Juni 10th, 2019

MURDER DISCO X (#141, 2010 )

Posted in interview by Jan

„So where’s your holy trinity when they bomb another clinic in a vegan revolution backed by major distribution… Pro life nazi scum“ – Interview mit MURDER DISCO X

Du hörst Earth Crisis, Madball und die Soloalben von Stigma, wenn du nicht gerade zum Pumpen gehst oder deine Alte für dich das Powermüsli erntet, und überhaupt, HC heißt mal wieder richtig deine Mutter ficken, ne geile Gang machen, nen WOLFPACK, und Metalmosh und Kohle machen? 18 verschiedene Tshirt-Motive pünktlich zum ersten Demo mit 4 Songs fertig, fett 3 Homepages pro Bandmitglied wegen zu großem Ego für eine, Konzerte grundsätzlich durch mypsace comments buchen? Alta! Herzlich Willkommen, du liest genau das richtige Interview!

Ok, echt jetzt, ich will nix hören von wegen „Der Jan wieder, wieder interviewt der da ne alte Band, wo bleiben die jungen Bands?“ Ich sage: gute Musik und gute Einstellung hat nix mit dem Alter zu tun und meistens haben ältere Kapellen naturgemäß mehr zu erzählen. In dem Falle der Stuttgarter Band MURDER DISCO X stimmt das auch und vor allem: es sind auch interessante Stories!

Musikalisch geht es bei MURDER DISCO X (was für ein Bandname im Übrigen!!!) um alten US-HC, ein Hauch von Discharge mit der einen oder anderen Anarcho-Punk-Melodie. Entstanden ist MDX unter dem Namen 1997 aus Bassisten Peters und Sänger Ralfs (mit dem ich auch dieses Interview Anfang Dezember 2009 führte) alter Band TIME TO SUFFER POWER. Beide sind auch heute noch in der Band, komplettiert wird das Line-Up durch Bea an der Gitarre und Chris, Trommel. Man veröffentlichte u.a. auf Profane Existence, Twisted Chords und Flowerviolence (alles ausführlich und akribisch auf der schicken Homepage inkl. reichhaltiger Diskografie nachzulesen).

Über das Profane Existence kam dann eine Diskografie heraus, und in diesem jenem Ami-Heft, was vor Jahren mal öfters als wie heute evtl. 1x im Jahr als Buch herauskam, nahm ich zum ersten Mal von der Band wahr, glaube ich. Muss man sich mal vorstellen: da liest man in einem Heft aus Minneapolis über eine deutsche Band 3 Bahnstunden (ich wohnte damals in Leverkusen) weiter weg. Aber warum eigentlich nicht? Wie sonst auch? Wobei ich vorher das Plot las, wo Ralf mitschrieb, aber da las ich nix von der Band, glaube ich… nun ja, lange ist es her, 2007 dann Murder Disco X im Komma in Esslingen gesehen, spitze. Aktuell rückte mir die Band wieder ins Bewusstsein, weil ich in Stuttgart mit Ralf von der Band mich länger unterhielt und durch deren neue Veröffentlichung auf Fucking Kill Records, eine Split mit eben MDX, Corrosive und zwei osteuropäischen Crustenbands. OK OK OK, und dann war da noch dieses Messageboard… Ich wünsche euch viel Spaß bei diesem Interview, wieder mal eine kleine Zeitreise durch die Punk- und Fanzinegeschichte…

Hallo Ralf, schön, dass es jetzt mit einem kleinem Chat-Interview klappt. Ihr seid ja 2009 auch wieder mit einer schönen Veröffentlichung am Start, die Beteiligung an der vier Bands-Split „GROMBIERA & PAPRIKA“ -LP auf Fucking Kill Records von Chris Corrosive und ihr wart ja auch zusammen in Kroatien. Seid ihr alle in der Band komplette „Osteuropa-Fans“? Ihr spielt da ja auch auf den Festivals und wart oft auf Tour dort? Wie ist es zu der Split-LP dann gekommen?
Ralf: Hi Jan. Für ein Süddeutsches Hardcore-Magazin machen wir das doch gerne… Tja, MDX und der Balkan. Ich bin mit einer Serbin verheiratet und wir sind fast jeden Sommer nach Pula in Kroatien gefahren, wo sie Verwandtschaft hat. 1998 habe ich das erste Mal Plakate in der Stadt gesehen, auf denen das MONTE PARADISO Festival angekündigt wurde – war damals leider schon rum. Wir haben dann Rankas Cousinen unser Demo in die Hand gedrückt, die sollten das den Machern zu kommen lassen. Irgendwann Anfang 1999 kam dann eine Postkarte „we want you to play the festival“. Was wir dann auch getan haben – war der Hammer, damals auch noch vorwiegend einheimische Bands – heute spielen auch immer ein paar „Big Names“ – die alle mit unheimlicher Energie, Aggression und doch einer Latte Spaß gespielt haben.

Als Gage gab es 200 DM und eine Tüte Gras – die uns ein paar Mädels weggeraucht haben, da wir ja aufrechte Trinker und keine Hippies sind. Seit damals sind wir angefixt, haben mittlerweile viermal dort gespielt und ich bin eigentlich jedes Jahr unten auf dem Festival. Irgendwann hat die Generation gewechselt, die unten die Konzertgruppe macht und so kamen wir in Kontakt mit NULLA OSTA aus Pula. Haben so in alter DIY-Tradition Gigs getauscht und Konzerte vermittelt, NULLA aufs Be-part geholt und solche Aktionen halt. Irgendwann kam dann unser Ex-Yugo Tour, die uns bis runter nach Skopje geführt hat, wo wir FxPxO kennen gelernt haben und in Belgrad dann das Subwar Collective mit Andrea und Nesha. Nesha singt bei NAKOT, die auch auf der Grombiera LP sind.

Seit damals haben wir halt immer wieder so Aktionen gemacht. Dann habe ich mitbekommen, dass die reformierte CORROSIVE, mit denen wir ja vor hundert Jahren mal mit der Vorgänger Band von MDX auf dem Plot-Sampler waren, Kontakte auf dem Balkan suchten und habe die mit NULLA OSTA kurz geschlossen, da ist dann eine kurze Tour von den beiden draus geworden und Chris war auch völlig Balkan angefixt. CORROSIVE und NULLA OSTA wollten dann eine 4-Way split mit einer tschechischen Band machen und haben noch eine vierte Band gesucht – da habe ich uns dann mit MDX rein gezeckt. Die Platte sollte dann unbedingt vor dem 2009 MONTE PAARDISO Festival raus kommen, die Tschechen sind nicht in die Puschen gekommen mit aufnehmen, und dann habe ich vorgeschlagen, NAKOT mit an Bord zu nehmen, was Chris, glaube ich, ganz geil fand. Das Ergebnis ist die „Grombiera & Paprika“ LP. Unsere beiden „neuen“ waren dann dieses Jahr das erste Mal mit in Pula und auch hin und weg von der Geschichte da unten. Die Idiotenrate auf dem Festival ist ziemlich gering, unsere Freunde da sind der Hammer, dann den ganzen Tag Pivo, Rakija und Meer…
Ihr seid ja hauptsächlich – von der Band her – in Stuttgart ansässig. Ah, das wunderschöne Schwabistan! Kehrwoche, Käsespätzle, Normahl, Filbinger, man muss es lieben!
Du vergisst CHAOS Z, ÄTZER 81, WIZO und natürlich EMPOWERMENT…
Irgendwie meine ich mich zu erinnern, dass bei euch mal jemand aus USA mitspielte, die jetzt bei Dead Moon Nachfolge-Projekt in Portland… oder wie oder was war das?
Du meinst Kelly (Haliburton), er hat von 2001 – 2005 bei uns Drums gespielt. DEAD MOON kamen ja aus Oregon und er, Kelly, stammt aus Portland, Oregon. DEAD MOON hatten mal in Stuttgart gespielt, dabei kam heraus, dass Kellys Vater in den 60ern mit Fred Cole in einer Band gespielt hatte. Kelly erzählte Fred und Tody damals, dass er in Stuttgart lebt und Drums spielt. Irgendwie blieb dass wohl bei Fred hängen und als Kelly zurück in den USA war und DEAD MOON sich von ihren Drummer getrennt hatten hat er ihn kontaktiert. Seit 2007 gibt es dann eben PIERCED ARROWS mit Mr. und Mrs Cole und Kelly.
Ha ha, das ist ja mal geil, die Verbindung zu Dead Moon bzw. Cole. Wääää, du hast den Namen des Todfeindes direkt am Anfang erwähnt, das Heft aus Nagold!!! Nein, Scherz, dazu kommen wir später noch. Wie ist denn momentan die Situation bei euch, also irgendwie hab ich euch immer in die Abteilung „Politcrust Süddeutschland – profane existence- mega pc“ gesteckt. Selbstverständlich nie gehört. Ich meine, liegt ja jetzt nicht soo weit weg, weil mit PE bzw. Dan ihr ja schon viel gemacht habt. Der fand euch direkt geil oder habt ihr den/die immer schön bestochen? Seid ihr noch auf PE? Und wieso denke ich immer, dass Murder Disco X so super politisch korrekt sind, ich meine mich zu erinnern, dass du mal live meintest, dass du dich das auch fragen würdest, woher das kommt…. wobei irgendwie wäre das heute doch wieder voll geil, PC zu sein, der Mainstream ist ja total anders geworden, Mario Barth etc. oder in USA Howard Stern, also doch sehr deutliche Komiker, sehr drastische, dazu sind Pornos gesellschaftsfähig geworden, will sagen, die Gesellschaft war Mitte der 90er auch noch anders, nämlich bieder, Punk war anti-bieder, und dann kam PC HC. Heute ist die Gesellschaft anti-pc, Punk bieder und dann … scheiss Theorie, komm nicht weiter, äh ja.
Ja, die DEAD MOON-Connection hat uns einige seltsame Begegnungen via Web 2.0 eingebracht, aber die Leute haben recht schnell kapiert, dass wir doch etwas anders sind. Also das Motto von PROFANE EXISTENCE ist ja „We are not a party we are having one“ und das Bild, dass sich die meisten von PE machen, ist da ein wenig idealisiert, wenn man sympathisiert, oder zum bösen PC Monster aufgeblasen, wenn man das Ganze ohnehin nicht mag. Dass wir auf PE sind bzw. waren, liegt aber mit daran, dass wir eben keine „typische“ Crust Band bzw. überhaupt keine Crust Band sind. Wir hatten im Jahr davor die Split mit den Italienern JILTED auf AGIPUNK gemacht und unsere Veröffentlichungspolitik ist, dass wir immer zuerst das letzte Label anfragen und dann weiter sehen. AGIPUNK wollte nicht und dann habe ich die fertigen Aufnahmen an Dan geschickt, wobei wir nicht damit gerechnet hatten, dass das was werden könnte, denn Dan und Kelly hatten irgendein Beef miteinander. Dan fand es aber ziemlich geil, was wir abgeliefert hatten, gerade weil es eben kein „alles tiefer gestimmt Metal Crust war“ und hat dann die „Ground Zero Stuttgart“ raus gebracht, er hat zu der Zeit auch Sachen wie die COOTERS gemacht, die auch „anders“ waren. Natürlich waren wir dann eine der am schlechtesten verkaufenden Bands auf PE, was aber Dan nicht daran gehindert hat, unseren gesamten Vinyl Output vor der Ground Zero und das Demo auf einer Discography raus zu bringen. Leider hat sich PE ja dann mehr oder weniger zusammen gefaltet und es liegt alles zurzeit auf Eis.
„Ground Zero Stuttgart“, beste Platte! Ihr als Band müsstet natürlich „normalerweise“ auf das aktuelle Output verweisen, von wegen „Das beste, was wir jemals gemacht haben“…das wäre ja die Split, die auch wirklich toll ist, aber irgendwie finde ich Ground Zero anders…
Ground Zero mögen wir auch sehr, deshalb haben von der auch die meisten Stücke im Liveset von heute überlebt. Zu dem Zeitpunkt war die damalige Besetzung sehr gut eingespielt, wir waren vom Balkan zurück und es war klar dass unser Gitarrist zurück nach Australien zieht – da war die Ansage: genug Songs für eine LP schreiben und noch ein Abschiedskonzert mit Kieren spielen. Waren sehr intensive drei Monate. Ein Grund, warum die Platte auch anders ist, als die Vorgänger – zwei Tage vor dem Studio habe ich bei der Probe zuviel gegeben, wollte ja alles superbrutal haben – und im Studio konnte ich dann keine tiefen Töne mehr singen. Im Nachhinein war es ein Glücksfall und ich singe seitdem immer so – also wieder mehr „shouts“, die man bei etwas guten Willen auch verstehen kann anstatt „growls“. Dass die neuen Stücke anders sind, ist klar, denn es sind mittlerweile vier Jahre vergangen und wir haben neuen Drummer und Gitarristin. Allerdings sind die neuen Stücke auf dem Weg, den wir mit dem letzten Track auf Ground Zero schon eingeschlagen haben.

Wir schreiben gerade Material für die nächste Platte, bin gespannt, wo das endet, sind einige ziemliche Rockriffs dabei. Noch mal zurück zu dem „PC“ Ruf. Im süddeutschen Raum, denke ich, liegt es mit Sicherheit an meiner Beteiligung am Plot, außerdem war ich in den 80ern recht tief in der, hüstel, autonomen Szene vergraben. Eine Zeit lang war ich recht militant sXe – aus Selbstschutz, das war die Zeit in der meine meisten Freunde und Bekannten zu Junkies wurden – und habe da schon dass eine oder andere krasse Statement verbrochen und mehr als einem ans Bein gepinkelt. Außerhalb des Schwabenlands reicht es eben einfach ne Platte auf PE zu haben – da haben die Leute Angst, dass wir zum Lachen in den Keller gehen, bzw. alleine die Tatsache, dass man keine Lieder über Unity und Ficken Oi! Macht, hat einen in den 90ern ja schon zum PC Nazi gestempelt. Ich fand das auch fürchterlich, als viele dann so krampfhaft „Anti-PC“ sein wollten – und gar nicht gemerkt haben, wie aus Provosprüchen langsam konservative Meinungen wurden, die sich verfestigt haben.

Diese selbst auferlegte Askese in der Szene (kein Fleisch, kein Saufen, keine Drogen, kein rumficken) ist ja auch so hart – vor allem, wenn man das nie aus Überzeugung gemacht hat, sondern weil es zum Habitus der gewählten Szene gehört – und wenn man dann unter dem Label „Anti-PC“ endlich die Sau raus lassen kann, ist man ja immer noch Punk und Teil einer Subkultur. Oh Mann! Wir sind auf jeden Fall eine politische Band, aber ich sage auch Wichser zu einem Typ und Votze zu einer Typin, ohne jetzt da vorher die Einhaltung linker Mindeststandards geprüft zu haben.

Ich finde es faszinierend, wie Leute stundenlang über „korrekte“ Sprache streiten können – und dann stehen letztendlich doch wieder die Mädels in der Küche im AZ und die Macker machen die Mackersachen. Da sieht man, es wurde nichts verstanden. Im Endeffekt, auch wenn ich mich gerade eben selber erst über die „linken Mindeststandards“ lustig gemacht habe – das ist doch genau das wie es sein sollte. Ein gewisser Konsens, Grenzen, die einfach nicht überschritten werden, ohne dass man tagelang alles ausdiskutieren muss. Sollte eigentlich so wie mit Punk sein, niemand kann dir erklären, was Punk ist, aber jeder echte Punk kann dir zu jeder Sache sagen – „ne das ist nicht Punk“ oder „das ist Punk“.
Bei euch sind ja innerhalb der Band sehr große Gräben mit einmal Peter als Ramones Fraktion und du die Crass Fraktion… und wo stehen die anderen? Ihr habt ja mal diese „The Feeding Of The Five Hundred“ Single gemacht. Das mit Steve Ignorant von vor 2 Jahren habt ihr auch mitbekommen, wie steht ihr dazu? Anarcho-Punk selling out?
Tja, CRASS und die RAMONES, das ist so ein running Gag zwischen uns. Wir kommen aus zwei unterschiedlichen Ecken der alten Stuttgarter Punkszene und haben uns in der Vorgängerband damals auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – alter Hardcore-Punk einigen können. Wo stehen die anderen – ich glaube, dass ist so wie mit Kindern, wenn sich Mama und Papa streiten – Kopf unten halten und keine Aufmerksamkeit erregen, hehe. Ne, ohne Scheiss, unser „Neuen“ sind 20 bzw. 25 Jahre jünger als wir und haben von alleine einen guten Musikgeschmack entwickelt. Manchmal lachen die, wenn wir wie Waldorf und Statler über alte Sachen granteln – Chris hat neulich mal gemeint „Krass ihr redet da über ein Konzert, dass 10 Jahre vor meiner Geburt war“. Anarcho Punk Selling Out?

Ich sag mal so, wenigstens hat Peter dass Glück, dass in seinem Fall zu keinen peinlichen Reunions mehr kommen kann. Beim „Gathering of the 5000“ damals habe ich tagelang abgekotzt, ich sehe dass heute ein wenig differenzierter. Oft ist es auch so, dass man erst mal mehr ein Problem mit sich selber hat, weil die alten Helden eben doch anders sind, als man dachte. Steve Ignorant ist auf jeden Fall ein Guter, Gathering war aber eine Scheissaktion. Schlimmer als die Veranstaltung an sich fand ich die völlig kritiklose Begeisterung ob des Events. Da sind Leute eingeflogen, haben in Hotels gepennt, teure Tickets gekauft und in keinster Weise mal darüber nachgedacht, wie das alles zusammen passt.

Na ja, aber die (Ex-)Anarcho-Punk Szene braucht ja auch so was wie die Punk & Disorderly-Festivals. Das Ganze noch mal um den Faktor 10 gesteigert jetzt bei der AMEBIX-Reunion – ich war da schon recht früh dran, aber das hat sich dann so dermaßen krass entwickelt, dass ich letztendlich gesagt habe – leck mich am Arsch. Da wo mein AMEBIX-Patch war, ist jetzt BLACK FLAG und mein Original Vinyl habe ich nach Japan vertickt – mein persönlicher Anarcho Punk Sellout.
Tja, “Do they owe us a Blitzkrieg Bob” oder? Wollte im Übrigen noch ein großes Kompliment für eure schöne Homepage anbringen, sehr geil, wer macht die? Ihr sagt dort ja auch mit dem herrlichen Posting „Is there Life beside MySpace?“, wie arm dass ist, dass die heutige Generation sich über Myspace unterhält. Apropos unterhalten, kannst du doch noch erinnern, was der Grund für den beinahe Bühnenkampf euerer alten Bandmitglieder 2000 war, ihr schreibt da in eurer Diskografie etwas von „1997 after the addition of Herr Berger (later on also of BITCH BOYS) on guitar and Schmier (formerly of ACCION MUTANTE, later also of BITCH BOYS and SOCIAL MANIACS) on drums. …This lineup ended in march 2000 when Herr Berger and Schmier almost got into a fistfight on stage”?
Bedankt – Homepage ist von mir gebaut, ich habe zwar null Ahnung von Grafik und setze deshalb auch kaum welche ein, gibt dutzende Bandsites, die optisch einiges mehr her machen, aber ich denke, die Site ist ganz gelungen, wenn man schnell umfassende Infos über und Kontakt zu uns sucht. Trotzdem schaffen es die Webkinder tatsächlich, über unsere Homepage die MySpace Site anzusurfen und dann von da ne PM zu schicken – auch wenn da fett steht „wir buchen keine Konzerte via MySpace“. Das ist ja schon die zweite MySpace Site – die erste hatte ich mal gelöscht mit ein paar 1000 „Freunden“ drauf, nachdem ich mir gedacht habe, was will ich mit den ganzen Deppen?

Aber da die Leute echt immer nach dem Scheiss fragen haben, wir die wieder installiert, gebt dem Volk was es will. Ich frage mich nur manchmal, ob Archäologen sich in ein paar Hundert Jahren wundern werden, warum die Frauen in den frühen 2000ern auf Bildern immer von unten nach oben mit großen Augen und Schmollmund in die Kamera geschaut haben und dabei ihr Dekoltee präsentiert haben. Der Grund für die beinah- Batscherei? Oh weh, vermutlich irgendein Rumgezicke wegen einen um Millisekunden versetzten Anschlag – die konnten super miteinander saufen, aber nicht zusammen musizieren.
Hatte euer Song “Pro life nazi scum“ etwas damals Konkretes zum Thema, Hardline / Earth First? Wichtiges Thema, guter Song, guter Text, leider immer noch usw. …
Hehe, „so where’s your holy trinity when they bomb another clinic in a vegan revolution backed by major distribution“ ist dem einen oder anderen sauer aufgestoßen. Bezog sich ganz klar auf EARTH CRISIS – solche Leute sind die Blaupause, wenn man Vorurteile über puritanische Amerikaner kultivieren möchte. Und wie immer schlimmer als das amerikanische Vorbild dann die deutschen Nachahmer und Jünger – irgendwelche unter 20 jährigen faseln irgendwas vom Recht des ungeborenen Lebens, und selber schuld wenn man schwanger wird und die Frau muss da durch – fast schon so völkischer Brutgedanke schlimmer als Hitler. Und da wurden dann Mord an Ärzten gerechtfertigt die Abtreibungen durchführen – da saßen wir mit drei Vätern und insgesamt fünf Kindern und konnten uns nur wundern. Schlimm dass so eine Drecksband in 2009 wieder auf Tour ist. Noch schlimmer, dass manch einer heute diese armen Würste als prägende Band seiner Sozialisation abfeiert.
„Wenn man sich die Coverversionen einer Band anschaut, so kann man ihren Stil erraten“, diese Theorie klappt manchmal und bei euch ja auf jeden Fall, neben dem ganz neuen Channel 3 (Catholic boy) noch DISCHARGE, VARUKERS, SOCIETY DOG, VERBAL ABUSE und VOID, also besser, als das ebenfalls auf eurer Seite zu findende Review über eure Musik kann ich es auch nicht sagen…“exciting fast and furious 80’s styled hardcore, with great d-beat sensibilities and rip roaring songs“. Aber mit diesem doch breiten Fächer an Wissen bzw. Geschmack steht ihr doch gerade in Stuttgart alleine da oder? Entweder hasse doch da eine ganz eigene Crustszene – Stichwort be part – oder die Indieszene in Esslingen oder die Streetpunkszene oder NY Mosh wie die erwähnten Empowerment… also alles Szenen die dann wirklich NUR das eine kennen (wollen). JETZT NIX GEGEN DIE LEUTE und ok, alles jetzt etwas vereinfacht gesagt, … Also ja, ihr, ihr hört England und USA und kennt den Deutschpunk usw. ja, aber… sonst hast du doch (ok, wie in anderen Städten auch, aber weil der Schwabe halt so scheiss arbeitswütig ist, hört man davon auch überall, ha ha) die totale Verselbstständigung von Subgenres oder dramatisiere ich da?
Äh – was war noch mal die Frage? Peter und ich hören beide seit über 30 Jahren Punk und seine Abkömmlinge und haben dann noch den ganzen Classic Rock mit der Muttermilch aufgesogen – irgendwie bleibt da schon was kleben. Du hast schon recht, die ganze Bandbreite hören die meisten nicht, sind auch einfach zu jung, bzw. für manche ist das auch ganz einfach nicht relevant. Da gibt es dann schon so Phänomene, dass die ganzen Bands, die den frühen Cali-HC (Prä-Trash) nachmachen, abgehyped werden, ‚zig Jahre, nachdem NO HOPE FOR THE KIDS und ähnliche das vorexerziert haben – selbst das Revival des Revivals ist halt neu für die Leute.

Wir sind da halt einfach wertkonservativ, haha, bewegen uns nicht über 1984 hinaus und lehnen uns mal mehr nach England und mal mehr nach den USA. Aber in Stuttgart gibt es einige junge Bands, die durch die Bank viel bessere Musiker sind, als wir es jemals sein werden und es gibt ja auch einige wirklich gute Bands – LIBERTY MADNESS zum Beispiel, CHEAP SOLUTION, LIGHTS OUT! (deren Basser bei uns auch mal den Aushilfsgitarristen gegeben hat, soviel zum Thema Inzest). Dann gibt es noch die anderen alten Säcke wie ACCION MUTANTE (auch mit MDX-Aushilfsdrummer) und CLUSTER BOMB UNIT – die man mehr oder weniger auch zu Stuttgart zählen kann.

NEVER BUILT RUINS war ja auch mal so eine halb Stuttgarter Band. Ich finde eigentlich, dass in den letzten paar Jahren die Szene hier wieder mehr zusammen gewachsen ist, auch Dank der AFRA (Anti Fascist Rock Action). Die Konzerte sind vom Publikum mehr durchmischt und auch Veranstalter mischen absichtlich Bands, die man früher als inkompatibel angesehen hat, also auch HC wie GUERILLA oder EMPOWERMENT oder Street Punk ala RIOT BRIGADE. Womit wir alle eher nichts zu tun haben, ist diese „Nix-Gut“ Szene, „Grauzonen“ Bands sowieso nicht. Ansonsten leidet die Szene hier eher unter allgemeiner Apathie – der Großraum Stuttgart, das sind fast drei Millionen Menschen – trotzdem schaffen es manchmal gerade mal 20 Nasen auf ein Konzert, wenn es nicht gerade in einem Innenstadt-Club ist. Seit der Räumung des ObW9 gibt es ja keinen Laden mehr, in dem die Szene frei vor sich hin wurschteln kann. Wir haben uns auch mehr geöffnet als Band und spielen Konzerte, die wir früher nicht gespielt hätten, also auch mal mit Bands, bei denen nur drei statt vier Mitgliedern morgens nach dem Aufstehen die Internationale singen, haha, du weißt was ich meine.
Ich verstehe. Ihr seid ja auf dem Sampler „They have Taken Everything: In Memory of Stig 22/08/1962 – 23/10/2004“ vertreten, Stig war von ICONS of FLITH, ich schätze mal, die Band war euch allen sehr wichtig? Warum?
Wir waren eine Woche, nachdem Stig gestorben ist, im Studio und Pete von ICONS OF FILTH hatte uns kontaktiert, ob wir nicht ein Stück für einen Tribute Sampler aufnehmen wollen. Da 3/4 der damaligen Besetzung mit dem ganzen Anarcho Kram groß geworden sind, waren ICONS OF FILTH mit ein großer Einfluss. Stig war ungefähr so alt wie wir und es war schon ein ziemlicher Schock, dass er, stocknüchtern, einfach tot umfällt. Der Sampler sollte von der Band selbst raus gebracht worden, die haben das aber dann irgendwann an PROFANE EXISTENCE übergeben und es hat fast zwei Jahre gedauert, bis er raus kam.
Bevor wir gleich noch mal in die Vergangenheit mit dem Plot Fanzine und Süddeutschland Hardcore generell abtauchen, noch mal eine Frage an die Zukunft. Man hört, ihr habt schon für 2011 ein Gig klargemacht und für 2031 auch, und zwar mit den mächtigen GO! Ihr habt ja damals schon mit denen gespielt, warst du mal der Booker von denen, hattet ihr Kontakt all die Jahre über?
Der Gig ist für GO!, aber nicht mit MDX, aber da bringst du mich auf was… Ich habe früher viele Konzerte im Großraum Stuttgart veranstaltet, 1991 auch GO! MDX gab es damals noch nicht. Von daher hatte ich den Kontakt zu Mike und ich habe die zweite 7″ seiner Nachfolgeband (ego.) heraus gebracht. Die Tage kam dann eben diese Anfrage von wegen GO! kommen in 2011 – davor fand ich es noch lustig, dass wir für ein Festival Ende 2010 angefragt wurden und habe mich gefragt „wer macht denn so was?“. Und da sagte ich zu Mike klar, kein Problem – alle 20 Jahre kann ich schon mal ein GO! Konzert machen – worauf er meinte, ich sollte 2031 dann auch gleich mal vormerken. Ja, mit Mike war ich die Jahre über in Kontakt – und er war mal genau in dem Moment unauffindbar, als ich plötzlich die Gema am Hacken hatte wegen der (ego.) 7″, weil plötzlich so ein Technoheinz aufgetaucht war, der sich ebenfalls den Künstlernamen „Mike Bullshit“ gegeben hatte und in der Gema war. Das ganze so Prä-Internet, war ein Höllenaufwand, die Jungs vom Gegenteil zu überzeugen….
2007 habe ich euch mit den Australiern von Vae Victis in Esslingen gesehenen (wo unverschämterweise der Basser auf meine Frage nach den drei besten australischen Bands – ich bot ihm die Auswahl zwischen 7 Minutes of Nausea, AC/DC und Hard-Ons an – meinte: Pisschrist)….
Na wo er recht hat, hat er recht. AC/DC bis 1980 mal außen vor gelassen.
Hattest du noch die ganze Tour von denen gefahren? Die dann später noch auf dem OEF in Tschechien gesehen, war schon geil, aber irgendwie fand ich euch besser, har har. Nee, wirklich, so sehr ich das ja geil finde, dass diy-Bands aus aller Welt durch die Welt touren können, das Problem ist, es macht halt auch jeder, har har…
Ich war nur bis Liege dabei, Peter hat die ganze Tour gefahren. Du weißt, dass der Bassist von VAE VICTIS unser alter Gitarrist war, oder? Er hat jetzt übrigens einen eine neue Band „NONE REMAIN“, witzigerweise mit einem deutschen Sänger. Cathy, die Sängerin von VAE VICTIS, hat sich in einen der Band, die mit VAE VICTIS getourt ist, GIVE UP ALL HOPE aus England, verknallt und ist nach London gezogen und singt jetzt bei denen.
Passt jetzt zugegeben nicht auf Vae Victis; die waren ja schon alt, aber heute scheinen mir recht viele Bands nur mit ner Myspace-Seite durch Europa Touren zu booken… gab’s früher sicherlich auch mal, aber eigentlich brachte die Bands doch erst Mal mindestens ne Platte raus, spielten mindestens in ihrem Land mal ordentlich, bevor es auf große Fahrt ging… heute ist das ganz anders, und es sollte ja so sein, Punk sollte ja gerade den Laien ermutigen, kreativ tätig zu werden… doof nur heute: jeder macht’s. Und alle sind übersättigt, weil so viel Mist kommt. Sorry, leichte Abweichung und Vae Victis meine ich wirklich nicht damit!
VAE VICTIS waren ja auch eine neue Band mit zwei Singles im Gepäck, die vorher in Europa nicht erhältlich waren – die haben natürlich auch davon profitiert, dass PISSCHRIST den Weg für australische, ich sag mal DIY um nicht Crust sagen zu müssen, DIY-Bands geebnet haben. Allerdings, das ist der Unterschied, denen war klar, auf was sie sich einlassen und das die ganze Tour im schlimmsten Fall ein selbst bezahlter Urlaub mit extrem schlechter Unterkunft und wenig Essen sein würde. Ich habe schon einen Haufen unbekannter Bands erlebt, denen irgendein „Promoter“ hier eine 10 Tage Tour bucht, davon fallen drei Konzerte aus und die wundern sich, dass sie ihr Geld nicht zurück bekommen – oder aber die Veranstalter waren blöd genug, dafür Garantien zu bezahlen – und damit werden dann Bands, die „realistisch“ touren wollen, die Möglichkeit genommen, dies zu tun. Der Weg – Demo, Gigs, 7″, mehr Gigs, LP, Tour- ist nicht mehr der übliche, da hast du recht. Es gibt ja auch eine andere Seite – wenn du dir manche alte und „legendäre“ Ami Band ansiehst, die heute abgefeiert, findest du recht viele, die niemals aus ihren Heimatort herausgekommen sind und manchmal keine 10 Konzerte während ihrer Existenz gespielt haben.
Natürlich wusste ich das (mit eurem alten Gitarristen (sng (kleiner Insider, ha ha)). Fährst du weiterhin denn Bands?
Nein, bin ich denn verrückt? Ist ja schon schlimm genug, mit der eigenen Band unterwegs zu sein – das mit VAE VICTIS war nur noch mal, weil Kieren einfach ein sehr guter Freund von uns ist. Ansonsten sind wir ja alle echte Business (HC) Punks, bruhaha, die ihr Geld beim Klassenfeind verdienen gehen müssen – viel Zeit für Punk-Rock Touren bleibt da nicht übrig.
Ah, super Überleitung von deinem vorletzten Antwortsatz zu „früher“, bekanntlich laut den Toten Hosen diejenige Zeitspanne, „wo die Bewegung noch Mut hatte“. Äh ja. Du erwähntest schon deine Aktivitäten beim Plot Fanzine und ich erwähnte schon die damalige Trusttypische Reaktion „Der Erzfeind aus Nagold“.
Also, mit dem Trust hatte Plot ja nicht wirklich ein Beef, außer, dass alle Beteiligten das Trust zu der Zeit als überlebt empfanden und die Inhalte des Hefts nichts mehr mit „unserer“ Szene zu tun hatten. Trust war für uns eher so was wie die populäre Front – du weißt ja „die sitzt da drüben“. Eigentlich hatten wir gar nicht vor, uns irgendwelche Erzfeinde heran zu züchten, aber die haben sich recht schnell eingefunden – vor allem, als man gemerkt hat, dass man trotz Halbseiten Anzeigenschaltung im Heft keine Hofberichterstattung bekommen hat.

Die Firmen Lost & Found und M.A.D. haben sich in ihren Geschäftsinteressen bedroht gesehen, weil dass, was die gemacht haben, für uns zu dem Zeitpunkt alles repräsentiert hat, was an „Hardcore“ in Deutschland scheisse geworden war. Moses hat dann auch teilweise so richtig paranoide Züge entwickelt, so nach dem Motto der „Feind meines Feindes ist mein Freund“ und sich grundsätzlich auf die Seite der größten Vollpfosten geschlagen, Hauptsache die waren gegen das Plot. Erzfeind aus Nagold – das war eher ein persönliches Ding zwischen Dolf und Armin, den Rest von uns bedeutete das Trust einfach nichts mehr. Wir haben das Plot ja auch hauptsächlich deshalb gemacht, weil es kein
überregionales Heft gab, das regelmäßig erschien und über das berichtet hat, was uns interessiert, bzw. weil uns die beginnende Vollkommerzialisierung der Szene remember: „metal atttidude sucks“ angekotzt hat. Letztendlich haben wir natürlich, wie alle Idealisten, verloren wenn man sich das HC-Business heute ansieht.
Zuerst Mal: damals in den 90er war ich eifriger Plotleser und wurde erst Jahre später Trust Schreiber. Plot fand ich aber immer stark, Trust auch, aber doch Plot… tja, anders („wind drum herum“). Was war das damals aus deiner Sicht für ein „Hahnenkampf“, es ging ja viel um die Popkomm, wo sich das Verhältnis Trust und Plot entzündete? 
Also ich kann, wie gerade gesagt, nicht erkennen, dass es ein Problem mit dem Trust gab, es lag für uns außerhalb der „line of fire“. Hatte das Trust ein Problem mit Plot? (Anmerkung Jan: Mir kam es immer so vor, dass da voll das Fass wäre, war wohl nix, aber wusste ich vorher nicht) Verdammt, dann hätte ich doch nicht aufhören sollen, es zu lesen. Konnte nicht schlechtes über die Trust Crew sagen, außer, dass die Inhalte des Hefts nicht mehr mit meinen Interessen übereingestimmt hatten.
Denkst du, manchmal – evtl. im Rückblick – sind die ganzen anderen Plot-Debatten, Stichwort Rykers / Lost and Found oder diese Aschenbecher Madball Story (erzähl die noch mal bitte, ha) etwas äh… unterkomplex gewesen?
Unterkomplex – unterkomplex – red doch nicht so geschwollen daher – haha. RYKERS, ja mei, Zenker hatte die interviewt und Wort für Wort abgedruckt, was die gesagt haben – was will man da machen, wenn sich jemand selbst zum Affen macht. Lost & Found, da ging es schon immer ums Business, schau dir doch an, was daraus geworden ist. Die einen Geschäftsleute haben damit gedroht, uns Anwälte auf den Hals zu hetzen und die anderen ihre Kumpels aus New York von der Leine gelassen. Die MADBALL Geschichte ist lange her, im Endeffekt hat einer der wenigen vom Plot, die dem ganzen NYHC Scheiss aufgeschlossen gegenüber standen, also ich, für etwas, was ein anderer, Armin, NICHT geschrieben hat, auf die Fresse bekommen. Auch eine Möglichkeit, Vorwürfe, man wäre ein hirnloser Schläger zu entkräften.

In der Nacht ging schon der Telefonterror los, Dolf und Marc (M.A.D.) waren mit die ersten, die hören wollten, was los war. Bzw. Marc wusste es ja, denn Ute war ja bei der Aktion dabei, aber er wollte wohl abklopfen, ob jetzt das Plot zum Jihad aufruft. Die Promo haben wir denen nie gegeben. Moses kam dann mit dem Super Aschenbecher Cover an, dass der beim Ablegen des Eids des Hippokrates nicht tot umgefallen ist, wundert mich. Aus der Ecke NYHC Dumpfbacken kamen auch noch andere Geschichten, eine Zeitlang war bei mir daheim Telefon Terror, hatte mal ein AB Band voll mit dem Zeug, leider bei einem Umzug verloren, sonst wäre dass schon längst auf einer Platte von uns mit drauf. Das Highlight war ein Typ, der mit einer gepressten Stimme, als ob er kurz vorm Herzinfarkt ist, ungefähr diesen Text verbrochen hat: „Pass auf, du Wichser, wenn ihr noch EINMAL schlecht über WARZONE schreibt, bringen wir Euch alle um, ihr schwulen Wichser, Straight Edge Revenge in your face – Sieeg Heeeeeiil“ – ja ne echt oder?

Das einzige, was ich heute anders machen würde: ich bin damals nach der MADBALL Geschichte nicht zu den Bullen gegangen, weißt ja, Anna und Anton halten das Maul, und musste dann meine Arztkosten selber bezahlen, da ich mich geweigert habe, den Täter zu nennen. Heute würde ich alle Beteiligten vor ein amerikanisches Gericht zerren, mit dem fiesesten schleimigsten US Anwalt, den es gibt, und gegen Abtretung von 80% der erklagten Summe das Vermögen und die zukünftigen Einnahmen aller einziehen lassen – Hardcore heißt wieder Klage einreichen, ha ha.
Was ist eigentlich mit den allen passiert, um es mit Cock Sparrer zu fragen: „Where are they now?“ Klar, Xmist Armin und Ute sind weiterhin am Start, was ist mit Kleister? KHS? Eure (also deine etc.) Better gigs Konzertgruppe? Hat sich die Szene in Stuttgart einfach nur verjüngt und ihr mit MDX seid weiterhin dabei oder hat sie sich wirklich sehr verändert?
X-MIST weißt du ja, Kalle sehe ich immer mal wieder auf Konzerten – die Bilder von uns auf der Grombiera sind zum Beispiel von ihm gemacht worden. Ansonsten schreibt er für eines dieser anderen Bahnhofskiosk Hefte – ich war neulich übrigens das erste Mal im Pressecenter am Hauptbahnhof, weil ich mir doch tatsächlich ein Trust holen wollte und war baff erstaunt über die vielen „Fanzines“, die es da zu kaufen gab. Vor allem das Nix-Gut Teil fand ich surreal, weil ich mich auf dem Weg zum Pressecenter erst mal durch die schnorrende Zielgruppe von denen hatte durch kämpfen müssen. Flo Helmchen ist ja auch immer noch am Start mit Heart First, Lee macht wieder SPERMBIRDS, Kleister verlässt sein Dorf fast nur noch zum Ammoniten klopfen – habe ihn zu meiner großen Überraschung bei AGRIMONIA/WOLFBRIGADE getroffen, ansonsten telefoniert man, wenn es hoch kommt, einmal im Jahr.

Zenker ist ja auch weiterhin aktiv, Flo Opitz lässt sich ja lieber in irgendwelchen afrikanischen Geheimdienstknästen versorgen… Mit dem Ende von 42 Records war auch das Ende von BETTER GIGS eingeläutet gewesen, da Christoph da einen Loyalitätskonflikt hatte, außerdem liefen die Konzerte immer schlechter und wir hatten einige tausend Mark Schulden, weil wir nicht gewusst haben, wann aufhören, bzw. viel zu lange Bands noch mindestens einen Hunni gegeben haben, auch wenn gar nix ging. X-Mist haben uns übrigens damals Geld geliehen, damit wir die überzogenen Konten dicht machen konnten, an dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür an Armin und Ute. Ich benutze das BETER GIGS Logo weiterhin für das eine Konzert, dass ich im Jahr veranstalte – dass ist dann immer eine Band, die ich super mag oder in der gute Freunde spielen, ansonsten hatte ich dann irgendwann alle Anfragen, die noch an mich gingen an Be-Part weiter geleitet. Christoph habe ich aus den Augen verloren, das letzte, was ich wusste, war, dass er die Auslandsreisen der internationalen Bachakademie gemanagt und Stageservice für Klassikkonzerte gemacht hat – da meinte er mal zu mir, dass es mehr Besoffene und Gewalt dort gäbe, als bei unseren Konzerten…

Stuttgart? Hat sich extrem verjüngt, das, was heute aktiv ist und schon als alt angesehen wird, ist 10-15 Jahre jünger als Peter und ich. Wir haben halt irgendwann den Zeitpunkt zum erwachsen werden verpasst. Rebellentum hört ja meistens dann auf, wenn man die erste Ausbildung beendet hat und sich der Realität stellen muss – also spätestens so Mitte 20. Wer danach noch an Bord ist – für den war es einfach „more than music“. Meine Straßenpunk Clique von 79-81 ist zu 80% tot – Heroin, Alk, HIV, Suizid, die restlichen 20% haben rechtzeitig den Abgang gemacht – oder es gibt ein paar so Typen wie uns, die verzweifelt versuchen, Teil einer Jugendkultur zu bleiben, die schon dreimal recyclet wurde – oder die zu blöd waren, aus der ganzen Geschichte einen Beruf zu machen, haha. Punk Rock ist wie eine Gang – Du kommst nur tot raus – oder warst nie wirklich drin, hahaha…
Am Ende habe ich noch kurze Fragen mit der Bitte kurze Antworten… Auf welchen Ramones-Song kannst du dich, auf welchen Crass-Song Peter sich als Kompromiss einigen?
CRASS ist einfach: „Do they owe us a living“, mehr erkennt Peter ohnehin nicht. RAMONES bin ich für alles Schnelle von den ersten drei LPs zu haben – rein musikalisch gesehen. Inhaltlich waren die ja schon „Conservative Punks“, bevor Dave Smalley und dieser Misfits-Aushilfssänger diese Fahne hoch gehalten haben. „Havanna Affair“ wäre, glaube ich, das beste Match, natürlich auch gleich wieder maximaler Vollpfosteninhalt.
Was ist eigentlich mit AM-Music los? Man hört, der Ziegler braust durch Schwabistan per Limo?
Hatte ich Dir mal erzählt dass ich geholfen habe die ersten paar „Aktueller Mülleimer“ Fanzines zu drucken? Meine erste Band waren auch mal AM Posterboys. Keine Ahnung, was aus dem Herrn Ziegengeist geworden ist – er fuhr auf jeden Fall mal Rolls…
Gibt’s diese wunderbare Band Spätzledreck mit dem Smash-Hit gegen den Schwaben-Faschismus in Form der Kehrwoche – „We don´t kehr“ – eigentlich wirklich? Das seid doch ihr von MDX unter Pseudonyme, um eure billige Ader herauszulassen!!!
Da höre ich das erste Mal von – wenn, dann sind wir die reinkarnierten ÄTZER 81 – „Punks aus Stuttgart sind so butterhart!“
Apropos Kehrwoche, in Stuttgart musste meine dort wohnende Schwester laut Mietvertrag alle zwei Wochen die graue Mülltonne (also die normale, nix Bio oder) von innen säubern… das Ländle…das fand ich in Sachen Schwabenwahn am coolsten, ha.
Deshalb zieht man in Stuttgart auch grundsätzlich nur in Wohnungen mit Hausmeisterservice, hahaha. Ich hatte dir ja schon mal die Story erzählt, dass, als ich mal eine Freundin in Stuttgart Ost hatte, die alte Nachbarin uns am Sonntag um 7:00 rausgeklingelt hat „Sie – sie hend fei Kehrwoch‘'“ – die heilige Pflicht ging in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf uns über. Wir waren erst um 6:00 nach Hause gekommen, völlig hacke und meine Freundin stand nackt in der Tür und sagte „wir vögeln erst mal fertig und kehren dann“.
Welche eurer Mütter oder Freundinnen macht die besten Spätzle? Das ist doch immer so „ne Sache“, ha?
Natürlich meine. Obwohl, die macht seit Jahren auch nur noch Packungsspätzle, außerdem sind wir gar keine Schwaben, So jetzt ist es raus, hoffentlich werden wir nicht ausgewiesen.
Kiss oder ACDC wurde ja irgendwie schon gefragt, dann eben Replacements oder Circle Jerks?
„Love Gun“ hätten wir fast mal gecovert – ansonsten CIRCLE JERKS bis zur „Group sex“ Zeit, ab „Golden shower“ dann doch lieber REPLACEMENTS.
Morris, Reyes, Cadena oder Rollins oder instrumental?
Cadena, sagt doch jeder über 40…
CRUCIFIX oder CRUCIFUCKS?
CRUCIFIX!
Ich danke dir, habt ihr noch nen Gruß an die Leser?
Sie können stolz sein, zu der seltenen Spezies Mensch zu gehören die tatsächlich noch auf Papier gedruckte Fanzines liest. Aber die downloaden bestimmt alle auch 24/7, die Schweine!

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: www.murderdisco.de

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