Januar 26th, 2020

LEATHERFACE aus #150, 2011

Posted in interview by Jan

We mackem you takem…
LEATHERFACE, Sunderland, UK.

Leatherface habe ich zum ersten Mal mit der Horsebox gehört. Sehr spät natürlich aber ich habe da zwei Nachteile: ersten bin ich erst 1982 geboren und zweitens gehöre ich nicht zu der Gruppe Leuten, die schon im Alter von 10 Jahren Punkrock hörten. Es war sogar noch schlimmer: als ich die Horsebox das erste Mal hört dachte ich mir „Das klingt ja total scheiße. Die Sänger kann nicht singen, das Schlagzeug klingt wie eine Mülltonne und die Gitarren sind viel zu verspielt.“ Etwa ein Jahr später hörte ich nochmal rein…und bin seitdem Fan. Bald kamen Mush und alle anderen Alben in meine Hände und die höre ich noch immer. Immer wieder. Und wieder.

Gerne sehe ich mir so viele Leatherface Konzerte wie möglich an. Da waren nicht nur gute dabei aber ich war trotzdem gerne dort. Seit Dickie wieder in der Band ist und die Band das Album Stormy Petrol veröffentlicht hat, schätze ich die Band umso mehr. Ich habe nach der Dog Disco nicht mehr wirklich mit einem großen Wurf gerechnet, auch wenn die Konzerte im Vorfeld zum Album in Höchstform (und betrunken) gespielt wurden. Wir haben die bei uns in Trier spielen lassen. Um 3 Uhr mittags standen die plötzlich in unserer Küche. Stubbs musste den Tourbus mit Restpromille fahren, weil Tourfahrer Big Rock als Schnapsleiche im Van lag und bis zum Soundcheck nicht mehr aufstehen konnte.

Es war irgendein Fußballspiel ihrer Heimatmannschaft an diesem Tag und während wir Gemüse schnippelten saß die Band nebenan und trank uns schonmal die Bierkisten leer. Mit den Supportbands zusammen schafften sie es schließlich auf 12 Kisten plus 3 Liter Rotwein, 1 Liter Jägermeister und etliche Weizebiere. Rein getränketechnisch ist die Band ein Risiko für jeden Konzertveranstalter, schätze ich. Ich habe Sänger Frankie Stubbs ein paar Fragen beantworten lassen, die mich zu diesem Zeitpunkt interessierten und wusste erst nicht, ob ich das drucken lassen soll. Es ist recht kurz, Stubbs‘ Antworten nicht gerade von Erzähldrang begleitet… Aber andererseits ist es schön, ihn überhaupt zu einem Interview bewegen zu können.

Hey Stubbs, danke, dass du dir die Zeit für das Beantworten meiner Fragen nimmst. Ich würde gerne wissen, ob Du eigentlich die vielen Leatherface Platten alle auch zu Hause im Schrank stehen hast. Da gibt es ja einige Raritäten und altes Zeug, das man schon lange nicht mehr zu kaufen bekommt. Also, ist Dir so etwas wichtig oder eher nicht?
Ich habe alles davon, auch die Testpressungen auf Vinyl. Ich spiele die nie ab, die sind irgendwann einmal für meine Tochter gedacht. Ich würde gerne dafür sorgen, dass die Leute unsere vergriffenen Sachen kaufen können aber das liegt nicht in unseren Händen.

Und wieviele Gigs spielst Du noch im Jahr? Gibt es genug Zeit und Energie für viele Shows? Wenn ich mir die große Tour – samt Nordamerika – ansehe, scheint das ganz gut zu funktionieren, was?
Ich denke nicht darüber nach. Ich steige in den Van ein, steige aus dem Van aus, esse, trinke, spiele und schlafe. Es ist ein einfaches Leben. Ich weiß, wir haben eine lange Tour mit vielen Shows aber ich möchte gar nicht wissen, wie lange die Fahrten dauern werden, wieviele Flüge wir nehmen werden müssen usw. usw.

Aber genießt Du das Live spielen nach so vielen Jahren noch?
Ich genieße es, denn „we can’t be accused of over doing it, the playing that is“ – also, wenn wir spielen genieße ich es. Frag mich doch Ende des Jahres erneut!

Die neue Platte, Stormy Petrel, ist großartig. Wie fühlt sich das an, nach vielen Jahren nun wieder seit einiger Zeit mit Dickie zu spielen und auch eine neue Platte aufgenommen zu haben? Außerdem gibt es einen neuen Basser, Graeme, und auf Platte hat der deutsche Stefan Musch (spielte schon bei Dickies Band Stokkoe Schlagzeug) seine Note hinterlassen, auf Tour werdet Ihr auch einen anderen Drummer haben.
Eigentlich so, wie das Einsteigen und Aussteigen mit dem Van. Du verbringst eine lange Zeit in einem Raum voller Mikrophone und tust das am nächsten Tag wieder. Es ist, wie ich gerade schon meinte: ich denke da nicht wirklich drüber nach, ich konzentriere mich einfach nur darauf, das Beste zu geben, das ich vermag.

Bist Du interessiert an Themen wie Umweltbewusstsein/-schutz, Klimawandel – oder einfach nur Fußball und Bier / Rotwein?
Wir haben 10 Alben gemacht, die Dir in den Lyics zeigen, dass wir am LEBEN interessiert sind und ebenso an all ihren Aspekten sowohl ihrer Schönheit als auch ihrer Scheiße. Auf dem neuen Album gibt es ein Stück namens Diego Garcia – und wenn Du mir irgendwoher einen politischeren Song zeigen kannst, dann gebe ich Dir ein Pfund.

Schön zu wissen. Was macht nun Dein Deutsch? Nach den ganzen Deutschland Shows und Touren müsste schließlich mehr drin sein als „Ich bin eine schmutzige alte Mann“ (inklusive grammtischen Fehler). Ich erinnere mich daran, dass Du etwas in der Richtung mal sagstest.
Yeah, „Fick Dich!“

Ha! Vor etwa einem Jahr wurde eine Leatherface Tribute Doppel-CD veröffentlicht. Magst Du das Projekt? Hattest Du keine Lust z. B. eine eigene Acoustic Version einzubringen?
Ich bin durch jede Cover Version auf diesem Album geehrt aber ich wollte nicht selbst Leatherface Covern, das wäre etwas krank gewesen. Ich denke, wir sind scheiße und ich würde niemals ein Tribute dazu machen. Ich muss den Scheiß ja schon jede Nacht spielen.

Na, welche Band würdest Du denn dann gerne mal für ein Tribute covern?
Ich denke, ich würde gerne was von Tom Waits’ Album ‚Closing Time‘ oder Frankie Goes To Hollywoods ‚The Power Of Love‘ covern.

Leatherface sind in dem schönen Kochbuch ‚Rockterrine‘ mit den leckeren Leatherface-Zucchini vertreten. Ich weiß, dass Du das Gericht ganz gerne magst. Magst Du auch das Buch?
Ich mag das Buch wirklich sehr gerne aber ich denke, da sind nicht genug hässliche Bilder von Davey Cell Mates und Adam Death In The Family und gleichzeitig nicht genug hübsche Bilder von Bands wie vielleicht Leatherface drin.

Haha, wenn wir bei den Former Cell Mates, einer anderen Band aus Sunderland sind: Was sollte jeder über Sunderland wissen?
It’s a shithole but it’s home.

Verstehe. Ist ‚Mackem‘ der beste englische Dialekt und was ist Dein Lieblingsspruch in Deinem Dialekt?
Ich würde nicht sagen, dass Mackem der beste Dialekt ist aber er ist definitiv in den Top 1. ‚Tak ya fyas for a shite‘ bedeutet soviel wie ‚Take your face for a shit‘. Das wird in der Regel genutzt, wenn jemand Mist redet.

Welche dummen Dinge hast Du betrunken getan?
Was habe ich nicht getan wäre die einfachere Frage. Die Antwort ist einfach: sensibel zu sein. Ich überlasse die Antwort auf diese Frage Deiner Vorstellungskraft. Was auch immer Du Dir ausmalst ist vermutlich korrekt.

Und was sind dummen Dinge der englischen Regierung in den letzten paar Jahren?
Die Banken tun zu lassen, was zum Teufel sie auch immer wollen; den Arsch der USA zu lecken und ihnen in illegale Kriege zu folgen; die Manipulation ihrer Ausgaben und, das Schlimmste, mich für ein Jahr im Parlamentsgebäude einzustellen, um ihr Feueralarmsystem zu testen. Als ob ich irgendetwas darauf geben würde, ob der Kram funktioniert oder nicht.

Ok, kommen wir zum Schluss: Welche Bands hast Du Dir in den letzten Monat so angehört? Was sollte ich da mal testen?
Yesterdays Ring, Lemuria, Bridge And Tunnel.

Letzte Frage: Du hast ein neues eigenes Label: Big Ugly Fish, auf dem das neue Leatherface Album erschienen ist. Was wird da noch kommen? Gibt es Bands / Veröffentlichungen in Planung?
Das wird es noch zu erzählen geben. Es gibt ein oder zwei für uns sehr interessante Bands aber bisher ist noch nichts sicher!

Danke!

www.myspace.com/frankieostubbs
www.leatherface.biz
Interview: Jörkk und Andreas Lehnertz

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