März 28th, 2018

Lügen (#184, 6-17)

Posted in interview by Jan

Wir schreiben den 29.12.2016, die Festtage wurden erfolgreich überstanden, aber der alltägliche Wahnsinn ist noch nicht zurück, da die meisten erst wieder mit dem neuen Jahr in den Alltagstrott eintauchen und dieses völlig überbewertete Dinge namens Silvester noch bevorsteht. Ehrlich gesagt sind diese Tage mit die besten im Jahr, man hängt in der Luft, bewegt sich im Nix und hat auch mal Zeit für die innere Einkehr, aber auch gute Konzerte. So fand ich mich an jenem Abend im EMIL in Zittau wieder, wo neben den wunderbaren VILLAGES aus Dresden die Band LÜGEN aus Dortmund aufgespielt hat, um auf den Trümmern der Normalität zu tanzen.

Was habe ich mich auf die Show gefreut, habe ich ihr Demo-Tape doch rauf und runter gehört, jeden der vier Songs lieben gelernt und mit jedem Durchlauf mehr Respekt für dieses Kleinod entwickelt. Wahrscheinlich habe ich keiner Band im Jahre 2016 mehr Zeit geschenkt, denn der Post Punk der vier bedient einen auf so vielen Ebenen, dass es wirklich absolut bemerkenswert ist: Musikalisch abwechslungsreich, keinem Genre verpflichtet, kantig und wild, aber immer auch auf die zwingende Melodie schauend, mit scheltendem Sprechgesang versehen, lyrisch fesselnd, mitreißend, zwischen Selbstoffenbarung und den Finger in die Wunde legend, anspruchsvoll und philosophisch, aber auch konkret und mit bissiger Ironie. Ich könnte jetzt noch eine ganze Weile so weitermachen, aber da das alles nur am Ziel vorbeischießt, kurz und bündig: Schenkt dieser Band euer Ohr, diesem Interview euer Auge und euren Füßen eine LÜGEN-Liveshow im nächstgelegenen JZ.

 

Erst einmal die Basics: Seid wann gibt es euch und habt ihr vorher in anderen Bands gespielt? Warum habt ihr Lügen gegründet, hattet ihr eine bestimmte Intention?

In der Konstellation, in der wir nun zusammen sind, gibt es LÜGEN seit 2016. Wir sind vier Personen, die sich aus privaten Zusammenhängen kennen. Die meisten von uns haben auch vorher schon Musik gemacht. Die Intention für LÜGEN war es, gemeinsam Musik zu machen, auf die wir Bock haben und dabei auch Sachen, die uns im Leben beschäftigen, nerven oder ankotzen zu verarbeiten.

In welchen Bands habt ihr gespielt? Kennt man die?

Ohne jetzt angeben zu wollen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit wären unter anderem BAD RELIGION, BIKINI KILL, NOFX zu benennen. In unserem Wikipedia-Artikel steht alles hierzu und auf Twitter natürlich auch. Aber bei LÜGEN wollen wir halt was Anderes machen als bei den Sachen zuvor, deswegen nehmen wir uns bewusst zurück was so Namedropping angeht.

Und in welchem Moment wusstet ihr, dass ihr wirklich eine Band seid? Gab es da einen Schlüsselmoment?

So einen richtigen Schlüsselmoment gab es gar nicht. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen menschlich und musikalisch alles wirklich geil zusammenpasst. Grad auf unserer Wintertour haben wir viel Zeit zusammenverbracht und häufig auf sehr engem Raum zusammengelebt. Da haben wir uns nochmal intensiver kennengelernt und auch gemerkt, wie die jeweils anderen so ticken, dass z.B. sie echt laute Kaugeräusche machen, komische Schlafgewohnheiten oder skurrile Unterhosendesigns haben. Solche gemeinsamen Erlebnisse wie eine Tour schweißen zusammen. Und dabei haben wir festgestellt, dass wir eine gewisse Dynamik im Umgang miteinander entwickelt haben. Konflikte lösen wir z.B. gern mit körperlicher Gewalt. Und wir teilen die gleiche Art von Humor.

Ich kenne mich eher wenig mit deutschem Post Punk aus und auch Deutsch-Punk generell hat bei mir nie wirklich punkten können. Welche Bands und Platten muss ich kennen, um euch zu verstehen? Was hat euch beeinflusst?

Weniger jetzt konkrete Platten und Musiker*innen bzw. Bands. Wir mögen alle vom Musikgenre her am ehesten Punk und feiern auch hin und wieder die gleichen Sachen ab. Beeinflusst hat uns neben verschiedenen musikalischen Dingen aber auch unsere politische oder auch allgemeine Einstellung: Uns kotzen halt die gleichen Dinge an.

Sabrina, wie kam es zu dem Sprechgesang, den du über die Songs legst und der euren Sound u.a. so stark ausmacht? War das bewusst gewählt oder ergibt sich das aus verschiedenen Gründen?

Der Gesang ist nicht bewusst gewählt, er ist halt das was uns zu der Musik eingefallen ist und inzwischen fühlt sich das auch stimmig an.

Ihr legt viel Wert auf eure Lyrics – wie groß denkt ihr kann der Einfluss euer Lyrics auf andere Personen sein? Habt ihr in dem Bereich Vorbilder, die euch eventuell auch bewegt oder verändert haben?

Eigentlich wäre es cool, wenn Leute sich hier irgendwie wiederfinden und nachempfinden können, was wir mit unseren Texten ansprechen. Aber wer dann was damit anfangen kann, liegt ja nicht in unserer Hand. Zu sagen, dass wir keine Vorbilder haben wäre quatsch, irgendwas inspiriert eine*n ja immer, und das was mensch so an Musik konsumiert prägt ja auch den eigenen Stil, aber konkret gibt’s da jetzt nicht irgendwas, wo wir sagen würden: Das ist das, wie wir klingen wollen. Vorbilder haben ist auch nicht unbedingt etwas Positives. Sich von Menschen, Dingen oder Ideen begeistern zu lassen ist gut um dann etwas Eigenes zu basteln.

 „außen:innen“ ist für mich einer der persönlichsten Songs, die ich je in dem Genre gehört habe: „Ich hab mich vor euch auf den Boden geworfen, geweint, gebettelt, gefleht, ich hab euch umarmt und geküsst, eure Häuser bemalt, mit Fäusten gedroht, soviel Wut an euch verschwendet, doch das hat überhaupt nichts genützt“ – wirklich mitreißende Zeilen, Respekt dafür. Ihr verabschiedet euch in dem Song von „den Trümmern, die ihr Normalität nennt“. Wen genau sprecht ihr an? Familiäre Strukturen, Arbeitsmarkt, Vorstadt-Idylle oder das große Ganze?

Sabrina: Danke. Ich habe bei der Auseinandersetzung mit Themen wie z.B. Tierrechten erlebt, dass mich das in meinem Handeln stark verändert hat, aber genauso schnell bemerkt, dass andere Menschen sich schnell schon durch meine bloße Anwesenheit mit solchen Themen konfrontiert und moralisiert fühlten. Und auch wenn einige Menschen dann irgendwann zu dem Schluss kamen, dass das wichtige Themen sind, führte das eher selten dazu, dass sie selbst etwas ändern wollten.

Und dann gibt es eben noch die, die alles ok finden wie es ist. Und die kann mensch nicht aufrütteln. Da hilft kein Betteln, keine Sprühbotschaften an Häuserwänden, kein auf den Boden rollen und Schreien. Nichts. Entweder sie schnallen irgendwann, dass sie ein paar ganz privilegierte Personen sind, die nicht am eigenen Leib spüren müssen, was in der Welt so an Scheiße passiert, oder auch nicht. Sie kommen jedenfalls auch so gut durchs Leben. Vor allem solche Menschen oder Verhaltensweisen sind mit dem Text gemeint. Und diese Erkenntnis ist eine schockierende Erfahrung für mich gewesen. So, das klingt jetzt sicher sehr naiv, aber ich hatte offenbar das Glück recht lange in meinem Leben daran zu glauben, dass am Ende alles gut werden kann (lacht).

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Viel schlimmer sind aber doch gerade eher die Leute, die etwas tun, sprich für Pegida auf die Straße gehen, Menschen niederbrüllen, die AFD wählen und im Internet puren Hass und Lügen verbreiten. Denkt ihr es ist wichtiger diese Menschen zu bearbeiten bzw. zu versuchen, sie zu neutralisieren, oder doch die träge Masse versuchen in Schwung zu bringen?

Die Leute, die für Pegida und ähnliche Sachen auf die Straße gehen oder in anderen Zusammenhängen Hass verbreiten, sind gemeinsam mit einer „trägen Masse“, die das alles passieren lässt, das Problem. Das soll nicht heißen, dass diejenigen, die nichts dagegen tun, automatisch die gleiche Schuld haben, wie diejenigen, die aktiv rassistisch agieren, obwohl das ab einem gewissen Grad von Geschehnissen durchaus so sein kann. Aber es bedeutet, dass wir die ganze Zeit irgendwas tun, um Diskurse mitzugestalten. Es bringt also durchaus etwas mit dem Erwin von der Trinkhalle oder der Gerda aus der Nachbarschaft auch über solche Themen zu sprechen oder rassistische / sexistische Kommentare im Bus nicht so stehen zu lassen. Und das ändert vielleicht was am allgemeinen Klima und verringert dann wieder die Zahl an aktiven AfD-Anhänger*innen, herumtrollenden Pegida-Sympathisant*innen oder Verschwörungstheoretiker*innen. Zumindest führt es vielleicht dazu, dass solche Einstellungen nicht gesellschaftsfähig werden. Insofern ist es wohl wichtig Menschen, die schon in rechten Strukturen verhangen sind, versuchen zu bearbeiten, jedoch ist es vielleicht erfolgsversprechender, die „träge Masse“ in Schwung zu bringen.

Generell kämpft ihr in euren Lyrics gegen das Gesamtkonstrukt Gesellschaft mit seinen Zwängen und Normen an – das Thema zieht sich durch das ganze Tape. Inwiefern würdet ihr euch als Outlaws beschreiben? In welchen Nischen bewegt ihr euch? Oder lebt ihr eher die Variante „Versteckte Ablehnung“, wie die meisten von uns?

Wir kritisieren schon das Gesamtkonstrukt Gesellschaft und auch das, was hier so als Glück oder Normalität verstanden und verkauft wird. Deswegen würden wir uns aber nicht als Outlaws bezeichnen. Wir sind halt auch an die Norm angepasste, in diese Gesellschaft sozialisierte Personen mit Jobs und mehr oder weniger bürgerlichem Leben. Aber wenn Du mit Nische nun Musikszenekontexte meinst, bewegen wir uns hier bestimmt eher in Nischen. Versteckte Ablehnung leben wir auch, jedoch ist es dann konsequent den Leuten und der Gesamtscheiße hin und wieder auch mal den Ärger ins Gesicht zu rotzen und Ablehnung offen zu zeigen. Und dafür ist Musik eine gute Ausdrucksweise.

„anhaltende Andersartigkeit“ stellt viele Fragen, was die Themen Anpassung und Andersartigkeit betrifft. Ist Punk eurer Meinung nach heute noch eine wirkliche Lebens-Alternative oder auch nur ein Teil des großen Spiels, eben um eine bestimmte Sorte Menschen aufzufangen und sich mit sich selber beschäftigen zu lassen?

Punk verändert sich, wie alles andere auch, mit der Zeit und den Menschen, die dazugehören. Punk hat halt den großen Vorteil, dass es eine Plattform sein kann, mensch selbst zu sein. Ohne dass jetzt eine besondere Leistung, im kapitalistischen Sinne, gezeigt werden muss. So haben wir das zumindest immer gelesen. Auf gesellschaftliche Normen scheißen und sein eigenes Ding machen. Aber auch das ist mit Vorsicht zu genießen, denn auch hier sind die eh schon Privilegierten meistens ganz vorne mit dabei, sich alles Mögliche herauszunehmen und andere bleiben auf der Strecke. Und dabei sollte es ja nicht nur um das größtmögliche Maß persönlicher Freiheit, sondern auch darum gehen, dies anderen zu ermöglichen und solidarisch mit denen zu sein, die sich die Freiheit nicht einfach nehmen können.

Ein ganz wichtiger Punkt, wie ich finde: Solidarität. Während eurer Live-Show sprachst du die Gleichstellung von Frauen an, die keineswegs schon erreicht ist. Wie derzeit fast alles in den medialen Diskussionen gibt es auch in dem Bereich eine krasse Polarisierung, gerade auch mit Blick auf die Trump-USA oder Reaktionen auf Äußerungen von Lena Dunham oder Margarete Stokowski, was immer wieder sehr erschreckend ist, was da in den Untiefen männlicher Seelen schlummert. Was denkst du, wie viele Prozent der Männer in Deutschland sehen Frauen wirklich als gleichwertig an?

Sabrina: Prozentzahlen sind irgendwie nicht der wichtige Punkt, oder Männer die Frauen als nicht gleichwertig ansehen, bzw. Frauen, die andere Frauen als nicht gleichwertig ansehen. Es geht ja eher um ein strukturelles Problem, bei dem Frauen im gesamtgesellschaftlichen Kontext benachteiligt sind, z.B. bezogen auf gesellschaftliche Ressourcen wie Zeit, Geld oder Prestige und auch eher von Sexismus betroffen sind. Und dies hängt zusammen mit bestimmten Vorstellungen von Geschlecht und am Ende auch gesellschaftlicher Arbeitsteilung im kapitalistischen System. Das Patriarchat wird nicht nur von Männern gemacht, es wird strukturell von Menschen ausgestaltet und Frauen sind nicht aufgrund ihrer geschlechtlichen Zuweisung automatisch solidarisch miteinander. Männlichkeit, männlich konnotierte Eigenschaften werden insgesamt höher bewertet als weiblich konnotierte Eigenschaften und Weiblichkeit.

Und was muss passieren, dass das irgendwann nochmal was wird mit der Gleichberechtigung?

Das ist leicht … ne, darauf gibt es keine einfache Antwort. Der erste Schritt wäre sich klar zu machen, dass reale Gleichberechtigung nicht existiert, nur, weil es als Anspruch im Grundgesetz steht oder Frauen jetzt häufiger Abitur machen. Geschlecht ist keine biologische Tatsache, sondern ein Produkt aus Sozialisation, Performanz und Wiederholungen. Dann würden wir vielleicht realisieren, dass Geschlechterrollen uns keine Stabilität geben, sondern uns mit den dazugehörigen Ideen von Schönheit, Leistung und Verhalten Freiheit vorenthalten. Außerdem wäre es gut, patriarchale Probleme nicht weiter in kulturelle Rassismen umzudeuten.

Typen wie Trump oder die europäischen Pendants sind ja nicht das Problem an sich, sondern sie stehen am Ende einer Gesellschaftsentwicklung, die nationalistisches, sexistisches, homophobes, identitäres und insgesamt nicht-solidarisches Gedankengut lange nichts entgegengesetzt hat und auch nicht versucht, Macht-und Herrschaftsverhältnisse insgesamt zu hinterfragen. Das ist ja die übergeordnete Thematik. Diese Deppen kommen ja nicht plötzlich aus den Löchern gekrochen und wenn sie abgeschafft würden, wäre alles gut.

Vermisst du eigentlich die Frauen in der Szene oder passt das für dich? Gibt es in der Punk-Szene ein gutes und unterstützendes Frauen-Netzwerk, sprich helft ihr euch innerhalb eurer Minderheit?

Sabrina: Ja, ich vermisse Frauen, Transpersonen, queere Menschen in der Punk Szene, ich vermisse Andersdenkende aus allen möglichen gesellschaftlichen Milieus, verschiedenen kulturellen Hintergründen, etc. Ich kann keine Aussage über die gesamte Punk-Szene treffen. Aber auch hier gibt es halt häufig männliche Akteure, die sichtbar sind und die Hintergrundarbeit wird eher von Frauen gemacht. Und das ist nicht so, weil zufällig alle gerne so die Aufgabenverteilung haben, das passiert, weil wir von bestimmten Rollenbildern geprägt werden, die ja nicht verschwinden, weil wir jetzt Punker*innen sind. Und selbst wenn ich mich mit feministischen oder emanzipatorischen Themen auseinandergesetzt habe, heißt das nicht automatisch, dass ich meine Handlungen hiernach ausrichte. Denn solche Ideen in konkrete Handlungen umzusetzen, z.B. wenn ich ein Konzert veranstalte, erfordert halt Mut, Anstrengung und Geduld von allen Beteiligten. Und das in einer Umgebung, in der eh alles ehrenamtlich gemacht wird, neben Job, Familie etc. Das ist verdammt schwer. Aber dringend notwendig, weil sonst alles weiter reproduziert wird.

Das erfordert also nicht nur Vernetzung von Frauen, sondern ein Umdenken aller Beteiligten. Ich finde es aber besonders schön, wenn Frauen* sich einfach Räume nehmen, die ihnen zustehen, ohne dass sie erst drauf warten, dass ihnen Platz gemacht wird. In Dortmund hat sich z.B. grad eine queer-feministische Konzertgruppe formiert, die aus Frauen* besteht um die Themen Queerness / Queer-Feminismus / Feminismus stärker einzubringen.

Ok, coole Sache. An sich, ihr habt es schon etwas angesprochen, wie lief eure Tour so? Seid ihr zufrieden mit euch und den Rückmeldungen?

Die Zeit war super. Zwar hatten wir zu Beginn und auch während der Tour Probleme durch krankheitsbedingte Absagen von Bands, die uns jeweils mehrere Tage begleiten wollten. Dadurch mussten wir unterwegs noch viel telefonieren und so. Es waren dann bei jedem Konzert deutlich mehr Leute, als wir erwartet hätten, zumal es für eine Band, die ja gerade erst losgelegt hat, immer mega-schwer ist, überhaupt Konzerte unter der Woche zu bekommen, und diese dann auch zu füllen. Es ist immer wieder unglaublich schön zu sehen, wie dieses ganze Tour-Ding irgendwie funktioniert, weil es überall Menschen gibt, die ihre Freizeit dafür investieren einer Band einen tollen Abend / Tag zu bereiten, besonders in Orten, wo sonst nicht viel los ist. Bestes Beispiel hierfür war der Silvesterabend, wo unsere Freunde von KYHL einfach kurzerhand ein Konzert mitten im nirgendwo in irgendeiner Hütte mitten aufm Feld organisiert haben.

Was geht generell so in Dortmund? Gibt es bei euch eine aktive Punk-Szene? Und inwiefern seid ihr Teil dessen?

Dortmund hat ebenso wie der Pott generell riesiges Potential. Gleichermaßen auf Band- wie auch Veranstalter*innen-Seite, bis hin zu Menschen, die sich sonst auf irgendeine Weise im DIY bzw. Punk bewegen. Ein großes Problem ist gerade in Dortmund leider die Stadtpolitik, die seit Jahren ein dringend benötigtes Soziales Zentrum blockiert, bzw. Versuche Lehrstände zu nutzen, durch Polizeigewalt und sonstige Repressionsapparate verhindert. So ist es schwer, regelmäßig Konzerte abseits kommerzieller Räume zu organisieren.

Ich habe euch in Zittau im Emil gesehen, welches einige Wochen zuvor mit Buttersäure angegriffen wurde. Wie sieht es in Dortmund aus, das ja auch immer wieder wegen Nazis in den Medien ist?

Natürlich hat Dortmund ein Naziproblem und ja, bestimmt ist dies auch größer als in vielen anderen Städten. Es wird viel darübergeschrieben, wie schlimm Dortmund ist, wobei mensch sich vielleicht die Frage stellen sollte, ob und in wie weit das einer sich als politisch aktiv definierenden rechten Szenen um die Partei „Die Rechte“ sogar zuträglich ist. Die Ansammlung von Faschos in Dortmund ist jedoch keineswegs einfach nur Zufall. Hier, wie überall anders, wo Nationalismus und Populismus auf dem Vormarsch sind, muss thematisiert werden, wie sich Staatsgewalt gegenüber zivilgesellschaftlichem Protest verhält bzw. ihn kriminalisiert. Beispielhaft sind hier die Ereignisse um den „(Kein) Tag der Deutschen Zukunft“ im Juni in Dortmund. Gleichermaßen muss es auch darum gehen, politische, emanzipatorische Inhalte wieder für eben diese Zivilgesellschaft interessant zu machen und sie somit für den Protest gegen Nazis, Staat und Kapitalismus zu gewinnen.

Ok, aber was denkt ihr, sind die besten Mittel gegen Nazis? Was funktioniert Eurer Meinung nach am besten?

Wenn es nur ein wirksames Mittel gegen Nazis gäbe. Vielleicht was mit Minzgeschmack, das wäre fein. Wahrscheinlich muss mensch hier zwei Dinge gleichermaßen fokussieren: Zum einen dafür sorgen, dass Menschen gar nicht erst zu Nazis werden, z.B. durch Aufklärung in Bildungsinstitutionen aber auch in der Jugendarbeit, damit so wenig Menschen wie möglich in rechte Strukturen „nachwachsen“. Darüber hinaus braucht es zugängliche linke Strukturen und Räume. Zum anderen ist es aber auch von Bedeutung, sich direkt gegen Nazis zu engagieren, ihnen gesellschaftliche Räume und die Straßen zu verweigern. Denn an Widerständen gegen eine Gestaltung von menschenverachtend Gesinnten dieser Räume und der Straßen unter dem Deckmantel „Ausübung demokratischer Bürger*innenrechte“ sollten doch viele Menschen interessiert sein.

Welche Bands feiert ihr aktuell? Gibt es etwas, was man aus dem Raum Dortmund kennen muss?

DIARRHEA SUICIDE!

Was steht noch so an in nächster Zeit bei euch an?

Wir spielen noch einen Haufen Konzerte und gehen dann in den Wald, um unser erstes Album aufzunehmen.

 

Webpage: http://luegenpunx.blogsport.eu

Bandcamp: https://luegenpunx.bandcamp.com

 

Interviewe: Lars Schubach

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