September 3rd, 2013

ÖFFENTLICHKEITSARBEIT DER BUNDESWEHR (# 157, 12-2012)

Posted in interview by jörg

Hier kommt jetzt nicht der zwei Millionste Artikel in einem Punkfanzine diesbezüglich, warum die Armee abzulehnen ist.1Bzw. schon, ja, aber etwas subtiler als wie gewohnt und – ich denke, das kann man ruhig vorausschicken – somit interessanter. Es geht um die neue Funktion der Bundeswehr, einst als Verteidigungsarmee gegründet, mischen „unsere Jungs“ seit Jahren bei weltweiten Angriffskriegen – Bosnien, Kroatien, Afghanistan – mit. Diese neue Aufgabe der Bundeswehr bedarf auch einer ganz neuen Public Relation. Vorbildfunktion erfüllt hier PR der amerikanischen Armee.


Mein Fachmann zu dem Sujet war der Journalist Michael Schulze von Glasser, wir trafen uns in Kassel in einem lauschigen Cafe in der Nähe des Hauptbahnhofes. Michael hat ein Buch zu dem Thema Bundeswehr-PR veröffentlicht
2, das fand ich sehr aufschlussreich. Mein Interesse an dem mir vorher völlig unbekannten Sujet war „beruflich“ mit der Hoffnung auf absurden Quatsch. Nach der Lektüre stellte ich fest, dass dieses Thema einfach viel zu „spannend“, überhaupt nicht absurd ist und sicherlich auch für das Trust ein „Topic“ ist. Im Sinne der Voranbringung von „nicht nur Musik (Band, Label)“ – Interviews, wenngleich ich diese selbstverständlich auch politisch aufziehe, wisst ihr ja, nech – hier mal ein politisches Thema.

Am Ende des einstündigen Interviews sprachen Michael und ich bei Cola und Bier noch über sein neues Buch „Soldaten im Klassenzimmer – Die Bundeswehr an Schulen“, seine Lieblingsfilme in dem Genre Antikriegsfilme (gefragt nach „Apocalpyse now“ oder „Rambo I“ antwortete er gekonnt: „Hot Shots I und II“) und ob alle Soldaten Mörder sind (auch die Rote Armee? etc.) und was er bei Gesprächen mit den Soldaten erlebt hat. Ich denke, das ihr jetzt mit diesem Interview erst mal einen guten Überblick habt. Kauft seine Bücher und macht Vorträge mit ihm, das Thema wird leider an Bedeutung eher zu- als abnehmen.

Interview und Auswahl der Fussnoten: Jan Röhlk
Portrait-Zeichnung und Fotos by M.
Kontakt: michi.blogsport.de

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Hi Michael, du bist 1986 geboren und Politik- und Philosophie-Student an der Uni Kassel. Woher kommt dein Interesse an dem Thema „PR-Arbeit der Bundeswehr“, warst du selber beim Bund?

Michael: Hallo Jan, ja, das ist immer eine beliebte und tolle Frage, ha. Ich war nicht beim Bund, die wollten mich nicht, aber ich wäre auch nicht hingegangen. Ich bin als Jugendlicher politisiert worden, d.h. ich fing an, mich für Politik zu interessieren, das kam natürlich auch durch die Punkmusik. Ich bin dann einen Schritt weitergegangen, die Politik aus den Liedern, die Songtexte, das war mir zu wenig und ich bin selber aktiv geworden, natürlich auch in anti-militaristischen Zusammenhängen. Als das bei mir geschah, so um 2006 / 2007 herum, nahm gerade die Werbung der Bundeswehr (Bw) stark zu. Es gab dazu wenig an theoretischem Hintergrund, was warum wie da gemacht wird und ich schrieb zu der Zeit recht viel. So fing ich an, zu recherchieren und alles zusammenzuschreiben.

In deinem Buch schreibst du, dass die Public Relation (PR)- Arbeit des amerikanischen Militärs Vorbild für die der Bw ist. Lass uns mal dem Thema „PR-Arbeit der Bw“ kulturell nähren. Es gibt im Hollywood-Filmgeschäft einerseits viele Anti-Kriegs-Filme, ich denke da an „Full Metal Jacket“, „Platoon“ und eventuell „Rambo 1“, andererseits gibt es auch massive pro-Armee-Propaganda-Filme. Man kennt ja die Geschichte, dass die Armee in den Kinos, in denen „Top Gun“ lief, direkt Rekrutierungsstände aufbaute. Denkst du, diese kulturelle Verankerung der amerikanischen Armee im Filmbereich ist etwa so eine Vorbildfunktion für die Bundeswehr?

Michael: Die US-amerikanische Armee hat ja schon viel länger Nachwuchsprobleme und es gibt in den Staaten eine ganz andere Einstellung der Bevölkerung hinsichtlich der amerikanischen Soldaten und des Militärs. Man muss einfach sagen: die US-Armee hat keine zwei Weltkriege angefangen wie Deutschland, deshalb gibt es dort weniger Widerstand und auch mehr „Hurra-Patriotismus“. Hollywood ist auch eine riesige Propaganda-Maschine, die US-Armee unterhält dort ein eigenes Büro zur Filmunterstützung.

Das läuft beispielsweise so ab, dass die sagen „Wir unterstützen deinen Kriegsfilm, indem wir zehn Panzer zur Verfügung stellen, dafür schreiben wir aber am Drehbuch mit“. Oder wenn man an Filmszenen denkt, in denen ein in der Sonne glänzender Flugzeugträger im Meer zu sehen ist, da wird natürlich sehr seitens der Armee darauf geachtet, dass der Träger im rechten Sinn präsentiert ist, dass das gut aussieht. Oder denk an Kampfflugzeuge. Die sind extrem teuer. Das Problem ist auch bei anti-Kriegsfilmen: du musst die militärischen Gerätschaften ja erst mal haben, d.h. entweder hast du super Zeichner und Animationskünstler oder du bist gezwungen, deine Panzer und Kampfflugzeuge von der Armee zu bekommen, dann musst du aber mit denen zusammenarbeiten.

Die machen dann Eingriffe ins Drehbuch, da gibt es keine Ausnahmen, sonst bekommst‘ halt von deren Seite keinerlei Unterstützung. Die Bw unterstützt circa 20 Filmproduktionen im Jahr, da gibt es auch Beispiele im Hinblick auf die Einflussnahme: es gab einen Doku-Film, der einerseits sehr künstlerisch, aber eben auch kritisch ausgerichtet war, „Der Tag des Spatzen“ heisst der, es geht dabei um die BRD im Krieg in Afghanistan und die Anzeichen dafür in Deutschland. Die Bw wurde nach einer Dreherlaubnis gefragt, diese wurde verweigert, wahrscheinlich eben auch, weil es kritisch war.

Die Bw ist schon auch kulturell verankert, seit 2009 gibt es den Versuch, einen neuen Soldatenkult zu etablieren. Es gibt wieder öffentliche Gelöbnisse, der 20. Juli vor dem Bundestagsgebäude wird live auf Phönix übertragen, es gibt wieder Ehrenmedaillen, Tapferkeitsmedaillen, es existiert das Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin. Wenn ein deutscher Soldat in Afghanistan stirbt, dann wird die Trauerfeier mit grossem Tamtam im Fernsehen live auf den lokalen Sendern wie WDR, NDR etc. übertragen. Es wird so versucht, den Rückhalt der Bevölkerung für den Krieg zu gewinnen, es soll Akzeptanz dafür geschaffen werden. 3

Wir bleiben nochmal bei diesem Thema. In deinem Gastbeitrag für das Buch „Umgangssprachlich Krieg – Testfall Afghanistan und deutsche Politik“ 4 geht es um die Schaffung von Akzeptanz für den Krieg am Hindukusch durch die Bw, beispielsweise unterstützt die Armee Filmproduktionen, die den Einsatz positiv thematisieren. Da war doch letztens so ein Spielfilm….

Michael: Man muss klar sagen: die Bw unterstützt nur die Produktionen, die ihr etwas nützen, das ist ja nur logisch. Genau wie die US-Armee, die Frage ist dann halt auch, ob es überhaupt anti-Kriegsfilme gibt oder was das genau sein soll. Zum Beispiel „Der Soldat James Ryan“, die Szene der Landung in der Normandie, also wer sich das anschaut, der sagt bestimmt nicht „Juhu, ich verpflichte mich sofort nach dem Film bei der Armee“, allerdings ist der Film von der Armee unterstützt worden.

Es ist aber kein Nachwuchs-Werbefilm, dafür ist er zu brutal und zu realistisch, er zeigt halt, wie Krieg ausschaut und soll natürlich Akzeptanz schaffen, die Botschaft ist „Die Armee lässt keinen zurück“ und „Wir holen den Soldaten Ryan da raus“. Es wird das Bild aufgegriffen, dass die US-Armee ja die Gute ist, die haben schon Deutschland im Zweiten Weltkrieg vom Hitlerfaschismus befreit, die US-Armee ist gut, es sind ehrenhafte Soldaten, die einen ehrenhaften Soldatentod sterben. Natürlich muss man den USA dankbar sein, dass sie die Faschisten besiegt haben. Aber nun wird dieser Sieg weiter dazu benutzt, um heute für völkerrechtswidrige Kriege wie dem im Irak zu werben. Heroentum in Filmen wird natürlich auch von der Bw probiert.

Es gibt den Film „Willkommen zu Hause“ von 2009. Es geht um einen deutschen Soldaten, der in Afghanistan einen Anschlag überlebt, bei dem sein Kumpel stirbt. Er kommt traumatisiert nach Deutschland zurück und tickt durch, schlägt seine Frau und sieht das alles nicht ein, dass er ein Trauma hat. Am Ende geht er in Behandlung und alles wird gut und er kommt auch wieder mit seiner Frau zusammen. Die Bw unterstützte den Film mit Drehgenehmigungen, es gibt auch eine umfangreiche Pressemappe zu dem Film, in der klipp und klar gesagt wird, dass die deutsche Bevölkerung auf traumatisierte Soldaten eingestellt werden soll, dass das gezeigte beispielhaft für andere Soldaten sein soll, es soll eine Akzeptanz geschaffen werden – es ist ja auch kein Nachwuchsfilm –, dass „unsere Helden“ aus Afghanistan verletzt zurückkommen, dass die „eine Schraube locker haben werden“, dass die aber nichts dafür können.

Und die Bw hilft denen, was auch nicht stimmt, denn ein Trauma kann man nicht heilen, man kann es abmildern, aber die Panikattacken werden immer wieder kommen. Es gibt natürlich auch Filme, die konkret Nachwuchswerbung betreiben. Es gab da den vier Teiler „Streitkräfte im Einsatz“ mit Sonja Zietlow, man kennt sie als „Dschungelcamp“-Moderatorin. Eine Folge dauerte 45 Minuten, in denen sie die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffen und Marine besucht und sich zur Einzelkämpferin ausbilden lässt.

Es ist voller Action, schnell geschnitten mit schräger Kamera, es läuft Rockmusik, und es kommen dann so Aussagen wie „Ja, der Leopard 2, der beste Panzer der Welt“ und sie fährt dann selber damit, das ist Nachwuchswerbung im besten Sinne und fett von der Bw unterstützt, aber wie genau, darüber gibt es keine genaueren Infos. Zietlow darf dann auch in einem Kampfflugzeug mitfliegen, das sind ja irre Kosten, eine Stunde in so einem Jet kostet 20.000 Euro, die Bw pumpte da also massiv Geld rein, das wurde von den Magazinen Stern und Spiegel auch sehr kritisch dokumentiert.

Die US-Armee ist ja sehr breit aufgestellt, es gibt überall, selbst in den kleinsten Städten, Rekrutierungsbüros. Und die Armee ist auch auf Punkfestivals wie der Warped Tour und auf Skate- oder Fun-Sport-Events mit Ständen vertreten. Wieso hat so eine Strategie eigentlich Erfolg, wie wird in solchen Situationen versucht, die Leute für die Armee zu begeistern? Werden dann eher die sportlichen Möglichkeiten in der Armee betont?

Michael: Generell macht das auch die Bw so: da wo der potentielle Nachwuchs ist, ist auch die Bw. Heute sind das vor allem Schulen oder im Internet, zum Beispiel Facebook. Zukünftig könnten das aber auch kommerzielles Musikfestivals wie Rock am Ring sein. Natürlich ist die Bw noch etwas zurückhaltender, denn die Bevölkerung ist schon noch etwas kritisch gegenüber der Bw eingestellt.

Aber ich verstehe es irgendwie nicht: was machen die auf alternativen kommerziellenFestivals, da wäre doch ein Stand bei einem Burschenschaftsfest viel sinnvoller?

Michael: Na ja, aber dann hättest du wahrscheinlich direkt eine Diskussion wegen rechtsradikaler Umtriebe und…

Ja, die sind ja eigentlich auch schon längst überzeugt.

Michael: Genau. Die US-Armee hatte massive Rekrutierungsprobleme vor einigen Jahren, das kam auch durch den Irakkrieg, seit der Wirtschaftskrise 2007 und 2008 wird sie jedoch von Leuten überrannt, dabei ist es eigentlich extrem schwer, neue Leute zu finden. Die Werbemassnahmen für einen neuen Rekruten betragen 30.000 Dollar, ich weiss nicht, ob diese Zahl noch aktuell ist, also alle Werbemassnahmen auf einen Mann umgerechnet.

Und wenn die Armee dann bei der Warped-Tour ist, versuchen sie, sich natürlich als cool darzustellen: bei der Armee ist es voller Abenteuer, es wird an die Technikbegeisterung junger Männer angeknüpft, hier „geiler Panzer“. Es wird aber nie gezeigt, was ein Panzer macht, sondern eben nur, wie „geil“ der aussieht, aber was der für Folgen hat, wird ausgeblendet. Ich war mal bei einem Tag der offenen Tür der Bw, dort wurde auch ein Panzerübungsschuss abgefeuert, und ich muss ehrlich sagen: das sieht echt beeindruckend aus. Aber es ist interessant, dass dann nie gezeigt wird, was der Schuss eines Panzers für Folgen hat, wie ein Haus zerstört wird, die zerfetzen Leichen.

Das muss man sich bewusst machen, dass die Folgen der Technik unter den Tisch fallen, es werden nicht die Leute gezeigt, denen die Gedärme raus quellen, man hört nicht die Todesschreie, sieht nicht die Angehörigen der getöteten, sondern es wird ausschliesslich gezeigt „geiler Panzer voller Technik und dickes Rohr“. Dass der Panzer ein Tötungswerkzeug ist, wird den jungen Leuten nicht nahegebracht. Und das die Armee bei der Warped Tour sein kann, ist auch ein Zeichen für den Zustand der Punk-HC-Szene in den USA, die in Teilen sehr kommerzialisiert ist, und eben auch zulässt, dass sich die Armee dort präsentieren kann.

Ok, das ist ja eine riesige Veranstaltung, bei der eher das unpolitische Publikum kommt. Aber ich glaube nicht, dass sich ein Bw-Stand auf dem Force Attack Festival lange halten kann, dann eher auf dem Rock am Ring. Aber auch da glaube ich nicht, dass es den Stand lange geben wird, klar, 99 Prozent der Besucher wäre es eh egal, aber man braucht ja auch nur 20 Leute, um der Bundeswehr etwas kritisches entgegen zu setzen. Und die Erfahrung zeigt: bei Protesten ziehen sich die Armee-Werber schnell zurück und gehen Kritik aus dem Weg.

Die Kultur der Truppenunterhaltung wird ja auch viel moderner bei der US-Armee gemacht, die fliegen ja sogar Punkbands ein, die vor den Troops auftreten, Henry Rollins, Vandals und so. Da ist man bei der Bw noch altbacken. Wobei du auch schreibst, es gäbe da Veränderungen, Stichwort „Pop statt Preussen“?

Michael: Dafür habe ich ein gutes Beispiel, dass eure Leser sicherlich interessiert, denke ich: es gibt seit 2010 den Bw-eigenen Youtube Channel, der gehört zu den 15 erfolgreichsten Kanälen in Deutschland. Da gibt es dann kurz-Videos mit Panzern etc. Ende 2011 konnte man dort als Hintergrundmusik die deutsche Nationalhymne hören, die auf Heavy Metal gemacht wurde. Dazu sah man schiessende Panzer und U-Boote, die aus dem Wasser herausspringen und so weiter.

Es gab dann Proteste seitens der Grünen (nicht, das die besonders grosse Bw-Gegner sind), aber da musste die Bw das Video zurücknehmen. Die totale Glorifizierung des Soldaten- und Mackertums geht also noch nicht, in den USA und auch in Grossbritannien ist das anders. Dort ist wie schon erwähnt das Bild der Armee wesentlich positiver, die USA hat ja ausser Vietnam noch keinen Krieg richtig verloren, da existiert eben mehr das Bild der guten Armee aus dem Zweiten Weltkrieg, konträr zur deutschen Wehrmacht.

Es gibt ein Videospiel der US-Armee, ein First-Person Shooter, also ein Egoshooter. Da läuft man durch eine Gegend, die sehr nach Afghanistan oder dem Irak aussieht, zufällig natürlich, beide Teams kämpfen gegeneinander, übrigens sehen die sich immer als US-Armee und nie als Taliban, aber das nur am Rande… Dieses Computerspiel – „America’s Army“ – spielen Millionen von Spielern, in Deutschland würde das schon aufgrund der Debatten um „Ballerspiele“ wie Counterstrike nicht gehen, dass kann sich die Bw nicht leisten, obwohl sie es sicherlich gerne machen würde, es ist ja ein sehr effektives Werbe-Instrument.

Die Konzerte von Punkbands vor den Truppen werden immer damit legitimiert, dass die meisten in der Armee arme Schweine, sozial unterprivilegierte sind, die nur durch das Militär überhaupt eine Chance auf gesellschaftlichen Aufstieg haben, besonders auch die Afroamerikaner. Und gerade „Rambo I“ 5 hat ja wirklich gut betont, dass in Vietnam die Soldaten die Helden sind, aber dann nach ihrer unbehandelten traumatisierten Rückkehr in den USA keinen Anschluss mehr finden. Jetzt verhält es sich bei der Bundeswehr nicht gross anders, ich las mal, dass der Anteil an „armen Ostdeutschen“ sehr hoch ist. 6 Wie siehst du das ganze?

Michael: Das ist eine schwierige Frage, die anti-Militarisierungsszene hat dazu auch keine feste Meinung, das ist problematisch. Meine Einstellung ist: Ja, es sind arme Leute, die sonst keine Chance haben, aber man muss auch sagen: lieber arbeitslos als zur Bw, das ist halt eine Überzeugungsfrage. Man wird ja von der Arbeitsagentur (noch) nicht zur Bw gezwungen, also es bedarf dann schon der individuellen Einstellung.

Bei der US-Armee sehe ich das ähnlich. Es ist, auch wenn es einem schlecht geht, eine Einstellungssache, eine Gewissensfrage – möchte ich in die Lage kommen, einen anderen Menschen zu töten oder im Ausland selbst erschossen zu werden –, aber es ist halt schwierig. Ich denke, es ist auch falsch zu sagen, alle Soldaten sind blöd, so einfach ist es halt auch nicht. In den USA gibt es auch kritische Veteranenverbände, z.B. die „Iraq Veterans against the war“, das ist eine Gruppe von früheren Soldaten aus dem Irak-Krieg, die mittlerweile kritisch hinsichtlich des Krieges sind. In Deutschland gibt es das „Darmstädter Signal“.

Das ist eine kritische Soldatenvereinigung, aber es sind nur circa 100 Mitglieder, die sagen, „Wir sind gegen den Krieg in Afghanistan“. Allgemein ist meine Erfahrung aus meinen Gesprächen mit den Soldaten die, das die unkritisch sind und eher mich anranzen und mir und meiner Einstellung gegenüber feindlich gesinnt sind. Unter den Soldaten gibt es keine kritische Auseinandersetzung, also, dass die vielleicht auch sagen, „Ok, ihr Friedensleute habt recht, wir wollen mit euch zusammenarbeiten“.

Ich fände eine Zusammenarbeit mit kritischen Soldaten total gut, aber es gibt eben kaum welche. Es wäre z.B. total effektiv, mit einem ex-Afghanistan Soldat in die Schulen zu gehen, die Bw selber geht ja auch massiv in die Schulen. Hätte man einen kritischen Soldaten, dann könnte der da halt sagen „Krieg ist scheisse, ich hab das selbst erlebt“. Aber die Soldaten haben eher Angst vor Friedensgruppen und die Bundeswehr, die Soldaten in Schulen schickt, lässt natürlich reine Propaganda verbreiten. Ich rede ja echt mit allen, aber die Bw eben zurzeit offiziell nicht mehr mit mir. 7

Ich war vor einigen Jahren mal auf dem Hessentag, dort war ein Riesenstand der Bundeswehr aufgebaut mit allerlei Gerätschaften und einer kessen Blondine in Uniform. Hier spielt dann als Werbeaspekt auch das „Jung, sportlich, beim Militär angestellt – Sportsoldaten in der Bundeswehr“ eine Rolle, aber hauptsächlich wird versucht, junge Männer über die Technikbegeisterung zu gewinnen? Wie läuft das generell so ab?

Michael: Es gibt hinsichtlich der Nachwuchswerbung der Bw drei Säulen, jetzt mal als Überblick: es existieren eigene Veranstaltungen, eben wie der Hessentag, das gibt es in anderen Bundesländern auch, z.B. den NRW-Tag, also so grosse Volksfeste. Dann gibt es den Karrieretreff, da steht die Bw mit mehreren grossen Sattelschleppern auf dem Marktplatz und es gibt dann eine Wehrdienstberatung.

Andere Orte sind Jugendsportevents, Einladungen in die Kasernen, dort dürfen die Kids dann kostenlos Sport machen. Die Bw geht, wie gesagt, auch in Schulen und hält dort Vorträge. Als zweite Säule wären da noch die Bw-eigenen Medien, es gibt den Youtube-Kanal, zwei Rekrutierungswebseiten, es gibt eigene Printmedien-Magazine wie die Infopost, die Bravo der Bw, und es gibt als dritte Säule der Werbung das Militainment: das sind beispielsweise Anzeigen in zivilen Medien wie der Bravo und eben die Filmunterstützung. Es gibt Kinospots und TV-Werbung etwa während den „Simpsons“ auf ProSieben. Unter Militainment fallen dann auch die schon erwähnten Filmunterstützungen der Bw.

Provokant gefragt: Was ist so falsch an den Werten der Bundeswehr, Kameradschaft und Disziplin, das ist doch okay und Zivildienst ist doch auch der Soldat im Einsatz?

Michael: Zivildienst gibt es ja nicht mehr, aber grundsätzlich gesagt: ich lehne Gewalt als Umgang unter den Menschen ab. Jeder Mensch sollte über sich selbst bestimmen und eine demokratische Gesellschaft ist mit einer Armee nicht zu machen, man kann keinen Frieden herbeibomben. Die Armee vertritt konservative Werte in einer hierarchischen Befehlsketten-Anordnung. Auch sind nicht alle Grundrechte in der Bw existent.

Jeder sollte doch für sich selber denken, zumindest die Möglichkeit dazu haben und nicht unter Befehl stehen und unter Befehlsgehorsam im Zweifel andere Menschen töten. Und wofür ist die Armee heute da? Was macht die Bw überhaupt am Hindukusch? Das ist totaler Quatsch, Köhler, der ehemalige Bundespräsident, ist das ja mal rausgerutscht, dass die Bw dort den Zugang zu Rohstoffen sichert, d.h. kapitalistische Interessen werden mit Militär abgesichert, das darf, das sollte doch nicht sein.

Die Frage ist ja: Warum benötigt die Bw neue Rekruten? Warum kämpft die Bw um ihr Image? Kannst du skizzieren, wie sich die Rolle der ursprünglich als Verteidigungsarmee gegründeten Bw geändert hat, Stichworte Angriffskriege in Bosnien, Kroatien, Afghanistan? Benötigt eine „andere“ Bw eine „andere“ PR?

Michael: Ja genau, das stimmt. Die Bw verändert sich gerade von einer ursprünglichen Verteidigungsarmee in Richtung Angriffsarmee. Und dieser Wandel benötigt Zustimmung. In Bevölkerungsumfragen lehnen immer noch 70 Prozent den Einsatz in Afghanistan ab, das bekommt die Bw mit, und die wollen ja lieber eine deutliche Zustimmung zu diesem Einsatz. Deshalb unternehmen sie alles Mögliche.

Auch wenn der aufkommende Heldenkult von der Bevölkerung noch abgelehnt wird, dann soll zumindest erreicht werden, dass die Menschen für „unsere Jungs“ sind. In der Rede des aktuellen Bundespräsidenten Gauck vor der Bundeswehr im Juni wurde das ja auch thematisiert von wegen „Wir als Deutsche müssen jetzt für die Bw sein und zu unseren Jungs stehen“. Das ist doch totaler Quatsch. Die Regierung hat die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt, nicht ich. Wenn die Soldaten im Sarg wieder zurück kommen, ist das nicht meine Schuld, sondern die der Regierung. Wenn ihnen die Soldaten wirklich am Herzen lägen, würden sie sie aus diesem sinnlosen Einsatz sofort abziehen. Aber die Regierung besteht aus Heuchlern.

Was hat das „Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr“ für eine Funktion in der PR- Werbung? Kann man von einer Art Denkfabrik, also „Think-Tank“sprechen?

Michael: Diese Institution ist in Strausberg bei Berlin angesiedelt und hat eben sozialwissenschaftliche Aufgaben, d.h. die Durchführung von Umfragen und wissenschaftlichen Aufgaben für die Bw. Es werden z.B. Jugendbefragungen durchgeführt, es wird eine Potentialanalyse zur Rekrutierung vorgenommen, also ob die Bw vermehrt auf Sportveranstaltungen präsent sein oder mehr TV-Spots machen sollte.

Das Institut ist also relativ wichtig, es ist auch deshalb sehr interessant, weil es um die Herstellung der militärischen Gegenöffentlichkeit geht. Bei Umfragen von unabhängigen Meinungsforschungsinstituten wie Infratest Diamap und Allensbach kam heraus, dass z.B. der Tornado-Einsatz in Afghanistan von 60 % der Befragten abgelehnt wurde, das Sozialwissenschaftliche Institut der Bw kam dagegen seltsamerweise auf 50 %. Die kommen immer auf positive Werte für die Bw. „Think Tank“ kann man schon sagen, da sie bei der Werbung helfen und Potentiale einschätzen, es gibt aber noch andere Denkfabriken, die regierungsnahe „Stiftung Wissenschaft und Politik“ aus Berlin zum Beispiel, die erstellen Armee-positive Konzepte.

Die haben ein Arbeitspapier erstellt, bei dem es um „Den demografischen Wandel als Rekrutierungsproblem für die Bw“ geht. Damit verbunden ist die vorgeschlagene Strategie, dass die Bw sich mehr hinsichtlich unterrepräsentierten Gruppen öffnen soll, mehr Frauen ansprechen und Leute ohne deutschen Pass reinlassen sollte. Du bist dann einige Jahre beim Bund und bekommst den deutschen Pass, das ist in der US-Armee längst schon so. Unterschreib´ für einige Jahre für Auslandseinsätze und du erhältst deinen amerikanischen Pass, das ist wie bei den Römern, da bekam man auch irgendwann eine Vollbürgerschaft nach dem Armeedienst. Ich denke, dass wird es bei der Bw auch bald in der Form geben, da sind wir wieder bei der Unterschichtendebatte und deren Repräsentation in der Armee…

Es gibt ja auch das tolle POLIS-Strategiespiel in der Schule, das sicher jeder unsere Leser noch kennt…

Michael: Ja, POLIS ist ein Rollenspiel, steht für „Politik und internationale Sicherheit“ und wird mit Schülern gespielt. Da wird die Weltpolitik recht subtil nachgespielt. Es geht nicht total platt darum, in einem Weltkrieg die Welt zu erobern. Sondern mehr darum, dass manchmal Militäreinsätze eben notwendig seien, das spiegelt die aktuelle Doktrin der Bw wieder: natürlich keinen dritten Weltkrieg beginnen, sondern manchmal „humanitäre Einsätze“ durchführen, eben um Frauen in Afghanistan ihre Rechte zu ermöglichen…8

Ein zweites Auschwitz verhindern…

Michael: Ja, das wird eben in dem Spiel ausgesagt, das mal ein humanitärer Einsatz gut ist. In die Schulen kommen dann die Jugendoffiziere, das ist eine weltweit einzigartige PR-Einheit der Armee. Laut dem Verteidigungsministerium informieren diese nur bezüglich der Sicherheitspolitik und machen keinerlei Werbung.

Angeblich würden nur die Wehrdienstberater Werbung für den Nachwuchs betreiben, aber die Jugendoffiziere sind ja bei der Bw angestellt, die sagen auch nix kritisches gegen ihren Arbeitgeber, die ist ja nicht neutral. Die machen über 4.000 Vorträge und spielen eben mit den Schülern das POLIS-Spiel, so werden über 100.000 Schüler jährlich erreicht.

Du hast im Vorgespräch auch das Thema Computerspiele angesprochen, vielleicht hast du Lust, dazu nochmal etwas zu sagen?

Michael: Eigene Shooter kann die Bw sich eben nicht leisten, aber was schon vorkommt ist, dass die BW sich nicht daran stört, in einem Videospiel vorzukommen. Die Rolle, der Wandel der Bw, wird immer stärker. Das bekommen die Entwickler von Videospielen mit und bauen die Bw stärker ein.

Damit hat die Bw kein Problem, obwohl sie darauf keinen Einfluss hat. Man sieht dann deutsche Soldaten mit dem Logo, dem Eisernen Kreuz und kann das nachspielen…Da bauen dann westliche Firmen PC-Spiele für ein westliches Publikum, du hast ja gesagt, dass das Interview möglicherweise erst später erscheint, aber z.B. diesen Herbst kommt das Spiel „Medal of honour- Warfighter“. Das ist ein Blockbusterspiel, das bestimmt Millionen Spieler spielen werden. Da geht es um die KSK, das ist eine Eliteeinheit der Bw…

So was wie die Green Berets?9

Michael: Nein, mehr wie die Navy Seals. Da gab es vor kurzem ein Interview mit der Entwicklerfirma, dort wurde dann gesagt, dass Kontakt zur KSK aufgenommen wurde. Das könnte also das erste Spiel sein, an dem die Bw beteiligt ist. Offiziell sagt das Verteidigungsministerium, dass es nie eine Unterstützung gab und geben wird. Ich habe dort angefragt, bin aber noch am recherchieren.

Es gibt ja auch Bw eigene Medien, die sich sicherlich durch eine gewisse Einseitigkeit auszeichnen. Wie wird töten und Krieg dort thematisiert?

Michael: Tod und alle negativen Aspekte werden völlig ausgeblendet. Mir sagte mal der Chefredakteur der „Infopost“, das ist eine Art Bravo der Bw, dass in einer Audi-Broschüre ja auch nicht drinsteht, dass der nach drei Jahren anfängt zu rosten. Und so steht auch in den Bw-Medien nicht drin, dass man in Afghanistan sterben kann.

Es sind sehr einseitige Artikel, da steht nie drin, dass bis jetzt schon 50 Soldaten dort gestorben sind, sondern da geht es z.B. um den Führer einer Hundestaffel, der mit seinen Hunden nach Drogen sucht. Oder um eine Übersetzerin, die ganz viele Sprachen spricht und jeden Tag um das Feldlager joggt. In der Mitte gibt es dann tolle Poster von Panzern.

Inwiefern denkst du, dass die Bw in zivilen Print- und Onlinemedien zu gut wegkommt, Stichwort „Der unterhaltsame Krieg „? Dann noch die Kino- und Fernsehspots, die Radiowerbung, inwiefern findet da eine Verharmlosung statt?

Michael: Auch da werden die Folgen des Einsatzes nicht thematisiert und es gibt natürlich auch keine inhaltliche politische Debatte über den Sinn und Unsinn des Einsatzes. Helmut Kohl hat mal den Satz gesagt, dass Deutschland „von Freunden umzingelt“ ist. Aber was machen „wir“ dann in Afghanistan? Was hat das mit Deutschland zu tun?

Warum muss nach dem ehemaligen Verteidigungsminister Struck die Sicherheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werden, da könnten die Taliban doch auch sagen, dass ihre Sicherheit am Brandenburger Tor verteidigt werden muss. Das ist doch ein gegenseitiges Hochschaukeln. Die terroristischen Anschläge von El Kaida in London und Madrid wurden ja von ihnen so begründet, dass Grossbritannien und Spanien am Irakkrieg beteiligt waren. Gewalt schafft eben nur Gegengewalt. Und da die Bundeswehr-Führung selbst sagt, dass auf weite Sicht kein kriegerischer Angriff, z.B. durch Russland auf Deutschland absehbar ist, kann man die Bundeswehr meiner Meinung nach extrem verkleinern, wenn nicht sogar auflösen. Das spart nebenbei noch viel Geld.

Was hat sich massiv seit deinem Buch von 2010 verändert?

Michael: Eben der Bw-Youtube-Kanal zum Beispiel. Dann gibt es neuerdings einen flickr-Account, seit 2011 ist die Bw auch auf Facebook. Generell nimmt die mediale Werbung zu, es gibt Anzeigen in der Bild-Zeitung. Lange Zeit gab es keinerlei TV-Werbung, seit 2010 gibt es wieder eine, zuletzt sogar drei verschiedene Spots. Da sieht man zwei Soldaten und eine Soldatin, deren Namen eher auf einen Migrationshintergrund schliessen lassen. Darauf wird es noch stärker hinauslaufen, Migranten anzusprechen.

Durch den PISA-Test wurde gezeigt, dass das das deutsche Bildungssystem fast undurchdringbar für untere Schichten ist. Das nutzt die Bw natürlich aus. An den zwei Bw-Unis zahlt man keine Studiengebühren, es gibt dazu 1000 Euro monatlich, eine Wohnung wird gestellt. Das ist natürlich super für Leute ohne Geld, dazu muss man sich aber zehn Jahre für Auslandseinsätze verpflichten. Bei Hartz IV gibt es ja die „Stallpflicht,“ d.h. Jugendliche müssen bei ihren Eltern wohnen, und da kann man ja sagen „Lieber in der Kaserne als bei den Eltern wohnen“, das alles spielt der Bw in die Hände.

Einer deiner Vorträge zum Thema PR der Bundeswehr „Die Bundeswehrreform und die Zukunft der Armee-PR“. Wie schätzt du das ein, wird es in die Richtung US-Armee gehen oder ein spezieller „deutscher“ Weg beschritten?

Michael: Ich denke, die Strategien werden denen der US-Armee folgen, es wird generell alles viel mehr werden: mehr Werbung in den Medien, die Gruppe, um die geworben wird, die Unterprivilegierten mit Migrationshintergrund, werden stärker in den Fokus rücken. Aktuell mit dem Ende der Wehrpflicht werden die Kreiswehrersatzämter kleiner werden. Die Bw versucht nun, dort so genannte Karrierebüros einzurichten, da ist noch nicht ganz klar, wie das werden wird. Die Ämter liegen ja meistens am Stadtrand und entweder werden dort dann Infobereiche integriert oder die werden zugemacht und in die Innenstadt verlegt.

In Saarbrücken gibt es das erste und meines Wissens bislang einzige Rekrutierungsbüro als eine Art Ladenlokal direkt im Stadtzentrum. So etwas könnte kommen, dann natürlich auch mehr online Werbung und Werbung an den Schulen. Zunehmen wird auch das Kult-mässige. Gauck hat in seiner Rede vor der Bw ja auch pure Militärpropaganda geliefert. Dass es in der Bevölkerung noch mehr Rückhalt geben müsse, das sie wieder stolz auf unsere Soldaten sein können, dass die Deutschen das Töten wieder lernen müssen, das ist so die zukünftige Richtung – Back to Basic für die deutsche Armee sozusagen.

Das Militärische geht wieder los. Klar, wir leben zum Glück nicht in Kriegszeiten, aber die Soldatenhuldigung nimmt zu. Das sind ja auch alles die gleichen Symbole. Die Bw hat sich nie ganz von der Wehrmacht gelöst. Die Rommel-Kaserne bei Bielefeld gibt es immer noch. Und die Bw hat als Zeichen auch immer noch das Eiserne Kreuz. Oder die ganzen Feiern zu dem 20. Juli Stauffenberg Attentat, von wegen, das wäre antifaschistischer Widerstand gegen Hitler gewesen und alles reine Demokraten. Das waren ja auch totale Antisemiten und alles Kriegsverbrecher. Eine gewisse Braunzone gibt es eben immer noch bei der Bw. Sie hat sich nie vollständig von ihrer Tradition gelöst.

Anmerkungen:

1Es gibt von dem Human Parasit Fanzine auch einen Tape-Sampler, namens „Bundeswehr wegtreten“ von Januar 2009, auf dem Songs zum Thema „Bundeswehr“ versammelt sind, zum Beispiel von NORMAHL – Fahneneid, SLIME – Bundeswehr, WIZO – Doof wie Scheisse, TOXOPLASMA – Noch mehr Orden, UPRIGHT CITIZENS – Fuck The Army, MIDDLE CLAss FANTASIES – Helden.

2Michael Schulze von Glasser: An der Heimatfront. Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr, PapyRossa Verlag, Köln 2010.

3Vgl. iunge welt vom 30.06.2012:Der vom katholischen Militärdekan und der evangelischen Militärdekanin der Bundeswehrhochschule in Neubiberg geleitete Gottesdienst sollte unmittelbar vor dem Beförderungsappell von 573 männlichen und weiblichen Offiziersanwärtern abgehalten werden. Das Militärspektakel, üblicherweise hinter der Kasernenmauer, sollte erstmals öffentlich im nahegelegenen Hofgartengelände stattfinden…Das staatlich organisierte „öffentliche Bekenntnis zu unseren Streitkräften“ solle übertünchen, dass die Zustimmung zu den verfassungsfeindlichen Kriegseinsätzen im Ausland schwinde, heisst es in dem Aufruf.“

4Michael Schulze von Glasser: Werbefeldzug an der Heimatfront. Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr in Zeiten des Afghanistan-Krieges, in: Mario Tal (Hg.) Umgangssprachlich: Krieg. Testfall Afghanistan und deutsche Politik, Papyrossa Verlag, Köln 2010, S. 205 – 215.

5Es ist wirklich ein ergreifendes Zitat am Ende des Films, dass auch ein wenig die Ambivalenz von wegen „arme Schweine“ und „Sie haben sich dafür entschieden“ zeigt: „Nichts ist vorbei! Gar nichts! Ihr könnt nicht einfach aufhören. Es ist nicht mein Krieg gewesen! Ihr wolltet es so, ihr habt angefangen! Ich hab´ nur alles getan, um zu gewinnen, aber irgend jemand liess uns nicht gewinnen. Als ich zurückkam in diese Welt, empfingen mich all diese Maden auf dem Flughafen! Sie haben gegen mich demonstriert und mich einen Babymörder und Frauenschänder genannt! Was haben die sich gedacht, gegen mich zu demonstrieren, he, wer sind die denn? Niemand von ihnen war draussen in diesem Dschungel, sie wussten gar nicht, worum es geht!“ – „Es war ´ne schlimme Zeit für alle, Rambo. Aber das ist jetzt vorbei.“ – „Für sie! Mir bedeutet das Zivilleben gar nichts! Im Krieg, da hatten wir einen Ehrenkodex: Du deckst meinen Arsch, ich decke deinen! Aber hier gibt´s so was nicht!“ – „Du bist der letzte deiner Elitetruppe. Du solltest es nicht so zu Ende führen!“ – „Da drüben flog ich einen Hubschrauber, oder ich bin Panzer gefahren. Ich war verantwortlich für eine Million Dollar Ausrüstung und hier krieg´ ich nicht mal einen Job als Parkwächter!“

6Dazu stand am 29.06.2012 in der „Bild“ (ich wollte immer mal im Trust die Bild zitieren, hähä): „Im Afghanistan-Krieg lassen überproportional viele Ostdeutsche und Zuwanderer ihr Leben für Deutschland!​ Nach einer BILD-Recherche sind mindestens NEUN der letzten 25 Gefallenen (seit Sommer 2008) Ostdeutsche. …Damit sind mehr als 50 Prozent der Gefallenen Ostdeutsche, Zuwanderer, Spätaussiedler – oftmals aus unteren Diensträngen.​“

7Vgl. Michaels Eintrag auf seinem Blog vom 31.05.2012

8 Vgl. Stern online vom 27.05.2012: „Deutschland muss sich nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière auf wachsende internationale Anforderungen einstellen. …Deutschland müsse im Rahmen der UN, der Nato und der EU die Verantwortung übernehmen, „die wir uns zutrauen, die man uns zutraut und die man von uns erwartet“.

9 Wir erinnern uns an den F.U.´s Coversong von Barry Sadler: „The Ballad of the Green Berets“. Wer das Original also nicht kennt, muss sich das echt mal anhören via den üblichen Videoportal-Quellen, unfassbar: „Back at home a young wife waits. Her Green Beret has met his fate. He has died for those oppressed. Leaving her this last request. Put silver wings on my son’s chest. Make him one of America’s best. He’ll be a man they’ll test one day. Have him win the Green Beret“.

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Links (2015):
Blog MSVG

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