Juli 26th, 2016

KÖPFE DER TIEFEN FREQUENZ (#57, 04-1996)

Posted in interview by Jan

Die „Köpfe Der Tiefen Frequenz“ sind wahrscheinlich nicht die Erfinder vom „Hartkernsprechgesang“ in Deutschland, aber mit Sicherheit gehören sie zu den originellsten Vertretern der nationalen HipHop-Szene und hier in Augsburg sind die drei Jungs eh schon Lokalhelden. Was Sänger Alexander Aukofen, – äh entschuldigung „König Lür“ zum ersten „Köpfe“-Album zu erzählen hat, liest sich wie folgt.

Die Köpfe der tiefen Frequenz (K.D.T.F.) haben in „Auxburg“ zwischenzeitlich Kultstatus erreicht – Gewissermassen als Vorreiter der lokalen HipHop-Szene. Wie siehts aus mit den Ressonanzen ausserhalb eurer Heimat?

Ausserhalb von Augsburg war da noch nicht viel los. Stuttgart war wohl das weiteste. Da war ein Jam, wo die Leute gut ausgeflippt sind.

Was schreiben denn die Fanzines so über euch?

Oh, schlechte Erfahrungen; im „Backspin“ schließt ein Artikel über uns mit dem Satz: „Wie soll diese Band auch nur eine Cd verkaufen?“. Positive Kritiken. Im „Wom-Journal“, die haben unsere Musik als „Erstaunlichstes (???) der deutschen Hip Hop-Szene“ gelobt. Alles in allem sind die Reaktionen total kontrovers.

Wie stehts um Kontakte zur deutschen Hip Hop-Szene?

Negativ. (warum??? d.T.)

Erzähl was zu eurer Debut-Cd.

Die Idee kam über das Projekt „Brecht goes Hip Hop“ innitiert von der „Augsburger Spielküche“ einem alternativen Kultur- und Theaterverein. Wir lieferten da den Soundtrack zu einem Brecht-Stück ab, was die Hälfte unserer Cd ausmacht. Dabei wurden uns zu jedem Stück die Themen vorgegeben. Der Rest – Text & Musik – war unserer Kreativität überlassen.

Wie kams zum Vertrag mit dem „Bite your ear“ Label?

Nach einem Gig sprachen uns die Jungs von „B.Y.E.“ an. Die Idee erschien uns gleich gut. Was ist wohl cooler als ein Plattenlabel in deiner Heimatstadt? Das Label hat auch einen Vertrag mit Efa, einem großen deutschen Independent-Vertrieb, wo früher auch „Das Fette Brot“ waren.

Wie ist euer persönliches Verhältnis zu Brecht?

In der Schule hasst man ihn, weil man seine Stücke lesen muß. Die lyrische Seite von Brecht ist mir viel lieber wie die dramatische.

Wie stuftst du die Bedeutung Brechts für die Jugend ein?

Irgendwie gefährlich. Brechts obszönität kann leicht falsch interpretiert werden.

Habt ihr Brechts textliche Intensionen voll in eure Texte übernommen?

Nein. Wir haben die uns vorgegebenen Themen für uns selber interpretiert, so daß wir voll hinter unseren Lyrics stehen können.

Kommentier doch mal kurz die Texte eurer Cd…

„Orges“

– Vorstellen der Musiker/ Rapper

– witzigreime ohne viel Hintergedanken. Ein Partysong.

„Leistungsdruck“

– handelt von kriminellem Leistungsdruck.

– unsere gewaltbereitschaft ist eher symbolisch

– persönliche Erfahrungen mit Kriminalität haben wir eigentlich keine

„Mahlzeit“

– dekadenstste Völlerei

„Punany“

– die Vorgabe dazu war das Thema „Unzucht“. Wir sind uns dessen bewußt daß dieser Text sehr hart rüberkommt. Man muß ihn wie ein Gemälde betrachten und nicht so für bare Münze nehmen.

„Gib mir alles“

– Thema Habsucht

„Fisch Fasch“

– Text über Primitivität

„Hoher Herr und König“

– ein Angebersong, wie es wohl sein muß im Hio Hop

„Pech am Schutt“

– ein Song über Unglück bei der Führerscheinprüfung. Zu „Pech am Schutt“ haben wir jetzt ein Video abgedreht, was eigentlich bei „Viva“ gesendet wird.

„L.M.A.A.“

– „Leck mich am Arsch“ an alle, die sich ausverkaufen und bewußt irgendwie auf Trendwellen rumschwimmen.

„Kirche“

– ich finds zum Beispiel nicht in Ordnung, wie der Vatikan Kondome verbieten kann angesichts der Aids Problematik…

Pläne für die Zukunft? Ihr macht eine zweite Cd?

Ja, richtig. Im März 96 wollen wir die nächste Cd rausbringen. Wieder auf dem „Bite your Ear“ Label. Vom Sampling her wollen wir dann noch authentischer werden. So Samples von „Cypress Hill“ oder „A Tribe Called Quest“ wie auf unserer ersten Cd wollen wir dann verwenden.

Interview: Uli Tsitsos

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