März 15th, 2007

MELT BANANA (#73, 12-1998)

Posted in interview by sebastian

melt-banana aus japan, eine band zum verlieben. eine liebe die nun schon in das dritte jahr geht und noch genau so frisch und lebendig und aufregend ist wie am ersten tag.

eine ganz besondere band also, die zu gleichen teilen aus noise göttinnen und göttern besteht. mir, dem unwürdigen, war es vergönnt ein interview mit sängerin und band gründerin yasuko zu führen…

DIE NOISE AKTIVISTEN

yasuko o. (gesang)

agata (gitarre)

rika mm‘ (bass)

ohshima (schlagzeug)

***

Yasuko erzählt zur Geschichte der Band…

Yasuko: 1992 gründete ich eine band, aber das war noch nicht melt-banana. als der gitarrist dieser band ausstieg, übernahm agata seinen part. zu diesem zeitpunkt spielte ich bass, aber es fiel mir immer schwerer bass zu spielen und zu singen. da stiess dann rika zur band. nach ein paar monaten verliess uns unser drummer. anfangs versuchten wir einen neuen schlagzeuger zu finden, konnten aber leider keinen guten ersatz finden.

da wir trotzdem weiter machen wollten, beschlossen wir ohne drummer weiter zu machen. sicher ist das ein grund dafür, dass gitarre, bass und gesang heute so abgehackt schlagzeugmässig klingen. wie auch immer, etwa 6 monate später trafen wir sudoh, und er wollte den schlagzeugpart übernehmen. nachdem er voll integriert war wurden wir wieder eine normalere und beschlossen uns melt-banana zu nennen. das war am ersten april 1993.

danach haben wir k.k.null (zeni geva) kennengelernt. er sah eine unserer shows und fragte, ob wir nicht ein album auf seinem label herausbringen wollten. YES!!! und auch steve albini mochte uns nachdem er während eines japan aufenthaltes eines unserer konzerte gesehen hatte. er bot uns an in seinem haus in chicago material aufzunehmen, mit ihm an den reglern. YES!!!. also sind wir nach chicago und haben unser erstes album „speak squeak creak“ aufgenommen.

dort haben wir dann auch jim o`rourke und mark fischer, den skin graft records boss getroffen. mark kam nach einem unserer chicagoer konzerte auf uns zu und fragte uns, ob wir ein album auf skin graft veröffentlichen wollen. GROssARTIG! das folgende jahr sind wir dann wieder nach chicago, und haben unser zweites album „scratch or stich“ bei steve zu hause aufgenommen. steve albini war der engineer und jim o`rourke der mischer.

während dieses amerika trips spielten wir eine ganze reihe shows, z.b. in chicago, in san francisco etc. der mr. bungle gitarrist war bei unserer show in san francisco und wir haben ihm so gut gefallen, dass mr. bungle uns mit auf ihre 95er us tour genommen haben. die tour war super! wir haben eine menge erfahrungen gesammelt! das jahr darauf, 1996, sind wir, wie du ja weisst, mit us maple auf europa tour gewesen. das war unser erstes mal in europa. wir hatten zwar eine recht harte zeit dort, aber wir sind auch extrem viel rumgekommen und haben eine menge gesehen.

und das war sehr cool. ich hatte aber den eindruck, dass das europäische publikum sich sehr von dem amerikanischen unterscheidet. und nach der europa tour sind wir dann alleine auf usa tour gegangen, mit unterstützung von mr. mustafa. wir nannten die tour „we are not mean tour 96“. bis dahin lief alles wirklich gut mit der band. aber der ärger kam ganz von alleine als uns 1997 unser drummer verliess und wir auf einmal wieder zu dritt da standen. natürlich passierte all dies genau als wir mitten in den aufnahmen zu unserem dritten album steckten.

wir mussten also einen neuen drummer finden. wir fragten natsume, der ein master of grind ist, den schlagzeugpart für unser neues album einzuspielen. er ist ein perfekter schlagzeuger. mit ihm haben wir die aufnahmen zu unserem neuen album „charlie“ zu ende gebracht. natsume ist aber zu beschäftigt um auf dauer bei uns einzusteigen, da er schon in anderen bands wie multiplex, force etc. spielt. also brauchten wir immer noch einen drummer der fest den schlagzeugpart bei melt-banana übernehmen konnte. einige leute erzählten uns etwas über einen typen namens ohshima.

wir besorgten uns seine telefonnummer und versuchten mit ihm kontakt aufzunehmen. sein anschluss war nur leider abgeklemmt, weil er seine telefonrechnungen nicht bezahlt hat. wir haben es aber wieder und wieder versucht und ihn letztenendes auch erreicht. er erzählte uns, dass er melt-banana sehr mag und wahnsinnig gerne bei uns einsteigen würde. Gut! in dieser besetzung gehen wir jetzt im september auf us tour.

die verpackung eures letzten albums war ja recht extravagant mit der grünen extra plastik hülle und den tatoos. seid ihr selbst auf die idee und das design gekommen, oder dürfen wir eurem label skingraft für dieses schicke stück danken? wird es beim nächsten album etwas ähnlich aufwendiges geben? und wann wird es veröffentlicht?

Yasuko: das war mark`s/skin graft records idee. er ist künstler und wollte, dass die vinyl version etwas ganz besonderes wird. unser drittes album kommt im oktober raus, auf unserem eigenen label a-zap records (vertrieben über revolver usa). es wird aber nur eine ganz normale vinyl version geben. der titel lautet „charlie“. ausserdem gibt es ab oktober auch eine neue 7″ auf dem japanischen label hg fact.

ihr habt kürzlich eine single auf dem amerikanischen `slap a ham` label veröffentlicht, welches in der regel politisch orientierte und motivierte bands wie capitalist casualties im programm hat.. ich habe melt banana eigentlich nie als eine polit band angesehen. ich dachte ihr kommt mehr aus der künstler- und noise ecke, habe ich mich da getäuscht? in welche schublade würdet ihr euch selbst stecken? seht ihr euch überhaupt als festen teil einer bestimmten szene? und was genau wollt ihr dem publikum mit eurer band vermitteln?

Yasuko: ich denke wir kommen mehr aus der noise/avantgarde- als aus der hardcore szene. aber als ich zum ersten mal schnellen core und grind core live sah und hörte konnte ich in dieser musik eine ähnliche leidenschaft zur materie entdecken. nicht politisch sondern musikalisch. wir sind keine politische band, aber wir mögen die bands auf slap a ham records. sie sind aggressiv, schnell und sie haben grossartige rhythmusstrukturen.

in japan spielten wir in der vergangenheit vorrangig mit noise und avantgarde bands. neuerdings spielen wir allerdings immer öfter gigs mit hardcore bands. ich vermute wir ziehen sie auf ähnliche art und weise an wie sie uns.

nun, es fällt mir nicht gerade leicht eure musik zu beschreiben. aber für mich klingt es schon recht ungewöhnlich eine hochtönige schimpfende japanische frauenstimme mit dem gitarren-terror-noise-core zu kombinieren, den ihr produziert. normalerweise wird derlei musik doch entweder mit death metal oder hartseinmuskelcore vocals serviert. ist eure kombination von vocals und musik das produkt konkreter planung, habt ihr mit unterschiedlichen vocalstyles experimentiert, oder hat es sich halt ergeben so wie es jetzt ist, quasi per zufall?

Yasuko: wie ich dir vorhin schon sagte, fingen wir ohne schlagzeuger an. also versuchte jede/r von uns irgendwie rhythmus ohne drums zu spielen. mein vocal style rührt natürlich auch daher. als ich mit meiner allerersten band anfing habe ich noch ganz normal gesungen, aber ich spürte, dass das einfach nicht mein ding war.

auf der anderen seite mag ich aber auch pop musik. ich versuchte also mit meiner stimme einen rhythmusbeitrag zu leisten und gleichzeitig pop zu sein. so entwickelte sich mein stil. du siehst, ich schreie nicht nur. ich betrachte meine vocals schon noch als gesang.

erinnert ihr euch noch an den gig in der hannoveraner glocksee 1996? diese 2 verrückten, betrunken death metal typen haben euch das ganze set hindurch mit sachen wie „we will kill everything for you, you are japanese death etc etc.“ angebrüllt. passiert euch so etwas öfter bei konzerten? ich meine, ticken leute regelmässig so aus zu eurer musik? ach ja, und haben sie etwas für euch getötet ?

Yasuko: nun, so death metal kids wie die aus hannover kommen in japan nicht zu unseren konzerten. aber wir haben eine menge freunde die death metal lieben. persönlich bin ich mit dieser art musik nicht sehr vertraut, aber es hat spass gemacht diese kids zu unserer musik ausflippen zu sehen. sehr viele leute diven und moshen bei unseren shows in japan. aber die sind alle lange nicht so verrückt wie diese beiden death metal typen.

ich meine mich darin erinnern zu können mal ein melt banana video clip auf mtv oder viva gesehen zu haben. nun, es gibt eine menge leute die beide kanäle für total evil und scheisse halten. denkt ihr wirklich, dass es sinn macht geld und zeit in video clips zu stecken um das breite publikum damit zu erreichen?

Yasuko: es gibt viel zu viel scheiss musik auf mtv. vielleicht können wir ein paar leute davor bewahren, die versuchen musik nach ihrem geschmack zu finden und deren einzige informationsquelle mtv ist. die würden sich doch sonst mit dem normalen mtv programm zu tode langweilen. ja, es macht sinn für uns.

soweit ich weiss besitzt ihr gute verbindungen zur chicago noise-rock-szene. hat das bereits zu irgendwelchen nebenprojekten geführt, oder ist melt banana die einzige band in der ihr aktiv seid?

Yasuko: mit leuten aus chicago haben wir noch nichts gemacht. dafür gibt es aber kollaborationen wie melt-banana + merzbow (=merz-banana), melt-banana + violent onsen geisha (onsen-banana), melt-banana + elliot sharp + zena parkins + optilcal8 und melt-banana + evil moisture. naja, wir haben noch nichts veröffentlicht. und im augenblick ist jede der einzelnen bands zu sehr beschäftigt um sich darum zu kümmern.

eure alben sind doch von steve albini aufgenommen worden, oder? hat er auch als eine art producer fungiert und einige ideen mit eingebracht, oder hat er einfach nur euer material aufgenommen? und was würdet ihr überhaupt als melt-bananas grössten einfluss bezeichnen?

Yasuko: steve war der sound engineer, produziert haben melt-banana. wir haben ihm gesagt wie wir es haben wollen und er hat es genau so gemacht wie wir wollten. es war sehr komfortabel für uns mit ihm zu arbeiten, weil er perfekt verstand was wir wollten. vielleicht liegt es daran, dass er selbst eine band hat. manchmal verstehen die engineers einfach nicht wie wir uns unseren sound vorstellen, wie er klingen soll.

mit steve ging alles sehr schnell. steve kam lediglich mit einer idee zu uns, die nun in form des 25. tracks unseres ersten albums zu finden ist.. er hat das stück ganz alleine gemacht, wir haben es uns hinterher angehört und es geliebt. unser grösster einfluss? mm… ich würde sagen das album „no new york“ und bands mit denen wir zusammen shows gespielt haben.

eine menge leute haben mir begeistert von euren live shows erzählt. aber gleichzeitig meinten sie, dass sie sich so etwas zu hause nicht anhören könnten. das wirft die frage auf, ob ihr selbst auch lieber mit euren live shows identifiziert werden wollt, oder ob euch die platten genau so wichtig sind?

Yasuko: nach der bandgründung war das wichtigste für uns shows zu spielen. bevor uns k.k.null die chance gab ein album zu veröffentlichen waren live shows die einzige möglichkeit leute auf uns aufmerksam zu machen. als wir also unser erstes album aufnahmen hatten wir die denk- und herangehensweise einer live band.

nach und nach haben wir aber den unterschied zwischen live shows und studio aufnahmen gelernt. unsere aufnahmen sollten genau so gut sein wie unsere shows. beides ist uns sehr wichtig. bei unserem dritten album haben wir sehr viel mehr wert auf die studioarbeit gelegt.

betreibt ihr diese band vollzeit, oder habt ihr noch nebenjobs?

Yasuko: wir müssen uns noch mit teilzeitjobs über wasser halten. aber investieren sehr viel zeit in die band, also kein geld und keine zeit…

ich habe gehört, dass ein melt-banana mitglied ernsthaft erkrankt ist. irgend etwas mit den knochen munkelt man. führt das nicht auf tour früher oder später zu problemen? wie geht ihr mit dieser situation um, und in wie weit hat diese tatsache einfluss auf eure zukunft?

Yasuko: ja, das ist richtig. einer von uns leidet an einer knochenmarkserkrankung. man kann mit dieser krankheit aber wie jeder normale, gesunde mensch leben. im unterschied dazu ermüdet man nur sehr schnell aufgrund einer blutarmut. daher denke ich ist es sehr anstrengend für diese person zu touren. wir anderen versuchen deshalb an allen ecken und enden zu helfen, um ihm genügend ruhe zu ermöglichen.

als wir 1995 mit mr. bungle auf tour waren, bekam er durch das trockene klima und die kälte starkes nasenbluten, welches über tage hinweg anhielt. wenn sich die krankheit stark verschlimmern sollte, wird es für melt-banana schwierig werden noch zu touren. aber bislang war das kein problem.

wann immer ich auf melt banana zu sprechen komme, erinnert mich ein freund daran, dass euer gitarrist wie bruce lee aussieht. ein eigenartiges erkennungsmerkmal einer band, nicht wahr? habt ihr von weiteren solcher seltsamen sachen gehört, für die ihr bekannt seid?

Yasuko: melt-banana = australisches dessert, melt-banana sängerin ist halb japanischer/ indianischer abstammung.

***

D I S C O G R A P H Y

für alle passionierten plattensammler hier noch die discography. bei der fülle der melt-banana veröffentlichungen eine gute sache denke ich. das erste album ist übrigens nur auf cd erschienen, aber interessiert ausser mir wahrscheinlich eh niemanden…

ALBEN:

1994/09/09 1st Album „SPEAK SQUEAK CREAK“ – NUX Organizaiton, Japan

1995/10/21 2nd Album „Scratch Or Stitch“ – (Japan edition) meldac, Japan

1996/05/21 2nd Album „Scratch Or Stitch“ – (US/Euro edition) Skin Graft Records

EPs

1994/09 „Hedgehog“ Charnel Music, USA

1994/10 Split 7′ with God is My Co-Pilot, HG Fact, Japan

1995/10 Split 7′ wtih Discordance Axis, HG Fact, Japan

1995/07 „It’s in the Pillcase“ Skin Graft Records, USA

1995/10 Split 7′ with Pencilneck, Anti-Music, USA

1996/07 Split 10′ with Stilluppsteypa, Fire inc.+Something Wired, Iceland

1996/09 Split 7′ with Target Shoppers, Destroy All Music

1996/11 „Untitled (piano one)“, Gentle Giant Records, USA

1997/09 Split 7′ with Plainfield, Smelly Records, USA

1997/10 „Eleventh“, Slap A Ham Records, USA

1998/03 Split 5′ with Xerobot, Coat-Tail Records, USA

1998/04 Split 7′ with Killout Trash, Kool POP Recordings, Germany

Kassetten:

1993/07 „Melt-Banana“, IGUANA Coax, Japan

1993/09 „How Come Banana??“, IGUANA Coax, Japan

1993/10 „Raw egg till morning“, IGUANA Coax, Japan
1994/10 „Cactuses come in the Flocks“ Chocolate Monk, Ireland

interview: torsten meyer

Links (2015):
Wikipedia
Homepage
Discogs

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