Februar 23rd, 2007

OXBOW (#54, 10-1995)

Posted in interview by andreas

Vor kurzem tourten Oxbow durch unsere Lande, um ihr neues Album „Let me be a woman dem Volke näherzubringen. Und da Oxbow doch recht seltsam sind, und ihre eher unkonventionelle Musik noch nicht sonderlich bekannt ist, war es nach ihrem Konzert im Hannoveraner „Cafe Glocksee am 15.6. mehr oder weniger Pflicht, die Band Backstage zu besuchen, und mit ihnen ein wirklich angenehmes Gespräch zu führen.

Anwesend waren: Sänger Eugene Robinson (ER), Gitarrist Nico Werner (NW) und Bassist Dan Adams (DA), sowie einige Roadies und Begleiter, deren Geplapper das Abhören des Bandes doch recht schwierig gestaltete, so dass manchmal einige Statements nicht genau zugeordnet werden konnten.

Das Konzert der vier Leute aus San Francisco war äusserst beeindruckend. Sie spielten sehr präzise zusammen, wobei einem beim hören ihrer Platte oftmals der Eindruck vermittelt wird, dass es sich hier um ein wildes Durcheinander handelt.

Sänger Eugene Robinson, der wild auf der Bühne agierte, ständig mit der Hand in seiner knappen Sporthose herumfuchtelte und einen dermassen diabolischen Blick hatte, dass man mit Grausen an das folgende Interview dachte, bestätigte eindrucksvoll, dass seine Stimmen, Schreie und sein Weinen auf der letzten Aufnahme nicht zufällig war, sondern systematisch eingesetzt wird. Eines steht fest: Oxbow sind live um Längen besser als auf CD, und wer die Möglichkeit hat, sie live zu erleben, sollte sofort dieses tun.

Diesem Vorsatz waren in Hannover jedoch nur wenige Leute gefolgt und so traten Oxbow vor geschätzten 40 Leuten auf, was der Qualität des Konzertes allerdings keinen Abbruch tat. Es war erstaunlich, wie freundlich und ruhig die Befragten hinter der Bühne waren, obwohl sie kurz zuvor noch wie Tiere auf der Bühne gewütet hatten, und ihre Musik dem staunenden Publikum recht brachial und zermürbend um die Ohren gehauen hatten.

***

Wie war das Konzert für Euch, ist es für Euch sehr deprimierend vor nur 40 Leuten zu spielen?

NW: Es ist schon schade vor so wenigen Leuten zu spielen, aber das Deprimierenste ist das so wenig Leute bei der Musik mitgehen.

ER: Ja, das ist wahr, ich hasse es, wenn die Leute im Halbkreis vor der Bühne stehen, und sich kaum regen.

Wie läuft Eure Tour denn so?

DA: Wir haben etwas mehr als die Hälfte schon geschafft. Ich glaube wir haben noch 7 Shows zu spielen. Es ist allerdings sehr anstrengend.

Jetzt zu Eurer neuen Platte „Let me be a woman, die von Steve Albini produziert wurde…

NW: …..Oh nein, sag besser sie wurde von Steve Albini aufgenommen, „Produzieren ist so ein ungenaues, nichtssagendes Wort….

In Ordnung, … wie seid Ihr denn an Steve Albini geraten?

ER: Er hat uns einfach eine Postkarte geschickt, mit Kühen drauf!! (grosses Gelächter) Danach rief er uns an, und erzählte uns, dass er ein grosser Fan von uns sei, nach langem Suchen unsere beiden Platten gefunden habe, und gerne mal mit uns zusammenarbeiten würde. Dann kam er eingeflogen und wir nahmen „Let me be a woman in 7 Tagen auf.

Wie war es denn mit ihm zusammen zu arbeiten? Ich habe gelesen er hätte im Studio überall Mikrophone plaziert, um auch ja alles genau und direkt ein-zufangen.

DA: Oh ja, er ist ein Zauberer im Plazieren von Mikros (wiederum Gelächter). Mein Bassverstärker klingt ziemlich schlecht, aber er schloss ein direktes Mikrophon an und plötzlich klang er sehr farbig.

NW: Es war etwas ungewohnt mit ihm zu arbeiten, aber unser Album hat doch einen sehr starken live-Charakter. Es wäre besser gewesen, wenn wir die Basissachen allein, in Ruhe gemacht hätten, um sie dann mit ihm im Studio zu verfeinern. Aber erzählt ihm das bloss nicht!! (wieder gröhlt der ganze Raum)

Lasst uns doch mal über einige „Personalities“ sprechen, die als Gäste auf Euren Veröffentlichungen aufgetaucht sind. Wie kam es denn dazu, dass Klaus Flouride von den Dead Kennedys einige Gitarrentracks auf Eurem Debüt „Fuckfest“ spielte?

ER: Ach Klaus, er ist ein guter Bekannter von uns (!!?), wir kennen ihn schon seit … (denkt nach) …1981, also schon seit 14 Jahren (!!), und wir hatten bei „Fuckfest“ diesen bestimmten Gitarrenklang vor Augen, und so riefen wir Klaus an, und er kam.

Und was ist mit Lydia Lunch und Kathy Acker?

ER: Wir kannten Lydia schon von gemeinsamen Projekten, und auf unsere Anfrage hin kam sie, und steuerte ihren Teil zu „King of Jews“ bei.

DA: Ja, sie kam angeflogen, ging ins Studio, und war auch schon wieder draussen…

ER: …das ist richtig. Das Zeug anderer Leute kann man immer schnell bewältigen.

NW: Kathrin Acker kam auf uns zu, und fragte uns, ob wir nicht etwas gemeinsam machen könnten. So ergab sich das dann auch.

übrigens, ich habe gelesen, dass Ihr eine Split-Single mit den H.Oilers gemacht habt, die als „Soundtrack“ für einen Pornofilm gedacht ist.

DA: Sie wird noch veröffentlicht, wir werden unseren Beitrag demnächst erst aufnehmen, „but it could be a complete piece of shit.“

ER: Der Film der dem zu Grunde liegt, ist nur so ein schmuddeliger 70ties Porno, die in denen die Frauen immer so grosse Hängebusen haben. Naja, und wir dachten uns, dass es cool wäre dafür eine Art Soundtrack zu machen, du weisst schon, mit so fetten wah-wah Gitarren und so.

In Euren Texten geht es häufig um Sex, perverse Sachen usw. Welchen Stellenwert hat Sexualität für Euch?

ER: (etwas verärgert, wahrscheinlich weil ihm diese Frage schon oft gestellt wurde) Sex ist für jedermann wichtig, was machst Du denn mit deiner Freundin?

DA: Ja, … Sex ist für jeden wichtig, man kann das nicht verdrängen, aber wenn man sich explizit darüber äussert, bringt man viele Leute auf die Palme.

ER: Ich kann nicht dieses grosse Gebäude hinter mir verdrängen, meine Augen schliessen und sagen: „Bitte, bitte, geh weg!!“ (dabei gestikuliert er so wild, dass man es mit der Angst zu tun bekommen kann, bei diesem 2 Meter Muskelberg)

Nächste Frage, neues Thema; Ich habe gehört, dass Ihr alle mit der Schauspielerei und dem Film zu tun habt.

ER: Ja, (sichtlich erheitert) ich habe mal in einem Film mit Bill Crosby gespielt. Er wurde von allen die ihn gesehen haben zum „Schlechtesten Film ’87“ gekürt.

NW: Ich habe mal einen Film zusammen mit Uma Thurman gedreht, denk jetzt nicht an „Pulp Fiction“. Der Film Shit irgendwo in den Archiven, vielleicht wird er ja nochmal veröffentlicht.

DA: Ich war die Zunge vom Wal in „Free Willy“, ach ja… die Augen habe ich auch gemacht. (schallendes Gelächter!)

(Das Gespräch gleitet durch die Zunge von „Free Willy“ angeregt, auf eine Diskussion mit den übrigen im Raum ab, bei der es um Sexspielzeuge geht)

…um zurück zu kommen schauspielert Ihr auch manchmal auf der Bühne, oder spielt Ihr den jeweiligen Song mit der selben Intensität und dem selben Ausdruck, mit dem Ihr ihn geschrieben, bzw. aufgenommen habt?

ER: Zum Ausdruck: … er wechselt ständig, aber es geht einem manchmal näher als man möchte. Es basiert alles auf unserer Persönlichkeit, die sich ja ebenfalls entwickelt, das kann man nicht verhindern.

NW: Manchmal erinnert mich der Song an etwas, aber es wechselt ständig, und wird so häufig nur zu einem Symbol für etwas.

ER: Wenn die Musik sich nicht mit dir ändert, dann ist das das Ende des Lebens.

DA: Was das Schauspielern betrifft, ok, manchmal macht man ein bischen Show, „but Oxbow tries to figure out, what lies beyond the act.

Zum Schluss jetzt, wie würdet ihr Oxbows Musik definieren?

DA: Immer wenn ich das gefragt werde, gebe ich auf.

Vielleicht so, wie Euch schon jemand beschrieben hat, als den „Tod des Rock?

ER: Nein, der „Tod des Rock war New Age Musik!!!

***

DISKOGRAPHIE

Fuckfest (1990) -CFY-

King of the Jews (1992) -CFY-

The balls in the great meat grinder collection ( Boxset des 1.&2. Albums 1992) – CFY/Pathological-

Let me be a woman (1995) -Brinkman Rec./Crippled Dick Hot Wax-

Links (2015):
Wikipedia
Homepage
Discogs

 

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