Juni 20th, 2017

KICK JONESES (#78, 10-1999)

Posted in interview by Jan

Alex Hoffmann, dem Musikrezipienten in erster Linie wohl bekannt als Sänger und Trompeter von Kick Joneses, ist vor allem im wirklichen Leben ausgebildeter Sozialarbeiter, der eine Menge über aktive Drogenarbeit mit Junkies zu berichten hat. Und obwohl er musikalisch ziemlich viel „Happy go lucky“-Stimmung mit den Kickies verbreitet, waren die Themen, zu denen er sich am 25. August diesen Jahres engagiert geäußert hat, doch ziemlich ernst. Jetzt ist Schluß mit lustig! Lest selbst.

Als Einleitung würde ich gerne von dir wissen, seit wann, wo und als was du in der suchtakzeptierenden Einrichtung arbeitest.

Alex: Ich arbeite seit sieben Jahren hier in Frankfurt in einer niedrig-schwelligen Drogenhilfeeinrichtung und das seit dem ersten Tag. Es war eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Ich habe dort ganz normal angefangen als Student, praktisch ohne größere Ambitionen mit diesem Bereich zu verbinden. Ich habe nicht studiert und gesagt, ich muß unbedingt Drogenarbeit machen. Ich hatte eher so Armutsthemen beim Studium, dann aber rein jobmäßig angefangen. Zu der Zeit war das natürlich sehr neu und deswegen auch interessant, es war gut bezahlt, weil schon von Anfang an als extrem belastende Arbeit eingestuft, da hat man 25 Mark die Stunde bekommen.

Ich habe da als studentische Aushilfskraft gearbeitet, zuerst in diesem Kontakcafé. Das Haus ist so gegliedert, zu Beginn gab es diese Anlaufstelle Café mit angegliederter Methadonvergabe, damals noch nicht legal und einen Übernachtungsbereich. Der Übernachtungsbereich war anfangs von einer Sicherheitsfirma betreut und es war so eine meiner ersten Aktionen, die mich mit dem Haus auch verbunden hat, weil ich dachte, wenn man den Feind praktisch in der Einrichtung hat, sprich Schwarze Sheriffs, dann ist das schlecht. Wir haben mit ein paar Leuten ein Konzept erarbeitet, daß wir das auch in studentische Hände nehmen können, diesen Nachtbereich, den habe ich dann mit aufgebaut und so bin ich an das Haus rangewachsen. Als nach dem Studium die Entscheidung anstand, wo ich mein berufliches Anerkennungsjahr mache, war gerade dieser Bereich, nachdem man gesagt hat, ok man hat jetzt mal so die Grundversorgung der Leute gesichert, d. h. sie können wieder irgendwo schlafen, kriegen was zu essen, die haben eine Anbindung an Ärzte, also diese Schiene „harm-reduction“, Elendsvermeidung, als das dann im Lauf der ersten Jahre geklärt war, haben wir uns gesagt, wir müssen mit den Leuten noch irgendwas anderes machen.

Dann hat sich der Bereich Beschäftigung, tagesstrukturierende Maßnahmen herausgebildet, den habe ich auch mit aufgebaut. Weil es eine Riesen-Einrichtung im Osthafen ist, wo es immer was zu arbeiten gibt, auch immer was zu putzen, zu renovieren, immer was zu schaffen im Garten, praktisch so intern einfach die Auftragslage, die im Haus besteht, befriedigt und versucht, das mit den Klienten zu machen, die dort wohnten. Und das hat sich im Lauf der Jahre in einzelne Projekte aufgegliedert. Mittlerweile gibt es eine Schreinerei, eine Druckerei, ein Gartenbauprojekt, ein Renovierungsprojekt und ich mache die Koordi-nation für den gesamten Bereich, d. h. ich übernehme da Teamleitung, schau, daß ich irgendwo Gelder herbekomme, mache Arbeitsorganisation und -planung für die einzelnen Bereiche. Ich habe mich nach und nach von der Basis, von dem direkten Klientenkontakt so ein Stück weggearbeitet, aber immer noch viel mit den Betroffenen auch zu tun.

Das Haus soll quasi als autarke Einheit bestehen…?

Alex: Ja, was heißt als autarke Einheit, es….

Also daß es sich ohne fremde Hilfe von außen unterhält…?

Alex: Ja, also man versucht alles, was man aus eigenen Kräften machen kann, zu machen. Erstens weil die Gelder nicht da sind, um Luxus-sanierungen machen zu lassen und zweitens weil man auch davon ausgeht, wenn man das mit den Leuten zusammen macht, die dort wohnen, da dann eine höhere Identifikation mit der ganzen Sache entsteht. Es gibt ja immer wieder neue Leute, die da reinkommen, ist immer viel Gewalt auch potentiell vorhanden und viel Zerstörungswut, das man solchen Sachen vorbeugt. Und vor allen Dingen, daß man sagt, ok, die Leute haben Zeit, also wenn sie schon Methadon bekommen und der akute Drogenhunger mal gestillt ist… also, Methandon ist kein Heilmittel, daß sie nie wieder Drogen nehmen müssen, das ist ein Trugschluß, falls das jemand glauben sollte… aber dann muß ich ja den Leuten irgendwas anbieten, was sie mit ihrem Tag machen.

Was bedeutet niedrigschwellig?

Alex: Niedrigschwellig bedeutet, daß die Eintrittsstufe für die Klienten so niedrig wie möglich gehalten werden soll. Eine hochschwellige Einrichtung ist z.B. eine Therapieeinrichtung, das heißt, derjenige, der Hilfe sucht, der muß schon viel mitbringen, um in diese Einrichtung zu kommen und wir versuchen das relativ gering zu halten, damit die Leute, die obdachlos sind, auf der Straße leben, die bestimmt nicht den direkten Weg in eine Therapieeinrichtung finden, weil sie vielleicht auch schon viele Therapien gemacht und abgebrochen haben, daß da eine Möglichkeit besteht, sie trotzdem an ein Hilfesystem anzubinden. Niedrigschwellig heißt, wenn die dort ankommen, ihren Ausweis zeigen, dann können sie da übernachten und wenn sie drogenabhängig sind, können sie in das Methadonprogramm aufgenommen werden. Es werden wenig Voraussetzungen gestellt an die Aufnahme in die Einrichtung. Das heißt niedrigschwellig.

Die Leute kommen auch nicht mit so einer hohen Motivation da hin….

Alex: Genau, zunächst. Da steckt natürlich auch ein Gedanke dahinter, daß man sagt, der Mensch macht an sich eh, was er will und ich kann ihn nicht in irgendeiner Form zwingen. Und wenn die Leute so weit sind, daß sie eine Therapie machen wollen, dann sollen sie das von sich aus aussuchen. Das Wechselspiel Eigenmotivation, was zu verändern an der eigenen Situation, und was beeinfluße ich als Helfender, das soll ein gesundes, ausgewogenes Verhältnis sein. Das heißt, ich sage jetzt nicht, du mußt clean sein und entgiftet, damit ich überhaupt mit dir arbeite, sondern ich laß‘ dich erst einmal in deiner Sucht. Deswegen redet man auch von akzeptierender Drogenarbeit; ich will den Klienten also nicht für immer in der Sucht lassen, aber ich lasse ihn zunächst einmal in der Sucht, nehme trotzdem zuerst einmal Kontakt mit ihm auf, führe Gespräche und biete ihm was an.

Ist es überhaupt möglich am Anfang neben der Sucht andere Interessen bei den Leuten zu wecken? Die Leute kommen ja zu euch hin und haben den Kopf noch voll mit Drogen, Drogenbeschaffung, sind in dem ganzen Zyklus drin...

Alex: Das stimmt so. Die Leute kommen mit einem stark von der Szene geprägten Verhalten an, das heißt, daß sich alles um die Beschaffung, die Finanzierung und den Konsum der Droge und den Folgen, dem Rausch, dreht und zunächst muß man ganz einfache Sachen klären. Die meisten haben vielleicht keine Papiere oder sind nicht gemeldet, ganz einfache Dinge des normalen Lebens. Das Arbeitsangebot ist freiwillig, es wird niemand in dem Sinne gezwungen und das ist praktisch der erste Schritt, wo die Leute kommen müssen und sagen, ok, ich will was anderes machen. Die Leute, die das nicht machen wollen, die können auch gerne in dieser Einrichtung… es gibt z.B. einen Fernsehraum, das ist das niedrigstschwellige Angebot überhaupt… die stehen morgens auf, um 10.00 Uhr wird der Übernachtungsbereich geschlossen, dann legen sie sich einfach in den Fernsehraum und pennen durch.

Es ist wirklich schon ein erster Erfolg, wenn da jemand drei oder vier Wochen abgehangen hat und sich mal wieder richtig ausgeschlafen hat, wenn der dann wieder mal aus diesem Fernsehraum rausgekrochen kommt und kuckt, was ist denn in diesem Haus eigentlich noch. Und da wird er irgendwo Leute sehen, die arbeiten und vielleicht kommt er irgendwann auf die Idee, mal nachzufragen, gibt’s hier im Haus was zu arbeiten, kann ich hier irgendwo mitwirken. Wenn so ein erster Schritt getan ist, sind wir natürlich dran. Dann kucken wir, daß wir über ein Erstgespräch speziell zum Arbeitsbereich klären, wie die Verfassung bei der Person ist, was kann ich der körperlich und psychisch am Anfang zumuten. Es fängt dann mit stundenweiser Beschäftigung an, das können ganz einfache Reinigungsarbeiten sein. Eine ganz einfach Motivation bei uns im Haus ist, daß die Leute da auch Geld verdienen, das sie zusätzlich zu ihrer Sozialhilfe verdienen können. Es ist ein geringer Betrag, aber Anfangs auch eine ganz andere Motivation. Mir ist es zunächst auch egal, wo das Geld hingeht, also wenn es dann in die Finanzierung von Bei-Konsum geht.

Wie weit geht die Toleranz gegenüber Sucht in der Einrichtung, wenn die Leute z.B. nach vier Wochen immer noch nichts auf die Reihe kriegen außer ihrem Drogenkonsum und lediglich die gute Infrastruktur auch drogenmäßig nutzen. Wo schiebt ihr da einen Riegel vor?

Alex: Es gibt keine Auflagen in der Einrichtung, daß jemand, wenn er ein halbes Jahr dort übernachtet oder wohnt, sich in irgendeiner Weise in Teilbereichen des Hauses, die dann sozialarbeiterisch arbeiten, mal zeigt. Es besteht also keinerlei Verpflichtung und wir haben kein Zeitreglement. Aber das meiste ergibt sich einfach von selbst. Die meisten Leute kommen automatisch mit Teilbereichen in Kontakt, weil sie z. B. Hilfe brauchen in einer Ämterangelegenheit, dadurch kommen sie zum Sozialdienst. Und der Sozialdienst sagt dem natürlich informativ in einem ersten Aufnahmegespräch, du hast hier die Möglichkeit zu arbeiten, wenn die Leute sich das aussuchen. Das muß nicht zwangsläufig sein, die Leute können auch im Methadonprogramm sein und dort nur psychosozial betreut sein über die Ärzte. Es ist nicht so, daß man das komplette Angebot wahrnimmt. Nur wenn man in den Genuß einer Einzelbetreuung kommen will, muß man in die Teilbereiche des Hauses eingebunden sein. Wir pieksen mal Leute an, z.B. die schon länger im Café sind, wer bist du, wo kommst du her, was machst du, aber auch informell, ohne Zwang. Es gibt teilweise Leute, die sind wahrscheinlich so lange in der Einrichtung wie ich und die sumpfen da vor sich hin.

Inwieweit das noch Sinn macht, kann ich auch nicht beurteilen. Leute, die eine straightere Richtung in der Drogenarbeit vertreten, würden den Kopf schütteln und sagen, das ist untragbar. Andererseits haben wir auch viele Leute, die außer dem Suchtproblem psychische Probleme mitbringen. Die sind dann in unserer Einrichtung goldrichtig, denn wenn sie nicht bei uns wären, wären sie in der Geschlossenen. Wir sehen unser Haus als Freiraum und experimentieren, wie weit man so komplizierte Leute in der Einrichtung halten kann, die eigentlich zu nix mehr fähig sind. Man spricht immer von Doppeldiagnose, also neben dem Suchtproblem liegt noch ein gravierendes psychisches Problem oder Erkrankung vor. Wir versuchen auch die irgendwie zu halten, weil die irgendwo hin müssen und wir wollen sie nicht auf die Straße schicken. Soweit sich die Leute an die Hausordnung halten, d.h. sie dürfen keine Gewalt anwenden, dürfen da nicht mit Drogen auffallen, es darf keine größere Dealerei stattfinden und ihr Konsum muß so stattfinden, daß wir auch nix davon mitbekommen. Es kann also nicht sein, daß auf unserem Gelände Drogen genommen werden, die Leute finden zwar ihre Wege, aber wissen, wie sie es machen müssen, damit wir das nicht sehen.

Wollt ihr das auch nicht sehen…

Alex: Naja, wenn ich mit süchtigen Leuten zusammenarbeite, gehe ich davon aus, das die irgendwo Drogen konsumieren müssen, aber das nicht so machen müssen, daß ich das sehen muß. Das will ich auch nicht sehen. Es gibt einen Konsumraum oder Gesundheitsraum, wo sie Drogen konsumieren können. Das Problem ist, sie können dort nur Drogen konsumieren, wenn sie nicht im Methadonprogramm sind. Die Gesetzesgrundlage für Drogenräume besagt, daß da nur Leute rein dürfen, die nicht im Methandonprogramm sind, weil der Gesetzgeber davon ausgeht, Leute, die methadonsubstituiert sind, nehmen keine Drogen mehr.

Und wie ist das mit dem Bei-Konsum, den du vorhin angesprochen hast, der existiert ja….

Alex: Wenn ich von Klienten rede, rede ich meistens von Langzeit-drogenabhängigen, also weniger von so 18jährigen, die würde ich eher woanders hinschicken. Unsere Einrichtung ist für Leute so ab 30, die eine lange Drogenkarriere haben. Da ist dieser niedrigschwellige Ansatz wichtig, jüngere Leute, die grad‘ erst ein Jahr lang drauf sind, würde ich auch eher mal in eine höherschwellige Einrichtung schicken. Wenn wir die Leute näher an uns herangebunden haben, können sie einen gestuften Verlauf in der Einrichtung nehmen. Haben wir sie später an der kurzen Leine, sind wir natürlich an ihrem Konsumverhalten interessiert, dann ist ein Rückfall dramatischer, als bei jemanden, den ich immer im Café abhängen seh‘, und der nicht an unser Hilfsangebot angebunden ist.

Bei den anderen nehmen wir Einfluß, dann ist unsere Toleranz bei Leuten, die in der Einzelbetreuung sind, und sich im Rahmen der Einrichtung stabilisiert haben, mit denen ich schon vielleicht einen Hilfeplan habe, was ich längerfristig mit der Person machen will, Wohnung kucken, nach außen orientieren, vielleicht doch noch mal in Therapie vermitteln oder wenn die Leute gerade entgiftet haben, dann bin ich natürlich schon daran interessiert, ob die jetzt wieder rückfällig werden. Da ist meine Toleranz mit der Sucht geringer wie gegenüber dem Gros der Leute. Aber im Grunde genommen ist meine Haltung, nehmt, was ihr wollt, ist mir ganz egal zunächst. Natürlich nicht, wenn sie mit mir arbeiten, da gilt Drogenfreiheit für die Zeit zwischen 10.00 und 16.00 Uhr. Wenn ich irgendwas mit den rumpinsel‘ oder bastel‘, dann können sie nicht offensichtlich drauf sein, das geht dann auch nicht aus Gründen der Arbeitssicherheit. Also meine Toleranz variiert sehr stark.

Wie ist die Beschaffenheit des prototypischen Klienten? Ist die Einrichtung darauf ausgelegt, daß zum Beispiel Kreativität gefördert wird, Schaffen aus eigener Kraft, damit auch wieder Selbstvertrauen in die eigene Person. Gerade psychische Problem sind auch offensichtliche Gründe, die dann auch in Drogensucht führen…

Alex: Mit der Problemlage, was war zuerst da, Huhn oder Ei, also psychisches Problem infolge Drogensucht oder psychische Probleme infolge von extremen Drogenkonsum, das ist eh eine schwierige Ange-legenheit. Aber was du angesprochen hast, ist ungefähr so die Grundidee von unserem Arbeitsprogramm. Der Arbeitsprozeß, ist von sich selbst aus so gewinnbringend, da muß ich keine großen Konzepte aufschreiben, ob der Sinn macht. Wenn ich gerade in der Einrichtung eine sinnhafte Arbeit habe, also einen Bereich, der von mir aus zugemüllt ist und heruntergekommen und ich renoviere den mit jemanden zusammen, der sich in diesen Räumen auch bewegt, dann vermittele ich die Sinnhaftigkeit durch den Auftrag, der da ist, durch die Arbeitslage. Das versuche ich natürlich auch im Arbeiten, daß ich nicht alles vorgebe und sage, das wird so und so gemacht und daß ich natürlich den Leuten über eine längere Dauer auch mehr Verantwortung in den Projekten gebe. Am Anfang schaut man eher auf so Primärtugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, sich abmelden, wenn man weggeht, aber wenn diese Phase vorbei ist, versucht man natürlich auch verloren gegangene Fertigkeiten, die auch verschüttet sind durch ewigen Konsum und durch ritualisiertes Verhalten auf der Szene, die dann wieder herauszukramen. Die meisten Leute haben natürlich mal was anderes gemacht, die haben ja nicht von Geburt an Drogen genommen, sondern viele haben auch eine Ausbildung.

Ich habe schon mit Personen zu tun gehabt, die dann wirklich ein Jahr lang da gehockt haben und nichts gesagt. Dann haben sie angefangen, daß sie eigentlich mal Schreiner waren, daran konnten wir wieder anknüpfen. Neben den Beschäftigungs- und Arbeitsprojekten haben wir auch richtige Kunstprojekte, die dann mit Steinen arbeiten und Tüchern. Bei uns ist es eher so, daß die Leute einfach froh sind, sich sechs Stunden am Tag im drogenfreien Rahmen treffen zu können und da untereinander auch Kommunikation haben. In den Kleinteams ergeben sich immer schöne Dynamiken, wenn die verschiedenen Leute wie Handwerker, Pädagogen, Psychologen, Klienten, studentische Hilfskräft zusammen was machen müssen und auch auf der Kommunikationsebene Sachen aufzubereiten. Den Klienten werden auch wieder Kompetenzen gezeigt, die sie haben, also sich durchzusetzen, die können sie dann nicht nur für den Arbeitsbereich bei uns verwenden, sondern auch für ihre eigenen Interessen, für ihre Sachen wieder einzutreten, für ihr Leben, für ihr Recht als Junkie, für ihr Recht, daß sie jetzt gerne in Therapie gehen würden, daß sie gerne etwas an ihrer Wohnsituation ändern würden, also Handlungsräume wieder schaffen im weitesten Sinne. Und über das Arbeiten geht es einfach sehr leicht, da muß ich ganz wenig pushen, es geht fast von alleine.

Kommen wir zu den „berühmten“ Junkies wie z.B. William S. Burroughs…

Alex: Es gibt da ja unheimlich viele: Jimi Hendrix, G. G. Allen…

Wie schaffen die das in dem künstlerischen Rahmen mit der Drogensucht umzugehen, klar, die haben das Geld, aber…

Alex: Ja, ich denke das ist ein ganz wesentliches Ding.

Das beste Beispiel ist Kurt Cobain, wie schafft jemand, der ein Haus hat, eine Familie, mit seiner Band saumäßig erfolgreich ist, trotzdem nicht, mit seinem Leben klar zu kommen und greift zu Heroin?

Alex: Weil er ein Weichei wahrscheinlich gewesen ist. Also ich weiß nicht, warum er sich umgebracht hat, aber das ist bei mir so ein heikler Bereich, geht immer so in Richtung Glorifizierung von den Leuten. Das kriegt dann noch mal so eine extra Aura. Zum Beispiel wenn ich mir Velvet Underground anhöre würde ich sagen, da geht mir total einerab… also ich merke das auch so bei Alt-Junkies bei uns im Haus, die glorifizieren das dann total mit dem Konsum der Droge und ich denke, die Leute, die nicht gestorben sind, die sind dann irgendwie auch weg von der Droge. Es gibt tausendmal mehr Leute, die noch hier rumspringen und auch Drogen genommen haben.

Ich kann mir das vorstellen, daß wenn man sich in einem Umfeld bewegt, wo man von mir aus Erfolg hat und dementsprechend auch Geld und als Künstler auch gar nicht mehr in so Zusammenhängen lebt wie wir das kennen, daß man eine Wohnung und Miete zahlt. Ich kenne das ja auch so ansatzweise, wenn man mal fünf, sechs Wochen auf Tour ist, ist das eine komplett eigene Welt, dann ist man abgetaucht, selbst wenn man nur in einem poppeligen Bus unterwegs ist. Und wenn man die Möglichkeit hat, und die hat man unterwegs bestimmt, die passenden Drogen zu nehmen und man ist ein kreativer Mensch, dann kann es natürlich sein, daß es noch mal das Ganze erweitert und vielleicht auch das Schaffensspektrum erweitert. Aber ich kann da überhaupt keine Verbindung schaffen, daß ich Leute, die Drogen nehmen, dann deswegen noch mal besonders verehren sollte: Ich frage mich, wie sie das noch auf die Reihe gekriegt haben, das macht mich auch gar nicht an.

Was war zuerst da: Drogensucht oder Kreativität?

Alex: Zuerst die Kreativität, hunderprozentig. Die kann dann von mir auch noch mal Facetten kriegen durch Drogenkonsum, oder es kann eine Stimmung, die jemand vielleicht in seiner Kunst vermittelt…man kehrt ja irgendwas nach außen, was man innen hat als Künstler, also wenn man den Drang hat, was zu schaffen, was nach außen zu machen, ob das jetzt Bilder oder Töne sind, kehrt man ja einen Bereich nach außen, und es kann sein, daß man diesen Bereich über Drogen noch mal irgendwie klarer sieht oder erweitern kann.

Du hast vorhin von Musik als die Drogenerfahrung begleitende Sache gesprochen. Wie ist die Wechselwirkung von Drogen und Musik, d.h. ganz einfach das Verhältnis der Junkies zur Musik? Welchen Stellenwert hat sie?

Alex: Bei den meisten, mit denen ich zusammen arbeite, hat Musik einen hohen Stellenwert. Generationsbedingt, weil die meisten älter sind als ich, sind das so Sachen aus den 70er Jahren, Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Heroen aus dieser Zeit. Wenn wir arbeiten läuft, auch immer viel Musik. In den Werkstätten, der Schreinerei ist immer ein Cassettenrekorder dabei. Es wird auch viel über Musik geredet. Ich kann oft beobachten, daß sich Stimmungen über die Musik, wenn gerade irgendwas läuft wie z.B. der Amisender CFN und es kommen dann so alte Schwarten, daß dann da auch wieder Ereignisse praktisch wachgerufen werden. Ich denke, daß das Musikkonsumieren, Drogenkonsumieren auch Hand in Hand gegangen sind, und das es bei vielen dann so programmiert ist. Es gibt ja auch ein Lied von Kick Joneses, das ist kein bekanntes und auch auf keiner Platte, aber ein schöner Text von Beppo, der heißt „When I hear it, then I’m there“. Es geht darum, daß man grad als musikkonsumierender Mensch… daß wirklich ein Lied soviel wachrufen kann, also daß man über einen Song wirklich abrufen kann, mit wem hab‘ ich da gehockt, wie war die Situation, wer ist gerade die Tür reingekommen, also auch so magische Momente wie die Frau seines Lebens kennenlernen oder Endspiele.

Man kann sich dann wirklich an alles wieder erinnern, wenn man auf Musik gepolt ist, die Situationen sind dann wieder da. Das ist halt schön, wenn man das über Musik abrufen kann und daß man wieder genau die Gänsehaut bekommt wie in diesem Moment, nur weil man dieses Lied hört. Das ist so dieses alte Spiel, ich mache etwas auf Knopfdruck, also indem ich mir irgendwas einfahre, und das dann wieder hochleben lasse. Ich gehe ja davon aus, wenn du mich mal überhaupt fragst zu Drogensucht, egal ob jetzt Alkohol, Kokain, Heroin, also weniger diese psychoaktiven Drogen, mehr so diese Gewohnheitsdrogen und extrem harten Drogen auch, Amphetamine, daß man mit jedem Glas, was man nach dem ersten trinkt, eigentlich immer diesem ersten Erlebnis hinterherrennt, eigentlich wir alle, die wir hier sitzen und Drogen nehmen. Und die Leute, die so extrem in sich reinschütten, ich gehe davon aus, die hatten irgendwann mal ein schönes Erlebnis oder mehrere mit 13 oder 14, und daß man ein Leben lang wieder diesen Erlebnissen hinterherrennt. Und daß das natürlich bei manchen Leuten kippt und dann extrem wird und außer Kontrolle gerät. Also so eine ganz banale Erklärung von „Wie entsteht Sucht“.

Inwiefern unterscheidet sich der Stellenwert der Musik in der Junkieszene im Vergleich zur alkoholsanktionierenden Hardcoreszene?

Alex: Bei uns kommt ja alles zusammen, also in der Szene, in der ich mich bewege, ist wenig an Drogen verboten und vieles akzeptiert. Ich gehe jetzt von unserer Klientel aus, also Leuten, die ein massives Problem in ihrer Biographie bekommen haben mit ihrer Sucht. Wenn ich da den Junkie nehme und vergleiche mit dem Alkoholiker, dann ist der Stellenwert beim Junkie wesentlich höher, den Musik hat, also der ist sehr hoch sogar. Die meisten Leute rennen auch mit Band-T-Shirts in der Einrichtung rum. Es ist generell entgegen dem Vorurteil… es gibt vielleicht diese Gruppe Junkies, die sich noch in sozialen Bahnen bewegen, die dann noch einen Background haben und die man eh nie sieht und dann gibt es diese extreme Gruppe, die man auf der Straße sieht im Bahnhofsviertel und von den Leuten kann man sich ja gar nicht vorstellen, daß die noch irgendwelche vitalen Interessen hätten oder Esprit, ganz im Gegenteil.

Frag‘ mich, warum ich schon sieben Jahre dort arbeiten kann, das ist, weil die Leute sehr lebendig sind, trotz des Drogenkonsums oder relativ schnell wieder lebendig zu machen sind. Ich habe auch schon mit psychisch Kranken gearbeitet, das ist wesentlich anstrengender, da sind ganz andere Barrieren zu nehmen. Mit depressiven oder manischen Leuten mußt du viel vorsichtiger arbeiten. Da kann auch 20 Jahre Heroinkonsum nicht so viel kaputt machen, auch durch die Checkerei wahrscheinlich auf der Straße, sind die alle noch sehr lebendig, d.h. die haben auch Interesse an was Intensivem. Wenn wir ab und zu mal Feste in der Einrichtung machen, das ist also richtig klasse, wie die Leute abgehen und tanzen, du siehst sie ja nur beim Arbeiten, und die können richtig gut abgehen die Leute.

Ich würde gerne noch mal auf den Hardcore-Bereich kommen. So eine Art Gemeinschaftsgefühl, das teilweise durch die Musik beschworen wird und oft nur durch Bierseeligkeit eintritt… Ich weiß nicht, ob du da was sagen kannst?

Alex: Kann ich schwer was dazu sagen, ob man das auch so spezifisch auf diesen Bereich beschränken kann. Also aus meiner Szene, wir sind als Band auch beliebt, weil wir als Hardcoretrinker gelten und weil man sagt, die können Party feiern. Das müßte man korrigieren, wenn das falsch ist, aber bei uns ist der gemeinsame Nenner des Treffens nicht der Alkoholkonsum, sondern immer noch was anderes, z.B. unser Netzwerk, was wir uns über die Jahre aufgebaut haben von Unabhängigen, ob das jetzt Veranstalter vor Ort sind oder Bands, die rumziehen, oder Leute, die Studios haben, wir fahren da ja schon immer noch so in unserer eigenen Infrastruktur hin und her, und da sehe ich halt den gemeinsamen Nenner nicht im Alkohol. Manchmal geht’s schon viel ums Trinken, klar, aber nicht geplant, Bewußtlosigkeit ist nicht geplant, und es wäre traurig, wenn das nur über Alkohol geht.

Vielleicht dann auch noch mal, weil ich weniger Zuschauer bin, ich bin natürlich auch Zuschauer, aber stehe nun mal auch auf der Bühne, und wir haben auch sehr schöne oder viele Erlebnisse, wenn wir unterwegs sind und noch nicht betrunken, also wenn wir irgendwo hinreisen oder proben. Den Sprung haben wir irgendwie doch geschafft, das dann nicht nur über die Bierseeligkeit zu regeln, unsere sozialen Bedürfnisse zu befriedigen, unsere Kontakte zu halten. Es geht also über ganz normale Werte wie Freundschaft oder sich unterstützend helfen, zusammen sein, gemeinsam alt werden, Freunde bei der Hochzeit besuchen…

Die Musik von Kick Joneses ist mitreißend und ihr steht auf der Bühne, seid offensichtlich gut drauf, fallt nicht betrunken durch die Gegend, seid relativ ehrliche und direkte Menschen, die Spaß an der Musik haben, die sie spielen, und dann kuckst du ins Publikum und siehst die ganzen Ange- oder Betrunkenen. Stört dich das nicht manchmal, daß du sagst, es reicht doch aus, wenn ich für euch diese wunderbare Musik spiele und einen ’natural kick‘ gebe?

Alex: Wenn ich irgendwelche Leute sehe, mit denen ich nichts zu tun habe, die offensichtlich noch jung sind, dann werde ich nicht der sein, der praktisch mit dem Zeigefinger da steht und sagt, beschränk‘ dich doch mal ein bißchen oder reiß‘ dich mal zusammen. Ich habe manchmal das Gefühl auch natürlich, daß das teilweise so ein Selbstläufer ist. Es kann sein, daß z.B. bei uns in der Band die anderen auch eine andere Meinung haben, es wird auch so sein, daß die dann, ich sag‘ mal, unreflektierter auch einfach mitsaufen. Ich habe da oft auch eine Distanz dazu, das ist so mein spezielles Ding, daß ich ab und zu das Gefühl habe, wir feiern uns auf der Bühne ab, weil wir tatsächlich Spaß haben an der Musik und da unten feiert das Publikum sich selbst. Manchmal ist das so ein bißchen arg getrennt, dann müssen auch immer wieder dieselben Sachen ablaufen.

Manchmal denke ich, wir könnten jetzt z. B. Playback laufen lassen und von der Bühne verschwinden, da würde es für zwei Lieder gar niemand merken. Manchmal hat man das Gefühl, daß die Leute immer wieder denselben Ablauf abrufen und sich dann auch Richtung Koma trinken und daß das ganz einfach auch zum Programm gehört. Daß man sich am nächsten Tag dann wieder erzählt, was man nicht mehr weiß, die zwei Stunden zwischen vier und sechs Uhr. Da fahr‘ ich persönlich auch nicht drauf ab, so auf das ganz Extreme. Feiern gerne, wenn ich früher Steakknife gesehen habe oder Spermbirds, klar war das geil, in der Masse die Sau rauslassen, in jeglicher Hinsicht, ob die Leute sich jetzt gegenseitig anspucken oder sich besoffen umreißen, na klar, das macht einfach Spaß.

Wie ist dein eigener Bezug zu Drogen und zu den Junkies, also siehst du eine Diskrepanz zwischen „gesundem“ und „totbringenden“ oder stumpf machenden Drogenkonsum? Hast du persönlich vielleicht im Umgang mit den Junkies gelernt, anders mit Drogen umzugehen?

Alex: Ich denke mal, als ich vor sieben Jahren, also noch als relativ junger Mensch, in so einer Einrichtung angefangen habe… und das muß ich vielleicht auch mal so in Relation setzen nach sieben Jahren, die Einrichtung hat ihre Regeln und Strukturen bekommen, d. h. da ist jetzt nicht mehr den ganzen Tag Achterbahn und Halligalli… und am Anfang war es wirklich so, daß wir 70 Leute hatten, die total geprägt waren von ihrem Alltag auf der Szene, das erste Mal in einem Haus, es gab da noch ganz wenig Struktur und da ging’s natürlich ab. Schon allein der Anblick, die Leute, die abgerissen waren und stanken, die auch Gewaltbereitschaft zeigten, daß ich da am Anfang keinen Schreck bekommen habe und damit umgehen konnte, das war bestimmt eine Prägung über meine früh angefangene Punkrock-Jugend.

Ich stand mit 15 schon auf der Bühne und habe alle Jugenzentren in Deutschland gekannt, das heißt es konnte mich nicht mehr viel schocken. Das war bestimmt ’ne gute Möglichkeit, da einfach relativ normal mit den Leuten umzugehen. Viele Leute haben da auch einen Ekel vor Junkies, das war bei mir nie vorhanden. Ich konnte schon immer einfach auch gut mit den Leuten umgehen. Das ist eine Qualität, die ich nicht über mein Studium erwerben konnte oder über meine Ausbildung, da habe ich mir zwar auch vieles angeeignet, aber so einen normalen Umgang mit den Leuten zu haben, so vollkommen aus dem Bauch heraus und 1:1, das habe ich bestimmt über meine Zugehörigkeit zu dieser Punkrockszene gelernt, da ich da auch schon viel gesehen habe.

Jetzt zu meinem persönlich Verhältnis zu Drogen…Ich hatte bis vor kurzem noch so den Ansatz, jeder soll das probieren, was er will, soll sich einfahren, was er will, nach dem Motto es kann nicht schaden, weil ich auch selbst in dem Sinn kein Kind von Traurigkeit bin, weil ich viele Drogen probiert habe und gut im meinem Umfeld geregelt bekomme, daß ich dadurch nicht auffällig werde. Frag‘ mich nicht woran das liegt, weil ich genügend andere Sachen zu tun habe, als Drogen zu nehmen, ganz pragmatisch. Das ist jetzt nicht so, daß ich als Abschreckungsbeispiel jeden Tag den verelendeten Junkie vor Augen habe und es deswegen bei mir nie so weit gekommen ist, da gibt es keinen Zusammenhang. Ganz im Gegenteil hat das natürlich auch Interesse geweckt, wenn du siehst, wie konsequent die Leute ihre Sache gemacht haben.

Es sind ja nicht nur Leute, die in Frankfurt auf der Straße gelebt haben, sondern auch viele, die noch andere Inhalte bei ihrem Drogenkonsum hatten, als sie vor 20 Jahren angefangen haben. Alles war ja auch noch sehr stark politisch motiviert, die vermischen auch ihren Drogenkonsum mit dem gesellschaftlichen Umbruch zu der Zeit. Da habe ich oft gedacht, ich führe ein relativ normales Leben, wie mutig diese Leute sind, daß sie da ihren Film gefahren haben über Jahre, vielleicht haben sie ja 15 geile Jahre verlebt. Da bin ich meilenweit davon entfernt von so einem ausschweifenden, vollkommenen egalen Leben, also auch Anarchie im wahrsten Sinn des Wortes. Das hat natürlich heutzutage nicht mehr so den Reiz, aber wenn man 23 ist und da anfängt, das wirkt. Da sind ja auch ziemlich abgefahrene Freaks schon dabei, die es einem vielleicht schon eher verlockend machen, was für ein Leben die über den Drogenkonsum geführt haben.

Früher habe ich aufgrund meiner Grundtoleranz gegenüber Drogen natürlich auch immer gesagt habe, nehmt ruhig, was ihr wollt und auch zu jüngeren Leuten. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, daß ich da schon einen Unterschied machen sollte, wenn ich z.B. mit Leuten, die gefestigt in ihrem Leben sind, über tolle Drogenerlebnisse rede, mußte unbedingt mal probieren, oder wenn ich einen 20jährigen vor mir habe und sage, kein Problem, fahr‘ dir ruhig mal ein, daß es ein Mindestmaß an präventiver Arbeit ist, daß ich sowas einfach nicht mehr dahinsage. Das habe ich lange gemacht, obwohl ich da schon praktizierender Sozialarbeiter war. Ich bin nicht auf diesen einfachen präventiven Gedanken gekommen, daß wenn sich ein Jugendlicher sich mit mir bei dem Konzert unterhält und man redet über Drogen und er hat mich vorher auf der Bühne gesehen und ich sage dann, das ist alles kein Problem, weil es für mich kein Problem ist.

Da sind wir wieder an dem Punkt Kurt Cobain…

Alex: Aber der hat doch keine Drogenverherrlichung betrieben oder Staat damit gemacht. Es ist jetzt nicht die Verantwortung von jemanden auf der Bühne zu stehen mit den Fahnen „Keine Macht den Drogen“ hintendran. Aber man sollte, wenn man sich mit dem Thema in irgendeiner Art und Weise auseinandersetzt, in einem Lied z.B. kann ich über ein Drogenerlebnis berichten, aber das geht auch ganz verschlüsselt. Man hat dann eine gewisse Verantwortung, vielleicht dann doch, also das ist jetzt so das moralische Ding und von Droge zu Droge verschieden. Und ansonsten: Ich gehe davon aus, man sollte irgendwas in seinem Leben mit Leidenschaft machen und es ist toll, daß ich Musik in meinen Bands machen kann.

Ich merke auch, wenn Leute 30 werden, dann irgendwie suchen. Beruf macht nicht so viel Sinn und die Beziehung ist grad‘ nicht so das Gelbe vom Ei und ich sehe dann wirklich auch, daß die total nach irgendeinem hintergründigem was haben sie denn suchen, und ich habe die Musik. Deswegen kann ich auch sagen, gut, ich hab‘ seit einem Jahr keine Freundin, ist doch mir egal, ich kann mit Musik einen Bereich abdecken, den suchen von mir aus andere im Abdriften in esoterische Sphären, andere finden den in der Droge oder finden ihn nie und sind deswegen immer am Suchen, deswegen werden sie süchtig. Daher kommt das Wort ja auch her…

Echt??!

Alex: Für mich. Suchen – Sucht.

Interview: Andrea Stork

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