Mai 12th, 2019

MISSION OF BURMA (#109, 2004)

Posted in interview by Jan

Burmatised. Mission Of Burma

Es war musikalisch eine der beeindruckendsten Rückkehren der letzten Jahren. Nicht zuletzt, weil die Pause so lang war und das Resultat so gelungen. Mission Of Burma klingen auf „ONoffON“ so frisch wie am ersten Tag. Zwischen diesem und ihrer Rückkehr war so einiges geschehen. Im Grunde liegt dazwischen eine Lebensspanne in Indie-Rock. Als MOB damals ihre ersten Aufnahmen und Touren machten, gab es keinen Untergrund mit einer funktionierenden Logistik aus Labels, Vertrieben, Veranstaltern und Medien. Dann kam die kreative Blüte dessen, was irgendwann mit Black Flag, SST und anderen begann, die Zerfaserung in unzählige Subszenen und -genres, die ersten Flirts mit dem Overground und schließlich das Jahr als Punk broke.

Wir kennen die Geschichte. Von Squirrel Bait führte eine Linie hin zu dem, was man Post-Rock nannte. Und Indie-Rock war für eine lange Zeit ein ziemlicher Witz. Ein paar Überlebende wie J. Mascis, Bob Mould, Mike Watt, Steve Albini und Sonic Youth wussten ihren Status dafür zu benutzen, neue Wege zu gehen oder zumindest mit einer gewissen Störrigkeit an dem eigenen Weg festzuhalten. Die Mitglieder von MOB stehen für verschiedene Modelle, damit umzugehen. Roger Miller wandte sich, Tinnitus-geplagt, eher leiseren Dingen zu, gleichzeitig aber auch abgelegeneren. Seine Solo-Alben am Klavier enthielten schon einmal ein Stück von Sun Ra. Martin Swope spielte mit Miller in Birdsongs Of The Mezosoic und lebt nun auf Hawaii.

Clint Conley zog sich eher zurück, wirkte als Musiker und Produzent am ersten Album von Yo La Tengo mit und spielt derzeit auch noch bei Consonant mit Chris Brokaw (Come, The New Year), Peter Prescott blieb dem alten Ding noch am ehesten treu, machte mit Volcano Suns ein paar tolle und einige weniger tolle Alben und spielte in Bands wie Kustomized oder Peer Group.

So hätte es weitergehen können, ging es aber nicht. Eines Tages gerüchtete es von MOB-Shows und schließlich von einem neuen Album. Peter Prescott, MOB-Schlagzeuger, erklärt, warum das sein musste. Dabei erweist er sich als äußerst sympathischer, unkomplizierter und humorvoller Gesprächspartner.
Dietmars Frage, warum sie immer noch Mission Of Burma hießen, wo doch Burma jetzt Myanmar heißt, musste ich als erstes weiter geben. Da lacht er erst einmal herzhaft und freut sich geradezu diebisch. Anscheinend ist ihnen der Gedanke nie gekommen. Nun ja, man heiße eben so.

Und der Plattentitel „ONoffON“? Spielt der an auf die plötzliche Wiederauferstehung an?
Ja, aber wir waren auch immer sehr disruptive. Wie unsere Songs. Ich habe das Gefühl, dass wir sie manchmal zusammenschlagen. Sie haben Zusammenbrüche breakdowns und reformieren sich wieder. Der Titel bezieht sich auf das Innere der Songs wie auf unsere Pause.“
Was war der Punkt zu sagen, wir machen das wieder?
Ich hatte immer in Rockbands gespielt, Roger hatte immer Musik gespielt, solo, und jetzt spielt er in einer Gruppe namens Alloy Orchestra, die Musik zu Stummfilmen spielt. Sie touren durch die ganze Welt. Er machte also Musik, ich spielte Rockmusik in Volcano Suns, Kustomized und einer Band namens Peer Group. Kustomized war eher eine straighte Punkrock Band, was übrigens neu für mich war, weil ich immer dieses disruptive, schräge gespielt hatte. Ich war der Gitarrist, auch in der Peer Group, die eher in Richtung Neu! oder Can gingen, mit zehnminütigen Stücken. Das war in den späten Neunzigern. Eine Menge Leute waren irgendwann mal in der Band. Und an einem Punkt war unser Bassist ausgestiegen und wir hatten ein paar Shows. Ich hatte immer wieder ab und an mit den anderen von MOB gesprochen, aber ich denke zu diesem Zeitpunkt dachte Clint von sich nicht wirklich als Musiker. Als ich ihn anrief, nahm ich an, er würde nein sagen. Es schien als hätte er diesen Teil von sich abgelegt.
Was hat er in den ganzen Jahren gemacht?
Jedenfalls keine Musik. Wie ich das verstanden habe, hatte er seit Jahren keine Gitarre oder einen Bass in die Hand genommen. Und ich hatte seit fast sieben Jahren kein Schlagzeug gespielt. Wir sind nicht sehr nostalgisch, was ironisch klingt, weil wir jetzt in dieser Band zusammenspielen, aber es passierte einfach. Zu meiner Überraschung sagte er jedenfalls: Na ja, vielleicht. Da sagte ich: Komm schon, tu es! Er kam zur Probe und war immer noch ein erstaunlicher Bassist. Wir spielten ein paar Shows, öffneten für Wire und spielten mit Shellac. Das war so um 1999 oder 2000 herum. Beides hat ihn, glaube ich, sehr positiv berührt. Erstens sah er Wire, diese mittelalten Männer, und sie spielten wirklich hart, ohne die nostalgischen Obertöne, die man normalerweise mit Reunions verbindet. Und Shellac sind eine Band, die spielen, wo immer sie wollen, wann immer sie wollen, wie oft sie wollen.

Sie spielen manchmal zwei Monate am Stück, dann ein halbes Jahr gar nicht. Ich glaube, Clint dachte sich: Du kannst also eine Rockband nach deinem Leben formen, anstatt dein Leben nach einer Band. Ich denke, dass öffnete ihn. Ein paar Monate später… – alle paar Jahre bot uns jemand eine dumme Summe an, damit wir eine Reunion machten. Wir sagten immer nein, weil wir den Punkt nicht sahen. Ich denke, es war einfach Zufall, dass wir alle in einer etwas offeneren Stimmung dafür waren. Ich hatte diese Band nicht mehr, Clint sagte sich, dass er irgendwie doch noch ein Musiker ist, Roger hatte auch ein wenig Zeit damals. Und wir dachten uns, anstatt diese Sachen zu machen, die man uns anbot, könnten wir vielleicht unsere eigenen Shows machen. Und ein Freund von uns, der bei Ace Of Hearts gearbeitet hatte, unserem alten Label, kam nach Boston zurück. Er hatte für Grand Royal gearbeitet und für Geffen, damals als Sonic Youth gesignt wurden.

Er war ein Insider in der Industrie und wir waren immer Outsider. Er kam zurück und bot uns Hilfe an. Wir spielten in New York und Boston, verkauften die Shows zu unserer Überraschung sehr schnell aus, und sogar nachdem wir gespielt hatten schienen die Leute noch froh zu sein, gekommen sein. Von Anfang an hatte Roger gesagt, er werde sowas nicht machen, ohne dass es neue Songs gebe. Ich muss nochmal einen Schritt zurückgehen. Der Typ, der die Tapeloops gemacht hatte, war auf Hawaii und hatte kein Interesse. Ich kannte Bob (Weston), der mit mir bei Volcano Suns war und jetzt bei Shellac spielt.

Ein ist großartiger Technikfreak, und wir dachten, er könnte vielleicht den Martin Swope machen, und er tat es. Wir sagten: Es gibt keine Regeln, tu was du willst. Anfänglich probierte er alle möglichen modernen, digitalen Sachen aus, aber sagte dann: Es ist furchtbar, es geht einfach nicht. Also besorgte er sich einen alten Taperecorder und schnitt Tapeloops zusammen, genau wie Martin Swope, und es klang gut. Dann lud man uns vor zwei Jahren ein, auf dem All Tomorrow’s Parties zu spielen. Das taten wir, spielten in London, wo wir noch nie vorher waren…
Hattet Ihr damals überhaupt außerhalb der USA gespielt?
Das stimmt, ich glaube nicht, dass wir das jemals taten… Überhaupt, war es damals brandneu, als Independent Band eine Tour zu machen. Niemand wusste, was zu tun wäre. Wir machten also die beiden Shows in Europa, flogen zurück, schrieben mehr Songs, dann fuhren wir an die Westküste, das war toll. So lief es die ganze Zeit, alle paar Monate trafen wir uns, spielten ein Wochenende, hatten eine tolle Zeit und sagten dann: Bis später! Es funktionierte so perfekt, und die ganze Zeit machten wir neue Songs. Und die beiden waren immer bereit, den Schlagzeuger einen Song beisteuern und singen zu lassen. Es war wirklich ein Versuch, eine demokratische Rockband zu sein, was sonst selten funktioniert. Und das haben wir beibehalten.

Natürlich waren meine Songs damals, die ersten, die ich je geschrieben hatte. Die meisten waren von Roger. Clint und Roger waren in einer Band namens Moving Parts. Und als sie sich von ihnen trennten, war es ihnen zu sehr Artrock. Und ich war bei den Molls, die sehr Progrock waren. Wir hatten einen Bassoon-Spieler (das Bassoon ist ein altes Holzblasinstrument – d.V.). Beide Bands hatten das Schräge, was wir mochten, aber sie waren nicht direkt genug. Wir waren alle sehr angetan von Punkrock und Simplifizierung, es runterzukochen auf seine wichtigsten Teile und alles andere wegzuwerfen. Ich weiß nicht, wie es passierte, aber irgendwann hatte ich ein Mikro vor mir, und ich begann zu schreien und zu yellen.

Es passte sehr gut zu dem Schlagzeug, und irgendwann wurde es zu einer Art von Gesang, und ich begann auch Songs einzubringen, und zu meiner Überraschung waren die anderen offen dafür. Das setzten wir fort. Clint hat eine andere Band, Consonant, sie haben zwei Platten gemacht, es ist toll. Du hörst, dass es er ist. Es ist weniger burmaesk, es ist eher ruhig, melodisch, mit zwei Gitarren.
Seine Songs waren immer eher melodisch.
„Ja, genau. Jeder brachte seinen Ansatz mit und es wurde burmatised. Das erste Stück, das Roger brachte, war ein alter Song, den Burma nie gespielt hatten. Dann nudelten wir einen aus Clint heraus, ‚What We Really Were‘, dann kam ich mit ‚Fake Blood‘, glaube ich. Und wir machten so weiter, immer wenn wir zusammenkamen. Wer hat was? Bis zu dem Punkt, wo wir sagten: Jetzt haben wir diese Songs, wir müssen etwas damit tun. Roger ist sehr pragmatisch in diesen Dingen: Wenn ich in einer Band spiele, will ich Songs schreiben, wenn ich Songs habe, will ich sie aufnehmen und wenn ich sie aufnehme, will ich sie rausbringen.

Ich liebte das, ich dachte das ist eine sehr direkte Art, damit umzugehen, es mit Leben zu füllen, anstatt nur alte Songs zu spielen. Als uns das klar wurde, dachte ich an Gerard (Cosloy) und Chris (Lombardi) von Matador, die schon lange kannte. Das waren die ersten, an die ich dachte, die es verstehen, mögen und tun wollen würden. Und so endeten wir dort.
Ihr scheint keine Band zu sein, die sehr viel touren wird. Hat das mit Rogers Ohrenproblem zu tun, das damals der Grund für euren Trennung war?
Das stimmt. In erster Linie hat das auch damit zu tun. Vor zwanzig Jahren dachte er, er würde vielleicht die nächsten 20 Jahre keine Musik machen können. Jetzt denkt er sich: Jetzt habe ich weniger Zeit vor mir, über die ich mir Sorgen machen muss (lacht). Er hat eher die Haltung: Was immer passiert, passiert. Außerdem schützt er sich. Er hat Industrie-Ohrschützer. Er hatte eine harte Zeit, weil er für Feedbacks den Verstärker vor sich haben muss. Wenn jemand direkt vor der Bühne steht, bläst es ihm den Kopf weg, aber es hält den Lärm weg von ihm. Und ich habe einen Plexiglas-‚Eiswürfel‘ um mich herum, der die Becken von ihm fernhält.

Es ist also nicht, dass er sich sagen würde: Ich verliere mein Gehör sowieso. Wir tun alles, was wir können, und gehen mit dem um, was da ist. Dank dem Schutz ist es nicht schlimmer geworden. Und ich denke, es ist wichtig für ihn, dass es nicht schlimmer wird. Er hat es so beschrieben, dass über die Zeit… Du versuchst zu schlafen, okay? Und jemand geht vorbei. Du kannst dir entweder erlauben, die Person wahrzunehmen, oder sie ausblenden. Ich denke, er ist an einem Punkt, wo er die Geräusche ausblenden kann. Sonst könnte er wahrscheinlich keine Musik machen. Aber selbst, wenn dieses Problem nicht da wäre, glaube ich, dass niemand von uns auf eine zweimonatige Tour gehen könnte. Wir sind sehr realistisch. Ich meine, ich bin der Jüngste in der Band, und ich bin 46, verstehst du? Und du musst dir überlegen, wie du es genießen kannst. Wir wussten, wir würden es nicht genießen, wenn wir es wie damals machen würden.
Noch eine Sache, über die ich reden wollte. Damals seid ihr mit einem Van gereist, niemand kannte euch wirklich, es gab bestimmt Shows, wo die Leute wegen euch kamen und die Songs kannten, aber oft war es doch sicher sehr intensiv, Leute waren vor den Kopf gestoßen oder haben euch beleidigt, niemand kannte euch, sozusagen. Wie Velvet Underground damals, niemand hat sie wirklich gesehen oder ihre Platten gekauft, das kam erst viel später, als es die Band schon nicht mehr gab. Jetzt kennt sie jeder und tausende von Bands haben versucht, wie sie zu klingen. MOB waren auf einer anderen Ebene ähnlich erfolgreich. Hüsker Dü haben euch als ihren wichtigsten Einfluss bezeichnet. Andere Bands wie die Moving Targets klangen sehr nach euch.
Es gibt gewiss jetzt viel mehr Interesse und es ist viel bequemer heute. Aber abgesehen davon… Clint hat zwei Töchter, eine Frau, einen Job. Ich führe vielleicht immer noch das am ehesten indieishe, kindische Leben. Ich arbeite in einem Plattenladen. Es ist nicht so schwer, da für eine Weile wegzukommen. Aber ich denke wir würden es machen wie jetzt, auch wenn es ganz andere Bedingungen gäbe. Gut oder schlecht, wir sind keine Karrieristen. Ich denke, ein Grund, weshalb es so gut war, ist, dass wir nichts anderes daraus zogen, als unseren Genuss. In dem Sinne: Wow, das ist immer noch eine schöne Art, mich auszudrücken, im Gegensatz zu: Wir müssen ins Radio, wir müssen so und so viele Platten verkaufen. Offensichtlich hat jemand Geld in uns investiert. Matador waren immer super.

Ich hatte schon früher mit ihnen zu tun, Kustomized hatten ein paar Platten bei Matador, und als Gerard Homestead betrieben hat, haben wir ein paar Volcano-Suns Platten bei ihm gemacht. Ich habe eine lange Verbindung zu ihm, und wir haben gegenseitig Respekt voreinander. Natürlich wollen wir es auch für sie effektiv machen, und natürlich wollen wir, dass Leute es hören. Aber gemäßigt von… die Realität ist nett, wir müssen uns nicht glauben machen, dass wir eine Million Platten verkaufen oder jemandes Leben verändern. Wir sind einfach froh, dass sich Leute dafür interessieren.
Es gab ein paar Coverversionen eurer Songs, vor allem von einem.
Graham Coxon spielte ‚Fame And Fortune‘ und ‚That’s When I Reach For My Revolver‘, ein paar US-Punkbands spielten ein paar Songs live, und REM nahmen ‚Academy Fight Song‘ auf, Moby ‚Revolver‘.
Die Speedniggs, eine deutsche Band, haben ‚Revolver‘ auch mal aufgenommen, auf der dritten Platte, die ansonsten ziemlich schlecht ist. Wie war das für euch, als Moby Revolver veröffentlichte?
Ich fühlte mich geschmeichelt, aber ich war nicht der Autor. Es war ein wenig distanzierter. Für Clint muss es viel aufregender gewesen sein. Das hat wahrscheinlich auch die Tür für ihn ein wenig geöffnet. Wow: Jemand interessiert sich noch für dich. Einer meiner Suns-Songs wurde von Thowing Muses gecovert. Das war immer eine Band, die ich ziemlich cool fand. Das war eher so eine persönliche Freude für mich. Aber… Ich war froh, dass jemand ein Bewusstsein davon hatte. Und er ist ein interessanter Typ. Sie haben den Spirit des Songs nicht wirklich eingefangen, wenn ich etwas spezifischer sein will. Aber dafür sind Coverversionen ja auch da, du tust es auf deine Weise.
Es gab nie ein MOB-Tribute-Album, oder?
Nein, aber es gibt etwas, das sehr widerlich ist: ein Best Of, das Rykodisc, unser altes Label rausgebracht hat. Niemand hat jemals unsere Leiche gefleddert. Der anderen Compilation auf Ryko haben wir selbst zugestimmt. Das war in Ordnung, sie haben uns bezahlt, und dann waren wir total glücklich, als sie die Reissues gemacht haben. Sie taten Bonustracks dazu, der Sound wurde auf den neuesten Stand gebracht und alles war fein. Als wir dann wieder anfingen zu spielen, wollten wir CDs haben, um sie auf Shows zu verkaufen. Sie gaben uns welche, aber sie waren nicht wirklich hilfreich. Sie hätten Anzeigen schalten können, ihnen gehörte der Backkatalog, es hätte ihnen genauso geholfen wie uns. Sie kümmerten sich einfach nicht darum. Als es dann die Möglichkeit gab, dass wir eine neue Platte machen, fragten wir sie, ob sie Interesse hätten. Und sie sagten: Ja, wir haben Interesse. Und Matador sagten: Ja!!! Wir haben Interesse!!! Wir wollen!!! Also gingen wir zu Matador. Jedenfalls machten Ryko dann dieses unerklärliche Ding, eine planlose Sammlung von Mist herauszubringen und es eine Best Of zu nennen – von zwei Platten. Ich meine, wir haben kein Best Of.
Es wäre sozusagen alles, was ihr gemacht habt.
Sogar unsere Single, wir haben eine Single, das war ‚Academy‘, es gab keine Hits, kein Best Of, es war einfach ein Haufen Material. Und sie haben es ohne unser OK gemacht, sie haben es einfach gemacht. Ich weiß nichtmal, wie das Ding aussieht. Das ist ein wenig störend. Es ist ironisch, dass sie nichts damit gemacht haben, als wir ein totes Thema waren.
Was sonst wird jetzt passieren? Da es nicht dein Vollzeitjob ist, in MOB zu sein: Was wirst du nun tun? Oder wird es einen Punkt geben, wo du sagst: Well…
Ich war irgendwie an diesem Punkt. Ich hatte kein Verlangen, in einer Rockband zu sein. Und dann kam eine wirklich gute des Wegs, und es war zufällig diese. Nach der letzten Band hatte ich beschlossen, es erst mal sein zu lassen. Roger ist ein echter Multitasker, er hat Binary System, ein Duo mit ihm am Klavier und einem Schlagzeuger.
Klingt das wie seine Solo-Piano-Sachen?
Nein, es rhythmischer, ein bisschen Eno-esk, es ist anders. Sie haben ein paar Platten auf New Alliance. Er ist mit dem Alloy Orchestra auf Tour, er macht Soundtracks, er macht MOB. Woher hat er die ganze Energie? Und ich bin immer eher kein professioneller Musiker. Für mich hat das viele negative Konnotationen. Es korrumpiert deine Musik so schnell, wenn du dafür bezahlt werden musst. Ich habe Musik immer auf der Grundlage gemacht, dass ich sie machen kann, wie ich will. Egal ob das selbstsüchtig ist oder ob es jemand hört. Daher beziehe ich die Freude. Wenn ich Platten rausbringen und touren konnte, war das gut, dafür bezahlt zu werden war auch nett. Aber ich war dessen weniger bewusst.
Volcano Suns haben sich bestimmt nicht so gut verkauft. Wieviele Alben habt ihr eigentlich gemacht?
Es waren sechs. Zwei auf SST, die ich mir kaum anhören kann.
Ich mag „Things Of Beauty“, „Farced“ ist wirklich ein bisschen…
Hart. Was ich am liebsten mag, sind die ersten beiden auf Homestead und das letzte, das auf Touch & Go ist und kaum jemand kennt, ‚A Career in Rock‘. Das mag ich sehr. Es gab damals so viele Indie-Rock-Bands, die irgendwie auf dem gleichen Trip waren: Wir können auf Tour gehen und Platten rausbringen. Es gab keine Karriere-Mentalität bei diesen Leuten. Es war einfach nicht möglich, warum also drüber nachdenken? Eine Menge Leute mochten in den Neunzigern, als Indie-Rock plötzlich kommerzielles Potential hatte, die Art, wie es das irgendwie geformt hat.

Du kannst auf vielen Platten, wie denen von Volcano Suns, eine gewisse Baufälligkeit hören, so ein ‚Wir geben eine Scheiß drauf, was auch immer‘. Und so nett wie das ist, nehme ich an, dass in den Neunzigern, als der Dollar winkte, manches besser wurde, weil es ein wenig fokussierter war, Melodien stärker wurden oder Bands ein wenig klarer spielten. Aber ich habe immer noch ein Faible für dieses Achtziger-Ding, als es nicht soviel kommerzielles Potential hatte. So viele tolle Sachen. Das erste Mal, als ich die Butthole Surfers sah… So viele Dinge, die so eine Offenbarung waren.

Okay, der Musikschreiber unterhält sich also mit einem Plattenverkäufer, der zwei Platten auf SST veröffentlicht hat. Ihr könnt euch denken, was dann erstmal kurz durchgekaut wurde. Jedenfalls amüsierten wir uns prächtig über Greg Ginns Pro-Katzen-Black-Flag und so, um dann doch wieder über MOB zu sprechen, sort of…
Ich schätze, dass ist ein guter Grund, haha. Interessant. Greg Ginn ist ein erstaunlicher Gitarrist. Mein Lieblingsklischee ist: Kontext ist alles. Wenn die richtige Kombination von Musikern in der richtigen Band spielt, ist es magisch. Wenn eine Person aus dieser Gleichung entfernt ist, lässt es manchmal die Sache kentern.“

Dann kamen wir noch auf Shellac. Ob ich die schonmal gesehen habe? Aber sicher doch…
Sie sind ihr eigenes Universum. Ich mag diese Idee. Wenn du der Beobachter dieses Universums bist, bist du vielleicht verzaubert davon oder nicht, aber du kannst es nicht in Frage stellen. Wenn du Shellac siehst, ist es genau das. Du kannst nicht sagen: Es wäre gut, wenn sie melodischer wären. Nein! Such dir eine andere Band, vergiss es! Es ist, was es ist. Ich mag die Idee, dass du es als Beobachter beobachten, aber nichts ändern kannst. Sie sind toll. Zwanzig Sekunden Stille, murmeln, aber dann sind sie auf den Punkt da.
Ich hab lange nichts von ihnen gehört, seit der letzten Platte.
Ich glaube sie fangen jetzt wieder an, aktiv zu werden. Das ist der einzige Grund, weshalb Bob bei uns mitmachen kann. Er ist übrigens ziemlich toll mit den Tapeloops geworden. Bei den älteren Songs hat er eher nachgeahmt, was Martin getan hat, aber dann hat er angefangen, Sachen zu riskieren, seinen eigenen Weg zu gehen. Das gefiel uns. Wir sagten: Mach weiter, was immer du machen willst. Er ist ein Teil der Gruppe. Shellac spielten drei Shows in Europa vor einer Woche. Aber sie touren nicht wirklich, es ist sehr inkonsistent. Ich schätze, sie haben das meiste ihrer nächsten Platte aufgenommen. Sie haben auch dieses ‚middle aged rock thing‘-Syndrom und machen Platten, wenn sie in Stimmung dafür sind, anstatt Jahr für Jahr.
Bob Weston produziert ja auch ziemlich viel.
Bob ist auch ein Workaholic. Immer beschäftigt. Er liebte die Gelegenheit, bei uns involviert zu sein, nicht nur weil er die Musik sehr mag, sondern auch weil es noch etwas ist, was ihn beschäftigt, hahaha. Fugazi sind noch eine Band, die ich zwar immer respektiert habe, aber in den letzten Jahren haben sie mich einfach weggeblasen… Obwohl Fugazi und Shellac essenziell zeitgenössischer waren als wir, weil sie kürzlich aktiv waren, Shellac, Fugazi, ich war immer ein Freund von Mike Watt von den Minutemen. Er hat eine Band namens The Secondmen und sie werden ein Album rausbringen. Es ist toll. Ich kann nichtmal anfangen, ihn zu beschreiben. Er ist einfach eine Naturgewalt. Er hat auch die Stooges-Reunion gemacht.
Wo er kein Flanellhemd tragen durfte.
Wirklich? Hahahaha! Brilliant! No flannel… Wir haben die Stooges-Reunion an der Westküste gesehen. Es war erstaunlich. Wir fühlen eine Affinität zu diesen Bands, zu Shellac, Fugazi und so. Zumindest in der Mentalität, der Herangehensweise.
Leute wie J. Mascis, Mike Watt oder auch Bob Mould waren Teil einer Szene, die nicht notwendig allzu eng miteinander verbunden war, weil sie über die Lande verstreut waren, aber es gab diese Szene. Jetzt machen sie alle mehr oder weniger Solo-Projekte. Bob Mould hat das Banddassein aufgegeben und diese halbelektronischen Sachen gemacht, die nicht sehr überzeugend sind.
Aber wenigstens geht er weiter.
All das scheint nicht mehr sehr direkt miteinender verbunden zu sein. Aber es gibt immer noch eine ähnliche Attitüde.
Yeah, ich denke, das verbindet… Der ältere Indie-Musiker, wenn es so ein Tier überhaupt gibt, ist anders als meinetwegen Judas Priest. Da gibt es wahrscheinlich mehr das Bedürfnis, zu bleiben, was du warst, als du jung warst. Wohingegen die meisten der Leute die du erwähnst und die ich erwähnt habe, weiterreisen wollen, sich nicht wiederholen wollen, versuchen, es irgendwohin zu bringen. Wir würden uns nicht wohlfühlen, wenn wir uns nicht wenigstens so fühlen würden, als würden wir das auch tun. Wenn du älter wirst, tust du Dinge nicht auf die gleiche Weise. Manchmal geht es daneben.

Bobs Elektronik-Sachen haben mir auch nicht viel gegeben, aber er versucht es wenigstens. Besonders im Fall Fugazi: Ich mag die Platten über die Jahre. Aber ‚The Argument‘ ist erstaunlich. Ich glaube diese Platte ist mit das Beste, was ich je gehört habe. Und die Tatsache, dass sie gute Platten und bessere Platten gemacht haben… Normalerweise ist es so: eine tolle Platte, eine gute Platte, eine beschissene Platte… Und dann ‚End Hits‘ und ‚The Argument‘. Sie klangen so lebendig und die Strukturen waren wirklich bizarr, Pianos, ein zweiter Schlagzeuger. Es ist ermutigend, wenn sich jemand so entwickeln kann.
Wie werden sich MOB in den nächsten Jahren entwickeln?
Keine Ahnung. Wir sind gut damit gefahren, nicht zu weit vorauszuplanen. Du kannst nicht für immer weitermachen. Roger ist 52 und ich denke mir manchmal, wenn er auf seine Gitarre würgt und darauf herumhaut… Ich glaube, wenn wir denken, dass es nicht mehr funktioniert, haben wir kein Interesse daran. Wir haben ein sehr klares Bewusstsein davon.

Einleitung + Interview: Stone

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