Juni 16th, 2020

Rückblick auf die letzten 5 Jahre Teil 2, #179

Posted in artikel by Jan

30 Jahre Trust – ein Rückblick auf die letzten 5 Jahre

Wieder haben wir eine runde Jahreszahl erreicht. Auch wenn wir unseren Lesern kein riesiges Special zum 30. bieten wollen, ist es an der Zeit, auf die Ausgaben der letzten fünf Jahre zurückzublicken. (benni)

#150 Oktober/Novermber 2011

Unsere #150 hielten wir für kein Jubiläum. Schließlich hatten wir erst wenige Wochen vorher unser 25jähriges Bestehen gefeiert. Dass wir bei der #150 sind, findet immerhin ganz kurze Erwähnung im ersten Satz von Dolfs Kolumne. Rafael beklagt in seiner Kolumne, dass im Rahmen der London Riots das Lagerhaus des Indie-Labels PIAS niedergebrannt wurde. Jan Tölva bezieht sich in seiner Kolumne auf das Buch „If the Kids are united…“ von Martin Büsser, der wenige Wochen zuvor verstorben ist. Immerhin hatte Büsser in den 90ern selbst hin und wieder fürs Trust geschrieben und mit seinen Büchern essentielle Beiträge zur Popkultur veröffentlicht. 2015 spielten Slime Reunionkonzerte, um jüngeren Fans, die Chance zu geben, sie auch einmal zu sehen.

Da wir dies wirklich glaubten, interviewten wir die Band auf dem Hamburger Dockville Festival, einem denkbar unpassenden Auftrittsort für eine Deutschpunkband. Hätten wir gewusst, dass Slime ein neues Album planten, hätten wir das Interview wahrscheinlich nicht geführt. Das damals neue Album „The Stormy Petrel“ von Leatherface dagegen war für viele eine sehr positive Überraschung, weshalb Frankie Stubbs, Kopf der Band, ein kurzes, oberflächliches Interview im Heft hatte. Außerdem erzählt Gunnar von Gunner Records, dass er sein Label wieder reaktiviert habe, nachdem er die Demos von The Gaslight Anthem gehört habe. Nach dem Erfolg von „Sink or Swim“ wollte er das Label weiterführen – auch wenn kein Geld hängenbliebe. Das Heft endet da, wo ich gerade fortsetze: mit dem Rückblick auf die Ausgaben #142 – #149.

#151 Dezember/Januar 2011/2012

Das Cover der Ausgabe sieht wahnsinnig gut aus und zeigt mit Hunter Hunt Hendrix von Liturgy den Kopf einer der spannendsten Bands zu dem Zeitpunkt. Ihre Musik bezeichneten sie als „New York Transcendental Black Metal“ – ein Konzept, welches wir an einem sommerlichen Vorabend auf einer Wiese auf der Berliner Museumsinsel mit dem überaus sympathischen und überraschend jungem Hunter diskutierten. Dolf kommentiert die Überschriften aus dem Inhaltsverzeichnis des Spiegels (auf die Idee soll mal einer kommen!), auf die Kolumnen folgt ein großformatiges Foto von The Now Denial, welches die Live-Energie der aufgelösten Band gut eingefangen hat. In den News wird angekündigt, dass die Toten Hosen ihr 30jähriges Bühnenjubiläum im Schlachthof Magazinkeller in Bremen spielen werden und dass die Zukunft von Sonic Youth nach der Trennung von Kim und Thurston ungewiss ist. Unsere Demoreviews zeigen ein Stück Internetgeschichte.

Bei 5 der 6 besprochenen Tonträger wird die MySpace-Seite der Band für Hörproben angegeben. Außerdem interviewte Matthias die Chinesische Band Fanzui Xiangfa, schließlich habe jeder nach dem Film „Bejing Bubbles“ mitbekommen, dass es auch dort eine lebhafte Punkszene gäbe, über die er mehr erfahren wollte. Außerdem kündigt er den kommenden Film „Beijng Punks“ an. Jan Röhlk interviewte Family Man und Wojczech. Chris von Murder Disco X hat für uns die Macher vom Kroatischen Monte Paradiso Festival interviewt, das Gespräch dreht sich um die jüngste Geschichte des Balkans und ihre Bedeutung für die Punkszene in Kroatien. Das Pascow Interview wird mit dem schönen Satz „Die Band aus Gimbweiler, Saarland gibt es schon seit 13 Jahren“ eingeleitet. Heute sind sie noch 5 Jahre älter und werden am 11.6. auf der 30 Jahre Trust-Feier auftreten!

#152 Februar/März 2012

Dolf wundert sich in seiner Kolumne, über prominente Menschen, die früh aufstehen, obwohl sie es nicht müssen und wünscht sich eine Software, die nur Musik auf der Festplatten speichert, die sich sein Besitzer auch mindestens einmal angehört hat. Jan Röhlk stellt fest, dass er Fernsehen immer weitgehend abgelehnt hat, es dann nach seinem 30. Geburtstag doch anfing und fokussiert seine Kolumne immer weiter auf Punkfilme. Jan Tölva schreibt in seiner Kolumne über das Ende des Labels Unterm Durchschnitt. Jan R interviewte die 1989 gegründeten Cluster Bomb Unit – das Gespräch zieht sich über 6 sehr klein bedruckte Seiten. Ende 2010 erschien auch die Yage-Discographie auf Altin Village & Mine Records, weil einzelne Tonträger nur noch für viel Geld auf Ebay erhältlich waren. Matthias freute sich, dass er die Band zu der Gelegenheit noch einmal interviewen konnte, immerhin habe er sie viel zu spät für sich entdeckt. Ob er Discogs zu dem Zeitpunkt schon entdeckt hatte, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt leider nicht mehr klären.

#153 April/Mai 2012

Mit Descendents, Off! und Forgetters haben wir namenhafte Punks im Heft. Das Cover zeigt einen Ausschnitt des Covers der Box der ersten vier OFF Singles. Keith Morris (ehemals Black Flag etc) ist der Kopf der neugegründeten „Allstar“-Band. Im Interview muss er sich rechtfertigen, dass ihre Tour mit Fucked Up von einem Energy Drink Hersteller gesponsert wird.

Dass die Interviewer nicht jede seiner Aussagen im Gespräch ohne Widerspruch im Raum stehen lassen haben, kam damals nicht bei jedem Leser gut an. Jan R ist sogar nach London geflogen, um Descendents zu interviewen. Aufgrund der bevorstehenden Hochzeit des britischen Königspaares, ist die halbe Stadt abgesperrt und ihm fällt es nicht leicht, einen freien Weg zum Konzertort zu finden. Zwar waren Descendents seit vielen Jahren nicht mehr aktiv, dennoch betont die Band, dass es sich um keine Reunion handle. Das Interview mit Blake Schwarzenbach (Jawbreaker, Jets to Brazil) und seiner neuen Band Forgetters dreht sich in erster Linie um die amerikanische Außenpolitik. Wenige Tage vor unserem Interview war Osama Bin Laden von den USA getötet worden – bis das Gespräch im Trust erschien, ist jedoch wieder ein Jahr vergangen. Stone dagegen würdigt das von ihm geschätzte Label Denovali Records mit einem Interview.

#154 Juni/Juli 2012

In der #154 ist Stone nach ein wenig Pause mit einer Kolumne vertreten. Jan Tölva beklagt sich über die vielen Reunions, gibt aber zu bedenken, dass er bei ein paar Tausend Euro für die Reunion seiner alten Band möglicherweise auch nicht ablehnen würde. Vielleicht mag mal jemand ein Crowfunding initiieren? Auf der Newsseite wird unser Trust Buch #2 beworben, welches einen Nachdruck der Hefte #11-20 enthält und auf 100 Stück limitiert ist. Jan Röhlk würdigt die Band Red Tape Parade aus Bayern/Berlin als „mit das beste, was an melancholisch-melodischen-HC-Punk der bewussteren Art in der letzten Zeit erschienen ist“. Im ausführlichen Interview lobt die Band die aufwendigen Aufmachungen von Ebullition Records Platten und vermisst sie bei Fat Wreck. Damals war noch nicht abzusehen, welches traurige Ende die Band finden würde.

The Men, damals ganz frisch auf dem Label Sacred Bones Recordings, können Patrick auch nicht erklären, warum derzeit so viele spannende Bands aus Brooklyn kommen, dafür aber immerhin, was den Reiz des gerade wieder angesagten Tape-Formates ausmacht. Noem berichten Arne, dass sie keine halbgaren Sachen machen wollen und sich deshalb intensiv auf ihre Songs konzentrieren, nicht so viele Konzerte spielen und ihre Internetpräsenz spärlich halten. Ausführlicher ist das Gespräch von Jan R mit mit Hudley vom ehemaligen Flipside Fanzine. Die beiden blicken auf die legendäre Frühzeit des Heftes zurück und vergleichen diese mit der heute durch Technologie völlig veränderten Welt. Hinten füllen noch drei Seiten Fotos von der Refused-Reunion – hätten wir uns das nicht sparen können?

#155 August/September 2012

Dolf beklagt in seiner Kolumne, dass es auch nach 30 Jahren Punk immer noch eine „Fußball-Ficken-Oi!“-Fraktion gibt, man diese aber bei einer freiheitlichen Idee wie Punk kaum verhindern könne. Jan R äußert sich zu der damals manchmal vorgebrachten Kritik, dass im Trust erscheinende Interviews teilweise schon Monate alt seien und vergleicht unsere Zyklen mit denen bekannter amerikanischen Fanzines wie dem Maximum Rock’n’Roll. Bela berichtet in seiner Kolumne von seiner Mallorcareise abseits von Ballermannklischees. Von Punk in Spanien habe er zwar nur wenig mitbekommen, jedoch ging es in erster Linie um den Urlaub am Meer.

Jan Tölva zeigt die Verbindungen zwischen Punk, Reggae, Techno und Hip Hop auf und freut sich, auch auf Punks zu treffen, wenn er gerade musikalisch anders unterwegs ist. Schließlich geht es beim Punk um Inhaltliches und folglich sei es gut, wenn man diese Werte nach draußen trage. Raphael bezeichnet This Charming Man als „das derzeit spannendste Label 2012“ und interviewt sowohl den Labelbetreiber Chris als auch die Label-Bands Messer Dramamine und (mal wieder) Noem „mit teilweise den gleichen Fragen“. Mit Meat Puppets (von Stone) und Government Issue (von Jan R) sind gleich zwei klassische alte US Bands im Trust vertreten. Da ich gerade von Krebstod von John Stabb von G.I. vor wenigen Tagen erfahren habe, fühlt es sich mulmig an, dass er sein Leben zum Zeitpunkt des Interviews viel besser als in den 80ern, 90ern oder 00er Jahren zuvor bezeichnet.

Nach einem Unfall vor einigen Jahren benötigte er bereits 10.000 Euro für Arztkosten, die in der Punkszene für ihn gesammelt wurden. Im Interview mit Kylesa diskutieren wir Rassismus im Metal und ab wann man sich als Band von anderen rechten Bands distanzieren muss, mit denen man vielleicht über drei Ecken irgendwie verknüpft ist. Festlegen mag sich Schlagzeuger Tyler auf nichts, lieber möchte er jeden Einzelfall prüfen.

#156 Oktober/November 2012

Die Flagge auf dem Cover bezieht sich auf das Interview der Band Wild Flag, die neue (Post-Riot-Grrrl?) Band aus Olympia mit ehemaligen Mitgliedern von Sleater-Kinney und Helium. Dass sich die Band direkt nach der Tour wieder auflöste, erfuhr ich erst viele Monate später. Vielleicht war die bevorstehende Sleater-Kinney-Reunion einfach wichtiger? So sehr ich Wild Flag auch mochte, an Sleater-Kinney reichten sie nicht heran. Das kurze Interview mit No Omega ist leider so dröge wie das Layout. Spannender ist das Gespräch mit Grant Hart von Hüsker Dü, welches Schippy und Jan R führten. Grant freut sich heute allein im Zug mit der Gitarre durch Deutschland reisen zu können und plaudert fröhlich aus dem Nähkästchen.

Joachim von Get Happy, der auch als Trust Autor aktiv ist, berichtet im Gespräch mit Jan Röhlk über seine Arbeit an der dritten Auflage des Buches „They could have been bigger than EMI. A Discography of Now Defunct Record Labels that Released Vinyl“. Ich besitze zwar selber Unmengen an Vinyl, doch in Sachen Detailverliebtheit und Umfang macht wohl kaum ein Sammler von Punk/Hardcore-Platten Joachim etwas vor. Das Label Sympathy For the Record Industrie sei mit über 700 Platten am umfangreichsten. Das Buch hat Joachim übrigens erarbeitet, weil die Informationen im Internet nicht verfügbar waren und die meisten der porträtierten Labels nie eine Webseite hatten. Anlässlich der Lag Wagon Rereleases auf Fat Wreck sprach Jan R mit Joey Cape über die Bandgeschichte, das Bonusmaterial und wie es ist, mit Mitte 40 immer noch die Songs aus der eigenen Jugend zu spielen. Letzte Frage sollte öfters mal gestellt werden.

#157 Dezember/Januar 2012/1013

In seiner Kolumne berichtet Jan Tölva vom zweiten Zinefest in Berlin, dem Fanzine-Hype und beklagt sich über die Tatsache, dass die meisten guten Punk-Fanzines eingestellt wurden. Das erste Interview des Heftes hat Jan R mit Michael Schulze geführt, der die Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr kritisch untersucht. Was für ein schönes Thema für ein (politisches) Musikmagazin, von solchen Inhalten wünsche ich mir mehr. Das Cover der #157 ziert eine schöne Grafik des Zeichners Schwarwel, der sonst viele Arbeiten für die Ärzte macht. Schade, dass das zugehörige Interview im Heft so oberflächlich bleibt. Den großen Teil des Heftes nimmt der erste Teil unseres Vinyl Spezial ein, welcher sich um die Wichtigkeit des Mastern und Schneidens und Pressens dreht. Auf 10 Seiten wurden einige Presswerke zum Produktionsprozess interviewt.

Der Fokus lag dabei auf der Fragestellung, wie es abläuft, wenn man als Band selber eine Single herausbringen möchte. Das Interview mit den nach 20 Jahren noch einmal auf Europatour gegangenen Swing Kids verdeutlicht noch einmal, warum die Band einen solchen Kultstatus hat, obwohl sie doch damals nur eine Handvoll Songs geschrieben hat. Jose Palafax und Justin Pearson sind zwei völlig unterschiedliche Menschen, die nach der Band sehr unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben. Doch sie ergänzen sich gegenseitig perfekt und haben wahnsinnig viel Interessantes zum Leben an der Grenze zwischen Mexiko und Kalifornien zu erzählen. Die Themenvielfalt in der Ausgabe #157 ist groß.

#158 Februar/März 2013

In einem Special präsentierten wir Fotos von Sarah Kaufhold, die Kutten von Punks dokumentiert hat. Passenderweise ziert das Cover deshalb auch eine (Leder-?) Jacke mit vielen Nieten und dem Discharge-Patch. Neu im Heft ist die Kolumne von Mika Reckordt, der damals (wie auch heute noch immer) über Punk in (Südost-)Asien schreibt – ein Thema welches in der hiesigen Fanzinelandschaft sonst kaum beachtet wird. Torsten nimmt bereits seit den frühen 90er Jahren Videos auf Konzerten auf. Früher hat er auch mal fürs Trust geschrieben. Seit einigen Jahren lebt er in New York und nimmt unter dem Namen Unartig mehr Bands denn je mit seiner Kamera auf und veröffentlicht die Aufnahmen im Netz, teilweise sogar als große Specials mit viel Text auf seiner Homepage.

Im Interview erklärt er Jan R, dass er die Videos früher nur für sich gemacht habe, sie nun aber durch die neuen technischen Möglichkeiten zusätzlich auch der Welt zugänglich machen möchte. Natürlich wollten wir von unserem ehemaligen Schreiber wissen, wie das mit der Szene in NYC so läuft und was an den Mythen über NYHC wirklich dran ist. Torsten, schreib doch bitte mal wieder was für uns! Ein Interview mit Abe, dem Autor von „The Blasting Concept“, dem Buch über den gesamten Output von SST Records, durfte natürlich nicht fehlen. Abe führte dafür über 200 Interviews, von denen einzelne bis zu zehn Stunden lang waren. White Lung haben wir auf ihrer ersten Europatour in Berlin im Bei Ruth interviewt. Ihre ersten zwei LPs auf Deranged begeistern mich heute noch immer. Warum die Band danach anfing, bei Domino so langweilige Platten zu veröffentlichen, ist mir ein Rätsel.

#159 April/Mai 2013

Für viele gehören Punk und Skateboarding unzertrennlich zusammen. Bei uns ist das anders, denn kaum einer unserer Schreiber kam übers Skateboarden zur Musik. Vielleicht mag es vor diesem Hintergrund ungewöhnlich erscheinen, dass auf dem Cover der #159 ein Skateboarder abgebildet ist. Hintergrund ist das Interview mit den Machern vom Endless Grind Contest, welches jährlich in Bremen am Schlachthof stattfindet. Das Skate-Festival wird von Punks aus dem Umfeld vom Trust organisiert. Weil es sich zur Tradition entwickelt hat, dass dies auch immer ein inoffizielles Treffen vieler Trust’ler ist, hat Jan das Team mal ausführlich interviewt. Das Endless Grind Festival betont, Old School zu sein, keine Startgelder zu nehmen und nur Sponsoren aus dem Skate-Bereich zuzulassen.

Und abends spielen natürlich Bands am Pool. Mika unterhielt sich mit der Band Overthrown aus Singapur, die bereits seit 1994 aktiv sind, das Gespräch entwickelt sich zu einem halben Szenebericht. Alva spricht mit Jana von The Dropout Patrol über Punk in Berlin und warum Bands aus der Hauptstadt immer aus den gleichen 20 Leuten zu bestehen scheinen. This Moment in Black History berichten Jan R über die Integrity-geprägte HC-Kultur in Cleveland und möchten mit ihrem Post-Punk einen Gegenpol bilden. Denn laut der Band halten viele Leute vor Ort Punk für ein Synonym für Dummheit. Außerdem gibt es einen sechsseitigen Torbericht der Band Return of the Shabaz aus Mitrovica (Kosovo). Die Mitglieder kommen großteils aus dem Ausland, trafen sich als Lehrende an einer Schule für Rockmusik. In ihren Bericht über ihre Balkantour kommt die politische Situation nach dem Kosovo-Krieg folglich nicht zu kurz.

#160 Juni/Juli 2013

Eigentlich war das Vinyl-Special in der #157 als abgeschlossenes Thema gedacht, doch weil Bela das Thema weiterbeschäftigte, veröffentlichte er in der #160 einen zweiten Teil. Dieser Teil dreht sich um die Preisentwicklung von Vinyl im Zeitalter der illegalen MP3-Kopien und sinkender Vinylauflagen. Zu Wort kommen Music On Vinyl, Cargo Records, Twisted Chords, Flight 13 und Green Hell. Letztere bedauern, dass sie ihre Preise regelmäßig mit Kids diskutieren müssen, die nur die Kampfpreise von Amazon kennen, nicht aber die Kultur und Realität von unabhängigen Plattenvertrieben. Die Prognose von Flight 13 lautet „Vinyl wird es (hoffentlich) ewig geben und die CD Sales werden weiter rückläufig sein“. Auch in dem ausführlichen Interview von Jan R und Matze mit Prank Records geht es natürlich ums Vinylpressen, Nachpressen und Auflagen.

Außerdem sind alle verwundert, dass nach Tragedy eine Armee von Bands entstanden ist, die genauso klingt, obwohl die Prank-Band His Hero Is Gone doch schon den gleichen Stil gespielt hat, aber musikalisch weitaus revolutionärer gewesen sei. Ian Svenonious war mit seiner neuen Band Chain and The Gang gerade zum zweiten Mal auf Eurotour und diskutierte mit uns über Straßengangs im Kapitalismus und welche Bedeutung Tonträger für seine Liveband haben. Trust-Schreiber und Streak Records Betreiber Matze wurde von Jan zu seinem Label mit vielen Coverabbildungen interviewt. Um noch anschaulicher zu werden, gibt es auch ein Interview der Labelband Schizophasia. Alvas Interview mit Manuela von Finsterre hat erst so spät stattgefunden, weil sie es schwer fände, Bands neutral zu beurteilen, deren Mitglieder sie lange kenne. Doch gerade deshalb ist sie in der Lage im Gespräch so detailliert in die Tiefe zu gehen und die persönlichen Lebenserfahrungen auf die Band zu beziehen. Das hätte ein außenstehender Interviewer niemals so darstellen können.

#161 August/September 2013

Das Jens Rachut Cover ist einfach nur großartig! Grund ist das Nuclear Raped Fuck Bomb Interview. Hatte ich noch in Erinnerung, dass Rachut grundsätzlich keine Interviews gibt, erklärt Rachut, dass er dies heute nur macht, weil das Label die Band darum gebeten hat. Im Gespräch geht es um den ausgestiegenen Frankie Stubbs und Rachuts Erfahrungen am Theater. Rapper Astronautalis erklärt, welche Verbindungen er zischen Punk und HipHop sieht und dass er seine Tätigkeit als Musiker auch als Job ansieht und die Verantwortung trägt, die Musiker in seiner Band zu bezahlen. Jan R interviewte den Dokumentarfilmer Florian Optiz, der auch einen Punk-Background hat und zum Beispiel den Film „Der große Ausverkauf“ drehte. Mit dem Interview mit dem Fluxus Künstler Benjamin Patterson bringt Jan R ein zweites spannendes, durchaus Punk-kompatibles Thema fernab von Musik ins Heft. Erica von RVIVR betont im Gespräch mit Wolf gleich zu Beginn, dass Punk für sie zunächst immer Politik bedeutete und die Musik erst später folgte.

#162 Oktober/November 2013

Noch so ein großartiges Cover! Das „No Gods No Masters“ Graffiti verweist auf unser CrimeThinc Interview. Sehr haben wir uns auf die Gelegenheit gefreut, Brian von CrimeThinc und der Band Catharsis im Rahmen einer Lesetour des Kollektives führen zu können. Caratharsis hatten sich 10 Jahre vorher aufgelöst und einen bleibenden sowie kontroversen Eindruck hinterlassen. Wir nutzten die Gelegenheit, um mit Brian über Anarchismus in der heutigen Zeit zu diskutieren. Dass wir wenige Monate später die Gelegenheit bekommen würden, Catharsis auch in Europa wieder live zu sehen, hätten wir uns damals noch nicht denken können. Direkt vorm Berghain haben wir uns von Earth Gründer Dylan Carlson erklären lassen, wie er Anfang der 90er Jahre das klassische Drone-Konzept auf Gitarrenmusik übertragen hat und damit ein neues Genre geschaffen hat. Die letzte Experimentalplatte von Neil Young klinge für ihn wie Demos von Sunn O))).

Jan R ist nach Mainz gefahren, um den Ventil Verlag zu interviewen. Jens, Ingo und Jonas berichten, wie der Verlag aus der Fanzine-Welt hervorging und dass sie nach dem Tod von Martin Büsser weitermachen, weil Martin vor allem die Testcard-Reihe sehr am Herzen lag. Neben dem ausführlichen Indonesien-Punk-Special ist eine neue Band mit dem Namen Sleaford Mods im Heft. Zu dem Zeitpunkt kannte sie noch niemand und soweit wir wissen, waren wir die ersten, die in Deutschland über sie berichten. Schippy beschreibt die Offenbarung, Musik entdeckt zu haben, die man vorher noch nie gehört hat. Der große Hype ließ noch 1-2 Jahre auf sich warten.

#163 Dezember/Januar 2013/2014

Kurz vor Weihnachten transportiert unsere #163 ein klares Statement auf dem Cover: Fuck X-Mas! In seiner Kolumne schreibt Dolf, dass er in Anbetracht der aktuellen Politik und Gesellschaft gerne auswandern würde, aber auch nicht so recht weiß, wo es besser sein sollte. Mika interviewt Freiburg aus Herzebrock-Clarholz, die Band seines ehemaligen Mitbewohners. Trotzdem betont er, sie nicht zu interviewen, weil er sie kennt, sondern weil sie super seien. Freiburg ist es peinlich, mal einen Bandcontest gewonnen zu haben und finden den häufig gebrachten Turbostaat-Vergleich unpassend. Das ausführlichste Interview hat Jan R mit Gabriel Kuhn geführt, dem Autor des Buches „Sober Living for the Revolution – Hardcore Punk, Straight Edge and Radical Politics“. Über acht Seiten beschreibt der Autor seinen Weg von Tiroler Volksfesten zu Metal, Straight Edge und Punk. Die weiteren Interviews mit The Shondes, Grande Roses und Bazooka Circus können längentechnisch nicht mithalten.

#164 Februar/März 2014

Das tolle Foto der legendären B’last auf dem Cover unserer #164 lässt zwar einiges erwarten, das nur zweiseitige Interview ist aber leider schwach. Mit der Reunion der Band wollte ich mich danach nicht mehr auseinandersetzen. Weniger bekannt, aber viel spannender sind die beiden Interviews von Jan Röhlk mit dem Radiomoderator und Musikjournalisten Klaus Walter und dem Philosophen Jakob Kapeller zum Thema Kapitalismus in der Krise. Mika hat sich mit der Band Second Combat aus Kuala Lumpur unterhalten, die sich 1996 gründeten, sich musikalisch an amerikanischen Vorbildern orientieren, aber doch seitdem regelmäßig ihren Stil ändern.

Schade, dass sich seit dem Internet immer mehr Bands nur noch an der westlichen Kultur orientieren. Sie berichten, was es bedeutet, in Malaysia Vegetarier und Straight Edge zu sein, was schließlich für die Kultur des Landes beides sehr ungewöhnlich ist. Der Rest des Gesprächs dreht sich vor allem um die Szene in Südostasien und die Frage, ob Religion und Punk kompatibel sind. Mit Amanda Palmer von den Dresden Dolls lässt Alva zu unserer stets zu stark männlich geprägten Musikauswahl eine Frau zu Wort kommen. Amanda berichtet davon, ihr Label und Management hinter sich gelassen zu haben. Ihr neue Platte hat sie per Crowdfunding finanziert und bei der Werbung setzt sie viel auf Social Media. Außerdem berichtet Amanda von der Arbeit an ihrem ersten Buch.

#165 April/Mai 2014

Früher hat Oise von Red Tape Parade eine regelmäßige Kolumne fürs Trust geschrieben, in der er von seinen Erlebnissen als Tormanager berichtete. Leider liegt das schon lange zurück. Für die #165 hat ihn Jan Röhlk endlich mal interviewt und detailliert nachgefragt, wie das Leben eines Tourmanagers abläuft, der ständig mit Hardcore-Bands durch Europa fährt. Sehr wichtig für die HC-Geschichte in Europa war das Label X-Mist Records, welches 2014 mit der Happy Ever After 12“ das 100. Release feierte. Zu diesem Anlass hat Christian Unsinn Armin von X-Mist interviewt und sich berichten lassen, warum er sein Label aus dem kleinen Ort Nagold betreibt und nicht glaubt, in einer Großstadt wie in Berlin innovative Musik finden zu können. Tobias Scheiße von Hammerhead beklagt sich, dass er die klassische Forderung von Authentizität bei Punkbands nicht unterstützt, sondern sich gute Shows wünscht. Die krassen Geschichten, die über seine Band kursieren, hält er oft für übertrieben. Außerdem wird das Label Unwucht Records aus Augsburg interviewt – der Ort an dem vor 30 Jahren auch die Geschichte des Trusts anfing.

#166 Juni/Juli 2014

Nachdem wir mehrfach vergeblich versucht hatten, an ein Interview mit Godspeed You Black Emperor zu kommen, sind wir es anders angegangen. Wir haben den Kopf der Band Efrim Menuck interviewt, als er mit seiner Band Silver Mount Zion auf Tour war. Er erklärt uns seine Hassliebe zu seiner Heimatstadt Montreal, die Stadt die für Indie-Rock weltbekannt ist, nicht aber für seine einflussreichen Bands. Wir diskutierten die Sparpolitik Kanadas und was Atheismus, Judentum und Anarchismus für ihn bedeuten. Bela interviewte das Psych-/Prog-Rock-/Proto-Punk-Label „Who Can You Trust?“, weil es eines der wenigen Labels sei, von dem ihn jedes Release interessiert und er kaum selektieren müsse. Labelbetreiber Chris erläutert, was ihn an Tapes fasziniert und woran er festmacht, ob ein Release auch auf Vinyl gepresst wird.

Omega Massiv haben Jan Röhlk live so weggeblasen, dass er sie unbedingt interviewen musste und Stone lässt sich vom Singer/Songwriter Austin Lucas berichten, was Country für ihn bedeutet und wo die Verbindung zum Punk ist. Christian Bendel steuert zwar schon seit langer Zeit tolle Konzertfotos zum Trust bei, die wir großformatig drucken, in dieser Ausgabe startet seine zusätzliche zweiseitige Serie „Quick’n’Dirty“, die seit der #166 in jedem Heft abgebildet war. Auf der Doppelseite gibt es jeweils vier Portraits von Musikern vor einem Auftritt zu sehen, die innerhalb von fünf Minuten entstanden sind. Im ersten Teil zeigen die Bilder La Dispute, Eugene Quell, Brody Dalle und O’Brother.

#167 August/September 2014

Wir haben die Sleaford Mods auf dem Cover, der Hype um die Band ist auf dem Höhepunkt angekommen. Wir erhalten Kritik, jetzt auf den Zug aufzuspringen, denn kaum jemand konnte sich erinnern, dass wir schon in der #162 über sie berichtet haben. Schippy war mit der Band auf Tour und hat für uns ein ausführliches Tagebuch geschrieben. Das zweite Album erschien gerade, auf einmal sprach jeder über die schlechtgelaunten Mods aus Nottingham. Weil diese Phase der Band so aufregend war, hat Schippy nicht nur selber geschrieben sondern lässt auch Armin (X-Mist), Michael (Beau Travail), Junge (EA80) oder Lars (Konkret) zu Wort kommen. Stone dagegen nutzte die Gelegenheit, mit dem länger bekannten Bob Mould über seine letzten Alben zu sprechen. Bob bestätigt Stone, dass er seine letzten Songs im Gegensatz zu früheren wirklich im Stehen geschrieben hat. In der Vergangenheit hatte er das Problem, dass er Songs live nicht spielen konnte, weil sie zu kompliziert gewesen seien. Und das Trust wäre nicht das Trust, wenn die Unterhaltung am Ende nicht Richtung SST geschwenkt worden wäre. Steffi und Jana melden sich im Trust mit einem Kafkas Interview zum ersten Mal zu Wort.

#168 Oktober/November 2014

Ebenfalls neu beim Trust ist Sabrina, die gleich für die super Titelstory mit dem Namen „How to suck less“ verantwortlich ist. Nachdem einige Trust-Schreiber in den vergangenen Monaten inaktiver geworden sind, haben wir uns nach neuen Leuten umgesehen. Schlägt man das Heft auf, lautet die Überschrift dann etwas detaillierter „How to try to suck less“ und erläutert, warum ein bewusstes Leben mit Veganismus und bewusstem Konsum eben nicht ganz so einfach oder widerspruchsfrei sei. Als Ausgangspunkt dient der prominente Veganer Attila Hildmann, der Veganismus auch mit seinem Aussehen bewirbt – eine fragwürdige Motivation. Auch Jan Röhlk bewegt sich fernab von Musik, wenn er die Autoren des Buches „Antifa: Geschichte und Organisation“ interviewt und mit ihnen die unterschiedlichen Strömungen und die Konflikte innerhalb der Antifa bespricht. Weil wir aber doch in erster Linie ein Musikmagazin sind, dürfen Referenzen auf Los Fastidios, Fischmob und die Goldenen Zitronen nicht fehlen. Außerdem bietet die Ausgabe Interviews mit Slovenly Records, A Time To Stand und Watered.

#169 Dezember/Januar 2014/2015

In seiner Kolumne regt sich Dolf über Waffenexporte auf und lobt das Buch „Grüne Lügen“. Jan rechtfertigt seine Liebe zum Macho-Hard-Rock von AC/DC (gab es eigentlich mal eine Kolumne von Jan ohne AC/DC?). Mika beschreibt die Geschichte seines Freundes Mervin aus den Philippinen, der für eine Kirche im Bereich der Menschenrechte arbeitet und dessen Priester vermutlich von der Regierung ermordet wurden, weil sie sich für die Rechte von Armen eingesetzt haben. Jan Tölva beklagt, dass Berlin im Winter mit seinen düsteren Hinterhöfen trister als andere Städte sei. Neben seiner Kolumne hat Bela für diese Ausgabe das Inside Artzine interviewt, ein Kunstfanzine welches sich selbst als Art Scum bezeichnet.

Mit Bad Omen hat Mika wieder eine Philippinische Punkband ins Heft gebracht, von der sonst vermutlich nie ein Trust-Leser etwas erfahren hätte. Schippy ist beim Pinkeln auf einen Aufkleber der Band Schwule Nuttenbullen aufmerksam geworden, für dieses Heft hat er sie dann sogar interviewt. Jan hat den großartigen BildBlog interviewt, das Blog, welches die Berichterstattung der Bild und anderen Medien unter die Lupe nimmt und kritisiert. Super Sache, jedoch frage ich mich, wie das Trust eigentlich dort wegkommen würde. Ihren journalistischen Anspruch könnten wir wohl kaum erfüllen. Mantar wollten eigentlich nur 50 Tapes an Freunde verteilen, um in Hamburg auftreten zu können. Plötzlich meldeten sich aber große amerikanische Labels, die ihre Platte rausbringen wollten. Sie entschieden sich aber für ein kleines D.I.Y.-Label, was das interviewte Duo sympathisch macht.

#170 Februar/März 2015

Das Cover unserer #170 zeigt zwar keine bekannte Band, aber dafür einige Konzertbesucher beim Feiern vor der Bühne. Den wenigsten ist aufgefallen dass unter ihnen Larry Livermore, der Betreiber von Lookout Records, zu sehen ist. Auf Twitter kommentierte er, dass er hoffe, dass sich sein Gesicht nicht zu negativ auf unsere Verkäufe auswirken. Das Foto stammt übrigens vom Fotografen Marc Gärtner, von dem wir schon öfters Fotos im Trust zeigen durften. Jan Röhlk hat ihn für diese Ausgabe interviewt. Marc betont, kein Künstler zu sein, weil er nur Punkshows fotografiere und nicht eben die abgebildete Szene selber schafft. Außerdem seien Pommes und Cola seine liebsten Nahrungsmittel. Bela huldigt das New Direktions Festival mit einen Interview und Sabrina lässt das Twisted Chords Label zu Wort kommen: „Ein Vollzeitjob, von dem du nicht leben kannst“. Mit Tiger Pussy bringt Mika eine Riot Grrrl Band aus den Philippinen ins Heft.

#171 April/Mai 2015

Kennt ihr die Band auf der Titelseite? Die drei Frauen an ihren Instrumenten sind Lucky Malice aus Norwegen. Falls ihr sie nicht kennt, erfahrt ihr nicht nur im Interview im Heft mehr über sie, sondern könnt sie auch auf unserer 30 Jahres Feier in Bremen live sehen! Kurz vor Erscheinen der #171 hatte Dolf Geburtstag, in seiner Kolumne stellt er die Frage, ob man sowas wie das Trust auch noch mit über 50 betreiben kann. Dass seine Antwort positiv ausfällt, muss ich sicher nicht weiter erläutern. Alva hat einen Text über Ex Hex geschrieben, einer Band von Mary Timony, die auch bei den in der Ausgabe 156 interviewten Wild Flag aktiv war. Außerdem im Heft: Alte Schule Masthorn, Mahlstrom und The Holy Steady.

#172 Juni/Juli 2015

Das Cover unserer #172 zeigt einen Ausschnitt von Against Me’s „Transgender Dysphoria Blues“ – kurz nach der Geschlechtsumwandlung von Laura Jane Grace, vormals bekannt als Tom Gabel. Weil das Thema zuvor schon von viele anderen Medien aufgegriffen wurde, die der Band möglicherweise wichtiger waren, kam unsere Story leider ein wenig zu spät. Längst überfällig war das Interview mit Lucky Star Records, einem Plattenladen und Mailorder aus Frankfurt. Zum siebenjährigem Jubiläum erzählt der Betreiber Günter aus dem Alltag eines Plattenhändlers. Jan Tölva stellt die aktuelle Zeckenrap-Szene vor, schließlich gab es den Begriff wenige Jahre vorher noch nicht. Unser Backcover der Ausgabe haben wir mit TOO MUCH [freie Fläche] NOT ENOUGH [freie Fläche] zur Erweiterung an unsere Leser freigegeben. Leider tauchten nur wenige Fotos von veränderten Backcovern in sozialen Netzwerken auf.

#173 August/September 2015

Ganz klein sind die Bandnamen aufs Cover gedruckt, aber ich lese wieder Sleaford Mods. Schippy war erneut bei der Tour dabei (Tourfahrer oder Groupie?) und liefert seinen Bericht ab. Eins wird klar, die Band ist in kürzester Zeit groß geworden. Ebenfalls sprachen im Sommer 2015 viele von der Band Adam Angst. Claas war nervös, den Sänger zu treffen und war dann überrascht, dass Felix doch ein ganz umgänglicher Typ ist. Das Trust ist definitiv ein offenes Format und an dem Interview gibt es nichts zu beanstanden, aber doch frage ich mich, wie diese Band ins Trust passen soll. Gefreut habe ich mich über das Interview mit dem KAW in Leverkusen. Dieses gibt es seit 2001, ist seither selbstverwaltet und hat seitdem vorbildlich viel auf die Beine gestellt, auch abseits von Konzerten. Jan diskutiert mit den Betreibern des „quasi autonomen“ Kulturzentrums die fast 15jährige Geschichte. Außerdem interviewte Sabrina AHTEHHA – „Pöbeljazz mit Herz und Verstand“. Die Band erklärt das so: einigermaßen anspruchsvolle Musiker spielen etwas Jazzähnliches, zumindest solange bis das Geschrei einsetzt.

#174 Oktober/November 2015

Die Titelseite der #174 zeigt ein Bild von drei auf den Boden sitzenden Menschen, die im grauen Nebel untergehen. Das ist die Band „Die Nerven“, die auch im Heft interviewt wird. Neben ihrem Bandnamen steht auf der Titelseite neben „Underground Navigator“ auch „Bier“ und „Making of Trust Black Pilsener“. Unsere treuen Leser erinnern sich an das Trust Bier, welches im Herbst 2015 im (Spezial-)Handel zu kaufen gab. Das dunkle Craft Bier war in der typischen Schwarz-Weiß-Trust-Ästhetik gehalten, schmeckte aber wie ein Pils. Im Heft gibt es eine Bildstrecke zur Entstehung dieses Bieres und ein (wiederveröffentlichtes) Interview mit Andreas von Pax Bräu, der es für uns gebraut hat. Hoffentlich habt ihr es probiert. Ebenfalls spannend ist das Interview mit dem Underground Navigator, einer wichtigen Webseite für Termine in Rhein-Main-Gebiet. Außerdem haben wir im Heft einen Leserbrief von Paul abgedruckt, der sich bei Jan für die tollen Interviews abseits der Musik bedankt. Er könne mit Punk eigentlich nicht so viel anfangen, liest das Trust aber regelmäßig, weil er es inhaltlich so spannend fände. Liebe Leser, schreibt uns wieder mehr Leserbriefe! Wir freuen uns darüber.

#175 Dezember/Januar 2015/2016

Auf das Epistrophy Interview war ich sehr gespannt. Ich wollte wissen, was die Labelbetreiber zu den überteuerten Wiederveröffentlichungen der Bohren & der Club of Gore LPs auf ihrem Label sagten, schließlich hatte die Band sich deutlich von ihnen distanziert. Leider scheinen beim Interviewpartner Frank bei Fragen bzgl. Geld für Tonträger die Gefühle hochzukochen, sodass ich aus seinen zynischen Antworten nicht schlau werde. Zugegeben, ich hätte die alten Bohren Platten auch gerne auf Vinyl. Abseits davon sind seine Einblicke hinter die Kulissen des Labels und „Hannover-HC-Hausen“ durchaus interessant. Bela führte mit der „neuen Punkrockhoffnung aus Hamburg“ Küken ein kurzes Interview. Ich kenne die Band nicht, aber nach Lesen dieses oberflächlichen Gesprächs, setze ich nur wenig Hoffnung in sie. Government Flu hinterlassen in ihrem Gespräch einen deutlich besseren Eindruck. Super ist der Shanghai-Bericht von Claas, der einige Jahre in der Stadt lebte. Er beschreibt die Underground Musikszene, zieht Vergleiche zur Hauptstadt Beijing und lässt einen Musikblogger aus Shanghai zu Wort kommen. Jetzt ärgere ich mich, bei meiner China-Reise vor wenigen Jahren andere Orte vorgezogen zu haben. Zum ersten Mal seit Jahren endet die Dezember-Kolumne von Dolf nicht mit den Worten „Fuck Christmas“

#176 Februar/März 2016

In der ersten Ausgabe 2016 schreibt Stone darüber, dass er nach 20 Jahren Arbeit als Freiberufler nun seine erste Festanstellung angenommen hat. Jan R hätte gerne den Amok-Forscher Dr. Götz fürs Trust interviewt, weil dieser aber keine Zeit hatte, stellt Jan seine zentralen Thesen in seiner Kolumne vor. Mika schreibt über Punks, die in Taxis und anderen Fahrzeugen Menschen von einem Ort zum anderen bringen – in Asien wie in Berlin. Jan Tölva schreibt über Gesundheit, Sport und Behinderungen. Bela sich die Frage, ob er in seiner Jugend Jan Böhmermann auch schon so „scheiße“ gefunden hätte wie heute mit Ende 30. Lena und Stef von Meta Matter Records beschreiben im Interview mit Jan R, dass sie tolle Aufmachungen von Platten zwar gutheißen, es heute in vielen Fällen aber auch übertrieben fänden, schließlich ständen Musik und Texte im Vordergrund.

Bela interviewte die Grunge-Band Hathors per E-Mail und spricht mit ihnen über das kleine Revival des 90er Jahre Musikstils. Claas hatte zwar nur 15 Minuten Interviewzeit mit Frank Turner zugesagt bekommen, schaffte es aber durch sein persönliches Gespräch über den Songwriting-Prozess auf den unterschiedlichen Turner-Platten die Interviewzeit auf über 30 Minuten zu strecken. Frank Turner beschreibt, wie er früher immer gute Kritiken bekam, ihn aber einige Leute hassen, seitdem er bekannter geworden ist und sich negative Reviews teilweise gar nicht mehr mit seiner Musik auseinandersetzen. Mika hatte die Band Freiburg schon einmal vor zwei Jahren interviewt. Doch Freiburg haben mit „Brief und Siegel“ eine neue Platte gemacht und Mika hatte einfach viele neue Fragen – also ein neues Interview!

#177 April/Mai 2016

Das „Shop ‚till you drop“ Cover ist einfach schön. Der typografische Layoutstil von André zieht sich eh durch unsere gesamten Hefte der letzten 6-7 Jahre. In seiner Kolumne regt sich Dolf über die AfD auf, Stone gibt ein erstes Feedback zu seinem neuen Job (früh aufstehen!). Mika steht in einem Musikgeschäft in Myanmars, freut sich über die lokale Auswahl und amüsiert sich über einen anderen Touristen, der sich ärgert, keine westliche Musik zu finden. Jan Tölva ist von der digitalen Informationsmenge überfordert und legt sich dieses Mal lieber mit einem Buch ins Bett. Bela lässt die Preisgestaltung von LPs nicht locker und rechnet vor, was die Produktionskosten einer LP sind und für wie viel diese am Ende verkauft wird. Sabrina und Jonas haben als Titelthema den langen und kritischen Artikel geschrieben, ob ethischer Konsum hilft, die Welt zu retten. Weil die Fragestellung so komplex ist, haben wir den Artikel auf zwei Teile aufgeteilt, in der #177 ist nur der erste enthalten. Die Potsdamer Crowskin kommen zu Wort und Bela hat sich mit Jason Honea hauptsächlich über seine Zeit bei Social Unrest unterhalten.

Heute lebt er in Berlin und hat mit seiner Band Dysnea Boys gerade ein neues Album auf Take It Back herausgebracht, dem Label von unserem Autor Christian. Walk the Plank aus Washington, DC sind zwar keine bekannte Band, doch sie waren gerade auf Tour und einer ihrer Songs ist in einem Hornbach-Werbespot gelandet. Eine richtige Erklärung dafür hat die Band leider nicht, als Wolf sie im Interview anspricht. Zum Abschluss unterhält sich Stone noch mit den reformierten Blind Idiot God und möchte von ihnen wissen, ob es heute auch noch möglich sei, ein Label wie damals SST oder Dischord zu betreiben. Blind Idiot God halten es für eher unwahrscheinlich. Schade!

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Viele der hier vorstellten Ausgaben könnt ihr weiterhin noch als Backissues nachbestellen, einige der Interviews gibt es auch auf unserer Webseite. Mittlerweile veröffentlichen wir seit über 30 Jahren konstant ein unabhängiges und nicht auf Gewinn ausgelegtes Musikmagazin. Das ist verdammt lang. Das möchten wir am 11.06. in Bremen auf der 30 Jahre Trust Feier mit euch feiern!

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