März 16th, 2007

Kolumnen Dolf, Stone, Daniel, Jan, Sebastian (#112, 06-2005)

Posted in kolumne by jörg

DOLF

Die Welt wird zu 95% von völlig bescheurten Menschen bewohnt, das sah man wieder ganz deutlich als Millionen nach Rom fuhren weil der Past abgenippelt war. Traurig. Und damit mein ich nicht den Tod des alten Mannes!
Ich will heute auch gar nicht so viel schreiben, steht ja schon genug im Heft. Aber ein paar Sachen wollte ich dann doch los werden….

Das weltweit in der ganzen Musikindustrie überall Leute entlassen wurden und werden sind ja alte Neuigkeiten.. Aber habt ihr mal dran gedacht was diese ganzen „ex-major label A&R“ Leute nun machen? Einige von denen werden sich selbstständig machen und versuchen „unabhängige“ Labels zu gründen… wie die dann betrieben werden und was für Intuitionen dahinterstecken liegt ja wohl auf der Hand… passt auf!

Da ja jetzt wieder die Zeit dieser unsäglichen Grossveranstaltungen beginnt, zu denen mir auch nichts neues mehr einfällt richte ich doch einen Apell an alle kleinen Veranstalter „Bitte nennt Konzerte wo viel zu viele Bands auftreten nicht Festivals!“ Danke! Weil „die Linke“ sich jahrzehntelang sträubte eine vernünftige Haltung zu einer objektiven „Ausländerkritik“ einzunehmen ist dieses Thema jetzt komplett von „den Rechten“ eingenommen. Schade ist das, für alle. Denkt mal drüber nach.

***

STONE
Der zärtliche Zyniker

„VERZICHTEN“ stand ein paar Monate in grossen Pappmaché-Lettern auf dem Domshof. Ich wollte immer das „VER“ umtreten, damit nur noch „ZICHTEN“ dastünde. Ich mag den Verzicht nicht. Er verlangt, von einem Bedürfnis zurückzutreten, von dem ich mich gar nicht, auch nicht aus Vernunft, distanziert habe. Gleichwohl verzichte ich, eher öfter als nur oft genug. Aus aufgeherrschter Notwendigkeit. Deswegen ärgere ich mich, wenn die Rede vom Konsumverzicht ist, gar von Konsumterror. Wo bleibt er nur?

Wenn es da einen Terror gibt, ist es doch vielmehr einer der Beschränkung. überhaupt muss man es erstmal hinkriegen, den Konsum, der hier gemeint ist, dingfest zu machen. Eigentlich ist Konsum doch nichts weiter als Verbrauch. Ich konsumiere Wasser, Brot, Wein, Pasta, Strom und ein paar Dinge mehr. Aber der Konsumkritiker meint dies nur zum Teil, denn er kennt zwei Sorten von Konsum. Die Befriedigung der Grundbedürfnisse, die sich wiederum nur sehr willkürlich von anderen Bedürfnissen trennen lassen. Denn weniger geht immer.

Wo fingen hörten also dir Grundbedürfnisse auf? Zweitens den Konsum in seinem Sinne, den wir auch – er ist ebenso willkürlich definiert, denn er beginnt da, wo die Grundversorgung jeweils aufhört – Luxus nennen dürfen. Am besten gleich „überflüssigen Luxus“, weil es so schön pleonastisch ist. Wie ein weisser Schimmel. Wie Gewaltherrschaft.

Was dem einen, was dem anderen zugezählt wird, folgt keiner sachlichen, dem Konsum eignenden Logik, sondern verdankt sich dem Interesse, den eigenen Konsum als mustergültig darzustellen und das darüberhinaus gehende als unnötig zu schmähen. Sonst könnte man auch kaum von Konsumverzicht als Konzept sprechen.

Ist doch mein täglicher Konsum der in Warenform auftretenden Gebrauchsgüter von Verzicht gekennzeichnet, weil er durch das zu allem überfluss auch noch recht schmalen Geld begrenzt ist, das ich für meine Arbeit bekomme. Von zwei Seiten wird nun mein Konsum kritisiert. In der Zeitung steht, ich konsumierte zu wenig und müsse meinen Konsum steigern, für die Volkswirtschaft und also das Allgemeinwohl. Von der anderen Seite sagt man mir, ich möge ihn reduzieren, weil er Schaden anrichte und der Kapitalismus durch ihn erst möglich werde. So oder so behauptet beides, nicht nur die Unternehmen, sondern das ganze System seien abhängig von meinem Geld. Wenn einer nichts mehr verkauft, geht er pleite, das stimmt schon.

Aber müsste ich dann nicht gleich ganz verzichten? Auf alles? Sonst machten ja immer noch die Wohnungsbesitzer, die Banken, die Bäcker, die Stadtwerke, die Strassenbahn (mein Konsumverzicht erstreckt sich schon bis auf das Auto), die Winzer und Brauer und Kollegen ihr Geschäft. Ich muss deren Waren weiter konsumieren, sonst verrecke ich. Ich kann ja nicht mal selbstversorgend aufs Land ziehen. Auch dafür bräuchte ich Geld. Die Produktion läuft weiter. Ihre Herstellung impliziert Schaden an den Menschen und der Umwelt als ihrer Existenzgrundlage. Aber wer hat den Schaden immer, wenn er und sie verzichtet? Der und die Verzichtende.

Auch über Verzicht führt er kein venünftiges Wirtschaften herbei. Die Schäden bleiben. Wollte man sich aber an der Wirtschaftsweise zu schaffen machen, läge man sofort über Kreuz mit der freiheitlichen Grundordnung, die es jedem nach seinen Mitteln gestattet, sich als freier Konkurrent aufzuführen. Ein Konsumverzicht ändert daran nichts. Bei einem sich andeutenden Zusammenbruch der Wirtschaft käme das Gewaltmonopol in Form seiner Vetreter auf ganz andere Ideen, als den Werktätigen die Produktionsmittel zu überlassen.

Würde wenigstens der Kapitalismus ein „besserer“, wenn die Menschheit nicht mehr „konsumiert“? Dann wäre er gerade jetzt (spätestens nämlich seit Hartz IV) auf dem besten Wege. Armut in der dritten Welt, Kriege für öl (und wenn, dann bestimmt nicht für eure Autos), Umweltverschmutzung, GAUe, das Ozonloch (weil ihr euch ja verdammt nochmal immer den Iro richten müsst!)… Als würden die hergestellten Güter bei Nichtverkauf in arme Länder verschenkt, anstatt vernichtet zu werden. Und wenn sie gar nicht mehr hergestellt würden, weil ihre Produktion sich für den Besitzer der Produktionsmittel nicht mehr lohnte, gäbe es sie gar nicht.

Natürlich fallen Konsumkritikern auch immer ein paar Produkte ein, ohne die man gut und gern auskommen kann. Panzer gehören übrigens nicht dazu. Die werden genauso wenig deshalb gebaut, um der vermeintlichen Konsumsucht der Insassen von Industriestaaten die Ressourcen zu sichern, die ihren angeblich hemmungslosen Konsumdrang ermöglichen, wie Kriege geführt werden, damit freie Bürger zu ihrem Privatvergnügen über Autobahnen fahren können.

Die Dinge, die angeführt werden, sind Tand, wie es ihn vielleicht wirklich nur im Kapitalismus gibt. Und die Glühbirne, die nicht nach ein paar Monaten durchbrennt, wird vor allem deswegen nicht gebaut, weil sonst ein Geschäft damit schwerlich zu machen wäre. Aber das meiste trifft auf einen Bedarf, und wenn es einer der Reproduktion ist. Weil man sich nach der Arbeit, auf die man angewiesen ist, ablenken möchte. Wer drinsteckt in der Mühle, wird sich nur bei Gefahr des Durchdrehens zu Hause auf den Boden setzen und darüber nachdenken wollen, was ihn so umgibt und er und sie den ganzen Tag getrieben hat, weil er auf TV, Kino, Alkohol oder was es sonst noch gibt, verzichtet.

Die Rückkehr zu einem einfacheren Leben, wo man sich selbst die Beeren von den Sträuchern pflückt, das Holz für das Feuer hackt (denkt mal an die Bäume!), sich winters Socken strickt (die armen Schafe!), im kleinen Garten Kräuter anbaut und sich ohne Fernseher einen glücklichen Menschen preist, weil man Unterhaltung nicht konsumiert sondern selbst besorgt, wäre also ein Fortschritt? Doch wieder den ganzen Tag buckeln, um über die Runden zu kommen und schliesslich jung zu sterben? Und die Umwelt – die wird auch dann noch aus dem Gleichgewicht geraten, das ohnehin reine Ideologie ist. Wann soll es das gegeben haben? Vor dem ersten Lagerfeuer?

Als praktische Kapitalismuskritik taugt das alles nicht. Sich selbst die eigene Armut schönzureden, funktioniert hingegen mit einer Konsumkritik ganz hervorragend. Man will es gar nicht, was die anderen (die schon wieder…) da kritiklos hamstern und herunterwürgen. Das (und wenig mehr) hebt einen hervor aus der Masse geldgeiler Konsumenten. Oder es kommt gleich ganz hart als elitärer Standpunkt von Menschen, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht von eigener Lohnarbeit ernähren müssen (bei manchen legt sich das, sobald die Apanage von Vati ausbleibt).

Denen sind vor allem die ein Gräuel, die sich keineswegs aussuchen können, ob sie arbeiten, denen ein Strick daraus zu drehen ist, dass sie eben arbeiten und das bisschen Geld dann unverschämterweise auch noch ausgeben. Primitive Menschen also, mit denen man sich keinesfalls auf eine Stufe begeben möchte. Hier trifft man sich ohne es zu wollen mit den anderen Verzichtsmoralisten und will doch nichts mit ihnen zu tun haben, weil die es nicht freiwillig tun.

Wie gesagt hat beides mit einer vernünftigen Kritik am Kapitalismus, mit dem ernsthaften Interesse, sich mit Wesen und Wirken dieser Wirtschaftsform und der dazugehörigen Herrschaft zu tun. Wer sich damit beschäftigen möchte, findet ab und an auch in diesem Heft ein paar Hinweise und Orientierungshilfen. Auf Verzichtsmoral hingegen verzichte ich wirklich gern. Aus ganz vernünftigen Gründen. Und sonst? Es war Himmelfahrt. Ich habe Jesu gesehen. Ein schönes Konzert.

stone

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DANIEL

Ich will doch gar kein Interview mehr mit denen führen. Das haben wir schon alles gehabt, es war von mässigster Qualität und ausserdem ist bei einem wiederholten solchen Unterfangen völlig unklar, ob meine Begeisterung für die Musik dieser Band auch zu Euch transferierbar ist. Was tun, wenn die müde und gelangweilt von der letzten Platte, die ihre beste sei, und der aufregenden Zusammenarbeit mit dem Produzenten, na gut, in diesem Falle ist ihr Sänger der Produzent, diese Antwort wäre uns also allen erspart geblieben, berichtet?

Vom Trust würdet ihr unter Umständen etwas bohrender Fragen nach Lieblingscocktails erwarten, vielleicht auch ein Ergründen der Zusammenhänge, warum bei dieser Band einfach alle Plattencover, alle Singlerückseiten, alle nicht vorhandenen Beipackzettel hässlich sind. Oder geheime Rezepte erfahren, wie man weit mehr als ein Jahrzehnt zusammenbleiben kann, Musik lebt und dabei auch noch gut ist.

Vielleicht auch etwas über Grassroots Politik im Staate des Gouvernators erfahren oder die genaueren Details des Songs „California Lights`, von dem mir nur bekannt ist, dass er von einem Loch im Zaun zwischen den USA und Mexiko handelt, der von braven Bürgern entdeckt bis zum Eintreffen der Grenzpatrouillen von ersteren mit den Scheinwerfern ihrer Autos bewacht wurde. Fürwahr, kein schlechter Songtitel.

Aber eigentlich will ich doch nur das Gefühl mit Euch teilen, wie es ist, wenn ich fröhlich glücklich betrunken im ersten Stock meiner Stammkneipe stehe, um aus den Boxen die heisere Stimme von Speedo donnern zu lassen, wenn er nach dem letzten Refrain lakonisch „live from camp x-ray` auf dem ersten Stück der gleichnamigen Rocket from the Crypt LP, die vor zwei oder drei Jahren herauskam, ins Mikro schneidet.

Mann, ich bin zwar nicht mehr so jung, aber immer noch beknackt genug, aus lauter Ergriffenheit bei so einer wundervollen Platte feuchte Augen zu bekommen (dazu bedarf es selbstredend eines gewissen Quantums Bier) und das Lied danach gerade noch einmal zu hören. Danach würde am ehesten der wundervolle Track auf den RFTC split 7“ mit den GetUpKids passen, der mit der Zeile „we have been here forever` beginnt —-

Und dabei hat die Band schon so Grosses gemacht, strafte alle nörgelnden quengelnden AJZ Puristen Lügen, als sie ihre stärkste Aufnahme auf einem Major Label herausbrachten, nur um nach zwei schwachen Werken jetzt auf einem mittelgrossen Label (Vagrant) zu veröffentlichen.

Also keine Opfer sabbliger Industrieschmocks! Grosses weiss auch ihr Umfeld zu produzieren, die neue Sultans CD – ich persönlich möchte auf eine LP hoffen – schlägt im Moment gnadenlos alles, so man sich denn damit abfinden kann, dass hier nichts anderes geliefert wird als Rockmusik mit grosser Partytauglichkeit, die es vielleicht sogar schafft, eine grössere Nachhaltigkeit zu erzielen als ach so komplexe Soundstrukturen auf ach so wichtigen Labels. Letztere schaffen eine Verweildauer von einem Monat bei Dir, vielleicht zwei Monaten bei einem durchgeknallten Fanzine-Schreibern und danach eine Alterungsperiode in einem Plattenschrank, die eines Grand Cru Classé erster Kategorie würdig wäre.

So gesehen ist der alte Schlachtruf nach tatsächlicher Ernsthaftigkeit, Kompromisslosigkeit und Ausdauer hier eher erfüllt als bei denen, die uns auf emotionale Tiefe oder kluge Gesellschaftskritik in ihren Texten hinweisen, das Licht des nächsten Jahres aber nicht mehr sehen werden.

über die Nachhaltigkeit einer Platte über den Augenblick hinaus – also weg vom „Hit`-Aspekt, wie ihn auch Media Control nicht besser definieren kann – da will ich doch hin. Welche drei Platten werden denn noch in zehn Jahren Bestand bei mir haben, oder auch bei anderen, wenn man denn so fragt? Ist das wichtig? Ja, für mich schon, denn ich erfreue mich an anhaltenden Dingen mehr als an schnell vergangenen, so man denn einen Drink an der Bar aussen vorlässt. Eine Aufnahme, die sich einfach weigert, je von meinem Plattenteller verschwinden zu wollen.

Der Beweis für mich, nicht immer nur in einer Hitparaden-ähnlichen Kategorie (Hit – kein Hit) zu denken. Das ist förderlich, wenn man hier oder da mal Platten auflegt, aber ob das jetzt Destiny`s Child oder Leftover Cräck sind macht bei dieser Problematik gar keinen Unterschied mehr: Beide haben Hits.

Der Satz für meinen Herausgeber:

Muss natürlich denjenigen, die vorgeben, ohne Message keine positive Rezeption von Musik erfahren zu können, beipflichten, dass es schöner wäre, wenn die inhaltliche Brillanz mit grosser Musik verbunden werden kann. Dies klappt leider eigentlich nie, obwohl die neue Favez LP  auch so ne Band, wo ich richtig schwach werden kann.

Rocket from the crypt stehen da völlig abseits, verleugneten zu jedem Zeitpunk lyrischen Anspruch (ganz nach dem Talking Heads Slogan, dass Gesang vor allem dazu diene, Leute länger an Musik zu binden, als es im Instrumental möglich wäre) und dennoch wären sie auf der Party, die ich nach dem Lottogewinn werfen werde, der Headliner- echt Jungs, ihr würdet nach Frankfurt fliegen und erst einmal drei Tage ausschlafen und nach der Party dürft ihr auch noch ne Woche oder so hier Urlaub machen, ich versprech`s.

Hoffnungslos verfallen: Daniel

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JAN

Reisefieber

Bei vielen Sachen muss man sich echt fragen „warum?“ und „brauche ich das?“. Bei dem Interview mit dem Ex-Ehemann von Nadja Auerman aus einer Februar-Ausgabe der Bild am Sonntag bleiben allerdings keine Fragen offen:

„Woran ist Ihre Ehe gescheitert?

Da spielen sicherlich viele Faktoren eine Rolle. Man kann sich verschiedene Theorien zurechtlegen.

Welche trifft in ihrem Fall zu?

Wahrscheinlich kann man das ohne weiteres gar nicht sagen.

Sprechen wir also über den Zeitpunkt, an dem Sie gemerkt haben, dass diese Beziehung nicht mehr funktioniert.

Das ist schwer zu sagen. Das kann ich zeitlich gar nicht fest machen.

Hat sich einfach zu ergeben?

Wahrscheinlich war es so.

Wieder reif für eine neue Beziehung?

Ich kann es nicht sagen, ich weiss es auch nicht.“

Ich kann es sagen, denn ich weiss, dass der erotischste Mann im Independentbereich Evan Dando ist. Und das die sieben schlechtesten Kolumnennamen „Das wäre auch zu einfach“, „A cheap holiday in other people`s misery“, „Infantile Regression“, „Oi oi oi und Appelwoi“, „Wurst- Case- Szenario“, „Tä tä! Tä tä! Tä tä!“ und „Lassen Sie mich, Arzt, ich bin durch“sind.

Nach dem ich mich einen ganzen Samstag Nachmittag über die bescheuerte Vegan Straight Edge Kolumne von Mack Evasion im Heartattack Fanzine # 44 aufgeregt habe, las ich im Maximum Rock`n`Roll ein wirklich gutes Statement zum Thema Edger: „The goal is not to have a clear mind, the main idea should be a clear mind to achieve a goal.“ Genau darum geht es. Und wie in so vielen anderen Bereichen ist es auch beim Straight Edge so, dass sich Mittel und Ziele in einer sehr ungünstigen Art und Weise vertauscht haben. War am Anfang der Bewegung das Ziel, wieder Sachen zu machen, also Konzerte in DIY Tradition, eigenes Label etc., und dafür sich fit zu halten, wurde es dann ein Selbstzweck, drogenfrei zu sein. Wozu? Darum.

Dieses Phänomen taucht in so vielen Bereichen auf: geht es den heutigen Punkbands darum, kreative Musik mit Aussage zu machen oder geht es um die Kohle? Geht es bei einem Fanzine machen um die Aussage oder geht es um eine Heftpublikation, wo die vielen Artikel zwischen den Anzeigen nur stören? Geht es um eigene Meinung, einen Standpunkt, oder um die Anzeigenkunden-Beruhigungsstrategie durch gute Punktzahlvergabe?

Geht es bei politikwissenschaftlichen Statistiken darum, damit etwas zu beweisen oder geht es darum, eine Statistik zu erstellen? Geht es darum, alles zu machen, was technisch möglich ist oder sollte es nicht darum gehen, dass zu machen, was sinnvoll, was zu gebrauchen ist?

Als Erklärungsversuch für „immer diese Widersprüche“ finde ich den Ansatz aus der Kritik der Politischen ökonomie überzeugend: Geld wird getauscht gegen Waren, um mehr Geld als am Anfang zu haben. Sinn Fragezeichen.

Diese Verdrehung von Mitteln und Zweck, also die Verselbstständigung des Mittels zum Zweck, hängt damit zusammen, dass das marktwirtschaftliche System auf einem verkehrten Grundmechanismus basiert. Produkte werden in erster Linie nicht dafür hergestellt, damit sie für die Menschen etwas bringen, das sie zu irgendwas nützlich und zu gebrauchen sind. Produkte werden in erster Linie hergestellt, damit man damit Profit machen kann, erst in zweiter Linie ist es wichtig, dass man diese Produkte auch noch für irgendwas verwenden kann.

Ebenfalls überzeugend der Ansatz von George Best, der englischen Kickerlegende, dessen Sohn der Lover der Tochter von Mick Jaggers (wichtige Nebeninformation Nummer 1) ist: „Ich habe die Häflte meines Geldes für Frauen und Alkohol ausgegeben, den Rest habe ich sinnlos verprasst.“

Mit das Schönste beim Musikhören finde ich die Erinnerung daran, wann man die Band und deren Songs zum ersten Mal gehört hat. Lustigerweise treten dann immer die gleichen Bilder aus vergangenen Zeiten auf. Meine beinahe schönste Verknüpfung von Musik und der Situation, in der ich damals war, als ich die Musik zum ersten Mal bewusst gehört habe, sind die Songs von den ersten zwei Green Day Platten. Bei „I was there“ oder „At the liberay“ freue ich mich immer: 1995 habe ich im Sommer mit Freunden auf einer grünen Wiese hier im Bergischen Land zum ersten (und letzten) Mal Baseball gespielt. Nachher haben wir Musik gehört und eine sehr hübsche und intelligente Frau, die unglücklicherweise nicht das gleiche für mich empfunden hatte, legte die Songs auf, die seitdem für mich untrennbar mit den Assoziationen Sommer, Baseball, dieser Frau und 17 sein verbunden sind.

Fast schon „Stand by me“-esk, was übrigens ein wunderschöner Film ist. Als ich den zum ersten Mal vor zwei Jahren gesehen habe, habe ich dann doch das ein oder andere Tränchen verdrückt. Zum Glück gibt es dann doch wieder Songs, die einen so richtig motivieren können, denn wie die Superband Stefanie Hertel mit ihrem Bläser Stefan Mross schon gesungen haben: „über jedes Bacherl geht a Brückerl.“ On with the bodycount, würde Ice-T völlig zu Recht sagen.
Kommt alle zum Konzertwochenende am 7.10. und 8.10., wo es ein Trusttreffen und nette Konzerte, u.a. im AJZ Bahndamm Wermelskirchen, geben wird. Das war die wichtige Nebeninformation Nummer 2.

Ich wünsche euch allen ein schönes Leben.

Lieben Gruss

Jan

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SEBASTIAN

Is dat denn noch Punk?!?!

So, da soll noch mal wer sagen, dass man nicht`s lernt, wenn man brav seine Nachrichten schaut oder seine Zeitung liest. Immerhin konnte ich erfahren, dass es beim Kapitalismus im allgemeinen und in der Wirtschaft im besonderen, nur darum geht, Geld zu scheffeln. Ich muss gestehen, so ein wenig war ich ob dieser Erkenntnis schon überrascht. Aber wie sagt meine Oma immer: Man lernt nie aus (nicht, dass ich sie das schon mal hätte sagen hören, aber egal).
Bleiben wir in der wunderbaren Welt der Politik:

Vor ein paar Wochen fand im Nürnberger K4 das 2. Beat.Em.Down Festival statt, ausgewiesenermassen ein Anti Fascist Rock Action Festival. über 800 zahlende waren am Ende da und haben antifaschistische Rock-Action gemacht (zum Beispiel „besoffen in der Ecke liegen“). Aber bei Bands wie Popperklopper fällt es natürlich leicht „voll boliddisch“ zu sein und zusammen mit Los Fastidios dem Kapital den Kampf anzusagen. Obwohl, was so ein echter Klassenkämpfer ist, der ist ja gar nicht reingegangen, weil 15,- EUR an der Abendkasse natürlich voll die kapitalistische Abzocke ist – klar! Wobei ja diese Kollegen selbst bei 3,- EUR Konzerten noch umsonst rein wollen.

Der Abschuss, war aber der Typ, der sich an nem Buttonstand beschwert hat, dass die Dinger 75 Cent kosten würden. Schliesslich wüsste er ja, dass die Material kosten nur bei 25 Cent liegen würden und es schon ne Sauerei ist, dass der Verkäufer volle 50 Cent einsteckt! Immerhin bringt uns dies die Erkenntnis, dass Deppen durchaus in der Lage sind zu rechnen. Die Vermutung, ob diese Fertigkeit beim Kohleschnorren am HBF erworben wurde lass ich mal in den Raum gestellt darum geht`s auch gar nicht.
Aber um mal die Ehre unserer bunthaarigen Freunde zu verteidigen (ich will die ja gar nicht pauschal abwatschen): das ist ja weder eine Iro-spezifische Erscheinung, noch eine neue.

Alles soll am besten nix Kosten, aber man will optimal versorgt sein. Egal, ob`s jetzt Konzerte sind (von denen es nie genug und schon gar keine guten gibt, ausserdem sind die alle völlig überteuert), der Lebensmittelladen (lieber beim Discounter ekliges Billigfutter) nebenan oder irgendwelche Fachgeschäfte (Beratung ja, aber gekauft wird bei Ebay oder online – ist ja billiger).

Klar hau ich auch nicht die Kohle auf den Kopf wie`n Doofer. Und ja, ich schau auch, dass ich die Dinge zu nem vernünftigen Preis bekomme. Und noch mal ja, auch ich bin ein Konsument und konsumiere fast den lieben langen Tag. Geht ja fast nicht anders. Klar kann man in ner Höhle wohnen und selber angebaute Wurzeln futtern – Spass macht das aber nicht!

Aber vielleicht wäre es nicht verkehrt, ein wenig darüber nachzudenken, was man konsumiert – und warum. So, das war jetzt das Wort zum Sonntag, aber falls Ihr es noch nicht bemerkt haben solltet: der HC/Punk kann manchmal ein ganz schöner Predigerverein sein…

Liebe Grüsse,

Sebastian

PS.: Ach ja, eines ist mir beim Beat.Em.Down auch noch aufgefallen: diese Punkers kranken bisweilen an einem argen Humordefizit.

Meine Wunschliste:

– V/A – Welcome To Venice LP

– Botch – American Nervoso LP

Falls die bei jemandem rumstehen und verstauben, bitte eine kurze Mail an Sebastian@trust-zine.de

 

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