Juli 8th, 2019

JOSEPH BOYS (# 190, 2018)

Posted in interview by Jan

„Ich bin am ganzen Körper tätowiert – in Hautfarbe! In Hautfarbe!“

Im Dialog mit den JOSEPH BOYS

Es war ja so: im September 2015 brachen die Düsseldorfer JOSEPH BOYS nicht nur den Rekord am Höchst-Konsum von Backstage-Getränken im Dreikönigskeller in Frankfurt am Main – sie machten auch „nebenbei“ noch so geile Punk-Musik, dass ich zu dem Veranstalter, ein alter Freund der Band und früherer Trust-Schreiber, nur meinte „Schade, das wird das letzte Mal sein, dass wir die Band in diesem kleinen Rahmen sehen werden, sie sind einfach zu gut!“. Dazu stehe ich weiterhin und die Band wird einfach immer besser.

Ihr erstes Konzert spielten sie übrigens 2013 in Düsseldorf, ihre Interessen sind laut Facebook immer noch „Filz, Schlitten, Dosen“.  Jedes Review über die Boys beginnt damit, dass hier ein Haufen alter Bekannter versammelt ist und das mache ich doch genauso, also: Leute von u.a. Bratseth, Sonic Dolls und dem besten Punk-Zine der 90er (neben dem Out of Step), dem mächtige Blurr Fanzine, haben bislang drei Platten auf ihrem eigenen Label namens Fette Ziegenbutter rausgebracht: die FETT EP (2015), EDITION S_E EP (2016) und die EDITION S_E EP (Nachpressung im Mai 2017).

Die Musik? Oh, da gibt ‘s mannigfaltige Bezeichnungen von ihnen selber wie „menschgewordenes Agglomerat aus Wut, Erneuerung und Kunst“ oder auch „durchgegorenen, feinrassigen Art-HC-Punk mit einer gewissen Rohheit und kubischer Kühle“. Trust-Kollege Jörg rezensierte die „Edition S_E-EP“ wie folgt: „Nachdem ich die letzte EP schon sehr überschwänglich gefeiert hatte, könnte man schon vermuten das mir die neue EP auch so gut gefällt… falsch sie ist noch BESSER! Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ok die Optik: wieder ist nur eine Seite berillt, die gegenüberliegende Seite ziert wieder ein Siebdruck das 180 Gramm starke Vinyl. Sieht klasse aus und das Sendemast-Motiv taucht auch noch an anderen Stellen der Platte auf.

Das Cover ist eine sehr gut gemachte Repro der Joseph Beuys Skulptur Telephone (1974), daher stammt auch der Name der EP. Anders als bei Beuys ist aber ein Hashtag auf dem Dosentelefon, was uns wiederum zum ersten Song „Kommunikation“ bringt. Textlich und musikalisch geht es auf S—-E rauher zur Sache. Sechs Mal astreiner Punkrock mit cleveren deutschen Texten. Gefällt mir ausgesprochen gut und läuft hier, seit ich sie bekommen habe, täglich auf meinen Plattenspieler. Aufgepasst, die Refrains sind echte Ohrwürmer. Die Platte ist auf 300 Stk. limitiert, also schnell zugreifen!“.

Derweil die Rheinische Post übrigens folgendes notierte: „Das Spiel mit dem Namensvetter könne man beliebig forttreiben… Ihre erste Platte haben sie frei nach Beuys „Fett“ genannt, und ihr Label heißt „Fette Ziegenbutter Produkt“. Sänger Andi sagte dort auch: „Eine Band ist eine Band, der Leute wegen“.
Das ist ein sehr schöne Formulierung für die Theorie von mir, dass es grundsätzlich zwei Möglichkeiten gibt, eine Band zu machen: die Option eins ist der normale Weg. Man sucht sich die Leute heraus, die die „skillz“ haben. Freundschaft kann, muss aber nicht. Der zweite Weg ist der – so nenne ich es – „Toten Hosen-Weg“: gute Freunde gründen eine Band, technisches Können ist zweitrangig bzw. kann nach Bedarf draufgeschafft werden.

Es ist übrigens so, dass ich Joseph Boys-Bassisten Frank schon länger auf dem Zettel als Interview-Partner hatte, denn die Sonic Dolls, bei denen er auch mitmusiziert, fand ich immer schon geil („Lets go where the Punks are“ ist so ein Hit-Song).

Ich wollte nun einerseits ein lebendiges Interview führen, das ist bei der überschäumenden Vitalität und dem Humor der Joseph Boys bzw. Fränki selbstverständlich kein Problem, aber ich wollte auch andererseits nicht nur „lustig lustig“, denn so ist das Leben halt nicht immer, nicht wahr? Ob mir ein authentisches Interview gelungen ist, das müsst ihr entscheiden.

Und ja, bei dem Thema Düsseldorf und Punk ließen sich (für mich) zwei Fragen bezüglich einer gewissen Punk-Band aus der Stadt einfach nicht vermeiden… (nicht die Broilers, ihr Kranken!). Noch Fragen? Ich auch und hiermit schalte ich an die längste Altbier-Theke der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen…

Frankie, du bist der wunderbare Bassist der Joseph Boys, wie kam es zu dem herrlich bekackten Namen? Bierlaune, schätze ich?
Wir haben genial-dämliche Leute in der Band. Kreativer Stuhl quillt quasi nur so aus uns heraus, passiert einfach. Aber in dem Fall war ich es. Bei einer Proberaumsession kam es zu einer Überbewegung bei einer scharadenhaften Tanzbewegung und ich habe mit dem Bass mein isotonisches Getränk vom Verstärker gekippt. Beim Aufheben habe ich mir dermaßen den Kopf gestoßen und da ist mir der Name eingefallen. Warau kado niwa fuku kitaru.
Es ist aber nicht wirklich eine Art Hommage an Beuys oder, „Sonne statt Reagan“, Fett-Kunstwerke, Fluxus, unkonventioneller Typ, wichtig für die (Düsseldorfer) Kunstszene etc.?
Wir haben uns aufgemacht, den Kunstbegriff zu erweitern. Es ist auch eine nicht ernstgemeinte Verbeugung an diese Stadt, ihre Söhne und Töchter. Vielleicht gehen wir beim Bücken nicht ganz runter und kreuzen auch die Finger hinterm Rücken. Aber Düsseldorf hatte und hat eine enorme Strahlkraft. Beuys war herrlich bekloppt, genial, polarisierend und vor allem politisch. Die soziale Plastik als Gesamtkunstwerk. Außerdem wurde unser Schlagzeuger von nomadisierenden Krimtataren mit Margarine und Frottee großgezogen gefoltert. Fett bleibt gespeicherte Energie und das Systems Joseph Boys kann weder vermehrt noch vermindert werden. Alter Punkrockenergieerhaltungssatz.
Ist es korrekt, dass der legendäre H-Andi vom Blurr Fanzine bei euch singt? Wer musiziert noch bei euch mit von welchen anderen (ex-) Bands?
Der Neo-Dadaist Michael am Schlagzeug, ex-Vibravoid, der filzsuspensoriumtragende Psychotherapeut Robin an der Gitarre, ex-Karateclub & Mindmachine. Die zweite Gitarre spielt Fluxus-Regisseur Andi S., ex-Sub-Simplex. Der Kunststopfen und olfaktorische Clown Fränkie Disco am Fettbass. Ja, H-Andi singt und schreibt die Texte. Das „H“ steht aber schon seit Jahren für Happinesskosmos. Wer ist dieser Blurr?!
Wer zur Hölle ist Timmi der Hund?
Timmi ist der Pointer meiner Freundin. Wir haben uns den mal angeschafft, um irgendwann „Pointer, I like Dumpekistan and Dumpekistan likes Me“ nachzuspielen. Ein echter Kojote war uns zu teuer. Mein Verhältnis zu dem Tier ist eher ambivalenter Natur. Teilweise versorgt glücklicherweise der Robin den Hund mit gespielter Intimität. Vielleicht auch mehr so ein „Sexding“ ?!
Du spielst ja auch noch bei den wunderbaren Sonic Dolls mit, wie ist da der Stand der Dinge?
Peter Doll ist mittlerweile Scheinprivatier, Sofortrentner und Pyro-Boy. Eric J. President programmiert virtuelle Panini-Stickeralben fürs Netz und Tomo_01 oironisiert die Republik weiterhin per Schlagzeug. Außerdem ganz zuckersüß und aktuell mit der Powerpophoffnung SUZES unterwegs. Highly recommend. Vielleicht hat der Tiger nicht mehr alle Zähne, der Elefant ein Holzbein und der Clown ist auch nicht mehr ganz so witzig. Fast zehn Jahre wurde die Rückspultaste am Rock´n´Roll Daddelautomaten nicht losgelassen und die Sonic Dolls steckten im 8-Track-Shack-Player der Geschichte fest. Doch jetzt haben Power-Pop-Arsch-Ologen unter der verdreckten Plane einer Vorstadt-Raupenbahn vier verpuppte Blumenschmetterlinge eines vermeintlichen Spielmannszugs gefunden. Als die leblosen Körper aus den Chitinpanzer geschnitten wurden, da staunte die ganze Kirmes im Kreis: Gotta get some Action – die Sonic Dolls – Tonight! Wiederbelebt, exklusiv, live beim Puke-Fest 2018 / Münster!
Ihr seid eine hervorragende live-Band, ihr habt mir in Frankfurt bzw. Dolf in Bremen ganz zauberhaft gefallen… allerdings seid ihr ja auch erfahrene alte Säcke, denkst du, ihr habt den Teenager-Punks noch groß was zu sagen oder konzentriert ihr euch auf euer Zielsegment der Ü40-Männer?
Als kritischer und politischer Berufsjugendlicher hast du immer was zu sagen. Die Frage ist nur irgendwann: will das noch jemand hören bzw. wirst du noch ernst genommen ohne tragisch zu sein. Aber bis jetzt spuckt noch niemand auf den kreisrunden Haarausfall, der mal ein Iro war. Pocke rein, die Haltung stimmt noch. Teenager-Punks kommen bei uns nur, wenn wir die richtigen Influencer bestechen, zum Beispiel Bonnie Strange im JB Shirt „moderiert“.
Auf Facebook beschreibt ihr eure Musik als „Der rhombenförmige Punkrock-Soundtrack zu einer brennenden Königsallee“ – na ja, einen Hauch von Jens Rachut kann man schon raushören oder? Ist er der Konsenstexter für euch in der Band? Also vielleicht Rachut und EA80?
Jensen hat mit seiner uniquen Art, diese bekloppten Texte zu intonieren, haufenweise Bands beeinflusst. Die Songs sind Hörspiele. Als wir damals das Dackelblut SCHÜTZEN & FÖRDERN-Tape von Olaf Schiffen rein gereicht bekommen haben zu Blurr-Konzert-Zeiten … Bekanntlich sind die stärksten Fäuste die hochhaushoch erhobenen. Das war besonders. EA 80 sind EA 80 sind EA 80 sind einmalig. Joseph Boys texten definitiv anders, meistens durch höchst antagonistische Inspirationsquellen beeinflusst. Obwohl sich die Zunge bei deutschen Texten schnell mit Rachutigkeit belegt, wird Andi viel mehr Diametralität und Sensations-Logik zwischen den Zeilen bescheinigt. Der Sound ist aber eher Neon-Portland-Hardcore meets Mannigfaltigkeit des NDW Punk und New Wave. Eben mit der gewissen Rohheit und kubischen Kühle.
Jetzt seid ihr aber auch nicht so stark wie OIRO eine Nachmacherband zu Rachut, harhar. Wie ist eigentlich das Verhältnis von euch zu Oiro?
Oiro sind definitiv keine „Nachmacherband“. Oiro sind eine Imitationsband, ganz großer Unterschied! Uns verbindet eine jahrzehntelange, tiefe Freundschaft – geteilte Ideen, Proberäume und gelebte Visionen. Immer dagegen und manchmal dafür. Teile von uns reden viel und klauen sich auch schon mal ab und zu die Fragmente der Lebensentwürfe.
Ihr seid ja lustige Menschen mit einer überkochenden Kreativität, habt ihr auch ernste Themen/Botschaften oder ist alles nur Fun Fun Fun? Ihr sagt ja selber als Grund für eure Bandgründung „Die Zukunft, die wir wollen, muss gestaltet werden, sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen“, finde ich ´nen super Slogan! Das Leben ist ja nicht immer lustig oder mit einer reinen „Ich will Spaß, ich geb´ Gas“-Haltung beizukommen?
Wenn Ihr die Pflanze aus Widerstand und Kunst seid´, dann wollen wir gerne der kreativ-stinkende Urin sein´ der sie nährt und sprießen lässt…
Wie ist die Punkszene momentan in Düsseldorf, es gibt das wunderschöne AK 47, das linke Hinterzimmer, den Endless Grind-Skateshop; ihr habt ja die umgebaute Tankstelle zur Brause gegründet, da seid ihr aber nicht mehr aktiv?
Das Brause-Thema habe ich hier beantwortet… (lesenswert! Vgl. https://tinyurl.com/yd8kkhje, ihr wisst, dass Fränkie dabei war zu dem Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde für die längste vegetarische Bratwurst der Welt?). Pascal hat leider den Endless Grind-Skateshop aufgeben müssen; glaube, eine Senfmühle mit Mosert Variationen in handgetöpferten Makramee-Blumenampel-Gefäßen hätte doch mehr Potential gehabt. Er plant aber dafür am größten Skatepark Deutschlands mit und der Endless Grind-Contest in Bremen ist dafür der weltlängste ausgetragene Rollbrett-Event.

Ich drücke alle Longboard-Daumen für die nächsten fünfzig Jahre. Das AK47 bleibt weiterhin der tollste Punk-Laden in Düsseldorf und trotzt jeglicher Gentrifizierung. Auch das linke Zentrum ist höchstaktiv mit diversem Programm. Guckt man mal kurz weg, dann holen sie den Start der Tour de France in die Stadt und lassen Kraftwerk dreidimensional im Ehrenhof spielen. Ehrlich gesagt ist mir 3D von Extrabreit lieber.
Waren Düsseldorfs bekanntester Export-Hit, die Toten Hosen, je wichtig für euch gewesen? Da war doch mal die Story, dass einer von denen der Brause was an Sach-Zeug gespendet hatte oder so; falls ihr die kennt, Vom vielleicht am ehesten, wie nehmt ihr die war, sind die noch interessiert?
Musikalisch ist der Punk der Hosen längst zur Insolvenzmasse geworden, aber Herz und Haltung haben sie sich schon bewahrt. Als Band so lange zu existieren, Konzerte in Minuten auszuverkaufen, selbst organisiert und zurückgewonnener Label Infrastruktur, mit Kontrolle über Eintrittspreise und Außenwirkung … immerhin eine der größten Rockbands des Landes. Das verdient einen gewissen Respekt. Und was kickt dich in dieser Liga: doch nur noch das total intensive-intime Konzert im Fan-Wohnzimmer oder der Stadiongig in Buenos Aires. Beides spielen sie mit Freude. Aber „Wannsee ich 10 kleine Jägermeister an Tage wie diesen“ sind schon Klogriffe. Man kann in Düsseldorf nicht punksozialisiert sein ohne „Hofgarten“. Düssel trägt Dorf im Namen, man läuft sicher immer wieder zwangsläufig über den Weg. Vom ist mit der ganzen Welt befreundet, Breiti wohnt bei der BRAUSE um die Ecke.
Auf der memorial-Rubrik vom AK 47 gibt es ein Foto von Bollock, das war der alte Hosen-Roadie, kanntet ihr den?
Über die Jahre sind ja auch die Freunde des Hauses JKP immer bekannter geworden. Faust, Hülder, Noppa und auch Bollock. Viele seit den Anfangsjahren noch dabei oder bereits im Hosen-Familiengrab. Ich denke, ein wichtiger Faktor der Erfolgsgeschichte ist diese lange Loyalität und Stetigkeit in Crew und Mitarbeiter.
Sind diese ganzen Düsseldorfer Punk-New-Wave-Bands von Ende der 70er und Anfang der 80er, was weiß ich, Ratinger Hof-Szene, DAF, Mittagspause, Fehlfarben und wie sie alle hießen… ist das ein belastendes Erbe oder einfach zu lange her, Arschlecken?
Jeder hat seine persönliche Jungend, die er verschwenden sollte. Und wenn man es schafft, sich noch eine gewisse Naivität aus der Zeit zu bewahren, dann kann das auch nicht schaden. Ich mag die Sachen. Den „elektronischen Schlager“ von Der Plan zum Beispiel. Und „Monarchie und Alltag“ hat nicht ohne Grund nach 21 Jahren dann doch Goldstatus erhalten. Die Nähe zur Akademie hat die Szene damals geprägt und von Punk zur New-Wave-Avantgarde gebracht. Ich versuche auch heute noch, zu den jährlichen Rundgängen zu gehen. Die Kunstakademie ist jedenfalls ein toller Ort, hier spürst du noch den Geist von Beuys, Richter und Uecker auf den Klobrillen der Geschichte.
Ich war noch nie an der längsten Theke der Welt, wo muss ich hin, wenn ich in der Altstadt saufen gehen will, ins „Engelchen“?
Aber Gummistiefel anziehen, denn die Teenagerkotze steht knöchelhoch. Auch bald im umstrittenen Andreas Quartier. Es gibt noch ein, zwei Kneipen, die man auch als Düsseldorfer leer trinkt, der Rest ist längst durch morphsuit tragende Jungesellinenabschiede okkupiert und versaut. Der SALON DES AMATEURS hält vielleicht noch sowas wie den alten „Hofgeist“ aufrecht, unter der Kunsthalle, wo sie natürlich auch hinpissen.
Glaubst du, es gibt nochmal eine Blurr-Ausgabe? Du warst ja auch Teil davon. Schade, dass es euch nicht mehr gibt, in Leverkusen in den 90er habe ich das Blurr immer gerne weiterverkauft. War es manchmal nicht schwer, im Schatten von Carsten zu stehen? Ich meine, jedes Fanzine, ob Zap, Trust oder Ox, wird immer ausschließlich mit dem Herausgeber identifiziert, die haben ja auch am meisten Arbeit, aber manchmal nervt das ja auch… oder spinne ich hier?
Ich glaube nicht, dass ausschließlich der Link so rein „Ich“-personenbezogen ist. Im Verein ist Sport immer am schönsten. Das gilt auch für die Fanzine-Szene, bzw. was davon übrig ist. Trotzdem stehen hinter Trust, Ox und Co. eben auch „Macher“ und „Visionäre“. Dazu gehört auch softe Egomanie, aber auch die Fähigkeit, zu begeistern und Idee zu formulieren. Jeder Edelstein brauchte irgendwann mal einen Kristallisationskeim.
Bei dir zu Hause hab ich mal ´ne VHS-live-Kassette von den Becks Pistols gesehen, geil, hasse die damals auch live gesehen, war 1992 bei denen im Haus der Jugend in Düsseldorf?
Manege Ratingen?! Ich bin vor kurzen umgezogen und habe alle VHS-Kassetten eigenhändig in die Müllverbrennungsanlage geschmissen und alle Fanzines, darunter Scumfuck Tradition, das Heft, Ox und Trust, zum Altpapier gebracht. Daher sind alle Erinnerungen nur noch Fantasie. Rüdiger hat mit seinem Label Teenage Rebel Records jedenfalls den ganzen Oi! Punk! pervers konserviert. Trabi-Reiner Split mit Lokalmatadore ist Kulturgut. Apropos Willi Wucher … (Vgl. https://tinyurl.com/yb47or7v).
Was war eigentlich dein erstes Konzert? Und dein erstes Punk-Konzert? Hat dich da der Punk-Virus erfasst?
Günter Noris und die Big Band der Bundewehr.
Wo möchtet ihr mit eurer Band hin, Hobby oder doch nochmal alles auf eine Karte setzen und davon leben zu wollen, auf Tour von fünf Dollar am Tag leben wie Black Flag 1985 etc.?
Darüber gibt es Blurr-Themenschwerpunkt-Hefte, die alles erklären. Danach mal auf Trödelmärkten und in den Altpapiercontainern Ausschau halten. Pour Le Rebel Youth…
War es in den 90er schwerer, ´ne Band zu machen und Gigs klarzumachen ohne Internet und Co.?
Man hat telefoniert und war durch das Fanzine-machen-Treffen und eigene Konzertveranstaltungen gut vernetzt und es gab „Buch Dein Eigenes Beficktes Leben“, diese Punk/HC-Adressensammlung von „the Bernd!“. Ich habe das Gefühl, dass ich mich durch permanenten Navi-Einsatz viel öfter verfahre – weil Kopf ausschalte. Weil wir schon alt und uncool sind, benutzen wir das digitale Auslaufmodell Facebook als Infokanal, Herzblut ins Vinyl und digitale Songs gibt es umsonst als Downloadlink.
Am Ende noch kurze Fragen… Slayer oder Hanns-Martin-Slayer?
Hanns-Martin-Slayer. Spielen und reisen wir total gerne im Power-Pack. Außerdem hat sich Akki die schönsten Jeff Hanneman-Verherrlichungs-Tribal-Tattoos aus alten Pentagrammen stechen lassen. Als sie noch in Aurich satanische Robben verbrannte haben.
Der schönste Fanzine-Herausgeber bleibt wohl Carsten „Cacke“ Johannisbauer?
Cacke ist Imitationsschriftsteller, ganz großer Unterschied! Jonny Bauer legte grad seinen ersten Roman „Scheiternhaufen“ beim Salon alter Hammer vor. Ramones und CBGB, Punk und Ablaufpläne, Gisele und Hugh Grant, Diplomatie und Abschiebung, Zweifel und Größenwahn, Perücken und ein Notfall-Elektriker-Koffer, Liebe und Verzweiflung, Freundschaft und Panikattacken, das Blut Christi und ein Raucherproblem. Nichts scheint wirklich planbar, nichts sicher. Die Euphorie ist groß. Die Möglichkeit des Scheiterns ebenso, so die Kurzbeschreibung … bitte unbedingt lesen und mitscheitern!
Normahl oder Boskops?
Gefühlt die Boskops, deutlich metalliger. NoRMAhl eröffnen heute bestimmt Baumärkte. Werde nochmals die Schlachtrufe BRD raus kramen und auflegen und schnell wieder vergessen müssen. Alles aus der Zeit gefallen.
Screeching Weasel oder Queers?
Lieber die Riverdales. 2014 der Weasel Gig auf dem Groezrock – ihr bisher einziges Konzert in Europa – war eine ziemliche Enttäuschung. Aber keine Frage, ich mag die alten Lookout!-Alben beider Bands. Mit den Queers haben die Dolls auch ein paarmal gespielt. Man war schließlich auch ein Teil der Bubblegum-Punk-Sound-Ramones-Epigonen.
Kiss oder AC/DC?
Der Glam von Kiss, den Rock von AC/DC. Rauchende Gitarren und fliegendes Schlagzeug, sehr respektvoller Trash! So was gab es „in light“ von BRASETH.
Vielen Dank für deine Zeit, hast du noch ´nen Gruß an unsere drei Leser?
Dolf ist der non-alternde Amanda Lear der deutschen Fanzine-Landschaft. Darauf ein Quantum Trust. By the way: was folgt nach handgehäkelten Topflappen… ich vermute Trust-Stadt-Bienen-Patenschaften?!

Interview: Jan Röhlk
Kontakt: facebook.com/PunkrockJOSEPHBOYS, https://josephboys2016.bandcamp.com

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