drum&bass-Duo. Als Mitstreiter am fünfsaitigen bundlosen Bass war bis 1997 MASUDA RYUICHI an Bord, der nahtlos vom nicht minder begabten SASAKI HISASHI ersetzt wurde.
Aufgewachsen mit dem verschachtelten Artrock-Bombast der 70er und angetrieben von der ungestümen Hektik und Energie des Punkrock der 80er, lassen die RUINS den Gebrauch von orthodoxen (Punk-)Rock-Mustern zügig hinter sich und im Verlauf von fünf LP´s, einigen Singles und Compilationbeiträgen ist bis zu den ausgehenden 80er Jahren ein eigenes, weitverzweigtes musikalisches Terretorium abgesteckt. Besonders hervorhebenswert aus diesen Anfangsjahren sind die beiden für das New Yorker SHIMMY DISC eingespielten LP´s „Stonehenge“ und „Burning Stone“. Vage zwischen den musikalischen Koordinaten GENTLE GIANT und THIS HEAT operierend, liefern die RUINS hier eindrucksvolle Blaupausen ihres breakbeatgetriggerten FreeformComicRocks ab. Verspielt wie junge Katzen und atemberaubende Virtuosität nahezu verschwenderisch am Versprühen, setzen sie sich von im Geiste nicht unähnlichen Ansätzen amerikanischer Kollegen wie VICTIM´S FAMILY oder PRIMUS aus jener Zeit, komplexen, vielschichtigen Turborock zu spielen, am radikalsten und unkommerziellsten ab.
Yoshida Tatsuya´s mathematischen Kompositionsqualitäten finden in den 90ern von Album zu Album prägnanteren Ausdruck und tragen zunehmend avantgardistische Charakterzüge. Mittlerweile spielen die RUINS auf ihrem eigenen Planeten, der sich mit nichts und niemanden sonst vergleichen lässt und wie sie die Tore auf dem Weg dorthin passieren, kann auf dem 1993 von Steve Albini furztrocken in Szene gesetztem „Graviyaunosch“-Album und dem 1995 auf John Zorn´s TZADIK Label erschienenem „Hyderomastgroningem“ eindrucksvoll nachempfunden werden.
Obwohl sich die ProgressiveRock-Prägung in Yoshida´s Jugendzeit subtil in vielen RUINS-Stücken andeutet, kommt sie am deutlichsten und umwerfendsten erst auf dem orchestralen „Symphonica“-Album von 1998 (Tzadik) zum Ausdruck. Die irrwitzigen Stop&Go Fahrten von Bass und Schlagzeug, dieses zum trademark erhobene teuflisch-rasante Dynamikspiel wird auf „Symphonica“ von einem Keyboarder begleitet, der technisch wie stilistisch an einen wiederauferstandenen Rick Wakeman auf Amphetaminen erinnert und klangmalern darf wie YES zu ihren besten Zeiten. Zwei Vokalisten runden dieses wirklich lohnenswerte Hörerlebnis mit ihrer bizarren Gesangskunst auf einem Qualitätslevel ab, das selbst für das ambitionierte Werk der ersten 15 RUINS-Jahre ungeahnt neue Maßstäbe setzt.
Im neuen Jahrtausend finden sich die beiden Derwische passenderweise auf dem Chicagoer AvantgardeFreakRock-Label SKIN GRAFT wieder, um weiterhin neue Wege im Rock zu suchen. „Refusal Fossil“ heisst ihr dort erschienenes aktuelles Album, und der Titel ist durchaus sprichwörtlich zu verstehen. 40 Jahre alt ist Yoshida Tatsuya im Jahr 01 geworden; seine Schlagwut und sein Aktionsdrang konnte er nicht besänftigen. Auf seinem eigenen MAGAIBUTSU-Label veröffentlicht er munter weiter eine Vielzahl verschiedener eigener Projekte, die wie AKATEN, SUN KICH, ZUBI ZUVA oder MUSICA TRANSONIC einen Kosmos für sich bilden, allesamt aber nicht die bekannte Spur der Noiseterroristen weiter austrampeln.
Ende letzten Jahres tourten die RUINS zum vierten Mal durch Europa und hinterliessen allenorts erneut erstaunte Gesichter.
Vor ihrem Auftritt in der Bremer Friesenstr. führte ich mit Yoshida folgendes Gespräch. Bassist Sasaki Hisashi im „Apple-Think Different!“-T-Shirt saß daneben und grinste.

Yoshida, Du bist in Tokio geboren?

Yoshida: Neeeiiin, ich bin im Norden Japans geboren. Nicht wirklich auf dem Lande, aber auch nicht in einer großen Stadt. Nennen wir es eine Kleinstadt.

Und wann hast Du mit dem Schlagzeugspiel begonnen?

Als ich in der Highschool war. Mit 15.

Mutter hat das erste Kit bezahlt?
(lacht) Nein, nein, nein. Ich habe in einer Brass-Band angefangen. In der Brass-Band der Highschool.

Und Du hast die große Pauke geschlagen?

Nicht nur. Alle möglichen Percussion-Instrumente.

Du hattest als Kind dann sicher schon ein Faible für Rhythmus?

Ah ja… (grinst)… Ich mochte das Schlagen und Treffen schon immer. Aber ich war kein nervöses Kind, das seine Eltern mit ständigem Herumgetrommle auf die Nerven geht.

Wann erfolgte denn der Wechsel hinter ein „richtiges“ Schlagzeug?

(überlegt) Hmm, ich habe beides zur gleichen Zeit betrieben. Brassband und gleichzeitig eine Hardrock-/ProgressiveRock-Cover-Band.

Was für Cover-Versionen habt Ihr denn so gespielt?

Nein, (lacht), das mag ich Dir nicht erzählen.

Na los, wir sind uns für keine Peinlichkeit zu schade.

DEEP PURPLE. (lacht)

Die sind bei Euch ja auch immer noch richtig groß.

Ja, die haben bei uns mal dieses Live-Album aufgenommen.

„Made In Japan“, ein Klassiker.

Ich denke schon. Wir haben aber auch so Progrock-Sachen gespielt, wie KANSAS.

Mit was für Musik bist Du denn aufgewachsen?

(überlegt) Also, im Alter von 10 habe ich die BEATLES, die CARPENTERS gehört. Ja, ich mochte Popmusik. Und dann kam Hardrock und dann ProgressiveRock. PINK FLOYD, KING CRIMSON, YES. Britischer ProgressiveRock. Das war die Musik, die ich zu meiner Highschool-Zeit hörte. GENTLE GIANT, GENESIS. Auch europäischen ProgRock wie MAGMA und sowas.

Wann begannst Du Dich weg von Coverversionen hin zu eigenem Material zu bewegen?

Oh, das ist zwanzig Jahre her. Erst aber spielte ich nur Schlagzeug in einer Band, ich komponierte nicht. Nach ein paar Jahren wollte ich jedoch mit meiner eigenen Musik beginnen. Also entschied ich mich, die RUINS zu starten und das war 1985.

Wann bist Du eigentlich geboren?

1961.

Yoshida, bspw. diese RUINS-CD hier, (gemeint ist die „Hyderomastgroningem“, 1995 bei Tzadik erschienen, die vor uns auf dem Tisch liegt), hat ahnungsweise auf einer Meta-Ebene vielleicht etwas gemeinsam mit der Musik, die Du eben erwähntest. Grober formuliert kann ich auch von einer völligen Zerstörung historischer Orientierungspunkte sprechen.

Meinst Du wirklich?

Wie kam es zur Entwicklung dieses zuvor ungehörten Stils?

Am Anfang waren die RUINS simpler, eher wie eine Punkrockband.

Straight forward?

(schmunzelt) Aber nicht ausschliesslich. Als ich meine Musik fortsetzte, wollte ich aber nicht das schon Gespielte wiederholen. Also wurde die Musik komplexer. Hinzukommt, daß als ich mit den RUINS begann, viel zeitgenössische klassische Musik hörte. Ich denke, dieser Einfluss ist groß. Was ich machen wollte, ist die Struktur zeitgenössischen ProgRocks mit der Energie des Punkrock/Hardrock zu verbinden. Das war eigentlich mein Hauptanliegen.

Dieses Album hier hast Du JOHN CAGE gewidmet?

(lacht) Ja, ich mag JOHN CAGE. Aber ich ziehe WEBER vor. ANTON WEBER. In der Zeit als wir die Aufnahmen machten, starb er. Ich wollte etwas dazu sagen… Es war also eine Sache der Zeit, nicht so sehr, daß JOHN CAGE ein großer Einfluss ist. Viel stärker bin ich von ANTON WEBER beeinflusst, Cross Dirty Sea…

Wie kam die Verbindung zu JOHN ZORN und seinem TZADIK-Label zustande?

Oh, ungefähr vor 15 Jahren besuchte er Japan viele Male. Er hatte sogar ein Apartment gemietet, in derselben Stadt, in der ich auch lebte. Sechs Mal kam er jeweils für drei bis vier Monate und er hörte sich sehr viel japanische Independent-Musik an. Er hatte auch eine Band in Japan. Du kennst vielleicht sein Album „Spy Versus Spy“?

Ja, großartige Platte.

Sechs Leute und JOHN ZORN lud mich ein, an der japanischen Version von „Spy Versus Spy“ teilzuhaben. Wir haben dann aber nicht im Studio aufgenommen. Darüberhinaus mochte er die RUINS und die Idee, uns in Amerika und Europa vorzustellen. Er arrangierte eine Tour durch Europa für uns und Konzerte in New York. In der gleichen Zeit stellte er uns auch SHIMMY DISC (BONGWATER, B.A.L.L., HALF JAPANESE) vor und KRAMER mochte unsere Musik auf Anhieb. Er veröffentlichte zwei CDs (LPs): „Stonehenge“ und „Burning Stone“. Und zwei, drei, vier Jahre später nahmen wir dann dieses Album für ZORN´s TZADIK-Label auf.

Wie sprichst Du eigentlich den Titel aus?
(lacht) Der hat keine Bedeutung… (wie aus der Pistole geschossen) HYDEROMASTGRONINGEM ! Das soll nur ein wenig seltsam klingen.

Tut es! Sag´, und wie kam es zu der Kooperation mit dem britischen Avantgarde-Gitarristen DEREK BAILEY? (auf der TZADIK-CD „Saisoro“/DEREK & THE RUINS von 1995)

Das wurde ebenfalls arrangiert mit der Aufnahme. Während unserer US-Tour hatten wir zwei, drei Tage Aufenthalt in New York. Plötzlich rief John an: „Seid Ihr gerade beschäftigt?“, was wir verneinten, (lacht), also fragte er: „Habt Ihr Lust mit Derek Bailey aufzunehmen?“. „Jaaa!“. „Gut, dann sehe ich Euch morgen.“

Die Platte war also eine spontane Angelegenheit, eine große Improvisation?

Ja, nach drei Stunden waren wir mit dem Einspielen fertig. Wir hatten keinerlei Komposition, alles ist reine Improvisation.

Wie wichtig ist „Struktur“ eigentlich für Dich beim Komponieren Deiner Stücke?

Hmmmm… (schweigt kurz)… Schwierige Frage. (grinst) Wenn wir etwas wie ein komponiertes Stück improvisieren können, ist das am Besten. (lacht)

Welch´diplomatische Antwort. Aber ernsthaft, wie entwickelst Du Deine Stücke? Durch Spielen und Ausprobieren im Übungsraum?

Nein, nein. Bei den RUINS stehen am Anfang eine Vielzahl kleiner und kleinster Pieces, die wir spielen und von denen ausgehend wir dann überlegen, was wie miteinander gut kombiniert werden kann. Und dann verbinden wir.

Ähnlich einer Cluster-Technik also; Ideen werden lose gebündelt und per Entscheidung in eine Abfolge gesetzt?

Ja, so in dieser Art.

Und wie darf ich mir das praktisch vorstellen? Hast Du eine Aufnahmemöglichkeit Zuhause, wo Du jederzeit Ideen sammeln und aufzeichnen kannst?

Zuhause habe ich einen Tape-Recorder, das meiste schreibe ich aber auf.

(ein wenig ungläubig) In Noten?

(lacht) Ja, ja, in Noten. Später spielen wir dann aus dem Gedächtnis.

(nachhakend) Dein Schlagzeug spielst Du wirklich nach Noten?

Nein, nein, nur den Bass. Ich schreibe nur die Bass-Linie auf und mein Schlagzeug spiele ich einfach.

Also bist Du für die RUINS-Kompositionen alleinverantwortlich?

Nicht für alles. Er (gemeint ist Bassist SASAKI HISASHI) schreibt auch und ich kombiniere.

Euer Gesang scheint vorsichtig ausgedrückt von einer anderen Welt…

(Yoshida & Sasaki lachen)

Wie würdest Du Euren Umgang mit Vokalem beschreiben?

(überlegt) Ich mag keine Texte. Hmmm. Ich kann keine Texte schreiben. Ich denke daher nutzen wir Stimmen als Instrumente.

Du betrachtest Dich weniger als Sänger, dafür stehen Eure Stimmen als drittes Instrument im Bunde?

Genau. Texte sind für uns geschriebene Wörter ohne Bedeutung. Es geht nur um den Klang.

Welche Bedeutung hat Dein Computer für Dich? (Yoshida hat während unseres Gesprächs sein notebook aufgeklappt vor sich stehen)

Computer mag ich nicht so sehr, aber ich denke sie sind eine Notwendigkeit.

Euer gesamtes Booking sehe ich da, machst Du damit selbst?

Ja, und ich nutze das Ding auch für die komplette Covergestaltung meines Labels. (MAGAIBUTSU LIMITED)

RUINS-Veröffentlichungen werden bei uns ja nicht wie die neue ROBBIE WILLIAMS-CD feilgeboten. Ich habe zwar einiges von Euch schon ansammeln können, wieviel Platten und Projekte hast Du mit den RUINS seit 1985 denn tatsächlich herausgebracht?

Da kann ich mich gar nicht mehr an alles erinnern. Ich habe soviele Projekte. Wir können aber mal nachschauen… (und wendet sich der Datei seines notebooks zu)

Ihr habt ja auch diverse Singles eingespielt.

Ja, aber ich mag Singles nicht so sehr… Ah, hier haben wir es ja, (und weist nicht ohne Stolz auf die Diskographie), das sind mehr als 50.
Hier, die habe ich auch (und zeige auf die „Stonehenge“), sogar noch als LP.
Scheint eine meiner ältesten zu sein.

Die war auf SHIMMY DISC auch noch in einem guten Vertrieb. (schaut weiter durch die Liste) Hier, THE GEROGERIGEGEGE, von denen habe ich auch eigenes Material, eine seltsame Band.
(lacht) Hin und wieder arbeite ich mit ihnen zusammen.

Spielt Ihr als RUINS in Japan viel live?

Ich selbst trete wohl drei-, viermal im Monat auf. Mit den RUINS vielleicht einmal im Monat. Das läuft auf Underground-Ebene. Mit durchschnittlich 70 bis 100 Leuten im Publikum.

Mehr nicht?

Manchmal. Richtig bekannt sind bei uns eigentlich nur die BOREDOMS. RUINS sind dagegen nicht populär.

Quasi von Deinem Schlafzimmer aus operierst Du neben der Musik noch ein eigenes Label. Was für Musik/Bands veröffentlichst Du?

Das Label habe ich nur zur Realisierung meiner eigenen Projekte geschaffen. Solo oder Sachen, die ich mit anderen Leuten eingespielt habe. Z.B. mein neues Projekt AKATEN. AKATEN sind der Bassist von HATOBA und ich. „Chateau Du Akaten“ ist gerade erschienen und bereits unser fünftest Album.

Was für Musik ist das?

Eine Art experimenteller Comic-Pop. Aber logisch aufgebaut. (lacht) Logisch, logisch.

Yoshida, kannst Du mir etwas über neue Tendenzen in der japanischen Undergroundmusik erzählen; gibt es vielleicht sogar etwas wie eine Vision, eine gemeinsame Entwicklungsrichtung?

Ich denke viele Menschen, auch Musiker beschäftigen sich immer mehr mit Techno-Musik, weil die Technologie neue Möglichkeiten der Klangerzeugung schafft und darüberhinaus Computer heute für jeden leicht zugängig sind. Wohin die Entwicklung geht, ob Musik allgemein elektronischer wird, vermag ich nicht vorherzusehen. Allerdings weiß ich, (und grinst dabei verschmitzt), daß wir neue Musik brauchen. Wir müssen halt eine neue Musik finden.

Viel Erfolg dabei & Danke für Deine Zeit.

ausgewählte Diskographie:
1. „Early Works“ CD
2. „11 & 19 Numbers“ CD
3. „Infect“ CD
4. „Stonehenge“ LP/CD (Shimmy Disc)
5. „Burning Stone“ LP/CD (Shimmy Disc)
6. „Ruins-Hatoba“ CD (Charnel Music)
7. „Graviyaunosch“ CD (Nippon Guitar)
8. „Hyderomastgroningem“ CD (Tzadik)
9. „Saisoro“ CD (mit Derek Bailey) (Tzadik)
10. „Symphonica“ CD (Tzadik)
11. „Big Shoes“ CD (mit Ron Anderson) (Magaibutsu Limited)
12. „Refusal Fossil“ CD (Skin Graft)
13. „1986 – 1992″ CD (Skin Graft)
(Diese Sammlung erscheint im Februar 02 und enthält Stücke der allerersten RUINS-7“, das Stück von der NG 2-Compilation, Auszüge aus ihrer ersten 12″EP, ihre Debut-LP plus remasterte „best of“-Stücke der beiden Shimmy Disc-LP´s)

Text & Interview: Tom Dreyer
Foto: Axel Schmidt

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