Mai 31st, 2008

Kolumnen Dolf, Jan (#125, 08-2007)

Posted in kolumne by jörg

DOLF

Leute, in Zukunft will ich nur noch mindestens solche Statements in Zusammenhang mit Hardcore Bands lesen, alles andere ist quatsch: “Combining melodic punkrock and old school hardcore with meaningful and social-aware lyrics.
We believe that music is about self expression and communication – not sales points. And that a town is a town – not a ‘market’. And in case you should wonder: We are a pro-gay, pro-choice, anti-organized religion and anti-racist punk band. So please find someone else to open up for your christian ‘hardcore’ bands,OK?”

Wie die Band heisst? Das wird an dieser Stelle nicht verraten, steht an anderer in diesem Heft. Ich hoffe die Band steht zu der Aussage, warten wir es ab.Nicht mehr abzuwarten braucht man die immer weitergehende Verdummung der Allgemeinheit – früher war Umweltschutz ein notwendiges Anliegen, heute ist es auch nichts weiter als ein Marketingtool. Naja, erstmal ist es ja besser die richtigen Dinge aus den falschen Gründen zu machen als die falschen Dinge aus den falschen Gründen. Auch wenn ich der festen überzeugung bin das es auf Dauer nicht wirklich gut sein wird – hoffen wir das ich mich irre.

Was ich auf keine Fall mache wenn ich nun folgendes Behaupte und Fordere: “Ich bin eine Minderheit – ich brauche Schutz und Unterstützung” In echt, wenn man sich die Welt da draussen ansieht, also die Mehrheit, kann ich einfach zu keinem anderen Schluss kommen. Alles voll mit Kulturterroristen – was das sein soll? Na das sind die Spacken die vorgeben Kulturarbeit zu leisten, denen es aber in Wahrheit nur ums Geldverdienen geht. Handy und Internetverbot – sofort! Wenn Marketing nur noch Lüge ist, dann ist es kein Marketing mehr. Lernt man das als Grundregel irgendwo? Bestimmt nicht.

Du meinst das kann man nicht machen, den ganzen Müll bekämpfen? Es geht hier nicht um bekämpfen, es geht um Verteidigung. Du meinst es würde doch gar kein Angriff geschehen? Dann nenn doch mal die Aggressivität des Geldes – Militant. Wie sonst willst du auf Militanz reagieren als mit Verteidigung? Leider ist es auch hier so, würde man mal ein paar Köpfe rollen lassen, das sofort wieder welche Nachkommen, das ist ärgerlich, aber leider Fakt. Was ist also zu tun? Die Leute müssen umdenken. Hahahab ich das schonmal geschrieben? Sicher.

Auch auffallend: eigentlich wird die Welt bzw. die Kommunikation in ihr sowie daraus resultierendes ja immer schneller. Das mag für die Technik stimmen, aber nicht für die Menschen die sie bedienen. Die sind zwar empfänglich für die Sprüche und Produkte der Bedürfnisformer und wollen alle möglichen Computer(programme), Mobile Kommunikationseinheiten jeglicher Art, eigene Internetseiten, verschiedene E-mail Adressen oder Identitäten, das die aber alle auch “gepflegt” werden müssen, das vergessen die Leute. Mit anderen Worten, wenn Du all diese Werkzeuge nicht dafür gebrauchst wofür sie entwickelt wurden, dann schalt sie doch einfach ab oder ggf. aus. Dann ist die Kommunikation vielleicht langsamer, aber im günstigsten Fall wird alles andere wieder “schneller”.
Sommer!

***

All that can will sure go wrong

Hohes Gericht! Um es direkt klar zu sagen: ich hatte überhaupt keine Schuld daran, dass ich trotz akribischster Planung meinerseits das Angry Samoans Konzert in Nürnberg im Mai 2007 verpasst habe. M. und A. waren eindeutig diejenigen, die meinten, “Na ja, von Frankfurt / Main nach Nürnberg sind es mit dem Auto fast vier Stunden, mit der Bahn bestimmt nur drei”. Getreu an diese Massgabe habe ich mich gehalten: Das Konzert war an einem Mittwoch, und nach Urlaubsgenehmigung für die zwei folgenden Tage und ganz erfreulicher Arbeit erledigte ich am Hauptbahnhof in Frankfurt die notwendigen letzten Reisevorbereitungen, der ICE war pünktlich und ich lehnte mich an einem schönem Fensterplatz im Raucher-Grossraumabteil entspannt zurück.

Zum ersten Mal Angry Samoans sehen, das wird prima, S. mal wieder sehen, fein! Genug Bier (gekühlt) war dabei, ausreichend Zigaretten, nur die besten Mixtapes für den Walkman lagen bereit, selbst an Ersatzbatterien wurde gedacht, S. in Nürnberg war zwecks Schlafgelegenheit und Konzertbegehung informiert und ich hatte drei Stunden Zeit, mich auf die schönen Sachen des Lebens zu konzentrieren: nix tun, Bier trinken, rauchen, Musik hören, “das Leben Revue passieren lassen”. Ich habe auch nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich an die “3 Stunden Marke” gehalten. Es war eine schöne Fahrt, die um 18.00 begann.

Gegen 20.00 hüpfte ich kurz auf die Toilette, als der Zug irgendwo gehalten hat, selbstverständlich konnte ich durch die laute Musik meinerseits nichts von den Durchsagen verstehen, es war ja auch uninteressant, denn ich wusste ja, wann ich hier raus musste. Nach Erledigung des Toilettengangs und Platznahme meinerseits fuhr der Zug langsam aus dem Bahnhof raus. Ich konnte gerade noch das Schild “Nürnberg Hauptbahnhof” wahrnehmen. Eh? Ach du Scheisse, sollte ich hier Teil eines Plans werden, den ich nicht verstehe?

Hektisch sah ich in dem Fahrplan nach, oh nein, tatsächlich, der Zug braucht nur zwei Stunden nach Nürnberg, argh! Na gut, “er wird ja dann noch mal halten und ich fahre zurück” und “das kann ja alles mal passieren”. Selbstzufrieden lauschte ich der Ansage der Bahn: “Sehr geehrte Reisende und in Nürnberg Zugestiegene, herzlich willkommen bei der Deutschen Bahn” (Ja ja, komm mach mal, wann ich hier raus kann”)”in der ersten Klasse werden Sie am Platz bedient” (Typ, mach hinne, ich muss auf dat Angry Samoans Konzert und sitze in der völlig falschen Richtung). “Nächster Halt” (Na endlich!) ”München”. München? Eh? Oh je.

Gegen 21.00 war ich in München, wurde selbstverständlich nach Verlassen des Zuges von der Polizei dort auf Haut und Haare untersucht nach harten Drogen, die ich nicht habe (Routinekontrolle heisst so was in Bayern, ich wusste gar nicht, das ich mit Misfits T-Shirt und Bermuda-Shorts und ansonsten normalem Outfit in das Raster des Junkie falle, aber auch mal interessant). Der nächste Zug zurück fuhr gegen 23:00, es war nicht zu fassen, wie unglaublich dämlich muss man sein!

Nach drei Weizen (immerhin das konnte ich mir noch schön reden, von wegen “Na ja, alles sehr doof gelaufen, aber mal so ein Original-Weizen in München trinken”es hat beschissen geschmeckt) und Rum- Telefonieren mit D./dem Vater von S. nach S. Nummer (die ich natürlich weggeschmissen hatte in der Annahme, dass ja nix schief gehen kann und natürlich habe ich weder Handy noch Stift zur Hand gehabt) und S. selber, nach einer konsequenten Zugfahrt mit nur noch trinken und nur noch AC/DC hören mündete der Zug in der Einfahrt des Nürnberger Hbf.

Hatte mir S. deutlich im Voraus zu verstehen gegeben, dass der Konzertladen nur wenige Gehminuten vom HBF entfernt war? Hoch verehrtes Gericht, meine Erinnerung hat mich in diesem Punkt verlassen (starke Medikamente). Ich setzet mich in ein Taxi, gab dem Fahrer ein 10 Euro-Schein mit den Worten “Stimmt so, ich muss nur schnell ins K 4″. Dort war vor drei Jahren mein erstes Trust-Treffen gewesen, dort hingen jetzt nur noch Black Metaller rum, die mich ungläubig musterten, als ich in den Laden rein lief.

Keine Musik war zu hören, oh je, war das Konzert vorbei? Nein, ich war im falschen Laden, Gratulation! Mit einem anderen Taxi fuhr ich dann in den richtigen Laden, wie gesagt, nur wenige Gehminuten vom HBF weg, um pünktlich anzukommen, als das Konzert schon längere Zeit vorbei war. Ich erwähnte es bereits: nicht ich habe hier Fehler gemacht, es waren 3 Täter und 1 Gehilfe hier zugange und ich habe nur meine Pflicht getan!

Pflicht war es auch, sich noch mal einem radikalem Selbsttest zu unterziehen: Konnte ich es schaffen, eine Toten Hosen live CD von 1996, also aus der schlimmen Phase, an einem Stück durchzuhören? Ja, erstaunlicherweise ja, man kannte doch die meisten Songs aus dem Radio und erwischte sich beim fröhlichen Mitpfeifen.

Mir ist aufgefallen, dass viele Leute Musik und Fanzines nach einem Doppelstandard beurteilen: Fanzines sollen punkig sein, aber irgendwie trotzdem regelmässig rauskommen, keine Anzeigen haben, aber irgendwie doch nicht zu teuer sein, über geile Bands berichten, aber bitte nicht nur über unbekannte, aber auch nicht immer über bekannte, es soll persönlich, gleichzeitig aber kein Seelenstriptease und objektiv bleiben, witzig, politisch, aggressiv, nett, kritisch, lustig usw. sein! Ja, finde ich auch!

Erfüllt das Trust all das? Sicher nicht. Welches Heft erfüllt(e) das? MRR 1986? Out of Step in den 90igern? Gleichzeitig kaufen die Leut` aber kritiklos bzw. mit einem deutlich niedriger hängenden Qualitätsmassstab die letzte musikalische Gülle. 95 % der heutigen Musik ist doch genau das, das sagen die DIY-Labelmacher selber bzw. etwas verklausuliert von wegen “Es gibt zu viel Musik und Tonträger heute”. Ist das wirklich das Problem, dass es “zu viel Musik” gibt? Ist es nicht eher so, dass es einfach “zu viel schlechte Musik” gibt? Kann ja auch synonym gemeint sein mir war diese Erkenntnis irgendwie wichtig, dass die, die immer so an den unpersönlichen und kommerziellen und wat weiss ich nicht noch alles-Fanzines rumnörgeln auch die sind, die sich den letzten musikalischen Rotz andrehen lassen tja, das kommt davon, wenn man sich nicht mal die Review-Abteilung durchliest, ha.

In dem Zusammenhang möchte ich abschliessend noch auf ein super Zitat von Charles Bukowski aufmerksam machen, er hat ja zwei prima Bücher geschrieben, ein mal “Der Mann mit der Ledertasche” über seine Zeit als Postzusteller und “Das Liebesleben einer Hyäne” über sein Leben als Alkohol- Bohemien; es geht in dem Zitat zwar um das Schreiben und Autoren und deren Selbstliebe, und ob das auf das Schreiben zutrifft, weiss ich nicht genau, aber wenn man die betreffenden Wörter gegen Musiker und Musik machen austauscht, dann bin ich mir sicher, hier eine äussert zutreffende Beschreibung der Musikmachenden Zunft vorzufinden:

“Mit Schreiben ist das so eine Sache. Wenn einer hohe Auflagen erzielt, kommt er sich grossartig vor. Wenn einer mittelprächtige Auflagen erzielt, kommt er sich grossartig vor. Wenn einer sehr geringe Auflagen erzielt, kommt er sich grossartig vor. Und wenn einer gar keinen Verleger findet und auch nicht das Geld hat, um das Ding selbst zu drucken, kommt er sich erst recht grossartig vor. Die traurige Wahrheit ist, dass man nach Grösse lange suchen kann. Es gibt sie fast nirgends. Sie ist kaum zu sehen. Nur auf eins kann man sich verlassen: Der mieseste Schreiber hat unweigerlich das grösste Selbstvertrauen und die geringsten Zweifel an seinen Fähigkeiten.

Die nächste Ausgabe wird die Schwerpunktausgabe zum Thema Arbeit, und da gibt es am 20.10. ein TRUST-Konzert in Frankfurt am Main mit Trust-Mitarbeiterinnen-Bands. Steht bestimmt hier irgendwo als Kästchen im Heft.

Ich wünsche euch ein schönes Leben! Haut rein, gebt Gas, seid pflichtbewusst, kritiklos und verweigert keine Befehle! Stösschen!

Jan

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