Februar 18th, 2007

PYLON (#88, 06-2001)

Posted in interview by sebastian

…sind super, punkt! pop musik wie sie ähnlich auch von jets to brazil zelebriert wird. nur dass die ami kollegen in keinster weise mit den melodien dieser engländer hier mithalten können. wo JTB auf ruhige, fast schon einschläfernde momente setzen, starten PYLON hingegen voll durch.

britischer power pop ist wohl das stichwort mit dem viele von euch etwas anzufangen wissen. wer einmal einen song wie SAYS AL gehört hat, und nicht sofort fan dieser band ist, darf sich von mir gerne eine akute wahrnehmungsstörung attestieren lassen.

PYLON rocken, ähh poppen ganz einfach wie sau. und da POPPEN im hauptquartier des KOMMANDO FRIESISCHE WIESE von jeher gross geschrieben wurde, bemühte sich ein gesandter auch flux um ein interview mit den britischen milchgesichtern.

PROFILE

4 piece pop band

from

Wakefield, West Yorkshire, England

J = JOE

C = Chris

B = Chris B

P = Paul

***

ok jungs, bevor wir hier richtig loslegen, brauche ich erst einmal die gängigen standard infos wie alter, beruf, euren part in der band… ihr wisst schon, alles was der durchschnittliche groupie so über eine in bälde berühmte boy band wissen möchte.

J – ich bin Joe, 25 jahre alt, spiele gitarre und singe. ich arbeite in der camera abteilung einer filmfirma als clapper loader.

C – ich bin Chris, 24, spiele gitarre und singe ebenfalls. beschäftigt bin ich bei einer arbeitsvermittlung, wo ich den ganzen tag per telefon versuche, jobs an den mann zu bringen.

B – ich bin AUCH ein Chris, 26 jahre alt, spiele bass und singe auch ein wenig. ich arbeite in einem snooker/pool billard club in Wakefield, unserer heimatstadt.

P – mein name ist Paul, alter uninteressant. ich bin der drummer und fahre einen grossen weissen lieferwagen, um meinen lebensunterhalt zu verdienen.

J – ach, und was die groupies angeht… lasst bloss eure finger von unserem bassisten, denn er ist verheiratet.

P – yeah, ansonsten sind wir aber alle singles, obwohl wir gar nicht so viel mit DURCHSCHNITTLICHEN groupies zu schaffen haben. zu uns kommen nur die BESTEN!

seht ihr euch als subjugation band eigentlich als teil der punk- und hardcore szene? ich frage das nur, weil pylon`s sound euch nicht notwendigerweise pauschal in diese ecke stellt. dieser so genannte EMO GITARREN POP oder MELODIC BRIT-POP war, als er vor ein paar jahren wieder populärer wurde, ja schon tief in der punk und hc szene verwurzelt. in jüngster zeit aber scheint diese musikrichtung mehr und mehr von der major industrie vereinnahmt zu werden. fällt es einem heutzutage schwerer seinem musikalischen background treu zu bleiben?

J – naja, in puncto musikalischer background… 3 von uns haben 5 jahre in einer band namens CHOPPER gespielt. wir hatten ein paar veröffentlichungen auf CRACKLE, schöner schneller pop-punk. bei chopper wurde uns zum schluss immer deutlicher, wie sehr sich unsere musik von den ursprüngen entfernt hatte. und als band hat es dann einfach nicht mehr hingehauen.

B – wir haben uns da auch nicht hingesetzt und mal eben beschlossen, unseren sound zu ändern. das ist halt einfach so passiert und resultierte in PYLON. Paul stiess als drummer neu dazu, und Joe wechselte an die gitarre und den lead gesang. eine neue band war geboren!

C – ich denke, dass wir, was die musik angeht, von je her auf poppiges zeug standen. ich bin mit bands wie the cure, the wonderstuff und anderen UK indie bands gross geworden, bevor ich später bands wie buffalo tom oder die lemonheads für mich entdeckte. zur zeit scheint es auch eine menge guter britischer bands aus dieser richtung zu geben, die nicht bloss irgendein us amerikanisches fat wreck punk ding imitieren. bands wie INSIDE RIGHT, DUGONG, MILLOY und FUTURE ADVENTURED (rip) etc. Sie sind der beste beleg für einen ersten erkennbaren reife prozess der heutigen britischen punk szene.

J – wir gehören wohl einer szene an, in der wir uns glücklich schätzen können, mit vielen in ihr aktiven menschen befreundet zu sein. zu den leuten von SOUTHPOLE oder LEATHERFACE zum beispiel haben wir engen kontakt. es ist wirklich toll, diese leute um sich zu haben, und in der lage zu sein, am ende eines tages gemeinsam musik machen zu können. einfach so, als teil unseres lebens.

eine frage, die ich seit einiger zeit recht interessant finde ist, wann ihr euch als band das erste mal wirklich ernstgenommen gefühlt habt? dieser augenblick, wo das erstemal ein feedback vom publikum zurück kam. so ein gewisser kick, der einem das gefühl gibt, diese musik doch nicht nur für sich selbst zu spielen.

P – als wir mit pylon anfingen, haben wir unsere ersten gigs hauptsächlich vor freunden in wakefield gespielt. da war es dann natürlich schon ein anderes gefühl, als das erste mal leute zu unseren shows kamen, die wir nicht kannten. es ist halt ganz klar ein ansporn, wenn fremde leute zu deiner musik mitgehen, keine frage.

B – kürzlich haben wir eine show in einem proberaum in manchester gespielt, die die leute von PROPAGUMBHI`s organisiert hatten. wie dem auch sei. Ste, Propagumbis/Grover, seine junge tochter und 2 ihrer freunde waren da. die müssen so um die sieben oder acht jahre alt gewesen sein. die standen vorne in der ersten reihe und haben wirklich alle unsere texte mitgesungen. das war schon ziemlich bizarr. sie haben uns am ende des gigs sogar nach autogrammen gefragt!

C – ich denke wir müssen irgend etwas falsch machen, wenn unsere mütter und väter ständig zu unseren konzerten kommen, und es ihnen dann auch noch gefällt! das wäre vor 4 jahren zu CHOPPER zeiten nicht passiert.

J – als pylon hatten wir bislang wirklich jede menge tolle momente. das wichtigste überhaupt ist unser eigener spass an der sache. publikumsreaktionen sind in einer solchen lage noch einmal ein extra bonus, den man natürlich gerne mitnimmt. schliesslich zeugt dieser ja von einer gewissen anerkennung, die man von dritten für seine investierten mühen bekommt.

eng verbunden mit schnuckeligen boy bands ist zumeist die tradition des groupietums. ihr habt da ja bereits vorhin so andeutungen gemacht. werden wir hier doch mal etwas konkreter. wie ist`s in dieser beziehung für pylon bisher so gelaufen? hattet ihr schon mühe und not eure eifersüchtigen besseren hälften zu beruhigen?

C – wir sind alle mehr oder weniger singles. bis auf Chris. der ist verheiratet und vergeben!

P – ich glaube, manchmal haben wir eine einschüchternde wirkung auf leute. es ist ja nicht so, dass wir unnahbar wären oder so. wir sind wahrscheinlich einfach zu seltsam. dumm gelaufen. unser ruf scheint uns da immer vorauszueilen.

J – ich würde mal sagen, we`re a band of boys rather than a boy band! boy band – my arse!!!!

hahaha, boy band my arse, jaja, schon klar! man, das hat jetzt aber auch gedauert, bis sich mal jemand an dieser bezeichnung gestört hat. dachte eigentlich, dass euch da bereits vorher der hut hochgeht. nun gut, kommen wir zu etwas anderem. was waren eure bisher grössten höhepunkte und tiefschläge als band?

B – wir haben mit FUGAZI an der Leeds University gespielt, und das schon 6 oder 7 monate nach unserer gründung. das war wirklich ein knaller, vor gut 1000 leuten zu spielen, die eigentlich nur die hauptband sehen wollten. und es war ja nicht irgendeine hauptband. das waren FUGAZI, immer noch eine meiner lieblingsbands.

J – wir hatten eigentlich noch keine wirklichen tiefpunkte. alles lief bisher sehr cool für uns. das erscheinen der CD hat sich etwas hingezogen, aber das war nun auch nichts weltbewegendes. es war eine erleichterung, unsere erste veröffentlichung endlich draussen zu haben. das ist immer so ein impuls gebender moment, endlich wieder neue stücke zu schreiben. so ein kleiner freiraum zum durchatmen.

C – es ist einfach grossartig, eine reaktion für sein tun zu ernten. wir alle führen ein mehr oder weniger abgeschottetes leben in unserer heimatstadt. mit ausnahme von Joe vielleicht, der durch seinen job ein wenig rumkommt. wenn man durch gigs dann also endlich mal in andere teile des landes kommt, rennt man schon den ganzen abend mit einem fetten grinsen auf dem gesicht rum, sobald man merkt, dass die leute tatsächlich zur musik mitgehen.

für eine noch so junge band wie euch mag es vielleicht etwas seltsam klingen, aber egal. was wäre für euch als band der punkt, der euch das gefühl geben würde, alles erreicht zu haben? die ultimative spitze, der punkt wo es einfach nicht mehr besser werden kann?

J – für mich gesprochen muss ich sagen, dass der konstante weg zur verbesserung unserer songs das ziel ist. die stücke der aktuellen CD sind die ersten die wir überhaupt als PYLON geschrieben haben. sie sind also quasi so eine art heranführung an die band, ein appetizer. wir finden ja gerade erst unseren sound.

wir haben auch schon ein paar neue stücke, die hoffentlich bald aufgenommen werden können. mit ein wenig glück sind das dann auch unsere bisher besten. man muss einfach immer versuchen am ball zu bleiben, seinen sound zu verbessern. eine konstante evolution. es hat ja absolut keinen sinn sich zurückzuentwickeln, oder schlimmer noch, statisch auf der stelle zu treten!

C – wir sind gerade dabei, eine tour für den anstehenden sommer/herbst auf die beine zu stellen. bisher sind wir noch nicht so häufig als band unterwegs gewesen. von daher gibt es noch jede menge städte in UK mit grossartigen szenen, in denen wir noch nicht gespielt haben. es ist immer toll irgendwo das erste mal zu spielen. ein neues abenteuer.

B – ich würde gerne eine japan tour mit pylon machen, oder europa. wir waren als CHOPPER zweimal in japan. einmal mit BROCCOLI, und das andere mal mit SKIMMER. wir stehen uns als band alle sehr nahe. von daher wäre es natürlich super, diese erlebnisse gemeinsam zu geniessen.

P – es wäre toll von der musik leben zu können. halt das möglichste aus dem heraus holen zu können, was man am meisten liebt. was weiss ich. bei TOP OF THE POPS spielen. in der lage zu sein, sich ein rennpferd zu kaufen…. !!

ich war von beginn an ein grosser FRACTURE fan. ist dieses zine auch im PYLON camp beliebt, oder liesst das eigentlich niemand ausserhalb inzestöser fanzinerkreise? ich fand ja immer super, dass dieses zine völlig gratis ist. auf der anderen seite sagt man, dass dinge, die nichts kosten, von leuten nicht respektiert werden. schlimmer noch, sie werden oftmals wie scheisse behandelt, oder als papier zum abputzen der selbigen benutzt.

B – wir lesen eigentlich immer alle fracture wenn es rauskommt. es ist gut über das szenegeschehen informiert zu bleiben, all die tourneen und veröffentlichungen, weisst du?! aber ich muss auch zugeben, den anzeigen im heft immer mehr aufmerksamkeit zu schenken als allen anderen dingen.

keine ahnung, ob wir diese brennende frage jemals werden klären können. hatte neulich schon einmal den versuch mit einer amerikanischen band unternommen, die wüssten streitereien der MIGHTY TRUST STRIKE FORE endlich zu befrieden. aber irgendwie hat`s so recht nicht klappen wollen. vielleicht zeigt ihr ja grössere kompetenz auf dem gebiet der ALL-TIME SESAMSTRAssEN LIEBLINGE als eure amerikanischen kollegen von song of zarathustra. ist es nun GROVER oder COOKIE MONSTAH (aka BLAUES MONSTAH)? und kehrt jetzt bloss nicht den diplomatischen raus, sonst müssen wir uns hier weiterhin bei wilden besäufnissen die schädel zu diesem thema einschlagen.

J – es kann nur Grover sein, SUPER GROVER! erinnerst du dich an die LUNACHICKS `cookie monster` 7″? eine der besten platten, die ich jemals gekauft, punkt!

P – Grover ist der lustigere der beiden. obwohl, OSKAR in der mülltonne schlägt sie beide. hands down for me!

B – einer unserer freunde ist gerade aus dem urlaub zurückgekommen, und hat ein t-shirt mit gebracht, auf dem die sesamstrassen figuren die abbey road überqueren, wie die beatles auf ihrem album cover. wicked. ganz davon abgesehen liegt GROVER ganz klar vorn.

C – ich kann mich nur an Cookie Monster und Big Bird erinnern. als das lief, müssen sie mir wohl immer gerade die windeln gewechselt haben.

oh oh, ich hoffe ihr bekommt keine schwierigkeiten mit dem papst. bei dem wohnt nämlich das blaue monstah, und ich fürchte fast, es wird fuchsteufelswild über eure entscheidung sein. dann sieht die ganze wohnung wieder aus wie die bahlsen-keks-fabrik nach einem 12 stunden tag, weil das blaue monstah in seiner wut alles so dermassen vollgekrümelt hat, dass des papstes cheffin mit euch ein ernstes wörtchen wird reden wollen….aber gut, kommen wir zum schluss. was war das lustigste, dass ihr in der letzten zeit über das britische königshaus gehört habt?

C – vor einigen wochen gab`s bei einer der britischen boulevard blätter eine titelstory. ich glaube die headline war „MICE RUN RIOT IN BUCKINGHAM PALACE“. das war ziemlich witzig. dann war Prince Charles diese woche noch in den schlagzeilen, als er so eine musikalische wohltätigkeitsveranstaltung besuchte und sich am DJ pult zu schaffen machte. das endete wohl in so sprüchen wie DIG THAT CRAZY RHYTHM MAN! und GO ON LAD.

P – ehrlich gesagt verfolgt niemand von uns so wirklich die eskapaden der royals. obwohl, naja, Prince Philip fällt hier und da mal durch seine rassistischen bemerkungen auf.

J – Princess Ann wurde neulich beim zu schnell fahren erwischt. sie hatte wohl 96mph mit ihrem bentley drauf, obwohl man nur 70 fahren durfte. der polizeiwagen, der ihr folgte, versuchte sie mit eingeschaltetem blaulicht zu stoppen. aber die prinzessin dachte, die beamten wären eine eskorte, und somit fuhr sie fröhlich weiter. das ganze hat ihr letztlich einen satten strafzettel sowie PUNKTE eingebracht. hahahahahaha!!!!!! at the end of the day though, everybody knows the royals don`t shit!!!!! oh, dies war übrigens unser erstes PYLON interview

***

Kommando Friesische Wiese

Zirkusdirektor: Torsten

Photos: Barrie Leach

 

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