September 22nd, 2018

LUCKY STAR RECORDS (#172, 2015)

Posted in interview by Jan

Ich stehe auch immer noch dazu, dass Musik einfach zu wichtig ist, um in Null-Acht-Fünfzehn-Geschichten verbraten zu werden. Gute Bands haben es einfach verdient, schön präsentiert zu werden, in einem Laden in einer schönen Kiste zu stehen, wo man dann sich freut, diese Platte zu entdecken, dieses „Wow“… es ist einfach zu schade, wenn diese tollen Platten dann irgendwo zwischen einer Millionen anderer Platten untergehen.“

Interview mit  Lucky Star Records, Plattenladen und Mailorder

Es gibt in Frankfurt am Main zwei geile Punk-Plattenläden, zum einen Sick Wreckords im Stadtteil Sachsenhausen und zum anderen Lucky Star Records in Bornheim. Beide habe ich auch im Rahmen meines Plattenladenspecials (Trust #138, 2009) interviewt.

Da im Lucky Star Records seit einiger Zeit der euch wohlbekannte Donnerstags-Plattensammler-Stammtisch tagt, aus dem eine Zeit lang auch immer die Singles-Kritik im Trust entstand, und weil ich öfter im Lucky Star zum Platten kaufen und quatschen bin als im Sick Wreck (sorry!), war die Idee: nimm die kürzlich erfolgte Party zum siebenjährigen Jubiläum des knapp 25 Quadratmeter großen Ladens (inklusive Klo!) zum Anlass, Chef Günter einige Fragen zu stellen.


Natürlich finde ich den Laden unterstützungswert und möchte ihn euch ans Herz legen für einen Etappenstopp beim nächsten Frankfurt-Besuch. Günter ist ein echter Idealist, natürlich auch Geschäftsmann, aber an erster Stelle kommt bei ihm die Liebe zur Musik.
In einem Interview in der Frankfurter Rundschau sagte er: „Der zündende Funke traf mich in den Mittsiebzigern, als ich zum ersten Mal Syd Barretts „Arnold Layne“ hörte.“ Tja, der Vater Winzer, der Sohn Plattensammler und seit über zwanzig Jahren im Schallplattengeschäft. Mission: „Ich bin mehr für die Freaks da, für die, die bis Lübeck fahren, um sich eine Band anzuhören, die eine Platte in einer 200er Auflage herausgebracht hat.“

Das Jubiläum wurde mit einem Konzert im Plattenladen und anschließendem DJ-Aufgelege begangen. Dazu gab es Bier, Apfelwein, Schmalzbrote und natürlich jede Menge Platten bis spät in die Nacht zu kaufen, zu hören, zu besprechen und zu befachsimpeln. Das Interview wurde im Auto eines Kumpels vor dem Laden geführt. Old school eben.

Günter, heute ist das siebenjährige Jubiläum, erstmal Glückwunsch!

Vielen Dank!

Wie ist es so?

Ganz ok, heute ist es natürlich besonders gut. Das Bier läuft, die Musik ist nett und wir hatten einen klasse Musiker am Start, der in meinem kleinen Laden auftrat. Ich bin echt überrascht, dass alles funktionierte. Wir haben das ja auch ohne irgendwelche Anmeldungen bei Ämtern probiert durchzuziehen, und das hat geklappt. Früher nannte man das Punkrock, heute vielleicht „engagiertes Irgendwie-tun“. (lacht)

War es eigentlich das erste Mal, das eine Band bei dir im Laden auftrat?

Nee, das gab es schon mal.

Instore-Gig“ nennt man das ja.

Genau, also, diese Instore-Gigs gab es vorher schon. Ich meine, meine Verkaufsfläche beträgt fünfzehn Quadratmeter, da kann jetzt keiner ne Big Band erwarten, das Publikum muss halt draußen frieren.

Als du mit dem Laden 2007 gestartet bist, da war noch nicht so die Rede von einem Vinyl-Comeback, heute hört und liest man ja wieder recht viel zu der angeblich neuen Popularität von Vinyl.

Sagen wir es mal ganz generell so: Ich denke, Musik auf Vinyl, das war schon immer mein Ding. Das habe ich definitiv aus der Zeit mitgenommen, als es Veröffentlichungen eben nur auf Vinyl gab und noch nicht auf CD. Ja, ich bin ein alter Sack. (lacht)

Komm, geht doch! (lacht)

Nun, Vinyl scheint heutzutage so eine Art Hipster-Ding bei einigen Leuten zu sein, die denken „Cool, Vinyl muss gut sein, kaufen wir es also“. Das ist aber nicht mein Ansatz, ich wollte schon immer mit Vinyl was machen, das ist einfach geiler, man hat was Größeres in der Hand als bei einer CD, und ich hab dann mit Vinyl einfach weitergemacht. Ich stehe auch immer noch dazu, dass Musik einfach zu wichtig ist, um in Null-Acht-Fünfzehn-Geschichten verbraten zu werden. Gute Bands haben es einfach verdient, schön präsentiert zu werden, in einem Laden in einer schönen Kiste zu stehen, wo man dann sich freut, diese Platte zu entdecken, dieses „Wow“… es ist einfach zu schade, wenn diese tollen Platten dann irgendwo zwischen einer Millionen anderer Platten untergehen.

Kommt dieser Vinyl-Boom denn auch wirklich bei dir an, also, hast du mehr Kunden, die Platten kaufen?

Na ja, es geht. Heute ist ja leider die Entwicklung, dass die meisten Leute die Online-Schiene fahren, aber gut, das ist ja für mich auch eine große Chance. Ich verkaufe Platten nach Italien und Indonesien, du kannst echt den globalen Markt genauso bearbeiten, wie es die großen Firmen machen, nur du machst es halt im ganz Kleinen. Nichtsdestotrotz denke ich: so wie ich den Laden führe und sehe, den mache ich deswegen genau so, weil ich selber gerne in solche Läden gehe, wenn ich Platten kaufe. Es ist gemütlich und überschaubar hier. So sollte es sein, wenn man irgendwo hingeht. Klar, ich kann nicht die Auswahl anbieten, die Läden haben, die mit „A“ oder „M“ anfangen…

Gegründet haben den Laden ja du und deine Frau Birgit. Am Anfang war es ja die Idee, dass du Platten verkaufst und Birgit diversen Krimskrams anbietet, wie T-Shirts auch für Kinder…?

T-Shirts haben wir ganz am Anfang gemacht, jetzt haben wir nur noch unsere Logo-Shirts, die gibt es natürlich heute bei dem Jubiläum auch. Ich hatte damals ein Shirt mit dem Spruch „Fang mich doch, du Eierloch“ bedruckt, das war für Kinder gedacht, ich fand den Spruch einfach so bescheuert gut. Aber ich lag dann damit völlig daneben, das Shirt haben nur Erwachsene gekauft. (lacht) Ein wenig Schnickschnack wie Buttons oder Tassen mit Bandlogos drauf, das gibt es auch immer noch, das sind schöne Präsente zum Geburtstag oder so, da kann einfach keiner dran vorbei! (lacht) Sonst ist es einfach so: die Größe des Ladens bedingt sehr die Quantität des Angebotes.

Aber du machst den Laden jetzt alleine?

Ich mache den Laden alleine, aber es fühlt sich nicht so an, denn, so muss man das sagen, ich führe den Laden auch mit meiner Community; das sind Freunde und Bekannte, die mich schätzen und die ich schätze, die stehen mir zu Seite, beraten mich, geben mir Tipps und helfen auf ganz verschiedene Art und Weise. Also, ja, ich stehe alleine da, aber habe Unterstützung.

Stichwort alter Sack, du hast ja große Erfahrung im Vinyl-Business, vor 20 Jahren hast du doch im Sick Wreckchords Laden gearbeitet?

Ja, Ingo und ich gründeten den Laden und führten ihn dann zehn Jahre gemeinsam.

Ach, das wusste ich nicht, ihr habt den gemeinsam ins Leben gerufen?

Genau, damals noch in Bockenheim.

Ingo macht den ja heute noch und du hast nun deinen eigenen, gibt es sonst noch Punk-Plattenläden in Frankfurt?

Also, Läden, die wie wir ticken, nein. Es gibt Hipster-Plattenläden, straighte Business-Geschäfte. Mein Ding war es aber nie, nur das Business zu sehen, mir geht es um die Musik. Ich will jetzt keine Leute bekehren, aber mal als Beispiel: vor zwei Wochen kam ein Typ rein, der fragte nach der neuen Pink Floyd. Ich meinte zu ihm „Lass den Scheiß, kauf dir für 25 Euro lieber ne gescheite Platte“, ich gab ihm dann einige Tipps, er probierte die aus und war echt sehr zufrieden.

Kannst du nochmal den Hintergrund des Laden-Namens erläutern?

Klar, also „Lucky Star“ war so gedacht: Ich wollte einen positiven Namen; „Lucky“ ist positiv und „Star“ ist auch gut, die Sterne am Himmel…

Es ist aber kein Songzitat oder so etwas?

Na ja, es gab einen Songtitel von einer Band namens Three Pussy Kisses, da spielte meine Frau Bass.

Aha!

Daher haben wir den Namen natürlich geklaut.

Hattest du bei der Gründung deines Ladens oder auch damals beim Sick Wreckchords einen bestimmten Plattenladen als Vorbild, als Ideal vor Augen?

Puh, da müsste ich jetzt erstmal überlegen.

Anders gefragt, hast du einen Lieblingsplattenladen? Vielleicht ist die Frage auch Quatsch.

Nein, die Frage ist nicht unbedingt Quatsch. Also, ich hatte unheimlich Respekt vor dem „Cool and Crazy“-Laden, das war der erste Crypt-Plattenladen, den Tim Warren damals in Hamburg führte. Er war auch einfach so ein schnodderiger Typ, aber ihn und den Laden, das fand ich damals gut, als ich dort Platten kaufte. Ich war in den 90er unheimlich viel in Hamburg zum Plattenkaufen unterwegs und hatte dort auch ein anderes, sehr prägendes Erlebnis, und zwar im „Unterm Durchschnitt“-Laden. Da bin ich halt einmal reingelaufen, weil mir jemand die Adresse empfohlen hatte. Und da lagen viele Platten einfach so auf dem Boden rum. Der Besitzer meinte, „Wenn du Scheiße kaufen willst, dann kauf die vom Boden“, das hat mich irgendwie total „beeindruckt“, er wollte auf die Art zeigen, dass ihm das alles scheißegal ist. Eventuell war er auch schon total durch zu der Zeit und mit seinem Laden. Aber das hat mich auf jeden Fall geschockt. Fasziniert und inspiriert hat mich definitiv der Crypt-Laden. Wie Tim das machte, das fand ich toll.

Ihr habt doch auch mal in den Staaten, in Dallas glaube ich, so einen abgefahrenen Laden besucht?

Wir waren damals auf einer echten Plattenreise durch Texas. Das war kein Urlaub, sondern es ging nur ums Plattenkaufen. Wir haben uns viele Läden und Thriftstores angeschaut und so richtig „digger-mässig“ nach Schallplatten gegraben und nach verborgenen Schätzen Ausschau gehalten. Und da kam es dann wieder auch, das wichtige Erlebnis: es gab da einen Laden in Fußball-Feld-Größe, da saßen dann zwei Typen total gelangweilt hinter dem Tresen und Millionen von Platten standen in endlosen Reihen rum. Das hat mich völlig „oversized“, weil was willst du da kaufen, wo anfangen und enden?! Ich habe daraus dann für mich die Erkenntnis gezogen, dass ich besser mit einer kleinen Auswahl fahre. Dafür habe ich aber zu jeder Platte eine Geschichte zu erzählen.

Gutes Stichwort, was kann man bei dir alles kaufen? Du bist ja jetzt auch kein „Punk-Punk“-Plattenladen, dein Schwerpunkt ist auch nicht Metal, sondern?

Beides richtig, mein Sortiment ist eher der Versuch, interessante Musik an die Frau und den Mann zu bringen.

Wobei, du hast ja auch deine zwei Euro-Ramsch-Kisten?

Ja, diese Kisten habe ich, die sind für die Leute, die gerne in Plattenläden rumwühlen, nach preisgünstigen Scheiben suchen, eben die Leute, die auch auf dem Flohmarkt auf der Jagd nach Schnäppchen sind. Ich finde es auch wichtig, solche Leute zu bedienen, es ist wichtig, dass es die gibt. Auf der anderen Seite gibt es bei mir aber auch limitierte Stoner Rock-, Heavy Metal- oder Punkrock-Platten, die teurer sind, bei denen ich aber auch klar sage, „Das sind wichtige Veröffentlichungen von wichtigen Bands“. Und hier muss ich wieder auf meine Community zurückkommen, also die Leute, mit denen ich gerne ab und an ein Bier hebe. Die sind alle sehr in der Musik verhaftet und haben ganz unterschiedliche Interessensbereiche, die geben mir dann gerne Tipps, ob das jetzt im Psychedelic, Punkrock oder Metal und Doom ist. So werde ich auch inspiriert, in neue Richtungen zu denken und stoße dann auf Platten, die kaum ein Mensch kennt. Die Community lässt mich dann daran teilhaben, dafür bin ich sehr dankbar und diese neuen Ideen kann ich dann wieder an die Kundschaft weitergeben.

Im weitesten Feld bietest du aber – vielleicht kann man es so sagen – „Gitarrenmusik“ an, also Techno oder Elektro gibt’s nicht?

Klares Nein, also, diese Genres waren nie so meine, ich sage nichts gegen diese Musik, die hat ganz klar ihren Stellenwert in der Musikgeschichte, aber ich bin da nicht drin involviert.

Du erwähntest die „Kruschpel-Leute“, also diejenigen, die das billige „Phil Collins: Face Value“-Schnäppchen machen wollen…

Große Platte!

Well! (lacht) Freust du dich besonders, wenn du zum Beispiel jungen Leuten ne Fugazi-Platte vertickst, so nach dem Motto „Yes, Bildungsauftrag erfüllt“?

Nein, wie schon gesagt, bekehren kann und will ich die Leute nicht. Manche sind glücklich, wenn sie gerade die „Rumours“ von Fleetwood Mac kaufen…

Geile Platte, findet meiner einer.

Wahrscheinlich. (lacht) Also, die „Rumours“ gibt es bei mir auch, kein Problem. Interessant bei Fleetwood Mac ist ja, dass ihre Geschichte schon in den 60er beginnt, als sie noch reine Blues-Platten machten. Dementsprechend kann ich dann wiederum manchmal die Kunden dazu verführen, sich die Platten aus der Zeit anzuhören, denn die sind ja auch Bestandteil der Historie der Band und wenn du dich dann damit beschäftigst, dann weißt du auch, warum es zu einer „Rumours“-Platte kommen musste.

Freust du dich, wenn du Platten verkaufst, die ganz deinem eigenen Geschmack entsprechen? Wobei ich gerade überlege, was der genau ist, du hörtest ja doch sehr viele Garage?

Nein, nicht mehr so viel, ich würde sagen, dass ich eigentlich offen für jede gute Form von Musik bin.

Aber du kommst aus dem Punk?

Ja.

Und dann bist du ja ziemlich lange die Garage-Rock’n’Roll-Schiene gefahren, ich wollte nur wissen, ob du dich freust, wenn du was verkaufst, was du selber auch geil findest?

Das hat tatsächlich etwas abgenommen, so dass ich heute eher sagen würde, dass das mittlerweile nicht mehr so die Rolle spielt. Ich bin zufrieden, wenn der Kunde aus dem Laden rausgeht und sich freut, dass er genau die Platte gefunden hat, die er wollte. Oder wenn ich ihn halt gut beraten konnte und er sagt „Ja okay, ich habe jetzt etwas Neues gefunden, dass ich vorher nicht kannte, super!“.

Das Klischee von dem unfreundlichen Plattenladen-Besitzer, der dich abkanzelt, wenn man nach einer LP von Genesis fragt und man dann direkt Hausverbot bekommt… (lacht) So bist du ja zum Glück nicht.

Äh, ja, also, das ist aber auch wirklich von der Tagesform abhängig! (lacht)

Okay! (lacht)

Aber das hat nichts mit dem vermeintlich schlechten Geschmack und den Wünschen des Kunden zu tun. Ich habe halt manchmal so Tage, an denen ich von der Menschheit generell genervt bin, die Übellaunigkeit ist dann nicht wegen des musikalischen Geschmacks, ich bin dann eher von Grund auf angepisst.

Du hast eben von dem „Hipster“ gesprochen – jetzt muss man aber auch sagen, dass es bei dir ja eben nicht nur die zehn Euro-Punkplatte gibt, sondern auch die B’LAST-Triple-Platte für 35 Euro und ähnliche hochpreisigere Dinger.

Okay, ich will mich da jetzt auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wahrscheinlich sind Hipster auch Leute, die etwas nach vorne bringen. Irgendwie muss es ja einen Grund haben, warum ein Hipster eben ein Hipster ist, vielleicht ist das eine Zeitgeist-Geschichte und der Hipster sagt: „Ich bin einfach cool drauf und kaufe Platten.“ Eigentlich ist es ja so, dass ich von solchen Leute nur profitiere, die haben die Musik auf Vinyl wieder für sich entdeckt, das ist ja gut für mich, deshalb kann ich schlecht etwas negatives an denen finden. Nur manchmal muss man an deren Geschmack etwas nachjustieren. (lacht)

Verstehe! (lacht) Ok, du hast deinen Laden als Einnahmequelle, ohne Internet geht es aber nicht?

Genau, das wäre nicht möglich.

Wie sieht da das Verhältnis aus von Ladenverkäufen zu Internetdeals?

Auch hier möchte ich erstmal eine allgemeine Antwort geben. Nach all den Jahren als Plattenhändler habe ich manchmal das Gefühl, dass es die Mondphasen sind, die den Verkauf von Tonträgern beeinflussen… (lacht)

Ich hab es immer gewusst, dass es daher kommt! (lacht)

Ja, die Mondphasen sind ganz entscheidend, wenn es um das Wohlergehen eines Plattenladens geht. (lacht) Ok, ernst gemeint: es ist keine klare Antwort möglich, denn manchmal läuft es total gut im Internet und manchmal im Laden, aber ich würde mir wünschen, dass beides – der Laden und das Internet – gut laufen, weil ich dann mal durchstarten kann.

Vielleicht ist es ja eine „Fifty-Fifty“-Sache? Oder doch eher Fünfzig-Fünfzig?

Nein, das kann man einfach nicht pauschalisieren, wie gesagt, die Phasen wechseln sich ab. Wie und warum, das weiß ich einfach nicht. Da gibt es keine genaue Regel.

Auf welchen Plattformen bist du im Netz unterwegs?

Ich bearbeite da halt meine Felder in verschiedene Richtungen.

Man kann bei dir aber auch CDs kaufen?

Genau, und hier kann ich dir auch Zahlen sagen, das sind verkaufstechnisch ungefähr 70 Prozent Vinyl, 30 Prozent CDs und dann noch fünf Prozent Kassetten.

Ach, die hast du auch noch?

In der Tat.

Da spricht man ja auch von einem Musikkassetten-Comeback?

Nee, das ist ein sehr eigener Markt mit sehr sympathischen Menschen, die das machen. Die sind sehr in ihrer Welt verhaftet und glauben an das kleine Medium, von dem sie auch nie abgekommen sind. Die erzählen dir dann so Geschichten, als sie damals bei der Autofahrt mit ihrem Vater ihre erste Kassette gehört haben, die fanden das dann total „charming“, seitdem veröffentlichen die Kassetten. Es ist ein kleiner und vernachlässigbarer Markt, trotzdem finde ich, dass jeder Plattenladen zumindest eine Kassette in seinem Programm anbieten sollte.

Du als alter Punkrocker, der schon 1983 die Toten Hosen im Jugendzentrum Bingen gesehen hat…

Punk habe ich früh gehört, ja.

Was war für dich die wichtigste Punkband in den 80er?

Oh Gott, die wichtigste, echt jetzt? Da gibt es keine, ich habe da auch nicht so bestimmte Favoriten. Ich hab total den Drive gemocht, den Punkrock ausdrückt, dieses rohe und auch manchmal brutale. Und das waren dann manchmal ganz simpel die Ramones, wegen ihrem Pop-Aspekt, von ihrer Aussage sicherlich The Clash, aber natürlich auch Fugazi.

Hardcore hat dich später in den 80er auch beeinflusst?

Klar, zum Teil habe ich damit geliebäugelt. Gray Matter ist für mich eine ganz wichtige Geschichte. Oder nimm die ersten zwanzig SST-Veröffentlichungen, das sind prägende Platten, wobei nicht jeder dieser zwanzig zwingend eine HC-Platte ist, ich fand die Entwicklung dort geil. Universal Congress Of ist geil, die Minutemen sind spitze, aber ich mag natürlich auch die Wipers… jetzt könnte man ganz weit ausholen.

Bei den Garagenbands, wer war dir da wichtig, Cramps?

Die Cramps waren natürlich sehr prägend für mich, aus ganz verschiedenen Gründen. Sie haben mir auf jeden Fall beigebracht, wo die Wurzeln der Musik liegen. Und ich fing dann so an, darüber nachzudenken, dass „früher“, also vor den Beatles und Stones, schon geile Musik existierte und begann, mich mit Country, Bluegrass und Blues – vor allen mit Blues – zu beschäftigen. Durch die Cramps stieß ich also auf die Wurzeln, auch woher bestimmte Haltungen und Statements herkommen.

Als DJ hast du viele Jahre in Frankfurt aufgelegt, das machst du heutzutage aber nur noch selten?

Eigentlich mache ich das gar nicht mehr, es sei denn, wenn gute Freunde fragen. Birgit und ich machen seit 17 Jahren unsere Sendung bei Radio X, jeden dritten Samstag im Monat von 21 Uhr bis 23 Uhr. Das macht total Spaß. Ich kann da halt Sachen spielen, ohne auf die Reaktionen des Publikums zu achten, man agiert da viel freier und macht sich nicht so abhängig, „tanzt jetzt wer“ und so. Da kann ich mich auch trauen, mal ein zwanzig Minuten Gefiepse-Stück durch den Äther zu jagen.

Alles klar, kommen wir zur letzten Frage: Einige unser Leser haben sicher auch den Traum, mal einen Plattenladen zu gründen, was hast du für sie für Ratschläge?

Das Wichtigste ist: Fang nie was mit einer Bank an, nimm niemals Kohle, die du nicht hast. Glaube an dich selber und back lieber kleine Brötchen.

Super, ich danke dir für dieses schöne Schlusswort.

Interview: Jan Röhlk

Foto Auto: Andrea Stork

Foto Laden: Ben Gabel
Kontakt: facebook.com/LuckyStarRecords

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