Juli 26th, 2019

NATHANIEL GREEN (#92, 2002)

Posted in interview by Thorsten

Ketzer könnten nun die frage stellen, ob teile der hardcore/punk szene mittlerweile eigentlich völlig verblödet oder geschmacklich verweichlicht sind. denn warum bitte sollte ein traditionelles hardcore/punk/emo label wie SUBJUGATION sonst eine lupenreine POP produktion unters volk bringen wollen? nun, sollte ernsthaft jemand diese frage stellen, so läßt sie sich nur damit beantworten, daß es sich bei Nathaniel Greens DOWN TO YOU THEN, SUPERGIRL schlichtweg um eine phenomenale platte handelt. ganz gleich ob sie musikalisch nun in einen punk kontext paßt oder nicht. für den werten tipper dieser zeilen ist diese problematik nun eher weniger bedeutsam, da aufgrund seines eigenen musikalischen backgrounds nathaniel greens output auf äußerst wohlgesonnene trommelfelle trifft. da mag man dann manchmal, aber auch wirklich nur manchmal, seine musikalische kinderstube in form von ABC, HEAVEN17, SPANDAU BALLET etc. gar nicht mehr so wirklich verteufeln, auch wenn sie im nachhinein betrachtet natürlich eine ziemliche hölle war *haha* wer nun in erwartung grausigen 80´s pops bereits die augen verdreht, darf sich wieder entspannen. natürlich handelt es sich hier nicht um solch aufgeblasenen bubble gum schlonz, sondern um stripped down to the core pop mit großen melodien und noch viel feineren harmonien. ach egal, letztlich mag man es halt oder eben nicht, da gibt´s eigentlich kein großes vertun.
Torsten

ironie modus an * also gut, los geht´s. fangen wir doch gleich mal mit der originellsten und innovativsten interview frage aller zeiten an… wer ist in der band, wie alt seid ihr, wo kommt ihr her, und womit verdient ihr eure brötchen so? * ironie modus aus * ums kurz zu machen, so ein kleines band profil wäre nett.

Rob: wir sind Matt (gitarre) & Rob (piano) und wir singen beide, wobei Matt darin sehr gut ist und ich eher nicht. wir haben beide unser ganzes leben in Wakefield, Nordengland, verbracht, was 23 jahre für mich und 20 für Matt bedeutet. Er ist filmvorführer in einem kino und ich kameramann beim fernsehen. Wir lernten uns vor ungefähr 3 jahren kennen und haben seit dem eigentlich die meißte zeit zusammen betrunken verbracht.

Was sind eigentlich so die dinge, die ihr am meißten an der szene liebt, der ihr euch zugehörig fühlt? Und was sind auf der anderen seite überflüssige geschwüre, auf die ihr auch gut verzichten könntet?

Matt – Die musik selbst hat natürlich in einer szene einen sehr hohen stellenwert, aber davon mal ganz abgesehen ist es für mich immer noch am wichtigsten, freunde und leute zu treffen. Es gibt tage, da kann ich zu shows gehen und sehe nicht eine einzige band, weil ich den ganzen abend mit leuten gequatscht habe. Es geht ganz einfach nur um den spaß dabei und weiter nichts.

In einem review über nathaniel green habe ich eure music mit spandau ballet verglichen, was natürlich schon eine kleine anmaßung ist. Aber so ganz lassen sich diese 80´s pop wurzeln in eurer musik ja nicht leugnen, oder?! Das ganze ist natürlich nicht so polliert und bombastisch überproduziert, aber der kern des ganzen scheint doch aus dem gleichen holz geschnitzt.

Rob – Spandau Ballet?! Hmmm, also da fällt mir echt nichts zu ein. Ich kann wirklich mit voller aufrichtigkeit sagen, daß 80´s pop bei unseren aufnahmen zu DOWN TO YOU THEN, SUPERGIRL absolut keine rolle gespielt hat.
Matt – Ich würde uns da eher in der tradition von gängigem 70´s folk/pop wie THE BAND, SIMON & GARFUNKEL und NEIL YOUNG sehen, aber das ist vielleicht mehr ein wunschdenken.
Rob – was ich besonders an nathaniel green mag ist, daß wir nie gesagt haben, daß wir so und so klingen wollen. Wir haben einfach songs geschrieben und sie gespielt wie es uns lag, was letztlich zu unserem sound führte. Wir haben nie einen gedanken daran verschwendet, daß dies oder das jetzt mehr nach emo, hardcore oder bob dylan klingen sollte.

Wie auch immer eure musik letztlich kategorisiert werden wird, so steht doch eines unumwerflich fest. Nathaniel Greens output unterscheidet sich maßgeblich vom restlichen Subjugation programm. Einem label mit starker punk und hardcore verankerung, welches nun plötzlich einen feinen sauberen pop release an den start bringt. Wie nimmt die britische hardcore/punk szene diese platte eigentlich an? Wahrscheinlich gar nicht mal so schlecht, oder!? Schließlich wurde sie ja schon über jahre durch bands wie jimmy eat world indoktriniert.

Matt – Subjugation ist mit dieser CD schon ein ziemlich großes risiko eingegangen, weil niemand, und schon gar nicht wir, vorhersehen konnten, welche akzeptanz die scheibe finden würde. Von daher sind wir sehr dankbar, daß wir sie überhaupt veröffentlichen konnten. Seinerzeit wollte Ian (Subjugation) einfach mal etwas komplett anderes herausbringen, und wir paßten da wohl genau in sein konzept.
Rob – Anfangs hat er aus besagtem grund daher auch nicht sehr viele gepreßt, aber dann war er wohl selbst überrascht, wie positiv die scheibe von der szene aufgenommen wurde. Wir haben gerade eine UK tour mit Stapleton hinter uns gebracht, wo wir schon den eindruck hatten, daß die meißten leute gut auf uns klar kamen. Ach, und wenn uns die leute scheiße finden sollten, fair enough, dann können sie uns ja ignorieren.
Matt – Meine hoffnung ist, daß es den kids gefällt, weil es mal etwas komplett anderes ist. Obwohl es den meißten punk rockern natürlich ein hohes maß an offenheit abverlangt.

Nun ja, ich weiß nicht. meinst du nicht auch, daß euch in einem zeitalter von bands wie jimmy eat world, jets to brazil und den get up kids ein gewisser pfad schon geebnet wurde?

Hmm, ja und nein. Die sind zwar schon alle ziemlich poppig, aber ich denke nicht, daß wir wie sie klingen. In ihrer essenz sind sie alle immer noch rock bands, und das rockigste was wir je gemacht haben ist TAMBOURINE. Bei gigs läßt sich auch sehr schön beobachten, daß diese ´szene-scheuklappen-kids´ uns nicht wirklich mögen, wohingegen wir bei leuten, die einfach nur gerne musik hören, sehr gut ankommen. Da kamen zum beispiel schon einige finster dreinschauende metal heads nach gigs zu uns, um uns zu sagen, daß sie uns wirklich gut fanden. Mir ging es von je her eigentlich immer um die musik, egal wie sich der stil nun nannte. But I find that lots of punk/hardcore/emo bands are more a triumph (or a failure) of style over song writing, which for me is the wrong way round.

Verfolgt ihr bestimmte ziele mit eurer band? Ziele wie zum beispiel bei einem Major zu landen? Ich meine, hey, das poppige potential dazu hättet ihr ja.

Matt – Man muß seine ziele so hoch wie möglich stecken, ansonsten würde das ja alles gar keinen sinn machen. Ich würde jeder zeit zu einem major gehen! Solange die musik darunter nicht leidet, habe ich damit keine probleme. Letztlich träumt doch jeder davon, mit dem was er am liebsten tut seinen lebensunterhalt zu verdienen.
Rob – ich würde es auch großartig finden von der musik leben zu können. Aber auf der anderen seite wäre ich bei solchen geschichten auch immer sehr vorsichtig. Wir haben zum beispiel bisher nur einen non-diy gig gespielt und sind gleich mal sauber abgerippt worden! Und dann würde ich auch bezweifeln, daß uns ein Major platten in meinem schlafzimmer aufnehmen ließe!

Habt ihr euch eigentlich jemals gedanken über die bedeutung von print zines in einer internet-dominierten informationswelt gemacht? Sind die nicht langsam etwas überholt, und durch ihre deadlines informationstechnisch immer etwas hinten dran? Warum soll man noch auf das erscheinen eines print zines warten, wenn man die gleiche information billiger und schneller aus dem netz bekommen kann? Warum eigentlich überhaupt noch interviews für print zines füren….? * tüdelü, tüdelü *

Rob – Na weil sehr viele leute print zines lesen! Das problem mit dem web ist doch, daß die leute dort nur nach sachen suchen, die sie schon kennen, und insofern auch kaum auf wirklich neues stoßen. Daß mag bei denen vielleicht anders sein, die stundenlang zeit haben, sich im netz zu bewegen. Aber das trifft ja nun nur auf die wenigsten zu. Bei einem print zine pickt sich zwar auch jeder erstmal die parts raus, die ihn interessieren. Aber man stößt da beim durchblättern doch zwangsläufiger häufiger auf neue sachen als im web. Wie dem auch sei, die trust site fand ich sehr gelungen!
Matt – Ich habe mit computern nichts am hut. Für mein leben haben sie einfach keine bedeutung, aber das wird sicher nicht immer so bleiben. Writing is a lost art, I´ve heared…. keep it alive… Print! Print! Print!

Rob – Ja Ja, und ich mußte gerade deine ganzen antworten in den computer tippen, cyber-inept shit!

Werden eure freundinnen eigentlich leicht eifersüchtig wenn euch die ganzen groupies bei konzerten umgarnen? * lol *

Matt – Habe weder freundin noch groupies.
Rob – Ich habe auch keine freundin. Hast du dir eigentlich mal die lyrics auf unserer platte angehört? Wir sind total pathetisch.

Natürlich habe ich mir eure lyrics angehört. Aber ihr erwartet von einem deutschen sauerkraut wie mir doch jetzt nicht ernsthaft auch deren tieferen sinn zu verstehen, oder?!… nee, war ja nur spaß. Aber ihr macht jawohl auch witze, wenn ihr mich ernsthaft glauben machen wollt, daß groupies für euch etwas völlig fremdes sind. Besser ihr rückt gleich mit der wahrheit raus bevor ich´s aus anderen quellen erfahre. * lol *

Es ist leider wahr! *traurigguck*

Nun gut, kennt ihr KAMPFSTERN GALACTICA? Vielleicht könnt ihr ja endlich diese frage hier beantworten, welche in TRUST reihen seit Jahr und Tag ein einziges Mysterium darstellt. Diese kleinen Einmann-Kampfschiffe sind mit einem Steuerknüppel ausgestattet auf dessen Oberseite sich 3 Druckknöpfe befinden. Einer davon ist für Schubumkehr und einer zum feuern. Aber wozu verdammt ist der mittlere Knopf?

Matt – Yeah! Ich war ´ne ganze zeit großer Galactica fan. Wenn also ein knopf für schubumkehr und einer zum feuern ist, dann nehme ich an, daß der mittlere für torpedos oder hyper-speed ist.
Rob – Handbremse?! Ich glaube ja nicht, daß die kleinen fighter ships mit hyper-speed ausgerüstet waren.

Eine andere theorie besagt, es handle sich bei dem knopf um die aktivierung des automatischen arschabwischsystems. Was haltet ihr davon?

Klar, so blieben auch ihre fluganzüge immer schön sauber und orange.

5:1

Matt – Ich war schockiert aber sehr glücklich. Hmm… Es tut mir leid, aber die deutschen scheinen nicht mehr die gleiche bedrohung wie früher zu sein. Vielleicht müssen sie sich mehr um ihre jugendarbeit kümmern, um mal wieder neue große talente hervorzubringen. Und vor allem brauchen sie einen stürmer!
Rob – Und eine verteidigung.

Da mich fußball ja eigentlich nicht die bohne interessiert, hat mich dieses desaströse resultat natürlich köstlich amüsiert. Aber wie dem auch sei, wer wird weltmeister?

Ich mag frankreich. Sie haben zur zeit einfach ein brillantes team. Aber an einem guten tag kann england jeden gegner schlagen. Nur wann hat england schon mal einen guten tag…

Amen 🙂

© Kommando Friesische Wiese

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