April 14th, 2019

GET HAPPY RECORDS/They could have been bigger than EMI-Buch (#156, 2012)

Posted in interview by Jan

„Es gibt viele Labels, die haben zehn Tapes und nur eine Single gemacht, da sind die Tapes auch mit drin. Das ist dann wieder Crux, die ich von mir selbst als Sammler kenne: Du hast Labelnummer 5 und willst den Rest der Veröffentlichungen wissen und das sind dann alles Tapes. Ja hmh, aber der Punkt ist dann: Ich wollte es nun mal wissen. Und genau das, dieses „Ich wollte es nun mal wissen“, das ist der Grundsatz des Buchs.“

THEY COULD HAVE BEEN BIGGER THAN EMI. A Discography Of Now Defunct Independent Record Labels That Released Vinyl. Ein Gesprächsprotokoll mit dem Autor der Label-Bibel

TRUST-Schreiber Joachim Gaertner macht neben Band, Label und der Schnitt-Arbeit am ersten Tatort-Film, dessen Dialoge komplett mit Faust-Songs synchronisiert werden, auch noch das Buch „They could have been bigger than EMI: A Discography Of Now Defunct Independent Record Labels That Released Vinyl“. Um jenes ging es bei unserem Gespräch in Frankfurt am Main in meiner Wohnung. Die dritte Auflage dieser monumentalen Studie über nicht mehr existierende Plattenlabels, die Vinyl veröffentlichten, wird das Werkvolumen der zweiten Auflage bei weitem übertreffen. Dieser „Gaertner zwei“ genannte Backstein im Format DIN A4 enthält auf fast 600 Seiten persönlich recherchierte Label-Diskographien (nach Katalognummern) ab 1976.

Egal, ob Wa-Hey Records, Death by Blowjob Records, 007 Records, Zyzzle Records, Homestead, Amphetamine Reptile Records, A. M. Records, Chiswick, Slap a Ham, Vitaminepillen, Snake Records, tausende Mikro-Labels mit genau oder mehr als einem Release. Ich frage den jung geblieben Plattensammler und leidenschaftlichen Biertrinker, welchen Umfang die dritte Auflage haben wird?

„Grob geschätzt werden es zwischen 1000 und 1200 Seiten, mal sehen, wie viele Cover-Abbildungen es geben wird. Ich bin momentan auf Verlagssuche und hab zwei, drei im Auge. Wenn die absagen, werde ich es wieder selbst veröffentlichen. Dann wieder im Digitaldruck, denn dann werden es definitiv zwei Bände, damit die Qualität und die Schriftgröße erträglich bleiben.“

Weiter führt er aus: „Das Buch ist eine Research-Arbeit über verschollene, nicht mehr existierende Vinyl-Label, die independent waren. In erster Linie geht es um solche Labels ab 1976, die die New Wave/Punk-Explosion ausgerufen haben und unabhängige Label, die Garagen-, Punk-, HC-, Avantgarde-, Electronic-, PowerPop-, Mod- und Grind-Musik veröffentlicht haben. Metal ist nicht drin, ich musste Grenzen setzen. Einige Doom-Label sind aber dabei, da viele davon auch mit dem Hardcore verwandten Musikstilen geliebäugelt haben. Das mit dem Begriff „Independent“, ist ein schmaler Grad. Du hast eben Sub Pop gesagt, die gibt es ja noch. Sub Pop würde ich für ihre ‚echte‘ unabhängige Zeit, bevor Majors einstiegen, mit rein nehmen. Bislang hadere ich noch damit. Manche Labels, die drin sind, waren auch nur Subunternehmen eines Majors, verfolgten aber eine eigene unabhängige Linie. Stiff Records z.B. kann man in Frage stellen. Es war zwar ein britisches Independent-Label von Jack Rivieria, aber immer in Majorvertrieben.“

Es sind keinerlei Wertangaben drin, Joachim begründete das an anderer Stelle so: „Auf dieses Parkett möchte ich mich nicht begeben. Eine Platte hat den Preis, den man bereit ist, dafür zu zahlen. Sämtliche Bewertungskataloge, die mir im Laufe der letzten 20 Jahre untergekommen sind, sind verfälscht und geben auch nicht den ‚Wert‘ eines Tonträgers wieder. Die meisten Publikationen darüber sind entweder Durchschnittswerte von Verkäufen (wenn sich also ein und dieselbe Platte einmal für 2 und einmal für 50 Euro verkauft, ist der Wert 26 Euro… sehr merkwürdig) oder es sind künstlich hochgetriebene Preise als Grundlage für den Verkauf von Bootlegs, Reissues oder Counterfeits.“

Einfach mal spontan fragen, ob er auch nichts vergessen hat. Plan 9 Records ist drin. Aber auch Factory Records aus Manchester? „Factory Records ist ein Label, das sehr gut im Netz dokumentiert ist, aber: Wenn man als Fan das Label sammeln möchte, ist man andererseits auch wieder ein bisschen aufgeschmissen, denn Factory hat seine Bestellnummern in Serie vergeben, zum Beispiel auch für Grußkarten, Veranstaltungen oder gar Anzeigen. Da wird man leicht irritiert. Aber das Label ist drin, ja. Komplett.“ Ist We Bite Records vorhanden? „Drin! Es gibt zu einigen Releases Fragezeichen, denn einige Bestellnummern fehlen, ich bin mir aber fast sicher, dass die nie raus gekommen sind“. Wir kamen auf schwedische Labels bzw. Bands zu sprechen, Millencolin sind drin? „Nein, weil die Band nie auf einem Label war, das nicht mehr existiert.“ Aha, so läuft das also!

Wie genau zieht er die musikalische Grenze, würde sowas wie Trikont passen, wenn es sie nicht mehr geben würde? „Trikont ist ein Grenzbereich, mit seinen anderen Labels, Schneeball, April. Trikont ist ein Rock-Folk-Label/Vertrieb der 70er, da gibt es auch Veröffentlichungen z.B. jüdischer Lieder von 1924, alles super interessant, aber es passt nicht so ganz in meinem Kontext, was echt schade ist wegen z.B. Attwenger, einer Band, die man noch viel mehr erwähnen müsste.“ Ja und DDR-Bands, hat er Schleimkeim dabei? „Wenn die auf Labels waren, die es nicht mehr gibt, dann ja, auch wenn ich selbst mit Deutschpunk nicht so viel anfangen kann.“

Freut er sich dann eher über Nachträge bezüglich Plattenveröffentlichungen von Bands, die er gut findet wie die Buzzcocks und ist somit eher genervt, anderes nachzutragen, etwa dass Throbbing Gristle auch auf Label Schlag-mich-Tot Records noch 20 Tapes machten? „Buzzcocks ist zwar meine totale Lieblingsband, war aber immer eine Majorband gewesen, die nur ganz wenig auf Independent-Labels machte. Die erste Single auf New Hormones, eine Maxi auf Planet Pacific. Es geht in dem Buch um Labels, nicht um Bands. Mein persönlicher Geschmack hat mit dem Buch nichts zu tun, da muss man schmerzfrei sein: Der 20 Minuten Sinuswelle-Avantgarade-Song ist genauso wertig wie der tolle Powerpop-Song…“

Ich dachte, dass SST Records den längsten Eintrag wegen des größten Outputs haben, aber Mystic Records war fast noch umfangreicher. Jetzt also: Wer hat den Längsten? „Da gibt es einige Labels, zum einen Sympathy for the Record Industry mit über 700 Platten, Creation Records hatten über 300 Singles und 250 LPs, die Belgier von Le Disque du Crépuscule sind auch mit vier Seiten auf zwei Spalten drin. SST? Das kann man unter Kontrolle halten.“

Man müsste also denken, der Autor erkennt alle „defunct“ Labels durchs Hören. Der diesbezügliche Blindtest – ich spiele die Musik vor und er muss (die Bands) bzw. natürlich in erster Linie das Label raten – ergab konkrete Ergebnisse. So wurde die FU’s Doppel-Live-LP nach einer Minute korrekt Lost and Found Records zugeordnet. Die Nummer zwei war einfach, nach zwei Sekunden kam die richtige Antwort, The Last „Awakening“ auf SST. Schwer die Nummer drei. Meine Tipps wie „Im Labelnamen kommt ein Schinken vor“ und „Wir hören gerade Release Nummer 52“ waren nicht hilfreich, es handelte sich um die Trapped inside-LP von Lack of Interest auf Slap a Ham Records. Kein Problem dagegen dann die letzte Nummer, die Fang – Where the wild things are EP auf Boner Records, wurde korrekt zugeordnet.

Das Konzept der Katalognummern, wie erklärt man das einem Laien und wieso die ganze Mühe, der ganze Scheiß steht doch sicher im Internet? „Das Internet ist groß und hat Lücken, wie alles. Für meinen Bereich, alte Labels, da gibt es zu 95 % keine Homepages, manchmal existieren Tribute-Seiten. Wenn du aber von irgendeinem 90er Label wissen willst, was wann erschienen ist, dann hast du Probleme im Netz. Natürlich gibt es Plattformen wie Discogs, aber da gibt es viele Fehlinformationen. Das ist ja alles nach dem Open Source-Prinzip gestaltet und wird kaum kontrolliert. Somit hast du falsche Bestellnummern, ganze Rubriken fehlen, Labels mit verschiedenen Bestellnummerserien sind wahllos verteilt. Und was man überhaupt nicht im Netz herausbekommt: Viele Labels haben Fehlnummern, also nicht belegte Bestellnummern. Da ist die Frage: Gibt es die wirklich gar nicht oder, was mehr passiert, waren es geplante, aber nicht rausgekommene Platten? Da kann man viel in meinem Buch nachvollziehen.“

Aber jetzt z.B. CLAY 5, war das dann das fünfte Release von Clay Records? „Es gibt nur eines, die ‚Catalogue Number‘. Die ist das Identifikationssystem eines Labels zu einem Release. Manche Label nummerierten es dann durch oder trennten Singles und LPs, es gibt da sehr obskure Systeme.“ Gut, aber MOSH 1 von Earache, das war die erste Veröffentlichung des Labels? „Genau, ab den späteren 80er kamen noch Barcodes oder IAN-Nummern hinzu, aber MOSH 1, das ist die erste Nummer auf diesem Label (was natürlich nicht drin ist, weil es Earache noch gibt). Aber auch die haben noch Parallel-Nummern oder Kooperationsreleases. Da hast du dann andere Präfixe der Releases.“ (Anmerkung Jan: es gibt noch die EAR 1, die Heresy-Never-Healed-EP, die zählt aber nicht richtig).

Woher kommt sein Motiv für das Buch?„Als ich anfing, war Vinyl als Medium nicht wieder so präsent, wie es heute der Fall ist. Ich sammle selbst Platten seit 1976 und war oft nicht band-, sondern labelfixiert. Aus dem ganz einfachen Grund: Es ist die persönliche Neugierde. Wenn ich zwei Platten eines Labels habe, was weiß ich, die # 4 und die # 9, und mir beide total gut gefallen, dann interessiert mich, was der Labelmacher sonst noch veröffentlicht hat. So kommt man an neue Bands und betritt Neuland. Der Labelmacher, der sein Geld reinsteckte, hatte einen bestimmten Geschmack, und vielleicht ist es sogar meiner. In den letzten 30 Jahren habe ich auf diese Weise tolle Bands entdeckt, die ich sonst nie kennengelernt hätte. So ging das los, mit privaten Listen der Releases der Labels…“

Denkt er, dass Labels deshalb Platten machten, weil sie einen bestimmten Sound prägen wollen oder ging es mehr um eine „Attitüde“ wie bei Dischord? „Das ist total unterschiedlich. Oft waren Label, die heute Kult sind, nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Nimm X-Claim Records mit ihren sechs Platten, alles Klassiker heute, aber als sie die erste machten, war das nicht absehbar. Auch die haben wahrscheinlich nur ihr Geld zusammen gekratzt. So lief das auch im Gitarrenpop-, im Punk- oder im New Wave-Bereich. Auch dort haben viele Label einen Sound geprägt und ich bin mir sicher, dass das zum Zeitpunkt der jeweiligen Veröffentlichung keine Rolle spielte. Die wollten das veröffentlichen, was sie gut fanden. Später wurde dann im Gitarrenpop der Sound von 53rd and 3rd Records oder Subway Records zum Klassiker, das gleiche bei z.B. Mod Labels. Die haben den Zeitgeist von 1979 oder 1981 auf Vinyl gepresst und heute sind es ‚collectables‘. Small Wonder aus London z.B. hat echte Klassiker an 1977er Punk-Singles rausgebracht und ist heute Kult, war aber damals ein ganz normales Punklabel unter vielen.“

Aber noch mal zu dem Hintergrund des Buches… „Mich hat interessiert, wie diese Welt entstanden ist. Ich hatte selbst ein Label und habe zurzeit wieder eines. Ich kann mich in Menschen, die ihr Taschengeld aus Fanatismus in Platten investieren, ganz gut reinversetzen. Oft sind die Labelmacher nicht die Helden, die Bands werden bekannter. Und so sehe ich das Ganze als kleine Hommage an die Labelmacher im Hintergrund. Viele Bands erscheinen erst auf einem Indie und sahnen dann auf dem Major ab; aber das erste kleine Label, das die Band für sich entdeckt hat, kennt dann keine Sau mehr. Das Buch ist kein Lesebuch, sondern ein Nachschlagewerk, eine diskografische Arbeit. Wenn du dir die Platte einer Band auf einem Label von 1995 gekauft hast, dir das gefällt und du wissen willst, was das Label sonst noch gemacht hat, das kannst du bei mir dann nachschlagen, aus welchem Kontext bzw. Umfeld die Band kommt, eventuell auch weitere Bands auf dem Label für dich entdecken“.

Joachim fragt auch seit zehn Jahren die Labelmacher persönlich an, mit der Bitte, ein kleines Vorwort zu schreiben, doch die Antworten waren spektakulär wenige, bis auf einige Lichtblicke. „Es gibt zum Beispiel Rugger Bugger Records von Sean Forbes, der bei Wat Tyler mitmachte (Anm. Jan: und heute bei Hard Skin), den traf ich in London und der war sehr engagiert und hat einen schönen Absatz über die Labelgeschichte um Schwartzeneggar und das ganze Label-Leatherface-Snuff-Umfeld geschrieben. Das ist aber eher die Ausnahme. Meist gibt es keine Antworten, die ehemaligen Label-Macher scheinen sich nicht mehr wirklich mit ihrem Label identifizieren zu wollen.“ Im Razorcake wurde Joachims Buch aufgrund der „deutschen“ Fleißarbeit gelobt und mit dem Flex!-Buch verglichen, ein interessantes Urteil, was meint er dazu? „Von außen sieht das vielleicht so aus, aber es gibt in anderen Ländern ebenfalls tolle Bücher; über Punk in Frankreich und HC in Italien, jedoch sind die dann immer nur in ihrem Bereich. Das Flex! hat auch einen anderen Ansatz als mein Buch. Burkhard in allen Ehren, netter Kerl, ich kaufe auch wieder seine vierte Ausgabe. Aber auch Flex! deckt ‚nur‘ einen Bereich, den Ami-HC-Punk, ab. Bei ihm geht es mehr um kurze Reviews und Bewertungen. Bei mir ist es eher das Fass ohne Boden.“

Wie sein Trinkkonsum, möchte man meinen, aber fragt stattdessen lieber, wie es denn überhaupt mit den Labels auf der Welt aussieht, gibt es Schwerpunkte? „Der Schwerpunkt ist die Welt. Aber es gibt Daten, an die man besser ran kommt und welche, bei denen es schwierig wird. Lücken hat jedes Buch, meine werden zwar kleiner, aber da nimmst du fünf uralte Labels rein und acht aktuelle werden dicht gemacht. Man rennt dauernd gegen irgendwas an, plus: Das Buch soll ja stimmig sein. Ich will keinen totreden, der noch existiert.“ Hat er auch ein Label aus Afrika mit drin? „Ja, Powernoize aus Südafrika, tolle ‚Surf or die‘-Platten, kennt ihr ja alle. Etwa fünf Labels, alle aus Südafrika, sind drin. Afrika selbst ist kaum vertreten.“ Komisch, ich dachte, in Namibia gibt es eine große Deutschpunk-Szene, hö. „Ich würde gerne alles nachtragen, was man mir zuträgt. Labels in Afrika haben viel auf Kassetten gemacht.“

Tapes wären für das Buch also auch wichtig? „Ja. Label, die Tapes mit eigenen Bestellnummern veröffentlichten, sind mit aufgelistet. Es gibt viele Labels, die haben zehn Tapes und nur eine Single gemacht, da sind die Tapes auch mit drin. Das ist dann wieder Crux, die ich von mir selbst als Sammler kenne: Du hast Labelnummer 5 und willst den Rest der Veröffentlichungen wissen und das sind dann alles Tapes. Ja hmh, aber der Punkt ist dann: Ich wollte es nun mal wissen. Und genau das, dieses „Ich wollte es nunmal wissen“, das ist der Grundsatz des Buchs.“ Es gibt ja noch andere Diskografie-Bücher, zum Beispiel das Scheibenklar-Buch zu (DDR-)Deutschpunk, dort sind auch rechte Bands der Vollständigkeit halber mit drin. Joachim macht klar, dass das nicht seine Schiene der Dokumentation ist.

Zwar waren die Böhsen Onkelz formal gesehen ja auch eine Band auf einem independent Label –Rock-o-Rama Records – und selbiges brachte zumindest anfangs nicht nur Scheiße raus, jedoch verhält es sich so: „Ich will sowas einfach ignorieren und ‚denen‘ keinerlei Plattform bieten, fertig. Es gibt auch extrem rechte französische Labels, die sind auch nicht drin. Ich bin strikt dagegen, rassistische, menschenverachtende Veröffentlichungen in meinem Buch drin zu haben. Ich hatte auch schon mal zwei, drei spanische bzw. italienische Labels erwähnt. Wegen mangelnder Sprachkenntnisse war mir das erst nicht bewusst, jedoch habe die dank eines Hinweises dann wieder rausgenommen.“ Word up!

Andererseits, wegen „Menschenverachtung“, die Mentors sind aber zum Beispiel drin? „Ja, weil sie auf Labels waren, die auch anständige Musik gemacht haben.“ Wie verhält es sich mit Skrewdriver? „Die waren auf Chiswick und sind somit mit dem ersten Album und einigen Singles drin, die White Power-Platten aber nicht mehr. Solche Labels sind menschenverachtend ausgelegt und haben für mich persönlich keinerlei Relevanz. Somit kann man mich gerne als Nicht-Komplettist beschimpfen, aber meine politische Einstellung dazu ist ganz einfach:‚Denen‘ kein Forum bieten, ignorieren, fertig.“

Ist Crypt Records eigentlich drin?„Ja, bis vor kurzem. Ich hab Crypt jetzt aber wieder raus nehmen müssen, weil sie letztes Jahr wieder neue Platten gemacht haben. Das ist immer ein Kommen und Gehen, was auch beim neuem Buch passieren wird. Woronzow, das Bevis Frond-Label, war seit 2004 inaktiv, jetzt 2012 gibt es dort wieder neue Platten. SST ist wieder drin, seit dem Texas-Umzug und neuen Greg Ginn-Soloalben ist es halt nicht mehr das ‚legendäre‘ SST. Aber bei so wichtigen Labels, die nach langer Inaktivität wieder kommen, lasse ich die erste klassische Phase doch im Buch.“

Stellen wir uns vor, er würde ein Buch nur mit seinen absoluten Lieblingslabels machen, egal ob „defunct“, nur sein Geschmack regiert, wie sähe so ein Buch aus? „Das kann ich nicht beantworten! Es gibt Labels, die mir in speziellen Musikrichtungen viel bedeuten. Ich höre vielschichtigen Kram und bestimmte Labels haben mich in bestimmten Musikrichtungen sehr stark geprägt. Ich erwähnte ja schon für den Bereich Gitarrenpop – das mal jetzt für die post-C86-Generation – Subway Organisation aus Bristol oder das wunderbare 53rd and 3rd Label aus Edinburgh. Oder ganz wichtig für mich im Indie Pop Bereich: Fierce Recordings aus Swansea in Wales. Das wurde von Freaks gemacht, zwischen (Semi-)Bootlegs und Platten ihrer eigenen Band The Pooh Sticks, unter anderem z.B mit ihren The Jesus and Mary Chain-Singles, bei denen du nur die Randale nach dem Konzert und keinerlei Songs hörst. Solche Labels haben einen ganz eigenen Charakter. Und hinsichtlich alter Punklabels eben Small Wonder mit den Carpettes und den Zeros oder Step Forward mit frühen The Fall Platten, Cortinas oder Models.

Heute ist mein Hauptaspekt der Bereich Psychedelic, da gibt es tolle Labels wie Pure Person Productions, mit Bands wie Earcandy und Mynd Music oder Dove Tale von Ozric Tentacles. Aber Fakt ist auch: Ich liebe sie ja eigentlich alle! Das obskure Label mit zwei Singles von 1980 und dasjenige mit drei Poppunk-Platten in den späten 90ern. Alle hatten kein Geld und keines ist wichtiger oder unwichtiger als andere. Einige Punk-Musiker, wie zum Beispiel der ‚Boris‘ von Boris the Sprinkler, hatten auch ein kleines Label, als die Band zu etwas Geld gekommen ist und haben ein paar schöne Plättchen gemacht. Das ist einfach Enthusiasmus, das ist absolut klasse, pure Begeisterung, und warum sollte ich solche Label anders bewerten als zum Beispiel Industrial Records von Throbbing Gristle? Das alles gehört zu dieser wunderbaren Welt der Musik dazu.“

 

Text / Interview: Jan Röhlk
Layoutcredits: Avant-Gardener

Nachträge? Helfen? Scannen? Schreiben? Recherche und Archiv, Bob Andrews?
Kontakt zu Joachim über www.get-happy-records.com, dort gibt es einen Link zu dem Buch.

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