März 16th, 2016

JUGHEAD‘S REVENGE (#55, 12-1995)

Posted in interview by Jan

Jugheads Revenge kommen aus Californien, genauer gesagt L.A. Jugheads Revenge haben bisher 4 Alben veröffentlicht. Jugeheads Revenge klingen aber nicht ganz so sonnig, wie ihre Kollegen á la Bad Religion oder Pennywise, auch wenn sie natürlich einige Surf-Hits dabei haben. Vielleicht eher wie ein Poison Idea-No Fx Mischmasch. Wieso aber sind sie nicht auf Epitaph, sondern bei „Do It Rec.“ in Bamberg gelandet? Wieso haben sie noch keinen größeren Bekanntheitsgrad erreicht?
Wieso liegen ihre Eintrittspreise bei Konzerten deutlich unter denen ihrer besagten „Verwandten“? Sind die Shows in ihrer Heimatstadt wirklich so extrem gewalttätig? Wieso hat Gitarrist Joey ihre Cd „13 Kiddie Favorites“ bis zum Erscheinungstermin nicht gesehen? Fragen über Fragen, die Sänger Joe freundlich und gesprächig, aber müde und gestresst von der Tour, beantwortet. Danke noch an Christian von T(h)reee, mit ich dem zusammen das Interview am 19.4. vor dem Konzert in Bamberg geführt habe.

 

Joe: Thomas (von Do It Rec.) ist ein Arschloch (gelächter). No, he’s cool (wieder ernst).

Euer zweites Album wurde von jemandem von Bad Religion produziert, stimmt das?

Joe: Nein, die erste Platte. Die zweite Platte wurde von Slayer Hippie produziert.

Und von der ersten Platte an seid ihr hier in Europa bei „Do It! Rec.“?

Joe: Alle Alben sind in Europa von D.I.R. lizensiert. In Amerika geben wir seit 4 Jahren Platten heraus und jetzt haben wir die ameri-kanischen Sachen für Byo Rec. in Amerika lizensiert, außer die neue Platte, die nur von D.I.R. gemacht wird.

Wie seid ihr denn mit D.I.R. in Kontakt gekommen?

Joe: Thomas wurde auf uns aufmerksam, als wir eine Split 7″ mit No Fx gemacht haben (vor 3 oder 4 Jahren). Er war begeister von uns und schrieb uns sofort an, um unsere Platten für Europa rauszubringen. So lizensierten wir unsere Veröffentlichungen, die wir in Amerika hatten über Thomas und D.I.R. in Europa.

Ihr habt ja früher auch mit den heutigen „Größen“, wie No Fx, Bad Religion, Offspring, usw. gespielt. Was denkt ihr jetzt über sie, wenn ihr sie auf Mtv abrocken seht?

Joe: Ja, mit Bad Religion sind wir praktisch aufgewachsen, ich kenne sie, bevor sie über-haupt ’ne Band waren und sie haben uns sehr geholfen. Ich habe die verschiedenen Stationen der Band gesehen, u.a. Konzerte vor 15 Leuten, von damals bis eben heute, aber Offspring ist ’ne andere Sache… als Bad Religion zum Major gingen, dachten wir alle, daß No Fx oder Pennywise das nächste große Ding werden. Wir haben mit ihnen einige Shows zusammengespielt, da waren sie immer Vorband von uns. Es sind immer noch nette Jungs, klar rede ich noch mit ihnen, aber ich bin mir nicht sicher, ob das Ganze dem Punkrock ansich eher nützt oder schadet.

Wie bezeichnest du den Sound, Melodic Hardcore oder Punkrock?

Joe: Ich glaube, du kannst alles beide dazu sagen. Gerade hier in Europa habt ihr ja tolle Bezeichnungen wie z.B. „Hatecore“, die in den Staaten kein Schwein kennt. Mal abgesehen davon, daß Bands wie Sheer Terror oder Neglect in den Staaten total unbekannt sind, würde man den Sound schlicht als Punk bezeichnen.

Mit welchen Leuten hängt ihr privat zu Hause ab?

Joe: Eigentlich spielen alle Leute die wir ken-nen in Bands. Ich kenn alle Epitaph- und Fat Wreck Bands.

Spielt ihr immer noch Shows mit Bad Religion?

Joe: Wir haben mit Bad Religion schon einige Zeit nicht mehr gespielt, nur neulich auf einem Festival kurz bevor wir nach Europa gefogen sind, mit Bad Religion als Headliner, L7, Sick of it alle, Face to Face, No Use for a Name und 15 anderen Bands. So haben wir die Jungs mal wieder gesehen, ich bin schon lange nicht mehr mit ihnen abgehangen, weil jeder in einer anderen Stadt lebt.

Auf eurem Konzert in Würzburg, als ihr „City of hate“ gespielt habt, habt ihr davon gesprochen, wie hart die Shows in den Staaten sind. Geht es dort denn wirklich so hart zu?

Joe: Ja, es ist wirklich ziemlich hart. Ich habe diesen Song hauptsächlich aus Erinnerungen an alte Shows geschrieben. Ich habe ihn teil-weise über eine einzige Show geschrieben, zu der ich einmal ging. Sie war von einem unabhängigen Promoter, der wirlich keine Secrutiy aufbieten konnte. Es gab Schlägereien, einige Leute landeten im Krankenhaus. Es ist einfach lächerlich, in jeder Stadt, in der wir gespielt haben zwischen Usa und Europa ist es nicht so, es gibt keinen anderen Platz wie Los Angeles, dort laufen wohl die gewalttätigsten Konzerte überhaupt ab. Deswegen mögen wir auch nicht so oft in L.A. spielen. Es ist einfach kein Vergleich zu Europa. Auch drumherum ist alles ganz anders.

Viele Bands aus den Usa erzählen, daß du hier was zu Essen bekommst und gut bezahlt wirst, was in den Usa nicht immer der Fall ist.

Joe: Du bist froh, wenn du überhaupt was zu Essen bekommst. Hier in Europa ist es ganz anders. In Amerika wirst du zu 99% nichts bekommen.

Gar nichts?

Joe: No, No Way! Die einzige Möglichkeit in Amerika zu touren, ist als Opener für eine große Band. Du bekommst kein Geld, nur das Merchandise-Geld und du spielst garantiert vor vielen Leuten. So machen es viele Bands aus L.A.

Es ist eure dritte Europatour, oder?

Joe: Ja, in Amerika mußt du es eben wie gesagt machen, um als kleine Band überhaupt touren zu können, ansonsten hast du keine Chance, du kannst nicht alleine touren. In Europa geht das. Es scheint so, also ob die Szene hier viel besser ist, wie in den Usa vor ungefähr 13 Jahren, als alles noch sehr unabhängig war. Die Bands heutzutage gewinnen sehr an Popularität durch Mtv oder Viva oder was weiß ich, aber ich würde sagen, daß die europäische Szene definitv noch auf einem sehr unabhängigen Level ist – das ist sehr gut.

Seid ihr durch Amerika getourt?

Joe: Ja, wir haben zwei Amerikatouren ge-macht, und beide können nicht mit dem Touren hier verglichen werden.

Ich habe mit einigen Bands gesprochen, letzten Sonntag mit Bracket, über den Style der Kiddies, diese 13 Jahre alten Kids mit ihren Caps und Shirst über den ganzen Mtv-Stuff. Deine weite Hose zum Beispiel, die du anhast, die hat dich 20 $ gekostet, hier zahlen die Kids 120 DM dafür.

Joe: Wow… I see.

Und die Kids kaufen und kaufen all diese Dinge und gehen dann auf ein Konzert und naja…

Joe: Nun, ich weiß nicht. In Amerika ist das Publikum auch sehr jung, ich war 12, als ich anfing auf Konzerte zu gehen. Ich glaube nicht, daß es eine schlechte Sache ist, das sie zu Konzerten gehen. Du kannst auch nicht kontrollieren, wer zu den Shows geht. Genauso kann ich eine Band nicht aufgrund ihres Publikums beurteilen, wie z.B. Leute, die sagen, ach, zu der Band gehen wir nicht mehr, da kommen zu viele Leute. Als wir begannen, Punkrock zu machen, war alles ein wenig anders, es gab kein Mtv. Ich finde auch heute noch, daß wenn du in irgendeiner Form mit Hc/Punk in Berührung kommst, du erstmal den Background abchecken mußt, den diese Musik hat.

Es gibt genügend Kids die dir keine andere Punkband abseits von Epitaph oder Fat Wreck nennen können, außer vielleicht Green Day. Wenn sie anfangen, solche Musik zu hören, würde es viel besser sein, wenn sie vorher wüßten, worauf sie sich einlassen, anstatt nur damit anzufangen, weil es Freunde machen, oder so. Viele Leute gehen hier auf Soia nur weil es schnelle und aggressive Musik ist, aber ich glaube nicht, daß das die Sache ist, die die Band erreichen will. Sie sagen nicht nur, „wir sind eine schnelle aggressive Band, fertig!“ Ich denke daß sie auch versuchen etwas rüberzubringen. Und ich bin mir sicher, daß auch alle vorgenannten Bands so denken, egal, wie viele Platten sie heute verkaufen.

Was waren eure Haupteinflüsse, überhaupt Musik zu machen.

Joe: Ich habe früher in einer anderen Band Drums gespielt, Joey spielte in einer andern Band, wir kannten uns jedoch alle, jeder war in irgendeiner Band und einmal ist beim Proben der Sänger früher nach Hause, da hab ich ein paar Songs gesungen, und so kamen wir, ich, Joey und Brian, erstmal darauf, zusammen zu jammen, just for fun, und daraus entwickelte sich mit der Zeit J.R., wir bekamen Shows, nahmen dann Platten auf und kommen hier her, um zu touren.

Wir haben alle verschiedene Einflüsse, ich hörte allerlei Musik, von Sachen wie B’last oder Black Flag waren wir jedoch alle sehr begeistert. Damals war gerade so diese funky-Masche in, Punkrock war das schlechteste, was du als Band machen konn-test, wenn du berühmt werden wolltest, aber es war unsere Musik. Damals sagten viele Leute, das wir auf einen lahmen Gaul setzten, inzwischen spielen diese Spötter auch in Punkbands, he, he, he!

Was hältst du von diesem momentanen Reunion-Wahnsinn der Hardcoreszene? Ist es bei Bands wie No For An Answer nur noch das Geld oder die Tatsache, live zu spielen?

Joe: Ich glaube, es ist beides. Wenn z.B. N.F.A.A. in L.A. spielen würden, würde kein Schwein hingehen, weshalb sie hier touren. Hier haben sie Publikum und bekommen Geld. Diese ganzen Reunion Bands touren nur in Europa, in den Staaten wird es wieder ganz still um sie. Überhaupt ist diese ganze O.C.-S.E. Szene ziemlich tot, Insted waren die letzte große Band.

Weil wir grade beim Thema sind, was hältst du von Straight Edge?

Joe: Es ist bestimmt nichts schlechtes. Ich hab jetzt seit 7 Jahren keinen Alkohol getrunken oder Drogen genommen, aber ich würde mich nicht als S.E. bezeichnen. Beide Dinge haben einfach einen negativen Einfluß auf mein Leben gehabt und ich beschloß, damit aufzu-hören. Aber es soll doch jeder das tun, was ihm am meisten bringt. Ich werde mir jedenfalls deswegen keinen Stempel aufdrücken lassen, der mich irgendwie kennzeichnet.

Wie siehts mit Side-Projects aus?

Joe: Nee, ich bin viel zu beschäftigt, früher spielte ich noch Drums bei ’ner Band, aber mittlerweile haben wir genug mit uns selbst zu tun.

Wie reagierst du, wenn du merkst, daß die Leute auf eurem Konzert nur rumstehen und sich nicht bewegen?

Joe: Also erstmal ist es mir egal, wieviele Leute auf dem Konzert sind, hauptsache, es macht ein wenig Spaß, und wenn sie nur rumstehen… das ist besser als wenn sie sich prügeln.

Okay, noch Fragen an uns?

Joe: Äh… Wer ist auf dem Cover des nächsten Trust?

Not J.R.!

Joe: (lachend) Okay, es war ein Scherz!

Wie alt bist du?

Joe: 24

Gibts eigentlich sonst noch Fanzines in Amerika außer Mrr und Flipside?

Joe: Alles in Amerika läuft mittlerweile sehr geschäftlich ab, das gilt für Promoter, für Fanzines… Wenn du ein Fanzine herausbrin-gen willst, ist es sehr hart, neben Mrr und Flipside zu bestehen. Deswegen bin ich nicht mehr so mit amerikanischen Fanzines verbun-den wie ich es vielleicht vor ein paar Jahren noch war. Ich kenne schon noch all die Flip-side-Leute, trotzdem möchte ich lieber aus dem Mag draußen bleiben. Und am Mrr sind irgendwie ziemlich viele Leute dabei, die eigentlich gar keinen Plan haben, wir z.B. wurden mal als „sounds like Motorhead“ bezeichnet!

Okay, danke für das Interview!

Joe: Ich danke euch!

Interview: Christoph Lottes & Christian

Links (2016):

Jughead’s Revenge Homepage
Jughead’s Revenge Discogs
Jughead’s Revenge Wikipedia

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