Juli 1st, 2019

PENNY RIMBAUD (# 186, 2017)

Posted in interview by Jan

“Yes that’s right, punk is dead. It’s just another cheap product for the consumers head. Bubblegum rock on plastic transistors. Schoolboy sedition backed by big time promoters. CBS promote the Clash. But it ain’t for revolution, it’s just for cash. Punk became a fashion just like hippy used to be and it ain’t got a thing to do with you or me.

Movements are systems and systems kill. Movements are expressions of the public will. Punk became a movement cos we all felt lost. But the leaders sold out and now we all pay the cost. Punk narcissism was social napalm, Steve Jones started doing real harm. Preaching revolution, anarchy and change. As he sucked from the system that had given him his name.

Well I’m tired of staring through shit stained glass. Tired of staring up a superstars arse. I’ve got an arse and crap and a name. I’m just waiting for my fifteen minutes fame. Steve Jones you’re napalm. If you’re so pretty (vacant) why do you swarm? Patti Smith you’re napalm. You write with your hand but it’s Rimbaud’s arm.

And me, yes I, do I want to burn? Is there something I can learn? Do I need a business man to promote my angle? Can I resist the carrots that fame and fortune dangle? I see the velvet zippies in their bondage gear. The social elite with safety-pins in their ear. I watch and understand that it don’t mean a thing. The scorpions might attack, but the systems stole the sting.

PUNK IS DEAD. PUNK IS DEAD. PUNK IS DEAD.“
(CRASS, 1978)

“Big A, little A, bouncing B.
The system might have got you,
but it won’t get me”
(CRASS, 1982)

Rebel Without a Pause. Interview mit PENNY RIMBAUD

Ich fürchte, ich muss es dann doch kurz erklären, wer Penny Rimbaud ist. Er heißt mit bürgerlichem Namen Jeremy John Ratter, wurde 1943 geboren und war der Schlagzeuger von CRASS, die er 1977 zusammen mit CRASS-Sänger Steve Ignorant gründete (es gab auch noch Eve Libertine und Joy de Vivre als Sängerinnen, das Artwork ihrer Platten besorgte Gee Vaucher).

Moment, wie jetzt, was, ihr kennt CRASS nicht? Sie existierten bis 1984 und waren einfach toll von der Musik und den Texten her! Penny trommelte auf allen Alben mit, hier ein Überblick über deren Diskografie: “The Feeding of the 5000” (1978), “Stations of the Crass” (1979), “Reality Asylum / Shaved Women”-Single (1979), “Nagasaki Nightmare / Big A Little A”-Single (1980), “Penis Envy” (1981), “Christ-The Album” (1982), “Christ-The movie”-Video (1982), “Sheep Farming in the Falklands”-Flexi (1982), “How does it feel”-Single (1982),”Yes Sir, I Will” (1983), “Sheep Farming in the Falklands”-Single (1983), “Who Dunnit?”-Single (1984), “You’re Already Dead”-Single (1984), “Acts of Love”-Buch und -Maxi-Single (1984/1985), “Ten Notes on a Summer’s Day”-Maxi (1984) und “Best Before 1984” (1985).

Letztens habe ich online im Vice Magazin einen Artikel über schlechte Bands gelesen, CRASS wurde aufgezählt mit dem Vermerk „Du weißt, dass du beschissene Musik machst, wenn du mehr Aufnäher als Alben verkaufst.“ Na klar, viele, die einfach keine Ahnung haben, weil sie sich nie mit der Band auseinandersetzten, sagen, dass die Musik von CRASS unhörbar ist und das stimmt einfach nicht. Sicherlich haben sie einige schwerer zugängliche Platten aufgenommen (die „Christ“-Platte ist sehr „experimentell“ und der Film „Christ-The movie“ ist wirklich unschaubar), aber versucht es mal mit ihrem Debüt von 1978, das kann einfach alles.

Was auch immer der Band nachgesagt wird, ist, das sie so moralinsauer und zornig waren… ach ja, wie es CRASS in „Yes Sir, I will“ sangen, ging es ihnen immer um die „Love for life“: „In attempts to moderate they ask why we don’t write love songs. What is it that we sing then? Our love of life is total, everything we do is an expression of that. Everything that we write is a love song”. Um CRASS gab und gibt es immer viele Gerüchte, es gab ja früher auch nie Fotos von ihnen auf den Plattencovern, vielleicht hat dieses Mysteriöse auch damit zu tun. Es ist für mich schier unmöglich, Penny zu allen (alten) Kamellen zu befragen oder gar hier eine konzise Einleitung mit allen historischen Infos zu präsentieren, deshalb kommt im Folgenden mein leicht assoziierter Überblick zu Penny Rimbaud.

Er war ja damals schon über 30 bei der CRASS-Gründung und vorher Hippie – sein Leben vor, mit und nach CRASS hat er in seiner Autobiographie „Shibboleth. My Revolting Life“ dokumentiert. Dieses Buch erschien 2004 im Mainzer Ventil Verlag (2007 kam die zweite Auflage) und beantwortet viele historische Fragen. Der Verlag fasste den Inhalt sehr gut zusammen: „Das erste deutschsprachige Buch über die Pioniere der Punk-Bewegung… Die britischen Crass waren eine der wichtigsten und einflussreichsten Bands der europäischen Punk- und Hardcore-Bewegung. Ihre vom Geist des Anarchismus geprägten Texte und ihr Kampf gegen musikalischen Mainstream, Sexismus, Tierversuche sowie die reaktionäre Politik der 1980er-Jahre trugen maßgeblich zur Politisierung der Szene bei. Auch das collagenhafte Schwarzweiß-Layout ihrer Schallplatten war für die gesamte Bewegung stilbildend. Crass-Schlagzeuger Penny Rimbaud gibt in seiner spannenden Autobiographie Einblick in den vom Ideal der absoluten Selbstverwaltung geprägten Alltag dieser Ausnahmeband und in die bewegten Entstehungsjahre von Punk in Großbritannien. Doch „Shibboleth“ ist mehr als nur eine Bandgeschichte. Es handelt in poetischer, romanhafter Sprache vom Lebensweg eines Menschen, der sich nie hat anpassen wollen, für den Rebellion gegen bestehende Verhältnisse noch immer zur höchsten Form menschlichen Glücks gehört.“

Man kann nur ergänzen: sie sparten auch nicht an Kritik an Punk und Oi! (Vgl. „Punk is dead“ (und ich liebe The Clash und die Pistols!) oder auch „The greatest working-class Ripp off“ (und die ersten Cockney Rejects-Sachen mag ich sehr)). Aus den Texten von CRASS in Verschmelzung mit der Power von Minor Threat und Jerry´s Kids entstand ja dann quasi das Fundament der europäischen HC-Szene ab 1984ff. Stone schrieb zu Penny´s Buch in Trust # 110 (2005): „Mir selbst gewidmet als Dank für einen treuen Begleiter“, so die Widmung. Penny Rimbauds Namenspatron verstummte früh, um Abenteuer zu erleben. Dieser Rimbaud hier will beides. Als später Hippie wurde er zum Anarchisten, entdeckte den rebellischen Charme von Punk und schmiedete daraus mit seinen Freunden seine eigene, kämpferische Version, die sich als Crass materialisierte. In kraftvoller Sprache erzählt Rimbaud hier die Geschichte seines Lebens, seiner Wegbegleiter, vor allem des einen, Wally, der seinen spontanistischen Aktionismus mit seiner geistigen Gesundheit und schließlich mit dem Leben bezahlte. Das ist sehr oft geradezu ergreifend, oft komisch und immer schön zu lesen, auch wenn ich es wegen seiner moralischen Haltung nicht gerade als politisches Lehrwerk einführen würde“.

Als Penny im Rahmen der Veröffentlichung dieses Buches auch einige Gigs in Deutschland absolvierte – das waren poetische Performance-Jazz-Aufführungen -, gastierte er auch in Frankfurt. Nach Aushändigung der Gage, so erzählte es mir der damalige Veranstalter, sagte Penny… „Super, jetzt kann ich mir neue Schuhe kaufen!“. Was ist das für eine abscheuliche Welt, in der wir leben! Dieser Typ – und nicht Pennywise, Agnostic Front, Madball, die Broilers oder die Kassierer (alle außer Broilers haben sehr gute Songs aus meiner Sicht!) -, also, dieser Typ müsste die Stadien und diese ganzen Scheiss Punk-Festivals ausverkaufen! Jedenfalls, Penny Rimbaud machte nach der Auflösung von CRASS als Musiker, Schreibender und Performance-Künstler weiter. Er lebt immer noch im „Dial-House“ am Rande der Stadt Essex im Nord-Osten von London, ebenjener legendären Land-Kommune (die es schon seit Ende der 60er gibt), in der auch CRASS damals wohnten. Gee Vaucher ist auch noch in diesem „centre for radical creativity“ zu Hause.

Steve Ignorant trat 2007 in London an zwei Abenden auf und sang nochmal die Debüt-CRASS-Platte im wunderschönen Shepards Bush Konzertraum (und machte sich später mit diesen Songs auf eine weltweite Tour). Bei dem besagten London-Konzert war Penny nicht dabei (ich schrieb davon einen Konzertbericht für Trust #128 von 2008), auch nicht, als Steve Ignorant live in Durham in Nord-England spielte. Dort interviewte ich Steve, das Interview erschien in Trust # 141 von 2010.
Steve Ignorant hat auch eine Autobiografie über seine Zeit vor, bei und nach CRASS verfasst, die total interessant ist und auch das Verhältniss von Steve zu Penny neu ausleuchtet („The Rest is Propagandha“ von 2010).

Und es gibt auch ein gutes objektives, also nicht von den Bandmitgliedern verfasstes, Buch über CRASS, das stammt von George Berger und heißt „Subversive Zeiten – Die Crass-Story“ (2008). Dolf schrieb zu diesem Buch im August 2008 im Trust: „Der Autor wühlt sich tief in die Geschichte der Band, bzw. deren einzelnen Mitglieder, recherchiert, erklärt, beleuchtet, hier und da gibt`s auch mal seinen eigenen Senf dazu, aber in erster Linie hält er sich an die Fakten. Spricht mit den richtigen Leuten, nämlich den original Mitgliedern von Crass und dies sehr ausführlich. Die ganze Geschichte mit Hintergründen und Anekdoten wird lesenswert erzählt. Texte von Penny Rimbaud zitiert, Zeitzeugen kommen zu Wort. Das alles prima in Form gebracht von Berger… Crass war auf jeden Fall mit die wichtigste Punk Band. Was sie von den meisten anderen unterschied: Sie haben das gemacht was sie gesagt haben. Viele andere sagen das eine und machen das andere. Es wäre wünschenswert, wenn es ein Revival geben würde, welches sich an den Massstäben von Crass orientiert.“

Bei Steve´s finalem Gig in London 2011 unter dem Motto „CRASS-Songs von 1977-1982 mit Fotos von damals auf Leinwand projizieren“ waren Penny an der Trommel (und Eve Libertine am Gesang) dann bei „Do they owe us a living?“ live mit dabei, und das obwohl Penny von Anfang an der ganzen Sache ablehnend gegenüber stand („I acknowledge and respect Steve’s right to do this, but I do regard it as a betrayal of the Crass ethos“). Von diesem Auftritt existiert auch eine DVD, „Steve Ignorant ?– The Last Supper, Shepherd’s Bush Empire 19 November 2011“. Es gab dann auch in dem Kontext Ausverkaufsvorwürfe (gegen Steve´s Tour an sich) und Stress mit anderen CRASS-Mitgliedern bezüglich dem Remastering aller CRASS-Platten (an diesem Projekt haben Penny und Gee fünf Jahre lang ohne Bezahlung gearbeitet, so sagte es Penny in einem Interview im Netz).

Vor einiger Zeit machte Penny auch 120 Nahaufnahmen, wie er nackt posiert, sicher lustig, aber mir unbekannt. Er wurde auch für die spannende DIY-Anarcho-Punk-Dokumentation „Noise and resistance. Voices from the DIY Unterground” (2012) länger im und um das Dial-House herum beim Wandern interviewt, das war sehr interessant, es ging viel um DIY, ein Prinzip, dass CRASS vollständig etablierten. Gesundheitlich scheint es Penny Rimbaud besser zu gehen, 2012 sagte er in einem Interview, dass er sich gerade von einer Krebs-Erkrankung erholte, eine Beziehung wäre in die Brüche gegangen und er war für sechs Monate fast blind. Er charakterisierte sich in einem Gespräch mit folgenden Worten: “I’m an existentialist, although politically I feel closer to libertarianism than I do to anarchism.”

Wichtig ist mir eigentlich nur eine Sache am Ende: einige sagen, CRASS waren verwöhnte, Brot-Backende Scheiss-Hippies mit zu komplexen Texten und beschissener Musik. Das kann ja alles womöglich zutreffen, aber die erste und auch zweite CRASS-Platte müsst ihr einfach mal unvoreingenommen auschecken, ich bin mir sicher, sofern ihr Humanismus und Punk-Musik mögt, dass euer Herz dann aufgehen wird vor Energie und Freude. Ist nicht der Songtext zu „Punk is dead“ von Ende der 70er immer noch aktuell? CRASS waren nicht perfekt und haben sicher auch Fehler gemacht. Aber ihr Ansatz der konkreten Utopie, schon heute damit zu beginnen, ein weniger falsches Leben zu leben, den finde ich weiterhin klasse und aktuell. Sie waren humanistische Idealisten, realistische Träumer und Aktivisten. Solche Leute werden gerade heute dringend gebraucht, somit bleiben ihre Botschaften weiterhin aktuell.

Und so war dann der Plan, dass an einem Samstag-Nachmittag im Sommer Penny mich zu einer festvereinbarten Zeit anrufen sollte. Ich sollte ihn dann sofort zurückrufen für das Telefon-Interview, aber wirklich genau püntlich am Telefon sitzen, das Telefon im Dial-House hätte keinen Klingelton, es leuchtet dort nur ein Lämpchen auf… Es war aber nur dann so, dass mich niemand anrief zur vereinbarten Zeit, weil Penny im Garten arbeitete, ich rief dann an und hatte ihn dann doch an der Strippe. Wisst ihr, es gibt so viele Fragen an Penny, aber zur Historie über ihn und CRASS habt ihr ja nun hier die entsprechenden Quellen für Bücher und Filme. In diesem Interview, das notgedrungen unvollständig bleiben muss aufgrund der schieren Materialfülle, versuchte ich, mich größtenteils auf die Gegenwart zu konzentrieren. Ob mir das gelungen ist? Das entscheidet ihr.

Hi Penny, danke für deine Zeit für dieses Interview. Kannst du uns ein Update bezüglich der Situation vom Dial-House geben, gehört es jetzt dir und Gee?
Yeah, es gehört jetzt uns, mir und Gee. Wir haben das mit dem letzten Geld geschafft, dass war vor einem bzw. eineinhalb Jahren. Wir sind jetzt gerade dabei, das Haus in einen „Trust“ umzuwandeln, das ist momentan der Versuch. Das würde – ziemlich ironischerweise – bedeuten, dasss wir das Haus am Ende dem Staat zurückgeben würden. (lacht) Das bedeutet, dass nach unserem Tod das Haus als radikales Kunst-Zentrum weiterhin bestehen bleiben kann. Somit hätten wir also auch die Zukunft des Hauses gesichert. Also, so sieht es momentan aus.
Du bist ja auch gerade im Dial-House oder?
Ja, bin ich.
Super – warum heißt das Dial-House eigentlich so? Ich konnte dazu im Netz keine Antwort finden, entschuldige also die blöde Frage…
Oh, das weiss keiner wirklich so genau! Es könnte eventuell damit zusammenhängen, dass es mal eine Zeitlang der Post gehörte. Ihr Hauptbüro in London heißt Dial-House. Von daher könnte das damit zusammenhängen, aber ich muss sagen, dass ich es wirklich nicht genau weiß.
Du lebst ja schon lange dort, ich verstehe das so, dass das Haus in einer sehr ländlichen Umgebung liegt. Vermißt du dann nicht mal kurze Wege zu Konzerten oder in den Pub? Oder kriegt ihr immer noch so viel Besuch, dass du dann wiederum glücklich bist, „isoliert“ zu leben?
Well, ich war jetzt nie der große “Weggehen”-Typ. Ich mag die Stille, das Schweigen, die Gesänge der Vögel in dieser wunderschönen Landschaft. Ich geniesse es, auf dem Land zu leben und ich genieße es auch, völlig nach meinen eigenen Bedingungen dort zu leben, also, ich mag ich es auch, völlig alleine zu sein für mehrere Tage. Davon abgesehen: ja, wir haben immer noch viel Besuch, wahrscheinlich sogar mehr als noch zu unseren Punk-Zeiten. Das hängt auch damit zusammen, dass von unserem Haus aus viele Sachen passieren. Zum Beispiel veranstalten wir hier kulturelle Workshops. Das ist eine Aktivität, zu der Leute vorbeikommen. Gee und ich arbeiten immer noch künstlerisch in verschiedenen Feldern, da kommen auch Interessierte vorbei. Insgesamt ist es eine sehr breite Besucherschaft: da gibt es welche aus den alten Punk-Tagen, aber auch ganz junge Menschen, die gerade erst angefangen haben… So, yeah, es ist ein sehr lebendiger Ort.
Also habt ihr immer noch eine “Offene Tür”-Politik dort?
Yeah.
Wie sieht ein normaler Tag dort für dich aus? Oder gibt es keine normalen Tage, weil es vom “Flow” der Kreativität abhängt?
Puh, ein normaler Tag… also, ich meditiere jeden Morgen für eine Stunde. Dann verbringe ich die nächste Zeit damit, nachzudenken und mir Notizen zu machen. Somit versetze ich mich in die Position, nach draußen zu gehen und dann entscheiden zu können, was ich gerade machen will. Und das könnte alles mögliche sein. Ich könnte im Garten arbeiten, etwas am Haus machen, neue Sachen schreiben, einige Sachen neu aufnehmen, neue recordings also… Also, ich weiss nie genau, was ich tun werde, das stellt sich immer erst im Anschluß nach dem Meditieren klarer heraus. Wobei natürlich: nur dann kann ich das so machen, wenn ich keine Verabredungen oder Besuche habe oder selber beispielsweise nach London fahre, um dort etwas zu erledigen… An einem ganz gewöhnlichen Tag mache ich überhaupt keine Pläne: ich meditiere erst und dann entscheide ich, was ich tun möchte.
Was wäre ein sehr glücklicher Tag für dich?
Ein sehr glücklicher Tag?
Genau. Sorry für die dumme Frage, aber ich schreibe eine längere Einleitung, wo alles bezüglich CRASS vorkommt und wollte dir einfach normale aktuelle Fragen stellen.
Oh, okay, also, ein glücklicher Tag ist einfach, wenn ich alleine oder mit anderen zusammen bin und Liebe, Freude und Frieden teilen kann, denke ich. Was auch immer das bedeuten kann. Es ist auch egal, ob ich im Dial-House oder in Brasilien bin. Wie auch immer. Es ist wichtig, dass wir etwas teilen. Einen Moment der Schönheit mit jemanden zum Beispiel.
Alles klar. Sorry für diese folgende intime Frage, aber du und Gee, seid ihr ein Paar?
Nein. Ich meine, wir waren mal eins. Wir waren zusammen auf der Kunsthochschule und dann Liebende für zehn Jahre. Wir sind, so wie wir es beschreiben, kreative Partner. Wir tragen zu der kreativen Arbeit des jeweils anderen bei. Ich meine, wenn Gee eine große Ausstellung hat, dann bin ich immer da mit dabei und helfe aus…
Sie lebt ja auch immer noch im Dial-House?
Ja, genau.
Sag mal, hörst du immer noch viel Musik, Punkrock auch?
Well, ich habe auch schon früher nie sehr viel Punkrock gehört. Ich habe moderne klassische Musik immer vorgezogen. Das ist immer noch so. Die meisten meiner Beiträge zu CRASS kamen von meinem Wissen über Jazz und klassische Musik anstelle vom Hören von Punk-Musik, welche, allgemein gesagt, mich schnell langweilt. Es klingt für mich oft nach immer wieder dem Gleichen, alles hört sich so ähnlich an. Wobei, klar, hin und wieder gibt es Bands mit einem interessanten Gesichtspunkt, dann höre ich mir das an. Ganz allgemein gesagt: es erscheint mir so “over-styled” zu sein und das ist genau das Gegenteil von dem, was Punk für mich immer ausmachte oder ich unter Punk verstand. Von daher, ehrlich gesagt, es interessiert mich nicht besonders, weil es oft keine interessante Form von Musik ist. Und ich finde auch, dass es nicht besonders viele Bands gibt, die etwas interessantes zu sagen haben – und das war für mich auch immer ein wichtiger Aspekt.
Ja, es geht halt viel ums saufen und “having a laugh”.
Genau, und das interessiert mich halt überhaupt nicht.
Gibt es einige aktuelle Projekte von dir, über die du reden möchtest? Du postest ja auf deinem Twitterprofil Bilder von dir oder?
Nein, das sind nicht wirklich meine. Ich mag es, winzige Details von Sachen zu fotographieren, alle diese kleinen winzigen Details des Lebens. Du gehst einfach an einer Mauer vorbei und du bemerkst dort nicht die kleinen Kratzer an der Wand oder auch nicht das dort wie zufällig hängende Stück Papier… Ich finde sowas immer bezaubernd. Und ich mag es, meine kleine Kamera immer dabei zu haben und einfach sehr kleine Dinger zu fotographieren. Und dann spiele ich mit den Fotographien rum, das ist dann ein Prozess, in dem ich den Fotos verschiedene Farben oder einen anderen Lichteinfall gebe… Diese Twitter-Sache dient für mich primär dazu, zumindest eine Idee täglich zu teilen.

Ich meine, ich versuche da nichts mit Copyrights zu machen oder irgendwie Geld zu verdienen. Mir geht es nur dadrum, Ideen zu teilen. Es ist ein sehr einfacher Weg, der auch für jeden offen steht und jeder kann dann damit machen, was er will. Das ist meine Vorstellung von guter Schöpfung. Ich bin immer weniger und weniger daran interessiert, ein Produkt herzustellen. Ich interessiere mich dafür, Ideen zu teilen. Das war schon immer mein Ding. Ok, momentan habe ich auch drei Alben, an denen ich arbeite.
Wow. Also machst du noch Musik?
Ja, auf einem der Alben veröffentlichte ich die Kriegsgedichte von einem Kriegs-Poeten aus dem ersten Weltkrieg, sein Name ist Wilfried Owen (Anmerkung JR: Wikipedia sagt: “Wilfred Edward Owen war ein britischer Dichter und Soldat. Er gilt als der bedeutendste Zeitzeuge des Ersten Weltkriegs in der englischen Literatur”). Ich mag seine Werke total und liebe das. Er war sehr stark gegen den damaligen Krieg eingestellt – und das, obwohl er mitkämpfte.
Klar, Remarque, “Im Westen nichts neues”, den kenne ich, ich weiss nicht, wie der Titel auf Englisch heißt… (statt Owen verstand ich Remarque, peinlich, aber die Aussprache ist auf Band sehr ähnlich, wirklich;))!
Hmh, das kenne ich nicht, aber vielleicht heißt es im Englischen wirklich anders. Normalerweise heißt der Titel hier ganz einfach “Winfried Owens War-Poems”. (lacht)
Haha.
Ja, so einfach ist das. Ich habe zusammen mit einem Cellisten alle Kriegs-Gedichte von Owen vertont … Ich nannte dann die Platte “What passing bells”, das ist einer seiner Zeilen, “Passing bells of funeral bells”. Mein Album heißt also so. Und ich mache da halt ein 75 Minuten-Album-Stück. Ich glaube, ich mache da all seine Gedichte, vielleicht außer vier oder fünf. Egal, das ist auf jeden Fall ein Album
Interessant.
Und es ist live dann zusammen mit improvisierten Jazz-Spielern, d.h. jedes Mal, wenn es aufgeführt wird, klingt es total anders, das bringt Spass. Und das andere…
So bleibt es immer frisch.
(lacht) Was meinst du?
Naja, so bleibt es immer anders.
Haha, genau. Das andere der Alben ist ein Stück mit dem Namen Kernschmelze (Anmerkung JR: im Original auf Deutsch).
Deutscher Titel!
Genau, ein deutscher Titel. Das sollte zu Ehren von Stockhausen sein. Ich nannte es Kernschmelze, weil ich Stockhausen’s elektronische Musik so toll finde. Kernschmelze ist also eine elektronische Komposition von mir, die ich eigentlich vor zehn Jahre schon machte, um sie damals mit nach Japan zu nehmen und sie dort zu spielen. Seitdem entwickele ich sie weiter. Die Version, die veröffentlicht wurde – ich glaube, das war gestern – ist mit Eve Libtertine von CRASS, also improvisierter Gesang… mit dabei. Es ist wirklich ein ziemlich wildes Stück Musik und ich bin sehr zufrieden damit.
Super, das wäre auch echt meine nächste Frage gewesen, also, ob du weißt, was Eve Libertine und Joy de Vivre aktuell so machen.
Oh, ich mache viele gemeinsame Arbeiten mit Eve, wir machen viele gemeinsame Performance-Arbeiten zusammen. Sie hatte gerade eine Kunst-Ausstellung im Zentrum von London, das war total super. Sie war grad gestern hier.
Lustig.
Ja, sie ist sehr sehr aktiv und beschäftigt, viele Performances. Sie arbeitet auch mit einem anderen elektronischen Komponisten zusammen, er heißt Charles Webber. Mit ihm arbeite ich auch manchmal. Eve machte mit ihm eine Oper, eine Kantate, viele erstaunliche und tolle Sachen. Sie ist also sehr sehr aktiv. Ich weiß echt nicht, was Joy macht. Ich habe sie für eine lange lange Zeit nicht mehr gesehen.
Speaking of a long long time ago – erinnerst du dich an den einzigen CRASS-Auftritt in Deutschland, das war ja im “Okie Dokie” in Neuss 1980?
Ja, auf jeden Fall. Draußen war die Polizei, die hatten ihre Pistolen auf das Dach ihres Wagens gelegt…
Ich bin als Jahrgang 1978 leider etwas zu jung dafür gewesen.
Yeah, es war ziemlich schwer, es war so heiß drinnen, Steve ist umgefallen, weil es echt so krass war.
Wie fühlst du dich, wenn sich Kids dir nähern von wegen “Du bist mein Punkrock-Held”, magst du sowas?
Nein, nicht wirklich. Weil… also, darum gings mir ja auch damals nicht. Ich machte es, weil ich Ideen teilen wollte. Deshalb, wenn eine junge Person zu mir kommt und Ideen teilen will, dann bin ich sehr glücklich, das zu machen. Aber wenn es so dieses totale Fan-Ding ist, dann… ich meine, ich bin immer freundlich, aber… sie denken wahrscheinlich, dass an mir etwas spezielles ist. Aber ich versuche dann, sie zu überzeugen, etwas zu teilen, mit ihnen Freunde zu werden und eben nicht diese “silly separation” mit Menschen aufrechtzuerhalten und das zu vergessen. Das ist wichtig für mich.
Hast du jemals von der deutschen Punk-Band Die toten Hosen gehört?
Yeah.
Ihr Sänger war kürzlich wegen dem 40jährigem Punk-Jubiläum in London und besuchte fürs Fernsehen die UK Subs, die Vibrators und all diese 77er Punk-Bands und das kam dann als zweistündiges Special auf ARTE. Das hatte mich echt etwas traurig gemacht, ich meine, ich mag die Hosen usw., aber CRASS wurden noch nicht mal überhaupt erwähnt. Macht dich sowas wütend oder ist es dir egal?
Ja, der vierzigjährige Geburtstag von Punk, wann war das, ich glaube, letztes Jahr, ist ja auch egal. Es gab sehr wenig Erwähnungen von CRASS.
Pisst dich sowas nicht an?
Es interessiert mich nicht wirklich. Ich meine, die kommerzielle Welt – oder noch schlimmer, die materielle Welt – das ist etwas, für das ich sehr wenig Faszination übrig habe. Ich bevorzuge es, mit den realen, den echten, Dingen im Leben weiterzumachen und nichts mit dieser Phantasie-Welt, mit diesen Stupiditäten, zu tun zu haben oder da irgendwie mitzumachen. Ich bin daran interessant, ein gutes Leben zu führen. Ich bin daran interessiert, ein gutes Leben zu teilen, wo immer ich kann. Ich bin nicht an dieser Kommerzialität oder dem Ruhm… interessiert. Das hat für mich überhaupt keinen Belang.
Ich habe im Vorfeld dieses Interviews einigen Kumpels davon erzählt; einer kommt aus der Oi!-Streetpunk-Szene und meinte, “Ach, CRASS, diese fucking Hippies, das waren doch diese Brotbackenden Hippies da in ihrer Kommune”… was wäre deine Antwort dazu?
Frag´ ihn, was er zum Frühstück isst.
Haha, guter Konter, sehr schön. Kommen wir zu einigen kurzen Fragen am Ende. Ich habe im Netz gelesen, dass eines deiner zehn Lieblingsplatten die Scheibe von George Harrison, “All things must pass”, ist. Na ja, ich wollte dich eigentlich jetzt fragen, ob du Stones oder Beatles-Fan bist, aber das scheint ja klar zu sein, dass es die Beatles sind, nicht wahr?
Sorry, was meinst du?
Meine Frage war: Stones oder Beatles?
Ah, well, ich habe die Rolling Stones nie gemocht. Ich fand immer, dass sie schwarze Musik ausgebeutet, eben den Blues abgerippt haben. Sie haben eine Art “kulturelles Icon” gestohlen und es für ihren eigenen Profit benutzt.
OK…
Und die Beatles waren mehr wie eine englische Folk-Gruppe, also, in gewisser Art und Weise. Und außerdem, einige, nein, alle leisten wirklich ihren Beitrag, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, denke ich. Also nicht einfach besoffen sein und zu zerstören. Von daher… ich bin ein großer Fan von John und George und Paul und Ringo. Sie waren alle grossartige Typen. Sie alle versuchten, es besser für uns alle zu machen. Jeder, der so was macht, kriegt meinen Applaus.
Yeah – wobei, wenn man sich die doch teils sehr harsche Musik von CRASS anhört, da erkennt man nicht so viel wieder von den Beatles-Harmonien. Gibt es eine rote Linie von den Beatles zu CRASS? Man hört es vielleicht bei “Ten notes on a summers day”…
Ja, da gibt es eine Verbindung. Ich meine, in vielen meiner Songs, da gibt es… vielleicht nicht direkt, aber es gibt..
Den Ausdruck zur Liebe des Lebens?
Ich suggestiere diese Verbindung und ich meine, yeah: einiges von den Sachen, die John machte, als er später sehr politisch wurde… das war nicht fern von dem, was wir taten.
Give Peace a chance?
Sein “New York”-Album ist wirklich… also, da wird sehr vieles ausgesagt, viele gute Sachen, weißt du.
Kommen wir zu einer Jazz-Frage: ich recherchierte, dass du ein großer Jazz-Fan bist. Was gefällt dir besser, Free-Jazz oderr BeBop-Jazz?
Free Jazz. Ich war immer… also, die Person, auf die ich immer wieder zurück komme, ist Coltrane. Er nahm ja irgendwie den Bebop und verwandelte ihn in Free-Jazz. Er ist irgendwie mein Mentor… also in der Jazz-Welt. Ich meine, ich mag sehr vieles im Jazz, aber er ist derjenige, auf den ich immer wieder zurückkomme.
Alles klar, damit sind wir fast am Ende. Hast du noch einen Gruß an unsere Leser?
Ähem, well, yeah! Enjoy the breakfast (lacht)…
Haha!
Cut out the city-sepparation. Wir brauchen keine Trennung untereinander durch dumme Kategorien. Es gibt diesen Spruch… es ist sehr einfach, deine Freunde zu lieben, aber es ist sehr schwer, deine Feinde zu lieben. Ich denke, es ist viel wichtiger, sich den zweiten Teil dieses Spruches anzusehen. Stopp thinking that you are right – und höre auch anderen Menschen zu.
Das ist grossartig.
Ich meine, wir sind doch alle irgendwie in dieser Sache gemeinsam drinnen und… könnten versuchen, auch wenn es schwer fällt, es gut zu machen, es wird ja nicht einfacher. (lacht).
Haha, toll. Es gab diese große Diskussion, die man im Netz verfolgen konnte, also unter den früheren CRASS-Mitgliedern bezüglich der Re-Releases auf Southern. Wie ist da der Stand, konntet ihr die Probleme mit Phil Free etc. lösen?
Ich denke, es gibt immer noch einen sehr großen Unterschied diesbezüglich, wie einige Mitglieder der Band es betrachten, was wir und wie wir es damals gemacht haben. Ich denke, das ist sehr traurig.
Yeah, ich habe dazu alles im Netz gelesen, es ist wirklich…
Ich meine, es ist völlig revisonistisch. Ein oder zwei Mitglieder der Band haben sich dazu entschlossen, es neu zu schreiben, also, die Geschichte neu zu erzählen. Das ist ein sehr unaufrichtiger Weg. Ich meine, als wir zusammengearbeitet haben, da war es die meiste Zeit eine unglaublich glückliche Zeit, in der wir hart gearbeitet haben. Wir haben uns sehr um jeden von uns gekümmert. Natürlich gab es Differenzen! Du kannst nicht sieben Jahre zusammenleben, ohne das es hin und wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

Aber ich erinnere mich wirklich nicht an große Streits oder Auseinandersetzungen, an Unfairness, Grausamkeiten und Unfreundlichkeiten. Ich fühle es wirklich so, dass einige Mitglieder es nicht richtig wiedergeben, wie wir zueinander waren. Ich denke, es ist einfach nicht gut, 30 Jahre später damit anzukommen von wegen “Ich denke nicht, dass es damals sehr gut war”. Warum hat derjenige, wer auch immer es war, es nicht damals gesagt?! Wir hätten dann reagieren können. Wie auch immer, ein oder zwei Personen haben sich dazu entschieden, ihren Ärger, ihre Ignoranz, was auch immer, jetzt zu äußern, 30 Jahre später! Well, es ist ein bisschen spät, jetzt etwas dazu zu unternehmen!
Haha, stimmt.
Wieso haben sie nicht damals in der Zeit gesagt von wegen “Nein, das ist falsch” oder “Gut, das wir es auf diese Art und Weise machen”, was auch immer, warum haben sie es nicht gemacht? Es ist nicht mein Problem, ich habe die Sachen gemacht, von denen ich überzeugt war, dass sie gut waren und habe damit weitergemacht. Das war auch der Grund dafür, dass wir die “Crassical”-Platten gemacht haben (Anmerkung JR: die Re-Releases der CRASS-Platten auf Southern Records vor einiger Zeit, Vgl. southern.com/crassical-collection).

Wir wollten es erneut gut machen, guter Sound, gute Bilder, etwas, was neue junge Leute mögen und wo sie etwas von lernen können. Es gab keinen anderen Grund, es zu machen. Ich meine, es waren keine Geld-Motive, das zu machen. Was wir hofften, bei dieser Arbeit zu erreichen, war: mehr Freunde, mehr Ideen, die geteilt werden können, Leuten helfen, ihren eigenen Weg zu finden und ihre eigenen Entscheidungen in ihrem Leben zu treffen. Das ist das, was wir machen wollten. Und ich finde es einfach sehr traurig, dass in der Band einige auf effektive Art und Weise uns daran hinderten, das zu tun. Das ist verrückt. Es ist ein sehr trauriges Resulat, wirklich.
Ok, um das Interview mit einem vielleicht leichteren Ausklang in Richtung Ende zu bringen: Ich bin CRASS-Fan, auch von dir und wegen deinem Nachnamen habe ich dann auch versucht, mich mit dem französischen Dichter Arthur Rimbaud auseinanderzusetzen, aber er taugte irgendwie nicht für mich. Was siehst du ihn ihm, eine Art Boèhme-Prä-Punker?
Puh, ich… ich fühlte mich immer von den Bohèmiens und ihrem Lebensstil angezogen. Das bedeutet für mich jemand, der den normalen Standard, die Regeln, nicht akzeptiert. Jemand, der sein eigenes Leben lebt. Und Arthur Rimbaud war einer dieser Menschen. Ich habe immer Menschen genossen, die sich trauen, Sachen zu sagen, die sich andere Leute nicht trauen, zu sagen, die sich trauen, ein Leben zu leben, dass andere Leute sich nicht trauen, zu leben – auch wenn ich nicht notwendiger Weise dann mit allem übereinstimmen muss.
Verstehe.
Leute, die den Mut haben, eine Idee zu haben und dann nach dieser Idee leben… Für Leute, die sowas machen, dazu entwickelte ich schon immer eine große Liebe für und hatte einen großen Respekt. Wie gesagt, das bedeutet nicht, dass ich vollständig mit all ihren Ideen dann übereinstimmen muss. Was für mich wichtig ist, ist, das diese Leute leben und neue Dinge im Leben finden, dass sie eine andere Art und Weise finden, das Leben zu sehen, eine andere Wahl leben usw…

Daher kommt meine Anziehung zu dieser Sache. Und davon abgesehen, ich habe immer schon die französische Kultur gemocht. Ich mage viele Elemente der “école de Paris”, Maler, viele der französischen Schriftsteller… und dieses alte Bohèmian-Ding… vielleicht bin ich einfach ein alter Romantiker, ich geniesse einfach dieses Element. Für mich war Punk auch Teil dieser alten Bohèmian-Tradition. Es wurde dann bis heute verzerrt und verlor einige dieser Elemente. Aber einige Leute waren sehr stark in dieser Bohèmian-Kultur verwurzelt und ich mochte sie deswegen sehr.
Wenn Leute mich fragen, welche Musik ich mag und ihnen CRASS vorspiele, dann gefällt ihnen manchmal diese harsche Musik nicht so und ich versuche dann, zu erklären, dass CRASS einfach auch Träumer waren und es solche Leute heute nicht mehr so oft gibt. Denkst du, es ist richtig zu sagen, dass CRASS Träumer waren und sind, vielleicht humanistische Träumer?
Träumer?
Yeah. Oder ist das zu eskapistisch?
Yeah, ja, ich meine, was ich versuche, zu machen, ist, meine Träume umzusetzen. Also, wenn ich einen Traum habe, dann… Zum Beispiel, wenn ich träume, dass wir alle zusammenleben sollten: ich kann nicht zu allen Menschen gehen und ihnen sagen, dass wir doch alle zusammen leben sollten. Was ich machen kann, ist das Schloß aus der Tür rauszunehmen, so dass die Leute hierher kommen und wir unser Leben teilen können. Von daher, alles, was ich versuche zu machen, ist…
“Es” zu machen?
Meine Träume Realität werden zu lassen. In dieser Hinsicht, ich denke kontinuierlich darüber jeden Tag nach – das ist der Grund, warum ich meditiere, einige Stunden lang, bevor ich überhaupt irgendwas mache: kann ich über etwas Neues nachdenken, gibt es nicht einen anderen Weg, “Let´s all love each other” zu sagen? Was immer ich auch machen kann, um die Türe zu dem Herz von anderen Leuten zu öffnen… das mache ich dann. Yeah, that´s dreaming.
Ok.
Der Fakt ist: dream works. Wenn du dir anschaust, wie groß beispielsweise der Einfluß von CRASS weltweit war… und das waren ja einfach nur sechs oder sieben Typen und Frauen, die in einer kleinen Hütte im Wald saßen. Deshalb: dreams can change things.
Das ist doch ein gutes Schlußwort, danke!

Interview: Jan Röhlk

Kontakt: Penny Rimbaud ist auf Twitter zu finden, twitter.com/pennyrimbaud1?

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