März 12th, 2007

GERTRUDE (#109, 12-2004)

Posted in interview by andreas

Auf ihrer ersten und einzigen USA Tour war es mir vergönnt, die mir bis dato unbekannte Band Gertrude aus London in San Franciscos Covered Wagon zu bestaunen, und gestaunt habe ich wirklich. Kaum hatten die Frauen die Bühne betreten, wusste man, dieses Mal würde alles ganz anders werden, diesmal würde alles richtig gemacht werden. Für mich ist die fast nur durch Mundpropaganda bekannte Gruppe von überdurchschnittlich vielseitigen Musikern eine der Ausnahmeerscheinungen der heutigen Musikszene.

Ein paar Jahre später, und ich finde einen Song eben dieser Band auf dem neuen Peace not War Sampler, zu dem unter anderem auch Sonic Youth beigetragen haben, deren Experimentierfreudigkeit Gertrude teilen. Grund genug von dem meiner Meinung nach saublöden Bandnamen abzusehen und ein paar Fragen loszuwerden an die Gruppe, die seit nunmehr 7 Jahren für Punk atypische Instrumente (Cello, Klarinette, Akkordeon sowie neuerdings eine Melodika) in ihre Musik integriert, ohne dabei die geballte Energie zu verlieren, die sie schon in ihrem Gründungsjahr auszeichnete. Interview Partner: Iona Tanguay – Gitarre, Klarinette, Bass, Gesang & Ayesha Taylor – Gitarre, Bass, Gesang

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Ihr legt sehr viel Wert darauf, dass ihr ein Kollektiv seid. Als mehr oder weniger integraler Teil der Punkszene, glaubt ihr nicht, dass die meisten Bands genauso arbeiten, indem sie z.B. eingenommenes Geld gerecht unter sich aufteilen? Was macht euch kollektiver als andere Bands?

Iona: Wir bezeichnen uns selbst als DIY Kollektiv um klar zu machen, dass jede von uns gleich viel zählt. Es ist ein Weg, uns ausserhalb des männlichen Mainstreammusikgeschäfts und innerhalb des alternativen Untergrunds zu positionieren. Wir sind immer für die Möglichkeit offen, dass andere sich beteiligen, musikalisch oder anderweitig. Ich denke nicht, dass wir uns da sehr von anderen Bands in der DIY Szene unterscheiden und stimme zu, dass Gemeinschaftsdenken generell tief in der Punkszene verwurzelt ist.

Es geht darum, dass die Band uns allen gehört – jede von uns schreibt Texte und normalerweise sagen wir nicht dazu, wer was geschrieben hat. Wir machen nicht viel Geld, aber wenn, dann kommt das in die Bandkasse, aus der Studioaufnahmen und solche Dinge bezahlt werden. Wir haben gerade ein kleines tragbares, digitales Tonstudio gekauft und hoffen, uns selbst beibringen zu können, damit unsere eigenen Aufnahmen zu machen.

Ayesha: Viele Bands listen auf, wer was geschrieben hat – unsere Musik ist von Gertrude, egal wer auf der jeweiligen Veröffentlichung gespielt hat. Auch trennen wir die Rechte an Text und Musik nicht, welches kaum eine Band mit uns gemeinsam hat. Wir sind ziemlich gut, wenn es ums Teilen geht, vor allem auf Tour. Wir glauben alle an Gemeinschaftlichkeit.

Ihr registriert eure individuellen Anteile an Songs nicht bei verschiedenen Lizenzfirmen, jedoch stimmt es ja nicht ganz, dass man nicht erfährt, wer welche Texte geschrieben hat. Auf eurer Internetseite ist dieses ja sehr wohl vermerkt.

Gertrude: Zu der Zeit, als wir die Namen der Schreiberinnen den Texten auf der Internetseite hinzufügten, diskutierten wir, ob es nicht interessant für Fans wäre zu erfahren, wer was geschrieben hat, da die Texte doch sehr persönlich sind. Ausserdem mag ich die Idee, dass, obwohl wir ein Kollektiv sind, wir eine Einheit darstellen, die sich aus verschiedenen Stimmen zusammensetzt, die sich nicht immer einig sind.

Wir schreiben alle über unterschiedliche Dinge. Auf der anderen Seite sehe ich uns auch gerne als die Stimme Gertrudes es ging mehr darum, dass viele Bands Urheberrechte aus finanziellen Gründen getrennt handhaben.

In London ist sehr viel los, Gruppen wie Riot Girl London initiieren Projekte wie das Ladyfest und Emmaz. Ihr habt euere eigene Art von Ladyfest, FrockOff, veranstaltet. Hattet ihr das Gefühl, dass etwas am Ladyfest gefehlt hat, das FrockOff bieten konnte?

Gertrude: Das erste FrockOff fand ein Jahr vor dem Ladyfest London statt, in einem Theater im Jahre 2001. Hätten wir damals schon von den US-Amerikanischen Ladyfesten gewusst, hätten wir es vielleicht auch Ladyfest genannt, jedenfalls hatten wir die gleiche Agenda wie die Ladyfest Initiatoren.

Wir wollten Frauen eine Plattform zur Verfügung stellen, von der aus sie den männlichen Musikwelten Contra bieten können. Wer weiss, vielleicht hat sogar gerade FrockOff die Leute inspiriert, die dann für Ladyfest London verantwortlich wurden.

Ihr seid kürzlich von eurer zweiten Tour durch die Niederlande und Deutschland wiedergekehrt. Wie habt ihr diese organisiert und warum glaubt ihr, dass gerade die Menschen dort euch so mögen?

Iona: Die letzte Tour haben zwei Leute für uns organisiert: Alva, ein smarter Teenager aus Bonn, die auch ein Zine namens Toilet Paper macht und der wir es unter anderem verdanken, dass wir mit No Means No spielen durften, und Corny aus Dresden, der bei Flying Windmill spielt und eine kleine Booking Agentur, EmotionIsDead, leitet.

Die Tour war richtig klasse. Wir haben viel in besetzten Häusern gespielt und haben immer eine sehr positive Reaktion vom Publikum bekommen. Das liegt wohl daran, dass die DIY Szene da sehr viel grösser, stärker und besser organisiert ist als im Vereinigten Königreich. Die Leute, vor denen wir jede Nacht spielten, waren unser übliches Publikum, Menschen mit alternativen Ideen, die offen waren für den Gertrude Vibe. London ist da sehr viel kälter. Man muss schon sehr hart arbeiten um Londoner zu beeindrucken.

Ihr habt auch mit bekannteren Bands zusammen gespielt sowie Fugazi, Chumbawamba und Shellac, könntet ihr euch vorstellen auf solch einer Ebene zu touren und immer vor einem riesigen Publikum zu spielen?

Iona: Natürlich würden wir gerne immer mit Bands spielen, die wir lieben und bewundern, und es wäre auch toll, wenn wir unsere eigenen Konzerte in solchen Dimensionen spielen könnten. Es ist etwas Besonderes an einem ausverkauften Gertrude Gig, bei dem 70-100 Leute anwesend sind, und ich kann mir nicht vorstellen immer vor einem grösseren Publikum zu spielen. Wir können eine bessere Verbindung zum Publikum aufbauen, wenn wir in kleineren Clubs spielen.

Andererseits meine ich, dass wir mittlerweile gelernt haben mit grösseren Shows, die mit grösserem Druck verbunden sind, besser umzugehen. Vor dem Fugazi Gig vor zwei Jahren hatte ich geträumt, ich würde mir auf der Bühne in die Hose machen, aber als wir erst da waren, haben wir (Ayesha und ich) vor unseren Helden eine gute Show hingelegt ohne zu Staub zu zerfallen. Mittlerweile haben wir mehr Selbstvertrauen bekommen und können uns musikalisch sowie anderweitig selbst behaupten.

Ayesha: So wie diese Bands zu touren wäre genial, aber es ist schwer für uns Vollzeitmusiker zu werden, da wir dann alle unsere Jobs aufgeben müssten und immer pleite wären. Würden wir den Punkt erreichen, wo das möglich würde, wären wir alle dabei und würden sofort kündigen. Leider sind wir sehr unbekannt and verdienen keinen Cent mit unserer Musik. Die ganze Zeit riesige Hallen mit Leuten zu füllen, die dich vergöttern, ist wohl der Traum jeder Band. Es wäre fantastisch.

Du und Iona scheinen ja doch verschiedener Meinung zu sein, wenn es darum geht mit der Musik euer Geld zu verdienen. Liegt das daran, dass ihr unterschiedliche Vorstellungen davon habt, wie das aussehen würde, oder ist das ein Problem innerhalb der Band. Ihr habt das doch sicherlich schon einmal diskutiert. Wenn es nur eine Frage des Bekanntheitsgrades ist und keine ethische, frage ich mich, warum euer Vertrieb so schlecht ist, dass man fast nirgendwo eure CDs kaufen kann. Ich hätte erwartet, dass der Grund, warum ihr bei keinem Label unterschrieben habt, sei, dass ihr somit die Kontrolle über eure Musik teilweise verlieren würdet.

Gertrude: Wir haben keinen Vertrieb, weil niemand uns vertreiben will. Wenn uns der richtige Vertrag angeboten würde, wären wir sehr froh. Ich sehe zwischen meiner und Ionas Aussagen keine Diskrepanz. Ich rede fast jeden Tag mit ihr. Vielleicht haben wir uns nur auf verschiedene Punkte konzentriert.

Ihr seid eine der Bands, die wirklich vom Internet profitiert haben. Hätte sich die Band mittlerweile schon aufgelöst wenn es die Internetseite www.gertruderock.com nicht gäbe?

Gertrude: Das ist eine sehr gute Frage. Es gäbe uns trotzdem noch, aber wir würden wahrscheinlich nicht so viele tolle Shows spielen. Dass wir mit Fugazi spielen konnten, wurde durch E-Mail Korrespondenz erreicht. Des Weiteren sind unsere Touren auch oft das Ergebnis massigen E-Mail Austauschs und Internet Recherchen. Das Internet ist ein absolutes Geschenk für Musiker wie wir es sind, da es uns erlaubt die Kontrolle darüber zu erlangen, wie wir präsentiert werden und uns eröffnet unsere Musik in die ganze Welt zu verkaufen über Seiten wie CDBaby.

Wenn man in einem Land spielen möchte, in dem man vorher noch nie war, ist das Internet stets die erste Anlaufstelle. Unsere Interseite ist ein Portal zur Welt, da Fans aus entfernten Ländern so wie Indonesien oder Südamerika uns über sie kontaktieren können. In diesem Sinne ist das Internet tatsächlich unersetzlich für uns im Bezug darauf, wie wir arbeiten und Dinge koordinieren.

Ist CDBaby sehr punk? Ich habe da nicht nachgeforscht, aber es gibt Tonnen von DIY-Distros die liebend gerne eure Cds vertreiben würden, sowohl über das Internet als auch auf Konzerten. CDBaby nimmt sich ja nur ersterem an, was ihr aber auch selbst machen könntet (Bestellungen von Leuten annehmen und CDs verschicken)

Gertrude: Wir haben keinen Dienst für internationale Geldtransaktionen auf der Internetseite. Einige unserer CDs werden von Punk-Distros vertrieben, aber wir müssen ihnen immer hinterherrennen um herauszufinden, was verkauft wurde. Es ist schwer da Geld zurückzubekommen. CDBaby sagt uns immer Bescheid, wenn sie etwas verkaufen, und das Geld geht sofort auf unser Konto.

Einige der Lieder, deren Text auf der Seite abgedruckt ist, wurden nie veröffentlicht. Liegt das daran, dass ihr nie das Geld hattet sie aufzunehmen oder waren sie es euerer Ansicht nicht Wert auf einer eurer EPs zu erscheinen (die ja nicht viele Songs enthalten)? Ihr seid ja alle „richtige Musiker“ mit einer sehr professionellen Einstellung zur Musik und somit sehr kritisch mit euren Aufnahmen.

Gertrude: Du hast Recht. Die Entscheidung wurde getroffen, weil wir nur Aufnahmen von sehr hoher Qualität herausbringen wollten, da wir wussten, dass wir nach der Musik, die wir rausbringen, beurteilt werden würden und dass sie unser kleines Vermächtniss an die alternativen Musikszenen sein würden. Ich hatte das Gefühl, dass einige der frühen Riot-Girl Aufnahmen nicht sehr gut waren, und wir wollten uns von der lo-fi, bringts-raus-egal-wie`s-klingt Mentalität distanzieren.

Wäre ich ein Mann in einer Band, wäre mir das wahrscheinlich egal gewesen, aber ich hatte wirklich das Gefühl, dass es sehr wichtig war, dass Frauen ernsthafte Aufnahmen machen. Deswegen haben wir immer sehr viel Geld für Studios ausgegeben und uns Zeit genommen, die richtigen Leute zu finden um mit ihnen zu arbeiten. Es ist eine sehr teuere Angelegenheit Leute für die Aufnahmen, mixing, mastering und CD-Pressung zu bezahlen. Deswegen konnten wir uns nie leisten, mehr als 3-4 Songs auf einmal zu veröffentlichen. Letztendlich haben wir ja das Album herausgebracht, so dass jetzt unsere früheren Friseure pleite sind, aber dafür klingt es auch super.

Eure US-Tour ist ja gut angekommen, vor allem in San Francisco. Habt ihr Pläne wieder dort zu touren und wäre es nicht gut zu diesem Zwecke eine US-Plattenfirma euer Album lizenzieren zu lassen?

Gertrude: Ich würde sehr gerne noch mal dort touren. Wir bräuchten aber jemanden, der uns kostenlos rumfahren würde um uns so wieder zu helfen – wenn wir jemanden fänden das zu tun, wären wir an Ostern da. Die USA war eine Enthüllung; es schien so eine riesige Frauen und DIY Szene zu geben. Es war auch neu für uns vor straightedge Publikum zu spielen. In Grossbritannien sind alle besoffen und machen Krach. Einige der Shows in den USA waren die intensivsten, die ich je erlebt habe. Deshalb hoffe ich, dass wir wiederkommen können. Wir würden das Album auch gerne von dem richtigen Label lizenziert sehen. Hast du irgendwelche guten Vorschläge, wen man da ansprechen sollte?

Im Reason to Believe sagt Iona, dass es ihr wichtig ist, dass ihr nicht als Frauenmusik klassifiziert werdet, in dem Sinne, dass die Musik nicht von Männern hätte geschrieben werden können, während Ayesha Diva klarmacht, dass der Punkt bei Gertrude ist, das es eine Frauenband ist. Ist das ein Widerspruch, mit dem sich die Band auf Konzerten konfrontiert sieht, zum einen nicht marginalisiert werden zu wollen, aber trotzdem den Frauen-Aspekt hervorheben zu wollen?

Gertrude: Hmmm, das ist ein Widerspruch. Für mich war es eine politische Entscheidung eine Frauenband zu gründen – eine direkte Antwort darauf, dass ich damals nicht auch nur eine gute Frauenband aus Grossbritannien nennen konnte. Am Anfang habe ich sehr darauf gedrängt, dass nur Frauen der Band beitreten, aber ich weiss, dass nachfolgende Mitglieder sehr glücklich darüber sind. Unsere Schlagzeugerin ist noch in einer weiteren Frauenband namens KaDaS und Zo?, unsere Sängerin, Cello- und Melodika- Spielerin meinte, sie würde nie wieder mit Männern spielen wollen.

Es ist immer noch sehr wichtig mit Frauen zusammenzuarbeiten, da die Szene immer noch von Männern dominiert wird. Ob wir das direkt ansprechen oder nicht, unsere Existenz allein ist ein Kommentar zur Sache. Ich denke, dass in einer Frauenband zu spielen uns in vieler Leute Augen marginalisieren kann. Manche werden es schwer haben sich mit uns zu identifizieren, weil wir eine Frauenband sind. Immerhin geht es beim Fan-sein immer darum sich fast zu überidentifizieren. Manchen Typen und Musikindustriegestalten wird es unmöglich sein sich mit 3 behaarten Frauen und einer Kampfsportspezialistin (Dawn war mal britische Tae-Kwon-Do Meisterin) zu identifizieren, keine Ahnung. In jedem Fall glaube ich, dass unsere Musik für sich selbst spricht und wir ziehen immer mehr Männer als Frauen an. Wenn wir uns treffen, sitzen wir nicht rum und diskutieren feministische Theorien sondern versuchen gute Arrangments für Songs zu finden.

Ist Dawn die einzige, die eine Zweitband hat, ist Gertrude für sie Priorität?

Gertrude: Dawn ist die einzige, die in einer weiteren Band spielt, du musst sie da schon selbst fragen. Es ist nicht leicht Gertrude vorzuziehen wenn du auch noch Geld verdienen musst.

Ihr seid jetzt schon seit einiger Zeit nur noch zu viert. Sucht ihr noch nach einem Ersatz für Debbie und habt ihr es geschafft im veränderten Outfit Songs zu schreiben und die alten live umzusetzen?

Gertrude: Ich mag die Vierergruppe; es hat neue Türen für uns alle geöffnet. Jetzt ist mehr Platz da und ich komme in den Genuss auch mal Bass zu spielen. Zu viert sind wir meiner Meinung nach eine viel bessere Band. Ich weiss, dass Iona gerne mit einem weiteren Multiinstrumentalisten zusammenarbeiten würde, aber wir anderen sind glücklich so wie`s jetzt ist.

Es hat euch wirklich Spass gemacht auf dem Frauenfestival in Padua zu spielen. Erklärt doch bitte, was ihr an dieser Art von Separatismus befürwortet und wie so etwas Sexismus bekämpfen soll?

Gertrude: In einer patriarchischen Welt wie der unseren, einer, die verseucht ist von Geschlechtsdiskriminierung, ist es essenziell, dass Frauen autonome Orte haben, an denen sie denken, fühlen und wachsen können, ohne den Kommentaren von Männern ausgesetzt zu sein. Deshalb unterstütze ich Plätze, zu denen nur Frauen zugelassen sind, und würde gerne öfter dort spielen. Wenn Frauen zusammenarbeiten, gewinnen sie dadurch oft an Stärke und Selbstvertrauen.

Sie reden über die Probleme, denen sie ausgesetzt sind – nicht unbedingt politischer Natur. Aber jede Art von Frauengruppe wird irgendwann das Thema aufbringen, warum sie als Frauen gewissen Dingen ausgesetzt sind. Autonomie gibt Frauen Kraft und sie beginnen an sich selbst zu glauben, und das wird dazu beitragen Sexismus Einhalt zu gewähren. Erst wenn man ganz begreift, womit man es zu tun hat, kann man anfangen etwas zu verändern. Frauenveranstaltungen geben Frauen Platz zum Atmen und Zeit zum Reflektieren.

Punk wird sowieso schon des „preach to the converted“ Lasters beschuldigt. Ist auf Frauenveranstaltungen zu spielen nicht noch eine Steigerung dessen? Gerade weil Gertrude auch ein Mainstream-Publikum begeistern kann, da ihr ausgereifte Musik spielt, und es anhalten kann über die Themen, die ihr ansprecht, nachzudenken. Es wäre traurig, wenn ihr stattdessen nur noch auf Frauenveranstaltungen spielen würdet.

Gertrude: In fast 8 Jahren haben wir auf 2 Frauenveranstaltungen gespielt. Wir weichen also diesen anderen Gigs nicht aus, im Gegenteil, wir spielen für jede Art von Publikum in verschieden beschaffenen Clubs. Ich hasse Männer nicht. Ich unterstütze lediglich Frauenveranstaltungen.

Kommen wir auf euren Namen zu sprechen. Es gibt ja einige Bands, die Vornamen als ihre Bandnamen ausgewählt haben (Maxeen, Silvie, etc.). Also habe ich mir gedacht, dass das implizieren soll, dass die Band eine Art Schmelztiegel für die Bandmitglieder ist, wo ihre Persönlichkeiten zu einer neuen Person kombiniert werden. Ist das der Grund, warum ihr Gertrude heisst, und was charakterisiert diese neu kreierte Person? Welche Angewohnheiten der einzelnen Mitglieder nervt die anderen total?

Gertrude: Gertrude ist so eine bewundernswerte und starke Frau, die sich in deinem Unterbewusstsein austobt. Eine Sirene, die durch deine wildesten Träume tanzt. Es begibt sich oft, dass Frauen sowie Männer sich unsterblich in diese Schönheit verlieben und sich ihr vollends widmen.

Nicht nur ihr hypnotisch gutes Aussehen und ihre leichte Anmut trägt dazu bei, sondern auch ihre positive Lebenseinstellung, ihr erstaunlicher Intellekt sowie ihr Talent dafür Unheil anzurichten. Die talentierte Musikerin spielt viele Instrumente. Um auf schlechte Tourangewohnheiten hinzuweisen: Ich werde zum Miststück, wenn man mich nicht zu den richtigen Zeiten füttert.

Könntet ihr euch vorstellen noch mal von vorne anzufangen mit einer neuen Band oder wollt ihr Punk Omas werden so wie No Means No (Punk Opas geworden sind)?

Gertrude: Ich kann`s kaum erwarten eine echte Punk Oma zu werden. Ich scherze immer, dass wir irgendwann in unseren Namen hereinwachsen und richtige Gertruden werden. In diesem Jahr werden wir unser 8-jähriges Bestehen feiern. Es ist unglaublich schön, wenn irgendeine Art von Beziehung so lange andauert. Ich hoffe, wir werden uns weiter gegenseitig inspirieren und Musik machen, die uns inspiriert.

Was ist das offensichtlichste Zeichen von Dekadenz unserer Kultur?

Gertrude: Tausende von Pfund dafür auszugeben für Konsumgüter zu werben.

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Interview: Sheila MacMilan
übersetzung: Alva Dittrich

Links (2015):
Homepage
Discogs

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