März 12th, 2007

HANKSHAW (#67, 12-1997)

Posted in interview by andreas

da kam mir also diese cd ins haus geschneit. nichts ahnend hörte ich sie mir an und war begeistert. begeistert von so viel melodie, unbekümmertheit und dieser stimme. hankshaw machten mich glücklich, ohne einen wirklich „lustig lustig gute laune sound“ zu haben. durch die stimme schwang im hintergrund in allen Songs etwas trauriges mit. diese tatsache brachte mich schon auf den begriff des emo-pop. aber ich will hier nicht endlos schwallen.

holt euch einfach die scheibe und hört sie euch selbst an. denn auch monate später hat sich an dem zustand der begeisterung nichts geändert. immer noch hebt mich der power-gitarren-pop, der aus florida stammenden hankshaw, schon nach dem ersten takt 3 meter höher.

und so etwas passiert bestimmt nicht alle tage. grund genug also sich um ein interview zu kümmern. und da einem in dieser republik das telefonieren nach übersee bekanntlich schon mal die hosen ausziehen kann, wurde also die kostengünstigere variante ‚e-mail‘ zu rate gezogen. alle fragen wurden übrigens von der band gemeinsam beantwortet.

***

ihr dürftet in europa noch ziemlich unbekannt sein. daher wäre es vielleicht gut, wenn ihr euch kurz vorstellt.

HANKSHAW: john (26) schlagzeug, milton (22) gitarre, harold (24) gesang, Brian (23) bass

euer album ’nothing personal‘ ist bei net-work sound erschienen. das ist mehr oder weniger ein hardcore label. wie seit ihr an diesen deal gekommen? ich meine, eure musik hat in meinen augen nicht besonders viel mit konventionellem hardcore zu tun. dafür um so mehr mit gitarren-power-pop. gibt es da vielleicht noch andere verbindungen zwischen hankshaw und der hardcore szene?

HANKSHAW: nun, wir haben network sound einfach ein demo geschickt. die haben uns dann postwendend angerufen und gesagt, dass sie sehr gerne ein album von uns veröffentlichen würden. keine grosse geschichte also. aber du hast da schon recht, wenn du uns als pop band bezeichnest.

wir sehen uns auch eher im gitarren pop verwurzelt als im hardcore. obwohl, brian und milton sind noch in einer zweiten band namens scrotum grinder und die spielen schon hardcore. naja, jedenfalls so ziemlich würde ich sagen.

hankshaw ist nun nicht gerade eine dieser stereotypen bands. ich würde sogar sagen eine eher aussergewöhnliche band. der gesang erinnert mich ein wenig an shudder to think. war das ein einfluss für euch? und überhaupt, was ist euer musikalischer background?

Harold: oh ja, shudder to think hatten einen wahnsinnigen einfluss auf mich. genau so wie jimmy scott, tim buckley und chet baker.

gibt es ein mastermind in der band mit diesem feeling für potentielle pop hits? oder ist das songwriting eine kollektive sache, so wie dieses interview?

HANKSHAW: nein, wir schreiben die songs schon alle mehr oder weniger zusammen. einer von uns hat vielleicht so eine grobe vorstellung oder ein riff. aber die songs entwickeln sich erst, wenn wir alle unseren input geleistet haben.

von welchen themen handeln eure songtexte? ist da irgendeine message, die ihr rüberbringen wollt? oder geht es mehr um persönliche dinge, sozusagen ein ventil um ein wenig druck abzulassen?

HANKSHAW: also harold schreibt alle texte. und im wesentlichen handeln seine lyrics von persönlichen dingen, von erfahrungen die er gemacht, und sachen die er erlebt hat. das ist einer der gründe warum das album ’nothing personal‘ heisst. und definitiv ist diese band und musik ein ventil für uns, sehr persönliche dinge zum ausdruck zu bringen. ohne die band würden wir wahrscheinlich verrückt werden.

die einzige andere band aus florida die mir gerade einfällt ist radiobaghdad. kann man in eurer gegend von einer grossen szene sprechen, oder spielt sich das alles sehr im kleinen ab? und wie sieht es für euch mit live gigs aus? habt ihr probleme an auftritte zukommen?

HANKSHAW: die szene hier ist schon ganz ordentlich würde ich sagen. wir hatten bislang nie probleme auftrittsmöglichkeiten zu finden. das hat immer ganz gut geklappt. hier, wo wir leben, gibt es diesen grossartigen plattenladen namens ‚403 chaos‘. die veranstalten punk rock shows 3 bis 4 mal die woche. wir spielen da auch ziemlich oft. jetzt kürzlich, im september, waren wir auch 3 wochen auf tour. und überall schien es eine recht gefestigte szene zu geben. alle waren sehr nett und haben die musik gemocht.

wie sieht das aus wenn ihr auf tour seit? in den staaten gibt es doch jede menge dieser läden, wo du erst mit 21 jahren rein kommt. viele bands wie z.b. lifetime (rip) spielen oder haben in solchen läden aus gutem grund nicht gespielt. wie sieht das bei euch aus?

HANKSHAW: wir finden diese 21+ shows absolut daneben. bislang sind wir als hankshaw damit allerdings nicht konfrontiert worden. aber aus erfahrungen mit meiner früheren band kann ich sagen, dass solche shows total für den arsch sind. und wenn wir heute heraus finden würden, dass eine unserer shows nur für über einundzwanzigjährige ist, würden wir wahrscheinlich nicht auftreten und das ganze absagen. solche shows bringen niemandem etwas, das kann man total vergessen.

wo wir gerade bei live gigs sind. was habt ihr in der regel für ein publikum? was für leute kommen auf eure konzerte?

HANKSHAW: was für leute zu unseren shows kommen? kaum welche… nee war nur spass. ich bin mir nicht sicher, ob ich diese frage beantworten kann. wenn wir in unserer heimatstadt spielen sind die mehrzahl der besucher unsere freunde. und auf tour haben wir vor allen möglichen leuten gespielt.

aber ich würde schon sagen, dass die meissten von ihnen aus der punk und hardcore szene waren. aber die leute waren alle sehr aufgeschlossen uns gegen über, obwohl wir nicht dieses typische punk/hc ding spielen.

ich wundere mich immer wieder wie es bands in den usa schaffen, einen übungsraum zu finden. immerhin gibt es keine örtlichen jugendzentren wo geprobt werden könnte. wie ist das bei euch?

HANKSHAW: die meissten bands hier drüben proben in gemieteten lagerhallen oder räumen, die für gewöhnlich sehr klein sind. bei uns ist das nicht anders. wir teilen uns einen proberaum mit einer band namens ‚end of the century‘.

wie verdient ihr euren lebensunterhalt. ich meine von irgend etwas muss das hobby musik ja bezahlt werden. und da hankshaw eine sehr junge band ist, gehe ich mal nicht davon aus, dass ihr von der musik leben könnt, oder?

HANKSHAW: wir haben alle full time jobs. john: ich arbeite für eine computer firma im tech support, harold bei einer firma für medizinische ausrüstung. brian jobbed in einem pizza laden und milton arbeitet bei kinko’s.

das ist so ein laden, der verwaltungsarbeiten für geschäftsbetriebe erledigt. es wäre schön, wenn wir von der musik leben könnten. nur soweit ist es leider nocht nicht.

dabei würde sich eure musik doch bestens eignen, um auch bei einem breiteren publikum anklang zu finden, mit der richtigen unterstützung eines major labels und ’nem video bei mtv. habt ihr darüber schon mal nachgedacht? wäre dass eine vorstellbare karriere?

HANKSHAW: ich denke, die zeit müsste erst einmal reif dafür sein. viele leute unterschreiben bei major labels ohne sich vorher als songwriter etabliert zu haben. und das führt dann zu diesen massen an ‚one hit wonders‘.

wir haben bestimmt kein problem damit eine karriere als band zu machen und davon zu leben. aber wir sollten sicher sein, dass wir auch bereit dafür sind. wenn du voreilig bei einem major unterschreibst, läuft das eh darauf hinaus, dass du nach einem album wieder gedropped wirst.

gut, wo seht ihr euch dann als band in 5 jahren. habt ihr da irgendetwas vor augen das ihr erreichen wollt, bestimmte ziele? oder lasst ihr das einfach so vor sich hin laufen und sagt euch, es kommt halt wie es kommt?

HANKSHAW: im augenblick nehmen wir erst einmal alles so wie es kommt. in der kurzen zeit unseres bestehens, also in den letzten 20 monaten, ist ja schon ziemlich viel passiert. wir haben einfach nur vor in 5 jahren immer noch als band zusammen zu sein und unsere musik zu machen. aber es kann soviel unvorhersehbares passieren, dass du einfach nicht sagen kannst was in 5 jahren ist. aber es wäre schon ein traum für uns, wenn durch die band genug geld herein käme, um unsere anderen jobs an den nagel hängen zu können.

was würde sich politisch in amerika verändern, wenn ihr in der lage wäret es durchzusetzen?

HANKSHAW: die wesentliche politische veränderung, die ich mir wünsche, ist eine gerechtere verteilung des wohlstandes an die gesamte bevölkerung. da ist dieser riesige kuchen in diesem land, der so etwas von verdammt ungerecht aufgeteilt ist, der reinste horror. ist es nicht unvorstellbar, dass jemand wie bill gates 44 milliarden dollar schwer ist?

das kann einen schon wahnsinnig machen. die sollen lieber höhere gehälter an die arbeiter zahlen, um so für ein wenig mehr gleichheit zu sorgen. in dem wissen, dass dort jemand mit so viel geld sitzt, ist es einfach zum kotzen, wenn man sich die leute mit ihren ‚5 dollar die stunde mindestlohn jobs‘ vorstellt.

musstet ihr schon viele dieser interviews über euch ergehen lassen? macht euch das überhaupt spass? der punkt ist doch, dass interviews sehr schnell nervig werden können, wenn man den selben kram immer und immer wieder gefragt wird, oder?

HANKSHAW: ein paar interviews haben wir schon gemacht seit das album erschienen ist, und das macht uns eigentlich auch spass. es ist aufregend wenn leute zu uns kommen und wissen wollen was wir zu sagen haben. es ist auf keinen fall langweilig. es gibt leuten die möglichkeit etwas über ihre lieblings bands zu erfahren. ich selbst lese gerne interviews von bands die mir gefallen. genauso freut es mich natürlich, wenn jemand etwas über uns lesen will.

wann, oder besser gesagt, können wir überhaupt damit rechnen, euch in naher zukunft in europa zu sehen? oder bringt ihr vorher noch ein paar platten heraus?

HANKSHAW: eine europa tour wäre super. wir haben auch schon einige post von drüben bekommen. das freut uns natürlich, wenn auch leute am anderen ende der erde unsere musik mögen. dieser tage haben wir eine neue 7″ auf schematics records veröffentlicht, und im november wollen wir noch 4 songs für eine ep aufnehmen. die wird dann wohl anfang 98 herauskommen. ausserdem bastel ich gerade an unserer web page. schaut da mal vorbei. die addresse ist (http:/www.hankshaw.com).

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schlussworte braucht’s nicht. kauft die platte, alles andere ist überflüssig.

Interview: Torsten Meyer

Links (2015):
Discogs

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