Januar 11th, 2019

Live-Review: Busfahrt / Parodie-Versuch auf Musik-Sprache-Floskeln (#107, 08-2004)

Posted in artikel by Jan

Live-Review: Busfahrt mit der Linie 227 von Bergisch Gladbach-Schildgen nach Leverkusen- Küppersteg am Montag, 22.12.2003; Einlass: 19:42, Beginn: 19:43

Ja, es war wieder groß, diese Fahrt. Im nicht- ganz ausverkauften Linienbus der Nummer 227 ging es wie gewöhnlich nach dem alten Programmverlauf ab: Ticket wie immer schnell an der Abendkasse erworben und sogar noch einen Stehplatz gefunden – und das auch noch fast direkt ganz vorne.

Während es man sich bequem machen konnte, ging die Show auch schon los: nach der ersten Haltestelle Waldsiedlung, wo der Busfahrer ein gewagtes Haltemanöver vollbrachte, stiegen 2 Leute ein, während keiner ausstieg. Hochspannung dann in Schlebusch, aber umsonst, denn es stieg keiner aus und keiner zu. Die Show drohte ein Fiasko zu werden, hinzu kamen auch wieder die alten Probleme mit der Technik.

Doch an der Haltestelle Klinikum Leverkusen – ungefähr zur Hälfte der Spielzeit, den Bus vorher hatte ich leider verpaßt – kulminierte der Abend: ein Radfahrer will rein, doch eine Frau mit Kinderwagen und eine Jugendgang will raus. Das Chaos war vorprogrammiert. Der Busfahrer reagierte gereizt, aber souverän. Nach einer kurzer Lautsprecher-Durchsage, die den Zuschauer daran erinnerte, dass er ein Teil der Show wäre und dass ein Teil der Show den anderen behindern würde, wenn er die Absperrungen nicht beachten täte, konnte es weiter gehen. Nach dem großen Unglück in Roskilde vor ein paar Jahren, wo ein Zuschauer von den anderen erdrückt wurde, als die Haupthaltestelle aufgerufen wurde, sind ja jetzt auch Earthmarshalls mit dabei.

Sensationelle Routenwechsel fanden allerdings nicht mehr statt, aber der Funke sprang schon rüber. Auf den Sitzen hielten es die Jüngeren nur noch schlecht aus, so dass man sich unter die anderen Innenraum-Besucher mischte. Übrigens waren ältere Leute dabei, so dass Busfahren eben nicht ein Jugendphänomen ist, was man für ein paare Jahre sehr intensiv macht, selber Busfahrten organisiert und wo man aber dann den Kontakt zur Szene verliert. Busfahren ist ein internationales Phänomen – es kommt ja auch aus London und USA – , dass zeigen auch die Fanzines „MaximumBusdriving“ und „Bus Planet“, wo Busse anderer Länder porträtiert werden.

Meine älteste Karte ist übrigens von 1988; damals fuhr die Nummer 220 auch noch live; heute hat sie sich ja aufgelöst und einer von der alten Besetzung macht heute bei der 265 mit. Witzigerweise habe ich kurz vor meiner Endhaltestelle noch einen Bekannten getroffen: er meinte, er wäre schon seit 1980, d.h. seitdem er 11 Jahre alt ist, dabei und wäre bei den ganzen Kult-Touren gewesen.  Zum Beispiel die Tour 1982 mit der 211 von Langenfeld S-Bahn-Station nach Monheim-Zentrum wäre wohl super gewesen, aber klar, die Linie kannten halt nur sehr wenig Leute und war dann auch ziemlich billig.

Oder die Tour mit dem alten 230er nach Köln – Hbf! 1980 war das; hat wohl über 3 Stunden für eine gesamte Tour gedauert – und das für nur 5 Mark! Die Strecke wurde auch kurze Zeit später geändert, so dass die Originalbusse dann kürzere Touren fuhren und auch teurer wurden. Dann kam der große Kommerz..

Heute fand er es nicht schlecht, aber in der Woche kommen halt nicht so viele Leute wie am Wochenende, so dass die Stimmung dementsprechend wäre. Bevor ich über seine Bemerkung groß nachdenken konnte, dass sich die Originalfahrer der 230 wieder zusammengetan haben und für einen viel zu hohen Eintrittspreis wieder auf Tour gehen wollen, musste ich leider aussteigen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich noch nicht so lange dabei bin wie einige meiner Kumpels, die sogar in andere Städten mit ihren eigenen Bussen touren, aber eine Sache ist klar: die Linie 227 ist einfach wirklich ein sehr guter Bus, der live einfach noch besser rüber kommt und die man sich immer wieder gerne anschaut.

Denn zum Glück kommt die 227 regelmäßig im Rheinland vorbei.

Text: Jan Röhlk

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