Januar 20th, 2021

Kurze Geschichte des Antisemitismus – Peter Schäfer

Posted in bücher by Dolf

C.H. Beck, Wilhelmstraße 9, 80801 München, www.beck.de

Das Buch ist in acht große Kapitel unterteilt: Griechisch-Römische Antike, Das Neue Testament, Die Christliche Spätantike, Der Islam, Das Christliche Mittelalter, Frühe Neuzeit, Das Zeitalter von Aufklärung, Emanzipation und Nationalismus, Von den Weltkriegen bis zur Gegenwart und zum Ende dann noch einen Ausblick. Gleich soviel vorneweg, es handelt sich hier um ein sehr akademisch theologisches Buch, dadurch kann man sehr viel erfahren, von Dingen die eigentlich keiner so genau weiß. Das ist grade in den ersten beiden Kapiteln, welche sich mit dem Beginn des Judentums und des Christentums beschäftigen, auf Dauer ziemlich müßig zu lesen.

Auf jeden Fall ist klar das es den Judenhass auch damals schon gab und das sich seitdem leider nicht sehr viel geändert hat. Sobald es in die frühe Neuzeit geht wird es auch geschichtlich interessanter, weil es eben besser dokumentiert ist. Die letzten beiden Kapitel sind im Vergleich zum Beginn deutlich spannender zu lesen. Auch wenn es natürlich inhaltlich kaum auszuhalten ist, was da über all die Jahrhunderte und vor allem in der jüngsten Neuzeit den Juden angetan wurde. Und all dies auf Grund von falschen Beschuldigungen, bzw. hanebüchenem Gerüchten die sich seit Jahrhunderten oder länger, bei den Judenhassern halten. Denn, es gibt halt wirklich keinen Grund für diesen Hass. Das macht es um so unverständlicher warum er existiert und so ausgeprägt ist. Wahrscheinlich braucht ein Teil der Menschheit einen Prügelknaben, die Juden wurden irgendwann dazu ernannt und das lässt sie nicht mehr los. Schlimm ist das. Es liegt mir fern hier auf theologischem Niveau zu kritisieren – aber, es steht fest das niemand als religiös bzw. einer bestimmten Religion angehörig geboren wird – außer man glaubt das. Man kann auch glauben das Menschen die einer Glaubensgemeinschaft angehören gleich eine eigene Ethnie bilden, es bleibt aber eben immer nur eine Glaubensgemeinschaft.
Auf Seite Seite 203 schreibt der Autor: „Der Begriff entstand in der Sprachwissenschaft und bezeichnet dort die im Unterschied zu den oder Sprachen. Er wurde von der Völkerkunde/Ethnologie übernommen und fand bald Eingang in die Terminologie der Geisteswissenschaften im weitesten Sinne. Mit der Entwicklung der Rassentheorie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt er seine spezifisch rassistische Färbung, die in der Folgezeit an Gewicht zunehmen sollte: Die ursprünglich linguistischen Charakteristika zur Unterscheidung zweier verschiedener Sprachfamilien verwandelten sich in die rassistische Theorie eines zwischen der und der , der nur in der endgültigen Vernichtung eines der beiden Kontrahenten enden konnte. Die wörtliche Bedeutung des Begriffs Antisemitismus <(Feindschaft) gegen Semiten> enthüllt seine offenkundige Absurdität, da er sich nicht gegen alle ‚Völker richtet, sondern ausschließlich gegen die Juden, deren Sprache aber Teil der semitischen Sprachfamilie ist.“ Wenn dies, in der Tat, so absurd ist, fragt man sich warum der Begriff immer noch gebraucht wird.
Wie man feststellen kann handelt es sich um die Problematik die einige Männer vor 2000 Jahren hatten, die unbedingt recht haben wollten, mit dem was sie sich da ausgedacht haben. Dann kamen andere Männer welche auch recht haben wollten, schlossen sich mit einigen von denen die schon vermeintlich recht hatten aber noch mehr recht haben wollten zusammen um dann die nächste Religion zu gründen. Irgendwann später kamen dann noch wieder andere Männer, die auch recht haben wollten und alles besser wissen wollten. Und natürlich hassten die sich alle mehr oder weniger untereinander und so ist es bis heute geblieben – jeder will die Deutungshoheit haben. Man könnte es auch so beschreiben: Irgendwann haben ein paar Männer mal festgelegt das die Erde eine flache Scheibe ist, dann kamen andere Männer die zwar zustimmten das die Erde flach ist, aber keine Scheibe sondern ein Quadrat. Anfang des 7. Jahrhunderts kamen dann nochmal andere Männer die der Meinung waren das es sich weder um eine Scheibe, noch um ein Quadrat, sondern um ein Dreieck handelt. Und seitdem wird unter diesen drei monotheistischen Männermeinungen gestritten was das Zeug hält. Dabei ist es doch ganz einfach so, das alle drei völligen Blödsinn glauben. Aber versuch das mal einem Gläubigen klar zu machen.
Die Vernichtung der Juden im sogenannten 3. Reich war das schlimmste was einer Glaubensgemeinschaft (und natürlich auch noch ein paar anderen Opfergruppen) widerfahren ist und darf sich niemals wiederholen. So belastend wie die Texte über den Massenmord sind, ist die Tatsache das dies als Schock für die Gesellschaft nicht ausgereicht hat, weil es auch heute noch Judenhass gibt. Der sich immer noch aus den selben Legenden und Stereotypen über Juden speist, das ist so brunsdumm das einem die Worte fehlen. Der Judaist Schäfer ist international renommiert und hat hier ganze Arbeit geleistet. Dennoch, eher ein Buch für Theologen und Menschen die einer Religion folgen, aber auch andere finden hier massig interessante Infos. 334 Seiten, gebunden, 26,95 Euro (dolf)

Isbn 978-3406755781

[Trust # 205 Dezember 2020]

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