Juni 13th, 2010

Kolumne Daniel (# 68, 02-1998)

Posted in kolumne by Jan

Folgender Text wurde bereits im Februar 1998 (Trust # 68) im Heft abgedruckt – das meiste davon ist heute genauso gültig.

Abt.: Aus UNgegeben Anlass

Auch heute wird man durch Zungenküsse nicht schwanger, aber einige wollen das ja wohl immer mal wieder bestätigt haben…

Warum es das Trust 1998 immernoch gibt…

Es gibt einige Dinge, denen viele Leute heute hinterherweinen, ohne die Realitäten anzuerkennen. Es gibt (leider?) nicht die eine Szene, die einmal existiert hat. Dem Nachzuweinen sei gestattet, man sollte es aber nicht zur einzigen Existenzberechtigung seiner selbst stilisieren.

Es gibt dafür aber 100 versprengte Grüppchen, die alle das Banner “ihres” HC hochhalten und letztlich von dem jeweils nächsten Grüppchen nur belächelt werden – obwohl viele davon sehr häufig Worte wie “unity” verwenden. Ob jetzt Ignite vor 1000 Menschen, Biohazard vor 10000 Menschen, oder die Peechees vor 10 Menschen spielen, und wer jetzt welchen Begriff abbekommt, ist keine Frage, sondern einfach nur egal.

Alles nur Begriffe und leere Hülsen.

Es gibt das Trust!

Auch weil es es schon sehr lange gibt und Kontinuität wie auch der entsprechend geregelte Umgang mit dem “Shitwork” gegeben ist – das wird von manchen als “langeweilig” bezeichnet. In Wahrheit ist es so das hier meistens alles und jede/r funktioniert.

Weil wir immer noch mit leuchtenden Augen nach einem Konzertabend vom Tanzen durchschwitzt den Plattenstand leerkaufen

Weil wir immer noch an DIY glauben

Weil wir uns immer noch AUssUCHEN, was wir selbst tun wollen

Weil wir nicht nur ein Forum für musikalische Ausdrucksformen, die sonst nicht oder nur spärlich erwähnt werden, bieten, sondern uns auch nicht scheuen – auf unsere Art – Musik anzugehen, die aufgrund ihrer “popularität” eigentlich gar nicht wirklich im Trust erwähnt werden “müsste” – es geht nicht nur um das “wer”, sondern auch um das “wie”.

Weil wir glauben, das unsere kulturellen Interessen zu stark vom Massenmedien dirigierten Mainstream abweichen, sie aber für so wichtig halten, dass wir uns mir keiner blossen Konsumentenrolle abgeben möchten.

Weil wir im Laufe unseres Lebens so viele Dinge innerhalb eines Untergrunds für uns als wichtig erachtet haben oder gelernt haben, als wichtig zu erachten, demzufolge unsere kleinen Gehirne davon so grundsätzlich positiv beeinflusst wurden, dass wir den Wunsch hegen, dass auch noch viele andere Leute mit oder nach uns daran teilhaben können.

Weil wir uns weiterentwickeln und vielleicht kurz vor dem Altersstarrsinn noch einmal offener und ehrlicher zu uns selbst werden, über unseren eigenen Tellerrand hinausschauen wagen und uns nicht mehr mit der Wiederholung dumpfer Phrasen abgeben wollen, die auch keiner mehr auf seine Jacke schreiben möchte.

Weil es kaum andere Fanzines gibt, bei denen so unterschiedliche Menschen mitarbeiten und Ansichten existieren, Leute sich dennoch akzeptieren und eine gemeinsame Basis gefunden haben. Eine Basis (eben das Heft) die weder auf so einer “wir müssen uns aber ganz doll liebhaben”-schiene läuft, geschweige denn nach dem lausigen Motto: “wir kleiden uns gleich, denken gleich und (meinen deshalb) am gleichen Strang zu ziehen”. Wir sind verschieden, “den” Trust-Schreiber gibt es nicht.

Weil wir immer noch mehr Spass haben als alle anderen – und selbst wenn unser Leben in anderer Leute Augen als in sich nicht konsistent erscheinen mag – Pech gehabt.

El Korrekto kann jemand anders spielen.

 

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