Februar 15th, 2019

NACHSCHLAG IN SACHEN VINYL SPECIAL (#160, 2013)

Posted in interview by Jan

VINYL SPECIAL Teil II – Vinyl vs. Business mit X-Mist Records, Music on Vinyl, Cargo Records/Vertrieb, Twisted Chords Label/Mailorder, Green Hell Mailorder, Flight 13 Duplication und Flight 13 Mailorder/Label

von: Bela

Angefixt von der Interviewreihe der TRUST-Ausgabe # 157 um das Vinyl Special, das sehr, sehr lesenswert, super interessant und eigentlich längst schon überfällig war und zudem auch durchaus zur Motivation beiträgt, sich beim nächsten Mailorder oder Plattenladen mit neuem, schwarzen Gold einzudecken…

Und auf der anderen Seite angewidert und abgetörnt von den überteuerten Vinylpreisen, die sich zum Teil innerhalb von ein paar Jahren fast verdoppelt haben und der erschreckend, kritiklosen Hinnahme der breiten Käuferschicht, entschied ich mich einen zweiten Teil des Vinyl Specials hinterher zu schieben.

Weil das Thema eben doch viel zu aktuell und präsent ist, um es hinzunehmen, als herrsche darüber eine „Schweigepflicht“. Besonders wenn bei einem aufmerksamen durchblättern der Mailorder immer wieder neue „Tricks“ zu entlarven sind, wie ein Tonträger preislich aufgewertet werden kann, sei es in Form von „Special Luxusausführungen“ auf 180 g, auf buntem Vinyl oder einem hochwertigen Coveratwork. Bis hin zu dem neuen Trend, das eine kurze Spieldauer eines Tonträgers die z.B. auf eine Single gepasst hätte, doch auf einer 12“ breitgetreten wird. Oder das gleiche Spiel, das aus zwei Singles vier gemacht werden, wie bei OFF! oder das völlig sinnentleerte Re-Release der RANCID LP´s, die nun nicht als LP, sondern als Singles wiederveröffentlicht wurden, so werden aus einer LP fünf bis sechs Singles und mit der Masse (das muss ich niemanden erzählen) erwirtschaftet sich natürlich auch mehr Umsatz.

Eine sehr fadenscheinige Entwicklung, wie ich finde, die trotz der starken Umsatzeinbrüche durch illegale mp3-Downloads nicht einfach hingenommen werden sollte. Aber gewiss auch ein sehr komplexes Thema, das es zu hinterfragen gilt, bevor vorschnelle Urteile oder Entschlüsse entstehen oder gefällt werden. Was mich letztendlich dazu veranlasste, den bereits im Trust # 157 interviewten Bieber von der Flight 13 Duplication, nochmals mit ein paar Fragen nach zu hacken, warum im Vinylbusiness innerhalb von ein paar Jahren solch eine Preisexplosion stattgefunden hatte und inwieweit sich die Preise rund um den ganzen Herstellungszyklus, also von der Produktion, zum Mastern, bis hin zum Druck/Grafik usw. gesteigert hatte, um diese überhöhte Preispolitik überhaupt zu gerecht fertigen. Nachdem Bieber mir mitteilte, das die Preise innerhalb der Herstellung gar nicht so drastisch gestiegen sind und wie schon zu vermuten die Preispolitik eher an den Labels liege, lief sozusagen der Stein ins rollen und ich befragte ein paar Labels/Vertriebe/Mailorder… 1 (siehe Fussnote)

Zur Einstimmung auf das Thema „Vinylpreise“ etc. zunächst der Beitrag von Armin Hoffman von X-Mist Records und der von Eric Guillot von Music on Vinyl.

Beitrag von X-Mist Records

Generell sind die Preise für Vinylproduktionen in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) tatsächlich stark angestiegen. Das hat natürlich in erster Linie ökonomische Gründe wie Inflation, ganz unabhängig von Labels und ihrer Politik. Das wirkt sich nicht nur auf die reine Vinyl-Produktion und die Drucksachen (Etiketten, Cover, u.s.w.) aus, sondern auch auf Nebenkosten, die man bei einer Veröffentlichung nicht übersehen sollte: Werbungskosten, Versandkosten, Promos und Freiexemplare, etc. Darüber hinaus muss man auch berücksichtigen, was und wie viel ein Label in Promotion investiert. Heutzutage reicht es ja nicht mehr, ein Besprechungsexemplar an Zeitschriften zu schicken, damit es dort besprochen wird.

Solche Sendungen landen in aller Regel sofort im Müll (oder im 2nd-Hand-Laden). Da muss man dann schon eine Promo-Agentur haben, die den Damen und Herren hinterher telefoniert… Ein weitere Frage ist dann, ob das Label die Studiokosten für die Aufnahmen bezahlt. Vielleicht bekommt die Band bzw. der Künstler auch noch jede Menge Frei-Exemplare, die man dann von den Verkaufsexemplaren abziehen muss, bzw. sich deren Preiskalkulation entsprechend erhöht. Dann wären da u.U. noch GEMA-Gebühren, oder ein Gewinnanteil den man der Band verspricht. Nimmt man all diese Faktoren zusammen, kann gut und gerne mal eine Kostenkalkulation zusammen kommen, die das 3-4fache der reinen Herstellungskosten darstellt.

Je nachdem wie ein Label all dies handhabt, können ganz unterschiedliche Dinge dabei raus kommen. So könnte es z.B. sein, dass ein Verkaufspreis von 15 Euro tatsächlich Abzocke ist, während bei einer anderen Platte (mit all den o.g. Kosten) diese 15 Euro gerade mal die Kosten und Mühen decken. Man muss also von Fall zu Fall differenzieren und sollte den Vorwurf der Geldmacherei nur dann äußern (oder denken), wenn man die Umstände kennt und weiß, was das Label außer den Herstellungskosten noch in die Platte investiert. Mir ist bewusst, dass manche Labels zwar 500 Platten herstellen lassen, aber heutzutage die Verkaufschancen für ihre Platten nur bei einer Menge von 200-300 Exemplaren liegen. Man kann diesen Labels dann keinen Vorwurf machen, wenn sie die Herstellungskosten auf einen Verkaufspreis umlegen, der dieser zu erwartend geringen Menge an Verkäufen entspricht. Es gibt aber auch Labels, die sehr wohl wissen, dass sie allein schon 500 Exemplare im Vorverkauf losschlagen können – und trotzdem (oder gerade deswegen?) Verkaufspreise ansetzen, die ihnen einen Profit von gut 100% versprechen. Oberflächlich (als unwissender Kunde) erscheint Einem die Preispolitik der Einen wie der Anderen als identisch. Aber in Wahrheit ist’s bei den Einen gerade mal kostendeckende Liebhaberei und bei den Anderen Profitgier.

(Armin Hofmann)

Beitrag von Music on Vinyl

Du solltest in deinem Artikel betonen, dass viele Unbekannte und verschiedene Parteien eine Rolle spielen, bezüglich der Konsummentenpreise für Schallplatten. Es gibt einen indirekten Zusammenhang von verschiedenen Kosten durch mehrere Unternehmen und Partner, bevor die Schallplatte für den Konsummenten abspielbereit ist.

– Aufmachung/Entwicklung des Produkts:Hüllen/Cover Aufmachung und ein hochwertiger Musik Schnitt kosten Geld,
– Produktion und Verpackung, hinsichtlich der Qualität und des Gewichts der Schallplatte und der Verpackung (inklusive Booklets, Umschlagklappen und Spezialdrucktechniken) beeinflussen den Preis. Des weiteren kommen hier immer weiter steigende Kosten von nicht nachwachsenden Rohstoffen (Öl, Chemikalien und Papier) ins Spiel. Heutzutage ist die Produktion von Schallplatten weniger populär und damit auch weniger verbreitet, als zu ihren Hochtagen. Das erhöht den Preis zusätzlich.
– Lizenzen/Lizenzgebühren: Künstler und Labels werden und sollten, gerade deshalb, über den legalen Kreislauf für ihr Schaffen belohnt werden,
– Vertrieb: Seit dem Wiederaufleben der Schallplatten haben sich die Absatzzahlen stark erhöht, dadurch sind die Lagerungskosten gestiegen. Zusätzlich sind durch höhere Spritpreise, höhere Transportkosten entstanden, welche wiederum auf den Endverbraucher umgelegt werden,
– Nachverkauf, Umkosten und
– Werbung: Jeder Partner (Label/ Produktionseinrichtung/ Vertriebsgesellschaft/ Laden) hat seine eigenen Vorstellungen, was Gewinnspanne, Qualitätskontrolle und Servicestandards betrifft. Dies beeinflusst Preisschwankungen überdurchschnittlich. Danke vielmals.

(Eric Guillot, Übersetzung: Hurz Tobi)

Interviews mit (2, siehe Fußnote am Ende)
Felix von Cargo Records/Vertrieb
Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder
Chris von Green Hell Mailorder
Bieber von der Flight 13 Duplication
Tom vom Flight13 Mailorder/Label

Könnt ihr mir vielleicht erklären, wieso in den letzten Jahren, die Vinylpreise so drastisch nach oben gestiegen sind. Sind da in erster Linie, die Labels dafür verantwortlich oder stiegen auch die Herstellungs-, Mastering- und Produktionskosten etc. drum herum so sehr in die Höhe, damit der fast doppelte Preis (also statt rund 10, nun rund 20 Euro) dafür gerechtfertigt ist? Und was hältst du persönlich von dieser Preispolitik?

Felix von Cargo Records/Vertrieb: Für den schleichenden Anstieg der Vinylpreise gibt es sicherlich nicht DIE eine Erklärung. Dafür spielen zu viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Es gibt auch nicht DEN einen Vinylpreis. Immer noch gibt es Vinyl günstig auf manchem Konzert zu kaufen oder direkt über Webseiten von Labels. Je mehr Zwischenhändler es gibt, bis ein Endkunde sich die Platte für das heimische LP-Regal kauft, umso höher der Preis. De facto ist Vinyl im Vergleich zu CDs und mittlerweile auch Mp3s ein absolutes Nischenprodukt, das medial aber überdurchschnittlich oft hervorgehoben wird. Nichtsdestotrotz haben viele Verkäufer geschnallt, dass Vinyl-Fans Haptiker und Sammler, ergo bereit sind Geld für schön aufgemachte Platten auszugeben.

Und gerade die „Großen“ wie Amazon etc… sind in erster Linie an Gewinnen interessiert und wenn die Nachfrage an einem Produkt steigt, „kann“ man eher an der Preisschraube drehen. Das Leben wird generell teurer, Stichwort Inflation etc… also darf man sich nicht wundern, wenn nicht nur die Butter/Margarine (für die Vegetarier/Veganer unter uns) teurer wird sondern jeder Artikel. 2012 wurde nicht umsonst das Jahr der steigenden Spritpreise, ergo auch steigender Ölpreise – was am Ende des Tages eben auch dazu führt, das sämtliche, auf Öl basierende Produkte irgendwann teurer werden.

Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder: Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich und das Thema ist extrem komplex, ich versuche es mal auf ein paar entscheidende Punkte runter zu brechen. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die je nach Größe des Labels / der Band mehr oder weniger ins Gewicht fallen. Zunächst einmal: die Produktions-und Herstellungskosten sind nur unwesentlich gestiegen bzw. eben im Rahmen der „normalen“, üblichen Teuerung. Einige Faktoren wie beispielsweise Drucksachen (Inlays, Texthefte etc.) sind sogar günstiger geworden durch Digitaldruck und zahlreiche Onlinedruckereien. Aufnahmekosten sind durch neue Möglichkeiten wie Homerecording etc. zumindest variabler geworden, das reine Vinyl ist etwas teurer, die Kosten drum herum für Porto, Promo, Gema, Lizenzen, Anzeigen, Flyer, Songs auf CD-Beilagen etc. sind konstant. Die Produktionskosten alleine sind also nicht verantwortlich für die gestiegenen Preise, hier spielt vielmehr eine Rolle, dass die Absatzzahlen in einigen Bereichen massiv eingebrochen sind und es wesentlich schwierig ist, heutzutage Tonträger zu verkaufen als noch vor Jahren.

Die Anzahl an Produktionen steigt seit Jahren massiv, niemand kann auch nur annähernd einen Überblick über alles Neue behalten, geschweige denn sich alles kaufen. Dazu wird im Internetzeitalter nicht mehr „blind“ gekauft und alte Traditionen wie „ich kaufe alles von Label XY“ sind kaum noch vorhanden. Sprich: jede einzelne Produktion muss sich in einem schwieriger werdenden Markt erst einmal durchsetzen und die Gefahr von Fehlgriffen ist erheblich höher. Es mag also Labels geben, die mit einer „funktionierenden“ Veröffentlichung gleich noch einen potentiellen Flopp abdecken. Erschwerend kommt hinzu, dass bis weit in die „Nullerjahre“ hinein die gesamten Produktionskosten (inklusive Studio, Mastering, Werbung etc.) auf die Komplettproduktion umgelegt werden konnten, die größtenteils in CDs abgesetzt wurde.

Um das mit fiktiven Zahlen zu untermauern: wenn ich früher ein Album veröffentlicht habe und dabei 2.000 CDs und 500 LPs gepresst/verkauft habe, waren die anteiligen Grundkosten für eine LP überschaubar, wenn ich heute von der gleichen Produktion vielleicht noch 500 CDs, 100 Downloads und – Tendenz eher steigend – 700 LPs verkaufe, dann sind die Grundunkosten pro Tonträger erheblicher, der Preis des einzelnen Tonträger erhöht sich entsprechend. Ein weiterer Faktor für den Punkbereich ist sicherlich, dass bis vor einigen Jahren sehr viele Platten in der Tschechei zu vergleichsweise niedrigen Preisen gepresst wurden. Inzwischen pressen meines Wissens nur noch sehr wenige Labels dort, die Preise haben zwischenzeitlich auch europäisches Niveau erreicht. Für diese Labels sind also tatsächlich auch etwas höhere Herstellungspreise zu verzeichnen.

Um in die Zukunft zu schauen: der Run auf Vinyl hält momentan ungebrochen an und für viele Labels, die vor Jahren Vinyl völlig abgeschrieben hatten und ausschließlich auf CDs gesetzt haben, wird die Platte plötzlich wieder interessant. Zum einen weil insgesamt viel weniger verkauft wird und 500 LPs eben plötzlich wieder ein relevanter Absatzmarkt sind, zum anderen weil es tatsächlich eine erhöhte Nachfrage nach Vinyl gibt. Die Presskapazitäten sind aber seit Jahren die gleichen und es entstehen keine neuen, was dazu führt, dass die Presswerke aufgrund der großen Nachfrage die Preise mehr oder weniger beliebig erhöhen können.

Chris von Green Hell Mailorder: Es gibt fast niemanden mehr, der die Preise von vor ca. 5 Jahren noch hält. Selbst DIY-US-Vertriebe wie Ebullition verlangen für 7″es mittlerweile 3,75-4,50 US $ – da ist dann noch kein Cent Porto eingerechnet. Der Preissprung ist bei machen Labels Kalkül (z.B. Southern Lord, Rise Above, Music On Vinyl – die wissen halt, dass sie die die Platten auch teuer loswerden), aber bei den meisten Fällen notwendig, weil die Verkaufszahlen extrem eingebrochen sind. Wir haben mit Green Hell z.B. Anfang der Nullerjahre dreistellige CD Stückzahlen von guten Themen importiert – mittlerweile ist man froh, wenn ein gutes Thema 50 CDs verkauft. Unterm Strich ist glaube ich, ist weniger Geld da, was irgendwie kompensiert werden muss.

Bieber von der Flight 13 Duplication: Das liegt zum größten Teil in den gestiegenen Energiekosten. Wenn ich 1 Stunde LP´s presse, habe ich Kosten von ca. 10 EUR. 7,50 EUR für Gas (Dampferzeugung) und der Rest für Strom und Wasser. Dazu kommen gestiegene Kosten für das Granulat. Alleine in den letzten 2 Jahren ist eine Tonne Granulat von 1500 EUR auf 1800 EUR gestiegen. Auch bei den Vorkosten, bei der Überspielung, sind die Kosten gestiegen. Ich glaube das ist der Grund warum es insgesamt teurer geworden ist. Wobei wir noch nie unsere Preise erhöht haben. Unser Sonderangebot für 500 Lps liegt seit 7 Jahren bei 1400 EUR, wobei ich das in nächster Zeit anheben muss.

Tom vom Flight13 Mailorder/Label: Das hat bedingt was mit dem Vinyl-Comeback zu tun … vielmehr muß man hier unterscheiden, ob es sich um Platten eines kleinen Punklabel (dann meist ohne Vertrieb und deren Handelsspanne) oder große Indie bzw. Major-Labels handelt. Sicherlich spielen bei letzgenannten wirtschaftliche Interessen eher ein Rolle, wobei man schon viel Vinyl verkaufen muß, um damit Geld zu verdienen. Kleineren (DIY)Labels ist das egal, deshalb sind hier die Preise eher stabil geblieben.

Hier entfallen Vertriebskosten, oft auch (Gema-)Lizenzen, Promotionkosten, …. hier geht es oft nur um Kostendeckung. Klar finden wir LP´s für z.b. 20,- EUR die ohne tolle Aufmachung, Download-Code etc. daherkommen nicht gut, anbieten tun wir es zum Teil trotzdem, schließlich ist der Kunde mündig genug zu entscheiden, ob er soviel Geld dafür ausgeben mag. Wir weisen ja auch in unseren Besprechungen darauf hin, wenn das Vinylformat was besonderes an Ausstattung hat.

Wenn ich mir die Preise z.B. bei der Flight13 Duplication so ansehe, also: 500 12″ Vinyl LPs, schwarzes Vinyl, Schnitt- und Vollentwicklung, 2 Testpressungen, 1-2fbg Labels, 4fbg Cover 300g/m² mit unbedruckter Innenhülle, incl. Mehrwertsteuer, inkl. Versand 1400 Euro, dann ist das nicht gerade ein Vermögen, also 2 Euro und ein paar zerquetschte, pro Stück. Da fragt sich natürlich schon, wieso dann manche Veröffentlichungen den rund zehnfachen Preis ausmacht. Und wo denn dann das ganze Geld hin fließt, damit am Schluss manche LP zwischen 15-20 Euro kostet? Habt Ihr dafür eine Erklärung?

Felix von Cargo Records/Vertrieb: Die Herstellung als solche war eigentlich noch nie DER entscheidende Faktor für die Preisbildung bei Tonträgern. Was da alles mit rein spielt kann man sich auf mannigfaltigen Schaubildern im Netz reinziehen. Oder hier – http://blog.truehope.de/wp-content/uploads/2011/08/Musik-CD1-300×287.jpg. Die Aufteilung lässt sich zwar nicht 1 zu 1 auf jedes Indieprodukt ummünzen, zeigt aber trotzdem, wie viel in etwa die Herstellung ausmacht. Danke an dieser Stelle auch nochmal an die Globalisierung, ein Endkunde merkt in der Regel ja nicht unbedingt, wie viele Kilometer eine LP hinter sich hat, bis sie bei ihm landet und auch diese Frachtkosten sind teilweise nicht unerheblich.

Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder: Die Frage habe ich zum Teil schon in der vorigen Antwort angeschnitten: die Kalkulation lässt natürlich nicht auf die reinen Herstellungskosten runter brechen. Die Band will bezahlt werden und/oder bekommt Freiexemplare, die Grafiken müssen bezahlt werden, ggfs. Fallen Gema-Gebühren an, evtl. Lizenzkosten an andere Labels, Studios oder die Band, ich brauche Promoexemplare, deren Versand kostet zusätzlich Porto, ich brauche Werbung in Form von Flyern, Anzeigen, vielleicht Tracks auf CD-Beilagen, ggf. muss ich eine Agentur für ihre Promotätigkeiten bezahlen, das Studio hat Geld gekostet, Mastering, zusätzlich habe ich vielleicht noch ein Textblatt, Poster, einen Downloadcode, Aufkleber etc.

Das sind erheblichere Kosten als die reine Pressung und natürlich kannst Du letztlich keine LP für 2 Euro das Stück herstellen, die Kosten liegen in der Regel weit mehr als doppelt so hoch. Dann habe ich den fertigen Tonträger und es kommen die Vertriebswege: das Label verdient etwas am Tonträger und gibt es an den Vertrieb weiter, der verkauft den Tonträger mit entsprechendem Preiscode und verdient natürlich ebenfalls daran, das Ding landet im Laden oder beim Mailorder und der verdient zusätzlich daran, das Finanzamt freut sich noch über die 19% Steuer.

Als greifbares Rechenbeispiel: ich habe vor einigen Wochen die neue Kaput Krauts LP veröffentlicht, die kostet bei amazon derzeit 13,99 Euro brutto im Verkauf. Davon bekomme ich bei einem Verkauf wenig mehr als 5 Euro netto raus, was mir dann nach Abzug der Herstellungskosten, Lizenz etc. bleibt, kannst Du Dir denken… Besser sieht es da schon bei Platten aus, die die Band direkt auf ihren Konzerten verkauft oder – für mich noch besser – die direkt bei mir im Mailorder bestellt werden, da sind die Zwischenhändler raus und es bleibt tatsächlich etwas hängen. Da sind dann eben auch Preise von 10 Euro brutto möglich, das kostet z.B. die Kaput Krauts bei mir im Shop.

Wie kannst du es dir erklären, wieso manche Labels ihre LP´s zwischen 10-13 Euro verkaufen und andere dafür 16-20 Euro verlangen? Also wenn es sich bei beiden Pressungen um die gleiche handelt, also ohne 180 g, schwere und bunte Pressung bzw. diesen ganzen Schnick Schnack).

Felix von Cargo Records/Vertrieb: Sagen wir mal so, je mehr jemand ein Label/eine Band rein aus Leidenschaft/Hobby betreibt, umso günstiger wird er/sie eine LP anbieten können. Wer Miete, Lohn, Logistik, Marketing/Promo etc. zahlt, muss seine Produkte eben teurer verkaufen. Der eine will/muss/kann alles nahezu zum Selbstkostenpreis anbieten („Hauptsache, die Platte kommt unter die Leute und wird gehört“), der andere plant vielleicht mittelfristig für kommende Veröffentlichungen und/oder will etwas von dem Gewinn anderweitig in die Band investieren. Nach wie vor reichen die Erlöse aus dem Tonträgergeschäft für die allerwenigsten Labels, um davon leben zu können!

Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder: Nahezu alle Twisted Chords-Veröffentlichungen kosten direkt im Mailorder 9 oder 10 Euro, wenn es limitierte Versionen wie Farbvinyl, Siebdruckcover oder ähnliches gibt, dann auch mal 12 Euro. Mehr in der Regel nicht. Bei Mailordern mit denen es eine enge Zusammenarbeit gibt, sind die Scheiben in der Regel nur unwesentlich teurer. Grund dafür ist einfach, dass mir bezahlbare und faire Preise wichtig sind und ich darauf großen Wert lege.

Der Verkaufspreis ist leicht steuerbar über die eigenen Großhandelspreise und eine vernünftige Kalkulation. Anderen scheint das weniger wichtig zu sein, offenbar auch, weil der öffentliche Druck nicht mehr da ist, sich für seine Label-oder Bandpolitik zu rechtfertigen. Wer will, kann in jedem Fall auch heute noch faire und realistische Preise anbieten, ich habe da aber auch leichter reden als andere: ich lebe nicht vom Label und kann entsprechend mit geringeren Gewinnen besser umgehend als ein Label, von dem Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.

Bieber von der Flight 13 Duplication: Naja, manche hatten mehr Kosten (Studio,..) und andere weniger. Oder die einen wollen eben mehr verdienen, oder überhaupt was verdienen. und andere machen das Ganze zum Spaß. Ich denke das ist Sache des Labels welche Preispolitik sie machen (können).

Viele Labels versuchen ja ihren hohen Preis zu legitimieren, indem sie 180 g Pressungen in bunten, oder bunt gesprenkelten Vinyl oder mit einem aufwendigen „Luxus“ Coveratwork zum Verkauf anbieten. Gerechtfertigt das wirklich den hohen Preis oder ist da auch ein wenig Bauernfang dabei?

Felix von Cargo Records/Vertrieb: Es war früher teilweise einfach so, dass man Vinyl bewusst günstiger gehalten hat als die CD Version eines Artikels. Gut für den Vinyl-Freak, aber eigentlich relativ Banane wenn man die höheren Kosten für Vinyl berücksichtigt. Im Prinzip haben da gute CD Verkäufe das Vinyl stetig subventioniert. Hier hat ein Umdenken stattgefunden und mittlerweile kostet die Vinylversion eines Titels meistens ein paar Euronen mehr als die entsprechende CD. Es gibt meines Erachtens mehr Vinyl-Only Veröffentlichungen, wo dann z.B. keine „CD-Subventionen“ anfallen. Es gibt mittlerweile viel mehr Vinylveröffentlichungen von Majors. Die kalkulieren sowieso ganz anders, will sagen nochmal deutlich gewinnorientierter, was zu nochmal höheren Preisen führt.

Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder: Klar ist, dass eine aufwändigere Aufmachung teurer ist und das durchaus einen Aufpreis rechtfertigen kann, siehe hierzu auch die Twisted Chords-Preispolitik, die ich in der vorigen Antwort kurz angerissen hatte. Die Verkaufspreise hängen grundsätzlich aber nur im überschaubaren Rahmen von den tatsächlichen Herstellungskosten ab, ob eine LP in 180g oder 140g Vinyl gepresst wird, ist in der Komplettkalkulation kein relevanter Kostenfaktor.

Chris von Green Hell Mailorder: Das kommt ganz drauf an: Manche Produktionen sind halt teuer, da muss man auch Kosten umlegen. Ob aber z.B. eine Rise Above LP über 15 Euro im Einkauf kosten muss, ist fraglich. Ich persönlich sehe aus Label Sicht limitierte Auflagen als extrem wichtig an, wenn es darum geht ein Label zu finanzieren. Die 100 copies, die man dann über den eigenen Shop verkauft, ist erstmal das einzige Geld, was direkt wieder in die Kasse kommt. Nur der Preis sollte halt fair sein.
Bieber von der Flight 13 Duplication: Ich finde das zum großen Teil in der tat „Bauernfängerei“. Bzw. da wird oft eine weniger tolle Platte durch diese Extras aufgewertet. Es gibt ja oft Platten bei denen einem ein erstauntes „Wow!“ entfährt wenn man sie sieht oder in der Hand hält. Wenn man sich das aber anhört ist man maßlos enttäuscht. Ich darf mich da gar nicht weiter ereifern… Ich lebe ja davon.

Tom vom Flight13 Mailorder/Label: Ganz klar kosten die von dir genannten Dinge in der Herstellung mehr, weshalb es auch völlig legitim ist, dass der Verkaufspreis dann höher liegt. Letztendlich muss man den Einzelfall angucken, natürlich gibt es keinen Grund für eine 180 g Pressung direkt 10 EUR mehr zu verlangen … das muss alles in einem gesunden Verhältnis stehen.

Dein Fazit: Sind die hohen Vinylpreise der letzten Jahre eher Abzocke oder gerechtfertigt – oder muss man da von Fall zu Fall differenzieren?

Felix von Cargo Records/Vertrieb: Fazit – Es mag schwarze Schafe geben, die die Gunst der Stunde nutzen und Vinyl teurer verkaufen als nötig. Vinylveröffentlichungen sind in der Tat immer aufwändiger geworden (oft auch durch Dinge, die nicht jedem sofort auffallen – aufwändigeres, speziell auf Vinyl ausgerichtetes Mastering etc…), kleine Auflagen, luxuriöse Ausstattungen – das kostet alles im Einzelfall einfach deutlich mehr. Generell aber ist es für mich am ehesten der Punkt der sich ändernden Preispolitik (CD subventioniert die LP), die zur Preissteigerungen führt, gepaart mit dem Punkt „Amazon und andere“. Vinyl kann immer noch günstig erworben werden, man sollte sich nicht von den ersten 5 Treffern bei Google verschrecken lassen!

Tobi von Twisted Chords Label/Mailorder: Teils, teils, die Preise sind in jedem Fall stärker gestiegen als die Unkosten. Was mir heute fehlt, ist eine kritische Auseinandersetzung darüber wie Bands und Labels arbeiten, was sie machen, in welchem Rahmen sie sich bewegen und wie entsprechend auch ihre Preispolitik aussehen könnte. Das soll kein Geschwätz von der „guten alten Zeit“ sein, aber während es vor Jahren noch Auseinandersetzungen darüber gab, auf welchem Label eine Band veröffentlicht – Stichwort Major oder Indie -, in welchen Läden sie spielt etc., findet das heute kaum mehr statt.

Fragt mal Bands wie Boy sets fire oder Chumbawamba was deren Deals mit Majorlabels für Diskussion ausgelöst haben und zeig mir eine entsprechende Auseinandersetzung aus den letzten Jahren (was um Himmels willen nicht heißen soll, dass ich die Diskussionen von damals zurück haben möchte, aber eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Entwicklungen würde ich mir wünschen). Heute habe ich den Eindruck, dass es nicht mal mehr jemanden stört, wenn eine prinzipiell coole Band wie Off! ihre LP über Warner veröffentlicht und das Ding nirgends für unter 18 Euro zu kriegen ist, übrigens auch ganz ohne besondere Aufmachung.

Chris von Green Hell Mailorder: Mein Fazit ergibt sich aus dem schon Gesagten. Manche Preise sind gerechtfertigt, mache nicht. Das eine LP nicht mehr 18 Mark kosten kann, ist relativ logisch – warum hingegen mache LPs 18 Euro im Einkauf kosten müssen, leuchtet mir auch nicht ein.
Tom vom Flight13 Mailorder/Label: Du sagst es schon, man muss differenzieren. Es gibt beides, ganz klar, aber nochmal, unsere Kundschaft ist mündig genug, selbst zu entscheiden, ob sie bereit ist, entsprechendes Geld für eine Vinyl-Veröffentlichung auszugeben. Danke für die Fragen!

Ergänzende Fragen an…Green Hell Mailorder

Mal ganz blöd gefragt, gibt es hin und wieder Veröffentlichungen, wo ihr euch denkt, wer gibt denn soviel Geld für eine runde Scheibe Plastik aus? Das grenzt doch schon an ein Nerdtum… oder dersolchen.
Chris: Aber die ganze Sache Vinyl fusst doch auf dem „Nerdtum“. Mal ehrlich: Wer genau braucht das denn wirklich? Vinyl ist zwar Kulturgut, aber wie so oft ein Gut für die besser situierten unter uns. Ich hab mit Anfang 20 nicht die Kohle gehabt, 40 Euro (letzte NEUROSIS LP) für eine Schallplatte auszugeben.

Nun aber ein paar spezielle Fragen an euch als Mailorder: Inwieweit nimmt der Kunde diese Preiserhöhung an? Verkauft ihr nach wie vor gleich viel Vinyl? Gab es schon kritische Äußerungen innerhalb des Kundenstammes?
Chris: Im Endeffekt gibt man ja als Mailorder nur die Preise weiter und bestimmt sie nicht. Das verstehen die Leute glaube ich. Und es es ja auch nicht so, daß Green Hell nur alleine teurer geworden ist. Nahezu alle passen die Preise an – aber genörgelt wird ja immer – Nach dem Motto „früher hat ne LP aber nur 18 Mark gekostet“. Das stimmt natürlich, aber früher hab ich mein Auto auch für 40 Mark vollgetankt, für ein Körnerbrötchen 45 Pfennig und für meine Wohnung die Hälfte der Miete gezahlt. Natürlich ist das alles Mist, daß die Sachen teurer werden. Der Punkt wo es schwierig wird, ist die alte Leier mit Amazon und Co.

Wie soll ich meinen Kunden erklären, warum die gleiche Platte bei Amazon 5 Euro billiger ist? Das ist so ein Punkt, wo es extrem schwierig wird. Gerade junge Leute haben keine direkte Sozialisation zum physischen Tonträger und die Preispolitik der „Großen“ hat auch nicht wirklich zu einer Sensibilisierung diesbezüglich beigetragen. Auf Festivals führe ich oft die „Waaaaaas? Die CD kostet 14 Eurooooooooo!!!!!“-Diskussion. Die Leute sind halt so unrealistische Kampfpreise der Onliner gewohnt – da geht sämtliches Gespür für Wertigkeit verloren. Wenn man für die mainstreamigeren Themen der großen Vertiebe sowas wie eine Buchpreisbindung hätte, gäbs das Problem auch nicht so extrem.

In welchem Spektrum, halten sich die Verkaufszahlen zwischen Vinyl und CD? Zu wieviel Prozent verkauft ihr in etwa Vinyl und CD´s? Und wo seht ihr die Zukunft der beiden Tonträger?
Chris: CD ist bei uns nahezu tot. Beim Vinyl weiss ich nicht, wie lange die Leute die Preisexplosion noch mitmachen.

Eigentlich war es doch schon immer klar, das Vinyl in der Herstellung teurer und aufwendiger ist, als bei CD´s. Wieso aber waren dann so viele Jahre, die CD´s meist teurer als das Vinyl?
Chris: Weil CDs ein Hauptmarkt waren – und Vinyl wurde glaube ich auch jahrelang zu günstig angeboten.

Inwieweit machten sich die illegalen mp3 Downloads auf euren Umsatz bemerkbar? Habt ihr das Gefühl, das immer mehr aus dem Netz gezogen wird oder kam es da in den letzten Jahren zu einer Rückgesinnung zum good, old Vinyl, was wieder Grund zum aufatmen lässt?
Chris: Bei uns ist das ganze Tech-Metal-/ Metalmoshzeug extrem eingebrochen. Keine Ahnung ob die Leute das illegal oder legal downloaden, oder ob das einfach als physischen Tonträger niemanden mehr interessiert. Ein Caliban Konzert ist an sich immer voll – nur Platten verkaufen wir davon nicht. Evtl. kaufen die Leute einfach bei EMP – wer weiß das schon. In manchen Genre ist auch die „Uniform“ wichtiger als das ganze Album…

Und welche Rolle spielt da heutzutage das Merchandising? Viele Bands behaupten ja, das sie von dem Tonträgerverkäufen sich schon längst nicht mehr übers Wasser halten können. Aber dafür mehr Livegigs spielen und auf einem auserwählten Merchandisingstand zum Verkauf anbieten. Ist das bei euch ähnlich bzw. könntet ihr ohne Merchandisingverkäufe noch überleben?
Chris: Ich kann dir nicht die Prozentzahlen sagen, weil ich sie nicht weiss – aber manche Merch-Sachen laufen schon super. Aber das ergänzt sich ganz gut, wir haben da viele Merch/Tonträger-Besteller. Und ich kann mir das sehr gut vorstellen, daß Bands nicht von ihren Tonträgerverkäufen leben können. Ein Shirt kannst du dir halt nicht selber machen – Korrektur: kannst du natürlich schon, ist aber in den Augen der Kids nicht cool. Wir sind ja nicht in den 80ern bei einer Suicidal Show, hehe. Obwohl das eigentlich den wahren Fan ausmachen würde, oder?

Was mir auch aufgefallen ist, das die Preisspanne zwischen den verschiedenen Mailordern auch unterschiedlich ausfallen. Z.B. liegt da ihr, neben den kleineren oder D.I.Y. Mailordern schon in der höheren Preisklasse. Auch habe ich manchmal den Eindruck, das mancher Tonträger, Buch etc. bei euch oft 1-2 Euro mehr kostet wie bei der naheliegenden Konkurrenz wie z.B. Flight13. Was ist da der Grund dafür? Ist das eher ein Preiskampf um die Kunden oder habt ihr diese Bonuseinnahmen nötig?
Chris: In der Regel liegen wir schon auf einer ähnlichen Preisstufe – mache Sachen sind bei uns billiger oder teurer, mache bei der Konkurrenz. Woran das liegt hat die unterschiedlichsten Gründe (Lohn-, Lager-, Transport-, Lieferantenkosten, um nur einige zu nennen). Unser Ziel ist es nicht, der billigste zu sein, sondern angemessen zu kalkulieren, so daß am Ende des Tages alle Unkosten gedeckt sind und eine Firma gesund und rund läuft. Das einzige, was im Tonträgerbusiness ziemlich sicher ist, ist daß man ganz sicher NICHT reich wird – was aber auch nie die Motivation war. Jede andere Branche hat von Haus aus attraktivere Margen. Nahezu alle DIY-Mailorder machen die Sache als Hobby, haben weder Angestellte noch Lager/Ladenkosten – Da muss man ja nicht wirklich über unterschiedliche Preiskalkulationen reden, oder?

Ergänzende Fragen an… Flight 13 Duplication

Du sagst 500 LP´s plus 100 Pressungen als Picture Vinyl würden nicht mehr als 2300 Euro kosten, das macht einen Stückpreis von 3,87 Euro. Oder die billigere Variante: 500 12″ Vinyl LPs, schwarzes Vinyl, Schnitt- und Vollentwicklung, 2 Testpressungen, 1-2fbg Labels, 4fbg Cover 300g/m² mit unbedruckter Innenhülle, inkl. Mehrwertsteuer, inkl. Versand 1400 EUR- ist nicht gerade ein Vermögen, also 2 Euro und ein paar zerquetschte, pro Stück. Was würde es ungefähr oder durchschnittlich noch kosten, wenn ihr die Aufnahmen mastert und hast du auch eine Ahnung was man für die Drecks-GEMA abdrücken muss. Damit wir ungefähr eine Vorahnung bekommen, in welchen Preisverhältnis sich eine einzelne LP bewegt.
Bieber: Mastering wird nach Minuten verrechnet. eine LP mit sagen wir mal 40 Minuten kostet 300 EUR netto. Die GEMA kostet nur wenn man Mitglied ist oder Songs covert die gelistet sind. Ansonsten kostet das nichts und ist ein rein formaler Akt. Was es kostet wenn Du GEMA Mitglied bist wird über einen komplizierten Schlüssel berechnet. Das kann Dir nur die GEMA sagen.

Meistens sind das ja größere Bands/Labels. Was würde also eine 10000er Auflage auf 180 g mit bunten/oder bunt gesprenkelten Vinyl kosten? Und hast du evtl. auch eine Ahnung, wie viel ein aufwendiges Coveratwork in dieser Größenordnung kosten würde?
Bieber: Da muss ich Dir widersprechen. Das ist bei kleinen Labels das Gleiche. Ich würde eher sagen dass das ein Problem von kleineren Labels ist. Während größere auf die Kohlen schauen, machen das kleinere zwar auch, aber sie denken auch dass sie sich durch eine aufwändige Verpackung von den Großen absetzen müssen. Was so was (mehr) kostet kann man pauschal nicht sagen. Aber da kommen schnell 1000 EUR zusammen.

Auf eurer Internetseite, steht in der Selbstauskunft „Preisschlachten mit Großunternehmen werden wir nicht mitmachen“. Was sind das für Großunternehmen und wie können wir uns diese Preisschlacht vorstellen?
Bieber: Damit ist gemeint dass wir nicht mit den Discountern mithalten können (und wollen). Das sind z.B. HOFA Media. Die haben CD Preise, das ist der Wahnsinn. Das ist ein Discounter. Das sind wir nicht. Wir wollen uns davon abgrenzen. Weil es kommen natürlich immer leute die sagen: Hey, da ist das billiger. Und dann sollen die eben bei den Discountern pressen wenn sie das wollen.

Ergänzende Fragen an…Flight13 Mailorder/Label

Mal ganz blöd gefragt, gibt es hin und wieder Veröffentlichungen, wo ihr euch denkt, wer gibt denn soviel Geld für eine runde Scheibe Plastik aus? Das grenzt doch schon an ein Nerdtum… oder dersolchen.
Tom vom Flight13 Mailorder/Label: Ja, das gibt´s sicher mal, wenn auch nicht oft … wenn´s totaler Unsinn ist, bieten wir es gar nicht erst an!

Nun aber ein paar spezielle Fragen an euch als Mailorder: Inwieweit nimmt der Kunde diese Preiserhöhung an? Verkauft ihr nach wie vor gleich viel Vinyl? Gab es schon kritische Äußerungen innerhalb des Kundenstammes? In welchem Spektrum, halten sich die Verkaufszahlen zwischen Vinyl und CD? Zu wie viel Prozent verkauft ihr in etwa Vinyl und CD´s?
Tom: Wir verkaufen i.d.R. ca. 3/4 auf Vinyl, daran hat sich nicht viel geändert. Es gibt immer wieder Themen, wo wir heute mehr CD´s (anteilig) verkaufen als vor 10 Jahren, weil die LP heute teurer ist, und die CD noch genauso viel kostet. Andersrum haben wir ganz viele Alben, die gehen nur auf Platte. Natürlich gibt es Leute, die sagen XY EUR ist mir zu teuer für die Platte, die kaufen dann entweder nix oder weichen auf das meist günstigere CD Format aus. Generell haben wir aber keine Probleme mit den Preiserhöhungen. Da Vinyl ja deutlich teurer in der Herstellung ist sind diese ja auch oft gerechtfertigt.

Und wo seht ihr die Zukunft der beiden Tonträger?
Tom: Ganz klar, Vinyl wird es (hoffentlich) ewig geben und die CD Sales werden weiter rückläufig sein. Zum Glück sinken hier schon die Preise …. Eigentlich war es doch schon immer klar, das Vinyl in der Herstellung teurer und aufwändiger ist, als bei CD´s.

Wieso aber waren dann so viele Jahre, die CD´s meist teurer als das Vinyl?
Tom: Geld! Die Tonträgerbranche war heil froh, als man endlich was hatte, wo die Marge mal wieder groß genug war und man diesem Mehrwert dem Kunden als „High-Tech“ mit Super-Sound verkaufen konnte. Auch wir haben davon profitiert, obwohl hier keiner von uns Fan der CD ist/war. Andersrum muss man aber sehen, dass Vinyl jahrelang zu günstig war …

Inwieweit machten sich die illegalen mp3 Downloads auf euren Umsatz bemerkbar?
Tom: Null, wir machen den Mailorder nun seit über 25 Jahren und sind in der glücklichen Lage viele treue Stammkunden zu haben, die auch mit uns älter werden. Davon haben etliche nicht viel mit Downloads am Hut. Außerdem legt heute fast jedes Label seiner LP einen gratis Download-Code bei – was ein durchaus schicker Mehrwert darstellt für die, die so was gerne nutzen.

Habt ihr das Gefühl, das immer mehr aus dem Netz gezogen wird oder kam es da in den letzten Jahren zu einer Rückgesinnung zum good old Vinyl, was wieder Grund zum aufatmen lässt?
Tom: Schwer zu sagen…. Auf Flight 13 bezogen habe ich dies nicht bemerkt, wir haben seit Jahren stabile, leicht steigende Umsatzzahlen. Für uns war Vinyl nie weg… ich muß mich immer zurückhalten, wenn die Leute sagen „Vinyl, das gibt´s jetzt wieder!“. Wie gesagt, es war nie weg, aber wir machen das halt schon ewig, und als ich damit anfing, gab´s noch keine CD´s, Ende der 80er …

Und welche Rolle spielt da heutzutage das Merchandising? Viele Bands behaupten ja, das sie von dem Tonträgerverkäufen sich schon längst nicht mehr übers Wasser halten können. Aber dafür mehr Livegigs spielen und auf einem auserwählten Merchandisingstand zum Verkauf anbieten. Ist das bei euch ähnlich bzw. könntet ihr ohne Merchandisingverkäufe noch überleben?
Tom: Ja klar, wir machen ja quasi null Merchandise. Die paar Bandhemdle kann ich an ein paar Fingern abzählen. Nein, im Ernst, das Flight 13 Programm ist immer auch ein Abbild unserer Crew, und da sich hier niemand für Merch interessiert gibt´s das auch fast nicht bei uns. Ich habe zusammen mit meinem Freund Holger von der Shirtmanufaktur die „Artshirt-Kollektion“ in´s Leben gerufen. Das ist ein bunter Haufen KünstlerInnen von denen wir Shirts drucken und diese anbieten. Das macht in erster Linie Spaß, hat mit Merchandise und Geldverdienen nix zu tun. Wir haben immer gesagt, daß wir in erster Linie ein Musik-Mailorder sind. Das können wir, weil wir das schon immer gemacht haben. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Aber ich weiß von anderen, daß Merchandise für sie ein wichtiges Standbein ist.

Was mir auch aufgefallen ist, das die Preisspanne zwischen den verschiedenen Mailordern auch unterschiedlich ausfallen. Z.B. liegt ihr da neben einigen kleineren oder D.I.Y.-Mailordern ungefähr in der Mitte, wobei Green Hell, für die oftmals gleichen Tonträger, Bücher etc. 1-2 Euro pro Stück mehr verlangt wird als bei euch. Was ist da der Grund dafür? Ist das eher ein Preiskampf um die Kunden oder habt ihr diese Bonuseinnahmen gar nicht nötig?
Tom: Einnahmen hat jeder nötig. Wir sind hier 10 Leute (nicht alle Vollzeit!), da kommt schon einiges an Kosten zusammen. Wir probieren gute & faire Preise zu machen und halten wenig von Kampfpreisen, sind diesen leider öfters selbst ausgesetzt, weil die richtig Großen da Gas geben. Solange wir hier so mit den Einnahmen und Kosten hinkommen ist alles gut. Wir haben ja keine vollkapitalistische Ausrichtung auch wenn wir am Kapitalismus teilnehmen. Es geht nicht um Maximum Profit, sondern um ein faires Miteinander. Das gilt sowohl unseren Kunden gegenüber, sowie untereinander. Meine Philosophie folgt einem buddhistischen Ansatz, dass alles was man in die Welt gibt, zurück kommt. Wieso sollte ich dann jemand schlecht behandeln?

Fussnoten

1) Wobei ich mich auch nicht zurückhalten konnte, ein paar Majorlabels um ein Interview anzufragen. Das einzige Majorlabel, das mir antwortete, wenn auch nur mit einer formalen Absage war EMI: „Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Das Musikgeschäft hat in den letzten Jahren heftige UmsatzeinWobei ich mich auch nicht zurückhalten konnte, ein paar Majorlabels um ein Interview anzufragen.

Das einzige Majorlabel, das mir antwortete, wenn auch nur mit einer formalen Absage war EMI: „Vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Das Musikgeschäft hat in den letzten Jahren heftige Umsatzeinbrüche erlitten, im Wesentlichen verursacht durch Selbstüberspielen von CDs und illegales Downloaden und Weiterleiten von Musikstücken. Die Unternehmen der Musikindustrie waren gezwungen, sich personell an diese schwierige Marktsituation anzupassen. Leider haben wir deshalb nicht mehr die personellen Ressourcen, um Anfragen dieser Art bearbeiten zu können. Wir bedauern, Ihnen keine andere Antwort geben zu können. Mit freundlichen Grüßen Ihr EMI-Team“.

2) Die Reihenfolge der Antworten innerhalb der jeweiligen Frage ist identisch mit der der Überschrift. Einige Redundanzen (in den Fragen) wurden ausschließlich wegen der besseren Lesbarkeit editiert. Wenn Antworten einiger Gesprächsteilnehmer hier nicht auftauchen, hat das den Grund, dass wir noch einige Nachschlag-Interviews führten, die im Anschluss kommen. (Die Redaktion).

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