Mai 23rd, 2019

MAN OR ASTRO-MAN? (#78, 1999)

Posted in interview by Thorsten

Wer dachte Man Or Astro-man seien eine Truppe von ewig stonedten Typen die sich in keiner Weise für Naturwissenschaft, bzw. Elektronik interessieren, der wird hier eines besseren belehrt. Das Trust hatte die Gelegenheit und sprach über dies und anderes mit dem, dessen Sturzhelm immer brennt, Coco the Electronic Monkey Wizard.

Wir befragen dich jetzt nicht nur aus dem banalen Grund, daß ihr eine neue LP raus habt und wieder mal auf Tour seit, nein, es geht uns um Drogen, das Benutzen bzw. Nichtbenutzen der selben. Wie sieht es da bei Man Or Astro-man aus? Welche Drogen gibt es im Weltraum?

Coco: Moment, bevor ich diese Frage beantworten kann, muß ich dich darüber in Kenntnis setzen, daß Man Or Astro-man bei Interviews, immer erst das benutzte Gerät überprüfen.
Der gute Mann nimmt meine Sony Walkman und überprüft den Mikro-Eingang und den Aufnahmepegel.

Coco: Du mußt wissen, wir machen das nur um einen gewissen Qualitäts-Standart zu bewahren, denn wenn man wie wir aus den unendlichen Tiefen des Raumes kommt, muß man sich auch um so etwas kümmern. Ja, Sony Stereo-WalkmanWMD 03, der ist uns auf unseren Reisen schon öfters begegnet. Scheint alles in Ordnung zu sein. Es freut mich, daß du Top-Line-Equipment benutzt. Aber jetzt zu den Drogen………ja, Drogen im Weltall….., das ist jetzt fast schon eine semantische Frage, weil Man Or Astro-man im Weltall nicht in biologischer Form existieren, und deswegen auch nicht in der Lage sind, ihre Körper auf chemische Art zu verändern, etwas was auf der Erde sehr typisch ist. Die meisten Drogen, denen ich hier auf der Erde begegnet bin waren entweder chemische Modifizierer oder biologische Modifizierer. Im Weltall hast du natürlich viele andere Plattformen auf denen du dich modifizieren kannst. Du könntest dich in der Frequenz modulieren, etwas was sehr viel Spaß macht, oder du kannst deine Amplitude verändern, aber der richtige kick ist es seine Dichte zu modulieren, das macht viele abhängig im Weltall.

Geht es darum die Masse gleich zulassen und nur im Volumen zu wachsen? Oder das Volumen… .

Coco: Nein, nein, das Volumen bleibt gleich……obwohl du hast recht, das ginge auch, nur würde ich das dann nicht Dichte-modifizierende-Drogen nennen, sondern Volumen-modifizierende-Drogen, und das machen nur die ganz harten User. Wir sind ja ziemlich soft wenn es um intergalaktische Drogen geht. Auf der Erde, also wenn wir hier sind benutzen wir als Drogen nur……wenn du es überhaupt Droge nennen willst……große Mengen von caffeinierter Flüssigkeit und der eine oder andere gelegentliche Stromschlag. Alles andere haben wir natürlich wissenschaftlich untersucht, bis ins allerletzte Detail, aber wie gesagt, nur aus rein wissenschaftlicher Perspektive. Die Stromschläge die zur Erregung verabreicht werden… .

Moment, du redest da doch gerade von Sex, oder??

Coco: Ja.., auch! Aber das ist eine Grauzone. Aber ich wußte noch nicht, daß Leute auf der Erde Stromstöße zur sexuellen Erregung verwenden.

Natürlich, deswegen auch das ganze elektrische Licht, alles nur Sex…

Coco: Wow, alles nur Sex?!? Ich wußte gar nicht, daß es so viele Sex-Addicts hier gibt. Deswegen machen die Elektrizitätswerke auch so viel Geld. Das ist ja noch besser als die Tabakindustrie… .

Moment, die Zigarette braucht man ja nach dem Sex…-

Coco: Stimmt, so kommt alles wieder zusammen, sehr schön. Das ist kluges Marketing. Genau das wäre es doch, wir machen die Leute mit unserer nächste Platte süchtig. Ich meine das wäre doch toll. Vergiß es, ein gutes Produkt zu erschaffen, die Platte muß einfach nur süchtig machen. Wenn wir sie dann noch so bewerben, das die Leute das erste Hören der LP als cool ansehen, egal ob es so ist, Wow!! Du kennst das doch von Rauchen als Kid. Jeder hustet bei der ersten Zigarette, aber durch den vermeintlichen Coolness-Faktor raucht man sie trotzdem. Er muß vorhanden sein. Überlegen wir weiter, rauchen schmeckt scheiße wenn man anfängt, also könnte sogar unsere Platte Scheiße klingen, egal, solange andere um dich herum es hören und glauben, daß es cool ist, voila, haben wir dich. Dann mußt du natürlich auch das nächste Album kaufen und das danach, und… Genau so müssen wir vorgehen.

Auf dem aktuelle Album EEVIAC habt ihr euch ja mal richtig raus gewagt und seit etwas vielseitiger geworden, ein Track klingt fast wie die Mummies, ein anderer nach Kifferrock, es gibt viel mehr Gesang wie kam es?

Coco: Naja, wir wollten nicht schon wieder die gleiche Platte machen, etwas was wir in der Vergangenheit schon des öfteren gemacht hatten. Und wir sind ja auch keine richtige Surfband. Die 50er/60er Jahre interessieren uns nicht wegen der Surfmusik, oder der Musik überhaupt, sondern wegen der Vision der Zukunft, damals. Die Vision der Zukunft in der 60ern, die Vision der Wissenschaft ging damals in die Musik mit ein. Bands sangen über Raketen, Reverb-Antriebe, so ein Zeug. Aus dieser Richtung kommen wir, aber nach vier Alben, die wir fast nach einer programmatischen Formel hergestellt hatten, wollten wir was anderes.

Um nun wieder auf das eigentliche Thema, Drogen, zurückzukommen nehme ich jetzt mal Track #7 aus dem neuen Album heraus und frage mich, da müssen doch Drogen im Spiel gewesen sein, das klingt ja fast wie Spaceman 3?

Coco: Das einzige was ich dir bieten kann, ist enormes Schlafdefizit. Enormer Schlafentzug und das Einsperren in kleinen Räumen kann zu ähnlichen Zuständen führen wie der Genuß von harten Drogen. Du wirst erstaunt sein, wie wenig Drogen oder ähnliches von Man Or Astro-man verwendet werden. Aber wir verurteilen Drogen auch nicht. Wir haben Leute dabei die mit der visuellen Seite unserer Show verknüpft sind, die sehr wohl traditionelle weiche Drogen verwenden. OK. mit uns, solange der Output noch da ist. Was anderes ist die Scene die wir durch Estrus kennengelernt haben. Die Leute vom Label und auch die anderen Bands trinken Unmengen von Alkohol, aber das ist auch schon wieder alles. Auch die Surfscene ist eigentlich keine richtige Drogenscene, ein bißchen Speed, aber auch nicht viel. Alles in allem, muß ich auch sagen, daß ich mir bei einer Band von unsrer Popularität und unserer Position, also ohne den Werbeetat eines Major-Label, gar nicht vorstellen kann Drogen zu nehmen. Wir sind eigentlich andauernd auf Tour, nur um auf diesem Level zu bleiben. Aber es gibt Zehntausende von Bands, jeden Tag werden zweitausend Platten neu veröffentlicht, also müssen wir andauernd touren, und die einzige Droge die das mitmachen würde, wären Amphetamine, aber dann würden wir auch diesen schweren Hardrock spielen müssen, nein, nein… .

Habt ihr heute wieder dieses komische Elektroteil das Funken sprüht dabei?

Coco: Ah….., du meist den Tesla-Transformator. Nein leider nicht, wir haben ihn in den Staaten gelassen…

Wir hatten es geschafft!! Wir hatten den Punkt den Coco wirklich zur Begeisterung bringt angesprochen. Wer die Band auf der Tour 98 gesehen hat, hat das Ding live gesehen, wer nicht, dem sollen jetzt erst mal zwei Eintragungen aus dem „Meyers Grosses Taschen-Lexikon in 24 Bänden, Mannheim 1983“ helfen:

Tesla, Nikola, geb. Smiljan 10.01.1856, tot 07.01.1943, amerikan. Physiker und Elektrotechniker serb. Herkunft. -Mitarbeiter von T. A. Edison; entwickelte ab 1881 (unabhängig von G. Ferraris und. F. Haselwander) das Prinzip des Elektromotors mit rotierendem Magnetfeld (Drehstrommotor) und gab 1887 das Mehrphasensystem zur elektr. Energieübertragung an. 1891 führte er erstmals den von ihm erfundenen Tesla-Transformator vor.

Tesla-Transformator, (Hochfrequenztransformator), ein spezieller Transformator zur Erzeugung hochfrequenter Wechselströme geringer Stromstärke, aber sehr hoher Spannung bzw. hochfrequenter elektr. Schwingungen. Eine aus wenigen Windungen bestehende Spule (Primärspule) eines durch Funken erregten elektr. Schwingkreises umschlingt eine lange, aus vielen Windungen einlagig gewickelte Sekundärspule (Tesla-Spule), in der hochfrequente, sog. Tesla-Schwingungen angeregt (induziert) werden.

Alles klar, nein?? Auch egal, das Ding ist etwas zwei Meter groß und sieht aus wie ein Ofenrohr mit Drahtwindungen oben und einem Blecheimer als Basis. Nicht sehr spektakulär, aber wenn aus dem „Kopf“ des ganzen, nachdem Coco an ein paar Reglern gedreht hat, auf einmal richtige Blitze schießen wird einem schon komisch, oder besser gesagt man erinnert sich an die Schulzeit. Da gab es so eine Faustformel, Physikunterricht, Strom „springt“ bei 20°C und normalem Druck ca. 1cm pro 1000 Volt. Die Blitze die Coco mit seinem Ding fabrizierte waren ca. 50 bis 60 cm „lang“. Aber zurück zum Interview:

Coco: …Den habe ich übrigens selber gebaut. Den Tesla-Trafo vom letzten Jahr war der erste den ich gebaut habe. Aber das ist der kleine, wir haben noch einen größeren zu Hause, den benutzen wir jetzt für die US-Touren. Der Macht Funken bis zu 2 1/2 Fuß (80 cm!!!) Oh, ich liebe die Dinger, ich träume davon einen richtig großen zu bauen. Einen der so hoch ist wie das Haus da hinten. (ca. 7 Meter, A.d.I.) Wenn diese Tour vorbei ist treffe ich mich wieder mit Freunden und wir führen uns gegenseitig unsere Tesla-Trafos vor. Ein Kumpel von mir, er hat mir auch alles beigebracht, ist ein wahrer Künstler auf diesem Gebiet, er weiß alles über Tesla-Trafos.

Habt ihr keine Angst, das mal jemand in so einen Funken reinfassen könnte und hops geht?

Coco: Nein, das darf natürlich nicht passieren, der wäre wahrscheinlich tot, obwohl muß nicht. Bei unseren Treffen der „Tesla-Trafo-Begeisterten“ gibt es natürlich auch ein wenig Konkurrenzdenken. Wessen Funken „gehen“ am weitesten, welches Gerät hat die meisten Windungen. Mein Kumpel hat einen mit 9 Windungen gebaut….Wow, der schießt über einen Yard (ca. 1,0 Meter). Ein anderer hat sich ein Metallanzug gebaut und ist in die Funken gegangen…

Der ist jetzt wohl tot…

Coco: Nein. der Anzug war von oben – dem Helm, bis zu den Schuhen aus Metall. Es sollte natürlich den Strom sofort in den Boden ableiten, aber wir waren uns auch nicht sicher ob es funktioniert. Naja. Der Typ wollte es uns beweisen und lies sich von einem wirklich großen Tesla-Trafo einen Mordschlag versetzen, er flog dann so fünf Yards, aber es hat geklappt, ihm ist nichts passiert. Ich glaube das ist meine Droge, ich bin süchtig nach Tesla-Trafos, bzw. das bauen an ihnen.

Nach dieser Erkenntnis sprachen wir noch über die Filme, die sie während der Show einsetzen, und die sie meistens aus alten Schularchivauflösungen kaufen. Dann spielten sie ein tolles Set, nur leider ohne 60.000 Volt bei der Zugabe.

Interview: Al Schulha & Andrea Stork, Text & Fotos: Al Schulha

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