Februar 5th, 2020

MIKE BONANO / THE YES-MEN (#143, 2010)

Posted in interview by Thorsten

»Wenn man versucht zu verstehen wie eine Maschinerie funktioniert, hilft es einem ihr Inneres aufzudecken. Das Gleiche kann man über einflussreiche Menschen oder Unternehmen sagen, die hart daran arbeiten sich zu bereichern, ungeachtet der Konsequenzen für alle anderen. Wenn man diese einflussreichen Instanzen überrascht, kann man sie in diesem Moment einer öffentlichen, genauen Prüfung unterziehen. So kann jeder sehen wie sie funktionieren und herausfinden wie man sie kontrollieren kann. Wir nennen das Identitätskorrektur.«
– Yes Men

Im September 2009 sah ich einen sehr spannenden Film, der das Projekt von zwei Männern dokumentiert, die den Mut haben, es mit großen Unternehmen aufzunehmen: »The Yes Men Fix The World«. Die amerikanische Aktivistengruppe »YES MAN« wurde von Igor Vamos (alias Mike Bonano) und Jaques Servin (alias Andy Bichlbaum) gegründet. Sie verkleiden sich als z. B. Geschäftsmänner, Wissenschaftler oder Staatsbeamte und platzen in Konferenzen oder andere Veranstaltungen hinein und finden heraus, was große Corporations oder Regierungen ihrer Meinung nach wirklich denken. Sie stellen die »ganz großen Kriminellen, um sie öffentlich bloßzustellen« und zielen auf »Anführer und große Aktiengesellschaften, die ihren Profit über alles andere stellen.«
Sie versuchen die Wahrheit in die Öffentlichkeit zu tragen um ein Bewusstsein für Dinge wie »1984« (Orwell) oder die Union-Carbide-Katastrophe (jetzt DOW-Chemicals) in Bhopal/Indien zu schaffen, bei der über 2000 Menschen in einer Nacht vergiftet wurden. Oder sie stürmen das New Yorker UN-Klimatreffen im September 2009 indem sie den Weg durch den East River nehmen. Ich bin sehr inspiriert worden, denn sie sind ganz einfache Typen ohne irgendeine spezifische ökologische oder juristische Ausbildung, die einen großen Teil ihres Einkommens nutzen um ihre Überzeugungen in Aktivitäten umzusetzen. Ich wollte herausfinden wer sie sind und ich fragte mich wie ich das wohl tun könnte? Ich bin schließlich keine Journalistin. Aber, was soll´s?! Also habe ich Dolf vom Trust gefragt, »Wenn ich die Möglichkeit für ein Interview mit den YES MEN bekomme, würdest du es drucken?« Er sagte »okay«. Also habe ich ihnen eine Mail geschrieben und etwas später bekam ich das OK von Mike. Eine Tag später rief er mich an. Ich hatte so viel Spaß dabei mit ihm zu sprechen, dass ich nach dem Interview den Gedanken hatte ihn mit meiner Schwester zu verkuppeln.

Hi Mike, also, ich möchte erstmal eure Hintergründe kennen lernen.

Okay, mein Hintergrund ist… warte mal kurz, ich muss nach einem Baby sehen… nur ganz kurz. (Ich dachte das sei komisch. Er sagte »ein Baby«, nicht »das Baby«… nachdem ich einige laute Geräusche hörte kam er zurück ans Telefon)
Okay. Ich tue das wann immer ich ein Interview gebe… Das ist für mich eine Sache der Gewohnheit.

Was?

Du entschuldigst Dich damit nach »einem Baby« sehen zu müssen während du ein Interview gibst; dadurch schmeichelst du dich beim Interviewer ein. Sie stellen sich dich mit einem süßen, knuddeligen Baby vor. Manchmal sage ich auch, dass ich nach einem Welpen sehe.

(lacht) Also, wo kommen die »Yes Man« her und warum?

Egal. Mein Hintergrund: ich studierte Kunst auf dem College. Ich ging zu einer liberalen Kunstschule. Ich gelangte dadurch zu einer Art kreativen Aktivismus. Mein erstes großes Projekt, dass zu internationaler Aufmerksamkeit gelangte war eine Sache namens »Barbie Befreiungs-Organisation« (Barbie Liberation Organization, B.L.O.) bei der ich die Sprachboxen von der sprechenden BARBIE mit der von GI JOE vertauschte. Dann haben ich und viele Freunde sie wieder in die Kaufhausregale in ganz Amerika gestellt. Daraus entwickelte sich ein großes Medienspektakel, weil Kinder an Weihnachten Spielzeuge (wie Barbies) bekamen, die sagten » Friss Blei, Kobra!«, und so was wie »Tote reden nicht«. Und es gab GI Joe Puppen die sagten: »Ich liebe es mit dir einzukaufen!«. Ich leierte eine Medienkampagne darüber an, die ganz groß in den Nachrichten verbreitet wurde.
In der Zwischenzeit führte ein anderer Typ namens Andy, mit dem ich jetzt bei den YES MAN zusammenarbeite, ein ähnliches Projekt durch, bei dem er all diese »schwulen« Inhalte in ein Computerspiel (SimCopter) einfügte, an dem er für eine Firma namens MAXIS arbeitete. Und erst nachdem sie schon 80,000 Kopien verschickt hatten bemerkten sie den Hack. Er wurde gefeuert. Als er aber gefeuert wurde erzeugte das eine Menge Medien Aufmerksamkeit, weil es das erste Mal war, dass diese Form von Aktivismus Teil eines Videospiels wurde. Dann wurden wir von gemeinsamen Freunden zusammen gebracht und haben die YES MAN gegründet.

Als du das B.L.O. Projekt durchgeführt hast, wie hast du es geschafft, nicht geschnappt zu werden?

Ich habe sie alle gekauft. Ich habe Freunden im ganzen Land Anweisungen gegeben wo sie die Puppen kaufen sollten. Sie kauften sie, schickten sie zu mir und ich nahm die Operation an ihnen vor. Anschließend schickte ich sie wieder an diese Leute zurück. Und die Machten dann das »shop giving« – brachten sie also zurück in die Kaufhausregale.
Grundsätzlich achten diese Läden nicht auf Leute, die ihnen Dinge bringen, sie achten auf Menschen, die Dinge stehlen. So wurde niemand geschnappt. Und, weißt du, die Läden sollten auch zufrieden sein, denn sie haben diese Sachen zweimal verkauft!
Die Kaufhäuser sollten zufrieden sein, die Produzierenden sollten zufrieden sein.
Wenn die Läden anständig Buch über ihr Inventar führen, dann kann es sein, dass sie die Firma zweifach bezahlen. Das Produkt bekam sogar einen höheren Wert. Es ist wie eine gemeinschaftliche Version von Weihnachten – Weihnachten für jedermann. Und, weißt du, dann erhält der Käufer diesen Gegenstand, der viel wertvoller ist, denn es stellt sich sehr bald heraus, dass sie zu Sammlerstücken werden.
(Wenn du ein Video hierzu sehen willst, unter: Commerce Jammers http://sniggle.net/commerce.php)

Was ist passiert als du und Andy die Yes Men gegründet habt?

Also, die erste Sache, die wir gemacht haben war dann ein bisschen anders. Wir sind nach draußen gegangen und haben uns als Fans von CAPTAIN EURO ausgegeben. Das war ein sehr seltsames Projekt. Die haben ein Video gedreht, das wir: »Machen wir Europa lustig und interessant.« nannten. Das war der Slogan für einen Comic-Charakter, genannt Captain Euro, den sich eine Firma aus London, »TWELVE STAR COMMUNICATION« ausgedacht hatte, um die Idee eines vereinigten Europas an Kinder zu verkaufen. Und das merkwürdige an Captain Euro ist, dass es auf eine ganz klassische Art rassistisch war.

Was? Wirklich?

Ja, die Helden waren alle nach einer Art arischer Thematik gestaltet. Und die Bösen – z. B. DR. DIVIDIER war ein Finanzier, der dunklere Haut hatte und einen spitz zulaufenden Kinnbart. Er hatte alle Merkmale, die man von einem (jüdischen) Finanzier erwarten würde, außer den seitlichen Locken (1), – ein europäischer Finanzier aus der alten Welt, der früher ins Konzentrationslager geschickt worden wäre.
Und sein Begleiter ist ein Typ namens NONOT. Er trug eine kleine Melone, was eine Andeutung für die traditionelle Kleidung »des verfolgten Opfers« darstellen könnte.
Und dann gibt es noch diese identischen, »homosexuellen« Zwillinge… Ich meine, dabei waren sie nicht wirklich homosexuell. Es ist aber so, dass sie im Comic so erschienen als ob. Weißt du was ich meine? Es gab all diese Bösewichte mit diesen merkwürdigen stereotypischen Eigenschaften. So wie »der Araber«, »schwul« oder »jüdisch«.

Wann war das?

Das war 1998/99, als Europa an der Vereinigung arbeitete. Das war also diese merkwürdige Art von Comics, die Andy entdeckt hatte und von denen wir irgendwie besessen waren. Es ist aber auch merkwürdig, dass es sich hierbei um das Produkt von Firmenwerbung handelt. Denn die Europäische Einheit ist ja an sich keine schlechte Sache. Als es aber Hand in Hand mit unternehmerischen Interessen lief, wurde es ziemlich erschreckend, weil es somit ein Teil des Prinzips der Freien Markwirtschaft und der Neugestaltung der Welt unterworfen wurde. Und damals waren wir sehr interessiert an der WTO (World Trade Organisation), die über die Verpflichtung von Entwicklungsländern zustande kam, sich der westlichen freien Marktwirtschaft hinzugeben und wodurch deren einheimische Industrien ruiniert wurden. Außer der Ausbeutung des Besitzes dieser Länder wurde einfach alles andere von der WTO ausgeschlossen. Wir waren sehr interessiert daran und diese Captain-Euro-Sache schien einfach zu passen. Also verkleideten wir uns als diese Charaktere aus dem Comic und klopften an die Tür der PR-Firma in London und erzählten ihnen, daß wir vom »US-Fanclub Captain Euro« währen. Der Comic hatte bereits einige empörte Reaktionen aus dem Umkreis des Europäischen Parlaments erhalten. Sie waren also bereits dafür geohrfeigt worden. Weißt du, wir hätten das wahrscheinlich nicht tun müssen, aber wir taten es trotzdem. Wir sind ziemlich tief eingestiegen, und es hat wirklich Spaß gemacht. Wir haben mit amerikanischen Kindern geredet und sie gefragt was ihre Bedenken zur Europäischen Vereinigung währen. Als wir dann zu den Captain Euro-Büros gingen, brachten wir eigentlich nur die Gedanken dieser Kinder vor als wären es unsere Ideen. Es war geradezu lächerlich – als ob wir 4-jährige Amerikaner sein könnten, die in diesen Kostümen vorbei kommen um Fragen zur europäischen Einheit zu stellen. Wir stellten einfach dar, wie absurd das Ganze und wie manipulierend ihr Ansatz war, diesen Comic zu kreieren und dabei Kinder im Fokus zu haben.

Wie finanziert ihr eure Aktionen? Auch vor den Yes Men die Aktion mit der B.L.O., das ist doch etwas für das man Geld benötigt.

Für diese Sache habe ich eine Kunstförderung bekommen und ich habe dafür 1993 ungefähr 10,000 $ ausgegeben. Manchmal bekommen wir Spenden von Stiftungen, aber häufig benutzen wir das Geld, was wir durch unsere regulären Jobs verdienen. Andy und ich arbeiten beide als Professoren an der Universität.

Was ist die treibende Kraft hinter all dem?

Was unsere Motivation ist? Die besteht im Grunde darin, dass wir diese ganze Welt den Bach runter gehen sehen. Besonders jetzt beim Klimawandel: die Uhr tickt ziemlich laut und es ist eine Schande, dass unsere Regierungen, die angeblich für die Belange der Menschen einstehen sollten, dies einfach nicht tun. Denn wenn sie wirklich daran interessiert wären, dann gäbe es verpflichtende Übereinkünfte zum Thema Klimawandel. Den neuesten Berichten zufolge könnte es zu einer Erwärmung um bis zu 4° C, in einem Zeitraum von 50 Jahren kommen. Fast alle Wissenschaftler stimmen darin überein, dass es das Ende unserer Zivilisation bedeuten würde. Es würde Hungersnöte und Dürren geben, auf die wiederum Massen-Migrationen folgen würden, die wiederum zu Kriegen führen könnten. Das würde zu einem Zusammenbruch und zum Zerfall von gesellschaftlichen Ordnungen führen. Das so klar zu erkennen und zu verstehen, das ist unsere Motivation. Und ich glaube, dass die meisten Menschen das tun würden, wenn sie den Hang dazu hätten in der Gegenwart zu leben statt für die Zukunft zu planen. Das entspricht eben der menschlichen Natur. Und dann gibt es eben einige Leute ganz oben, die ideologisch getrieben und programmiert sind, nur zu nehmen um möglichst viel schnellen Profit zu ergattern, ungeachtet der langfristigen Konsequenzen. Das entspricht eben unserer momentanen, globalen Kultur. Ein Kapitalismus der lieber ausbeutet als für echte Werte zu arbeiten. Wir müssen uns umstellen, wenn unser Planet überleben soll. Es gibt eine ganze Reihe Sachen, die sind total verrückt wie z. B. sich auf eine Gruppe von Unternehmern zu verlassen und zu denken, dass diese unsere Probleme lösen. So läuft das mit allen Grundsätzen, die auf Wachstum basieren. Bis zu einem bestimmten Grad wirken sie, wenn es Wachstum gibt, aber das Prinzip hört da auf zu wirken wo auch Wachstum endet. Auf vielen Gebieten wird es eng, doch der Klimawandel übertrumpft alles andere. Viele Leute dachten, dass der Gipfel erst durch peek oil erreicht würde. Doch Klimawandel bedeutet eigentlich, dass wir jetzt sofort aufhören müssen Öl zu verbrennen. Wir müssen die Emissionen stoppen. Wir können es uns nicht leisten über unsere Ressourcen hinaus zu wachsen, wenn wir eine Zukunft wollen, das wird uns dann so oder so einholen. Also sollten wir dem doch zuvor kommen, denn wenn wir einmal die Spitze erreicht haben und in vielerlei Hinsicht sieht es schon so aus, als hätten wir die Spitze erreicht. Und so wird das Abnehmen der Ölproduktion – auf der unsere gesamte moderne, industrielle Zivilisation aufgebaut ist – uns in einen ganz massiven Engpass bringen mit dem wir irgendwie umgehen müssen.

Was mich persönlich an diesem Thema irritiert ist, als ihr in eurem Film mit hochrangigen US-Offiziellen über den Klimawandel sprecht, ein Typ tatsächlich sagt, dass die Menschen ja gern in einem wärmeren Klima leben.

Oh ja, diese Typen sind aus dem rechts denkenden Lager. Sie halten Corporate-Shows ab und würden einem alles erzählen. Es gibt diese starke, sehr bizarre rechte Ideologie in den USA, die fast religiös die Idee des freien Marktes und das Unternehmertum hochhalten. Und manchmal geht es auch Hand in Hand mit Religion, aber meistens ist es einfach Kapitalismus. Das ist erschreckend, denn diese Leute sind Fundamental-Kapitalisten.

Wie kann es sein, dass diese Menschen so ignorant sein können und einfach weitermachen mit dem was sie tun, obwohl sie wissen müssen was vor sich geht. Oder denkst du sie belügen sich auch selbst?

Ich denke, dass einige von ihnen sich selbst belügen und anderen ist es einfach egal. Es ist dasselbe wie mit jedem anderen Glaubenssystem, wenn man tief genug hineingerät. Und bei diesem ist es ganz einfach hinein zu geraten, denn es folgt der Logik der Behaglichkeit in entwickelten Ökonomien. Das ist dort so, wo man einen Mittelklasse- oder höheren Lebensstandard führt und Zugriff auf viele Konsumgüter hat, die einem das Gefühl geben man hätte eine Menge Zeugs. Das hat dann nichts mit »Glück« oder »Zufriedenheit« zu tun, denn soziologischen Studien zufolge nimmt das Glücksgefühl ab, je größer der Abstand zwischen arm und reich ist. Je mehr Unterschied zwischen »Haben« und »Nicht-Haben« besteht, desto größer wird das Bedürfnis etwas zu »Haben« was man nicht hat. Die unglücklichsten Orte, sind solche wie die USA, wo eine große Spanne zwischen arm und reich besteht und das, was du besitzt, deinen gesellschaftlichen Status bestimmt. Glücklicher sind die Länder in denen die Unterschiede geringer sind und wo ein hierarchisches System der Begierde was dir sagt, dass du nichts wert bist wenn du nichts hast, weniger ausgeprägt ist. Es gibt einige jüngeren Studien, die Glücklichsein mit ökonomischen Indikatoren verbinden und messen können. Sind wohlhabendere Länder also normalerweise die Heimat einer glücklicheren Bevölkerung? Das Ergebnis ist ganz entschieden »nein«. Ich habe deine Frage vergessen… wie war das noch mal?

Ich habe den Faden verloren… dann stelle ich dir eben eine andere in Bezug auf eure Arbeit. Bezieht ihr weitere Leute mit ein? Ihr stellt letztendlich eine wechselseitige Beziehung mit den Medien her. Sind die Journalisten hilfreich für euch?

Wir haben generell ein gutes Verhältnis zum Journalismus. Es gab einige Male wo wir Journalisten getäuscht haben, aber das war nicht zwangsläufig das, worauf wir abgezielt haben, das war eine Art Kollateralschaden. Wir zielen nicht auf die Medien, obwohl sie es manchmal verdienen würden. Wie die NEW YORK POST, ein Teil von Rupert Murdock´s Sozial-Agenda, die natürlich auch ein »freie Marktwirtschaft-Kapitalismus-Ding« ist, die den Planeten zerstört. Also, wir zielen nicht häufig auf die Medien ab. Das eine Mal, als wir uns die Schweinerei in Bhopal (2) (den chemischen Unfall) vornahmen und die BBC (falscherweise) ankündigte, dass Dow Chemicals nach 20 Jahren für den Schaden aufkommen würde, da war die BBC der Kollateralschaden. (Diese Nachricht wurde über eine von den Yes Men gefälschte Website verbreitet. Daraufhin interviewte BBC life im Fernsehen unwissentlich die Yes Man, die sich sehr gut gekleidet als offizielle Pressesprecher von Dow Chemicals ausgaben). Wir hatten es auf Dow Chemicals abgesehen, mussten aber BBC und später auch CNN als Vermittler benutzen. Aber eigentlich kooperieren die meisten Journalisten mit uns, jedenfalls sehen wir das so.

Bekommt ihr mit der New York Post in solchen Situationen Probleme mit den Copyright Gesetzen?

Also, nein, wir hatten nie Probleme mit dem Copyright, weil wir es schlichtweg ignoriert haben. Wenn die New York Post da etwas machen wollen würde, dann könnte sie wahrscheinlich einen Prozess gegen uns anstrengen. Aber dann würde sie in einem Copyright-Prozess gegen uns kämpfen und das wäre doch lustig. Oder nicht?! Ich meine, wir würden es ganz toll finden, wenn sie uns vor Gericht bringen. Das wäre sehr lustig.

Warum?

Weil wir dann jeden Tag über den Mist reden könnten, den die New York Post veröffentlicht, dass sie es vermeidet wirkliche Nachrichten herauszugeben, wie den Report des Bürgermeisters zum Klimawandel. Der Kern unserer gefälschten New York Post war der Artikel »Wir sind am Arsch!« genau darüber: Der Report des Bürgermeisters wurde im Januar veröffentlicht und die New York Post hat das noch nicht einmal erwähnt! Und das ist eine Zeitung die eigentlich der Öffentlichkeit berichten sollte und die ihr Wissen vermitteln müsste, um ihr die Möglichkeit zu geben wirklich an einer Demokratie teilzunehmen. Ihrem Auftrag Nachrichten zu überbringen, die wichtig für die Öffentlichkeit wären, wird überhaupt nicht entsprochen. Also würden wir es lieben, wenn die uns vor Gericht bringen würden und wir sie dafür, dass sie keine richtigen Nachrichten verbreiten, bloßstellen könnten. Es ist sehr wichtig, dass die Menschen so etwas (wie den Klimawandel) verstehen, wenn sie wichtige Entscheidungen für die Zukunft treffen wollen.

Falls ihr verurteilt werden würdet, gibt es irgendwelche Gruppen die euch finanziell unterstützen? Oder habt ihr einen Plan B?

Nein, wir haben eigentlich keinen Plan, aber wir brauchen auch nicht wirklich einen. Denn ein Plan wird sich aus dem Kontext ergeben, der einen erfordert. Also, Andy wurde letzte Woche ins Gefängnis gesteckt wegen er dieser Aktion mit den Survival Balls, und das ohne ersichtliche Ursache. Er hatte einen noch offenen Strafzettel, weil er mit dem Rad durch einen Park gefahren war. Und von allen, welche die SURVIVAL BALLS während der »UN Klima-Woche-Proteste« vorstellten, war er der einzige, der verhaftet wurde. Aber es hat sich alles zum Guten gewendet. Er wurde über Nacht im Gefängnis festgehalten, was nicht angenehm war, aber auf der anderen Seite war es auch nicht so schlimm. Und wir schafften es in die Primetime-Nachrichten im nationalen TV Programm.

CNN?

Ja! Das war es wert.

Mit dem was ihr macht, verändert ihr nicht direkt etwas, aber ihr bringt Dinge ins Gespräch, worüber die Leute reden sollten. Was versprecht ihr euch davon?

Also, du weißt ja dass sich die öffentliche Meinung ändern kann. Es braucht manchmal einige Zeit um Ideen auszuarbeiten. Und dann passieren diese Veränderungen ziemlich plötzlich. Und wir hoffen, dass wir zu einer fortlaufenden Bewegung beitragen, die langsam und stetig die öffentliche Meinung verändert. Und das sich genügend Leute involvieren und diese sich gedanklich mit diesen Problemen auseinandersetzen, damit wir in der Lage sein werden die Veränderungen zu schaffen, die wir brauchen um unsere großen Probleme zu bekämpfen und zu sozialer Gerechtigkeit zu gelangen. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von weniger als 1 $ pro Tag und muss auch noch die Hauptlast davontragen, was wir ihnen durch unsere Konsumgesellschaft an Problemen bereiten. Was im Grunde Unheil bedeutet. Ja, das sind unsere Ziele. Unser Ziel ist mehr Menschen mit einzubeziehen. Wenn man das glaubt, was Meinungsforscher über Vermarktung sagen, dann sollte dieses Prinzip auch auf unserer Ebene funktionieren. Die Rolle die wir spielen, ist Andere zu ermutigen die schwere Arbeit des Aktivismus zu betreiben. Wenn sie eben sehen, wie wir diese Firmen bei ihren Events unterwandern und das ihre Sitzungssäle nicht wirklich sicher vor uns sind. Ihre Security ist fehlbar, wie ein Papiertiger… oder ein Potemkinsches Dorf, und wir haben eben immer noch die »Power of the People«…

Also ist die Security nur eine Farce?

Ich würde sagen es ist ihre Achilles Sehne… Mir fallen immer neue Metaphern ein.

Wie lang habt ihr nun schon zusammengearbeitet?

Wir arbeiten jetzt schon seit 15 Jahren zusammen.

Kannst du mir von einem der Resultate eurer Arbeit erzählen an das du dich besonders gut erinnerst?

Also, ich würde sagen, dass es so einige erinnerungswürdige Auswirkungen gibt. Der Preisabfall der Dow Chemicals-Aktien um 2 Billiarden $, nachdem BBC und später CNN bekannt gaben, dass Dow Chemicals angeblich Wiedergutmachung leisten wollte, war zunächst ein großer Erfolg. Als der Aktienpreis dann aber wieder anstieg (nachdem klar wurde das die Wiedergutmachungsmeldung eine »Fälschung« war), gab uns das zu denken, was das eigentlich für unsere Kultur bedeutet, gutes Benehmen zu bestrafen und schlechtes Benehmen zu belohnen. Das war ein großer Lernprozess für uns, aber es war nicht gerade erbauend. Ein aufbauender Moment war sicherlich die Herausgabe der gefälschten NEW YORK TIMES (http://nytimes-se.com/ > eine gefälschte N.Y.T. mit nur guten Nachrichten) und den Ausdruck in auf den Gesichtern der Menschen zu sehen, die diese guten Nachrichten lasen war sehr ermutigend. Das hat uns auch neue Möglichkeiten eröffnet.

Ich möchte euch noch sagen, dass euer Film mir gezeigt hat, dass auch ich etwas tun kann. Ich bin allerdings niemand mit genug Mut um zu tun was ihr tut, also dachte ich, ich schreibe einen Artikel für ein Punk-Fanzine.

Cool.

Check out the Yes Men´s »Fix The World Challenge«:
http://challenge.theyesmen.org/how#start
(Link kaput)

Und ihren Film:

Home

Interview: Maggie Rapuano
Übersetzung: Claudia Ringer / Daniel Bastian

1 Seitliche Haarlocken werden üblicher Weise von Männern des orthodoxen jüdischen Glaubens getragen.
2 Die Katastrophe von Bhopal war eine industrielle Katastrophe, verursacht durch den Chemiekonzern »Union Carbide Productions« (heute DOW Chemicals) in Bhopal, Madhay Pradesh/Indien am 3. Dezember 1984. Die veraltete Fabrik gab Methylisocyanat (MIC) und andere Gifte frei, die sofort 2259 Menschen töteten. DOW Chemicals hat sich nie angemessen um die Folgen gekümmert.

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