März 12th, 2007

JAPANISCHE KAMPFHOERSPIELE (#110, 02-2005)

Posted in interview by andreas

JAPANISCHE KAMPFHöRSPIELE machen das, was ihnen Spass macht. Dabei wird nicht grossartig geplant, sondern spontan entschieden. Schlagzeuger Christof sagte einmal: „Kontrolle ist gut, überraschung ist besser – das ist JAKA-Style.“

Eine der bekanntesten deutschen Grindcore Bands traf ich im Exhaus in Trier und dort unterhielt ich mich mit Sänger Bony nach ihrer Support-Show für NASUM, SUFFOCATION und GOD DETHRONED. Nachträglich wurden dann per Email einige Fragen ergänzt.

***

Hallo Bony. Wie sind das letzte Konzert mit NASUM und das heute gelaufen, bei denen ihr als Support dabei wart?

Bony: Wir haben eines in Karlsruhe gespielt. Das war von der Publikumsreaktion sehr prima aber wir waren dort nicht so gut, weil wir Samstags und Sonntags noch eine Headlinershow gespielt haben. Das lief so, dass erst fünf Supportbands spielten und wir dann irgendwann zwischen ein und zwei Uhr morgens auf die Bühne mussten – was ok war, denn das Publikum ist brav da geblieben.

Viele waren sicherlich auch wegen uns dort, aber man spielt dann ja bis zwei / halb drei nachts. Wenn der Gig geil war, säufst du noch bis fünf oder sechs Uhr morgens. Das kannst du zwar zwei Tage hintereinander machen, Montags bei der Nasum-Show merkst du es dann allerdings schon. Also das Publikum war super und wir haben keine Leistung abgeliefert, für die wir uns hätten schämen müssen, aber wir waren auch schon einmal besser. Der Gig heute war prima.

Als wir anfingen, war draussen noch eine Schlange am Einlass, doch unten hatte sich bereits die Hälfte der Leute eingefunden und es war voll genug. Es war ok und ein guter Moshpit da. Ausserdem war der Laden prima mit geräumigem Backstage, gutem Essen usw. Es gibt keinen Grund, sich zu beschweren.

Zudem habt ihr es ja mit u.a. NASUM heute ganz gut getroffen

Bony: Ja, NASUM ist schon einmal eine Bank und ziehen den Löwenanteil des Grindpublikums. Da finden sich schonmal 200-300 Gäste ein und dazu kommen ja noch SUFFOCATION, die alle Deathmetalanhänger aus den Neunzigern ziehen. Dann noch wir, die vielleicht auch noch fünfzig Karten verkaufen und GOD DETHRONED, die eher die Deathmetalschiene bedienen. Darum war es heute ausverkauft, total voll. Ich denke, wir sprechen das NASUM Publikum schon mit an und heute war das Bandpackage einfach gut, finde ich. Vier Bands…

und der Preis?

Bony:  18 Euro waren es. Das ist bei uns im Ruhrpott aber noch extremer. Du da wirst sicherlich für so ein Konzert 22-23 Euro bezahlen. Ich weiss nicht, was der Veranstalter alles kalkulieren muss. Es war ein gutes Konzert, lag immer noch unter 20 Euro und ist damit in Ordnung.

Besuchst du denn hin und wieder noch Konzerte?

Bony: Nicht mehr so oft – eigentlich fast gar nicht mehr. Das hat bei mir etwas damit zu tun, dass ich mit Metal nicht mehr so viel zu tun habe, nicht weil ich der Szene den Rücken zukehren will. Ich habe zusammen mit zwei Freunden einen Plattenladen und arbeite dort. Da bekomme ich mit, wieviel Scheiss veröffentlicht wird. Ich höre praktisch den ganzen Tag in CDs rein, um zu wissen, wo ich die jetzt reinstellen muss – Indie, Metal, Reggae etc.

Wenn du das also den ganzen Tag machst, gehst du abends vielleicht noch irgendwohin ein Bier trinken oder setzt dich mit deiner Freundin aufs Sofa. Da wird man schon selektiver. Hätten wir heute nicht hier gespielt und jemand hätte mich hier her mitgenommen, wäre ich sicherlich total begeistert von SUFFOCATION gewesen, denn die waren geil. Das war heute eine Sache, die mich selber auch anspornt, wieder öfter auf Konzerte zu gehen und zu gucken, was andere Bands so treiben.

Ja, heute waren die Bands schon alle klasse. Lass uns nun mal über etwas ganz anderes reden: Wie würde denn für dich ein optimales Interview aussehen? Was würdest du in einem solchen Interview gerne einmal gefragt werden? Wenn ich mir die ganzen Interviews auf eurer Homepage so ansehe, schimmern da schon ein paar Vorstellungen heraus, finde ich.

Bony: Achje – da gab es dieses Interview, von dem ich nicht wusste, das es wortwörtlich, also mit allen Füllwörtern, abgedruckt wird. Ich habe eine zeitlang selber für eine Tageszeitung geschrieben. Ich habe dafür Bands interviewt und man merkte schnell, das Langeweile aufkam, hervorgerufen durch Fragen, wie: „Ja, eure neue Platte heisst ja so und so, ihr habt mit dem und dem produziert, wie war das denn so, wie lange seid ihr denn schon zusammen und was bedeutet der Bandname“

Wenn man ein wenig vorbereitet ist, findet man auch interessantere Fragen. Die Frage nach dem Bandname wurde von uns in 40 Interviews beantwortet und die kann man alle auf unserer Homepage nachlesen. Ein interessantes Interview müsste schon einmal nicht mit solch einer Frage anfangen. Ansonsten beantworte ich jede Frage gerne. Es wird viel nach Texten gefragt.

Da gibt es ein Stück auf der „Hardcore aus der ersten Welt“ namens „Du warst mein Retalin“ und da das eigentlich das erste JAKA Stück ist, das von Frauen handelt, mit fadenscheinigen Begründungen abgekanzelt zu werden und sich scheisse zu fühlen. Da hat uns niemand drauf angesprochen. Einer meinte: „Na, das hätte ja ein kleiner JAKA-Hit werden könnenaber dann diese Verweigerungshaltung im Mittelpart, das Cello und das Vinylknirschen.“

Stattdessen kam: „Ja, ihr seid gesellschaftskritisch“ usw. Gerade bei dem Retalin-Teil kommt dann aber keiner zum Text, obwohl man da ja sagen könnte: Auch Grindcoremenschen haben Gefühle. (lacht) Ne, war jetzt quatsch aber noch mal darauf zurück: Alle Fragen, die nicht beginnen mit: woher kommt der Bandname oder erzähle uns mal kurz die Bandgeschichte, sind willkommen.

Dann zu eurer riesigen Homepage. Ich habe mich dort gut über euch informieren können und einiges erfahren, das ich noch nicht wusste. Was man auf dieser Homepage nicht von euch findet, gibt es scheinbar auch nicht. Videos, MP3s, Bilder undundund. Gefällt mir sehr gut, so etwas. Ist das Internet demnach schon ein sehr wichtiges Medium für euch oder habt ihr Glück mit eurem Webmaster gehabt?

Bony: Einen Grossteil unserer Songs gibt es im Internet. Sie wurden bei mp3.com reingestellt, worauf sicherlich unser „Bekanntheitsgrad“ basiert. Musik im Netz erreicht viele Menschen. Dazu kommt der bescheuerte Name JAPANISCHE KAMPFHöRSPIELE – da werden einige das Ding anklicken und wenigstens 30 Sekunden reinhören. Internet ist also ein super wichtiges Medium, das uns auch sehr geholfen hat.

Unsere letzte EP „Fertigmensch“ und die neue Platte „Hardcore aus der ersten Welt“ kann man im Plattenladen kaufen und wenn nicht, kann man sie bestellen. Wären das unsere ersten Outputs gewesen, würde es sicherlich nicht so gut laufen wie jetzt. Das Internet war uns ein grosses und sehr hilfreiches Medium.

Es gibt online noch die ersten beiden offiziellen JAKA Longplayer, die damals auf Blutwurscht Productions in der Schweiz erschienen sind („Japanische Kamphörspiele“ und „Die Grossstadt stinkt, ist laut und septisch“) und die Demos aus den Anfangstagen. Warum sollte man das Zeug nicht online stellen, damit sich die Leute das anhören können? Ist doch eine gute Sache – insbesondere für Leute, die kein Geld haben, sich so viele CDs zu kaufen oder in Ländern leben, in denen es vielleicht Internet gibt aber unsere Platten nicht. Das ist alles altes Zeug, sehr lo-fi, repräsentiert uns aber noch ganz gut. Alte Scheisse, aber geile Scheisse.

Zu den MP3s kommen auch noch die ganzen Videos auf eurer Seite. Das Video zu dem Song „Verpackt in Plastik“ gibt es dort nun zum Download. Die Plastikverpackung im Video hat einen netten Effekt, finde ich. Selbst die Instrumente sind verpackt. Ist sehr gelungen, das Ding. Wer kam auf die Idee, für 50 Cent plus Folie und Fahrtkosten ein Video zu drehen? Da wird man ja neidisch…

Bony: Wir haben nicht von vorneherein gesagt, wir drehen das jetzt für einen halben Euro. Der kreative Kopf war in dieser Hinsicht unser Drummer Christof, der gesagt hat, wir stellen uns jetzt in den Proberaum, leuchten das ein bisschen aus und performen alle. Eigentlich war es so gedacht, dass wir alle nackt in Cellophan eingehüllt performen – aber da habe ich sofort mein Veto eingelegt, denn das will keiner sehen! Es gab kein Drehbuch oder eine konkrete Vision. Wir haben uns im Proberaum getroffen mit Digicam und ein paar Lampen und dann wurde jeder einzelne gefilmt plus die Band in der Totalen. Danach sind wir zu einem Supermarkt gefahren, hatten aber leider keine Drehgenehmigung.

Wir haben dann ein Guckloch in einen Nudelkarton geschnitten und darein die Kamera postiert. Dann konnten wir den ganzen Kram abfilmen- Hühnerherzen, Schweinefüsse etc. Christof hat dann mit Szandor Kubassa, der das alles gefilmt hat, das Material gesichtet, bearbeitet und geschnitten. Nur 50 Cent auszugeben war also nicht geplant – Christof musste ja auch noch diverse Zugtickets bezahlen, um zu Sandor zu fahren. Etwas teurer war’s also schon.

Und zuletzt noch die ganzen Livevideos, die es zu sehen gibt

Bony: Dazu kann ich leider nicht so viel sagen, die habe ich nicht einmal gesehen – bis auf den „Alle wollen gut aussehen“-Clip von unserer Livepremiere in Mülheim. Das sind alles Einsendungen von Fans, bei denen wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken wollen.

Ihr hattet ja bis vor etwa einem Jahr noch gar keine richtige Band zum live spielen. Waren Liveauftritte auch erst gar nicht geplant oder war es für euch einfach nicht möglich Live zu spielen?

Bony: Nicht einmal die Band war geplant. Klaus und Christof haben damit angefangen. Christof war oft im Proberaum, nahm Drumpatterns auf und Klaus legte dann auf dem Achtspur-Recorder seine Riffs drüber. Das hat sich einfach so ergeben. Bei der „Grossstadt“ war dann schon der Marco, unser Bassist, dabei und etwas später kam ich zur „Fertigmensch“ EP dazu.

Nach 5 oder 6 Jahren Internetpräsenz wurde der Ruf laut: „Jetzt spielt doch auch mal live!“ Die Herren vom Neckbreaker-Zine haben uns angeboten, zusammen mit ein paar anderen Bands im Mülheimer AZ zu spielen und wir haben zugesagt. Wir hatten dann drei Monate Zeit, ein Liveset einzustudieren. Das erste Konzert lief prima, sonst würden wir jetzt nicht hier sein. Wir waren sehr nervös vor der Premiere. Der Laden war für ca. 200 vielleicht 300 Leute ausgelegt und es war brechend voll. Es kamen Leute aus ganz Deutschland und österreich, um uns zu sehen, da sie dachten, das könnte das erste und letzte JAKA Konzert werden.

Die Reaktionen waren gut, deshalb haben wir gesagt, das machen wir wieder. Heute war auch erst Konzert Nummer 9, heisst, wir haben unsere volle Pracht noch garnicht entfaltet. Ich würde uns gerne mal nach dem 20. oder 30. Gig sehen. Aber wir planen nichts, es ergibt sich alles. Niemand hat gesagt, wir müssen dann und dann eine Platte herausbringen. Wir nehmen immer das nächste mit, was ansteht und versuchen das so gut wie möglich zu machen. Danach geht es ins Bett und am nächsten Tag wird wieder geschaut, was ansteht.

Spielt ihr bei Auftritten hin und wieder etwas von euren Coverversionen oder sind die vom Proberaum gleich auf CD gelandet bei den Aufnahmen?

Bony: Die ganzen Covergeschichten von der Homepage sind Sachen aus den Jahren 98/99, so wie SLAYER, A-HA usw. – das war damals eher nur Spass. Wobei heute eine Dame ankam und meinte: „Ich habe darauf gewartet, dass ihr `My heart beats like a drum` von ATC spielt. Schade, dass wir sie enttäuschen mussten.

hätte ja nicht so wirklich reingepasst

Bony: Auf keinen Fall. Die Leute schreien bei unseren Konzerten auch immer SLAYER! Ich wusste am Anfang garnicht, warum – bis mir irgendwann nach einem Konzert klar wurde: achso, die wollen dann das „Reign in blood“-Cover hören!

Aber ihr möchtet 2005 ein Album ausschliesslich mit Coverversionen deutschsprachiger Songs machen. Find ich sehr lustig. Wer wäre da unter anderem vertreten – auf dem neuen Album? EA80 und Die GOLDENEN ZITRONEN las ich – wer noch?

Bony: Ja, genau. Das werden aber keine Charthits sein, sondern Sachen von Bands, die uns beeinflusst haben oder textlich gut waren. Vielleicht fühlt man sich nicht unbedingt von HILDEGARD KNEF beeinflusst, aber sie hat grossartige Texte geschrieben. Dazu kommen noch EXTRABREIT mit „Albtraumstadt“ oder „Der Mord Fällt Aus“ von EA80. Ich überlege derzeit, wer denn noch diese Single von EA80 zu Hause haben könnte. Der Song von den GOLDENEN ZITRONEN ist schon fast fertig aber frage mich nicht, wie der Song heisst.

Christof ist so ein Typ, der die Sachen schon durcharrangiert im Kopf hat. er sang uns auf der Fahrt hier her Sachen vor, wo wir schon dachten: wow, wenn das nur halb so geil wird, wie es jetzt klingt, wird es auf jeden fall prima. Manches wurde auch wieder verworfen, z.B. der Song von einer Schallfolie aus dem Yps-Heft. Der Song heisst „Mecki Spaghetti“ – aber sowas können die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS besser als wir.

Gut, auf die Platten bin ich ja gespannt. Aus einem Interview – du sagtest: „Wir prangern zwar an, haben aber selber auch keine Lösung parat.“ Siehst du das wirklich so? Klar, man muss ja nicht zu allem eine Meinung haben aber ihr habt doch schon eure Vorstellungen davon, wie etwas besser sein könnte oder sollte und sagt nicht nur „Hey, finde ich nicht gut so“.

Bony: Ich bekomme in meinem Plattenladen den Niedergang des Mittelstandes am eigenen Leib zu spüren, nämlich durch extreme Umsatzeinbussen. Aber dafür mache ich jetzt nicht Kanzler Schröder oder sonst wen verantwortlich. Das sind nun mal die Spätfolgen der Wiedervereinigung und nicht nur das böse böse Internet. Ich bin keiner, der sagt: ihr Politiker seid alle scheisse und wenn ich jetzt an der Macht wäre, wäre es anders!

Denn ich hätte auch keine Lösung, weil es einfach viel zu kompliziert wäre, alle Zusammenhänge zu durchschauen und neu zu strukturieren. Das ist wie bei den Leuten im Fussballstadion, die ihrer Meinung nach auch alle viel besser spielen können, als die Herren auf dem Rasen. Wir geben den Leuten keine Richtung vor – sagen also nicht: tut dies, tut das! Natürlich kannst du Sachen sagen, wie: Schmeiss deinen Fernseher weg oder so etwas

Schaut ihr nicht fern?

Bony: Klaus, unser Gitarrist, hat seinen Fernseher schon weggeworfen. Das liegt einfach an so Sendungen, wie z.B. „The Swan“ auf Pro 7, wo ein Haufen Frauen in einem Lager zusammengepfercht werden und alle Spiegel abgeklebt werden. Dann werden die dort umoperiert und dürfen erst nach drei Monaten wieder in den Spiegel schauen. Das ist meiner Meinung nach ein derart moralischer Verfall!

Wir prangern aber nicht die Regierung in unserer Musik an. Wir sind keine Leute mit bunten Haaren, die „Schiess doch, Bulle“ auf ihre Lederjacke geschrieben und den Begriff „punk“ völlig missverstanden haben. Wenn ich also sage: wir haben keine Lösung, dann meine ich damit: ihr bekommt von uns keine Richtung. Wir singen zwar „Verbrennt euer Geld“, aber nehmt das bitte nicht alles so ernst. Die Leute, die unsere Musik hören, halten wir schon für schlau genug.

Wir hoffen, denen ein wenig die Augen öffnen zu können. Bevor ich unseren Schlagzeuger Christof Kather kennen gelernt habe, habe ich einfach vieles so hingenommen und merkte erst später, mit wie vielen Widerwärtigkeiten wir täglich konfrontiert werden – ob das nun Brustvergrösserung im Frühstücksfernsehen ist oder beim Briefkasten öffnen tausend Real Cash Sachen und andere Prospekte dabei sind.

Man kann den Leuten sagen: ihr braucht das nicht! Aber eine politische Richtung können wir nicht offenbaren. Wir sind nicht SLIME und schon gar nicht STöRKRAFT oder sonst wie. Die Leute, die sich von uns angesprochen fühlen, hören sich unsere Sachen an, ziehen vielleicht ihre Schlüsse daraus und laufen ein bisschen wachsamer durch die Gegend – das wäre schön. Wir werden die Welt mit JAKA nicht verändern.

(kleine Pinkelpause für Bony – dann)

Macht ihr nur CDs? Warum kein Vinyl?

Bony: Wir nehmen demnächst Material für 1-2 Splitsingles auf. Eine der kommenden Releases wird auf jeden Fall auf Vinyl erscheinen, wir wissen nur noch nicht, ob’s die Coverplatte oder das reguläre Album sein wird. Ich möchte auf jeden Fall endlich mal eine LP zu Hause haben, auf der ich mitgespielt habe.

Auch aus einem Interview: Ihr wollt eine Broschüre machen mit dem Titel „Ich soll 20 Sachen schaffen- wie schaffe ich zwei?“ Hä? War das ein Witz?

Bony: Streckenweise Witz, oft aber auch wahr. Wir haben gerade noch darüber diskutiert, wie wir es 2005 schaffen sollen, zwei Splitsingles, ein Cover- und ein reguläres Album rauszubringen und nebenbei noch in Deutschland, Holland, Frankreich, österreich und Schottland zu spielen.

Du sagtest gerade, wie viele Konzerte ihr noch in anderen Ländern spielen möchtet. Gibt es da irgendwelche bedenken wegen den deutschen Texten im Ausland zu spielen?

Bony: Ich glaube in Holland wird das keine grosse Barriere sein. Bei Grindcore live sind die Texte eher nicht so entscheidend, aber entscheidend ist, dass wir im nicht-deutschsprachigen Ausland aufgrund unserer deutschen Texte gerne gehört werden. Wir sind nicht die x-te deutsche Band, die sich einen englischen Namen gibt und Texte über Gedärme- und Fotzenrausreissen schreibt.

Ich mache mir viel mehr Gedanken darüber, wie ich mich mit dem holländischen Publikum unterhalten soll – ob ich deutsch, englisch oder meine paar Sätze höllandisch zum Besten gebe. Wir haben uns überlegt, wir machen die Ansagen dort einfach alle auf kölsch.

Schlagzeuger Christof sagte einmal: „Kontrolle ist gut, überraschung ist besser, das ist Jaka-Style.“

Bony: Ja, das rührt daher, dass JAKA nie einen Plan verfolgt haben. Auch bei den Konzerten nicht. Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt. Schicker Club, Catering und Hotel hinterher oder du spielst in einem total abgefucktem Haus mit Schäferhunden und alles ist voller Fliegenpilzkotze. Man weiss es nie vorher. Ein Hauptteil des Songmaterials steht fest, wenn wir ins Studio gehen aber gerade die Sekundensongs enstehen erst im Studio – quasi die überraschungseier, die wir uns vorbehalten.

Wie mit den Konzerten kam eines nach dem anderen und wurde so genommen. Auf der Homepage haben wir nun eine Bookingadresse eingerichtet und haben uns aber noch nie um ein Konzert beworben. Bisher sind es grösstenteils JAKA-Fans, die die Konzerte organisieren. Wenn da eine halbwegs gute P.A., Essen, Getränke, Spritgeld und ein netter Schlafplatz bereitsteht, kommen wir gerne. Dann kommen so Sachen rein wie: habt ihr Bock mit NASUM und SUFFOCATION zu spielen? Und das wäre ja doof gewesen zu sagen: ne, ist uns nicht mehr underground genug.

Zu den letzten zwei Sachen: Was hörst du sonst so privat? Du sagst, du hörst nicht mehr so viel Metal usw.

Bony: Als ich anfing im Plattenladen zu arbeiten habe ich langsam aufgehört mich für Metal zu interessieren. Ich habe einfach festgestellt, wie viel Scheisse doch veröffentlicht wird. In den 80ern und Anfang der 90er war es prima, als Bands, wie SLAYER, S.O.D. und CARNIVORE da waren. Christof brennt mir hin und wieder CDs – zuletzt waren das zum Beispiel Discojazz aus Nigeria von 1976 sehr kurioses Zeug.

Da sind super Sachen dabei! Wenn du 55 Minuten auf der Bühne stehst, Grindcore machst mit Propellerbanging und dem ganzen Gekreische, brauchst du einfach einen Ausgleich. Wenn du keinen Metal mehr hörst, dann wirst du auch nicht unterschwellig von anderen Metalbands beeinflusst. Höre ich mir die neue CANNIBAL CORPSE 20 mal an, dann werde ich sicherlich irgendwann ein Riff machen, das sich danach anhört. Was ich toll finde momentan, sind INTERPOL, die ja rein gar nichts mit JAKA zu tun haben.

Ein paar andere von uns, wie der z.B. unser Grunzer Paul, hören den ganzen Tag nur Gemöbel. Wenn ich mir 99% der Grindcorebands anhöre, stelle ich fest, dass die sich alle wie ein und die selbe Band anhören. Natürlich gibt es da auch bei JAKA Metaleinflüsse. Da klingt dann vielleicht etwas nach SLAYER oder KREATOR, was dann bestimmt von mir kommt, weil ich damit aufgewachsen bin. Wir hören auch zwischendurch Sachen wie DYING FETUS oder BRUTAL TRUTH, weil es geile Bands sind – aber nicht ausschliesslich.

Da eure abschliessenden Worte immer alles lustig abrunden, finde ich, solltest du heute auch noch mal ran – also, bitte eure letzten Worte!

Bony:  Support your local Grindcore-Poet!

(Klaus, der gegen Ende des Interviews auch in den Raum kam, hilft hier nun aus)

Klaus: JAKA sind gegen Fussball aber für Schach, weil Schach ein schöner Sport ist! – Das habe ich einmal gesagt und da kam ein Typ zu mir, der hinter der Theke gearbeitet hatte und meinte: Hey, hör auf so viel zu reden, Death Metal ist nicht lustig! Deshalb nun mein Schlusswort: Death Metal ist nicht lustig!

Ich danke!

***

Homepages:
Label – www.bastardizedrecordings.de
Band – www.japanischekampfhoerspiele.de

Interview: Andreas Lehnertz

Links (2015):
Wikipedia
Homepage
Discogs

 

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