Februar 13th, 2019

Kolumnen (#67, 12-1997)

Posted in kolumne by Thorsten Harbeke

4 BIER SPÄTER…

Hi – willkommen im grauen Niemandsland. Der Winter bricht herein und manchmal ist auch alles Gefühlsmäßige eher grau als loderndes Feuer. Schau Dir nur das Cover der neuen Dackelblut LP an. Naja, jeder schleppt sein Säckchen mit sich herum – kommen wir gleich zur Sache – ach am Anfang noch eine Korrektur: Norbert heißt Johannknecht mit Nachnamen und ist beim Ox, Johannisbauer heißt Carsten mit Vornamen und ist beim Blurr. Trust Korrekturleser 5- setzen.

Angst – kennt jeder, aber immer wieder ist sie verschieden. Ich meine nicht die Angst, ob die neue Pegboy LP schon im Plattenladen da ist oder die Klausur in den Sand gesetzt ist. Ich meine diesen Punkt, wenn Du Deinen Körper nicht mehr so richtig kontrollieren magst. Ich hab’ seit vielen Jahren zB Flugangst – obwohl ich in den Urlaub fliege. Dann sitze ich da in meinem Sesselchen und presse die Kniescheiben gegen das Umklapptischchen, reiße den Gurt so fest zu, daß meine Jeansgröße auf 30 reduziert wird (sonst ist sie…na gut) und verkralle mich in den Armlehnen. Bei dem ersten Durchsacken nach’m Start wimmer ich dann so merkwürdige Geräusche und fühl’ mich gar nicht gut – gekotzt wird aber aus Prinzip nicht. Dann schauen einen die Leute an, die ganzen Penner, die sonst immer Angst um jeden Kratzer in ihrem blöden Auto haben, und triumphieren. Guck Dir den an., der hat doch vorhin schon um halb Neun morgens ein Bier getrunken. Warum wohl Du Arschloch. Einmal war alles anders – einmal dachte ich, das war’s jetzt aber wirklich. Einmal bin ich nämlich im Ausläufer eines Hurricanes durchgestartet. Da hat der Pilot festgestellt, daß der Seitenwind auf der Landebahn zu heftig ist. In 10 Meter Höhe vollen Schub geben und das Ding kommt nicht aus’n Socken. Der ganze kalte Schweiß war vergessen. Ich hab auch nicht mehr gezittert. Oder gewimmert. Es war alles so klar – das schafft die Mühle nie, wir bohren uns gleich 25 Meter in den Sumpf rein (den es dort zur Genüge gab). Es war alles so kontrolliert-unkontrolliert – kannst Du das verstehen? Und es ist verdammt egal, daß die angeblich mit so nem Jet ‘nen Looping machen können. Und nochmal Angst, diesmal am Strand, und diesmal war wieder ein Sturm im Spiel. Dessen Ausläufer sorgten für die höchsten Wellen, die ich je in Kalifornien gesehen habe. Jetzt kenne ich all diese Urlaubsgeschichten (‘und dann sind wir unter 3-4 Meter Wellen durchgetaucht’ – Antwort: Da tauchst Du nicht mehr unten durch – die Welle macht mit Dir, was sie will) und jeder hat das ja am Strand im Griff. Nur ich mal wieder nicht. Die Wellen waren mehr als übermannshoch und brachen in brutalen Tubes. Kein Surfer da. Zu heftig – Closeout conditions. Am nächsten Tag war es niedriger, aber danke, ich lasse mein Board schön am Strand (oder gleich im Auto?) – und stelle mich mit Anjas Bodyboard (aus hartem Schaumstoff, aber deutlich ungefährlicher als Fiberglass-ummantelte ‘echte’ Surfboards) ins Wasser und tucker mit den kleineren Wellen so rum, ohne Flossen (‘ich mach das nur da, wo ich stehen kann’) und achte auf die Strömung (‘In den rip current (Strömung, die das Wasser aus einer Bucht wieder nach draußen befördert) komme ich nie rein’) und tauche unter einer recht hohen durch und komme wieder hoch und bin auf einmal 30 Meter weiter draußen als jeder andere und auch 30 Meter weiter nödrlich als eben noch, genau da, wo ich nie und nimmer sein wollte. Und vor mir sehe ich ein grün-graues Monster, wie es sich auftürmt und beschließt ein paar Meterchen vor mir zu krachen. Kein Boden unter den Füßen, keine Flossen, um halbwegs wegzukommen. Viel Zeit war nicht da – was tun? weiter nach draußen kommen war genauso illusorisch wie sich von solch einer Well mitnehmen zu lassen. Tauchen also. Es grollt und zieht und zieht mich rückwärts in sich rein – Unterwasserkunstückchen vollführen. Gedanke: Schütze Deinen Kopf mit Deinen Armen – geht nicht, kann gar nix bewegen. Die Orientierung (wo ist oben) entschwand – aber das macht ja der Bierbauch der bringt Dich von alleine nach oben – Dann irgendwie Wasser und Luft, Rumschnappen nach letzterem, inzwischen steht der Lifeguard mitsamt Auto am Strand und brüllt irgendwas ins Mikrophon – nix verstanden, keine Zeit, die nächste Welle. Das gleiche Spiel nochmal. Wieder rückwärts reingezogen, wieder Saltos, wieder Luftschnappen, – wieder Gebrüll vom Lifeguard am Strand. Und die dritte Welle. Nach einem sehr sehr kurzen Zeitraum hatte mir die Welle die Luft aus der Lunge gepresst, und die Panik (denk mal’bloß keine Panik bekommen’ hundertmal in der Sekunde) setzte langsam ein. Vorher war alles wild und schnell und es gab keine Zeit zum Überlegen. Irgendwie hatte mich die dritte Welle fertig gemacht. Aber überlebt – und auf einmal wieder gestanden – und das set war aus und Ruhe kehrte ein. Als ich mich aus’m Wasser geschleppt habe, hat mich der Lifeguard vollgelabert. Ich hab’ nur noch gemeint ‘Du hast ja so recht’ oder so was und war erstmal durch, aus und fertig. Und als dann bibbernd und adrenalinschwitzend am Strand saß, wußte ich, daß, wenn man keine Zeit mehr hat, auch die Angst verschwindet. Am nächsten Tag haben die Lifeguards an der gleichen Stelle eine halbtote Frau aus dem Wasser gefischt. (Daniel)

 

FRANK’S PRIVATE COLLECTION

Sieben Wochen Spaß fanden gestern ihr Ende. Von was ich rede, von der „Temporären Zone“ in Karlsruhe. Diese Einrichtung war ein echter Gewinn für diese Stadt und wie immer mußte es natürlich ein Ende finden. In einer alten Fabrikhalle, die nun abgerissen wird, zogen einige Leute die Temporäre Zone auf. Mit viel Liebe wurde aus dieser Halle, ein echt netter „Club“, wenn auch nur für den Bereich „Elektro-Musik“, dem ich zum Glück aber nicht abgeneigt bin. Auch die Auswahl der DJ’s war gut. Wie nötig diese Stadt einen solchen Laden hatte, zeigt sich am Publikumszuspruch. Einfach Klasse, man konnte in die TZ gehen und traf immer Freunde und Bekannte. Das die Stadtverwaltung überhaupt mitgespielt hat, hat man wohl dem geschickten Schachzug zu verdanken, das Ganze unter dem Deckmantel von Kunst laufen zulassen. So wurden in einem Nebenraum Multimediale „Kunstwerke“ ausgestellt und der Club war quasi nur eine „Begleiterscheinung“. Sperrstunden spielten plötzlich keine Rolle mehr, zu mal in der Nähe der TZ ohnehin kaum Leute wohnen. Die Getränkepreis waren auch sehr erträglich (ein Bier am Anfang 3.- später 3,50) und so war jedes Wochenende Party angesagt. Leider wird die Halle nun abgerissen und die TZ gehört seit gestern (8.11.) der Vergangenheit an. Nischen bleiben halt nie für lange. Der Alltag wird wieder seinen Einzug halten. Schade, schade! Hoffentlich gibt es bald einen Ersatz. Zumindest hat das ZKM (vielen vielleicht durch den ganzen Medienrummel bei der Eröffnung mit KRAFTWERK-Konzert usw. bekannt.) viel mehr die HfG (Hochschule für Gestaltung) angeboten, ab Frühjahr 98 einen Raum zur Verfügung zu stellen. Immerhin ein Lichtblick. Witzig an der TZ war auch die Tatsache, daß die Fabrikhalle nur einen Steinwurf weit vom Neubau der Bundesstaatsanwaltschaft entfernt lag. Eigentlich unvorstellbar! Ein Hochsicherheitstrakt auf der einen Seite und 20m davon entfernt, allwöchentliches „Freaktreffen“. Das Wachpersonal wird geschwitzt haben. So viele „obskure“ Gestalten in unmittelbarer Nähe. Überhaupt ist es sehr unglücklich gewählt die Bundesstaatsanwaltschaft direkt neben das ZKM zu bauen. Das gibt sicher über kurz oder lang Probleme. Da ich auch noch in der Nähe zu beiden Gebäuden wohne, wird der Streß auch für mich nicht ausbleiben. Immer wenn man nachts nach 23.00 Uhr auf der Straße angetroffen wird, steht da eine Personenkontrolle an, zumindest bei meinem Äußeren. Schon jetzt vor dem Einzug der Anwälte ist die Polizeipräsenz in meiner Wohngegend sprunghaft angestiegen. Das nenne ich eine Verschlechterung der Wohnqualität. Da kann ich doch über die Bürgerinitiativen, gegen den Bau eines Großkinos (auf den letzten freien Platz, neben dem ZKM und der BS) nur lachen. Die fürchten um ihre Parkplätze, ich bange um meine nächtlichen Exzesse. Man sollte eine Bürgerinitiative gegen die Bundesstaatsanwaltschaft aufziehen. Staatsanwalt raus aufs Land! Jawohl. Ist doch unverantwortlich, so einen Hochsicherheitstrakt in eine Wohngegend zu bauen! Wenn es mal einen Anschlag gibt sind die Bürger in der Nachbarschaft echt gefährdet. So was ist doch unverantwortlich. Ich muß mir nur vorstellen, wie eine Terrororganisation „Rettet die Südweststadt“, gerade in dem Moment eine Bombe zündet, in dem ich mit dem Fahrrad dort vorbei komme. Da wird mir ja ganz schlecht. Ich glaube, ich brauche eine neue Wohnung.
Bis denn (Frank)

 

DIARRHOE DE BERLINARS

Wir schreiben den 22. September 1997.
Ich sitze in einem dieser neuen Züge, in denen der Zugchef, gleich einem Flugzeugkapitän, Auskünfte über Zielorte, Bordprogramme und mobile Bordshops durch den dümpflich knisternden Lautsprecher erteilt. Fahre, wie man das so tut, von da nach dort, und lasse nicht nur Genthin auf der Strecke bleiben, wo wir vor ein paar Jahren mal spielen sollten (eine Woche vorher rief dann der Veranstalter, ein junger Mensch namens Rene Bierbrauer, wenn ich mich richtig erinnere, an und sagte, das JUZ sei von Nazis zusammengehämmert worden und wir müßten selbst wissen, ob wir kommen wollten, was sich dann erübrigte, weil die Hälfte der Band bei einem Autounfall eine Nacht vor dem geplanten Unterfangen in schwerste Mitleidenschaft gezogen wurde). Jedenfalls sitze ich also in einem dieser neuen, vollklimatisierten Züge und rekapituliere. Zum einen über eine Sache, die mir wieder unangenehm aufstieß, als ich über meinen Erguß vom letzten Mal nachdachte, die ETA und den ganzen Kram.
Unterstützt den nationalen Befreiungskampf der Deutschen!
Was haltet ihr davon? Ah, ich höre da etwas von ’nationalistisch‘, ‚rassistisch‘ … und das beliebte Haumichtot-Wort mit ‚N‘ darf natürlich auch nicht fehlen. Und warum findet sich so ein Satz auf dem Flugblatt eines linken Politstammtischs?
„Tut er ja gar nicht!“
Ja, bei denen stand nämlich statt ‚Deutschen‘ das Wort ‚Kurden‘. Und warum ist das auf einmal etwas ganz anderes?
„Weil die Kurden doch unterdrückt werden.“
Ach ja, die müssen sich mit den Fährnissen der kapitalistischen Produktionsweise herumärgern und frei von Geld durch ihr bißchen Leben mühen. Das ist gar nicht gemeint? Stimmt, dann könnten sie sich ja gleich mit den entsprechenden Bevölkerungsteilen anderer Länder und dessen, in dem sie leben, zusammentun, wenn es darum ginge. Was aber ist ein nationaler Befreiungskampf? So einer, wie ihn auch die Lega Nord, die ETA und andere Leute führen, die dem Reigen der miteinander wettbewerbenden Nationen noch ein paar weitere hinzufügen möchten.
DIE GEBURT EINER NATION.
Ist es das, was ihr wollt? Habt ihr denn an eurer eigenen noch nicht genug, wenn schon nicht zuviel? Ich würde eher dem, der meint, daß er nicht grundsätzlich mehr an Interessen mit einem Träger des gleichen Passes teilt, als mit einem Angehörigen einer beliebigen anderen Nation, zustimmen. Wer weiß, er ist
-vielleicht-
EIN INTERNATIONALIST
Sowas soll es wohl noch geben.
Die andere Sache: Ich kenne Leute, die halten in nicht geringer Zahl Egoismus für etwas ganz schlimmes. Was ist ein Egoist? Im Brockhaus steht: „Egoismus [von lat. ego ‚ich‘], Selbstsucht, die Gesamtheit der Antriebe und Strebungen, die von der eigenen Person ausgehen und diese in den Mittelpunkt stellen, zunächst auf der biolog. Grundlage der Lebens- und Selbsterhaltung, aus der sich ein ichbezogenes, andere verletzendes Verhalten entwickeln kann.“
Lassen wir einmal die wahrscheinlich auf dem Dung bürgerlicher Ideologie gesprossene Wertung der ‚Selbstsucht‘ weg, bleibt übrig, daß da bei einem Menschen Interessen vorhanden sind, die er in den Mittelpunkt seines Handelns stellt, was unter Umständen dazu führen kann, daß die Interessen anderer Personen dadurch negativ betroffen sein können. Die Crux ist selbstverständlich der Inhalt dieser Interessen, die Beschaffenheit seiner Bedürfnisse. Aber wenn es sich da einer zum Anliegen gemacht hat (es also als Teil seiner Interessen „in den Mittelpunkt seines Handelns stellt“), den Regenwald zu erretten, die Wale, die Tiere samt und sonders, „die Natur“ (bei einigen Leuten ein bestens funktionierender Gott-Ersatz, nebenbei bemerkt) gleich als Ganzes, die armen Sünder, seinem Herrgott treu zu dienen, seiner Szene, dem Verein oder seinem Vaterland, dann mag man das nicht in jedem der genannten Fälle für besonders klug halten, aber daß es da ein in Eigenarbeit hergestelltes oder angeeignetes (also fürderhin und zukünftiglich „von der eigenen Person“ ausgehendes) Interesse gibt, daß es zu befriedigen gilt, wobei der Erfolg in der Sache übrigens gar nicht einmal entscheidend ist, ist doch ziemlich offensichtlich. Wenn ihr an einen lieben Gott oder ähnlichen, ebenso verquasten wie populären Mist glaubt, werdet ihr widersprechen, ansonsten besteht doch kein Zweifel an dem Egoismus auch solcher Leute. Dieses jeweilige Interesse ist schließlich eben nicht genetisch bestimmt, noch ist es von einem Weltgeist oder einem anderen sinnstiftenden „Größer als wir alle“ installiert. Nein, das menschliche Hirn ist eben nunmal in der Lage, sich da zu allerlei kühnen Verrenkungen geistiger Art zu versteigen und hat flugs sich ein Interesse zu eigen, ein Ding zum Anliegen gemacht.
Warum nun beispielsweise ein Internationalist nicht der dümmste Egoist ist, sollte nicht allzu schwer zu verstehen sein, vorausgesetzt, alles Gerede gegen System und Faschismus und Kapital (ich weiß, das ist ein bißchen dated) ist nicht bloß ein Lippenbekenntnis, sondern zumindest latent theoretisch durchdrungen.
Oder findet ihr es an und für sich toll über Grenzen zu fahren, die malerische Armut in exotischen Ländern zu besichtigen und Nachrichten über Völkerfehden und das Bemühen um einen guten Platz in der Weltwirtschaftskonkurrenz zu erhalten? Eben. (Oder doch?)
Das aber nur als kleine Reminiszenz.
Was wirklich nervt ist, wenn einem irgendwelche Leute, für die die Welt sich in ‚Spießer‘ und ‚Gutdraufe‘ unterteilt, die sich aus der Farbe ihrer Haare und/oder ihrer Tracht gleich noch die Zugehörigkeit zu der besseren dieser Gruppen herleiten, Leute, die du und ich nicht nur in Discos, Kneipen und auf Konzerten treffen, wenn solche Leute einen einen Egoisten nennen und damit eine negative Kritik anbringen wollen.
DAS IST DUMM!
-Weil es den eigenen Egoismus ignoriert,
-weil es davon ausgeht, Egoismus sei dumm, nicht etwaige Interessen, die er sich zum Maßstab nimmt, und
-weil dadurch, daß diese Maßstäbe nicht Thema werden, gar nicht festgestellt werden kann, ob man nicht zusammen viel besser eventuell vorhandene gemeinsame Interessen verfolgen könnte.
DAS IST KONTRAPRODUKTIV!
Zumindest, was meine Interessen angeht. Kontraproduktiv indessen auf gar keinen Fall für die, die ein Interesse daran haben, daß möglichst viele Idioten nützliche Idioten sind, und ihren Egoismus beispielsweise unter Einbeziehung von Nationalismus durchziehen, ihn also in den Dienst einer Sache stellen, die die meine garantiert nicht ist. Leute, die sich auf den Standpunkt stellen, man müsse die rehäugigen Kühe aus moralischen Gründen vor den bösen Transportbedingungen und der Schlachtbank retten, dürfen übrigens bei Erfolg ihrer Sache immer noch in der gleichen freien Marktwirtschaft existieren und haben, abgesehen von der mühseligen Methode, sich eines einzelnen Produktes via Konsumverzicht zu entledigen, wieder keine Möglichkeit, irgendwas zu bewegen, was nahelegt, daß sie das auch gar nicht wollen. Daß sich solche Leute keine Gedanken über die beschissenen Lebensbedingungen von Menschen und mithin ihrer selbst machen, läßt in mir die Frage keimen, ob es denn nicht sinniger wäre, sich erst darüber zu echauffieren. Oder was interessiert euch mehr, Menschen oder Tiere? (Wie wär’s denn mit Gemüse?)
„ba-ba-banana, this ain’t havana
do you like bananas, ba-ba-bananas“
(Ramones)
Es verbleibt, vorerst mit zurückhaltenden Grüßen,
STONE

N.S.: Es ist ziemlich in Mode, darauf hinzuweisen, bei der eigenen Wortmeldung handele es sich „nur um eine persönliche Meinung“. Kurz dazu: Nach solcher Be- und Entwertung des eigenen Gedankens, muss dann natürlich auch jede andere Meinung als äquivalent (i.e.: gleichwertig) anerkannt werden, was heißt, eigentlich hätte man sich die Äußerung der seinen auch gleich sparen können, da bei soviel Meinung schwerlich konkrete Konsequenzen zu ziehen sind, weil da dann immer jemand ist, der sein Recht auf freie Meinungsäußerung, erkämpft 1793 beim Sturm auf die – nie erstürmte – Bastille, mißachtet sieht, und das geht ja nun wirklich nicht, wo leben wir denn? Daß ich nicht „Vorsicht Meinung“ sage, heißt natürlich nicht, daß ich nicht möglicherweise irgendwo irre. Das könnte man durchaus diskutieren, so es überzeugende Argumente dafür gibt. Ich kenne allerdings Leute, die es nicht für nötig halten, dafür die Voraussetzungen zu schaffen und somit eine Diskussion zu ermöglichen. Manche von ihnen fassen sich an den Kopf, murmeln „Oh Gott!“, als ob ausgerechnet der da hingehöre, und beschränken sich darauf, in moralischem Überlegenheitsgefühl schwelgend zu verharren. Das ist schade, aber nicht neu. Das ist nicht schön, aber kein Grund, daß ich jetzt griesgrämig in diesem Zug sitzen müßte. Ich habe auch noch andere Dinge zu tun. „Wer glauben will, der wird eben glauben“, sagte mein alter Kumpel Horst gestern Abend, und er hatte sicher und leider recht damit. (Stone)

 

JOBST

warum ist eigentlich fast jede sprache so geschlechtsspezifisch? warum kann ich nicht mit jemandem schreiben, ohne daß er/sie gleich weiß, welches geschlecht mir anerzogen worden ist. eventuell ist das in deutsch ja sogar noch möglich, aber in spanisch oder italienisch ist das ja undenkbar. aufgefallen ist mir das ganze mal wieder an dieser ganzen e-mail-geschichte, als ich einer frau geschrieben habe, die eine kleinanzeige im heartattack hatte, die (also die kleinanzeige, nicht die frau) mich irgendwie ansprach und da ich eh gerade wem schreiben wollte (deren adresse ich aber nicht gefunden habe), hab ich halt ihr geschrieben. gut. ein paar tage später kam auch eine antwort und siehe da, sie hatte keine ahnung, wo ich herkomme (beim normalen briefeschreiben ja auch undenkbar, man denke nur an briefmarken und so…), noch welches geschlecht ich “habe” (liegt natürlich auch daran, daß ich zum glück einen namen habe, der nicht unbedingt international auf “mein” geschlecht schließen läßt). das hatte natürlich hauptsächlich was damit zu tun, daß ich in englisch geschrieben habe und ein vorteil der englischen sprache ist, daß sie relativ geschlechtsneutral ist. dadurch ist das englische eben nicht auf so hilfskonstrukte wie “-Innen” oder so angewiesen. ich kann also im englischen zumindest was die wahl der worte angeht erstmal völlig auf geschlechtszugehörigkeitsmerkmale verzichten bzw. brauche gar nicht darauf zu achten. when ich z.B. einfach schreibe “i´m a student”, dann heißt das eben, daß ich ein mensch bin, der studiert und sagt erstmal nix über meine geschlechtszugehörigkeit aus. cool, oder? chinesisch kennt übrigens erst einmal gar kein geschlecht in der sprache, natürlich gibt es worte für “mann” oder “frau”, aber es gibt in bezug auf menschen kein geschlecht, also kein “er” oder “sie”. japanisch hingegen ist in diesem zusammenhang in der anderen richtung sehr extrem und es gibt für frauen und männer verschiedene dialekte. um zum englischen zurückzukommen: d.h. natürlich nicht, daß es im englischen keine eindeutig männlich geprägte sprachstruktur gibt, aber im gegensatz zu vielen anderen sprachen wird die geschlechtszugehörigkeit des/der sprecherIn nicht sofort offengelegt und das sehe ich doch schon als einen immensen vorteil in richtung einer nicht mir primär auf geschlechtszugehörigkeit bestimmten umgangsweise zwischen menschen. zumindest ermöglicht es erstmal ein relativ offeneres aufeinander zugehen und das ist voll geil. echt. bei aller kritik, die ich an der ganzen verelektronisierung der kommunikation auch sehe, sind diese beiden punkte doch etwas faszinierend positives. auf welcher ebene ist solche kommunikation denn sonst möglich? klar ändert das erstmal nix daran, daß das redeverhalten von männern und frauen sehr oft ein verdammt anderes; daß männer meistens über thema und richtung von gesprächen bestimmen; daß frauen in ihrer wortwahl und ihrem redeverhalten extrem passiver sind; daß neutrale (im sinne von völlig gleichberechtigter) kommunikation sowieso so gut wie unmöglich ist, wenn menschen aufeinandertreffen. aber so´n bißchen kommt mir das gerade wie ein anfang vor, aber vielleicht seh ich das auch gerade zu positiv. aber positivität kann ja manchmal nicht schaden.
jetzt mal was ganz anderes. ich bin ja nun 24 jahre alt, also eigentlich relativ jung, und trotzdem habe ich gerade in letzter zeit voll oft das gefühl zu den alten in dieser “szene” zu gehören. das hängt wohl primär damit zusammen, daß ich viele ängste/zweifel/probleme jüngerer zwar ganz gut nachvollziehen kann, aber mir das irgendwie relativ weit weg von meinem leben vorkommt. also, ich weiß nicht inwieweit das im moment nur so eine “phase” von mir ist, aber ich hab halt zur zeit (im gegensatz zu vor ein paar monaten und erst recht jahren) das gefühl relativ gut mit meinem leben klar zu kommen, relativ genau zu wissen, was ich will, relativ oft gute laune zu haben, relativ oft zu denken, daß ich viele liebe freundInnen habe, die nur nicht mir was bedeuten, sondern denen auch ich etwas bedeute…kurz gesagt, es geht mir ziemlich gut. klar bedeutet das nicht das alles supergeil ist oder so und daß ich gar keine (selbst-)zweifel habe, aber das sind zur zeit auch relativ andere als “früher” (boh, wie bescheuert sich das anhört). ich will jetzt weißgott nicht ausdrücken, daß es generell alterspezifische probleme gibt. oder vielleicht doch? hmm, ich weiß auch nicht so genau, wie ich das in worte fassen soll, hört sich alles voll komisch an, finde ich. ich weiß auch gar nicht, ob dies alles überhaupt irgendwas mit alter oder so zu tun hat. ist vielleicht auch völliger quatsch, ist aber letztendlich auch egal, weil es ja um mich geht und nicht um wen anders und deswegen sollt ich diesen altersaspekt vielleicht auch ganz rauslassen und mir darüber gedanken machen, wenn ich über 30 und wahrscheinlich immer noch punkrocker bin. hmmm, warum hab ich das jetzt überhaupt geschrieben, vorhin dachte ich, daß mir dazu voll viel einfällt, aber scheint doch nicht so zu sein. muß ja auch nicht. also, wat solls, habt spaß, hier die playlist:
1. social distortion – white light,… lp
2. d.r.i. – dirty rotten lp
3. trümmer… – neue cd
4. johnny cash – alles
5. chumbawamba im radio
6. supersuckers – the sacrilicious sounds of the… lp
7. saint vitus – heavier than thou dolp
8. plastic pride – minicd
9. the valentine six – cd
10. oasis – alles
ach so, kennt jemand lieder, die “peace of mind” heißen? wenn ja, lasst es micht bitte wissen!!!! danke!
(Jobst)

 

I GOT MY POWER
„Haben sie einen Führerschein?“ Ja. „Sie wissen schon das sie dann auch Punkte bekommen und Strafe zahlen müssen wenn sie eine rote Ampel überfahren!“ Nein, das wußte ich nicht – sage ich und denke mir „Mir schon klar Arschloch, jetzt hau ab!“ Aber laßt mich ein wenig ausholen. Irgendwann dieses Jahr habe ich mir überlegt das ich für den Scheiss, keine Zeit mehr hab. Welchen Scheiss? Na rote Ampeln. Klar, wir alle laufen bei Rot über die Ampel, das ist ja auch gut so. Da ich viel Rad fahre habe ich mir also überlegt das ich das in Zukunft auch mit dem Fahrrad mache. Ansich nichts besonderes, aber mir war die Überlegung wichtig. Warum soll ich vor der roten Ampel stehen wenn weit und breit kein anderes Fahrzeug zu sehen ist – wenn man an der Straße steht, geht man ja auch los. Ich mein, Ampeln sind für Deutsche-Staats-Bürger und das ist auch gut so, denn ohne die Ampeln würden alle durchdrehen. Ich seh die bunten Lichter eher als Hilfe an, sozusagen als Empfehlung. So nach dem Motto, wenn du jetzt stehenbleibst bzw. weiterfährst dann passiert dir nichts. Da ich ja im laufe der Jahrzehnte zu einem verantwortungsbewußten Menschen mutiert bin, kann ich sowas ja selbstentscheiden – man muß halt nur etwas vorsichtiger sein, das ist alles. Nun, an einem Abend fahr ich also Nachts mit dem Rad auf die rote Ampel zu, sehe mich um ob keine Bullen zu sehen sind und fahre gemütlich weiter. Da hupt doch glatt das Auto hinter mir, ich denk mir, ach, der ist versehentlich an die Hupe gekommen und fahre unbeirrt weiter, in Gedanken schon in „meiner“ Bar angekommen. Da hupt der doch glatt nochmal. Nun denke ich mir, typisch Deutscher, was geht den das an ob ich bei rot drüberfahr oder nicht. Ein paar Meter weiter höre ich den Fahrer plötzlich rufen: „Hey, die Ampel ist rot“, da wird es mir zu dumm ich drehe mich um, sehe aber das ich schon so weit von dem Pkw entfernt bin, das es sich nicht lohnt – „Halts Maul, Arschloch“ zu rufen oder einfach den Finger zu zeigen. Also fahre ich weiter, Reifen quietschen, ein Bmw schneidet mich und steht vor mir – in dem Moment kommt mir zum ersten Mal der Gedanke – ups, das war ein Bulle. Davor dachte ich einfach nicht dran auch nach Zivilfahrzeugen der Bullen Ausschau zu halten. Dann gings los, der Jungspund, sichtlich erregt da er nicht erhört wurde: „Haben sie nicht gesehen das die Ampel rot war?!“ Doch. „Warum sind sie dann drübergefahren“ Ich hab mich halt vorgetastet, weil da ja eine Baustelle war. (offenbar sind ihm da ob meiner genial-logischen Begründung, keine weiteren Fragen mehr eingefallen als die Standard) „Haben sie einen Ausweis dabei?!“ Selbsverständlich. (hätte er sich ja eigentlich denken können, ich hab ja auch Licht am Rad, aber das passt wohl nicht ins Schema…). Er steigt in den Wagen, checkt über Funk den Perso – ich denke mir derweil: was ein Arschloch, ich weiß schon warum ich für diesen Staat nichts übrig habe, das die mich nicht mit meinem Bruder verwechseln – der hat ein paar Eintragungen, scheiss Bulle, hoffentlich lässt er mich nicht zahlen oder verhängt Verkehrsunterricht – mir, der sich verantwortungsbewußt überlegt hat die rote Ampel zu überfahren! Er kommt wieder und fragt scheinheilig „Haben sie einen Führerschein“ wohl in der Hoffnung das ich nein sagen würde. Mir ist völlig klar das er das bereits über Funk rausgefunden hat und somit bejahe ich, know your enemy. Nun, nach der Eingangs erwähnten Frage meinte er nur noch, jetzt fahren sie aber weiter. Ich denke mir: Glück im Unglück – wenn er ein totales Arschloch (oder mehr Zeit vorhanden) gewesen wäre, dann hätte er mir auch noch eine Geldstrafe aufgebrummt. Zum Glück können die Spacken ja nicht Gedanken lesen und müssen sich deshalb mit Antworten wie „Ich hab mich halt vorgetastet, weil da ja eine Baustelle war.“ zufriedengeben, hin und wieder zumindest. Nun, immerhin hatte ich eine kleine Geschichte in der Bar zum besten zu geben – ist ja nichts besonderes, weiß ich! Aber, irgendwie kamen wir dann drauf, das man ja auch den Schein weggenommen bekommen kann wenn man besoffen Rad fährt. Stimmt auch, mir sind einige Fälle bekannt. Logische Schlussfolgerung also – dann kann man ja auch breit autofahren, wenn man beim radfahren auch den Lappen verlieren kann. Vor allem, was ist dann als nächstes? Gut, man geht halt dann zu Fuß, oder nimmt ein Taxi. Und wenn man von den Cops dann betrunken auf dem Weg nach Hause oder zum Taxi ertappt wird – betrunkener Fußgänger, hat Führerschein – weg damit! Da passt es natürlich super, das diese Wixer, grade „abgestimmt“ haben das die Promillegrenze auf 0,5 gesenkt wird. Na toll! Dann trink ich also 2-3 Bier, was nie vorkommt (es sind meist mehr…) und soll dann vielleicht Punkte bekommen und 200.- DM Strafe bezahlen? Das bestimmen doch Leute die immer gefahren werden und gar nicht wissen das es öffentliche Verkehrsmittel gibt, geschweige denn das die Nachts auch oft viel zu früh den Betrieb einstellen. Ich mein, ich bin ehrlich, für diesen Staat und seine Bürger macht das ja alles Sinn – aber für mich halt nicht! In diesem Zusammenhang ist es ja eigentlich komisch das man keinen Schein braucht um Kinder zu zeugen – obwohl ich mir oft denke, für Bürger des Staates, wäre das nicht schlecht. Aber das ist ja wieder ein anderes Thema. Auf jeden Fall habe ich gelernt das ich bevor ich bei rot über die Ampel fahre auch nach anderen Autos Ausschau halte, weil, ich hab für so Scheiss halt nach wie vor keine Zeit.
Schön zu sehen das es mit dem Staat weiter bergab geht! Und wie sie alle jammern, die Deutschen, und fordern und haben wollen in ihrem ungerechtfertigten Anspruchsdenken – nichts geht mehr. Und irgendwann wird sich der Staat auch keine Politiker mehr leisten können – spätestens wenn die gezwungen sind auf eigene Verantwortung zu arbeiten und Ergebnisbezogen bezahlt werden. Wär doch klasse, wenn die ihre Wahlversprechen nicht erfüllen bekommen sie auch kein Geld. Aber ich schweife ab.
Das Jahr ist fast schon wieder vorbei, es hat mich nicht sehr gut behandelt – aber das ist eine andere Geschichte. Wer es noch nicht mitbekommen hat, am 6.12. ist nochmal ein geiles Konzert in Frankfurt – dort sind wir alle. Kommt und feiert mit uns. Bis später. (Dolf)

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