März 11th, 2007

RHYTHM PIGS (#60, 10-1996)

Posted in interview by jörg

Un Fiesta Musica!

Im Jänner 1996 schafften es die RHYTHM PIGS endlich fast 10 Jahre nachdem ein Gig im Rahmen ihrer glücklosen Europa-Tournee im Linz wegen eines erkrankten Schlagzeugers gecancelt werden musste und erstmals nach österreich und spielten einen umwerfenden Gig in der KAPU.

Nach der Einführung und Vorstellung der Bandmitglieder: Schmeckie/J.T. Gitarre, Stimme, Ralph Spight von VICTIMS FAMILY Gitarre, Stimme und Jay Smith Schlagzeug, durch den drahtigen Bassisten und Sänger Ed Ivey auf Spanisch! entfachte das Quartett ein musikalisches Feuerwerk der so selten erlebten Extraklasse.

Dichte, intelligente Prog/Jazz-Core-Perlen von ihrem Album-Klassiker Choke On This, wechselten sich mit launigen Coverversionen und Material von ihrem neuen, erstklassigen Album Baby Falcon Getaway (W.E.R.K. Works/Konkurrent) ab. Das Ganze abgerundet von einem undummen, poiniterten Humor und einer überbordenden Spielfreude und Musikalität.

***

Das Interview, dass nach einem sehr langen und inspirierenden Gespräch vor dem Gig nach diesem in sehr entspannter Atmosphäre stattfand, eröffnete Schmeckie mit einer Anekdote vom Vorabend.

Schmeckie/J.T.: Letzte Nacht haben wir in Wien gespielt. Der Club war ziemlich cool, er hiess Flex. Wir spielen unseren lauten, schnellen, verrückten Punkrock. Ich hatte ein echt gutes Gefühl als ich die Leute im Publikum angesehen habe, im speziellen diese eine Frau, die etwa drei Meter vor der Bühne stand. Sie machte den Eindruck als wäre sie sweet as sugar but tough as nails, verstehst Du?

Sie war cool, das habe ich sofort gemerkt. Sie mochte uns, als wir unseren spanischen Song spielten, mit dem Walzer-Rhythmus und dieser Betrunkene, der die ganze Zeit „spielt was von Exploited“ geschrien hat, kracht in sie hinein, vorher hatten wir die ganze Zeit Augenkontakt, smiles, dumb faces und er kracht in sie hinein und so schleudert sie ihn weg, er kommt wieder zurück, sie schlägt ihn und jemand anderer „entsorgt“ ihn und sie lacht mich wieder an …

Das war so grossartig und ich wollte mich so gern mit ihr unterhalten! Aber er hat keine Ruhe gegeben und als wir aufhörten, war sie weg! Ich nenne sie Superchick, ich kann sie nicht vergessen, ich habe keine Ahnung, wann ich wieder in Wien sein werde, aber ich werde Superchick suchen. Sie ist cool as hell.

Was mir bei eurem Gig heute aufgefallen ist und sehr gut gefallen hat, war der Humor, der in Musik und Ansagen zum Ausdruck kam.

Schmeckie: Ich mag das. Damals als ich die MEATMEN gesehen habe und sie waren umwerfend komisch, aber niemand lachte, weil sie alle viel zu cool waren um zu lachen.

Ed: Früher, beim Slam-Tanzen im Pit, wenn jemand am Rand gestanden ist und gelacht hat, war er in Schwierigkeiten. Es war nicht cool zu lachen bei der Hardcore-Show. Das war einer der Gründe warum ich nicht mehr geslamt habe, der andere war ein Autounfall, bei dem ich meine Schulter verletzt habe. Ausserdem wurde Slam-Dancing so eine verfluchte Poser-Geschichte … so 82, 83 …

Das erinnert mich an diesen Song auf der ersten BEEFEATER-Platte, „Fred`s Song“, wo ihr Gitarrist von einem „Slamdance-Unfall“ singt.

Ed: Sie waren eine grossartige Band, ihr Schlagzeuger Kenny spielte bei uns. (…) „Damals“ ist ein etwas dummer Term, weil es noch nicht soo lange her ist. Die Hc-Szene … als wir mit den RHYTHM PIGS wirklich viel zu spielen begannen, auf Tour waren, das war so etwa 1984, oder am Ende von 1983 und wir dachten von 77 als „The old days“. Und jetzt sind 84 die „old days“, es war eine Szene, das war Prä-Metal, die einzige Metal-Band around waren JUDAS PRIEST, METALLICA begannen erst 84 oder 85, aber niemand nahm sie zur Kenntnis. Hardcore war eine ganz eigene, unabhängige Szene.

Wenn wir etwa in Denver spielten, waren dort 300 bis 400 Leute und es waren Hardcore-Punkrocker, Lederjacken, gespikte Haare, Irokesen, verflucht viele Iros, 200 von 400 Leuten mit Iros, das meine ich mit „old days“, ich rede von der Hardcore-Szene, wie sie einmal war. Es ist ganz offensichtlich heute nicht mehr so, ich denke das ist eine natürliche Entwicklung und ich glaube auch, dass es gut ist, dass es nicht mehr so ist.

Eure Geschichte?

Ed: Jay und ich sind die Ur- RHYTHM PIGS, J.T. spielt seit 3 Jahren mit uns. Der ursprüngliche Gitarrist, Greg Adams, war 92 mit uns in Europa und lebt jetzt in Texas mit seiner Familie, er hat ein paar Kinder. Er spielt noch immer Musik mit einer Band dort, aber wegen seiner Familie konnte er nicht mehr touren und wollte auch nicht mehr in San Francisco leben. Darum kam J.T. in die Band. J.T. kannte uns, er hatte eine Radioshow in New Jersey.

Schmeckie: In der Highschool, ich war damals 16.

Ed: Wie alt bist Du jetzt?

Schmeckie: 25.

Ed: Ich werde bald 34, als wir damals spielten hörte er unser Zeug und – ich glaube Du hast sogar mit deiner Gitarre dazu gejammt …

Schmeckie: Ja, wie zu „Conditional Love“ (imitiert singend Gitarrenlauf des Stücks). Als ich Ed traf, konnte ich das Stück spielen, es war der einzige ihrer Songs, den ich spielen konnte. Ich habe sie in der Farm in San Francisco live gesehen, gemeinsam mit den BAD BRAINS, AFFLICTED und D.R.I. Das war eine wirklich phantastische Show. Ich war wie der Teufel dahinter meine Band mit den RHYTHM PIGS zu buchen und schliesslich habe ich es geschafft, bei einer Show in Philadelphia.

Deine Band?

Schmeckie: Damals war es P.E.D. Wir kriegten die Show, fuhren von New Jersey hin und die Nacht davor war eingebrochen worden und so wurde der Gig gecancelt. Aber die RHYTHM PIGS waren immer eine meiner favorite Bands.

Ich war überrascht wie aktuell/zeitlos die alten Songs wirkten …

Ed: Funeral of a Friend wie heisst der auf Choke On This? Elegy! Dieses Lied handelt von meinem Cousin, der sich unabsichtlich erschossen hat. Ich machte Funeral of a Friend daraus, damit es nicht soo persönlich war. Als die Platten damals rauskamen, waren sie für mich nicht so wichtig wie sie mir heute sind.

Deshalb, weil mir Leute erzählen, wie wichtig Choke On This für sie ist, weil sie mir sagen „ich höre mir Choke on this jeden Tag an, wie J.W. , unser Freund in Holland, der mit uns arbeitet, er hört sich Choke On This jeden Tag an (lacht).

Schmeckie: Ich glaube, dass Choke On This eine der besten Punkrock-Platten überhaupt ist.

Ihr habt auch in Linz einen Fan, Peter(l) (seines Zeichens Basist von SEVEN SIOUX/SCHWESTER, jetzt TRüMMER SIND STEINE DER HOFFNUNG) hat Eure Platten damals viel gehört, er hat auch diese eine Liveplatte.

Ed: Von der es nur 500 Stück gibt, ich habe selber keine mehr davon.

Wie ist die Band eigentlich entstanden?

Ed: Ich bin in Texas aufgewachsen, in einer Grenzstadt an der Grenze zu Mexiko, in El Paso. Wir begannen, als ich Greg Adams an der Uni traf, 1980, wir kannten uns von früher von einem Kurs über elektronische Musik, das war Prä-Midi, den wir gemeinsam besucht hatten und wir trafen uns am Campus und er sagte: „Hey man, kannst Du Bass spielen, wir brauchen einen Bassissten!“ Und ich hatte mir gerade einen Bass gekauft, zwei Wochen vorher.

Als ich aufgewachsen bin habe ich verschiedene Blasinstrumente, Trompete und Tuba in Schulbands gespielt, ich hatte Interesse an Musik und ich habe in einer Lounge-Band gespielt mit diesem Hippe, wo wir BOB DYLAN-Style-Folk spielten, ich sang und spielte Mandoline. Ich hatte etwas Bühnenerfahrung, ich wollte spielen und dann traf ich Greg und er sagte: „Wir starten diese Band. Es ist Punkrock. Komm vorbei!“ Ich hatte von Punk im Fernsehen gehört, aber nie wirklich die Musik gehört, vielleicht die RAMONES, einmal, in einer Late-Night-College-Radio-Show.

Egal, ich bin mit ihm in den Proberaum und dort waren er und diese zwei anderen Typen mit rasiertem Kopf und sie hörten BLACK FLAG, voll aufgedreht und spielten zu dem Tape. It was Punk as shit. Es war genau das, was ich tun wollte. Zwei Tage später zeigten sie den Film „The Decline Of The Western Civilisation“ in El Paso in einer Mitternachstvorführung für einen Dollar. Es war halbvoll, ich ging hin mit Greg Adams und diesen anderen beiden Punkrock-Assholes aus El Paso.

Wir sahen uns den Film an, alles war cool bis zu dem Moment als im Film BLACK FLAG auf die Bühne kamen alle drei mit denen ich im Kino waren, sprangen aus ihren Sitzen und slammten vor der Leinwand ihre asses off! Natürlich wurden wir rausgeschmissen und die Vorführung gestoppt. Ich dachte mir – ja, ich will Teil davon sein, dass ist so unglaublich cool! Ich merkte sofort … du brauchst kein Talent um Punkrock zu spielen, du musst nicht darüber singen, wie sehr du jemanden liebst und wie wundervoll alles ist.

Du musst nicht posen du tust einfach was du tun willst. Das liebte ich an Punkrock! Wie gesagt, ich spielte in dieser Lounge-Band mit diesem Hippie, seiner Freundin und den BOB DYLAN und PETER, PAUL & MARY-Songs – Punkrock zeigte mir, dass ich nicht mit länger mit dem Club-Besitzer, der uns nicht sonderlich mochte, umgehen musste oder ständig Songs üben, die 25 Jahre vorher geschrieben wurden. Das war idiotisch!

Es war ein wirkliches Erwachen, als mir Punkrock begegnete. Zuerst gründeten Greg und ich eine Band namens CIVILIANS IN ACTION – C.I.A., eine Texas-Punkrockband. Wir spielten etwa ein Jahr lang. Der Schlagzeuger, mit dem wir arbeiteten, er kam aus einer Polkaband, hatte eine Menge Erfahrungen damit Hochzeitsfeiern zu spielen, aber weniger Erfahrung mit Punkrock oder aggressiver Musik, er war nicht der Richtige für uns und als wir von Jay Smith hörten, der bis heute in der Band ist – das war der eigentliche Anfang der RHYTHM PIGS.

Wir waren immer ein Trio, es ist bei dieser Tour das erste Mal, dass wir zu viert spielen. Wir begannen zu spielen. Mit das erste das wir beschlossen, war sobald wie möglich aus El Paso rauszukommen und schon unsere erstes Konzert war ausserhalb wir fuhren nach Albuquerque, New Mexico, 5 Stunden nord-östlich von El Paso. Es gab dort eine Band names JERRY`S KIDZ, nicht mit der Bostoner Band zu verwechseln, wundervoller Skate-Punk, wir spielten mit ihnen und wurden Freunde, einer der Skinheads, den ich damals das erstemal im Proberaum mit Greg getroffen habe, ist von El Paso nach Albuquerque gezogen und durch ihn entstand diese Connection.

Wir spielten soviel wie möglich und am Ende von 1983 hatten wir etwa 40 Songs und wir nahmen 6 davon in einem Studio in El Paso auf, 6 Stunden 600 Dollar, und so hatten wir eine 45er auf Unclean Records, sie ist seit langer Zeit vergriffen, das war unsere erste Platte. Jello Biafra mochte sie und sie bekam eine gute Kritik im Maximum Rock`n `Roll und wir spielten dann auf Tour in San Francisco, wo wir Ruth Schwartz von Mordam Records kennenlernten, dort erschien unsere erste gleichnamige Lp und später Choke On This.

Schmeckie: Hast Du jemals die 7″ American Activity gehört? Es ist unglaublich, Ed, ihr habt sie auf einer 8-Spur-Maschine aufgenommen, stimmt das?

Ed: Ja, aber es war ein sehr professionelles Studio.

Schmeckie: Sie hat einen so guten Sound. Einen der besten, den ich jemals gehört habe, einen der besten Vocal-Sounds, einen der besten Drum-Sounds, ein grossartiges Stück Vinyl. It kicks ass!

Ed: Der Tontechniker hatte keinerlei Erfahrung mit Punkrock, er machte Commercials und nahm Country & Western-Music auf und als wir aufnahmen hatten wir eine VAN HALEN-Platte mit uns, ich glaube es war Van Halen II und eine RUDIMENTARY PENI-45er …

Schmeckie: Gute Kombination!

Ed: Und ich glaube BLACK FLAG und wir sagten ihm so wollen wir klingen! Und er als typischer El Paso, Texas-Tontechniker sagte: „Oh Shit, man, es wird viel besser als das klingen!“

Schmeckie: That`s hysterical! Ich glaube auf eine seltsame Art hat Greg Adams eine Menge Eddie VanHalen in seinem Spiel …

Ed: Oh Dude! Absolut!

Schmeckie: Ich liebe das! Ganz egal, dass VAN HALEN die seichteste Band überhaupt geworden sind, sie waren einmal eine grossartige Band.

Ed: 1978 oder 1979 als die erste VAN HALEN rauskam und ich sie zum erstenmal hörte, war ich auf der Spitze eines grossen Sandberges in der Wüste, trank Bier, got fucked up, wir waren ein Haufen Highschool-Kids, wir schossen mit Gewehren und mein Freund hatte eine laute Stereoanlage in seinem Jeep und er hatte die neue VAN HALEN auf 8-Track. Er gab sie rein, turned the motherfucker on und ich schwöre Dir, es mag dumm klingen, aber irgendwie veränderte das mein Leben, wie ich Eddie Van Halen`s Gitarre hörte und David Lee Roth`s Stimme … Es war unglaublich!

Schmeckie: Weisst Du was lustig ist? Als ich zum ersten Mal VAN HALEN hörte, mochte ich sie nicht weisst du warum? Weil ich war neun und ein verflucht engstirniger Jerk und ich mochte nichts ausser KIss, ich hörte mir ein Jahr nichts anderes an als KIss.

Das sind ja Einflüsse für eine Punkband …

Ed: Das Wichtige an meinem musikalischen Background war, ich hörte keinen Rock`n`Roll bis ich etwa 18 war, weil ich auf einer Farm aufgewachsen bin und meine Berührungen mit Musik waren in der Kirche, dann in der Schule und Country & Western-Radio. Das wars. Und dann kam PINK FLOYD`s The Wall raus und ein Freund kaufte sie.

Schmeckie: Bei mir ist es genau umgekehrt, weil Rock`n`Roll ist meine erste Erinnerung überhaupt, das Erste aus meiner Kindheit, an das ich mich erinnern kann.

Ed: Ich hatte das Glück, dass ich mit Greg Adams in einer Band spielte. Er war immer offen für alle Stile. Wir sind in Texas aufgewachsen, auch ZZ TOP sind so eine Band, die grossen Anteil am RHYTHM PIGS-Sound hat, weil als Kids liebten wir ZZ TOP! Ich glaube, andere Hc-Bands, generic Hardcore-Bands, werden generic, weil sie immer nur Hc hören, wenn du immer nur 7 SECONDS oder wen auch immer hörst, wirst du auch so klingen.

Wir haben eigentlich nicht Hc per se gehört, wir haben viel von dem Westcoast-Zeug gehört, weil wir das kriegen konnten. Es hatte viel mit Verfügbarkeit zu tun wir kannten die Eastcoast-Hc-Szene nicht, weil wir unsere Platten bei ssT bestellten, die das ganze Westcoast-Zeug führten – so einfach war das! Darum wurden wir von Eastcoast-Bands beeinflusst, weil ssT einen verdammt guten Job machte.

Schmeckie: Das ist ok mit mir, weil ich bin as fucking Eastcoast as they get!

Ed: Was Einflüsse betrifft, ja, wir haben eine Menge verschiedene Einflüsse, ich spielte immer in Country-Bands, ich spielte bei der GARY FLOYD BAND, ich spielte in einer Bluesgrass-Band neben den RHYTHM PIGS, ich spiele in einer arabischen Pop-Band zur Zeit, J.T. spielt in einer Band mit tschechischen Leuten, sie spielen Hardrock mit Akkordeon.

Schmeckie: Polka-Metal!

Ed: Ralph war bei VICTIMS FAMILY und hat ein anderes Projekt, PLAINFIELD mässig …

Schmeckie: Ich glaube, Menschen, die alle mögliche Musik hören, sind mir die Liebsten auf der ganzen Welt. überall wo ich hingehe, treffe ich sie und …

Ed: Meine Plattensammlung und was ich mir gern anhöre ist hauptsächlich altes Vinyl, das ich für 25 Cent pro Stück auflese. Ich kaufe alte Platten, von Tango bis mexikanischer Musik bis Country.

Schmeckie: Es gibt einen Radiosender in San Francisco, der solches Zeig auch spielt. Sie spielen 4 oder 5 Punk-Songs, dann DICK DALE, Filmmusik, sie mischen alles, ich höre stundenlang KUSF.

Musik hat also sehr viel mit eurem Leben zu tun, aber Punk hat wohl verändert wie ihr die Musik spielt und was ihr damit sagen/erreichen wollt …

Ed: Das ist wahr. Als Musiker wäre ich wahrscheinlich in lausigen Cover-Bands verendet, der auf Hochzeiten und Bar-Mizhvas gespielt hätte oder hätte einen Platten-Deal mit einer Band gekriegt, die straighten Rock-Shit spielt. Ich bin technisch nicht so gut, ich könnte es sein, wenn ich mehr üben würde, aber wenn die Leute sagen, das ist ziemlich gut, fake ich es meistens. Es schaut kompliziert aus, aber … ich habe meinen Spass damit.

Punkrock gab mir die Freiheit zu tun, was immer ich auch tun wollte. Ich habe das schon gesagt. Wir versuchten nicht bewusst so viele Einflüsse zu haben oder so vielschichtig zu sein – es ist passiert, es ist das Ergebnis unseres Umfeldes und der Entscheidungen, die wir nicht treffen!

Schmeckie: No Rules!

Ed: Darum geht es, wenn wir nicht versuchen, einen bestimmten Weg zu wählen, etwas zu sein, dann bist Du frei musikalisch das zu tun, was du tun willst. Ich glaube, unsere Texte waren viel Hc mässiger als jetzt, aber mit 34 wäre es lächerlich dasselbe zu singen, gegen die Scheiss-Regierung …

Andere Hc-„Institutionen“ dagegen sind ziemlich erstarrt in ihren überkommenen Positionen, etwa Maximum Rock`n`Roll. Ihr spielt ja immer noch diesen Song, wo ihr singt „Maximum Rock`n`Roll Big Brothers little Brother“. Habt ihr von dieser Sache mit Biafra gehört? Im Zuge dessen habe ich die Lust verloren mir das Maximum zu kaufen oder auch nur anzuschauen.

Schmeckie: Gott! Es ist traurig. Ich sehe mir noch gern die Anzeigen an.

Ed: Darum spielen wir den Song noch immer. Wir hatten viel Schwierigkeiten deshalb, wegen dieses Songs ging unsere Beziehung zu Mordam in die Brüche, er hatte damit zu tun, dass eine Weile niemand in San Francisco die Band buchen wollte, weil sie alle Maximum in den Arsch krochen. Ich will jetzt nicht sagen: Ich habs gewusst, aber – ich habs gewusst! (Lacht). Es ist wahr, ich könnte dir eine lange Erklärung geben …

Schmeckie: Elitär zu sein, ist einfach das most Un-Punkrock-Thing!

Ed: Sie sind eine sehr elitär. Kennst du Tim Yohannon, den Herausgeber?

Nein. Aber sie scheinen so verbrettert.

Ed: Das war immer so. Ich habe MRR nie wegen seiner Politik gelesen, weil ich sie nicht verstanden habe und es war mir sowas von scheissegal … Aber die Anzeigen, so lernte ich alles über Punkrock ich faltete drei Eindollarscheine, steckte sie in einen Umschlag und schickte sie zu irgendeinem Typen in Kansas City und er schickte mir eine 45er oder ein Tape von irgendeiner Band. Weil du Biafra erwähnst … der Grund warum wir diesen Song geschrieben haben war wir spielten eine Show in San Francisco im Filmore, 1985, RHYTHM PIGS und die DAMNED, es war ein grosses Konzert und es kostete 12 Dollar.

Wir spielten, wir waren eine lokale Band, wir lebten damals in San Francisco. Maximum Rock`n`Roll verurteilte uns, sie schrieben einen Artikel oder Editorial, dass wir die Szene ausverkaufen würden, es sei eine grosse Geldsache, weil wir eine Bill Graham-Show spielten und dass wir unser Punkrock-Publikum verraten, weil wie können wir erwarten, dass sie 12 Dollars zahlen um die DAMNED zu sehen und blabla. Wahr war, dass wir für 2 Dollar oder einen Dollar spielten oder dich gratis reingelassen haben, wenn du kein Geld hattest, jede Nacht in irgendeinem anderen Club in der Stadt.

Das Argument war völlig haltlos, aber sie gaben uns nie eine Chance das richtigzustellen, darum habe ich den Song geschrieben. Ruth Schwarz war ein Mitglied der MRR-Familie und als wir mit Kenny, unserem zweiten Drummer auf Tour waren, nahmen wir in Austin auf. Beim Mischen kam sie vorbei und hörte den Song, die Lyrics, dann sagte sie: Stoppt alles, ich bringe die Platte nicht raus, weil ihr singt über Maximum Rock`n`Roll und das sind meine Freunde – ich bringe sie nicht raus. Dann rief sie Biafra an um ihn nach seiner Meinung zu fragen und Biafra sagte natürlich bring die Platte nicht raus!

Fein und gut, er sagte, bring die Platte nicht raus. Führ dir vor Augen, dass das 3 oder 4 Monate nachdem war, als seine Haustür vom FBI eingetreten wurde, wegen des Giger-Frankenchrist -Penis-Covers, sie hatten seine Tür eingetreten um ihn zu zensieren. Als sie ihn fragte, was sie tun sollte, versuchte er uns auf dieselbe Weise zu zensieren , so wie das FBI ihm sagte „Du kannst das nicht tun“ sagte er uns „Ihr könnt das nicht tun!“ Wir gingen aus und tranken ein paar Bier und mit diesem Argument konnte ich sie überzeugen.

Der Song ist ja sehr genau, Du anerkennst ja ihre „Leistungen“.

Ed: I`m not denying your fine contributions / I got to say you`ve done quite a lot (…) Die Sache war, dass der Song so präzise war, so genau. Ich werde einmal mit Biafra drüber reden…

Weiter mit Eurer Geschichte.

Ed:Wir kamen dann nicht so gut mit Jay aus, er richtete sich eine Wohnung ein, er wollte nicht touren und wir kannten Kenny Craun von BEEFEATER und holten ihn in die Band. 1987 kamen wir nach Europa, aber Kenny wurde krank, musste ins Spital, darum konnten wir einige Shows nicht spielen, wie die hier in Linz. Wir mussten Kenny schliesslich zu seiner Mutter heimschicken und flogen Billy Atwell von TH` INBRED nach Deutschland ein. Das Auto wurde gestohlen, das Geld wurde gestohlen, es war lausig. (…)

Wir waren sicher eine der ersten „Jazzcore“-Bands, die nach Europa kam, noch Vor NO MEANS NO und wir schufen ein gewisses Interesse an dem Genre, nur wegen gewisser interner Probleme und all dem Pech kamen wir erst 1992 wieder nach Europa. Und das war sicher schlecht für die Band. Aber ich glaube wir schufen ein gewisses Grundinteresse an american thinking Hardcore, der Musikalität hatte, darauf bin ich auch stolz. Greg und ich blieben weitere 6 Monate in Amsterdam, wir waren pleite und kamen nicht heim.

Wir hatten eine Band mit ein paar Holländern, eine verrückte Sache, die NECKLULLIN DUDEBROTHERS, wir spielten Surf-Songs und ein paar RHYTHM PIGS-Covers, wir gründeten die Band um Holland zu touren und genug Geld zu machen um heimfliegen zu können. Wir waren Anfang 88 zurück und tourten mit Billy am Schlagzeug, bei der 3 oder 4. Show sagte Greg, dass er aussteigt. Er spielte die Tour fertig, wollte aber nicht weitermachen. Ich blieb in West Virginia bei ein paar Freunden. Die Band tat nichts bis 1991. 92 tourten wir in Europa, nahmen El Paso auf.

El Paso ist ziemlich anders wie Eure anderen Platten, ruhiger …

Ed: Wir waren in El Paso, rauchten Pot, assen bei unseren Müttern und wir waren sehr entspannt … Not very Punkrock … Diese Songs passierten, weil sie passierten. Es war einfach so und kam so raus. Es brauchte lang diese Platte zu machen.

Ein paar Leute waren enttäuscht.

Ed: Die Leute haben keinen Grund zu erwarten, dass eine Band sich wiederholt.

Schön langsam nähern wir uns der Gegenwart …

Ed: Nach der 92er Tour waren wir zurück in El Paso und Greg stieg endgültig aus, ich ging nach San Francisco, ich wurde nach S.F. eingeladen bei SPOKEPOKER zu spielen, eine Band mit J.T., so lernte ich ihn kennen. Als Greg die Band verliess habe ich East Bay Ray von den DEAD KENNEDYS angerufen, ob er der neue RHYTHM PIGS-Gitarrist sein wollte. Er sagte ja, wir probten, es funktionierte aber nicht. J.T. sagte: Hey, ich liebe die RHYTHM PIGS … und es war wunderbar. Er spielt nicht nur aggressiv und solide Gitarre, aber er schreibt auch, schrieb selber Songs, co-wrote Stuff …

Wie entscheidest Du eigentlich, welche Idee Du für welche Band verwendest?

Ed: Das ist sehr offensichtlich. It falls into place. Wir gehen auch gern zum musikalischen Junkyard. Nimm unsere Cover-Versionen. Als ich mein Journalismus-Studium abschloss spielte ich in Bar-Bands um in übung zu bleiben, das hiess PIGGY PANK, auch mit Greg Adams zusammen und wir spielten auch diese frühen psychedelischen Song und so kam es, dass wir ihn auch mit RHYTHM PIGS spielen. (Hot Smoke And Sassafrass von BUBBLE PUPPY, den auch SCREAM aus D.C. auf ihrem Your Choice Live-Album spielen, Anm.)

Perspektiven, Gegenwart, Zukunft …

Ed: Wir sind jetzt drei Jahre wieder zusammen, das neue Album wurde letztes Jahr in verschiedenen Studios aufgenommen und in Europa erscheint es bei W.E.R.K. Works, dem Label von unserem Freund J.W., er ist der Graphiker vor Konkurrent. In Amerika wird es bei Coolbeans erscheinen, Coolbeans ist das Label von meinem roommate. Er macht seine Sache besser gut, sonst lege ich ihm mein schmutziges Geschirr ins Bett. Ich liebe es Musik zu spielen, ich veröffentliche auch Artikel in verschiedenen Zeitungen, arbeite auch als Detektiv wenn ich einen Job angeboten kriege. Das hat dann viel mit Gerichten zu tun, Aktenstudium, Leute verfolgen, Photos machen, ich arbeite da im Bereich von Copyright Protection.

Manchmal verkaufe ich auch gebrauchte Autos, 5 Tage bei einer Auktion. (…) Wir werden eine Tour in der USA machen, nach einem oder zwei Monaten Pause. Wir sind ein 4-Piece aussschliesslich für Live-Zwecke, bei vielen der Songs von El Paso und dem neuen Album sind 2 Gitarren ein Muss! Ralph ist ein Ass und seine grosse Erfahrung on the Road ist sehr, sehr hilfreich. Zuhause, vielleicht spielt er ein paar local Shows, aber touren … er hat sein eigenes Projekt, ist in drei Bands …

Du ja auch.

Ed: Wie gesagt, ich war bei der GARY FLOYD BAND, habe eine R & B Band, THE FARAWAY BROTHERS mit Eric McFadden und Bruce von der GARY FLOYD BAND (Ex-AssASINS OF GOD, Anm.) ich spiele den „grossen Bass“ (sagt er auf deutsch), ausserdem spiele ich bei LIGHTRAIN, a modernist arabic Popband. Mit zunehmendem Alter möchte ich auch mehr und mehr im Studio arbeiten, ich habe etwa die Irish-Band THE FRONTMEN produziert, purer Folk. Schmeckie`s Band heisst LIFE AFTER LIFE.

Was ist mit dieser LYRNYRD SKYRNYD Coverversion, die du mir letztes Jahr vorgespielt hast?

Ed: Wir haben für einen Tribute-Sampler Freebird in spanischer Sprache, Mariachi-Style eingespielt, Paloma Livre, mit Blasinstrumenten, meine musikalische Vergangenheit …

Berühmte letzte Worte?

Ed: Würde ich bei einem Major unterschreiben? Fuck yes! Will ich hundertausende Platten verkaufen? Fuck yes! Will ich Unmengen von Geld mit meiner Musik verdienen? Fuck yes! (…) Wir werden weiter Musik mit einer guten und positiven Aussage machen und je mehr Leute sie erreicht, desto besser.

Wir lieben es auch von Leuten zu hören, schreibt uns entweder an: ED IVEY/290 Napoleon # B/ 94124 Ca USA oder schickt ein E-Mail an Edivey@coolbeans.com

***

Tut das, holt euch das neue Album und nutzt die (hoffentlich nochmal wiederkommende) Gelegenheit diese umwerfende Band live zu erleben. Es lohnt gewaltig!

Interview: Rainer Krispel (mit grossem Dank an Peter Hofstätter für ein Tape mit den ersten beiden RHYTHM PIGS-Alben)

Links (2015):
Wikipedia
Discogs

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