Februar 18th, 2007

PELZIG/THE PLAN (#93, 04-2002)

Posted in interview by sebastian

Rock Post Rock hiess mal ein Song von Polvo, mit P, wie Pelzig und Plan. Purer Pufall, ähm, Zufall natürlich, aber im Zusammenspiel mit der Tatsache, dass beide Bands soeben ziemlich gute neue Platten veröffentlicht haben, auf denen jeweils durchweg eigensinnige und zeitgemässe Versionen von Rockmusik zu hören sind, und obendrein beide Bands im Mai auf Tour kommen, Grund genug, ihnen etwas mehr Platz zu widmen.

Wegen der Parallelität der Ereignisse habe ich ihnen kurzer Hand parallele Fragen geschickt, die seitens Pelzig die ganze Belegschaft beantwortete, bei The Plan Michael Catano.

***

In mehreren Bands zu spielen, kann so seine spezifischen Probleme mit sich bringen. Verschiedene Mitglieder von Pelzig spielen bei Slut, Tied & Tickled Trio und Lali Puna, Catano neben The Plan noch bei North Of America. Warum gründet man eine Band/steigt in eine Band ein, wenn man schon eine hat?

Rene: Den Hebel umlegen und durch!

Christian: Keine Ahnung , ich spiele ja nur bei einer Band (und die ist eh geil genug!)

Volley: Ich denke mal, der Grund, in mehreren Bands zu spielen, ist die Sache dass wir einen grossen musikalischen Bekanntenkreis haben und durch die Vermischung immer neue Ideen und Vorlieben entstehen.

Kaspar: Oftmals bietet eine neue Band die Möglichkeit, neue musikalische Wege zu beschreiten, zumal neue Impulse sich ja auch auf alle bisherigen Bands auswirken. War bei mir immer Gefühlssache, musste so geschehen.

Michael Catano: Sowohl The Plan als auch North Of America sind voll funktionierende Rock-Bands. Als The Plan begann, spielten North Of America Musik, die ein bisschen poppiger war, eher in der Art von Pavement. Während ich solche Bands liebe, verbrachte ich den grösseren Teil meiner Highschool-Jahre damit, Fugazi, Drive Like Jehu, Rites Of Spring und den kompletten Katalog von Gravity Records zu hören. Ich wollte immer in einer Band sein, die so klingt. Ein paar Freunde und ich unterhielten uns darüber und voila…

Wie oft beschweren sich Leute über euren Bandnamen?

Rene: Nie.

Christian: Nie, bitte nächste Frage.

Volley: Mit dem Namen Pelzig haben wir eigentlich nie ein grosses Problem gehabt.

Caspar: Nie.

Michael: Nur wenn sie zu einer Show gekommen sind, um Dismemberment Plan zu sehen.

Die Lieblingsplatten eurer Eltern:

Rene: The Monkees, The Beatles (fast alle Singles).

Kaspar: The Beatles „White Album“, Gerhard Polt „Die Anni hod gsagt…“

Christian: Alles von Adriano Celentano (Shit, wäre das geil, wenn meine Eltern auch Polt hören würden…).

Michael: Mein Vater mag Jazz – Ella Fitzgerald und Oscar Peterson im Besonderen. Ich bin nicht sicher, welches seine Libelingsplatte wäre. Er stand mal auf sachen wie Hiroshima, aber das ist wahrscheinlich schon lange her.

Meine Mutter fährt auf die Beatles ab. Das einzige Mal, dass sie die Schule geschwänzt hat, war um den Zug nach Philadelphia zu nehmen und sich für Beatles-Tickets anzustellen. Sie ist auch ein grosser Joni-Mitchell-Fan und mag die frühen Blues-Sängerinnen. Sie ist ziemlich offen. Sie mag Stereolab sehr gern.

Fünf Gründe, warum ROCK nie sterben wird:

Rene: Das ist sowas Sexuelles irgendwie. So verdammt männlich.

Christian: Weil Fussball ohne Blutgrätsche auch langweilig ist.

Volley: Die Luftgitarre wird nie aussterben

Caspar: Weil die heutige Zeit genügend Gründe dafür liefert, aggressive Musik zu hören.

Michael: 1. Weil die Minor Threat Diskographie immer noch 7000 Exemplare die Woche verkauft. 2. Weil Led Zeppelin I noch gepresst wird. 3. Verstärker wirklich laut aufzudrehen, den Fuck aus einem Schlagzeug herauszuschlagen und auf der Bühne herumzurollen wie ein Idiot, ist so ungefähr der grösste Spass, den du überhaupt haben kannst. 4. Jeder verbringt mehrere Jahre seines Lebens als pickliger Jugendlicher. 5. Weil ich es sage.

fIREHOSE-Frage: „What the 80s mean to me…“

Christian: Da geb ich jetzt mal weiter an meine Kollegen…

Rene: Unglaubliche Melodien.

Volley: Deutschpunk/Welle.

Kaspar: Kindheit, Teeniezeit, erste Begegnungen mit Punk und Hardcore, Inkubationszeit für den Popvirus.

Michael: Es ist im Werk von Penelope Spheeris zusammengefasst („Suburbia“, „The Decline of Western Civilization“ Teile I und II) sowie in den Filmen „Over the Edge“, „Fast Times at Ridgemont High“, dem Santa-Cruz-Video „Wheels Of Fire“ und dem gesamten Genre um zwei coole Typen, einen Dicken und einen Nerd.

Landsberg/Weilheim ist…

Rene: …in Bayern.

Volley: Sowas wie unsere Geburtsstätte. Waren die ersten Leute (Christoph Merk von Kollpas), die sich für unsere Musik interessiert bzw. uns gefördert haben.

Kaspar: Einer der langweiligsten und biedersten Landstriche, die Oberbayern zu bieten hat. Auf Musik bezogen auch eine Einstellung: Sich bestimmten Sachen verweigern, mit unverbesserlicher Sturheit an seine Träume glauben und ein geregeltes Leben anderen überlassen, Offenheit gegenüber neuer Musik.

Christian: Das Uphon-Studio, Payola-Kollaps-Hausmusik, Juze Peissenberg, eine Menge netter Leute.

Halifax, Nova Scotia ist…

Michael: …vor allem ohne einen guten Plattenladen.

Mensch oder MIDI?

Rene: Beides.

Volley: Keine Einschränkung, beides wichtig.

Kaspar: Dumme Frage.

Michael: Ich glaube, dass wir alle gut miteinander auskommen können.

Maiden oder Priest?

Rene: Weder noch.

Volley: Maiden, klare Sache.

Kaspar: Maiden, aber nur wegen des ersten Albums.

Christian: Leider Slayer.

Michael: Sabbath.

Ornette (Coleman) oder (John Col)Trane?

Rene: John.

Caspar: Hatten so unterschiedliche musikalische Ansätze, dass man sie eigentlich nicht miteinander vergleichen kann. John Coltrane hat aber vermutlich wegen seiner starken stilistischen Wandlung (vom Normalo-Hardbop über modale Ansätze hin zum Free Jazz/Energy Music) den grösseren Einfluss als Ornette Coleman, der von Anfang an seine ganz eigene Spielweise pflegte.

Christian: Coltrane.

Michael: Ayler.

Andrew W.K. oder The Strokes?

Rene: The Strokes.

Volley: Eher The Strokes, ist zwar auch ein Medienhype aber immer noch besser als Andrew W.K. Rockposing.

Caspar: The Strokes, weil sie trotz Hype und bösen Casting-Vorwürfen die bessere Musik machen (auch wenn sie vielleicht gar nicht von ihnen stammt…).

Christian: The Strokes – weil sie mehr Sex haben.

Michael: The Strokes.

Die Zukunft ist…

Rene: … so verdammt ungewiss.

Caspar: Ungewiss.

Christian: …der absolute Hammer!

Michael: „Die beste Möglichkeit, die Zukunft vorher zu sagen, ist, sie zu erfinden.“ – Alan Kay.

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Fragen: stone

Links (2015):
Wikipedia Pelzig
Homepage Pelzig
Discogs Pelzig

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